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DAS
AÎJTIKE BUOHWESEN
IN SKINEM
VERIIALTNISS ZFR LITTERATUR
m BEITRÂGEN ZUR TKXTGESCHICHTK DES THEOKRIT, CATIîLL, PROPERZ
UND ANDERER AITOREN
V<»N
THEODOR BIRT.
IJEULIN.
VKULAc; VoN WILHKLM URIîTZ.
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DAS
ÂNTIKE BUCHWESEN
IN SEINEH
VERHÂLTNISS ZUR LITTERATUR
MIT BEITRÂGEN ZUR TEXTGESCHICHTE DES THEOKRIT, CATULL, PROPERZ
UND ANDERER AUTOREN
VON
THEODOR BIRT.
BERLIN.
VERLAG VON WILHELM HERTZ.
(BEfSBBfCHE BUCHHAVDLUMO.)
1882.
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Vorwort.
Jllit den Studien, welche ich hiermit der Oeffentlichkeit ûber-
gebe, soll ein frûher gegebenes Versprechen eingelôst sein. Den
Gesichtspunkt, aus dem sie gearbeitet sind, habe ich zuerst in einem
Aufsatze ûber Ovid's Heroiden des Jabres 1877*) in transitorischer
Weise verwendet und in einem spâteren Vortrage eine selbstândige
Ausfûbning ûber den Begriff des Buchs bei den Alten zu geben
versucht, die indessen, in enge Zeitgrenzen gespannt, einige Haupt-
sâtze zu fonnuliren sich begnûgen musste und eingehendere Beweis-
fubrungen auf eine spâtere Zeit verschob.
Meine Fragestellung richtet sich vorzùglich auf das Verhâltniss
des Buchwesens zur Litteratur, und die litterarische Ueberschau,
welcher die Kapitel VI, VIII und IX gewidmet sind, ist Ausgang
und Endpunkt dieser Studien gewesen. Môchte mir gelungen sein,
auch Anderen nahe zu legen, was mir Bedûrfniss schien: eine Ver-
sinnlichung unserer classischen Lektûre oder eine lebendigere Ver-
gegenwârtigung des alten Litteraturlebens in seinen originalen Formen.
Erst in zweiter Linie steht dagegen das Interesse fur die Text-
geschichte einzelner Autoren^), fur welche ich gleichfaJls die Con-
sequenzen der eingeschlagenen Betrachtungsweise des Buchwesens zu
ziehen mich bemûht habe.
') Rhein. Mus. Bd. XXXII S. 393.
'^) S. die Verhandlungen der 348ten Vers, deutscher Philologen und Schul-
mânner zu Trier 1879 (Leipzig 1880) S. 91, einen zweiten nicht ganz correkten
Abdruck finde ich in der Berliner Oymnasialzeitschrifl v. J. 1880 S. 72 ff.
^) Auch der yerlorenen. Bei der Bestimmung des Buchinhaltes ver-
lorener Autoren pflegt nur zu leicht der geringe Umfang des antiken Bûches
tibersehen zu werden; wie viel hat man doch in die vier Bûcher Aïna des
Kallimachos , wie viel in die drei des Dik&archischen fiioç ^EXXtidoç binein*
combinirt. Die Dehnbarkeit der Buchgrôsse ist begrenzt.
IV — Vorwort. —
So gewiss fur die Stichometrie die Folgezeit weiteres Material
aus Handschriften hinzufugen wird^), so sehr bleibt allerdings auch
noch fiir andere Theile unseres Gegenstandes Weiterarbeit wûnschens-
werth und zu fordem. Habe ich doch weder fur die Bestimmung
der Buchgrôssen noch fur die Blattbreitenmasse noch auch fiir den
Uebergang vom Papyrus zur Membrane in Vorarbeiten hinlângUche
Hiilfe gefunden. Sollte ich trotz dièses ungûnstigen Umstandes gleich-
wohl den Versuch wagen, die Hauptthatsachen dos alten Buch-
wesens endgûltig der Controverse zu entziehen, so durfte ich auch
ausfiihrliche Argumentationen und selbst zahlreiche Belege im Texte
meinem Léser nicht ersparen, der also da, wo eine bequerae Dar-
Btellung zu geben unmôglich war, nun mit der Untersuchung und
Voruntersuchung vorlieb nehmen môge!
In Betreff meiner Pliniusinterpretation im funften KapiteP) habe
ich hinzuzufugen , dass Herr Geheimrath Bûcheler freundlichst ira
Manuskript von ihr Kenntniss genommen und sie in mehreren Punkten
modificirt und bereichert hat. Ihm wie anderen befreundeten Herren
— ich nenne insbesondere Professor Niese und Dr. Bruns — , die
mir mit Rath und Nachweis geholfen, sei auch an dieser Stelle mein
Dank gesagt.
Marburg, den 3. December 1881.
Der Verfasser.
^) Ich erinnere nur an Schanz* neuesten Fund im Plato (rgl. S. 505 f.).
') Ich bedauere erat jetzt von der Schrift des Prof. Cesare Paoli ^Del
papiro Bpecialmente considerato corne materia che ha servito alla scrittara'*
Firenze 1878 Kenntniss zu erhahen; u. a. giebt ihr viertes Kapitel die storia
délia carta di papiro, das zweite die fabbricazione délia carta di papiro. Leider
ist die letztere sorgsame Untersuchung ohne Kenntniss der ÂusfQhrungen
Blflmner*s gemacht. Manche Einzelheit findet man hier wie bei BlQroner ein-
gehender behandelt als es in meinem Zwecke lag. Insbesondere sei hervor-
gehoben, dass auch Paoli S. 27 beim Plinius XIII 78 (s. S. 245 Z. 27) die
Lesung nec mallio sufficit ab unhaltbar nachweist; Paoli's Emen dation nec in
alia sufficit (statt nec in ultima mfficit) scheint freilich sprachlich nicht môglich.
Inhaltsubersicht.
Seita
Einleitmigr*
Onmdbegn^ffe des Buchwesens. Vorarbeiten. Fr, Ritschl. Grosse der
alexandrinischen and der modernen Bibliotheken. Der Bucbbegriff.
Aufgabe 1
Erstes KapiteL Die Bachterminologrie.
Zweideatigkeit des modernen BucbbegrifF^. ^ifikoç, ^h^kiov, liber. Tolumen.
liber und rolumen identiscb. Das Auf- und Zurollen. Explicit. Der
Brief fii^Xioy, nicht liber. Libellas. KvXiydçoÇj xo^nt^ôçoç, ivdXtifitt,
TofAOç. koyoç (aùyyçafÀ/Lta, aùyrayfÀft). Das Oesammtwerk heisst nicht
„Buch^. It^ixôy nicht antik. RoUenbQndel. Dekaden, Pentaden.
cvvTtt^tç. Corpus, G(jj/uaf amfÀttnov, Monobiblos. Bûcher einzeln ge-
kanft und gelesen 11
Zweites KapiteL Das Pergrament.
Frûhe Einfûhrung des Papyrusbuchs. Das Buch der Aegypter, Juden,
Perser. Erfindang des Pergaments. Bedeutung des Pergaments fûr
die Litteratur. Notizen, Brouillons auf Pergament. Briefe nicht auf
Pergament. ifiuvôiriç. aikkvfinç^ titulus, index. Catull c. 22. Erste
Beispiele des Lesebuchs auf Membrane. Die Apophoreta Martial's.
Buchpreise. Oeringer Werth der Abschriften auf Membrane. Das
Lesebuch auf Membrane dicnt den Aermeren. réi'/oç. Neratius'
Membranae. Codex , codicillus. Codices seît Ulpian. Codices im
3. Jahrhundert. Editionen in Rollen bis in^s 6. Jahrhundert. Erste
Editionen im Codex. Die heiligen Schriften im Codex. Der Codex
im Gebrauche der Oeistlichkeit, der Mônche. Die Profanlitteratur im
Codex in der zweiten Hâltle des 3. Jahrhunderts. Erste Bibliothek der
Profanlitteratur in Codices. Oeringer Inhalt vieler Codices. Die âltesten
erhaltenen Codices. Frequenzverhâltniss von Rolle und Codex im
4. und 5. Jahrhundert. Vermerke der Textesrecensionen im Rollen-
buchwesen und Codex 46
VI — Inhaltsûbersicbt. —
Scise
Drittes Kapitel. Das Bach als Trfigr^r der Schriftwerke.
Die meisten erhaltenen Buchrollen unvollstilndig. Lfinge dcr Bûcher.
Die Disposition nacb Bûchero. Dispo^^ition RystematiAcher, historischer
Schriften. Polybios, Livius, TacituB. Die Buchtbeilung ein âusserlicher
Zwang. ProOmien der Rollen. Bczugnahme auf den voraufgebenden
Bucbscbluss. Der Buchscbluss und seine Motive. Der Bucbscbluss ein
Zwang. Gleicbmas^ der Bucbgrôssen: aro/âÇiad^ui, t^ç aufA/uërçiaç.
Die Minimalgrôsse: oAoi' ^tfikioy 127
Yiertes Kapitel* Die Baclizeile.
Kapitel. Bucbtheile. Seiten. Z&blen der Seiten, der Buchstaben und
Silben. Stichometrie. Stichometrie aus Katalogen (Dichtcr, Prosaiker).
Sticbometrische Angaben in der Litteratur. Stichometrie bei den ROmern.
Citate nacb Verscn. Cicero als Oplstbograph. Kolometrie. Beschr&nkte
Anwendung der Kolometrie. Die Kola nicht summirt. Kolometriscbe
Schreibung jAnger aU Cicero. Sticbometrische Subscriptionen. Die
Hercnlanensiâchen BQcber. Sticbometrische Subscriptionen bei Dichtern.
Stichen des Herodot, Isokrates, Demosthenes. Ihr Stichos betr>
ca. 35 Buchstaben. Ebenso der des Euseb, Oregor Ton Nazianz,
Thukydides, Cicero, Justinian, Varro. Abweichungen. Die Prosazeile
gleich dem Hexameter. Zweck der Stichometrie. Bezahlung der
Schreiber nacb Versquanten. War die Normalzeile nur ein idéales
Mass? Die Normalzeile wirkiich geschrieben. Kûrzere Zeilen bei ge-
ringerer Blattbreite. Belege fÛr Schreibung der Normalzeile. In-
Bchriften 157
Fftnftes Kapitel. Die Bacliseite.
Die Papyrusstaude. Bereitung des Buchblattcs nacb Plinius. schidae.
Das Kleben. textura. Blattsch&den. Bereitung des Bûches, scapus.
Haximalgrôsse der RoUe. Die leeren Rollen. Text des Plinius XIII
74 — 83. Die neun Sorten der Charta. Die Blattbreite ein Vorzug.
Seite und Schriftcolumne. Blattbreiten erhaltener Papyri. Yerh<niss
der Zeilenl&nge zur Blattbreite. Privatabschriften litterarischer Werke.
Normalexemplare 223
Seclistes Kapitel. Die Baclignr^sse.
Maximam und Minimum der Bucbgrdsse. Unterscheidung der Formate.
A. Das Poesiebuch. Maximum. Gleichm&ssigkeit. Didaxis. Roman.
Monobibla. Sp&tere Beispiele. B. Das Prosabuch. Sammeirollen.
Minimum, Maximum. Formate mittlerer Grosse. Grosse Formate.
Geringere Formate. Rflckblick. Ueberschreitung des Maximums und
naehtr&gliche Theilung. GedichtbuchgrCsse fQr Didaxis, fÛr Lexica, in
der Ëpistolographie. Epistolographen. GrOssere oder geringere Gleich-
m&ssigkeit. Monobibla. Seitenzahl der Bûcher 286
— Inhaltsûbersicht. — VII
Seite
Siebentes KapiteL Die Editioii.
Wahl des Formats. Unedirte Manuskripte. Unterlassen der Edition.
Zareden der Freunde. Das Autographum geht an den Abschreiber.
Autographa nicht conservirt. Nachtr&gliche Correkturen. Stârke der
Auflagen. Honorar. Correkturlesen. Preiserhôhung rergriffener Werke.
Tabemen. Bibliopolen. Bucbk!lufer. Oeffentliche und prirate Biblio-
theken. Ausdehnung des Buchhandels. Das rOmiscbe Buchwesen
minder entwickelt. Geringe Daaerbaftigkeit der PapyrasroIIe. Confis-
cationen 342
Achtes KapiteL Stôningeii der antiken Bnclifonii.
Eintragung in Codices im 4. und 5. Jahrhundert. Verlust von Bûchern
und BuchanHingen. Verstellung der Bûcher. Verlust der Buchtheilang
bei Seneca, Juvenal, Demosthenes, Cicero, Plutarch. VerluAt der Buch-
theilung bei Briefen; Ovid's Heroiden; bei Sueton, Terentianus Maurus,
Xonius, Justin. Excerpirte Bûcher: Rutilius Lupus, Aelian, Apicius,
Phaedrus, lateinische Anthologie, griechische Anthologie. Theokrit.
Catull. Properz. TibuU 371
Neontes KapiteL Das Toralexandrinisclie Bncliweseii*
Perioden des Buchwesens. PapyrusroIIen. Bibliopolen. Bibliotheken.
Buchhandel. Edition, ixàèâ'o/uéyot Xôyoï. i^taTtqixâ. àvéxâoTa. Die
Torliegendo Buchtheilung ôfters unsachgemâss. Lilnge der BoUen.
Stichometrie. Eleinheit und Inconstanz der Buchumfônge. Die Buch-
theilung unecht bei Thukydides, Homer, bei Herodot, Plato. Schwan-
keode Buchtheilung bei Thukydides, Xenophon. Sammelrollen des
Aristipp u. a., des Antisthenes. Antimachos. Philolaos. Aristoteles
und Theophraât. Editionen des Aristoteles; Zusammensetzung seiner
Pragmatien. Hippokrates. Theopomp. Timaeos. Livius Andronicus,
Naerius, letzte Auslâufer des Grossrollensystems. ^Theile'^ der Eolle.
Isokrates, Xenophon's Anabasis. Werktheile aïs Vorbereitung der
Buchtheilung. Ephoros. Prooemien in Ariâtotele^' Dialogon. PIato*s
Gesetze. Herstellung der Buchtheilungcn in Alexandria und Pergamum.
Septuaginta. Kallimachos, Gegner des Grossrollensystems. Die alexan-
drinische Bibliothek. fii^koi av/ufÀtyilç und à/uiyêïç (ankal). Das
Grossrollensystem herrschend bis Kallimachos. Princip der Bûcher-
anscbaffungen der Ptolemâer. ^ifikia fjo^'àXa, /ui'Xçâ. T/n^/uara. Buch-
g^ôsse des Drama'^. Epicharm 430
SchlllSS 498
Berichtig^ns^eii*
Man seUe Seite 22 Zeile 15 yon anten statt Kap. VU: Kap. VI.
„ n n 31 Zeile 1 von oben statt Gellias : Oellins V 4.
„ n n 8S Zeile 14 von oben statt deff/uaïç: déff/uaiç,
tt , „ 114 Anm. 1 statt Copitollnus: Gapltolinns.
, , n 123 Anm. 1 statt Reifferseld : ReifTerscheid.
If an tbeile Seite 179 Zeile 11 vor ^quibus eventurum" in zwei Zeilen (vgl. S. 220).
Man tetae Seite 204 Anm. 1 statt 17100 000: 1 700 000.
9 9 9 287 2«eile 4 von oben statt vierten; dritten.
n n n S53 Zeile 8 von oben statt zosprachen: zusprechen.
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Ijediiigender Trager aller Litteratur ist die Schrift, yon der
sie ihren Namen empfangen.
Die Einheit eines zusammenhangenden Schriftcomplexes nennen
wir Bue h. Dièse Einheit ist nicht nothwendig eine sachliche, sie
ist Yor allem eine râumliche Einheit.
Das Buch wird ziun Eigenthum der Nation noch nicht durch
die einmalige erste Niederschriit seines Yerfassers, sondem erst durch
Publikation. Publikation aber ist Yeryielfâltigung. Erst durch
sie tritt das Buch ûber die Schreibereien privater Natur hinaus.
Eine zweckmâssige Yervielfâltigung muss auf môgiichst mecha-
niscbem, fabrikmassigem Wege stattfinden. Es muss sich eine be-
stimmte Gleichmâssigkeit der Buch for m ausbilden.
Ist so ein Buch nationales Eigenthum geworden, se ist weiter
sein Zweck, in dieser Ëigenschaft grossere Zeitlâufte zu ûberdauem.
Das Einzelbuch muss dauerhafb gemacht werden. Es bilden sich
Formen aus fur seine Conseryirung und Aufbewahrung.
Die diirch den Fortgang der litterarischen Production wachsende
Yielheit yon Bûchem yereinigt sich in Buchsammlungen, deren 5rt-
liche Darstellung die Bibliothek ist.
Dièse einfachsten Thatsachen ailes Buchwesens sind in sach-
licher Nothwendigkeit begrundet. Sie wiederholen sich darum in
entwickelten Culturperioden. Insbesondere gleichen sich in ihnen
das moderne imd das antike Culturleben yollkonmien.
Allein es ist hiermit das Buchwesen eben nur gekennzeichnet,
Bofem es der Litteratur dient. Auch das Schulhefb des Ejiaben, auch
Blrt, Bncbweaen. 1
2 — Einleitung. —
das Conto des Eaufmanns nennen wir, aucb den Brief nannte das
Alterthum Buch. AUen derartigen ^Bûcbem", die, unyervielfaltîgt,
nur dem nâcbsten praktiscben und meist privatem Zweck dienen
und zu gelten aufboren, wenn ibr Zweck erfullt ist, feblt der ôffent-
licbe Cbarakter, und Form wie Material braucbt bei ibnen danim
einer Regel nicbt unterworfen zu sein. Wâbrend die moderne Zeit
als Material fast allein auf das Leinenpapier bescbrâokt ist, das sicb
nur der Art nacb im Dienst des Drucks von den verscbiedenen
Sorten des Scbreibpapieres unterscbeidet, so bescbrankt sicb das
Altertbum fur die Edition seiner litterariscben Werke auf den
Papyrus, fur Privatzwecke verfugt es neben demselben Papyrus
aucb nocb ûber Wacbstafel und Membrane.
Ërst die Drucklegung erbebt beutzutage ein ScbriftstQck zur
litterariscben Ërscbeinung. Ebenso ist damais die Scbeide zwiscben
Privatscriptur und Litteraturbucb der Augenblick gewesen, wo ein
Autor sein Manuscript seiner eignen Sclavenscbaft oder der Sclaven-
scbaft eines Untemebmers zur yielfâltigen Abscbrift ûbergab. Dies
bedeutete den Eintritt aus willkûrlicber Bucbform in die syste-
matiscb geordnete des Bucbmarktes; das Scbriftstûck war Gegenstand
des Yerkaufes, des Yersands geworden, und kein Wunscb konnte
ibm alsdann seinen privaten Cbarakter zurûckgeben. Allerdings bat im
Altertbum das Originalmanuscript des Autors in seiner âusseren Ër-
scbeinung den Einzelexemplaren der Edition wobl obne Frage oft-
mais weit âbnlicber gesebn, als dies beute der Fall ist — denn aucb
der geûbteste scriba konnte docb das Typiscbe imd Gleicbmâssige
unsrer Druckscbrift nicbt erreichen — ; allein der Unterscbied
zwiscben publicirtem und unpublicirtem Scbriftwerk war darum nicbt
weniger wesentlicb.
Es ist bei den bisberigen DarsteUungen des Bucbwesens im
Altertbum versâumt worden, diesen principiellen Unterscbied als
solcben gebûbrend wabrzunebmen und die Tbatsacben nacb ibm
— Vorarbeiten. — 3
m sondem imd anzuordnen: dies ^t sowohl yon dem Archegeten
auf diesem Gebiet, Montfaucon^), als von dem wackeren Chr. 6ottl«
Schwarz*) und den neueren Bearbeitem, wie Géraud^), W. A. Becker*),
Wattenbacb, aus dessen ^Scbriftwesen im Mittelalter" *) wir aucb
fur das antike Scbrîftwesen reicbe Belebrung empfangen baben,
und endlicb Gardthausen in den bezûglicben Abscbnitten seiner
Giiecbiscben Palâograpbie'). Gleicbwobl ist allen diesen genannten
das Factum der Edition selbst mit seinen einzelnen Umstânden be-
kannt genug ^. Der Zweck der folgenden Blâtter macbt es nôtbig, yon
i}im als Yoraussetzung auszugeben.
Ist es der Mûbe wertb, sicb môglicbst genau zu orientiren, in
welcber Form die Texte eines Aristoteles, eines Cicero und sâmmt-
licher classischer ScbriftsteUer zuerst yor ibrPublikum traten imd
duTcb Jahrhunderte des Altertbums selbst weiter tradirt wurden,
') Palaeographia graeca, Paris 1708, cap. I.
^ Dispatatio de ornamentis librorum apud veteres, Altorf 1721 und 1726;
dasa die dispatatio de ornamentis codicom, Altorf 1726. Ygl. dazu Joh.
Nie Fanccii Marburgensis de scriptura veterum commentatio , Marburg und
Rintehi 1743.
*) Sur les lirres dans l'antiquité, Paris 1840.
*) Gallos fid. II, Ëxcurse zur dritten Scène, Leipzig 1838, dritte Aufl.
Ton Bein 1863. Vgl. auch Marquardt, Rôm. Priratalterthfimer, II, S. 382.
*) Zuerst Leipz. 1871, abermals 1875 erschienen.
*) Erschienen Leipzig 1879.
') Grundfalsch in seiner AUgemeinheit ist ein Satz, den man bei dem
kochrerdienten Aristoteliker £. Heitz lesen kann (Die verlorenen Schr. des
AristoU 8. 233): ^Dass im Alterthum (!) von einem Unterschiede, wie er heute
swischen einem bloss handschriftlich rorhandenen und einem zur Herausgabe
gelang^n Werke besteht, im Grunde keine Rede sein darf, ist eine klare
Sache!" Heitz meint wohl eigentlich nur das voralexandrinische Alterthum;
aber auch dann erweist sich dieser Satz als nnhaltbar (vgl. unsren letzten
Absehnitt).
4 — Einleitung. —
bevor sie uns der mittelalterlicbe Copist in seinen mittelalterlichen
Pergamentbânden vermittelte, so sind wir angewiesen, die Frage aus-
Bchliesslicb nacb jenem Bucbwesen zu steUen, das wirklicb den
Publikationszwecken gedient bat; wir sind angewiesen zu ermittebi,
inwieweit solcbe Publikation von der Willkûr eines einzelnen Skri-
benten unabbângig, d. b. inwieweit fur sie das Scbreibma-
terial, die Bucbform und der Bucbumfang durcb Con-
yenienz und Bucbbândlerusus fixirt war.
Wir geborcben damit zunâcbst nur einem antiquariscben Triebe.
Wer da wunscbt, sicb dem Eindruck nacb Moglicbkeit anzugleicben,
den ein altatbeniscber Zuscbauer in seinem Tbeater erfubr, ver-
gegenwârtigt sicb ans Bedûrfaiss die Figuren des Sopboklebcben
Dramas nicbt obne correct antike Grewandungen. Um mit dem Ein-
druck zu les en, mit dem ein antiker Léser las, wûrden wir bei
unsrem Anstoteles grûndlicb zu abstrabiren baben Yon den ungefugen
Quartbanden der Ausgabe der Akademie und uns seine Einzelscbriften
auf bandlicbe Rollen vertbeilt denken mûssen, wie sie Alexandria
der belleniscben Welt lieferte.
Antiquariscbe Studien sind Genrezeicbnungen der Antike. Sie
zeigen dem Auge dessen, der die grossen Yergangenbeiten ent-
lang scbaut, das Nebens&cblicbe, das Détail der begleitenden Um-
stânde, in denen sicb Geist, Leben und Scbicksal der classiscben
Yolker darstellte. Und ibr Lobn ist klein — wenn er nicbt mebr
als das Bebagen des Einlebens in eine vergangene Alltâglicbkeit ist.
So Bcbeint allerdings aucb das Fragen nacb dem Bucbwesen
zunâcbst nur ein Fragen nacb dem Aeusserlicbsten , gleicbsam nacb
dem Ubrgebâuse, in welcbem das Werk der antiken Litteratur ging.
Fur das Yerstândniss der Scbriftwerke scbeint die Eenntniss
Yon der Bescbafifenbeit der Rollen, in denen sie zuerst erscbienen,
nocb um Yieles gleicbgûltiger zu sein, aïs fur das Yerstândniss eines
Gemâldes die Eenntniss der Leinwand, auf der es gemalt stebt.
— Vorarbeiten. Pr. Riuchl. — 5
Wir unssen, auf der Leinwand rulit das Bild, um aie bei seiïier Per-
ception zu ignoriren. Und wir unterrichten uns, wie die SchriftroUen
eînes Aristoteles beschaffen waren, nm bei seiner Lecture von dieser
Wissenschaft abzuseben.
Indess muss uns genauere Betracbtung yielmehr belebren, wie
dennoch in eigentbûmlicher Weise hier ein râumlicber Formzwang
formgebend aucb auf den raumlosen lubalt mit eingewirkt bat. Die
antike Litteratur war mit bedingt durch das antike
Bach. Der begleiteode Umstand modificirt die grossen Thatsachen,
die er begleitet. Und der Lohn dieser Untersuchungen wird somit
ûber jenes einfache Behagen des Antiquars hinausgehen konnen. £r
wird in den kunstgeschicbUichen Erkenntnissen beruhen, die sich
fur die Schriftstellerei der Alten ergeben.
Die anregendste Yorarbeit besitzen wir in Fr. Ritschl^s 1838
erschienener Schrift: ,,Die Alexandrinischen Bibliotheken unter den
ersten Ptolemaem und die Sammlung der Homerischen Gedichte
durch Pisistratos^, zu der sein ,,Corollarium disputationis de biblio-
thecis Alexandrinis ^ aus dem Jahre 1840 Ërgânzungen und Be-
richtigungen brachte^). Ausgehend von den Angaben der berûhmten,
damais in latemiscber Fassung entdeckten Tzetzesprolegomenen zum
Aristophanes untersuchte Ritschl den Charakter und Buchbestand
der zwei grossen alexandrinischen Bibliotheken, des Bruchiums imd
Serapeums, deren Grûndung in die erste Blûthezeit des Ptolemâischen
Kônigreiches fiel und, zusammenhângend mit der des Muséums
selbst, den Gelehrten der jungen Akademie den completen Bestand
der damaligen griechischen Litteratur zur Yerfugung steilte. Fiîr
die Bibliothek des Serapeums nennt nun Tzetzes 42 800 Rollen, fur
die des Bruchium nicht weniger als 490 000. Nun sind aber der
Autorennamen noch nicht allzu viele, welche die vorkallimacheische
>) Abgedruckt in Ritschr» Opuscula I S. 1 ff and 123 ff.
g — Einleitung. —
Litteratur heirorgebracbt; jene Zahlen scheinen jede berecbtîgte Er-
wartuDg bei weitem zu ûbertareffen; es scbeinen nacb ibnen unsre
modemen Bibliotbeken grossen Stîles mit ibrer Weltlitteratur dem
Bûcberscbatz der alten Nilstadt kaum ûberlegen, der docb nur den
Inbalt einer griecbiscben Litteraturperiode bescbloss^).
Heutzutage finden wir die Handscbriften der grossen Yaticana auf
25 000 angegeben und ibre Drucke daneben auf 30 000 bis 500 000
gescbâtzt'). Die berubmte Laurentiana in Florenz bescbrânkt sicb auf
6 952 Handscbriften, wozu 1 316 Drucke binzukommen'). Fur den
Bûcberscbatz der Gôttinger Universitât^) erbalten wir die Summe
400000 (obne die 5 OOOHandscbriften), fur den der Eaiserlicben Biblio-
tbek in Wien») 406 461 (obne die 20 000 Handscbriften), fôr den des
Britisb Muséum aus dem Jabr 1858 die Zabi 500 000 (obne die
Handscbriften) '). Diesen Sammlungen wiîrde also das Brucbium etwa
gleicb gekommen sein, wobingegen die Mûncbener und Berliner
kônigl. Bibliotbek oder die Nationalbibliotbek yon Paris allerdings
doppeit so bocb stebn^). Aus altérer Zeit sei etwa auf das mittelalter-
') Die Nachricht, dass auch Ueberaetzungen aus der Litteratur andrer
VGlker aufgenommen wurden (rgl. Bitschl a. a. 0. S. 30 und 159) kann doch
unmOglich riel bedeuten, da dièse Uebersetsung^litteratur auf die weiteren
Produktionen der Oriechen und BGmer so wenig Einfluss gewonnen hat.
*) Ygl. Edward Edwards, Memoirs of libraries (London, Leipz. 1859) II
8. 354.
') Ygl. ebenda II S. 369.
^) Vgl. Petzholdt, Adressbuch der Bibliotheken Deutschlands 1875.
^) Vgl. ebenda. Karten, Stiche sind nicbt mitgezllblt.
«) Edwards a. a. 0. I S. 510.
0 Die Panser Bibliotbek batte i. J. 1850 an Handscbriften 83 707, an
Drucken 750000; die Drucke taxirt Edwards (a. a. 0. II S. 294) f^r das Jabr
1858 auf 858 000. — Die Mûncbener Bibliotbek fasst c. 800 000 Werke,
100000 DisserUtionen, 300 000 Brocbfiren und 24 000 Handschriaen (PeU-
boldt); die Berliner obne Karten und Musikalien ûber 700000 Bftnde und
mebr ab 15 000 Handscbriften (Petzboldt).
— Der Buclibegriff. — 7
liche Cordova hingewiesen , das in der Zeit der Blûtbe 400 000
Bûcher besessen haben 8oll^), wogegen wir fur die Bucbsammlung
des' kaiserlicben Collegiums in Byzanz, die Léo der Isaurier ver-
brannte, nur die Zabi 36 500 erfahren').
Jener grosse Bûcberbestand der alten alexandriniscben Bibli-
otbek muss hiemacb in der Tbat unser bôcbstes Ërstaunen erregen.
Ritscbl sab sicb daram yeranlasst, den Bucbbegriff n&ber in's
Auge zu fassen, imd er betonte zur Erklârung der Zablen den mini-
nuden Umfiang, auf welcben sicb, yerglicben mit dem modemen
Bande, das „Bacb^ der Alten bescbrânkt babe. Als Bucbform setzte
er dabei ricbtig die Papyrusrolle voraus, bielt aber die Begriffe
„Biicb^ und „Rolle^ nicbt fur notbwendig identiscb') und begnûgte
sicb, den ersteren lediglicb aïs Zeilensumme zu fassen, anknûpfend
an die bibliotbekariscbe Grewobnbeit der Alten, welcbe die Litteratur
nicbt nacb Werken, sondem nacb Bûcbem, das Bucb aber nicbt
nacb der S^itenzabl, sondem nacb der Zeilenzabl bestimmte, die es
umscbloss. Mit einer Zusammenstellung yieler derartiger Zeilen-
summen, wie sie die Ueberlieferung zunâchst darbot, yeranscbau-
licbte er diesen Bucbbegriff und erscbloss als sein Maximum die
gennge Summe von yiertausend Zeilen^).
Ob Ritscbl die Grosse der alten ptolemâiscben Bibliotbek so
ricbtig erklart bat, soU bier nicbt entscbieden werden; seine Haupt-
acbtsamkeit aber ricbtete sicb gemâss dieser Auffassung des Bucbs auf
den Begriff der antiken Zeile. Applicirten die Alten ibren Sticbos
>) Vgl. £. Bgger, Histoire du li?re S. 97.
») Vgl. Cedren. 1 S. 464. Zonar. XV S. 104 Glyc. 8. 281.
*) Vgl. a. 0. 8. 26, wo rerneint wird, dass solohe Bûcher, wie die Thu-
kydideiachen , wie Plato's Gorgias, wie die Beden nsçt cnffuyov, ntqî naçtt'
nçëofiiiaç in einer Relie Plats fioden konnten. 8ie, sowie sogar anch die der
Argonantica des Apollonius seien auf mehrere Bollen vertheilt zu denken.
*) a. a. 0. 8. 107.
g — E^eitung. —
gleicherweise auf aile Werke iind liées sich der Gesammtinlialt der
Litteratur selbst schliesslicb stichisch ausdrûcken, bo musste sein
Werth ein YoUkomxnen constanter gewesen sein. Und bo wie sich also
an die Forschungen Ritschrs ûber die Personen der Alexandrinischen
Bibliothekare, welcbe die Bedeutsamkeit seiner Scbrift yermebrten,
alBbald eine bericbtdgende Weiterforscbung anknûpfte, so haben
aucb seine eindnnglicben Nachweise ûber das Raïunmass der antiken
Zeile weiterbin die Anregung zu emeuter und glûcklicher Arbeit ge-
geben: eine rein antiquariscbe Frage, die wir wohl nunmehr als
in der Hauptsacbe erledigt betracbten dûrfen. Fur die ungleicb
-wichtigere Définition des antiken Bûches ist man dagegen bei
seinen Yoraussetzungen beruhigt steben geblieben. Sie finden sich
wieder, wo sonst die Gelegenheit mit diesem Bucbbegriff zu operiren
nôthigte: ich ennnere vor allem rûbmend an das betreffene Elapitel
der Bergk'schen Litteraturgeschichte. AUein an einer hinreicbenden
Begrundung und Sicherung fehlt es fur sie in dem Grade, dass noch
neuerdings einer der gelebrtesten Kenner des Alterthums^) jene
Normalzeile, nacb der die Griecben scbon Jahrhunderte vor der
augusteiscben Zeit den Bucbumfang massen, auf Pergamenthand-
schriften bat zuruckfûbren kônnen.
Die bandscbrifUicben litterarischen Fuude, deren Datirung
dem dritten Jahrhundert n. Chr. voraufliegt, haben einmiîthig fur
die Alleinherrschaft des Papyrus gezeugt. Auch die Autoren selbst,
so weit sie Andeutungen geben, scheinen ganz dasselbe vorauszu-
setzen. Es gilt klarer zu stellen, ob und in welchem Grade das
Pergament neben dem Papyrus fur die Litteratur wirklich Yerwen-
dung gefanden bat und wann sich eigentlich jene ausschliessliche
Geltung Yorbereitete und entschied, die ihm das Mittelalter zugestand.
Ebenso gilt es, die antiken Buchtermini selbst, die ja noch unsren
1) WachsmQth im Rhein. Mus. XXXIV S. 38 ff.
— Aufgabe. — 9
Sprachgebrauch massgebend beeinflussen, nacb ibrer Grundbedeutung
und nacb ibrer Anwendiing einer genaueren Prûfung zu unterzieben,
nm BO aoB ibrer Selbstaussage zu entnebmen, ob sie aus dem Rollen-
princip bervorgingen , yor allem, ob sie aucb dauemd mit ibm ver-
biinden blieben.
Ans den Einzelerwâgungen , die den Inbalt der nacbstfolgenden
Blâtter ausmacben sollen, ergiebt sicb als unzweif elbaft :
dass das antike Bucbtbeilungsprincip mit seiner Terminologie
in der Tbat allein aus dem Fapyrusbucbwesen beryorging und von
ibm yerstanden wurde;
und dass dièses Papyrusbucbwesen bis zimi Ende des eigent-
licben classiscben Altertbums oder bis tief in das dritte cbristlicbe
Sâcolum die alleinige Form fur die Edition litterariscber Werke
gewesen ist.
Wir werden dadurcb angebalten, die Bûcber unsrer clas-
siscben Texte durcbgângig fur die Rollen der antiken
Bibliotbeken zu nebmen.
Man begreift, diesen ibren rein raumlicben Cbarakter sicber zu
stellen ist nicbt bedeutungslos. Uns weist sicb damit der Weg fur
eine weitere Wûrdigung des Bucbbegriffs. War es nicbt môglicb^
das Werk eines Liyius oder aucb nur das eines Strabo, eines Corni-
ficius in eine einzige Rolle aufzunebmen, so muss eine Maximal-
grenze fur den Rollenumfang, so muss einRaumzwang existirt baben,
dem die Autoren scbon bei der Conception ibrer Werke selbst und
wâbrend ail ibres Producirens geborsamten.
Es stellt sicb also die femere Aufgabe, die Maximalgrenze zu
ermitteln, welcbe dem Umfang einer Bucbrolle gesteckt war; die
Yergleicbung yerscbiedener usueller Grossenumfânge kann uns als-
dann zugleicb in den Stand setzen, dem Gescbmacksurtbeil der an-
tiken Bibliophilen nacbzugeben und uns den Eindruck der Feinbeit
imd Leicbtigkeit oder aber der Scbwerfalligkeit und Ineleganz zu
JO — Einleitung. —
YergegenwârtigeD , den das Rollenformat eines Polybios oder aber
eines Aelian auf das Publikum macbte; wir werden endlicb aucb
anfangen kônnen, die Principien und einzelnen Motive zu errathen,
nacb denen die Scbriftsteller fur bestimmte Werke bestimmte Einzel-
rollenumfange dem Publikum gegenûber fur opportun hielten.
Wir bescbr&nken unsren Ueberblick bierbei yorlâufig auf die
secbs bis sieben Jabrbunderte, in deren Centrum das augusteische
Zeitalter stebt. Die Nicbtberûcksicbtigung der eigentlicb classiscben
Yoralexandriniscben Zeit muss ein spâterer Zusammenbang zu recbt-
fertigen versucben. Ëine kurze Cbarakteristik der Bucbtermini aber
Boll unsre nâcbste Aufgabe sein.
ERSTES KAPITEL.
Die Bnchterminologie.
Uas Princip der Buchtheilung, das sâmmtliche grôsseren Werke
der antiken Litteratur beberrscht, erbte sicli zum Theil auf die ge-
lehrte Schriftstellerei des Mittelalters weiter, auf diejenige nâmlich,
welcbe aucb in der Form eine Anlehnung an das Alterthum nicht
aufgab. In der Natur des mittelalterlicben Bucbes, des Pergament-
oder des Papiercodex, war dasselbe indess nicbt begrûndet; die
eigentlichen Nationalwerke der neu in die Cultur eingetretenen
Yôlker ignoriren es darum, iind erst die Renaissance machte aucb
bei ibnen jene Tbeilung wieder zu etwas Gelâufigem. Die Bûcher
der Florentiniscben Geschicbte Macbiavell^s oder des Schiller^schen
dreissigjâhrigen Erieges entsprechen auch râumlich denen des Thuky-
dides; die des Rasenden Roland, des verlorenen Paradieses oder der
Messiade sind nacb den Yergiliscben abgemessen. Dièse Tbeilung ist
nicbts weiter als eine Tbeilung nacb dem Sinn. Sie kam ausserdem
einem natûrlicben Yerlangen nacb gelegentlicben Rubepunkten, der
Scheu Yor dem Grenzenlosen entgegen^).
Unsre Terminologie ist dadurcb verwirrt worden. Wir nennen
jeden Band aucb ein Bucb; allein wir konnen aucb ein mebr-
bândiges Werk in eine Mebrbeit von Bûcbem, und zwar so zerlegen,
dass Bucb und Band nicbt coincidiren. Jeder Band kann in
^) AU ein einleuchtendes Beispiel unter vielen fûr letzteres Motiv mag
der liber sextus des Corpus iuris canonici angeftihrt werden, der, von Bonifaz
dem Achten hintugefQgt, so anschwoll, dass er in fQnf Bûcher zerlegi
worden ist.
J2 — I^>® Buchterminologie. —
Bûcher zerfallen. Die Buchtheilung kann die Bandtheilung durch-
kreuzen. Weit entfemt identisch zu sein, entspricht der Band bloss
râumlicher Rûcksicht, das Buch einem logiscben Ordiiungstriebe :
das letztere ist uns nur ein tropiscber Ausdruck fur xsffàXaiOV.
Dieser abstracte Buchbegriff scbeint modemisirte Antike, aber
er ist zugleicb missyerstandene Antike.
Fur die alten Tbeilbegriffe fi$fiUop und liber ist die nâmlicbe
Zweiseitigkeit wie fur den modemen nicbt nacbzuweisen. Sie
erscbeinen yielmebr gleicbwerthig mit dem modemen Band, ent-
sprecben lediglich einer Raumtbeiiung, imd es muss fur die seltsame
Tbatsache ibrer abstracten, unraumlicben Auffassung die Entstebung
in jener grôssten Umwâlzung gesucbt werden, welcbe das Bucb-
wesen jemals erfabren bat, in jener Zeit, als die tausendjâbrige Ge-
wobnbeit des Rollens Yon der gleicb tausendjâbrigen des Heftiens
abgelost wurde, als der gerâumige Pergamentcodex die scbmâcbtigen
Fapyrusvolumina yerscblang.
Der Terminus codex, griecbiscb têtfxoç kommt im classiscben
Altertbum fur litterariscbe Werke nicbt Yor. Die frûbesten Aus-
nabmen soUen besprocben werden, wo Yom Scbreibmaterial insbe-
sondere gebandelt wird ^). Der Codex setzt, wie aucb das DeminutÎY
codicillus, meistens anderes Material als die cbarta papjracea Yoraus.
Fur die rômiscben Juristen war es streitig, ob ein Codex oder Codicill
sicb ûberbaupt als liber bezeicbnen lasse').
Die bei weitem gebrâucblicbste Benennimg bei den Griecben
und zugleicb die alteste ist fiifiXoç, womit das DeminutiY fiêfiiSoy
gleicbwerthig gebraucbt wird. In dem hâufig zu belegenden fivfiXoç
sowie dem minder hâufigen fivfiUov ist ein altérer Yocalismus an-
zuerkennen ^. Die Etymologie und erste Bedeutung dièses wichtigen
>) 8. Kap. II med.
') Von Ulpian (Dig. 32, 52) wird eine bejahende Entscheidung des Gaius
CassiuB auf dièse Frage angefDlhrt und acceptirU
') So urtheilt schon Aelius Dionysius (Eustath. z, Odyss. p. 765, 38). Die
Ueberlieferung des Herodot und des Folyb giebt ausschliesslich oder vorsugs-
weise fivfikoç; vgl. Schweighftuser, Lezicon Herod.; das Deminutir fivfikioy
steht où, in Kavennas des Aristophanes (vgl. bes. VGgel t. 970 ff.), bei Isokrates
p. 86D im Urbinas, in den Herculanensischen BoUen (s. B. Comparetti,
— fiifXoç, fiêfilioy, liber. — 13
Wortes ist nicht bekannt; sollte es ein Lehnwort sein, so wâre
damit fur das Yerstândniss der Wortbedeutung noch nichts gewonnen.
Die Aegypter nannien die RoUe tamà oder tamaà^)y ob nacb der
Form, ob nacb dem Scbreibstofif, bleibt fraglicb. Ausser Frage stebt
aber jedenfalls fur den griecbischen Namen die s, dass er
bergenommen ist von dem Schreibstoff, aus dem das
Bucb bestand; das Material der Papyrusstaude beisst eben nicbt
nur TcànvQOÇ^t sondem ebenso aucb fivfiXoç^i sowie man also die
Scbiffsseile, die aus den robesten Fasem jener Staude gefertigt wurden,
fififiloê nannte, ganz ebenso ist aucb das Bucb der Griecben zu
seinem Namen gekommen.
Wir seben uns genôtbigt, gleicb bier anzumerken: wâre dies
«Bucb* nicbts anderes als der Abscbnitt, das Kapitel eines Werkes
gewesen, so wûrde imbegreiflicb bleiben, dass es seinen Namen von
einem Scbreibstoff empfangen bat.
Bei den Romem vertritt liber den griecbiscben Terminus. Aucb
liber ist kein Abstractum, es bedeutet wiederum ein Material, freilicb
eigentlicb nur den Baumbast, welcber nacb der — yielleicbt nur
bypotbetiscben — Darstellung der romiscben Antiquare einer un-
Pap. Erool. inedito, Torino 1875, Col. III); endlich und vor allem auf Inschriften
X. B. : C. L 6. 3641 b (Add.) t. 62 ô yQa/n/narfvç r^ç nolitaç tlç fivfilioy; Ephémer.
arefaéolog. d'Athènes N. 855: rtav fivfiXitay àyâd'iffiy inoifiaaio ; fivfikoç steht
CL 6. 13311; 4744 (cf. Add. III 8. 1204); 6186; bybliotheca Orelli No. 40.
— Nach Scbanz (éd. Plato^ VU S. YI) bat der Clarkianus Platoa zweimal
pifiXaç, Eweimal fiifiXoç, dagegen 10 Mal fiêfikia und nur zweimal fivfikUt. Im
Deminutir drang der lotacismus leichter und frûher durch unter dem assimi-
lirenden Einfluss der zweiten Silbe. — Finten der Grammatiker, die die Sache
nieht treffen, sind Unterscheidungen, wie, daas die Pflanze mit v, das Bucb
mit ft zu schreiben sei (Bustath. p. 633, 16), oder Etym. Magn. p. 216, 40:
pvfiXioy liytnu ro nyqatpoy oloy' ini ro fivpXioy trov nâyra yQtxfferat (Psalm
138, 5)' âfiXoyon âyçafpoy' fiifikloy de yfyqafifAéyoy, oder, nach dem Dialect,
Moeris fiêfiXia âm rov i (ûç nXaTtoy àmxœç, fivfiXia toç Jff/uocS'éyfjç, xotyôiç;
dasn Pearson aus einem andren Granmiatiker : âtà rov l àruxiàç, dià de tov
V *l€attSç, Herodian (II 482 Lentz) schreibt i vor.
1) VgL Brugsch, WOrterbuch 8. 1696; Zeitechr. f. &g. Sprache XIV S. 2.
*) So beiHerodot, II 92, beiAeBch7losSuppI.761 ; Theophrast nennt dagegen
daz Mark der Ttânvçot speciell fifikoÇf was Plinius getreu mit liber ûbersetzt (unten
Kap. y init.); TgL aucb Plato, Polit 288 E: q^tXXôiy xai fiifiktay xai â^/noty.
14 — I^î® Buchterminologie. —
cultiyirteii prâhistorisclien Période genûgt batte; er gab nacb der
Adoption des âgyptiscb-griecbiscben Bucbwesens seinen Namen an
die PapyrusroUe ab, deren Fasergewebe mit Bast doch nicbts mehr
zn thun batte. Man entging mit dieser Uebertragung der Nôtbigung,
ein Fremdwort einzufîibren fur einen Gegenstand tâglicben Crebraucbes.
Aeussere Aebnlicbkeit des Bastes aber mit der fertigen cbarta wird
anerkennen, wer selbst solcbe cbarta antiker oder aucb nur modemer
Fabrikation geseben bat. Es mag bier erwâbnt werden, dass in
einer alten Glosse dièse Aebnlicbkeit geradezu ausgesprocben ist
(iptkvQa (pVToy sxov (pXo$oy fivfiXoii na7ïVQ[iy](a 5fio$ov, Pbotius, ygl.
Suidas, s. t.), wesbalb denn aucb z. B. in dem Inventarium einer
Bûcbersammlung Avignon^s aus dem 14. Jabrbundert ein unlesbar
gewordenes Papyrusdiplom cbarakterisirt worden ist als ,,quidam
rotulus de corticibus arboris, scriptus litteris quasi illegibilibus'^ ^).
Mit Cortex sind eben im Mittelalter die Reste der Papjrusband-
scbriften bâufig verwecbselt worden').
Anscbaulicber redet das volumen, die Rolle. Dièse Bezeicbnung
ist von den Romem erfunden imd fur liber seit Comifîcius und Cicero
ganz nacb Belieben eingetreten, sowie z. B. Ovid seine funfzebn
Bûcber Yerwandlungen als dreimal funf RoUen aufPubrt und âbn-
licbes in unzâbligen Beispielen. Da die Yorstellung des CreroUten,
Gewundenen fiir das volumen im classiscben Spracbbewusstsein nie
und nirgends verloren ging (so spracb man ja aucb Yon den volumina
der rollenden Wellen oder einer aufsteigenden Raucbsâule und nocb
ein Sidonius ApoUinaris*) von den corpora voluminosa der Scblangen),
so ist das Yorkommen dièses Bucbterminus jedesmal als direktes
Zeugniss fur die classische Bucbform anzuseben.
Ausnabmen finden sicb erst, als der Codex berrscbte. Die
affektirte Spracbe Justinians nennt die Gesammtbeit seiner Pandekten
allerdings statt codex gelegentlicb zur Abwecbselung aucb totum di-
gestorutn volumen (const. tanta 8, ebenso const. deo auctore 2); so
wie wir weiterbin im neunten Jabrbundert von tonU viginti m t?o-
^) Inrentar des Palatium apostolicum vom Jahr 1366, bei Muratori
Bd. VI S. 76; vgL Marini Papiri diplom. S. 222.
') Wattenbach, Schriftw. S. 89 ^
«) Cann. 9, 76.
— Volnmen. — 25
lumme (= codice) uno hôren'). Dem steht jenes spâte, aber wicb-
tige Epigramm gleich, ûberliefert im Parisinus 13 026 des neunten
oder zc^ten Jahrbunderts (Riese Anth. Lat. N. 717) das als £r-
ôffiiung einer Yergilbandscbrift gedacbt îst und aile Bucber des
Dichters als ein einziges Yolumen aufiPûhrt:
Doctiloqai earmen rucUtum fonte Maronis
Bis senis nameri florentes milibns expient^
Et super hos octingentis septem qaadraginta
VersibuB adiunctis concluditur omne rolumen.
So beisst aber auch scbon dem Sidonius Apollînaris in dicbteriscber
Spracbe die Odyssée Smymae volumen (IX 145).
Dagegen werden wir es wobl nocb als blosse Nacblâssigkeit
oder Ignoranz zu betracbten baben, wenn wir einmal in einem
Privatbrief Yom Jahr 400 n. Chr. lesen'): Sanctus aUquis ex fratribus
êchedulas ad nos cumadam (das ist Rufini) detidit, quae Origenis
voiumen quod tkqï a^cov inscribitur in latinum sermonem conversum
tenerent; des Origenes Bucber nëçl àqxâv waren in Wirklicbkeit
Tiere. Und aucb in der Vorrede des Orosius zu den sieben Bûcbem
seiner Historiae aus dem Jabr 418 ad Augustinum, woselbst es
beisst: praeceperas ergo, ut ex omnibus . . . f astis quaecumque ... re-
perissem, ordinato breviter volurrmds textu explicarem ist wobl nicbt
nôthig Yon der strengen Wortbedeutung abzugeben; denn Orosius
giebt bier nur den von Augustinus gewollten Plan seines Gescbicbts-
werkes; Augustin konnte so wie zur Eûrze, so aucb zu einer ein-
zigen Bucbrolle geratben baben: was er woUte, war nur eine com-
pendiôse Erganzung zu dem bistoriscben dritten Bucbe der Civitas
dei. So liefert denn aucb Hieronymus, fur die Bucbterminologie
wobl der ausgiebigste Scbriftsteller, nocb kein sicberes Beispiel fur
Gleicbsetztmg von codex imd volumen^), Ulpian redet scbarf genug,
1) Mon. Genn. SS. II 8. 297. Wattenbach a. a. 0. S. 125.
*) Ueber die Lesung dieser Zeile vgl. unten Kap. IV.
*) Brief des Pammachius und Oceanus an Hieronymus (Hieron. epist. 83).
*) Hieron. de Tir. illustr. cap. 54 haben die Worte in unum congregaret
[volumen] Interpolation erfahren, wie der griechische Text zeig^ und Hand-
schriften bestfttigen (rgl. éd. Migne Tom. II S. 666 Note f). Die Stelle in der
sweiten praefatio in librum Paralipomenon fin. darf nicht sprachwidrig gedeutet
werden, wo Hieronymus an Domnio und Bogatianus schreibt (Martianay I
Ig — Die Buchterminologie. —
nur Yon Yolumina, welcbe in cocKcibus (<L b. abscbrîfUicb) sich be-
finden^) und bebandelt die Bucbform des volumen ûbrigens als den
principiellen Gregensatz zu der des codex*). Wie anscbaulicb yerbindet
dagegen funfizig Jabre firuber Gellius beide Termini der Rômer, wenn
bel ibm ein starkes Bucb ein Uber grandi voluminê beisst (N. A. JLIV
6, 1); nicbt weniger anscbaulicb, als wenn Martial (X, 17) sicb
aufbâlt ûber die Lektûre der longi UbdU memorum, Yon einem
^langen*^ Band oder codex wûrden wir nicbt reden konnen; aufge-
rollt batten jene libeUi eine ûbermâssîge Lângendimension von der
ersten zur letzten pagina. Und im Gegensatz bierzu kann denn ein
dûnnes Bucb aucb hrevis charta beissen (Martial II 1). So giebt
sicb nocb des Rutilius Namantianus erstes Bucb ans dem Jabr 416
deutlicb als Rolle zu erkennen, wenn es im Hinblick auf seine Dfinn-
beit als Uber non muîta volumma paesue bezeicbnet wird*).
Dass in den Interpretamenta der Handscbrift 306 von Montpellier,
einexn Werk, das nacb Boucberie^s einleucbtender Combination auf
Julius Pollux und etwa auf das Jabr 200 zurûckgebt, %6V%oç mit
volumen ûbersetzt werde, ist durcbaus unsicber, da an der betref-
fenden SteUe offenbar eine Yerwirrung stattgefunden bat. Es folgen
sicb (Notices et Extr. des Mss. XXTTI 2, S. 447) :
ogd'oata'njç librarius
fivfikiOfpOQtop serenium
Tsvxoç arma volumen
OtOèXêVTfjÇ ....
Ofi<faXoç umbilicus
Der (ftoèxêvt^ç (elementarius) stebt, 17 Stellen frUber, scbon
8. 1418): mm librum benevolis placiturum .... Uàicunque ergo tuterisoos
id est itellas ^ radiare in hoc voluminê videriiis^ ibi sciatis de Hebraeis ad-
ditum guod in latinis codicihus non habetur. Ubi vero obelus . . ., signatur
qvid septuaginta interprètes addiderint ... licet in Hebmeis voluminibus
non legcUur. Hier ist volumina zur Abwecbslang gesetsti ohne mit codices
identisch zu sein. Auch die in Codiees enthalteDen rolumina liessen sich ja
immer noch als solche bezeichnen. Aehnlich auch Epist. 119, 12: quod m
laUnis codicibus legitur ... in graecis voluminibus non haberi, —
^) Digest. a. a. 0.
^ Ygl. unten Kap. IL
*) Ygl. unten Kap. II.
— Liber nnd Volamen identisch. — \1
einmal. Bas Wort ift hier, nachdem es geschrieben war, zwischen
zrrei Linien gestellt und ohne Interprétation geblieben; eingedrungen
ist es yielleicht in Anklang an tsvxoç. Ausserdem aber steht
Ofêgialoç auf Rasur und, es stand hier anfangs nach Boucherie^s
Zengniss ein andres Wort Die Anreihung des umbilicus aber
erweist das fur das zweite Jahrhundert Selbstverstandliche, dass hier
Rollenbuchwesen vorausgesetzt ist ; nun muss aber auffallen, dass in
diesem ganzen Abschnitt, der tïsqI didatfinaXsiov handelt, ailes an-
dere, nur aber das §i§Xiov selbst nirgend verzeichnet wird! Anf
%ëV%oç arma — eine unerwartete Uebersetzung*) — folgte gewiss ur-
sprunglich fivfiXiop volumm, Ëben dies fivfiUop war vermuthlich
anCangs an Stelle von ofJKpaXoç geschrieben; bei dessen Tilgung wurde
volumen falschlich neben arma gerûckt.
Also volumen wird mit liber standig identisch gesetzt, und ein
dickes Buch ist darum ein liber grandi volumme, ein diînnes heisst
hber non multa volumina passus, Wir sind berechtigt im Yerfolg das
lateinische Uber nach Belieben auch gradezu mit „Rolle^ zu ûber-
setzen.
WoUen wir, um dièse BuchroUe als Trâgerin der classischen
Litteraturwerke nachzuweisen, auch das Hâssliche nicht verschmahen,
so mag hier an die zwei libri Câsar^s gegen Cato erinnert sein.
Dass es deren zwei waren, wissen wir auch sonst'); dièse Bûcher,
die, anscheinend besonders umfangreich, noch dem Juvenal vorlagen,
haben diesem Satiriker VI 338 zu der hyperbolischen Vergleichung
penem maiorem quam sunt duo Caesaris Anticatones^ dienen mûssen.
Deutlich auch ist Plinius Ëpist. II 1, 8; der alte Yerginius Rufus
ûbt seine Stimme mittelst lauten Lesens zu rednerischem Zweck; zu-
fiDig ist das Buch, das er sich zum Lesen hatte geben lassen, starker
und Bchwerer als gewohnlich (liber grandior) ; es entgleitet dem Ste-
henden; dieser sucht das Buch zusammenzusammeln (coUigit)
und folgt ihm zu diesem Zweck nach (seqiiitur), wobei sein Fuss
ausgleitet und er hinstûrzt. Wer sieht hier das Rouleau nicht sich
^) 8ie wird Kap. II ihre Besprechnng finden.
>) Saeton Caes. 36.
') Gemeint ist wohl, wenn man aie aufeinanderstellt.
BIrt, BncbweMD. 2
j[3 — ^i® Bnehterminologîe. —
auflôsen, hemiederfliessen , mit seiner ganzen Lange in wirrer Un-
ordnuDg den Estrich bedecken? Seine aufgelôsten Windungen sind
es, denen der ,,Sammelnde^ ,,naclifolgt^.
Die Rollennatur der fivfiXoç erhellt z. B. auch ans Herodot's
Bericht, wo der âgyptische Priester ^um die Hôrner*' des Opfer-
thiers ^ein Buch roUt^^). Es war dies anscheinend ein unbeschrie-
benes.
Dementsprechend musste nun natûrlich auch der antike Léser
statt des Aufscblagens das Buch yielmehr abrollen, wofôr die ûb-
lichen Ausdrucke sind àpêXkfcfeiv, ayetlsTy*), auch einfaches éXUHffêp,
sïleiv oder slleîp*), evolvere, revolvere, volvere. Nach Lukian's
Schilderung (32, 9) roUt wâhrend des Lesens die rechte Hand Seite
fur Seite ab, die Linke aber gleichzeitig das Gelesene wieder zu-
sammen: fitfiiiov iv xoXv x^ço7y eïx^v iç âvo dvvs^XfHkévov , xai
imx€t to (âSp %h àpayvùi(f€(fd'a$ avvov, xo âè i^âii weyyœxéyaê]
und zwar las man sitzend (Xenoph. Symp. 4,27 ; Cicero De fin. III 7 ;
Tacit. Dial. 3; Lukian 17,26). Abbildungen wie auf der Vase des
Duris (ygl. Michaelis, Archâol. Ztg. YI S. If., Tfl. I) illustriren dies
sehr schon.
WoUte der Léser einen Buchtheil bei seiner Lecture fiber-
schlagen, so geschah dies gleichfails durch Abrollen desselben und
WiederzusammenroUen in der linken Hand: dies hiess convolvere
partem kistorioê*). Hatte man ein Buch bis zu Ende gelesen, so
batte man es bis zum Ende abgeroUt: dies nannte man revolvere
Ubrum ad extremum^) oder aber Ubrum explicare, Jenes expUdt,
das uns die mittelalterlichen EEandschriften classischer Texte an den
^) Herod. II 38: afifiaivita^ fivfikifi tuqI rà xtQia iiliccoiy xal inêna
y^y oijfÂayTQiâa inmkaaaç intfiâiJiêt roy âccxrùktoy,
*) àytenrvcaë&y bei Herod. I 48 u. 125 scheint vom Oeffoen eines gefftl-
teten Briefes ftof Charta gebraucbt; vgl. Herodian I» 17 1 : yQttfAfAaxHa inrvff-
fàiya; Evang. Lucae 4: ntiÇaç xai àyanrviaç.
') ikioany von einem Bach Hesiod's bei Marcus Argentarios Anth. Pal.
IX 61; ein Anonymas ebenda IX 540: fàii raj^vç ^HgaxUitov in* 6fA(f>(tkoy
êXktê fiifikoy,
*) Seneca contror. 5 (10) prooem. 8.
*) Plin. epidt. V 5, 5.
— Dm Aof- nnd ZuroUen. BlxpUcU, — 19
Buchschlûssen zu notiren pflegen, ist nichts als ein Nachklang der
antiken Gewohnheit, nach welcher der Buchschluss ein AusroUen
oder ZuenderoUen des Bûches war. In der Gnindanschauimg fur
pUcare (^biegen^) liegt weniger das Falten als das Rollen enthalten^).
Und dies Yerbum simplex selbst finden wir daher zweimal wie
oompUcare^) vnà repUcare^) auf Buchrollen angewendet. Beim Seneca
(Epist. 95,2) ist es eine kistoria ingens, minutisstme scripia^ arti^sime
pUcatay mit der ein Recitator yor sein Auditorium tritt. Es handelt
sich um das Origînabnanuscript des Autors; anscheinend war dies
eine PapyrasroUe; sie war eng und straff um ihren Umbilicus ge-
wickelt. Ebenso lâsst Martial (lY 82) dem Venuleius durch den
Rnfus zwei seiner Gedichtbûcher zustellen und fûgt den Ratb hinzu,
ilin Yoriâufig nur eines lesen zu lassen:
Si nimis est, legisse duos, tibi charta plicetur
Altéra. Divisum sic brere fiet opus.
Der Sinn ist: convolvatur tibi Uber aller oder convolutus maneat,
Ist Martial nun am Ende einer seiner Buchrollen angelangt, so
ist sie damit ein Uber eapUcitus usque ad «ua comita*); und gestrenge
Philosophen wie Demokrit, Zeno und Plato, die man nicht liest,
heissen fur denselben Hedoniker dagegen inexpUciti^), So braucht
Bchon Cicero das expUcare volumen^) wie spâter Orosius^). Martiales
yierzehntes Buch besteht durchgehends aus zweizeiligen Epigrammen,
und er trôstet also seine ungeduldigen Léser damit, sie kônnten nach
jeder zweiten Zeile einen Werkschluss oder das Ende des Abrollens
ansetzen ^ :
>) Die Schlange bei Vergil Aen. V 279: plicans se in sua membra^ so
wie bei Plin. X 72 dracones in se canvoluti, Vgl. Lncrez VI 1085: anelli»
heanisque plicata. Daher Cicero im Bilde De offic. III 76: complicatam notio-
nem amnU evolvere,
^ Cum cwnplicarem epistulam Cic. ad Qu. fratr. lii 1, 5.
') RepUcare historias veteres annalesque Hieronym. Prolog, ad Dextrum
(IV> 98 Mart.).
*) Martial XI 108.
») Martial IX 47.
^ Cic. pro Kosc. Amer. 101 : veniat modo^ explicet suum volumen illud,
^) Oroa. V fin. : Explicui adiuvante Ckristo.
«) Martial XIV 1 B.
2*
20 — I^io Buchterminologie. —
Quo vis canque loco potes hune fin ire libellum.
Versibus explicitum est omne daobns opus.
Der Grammatik bleibt die Entscheidung anheimgegeben, ob jenes
Buchschluss anzeigende explicit der mittelalterlichen Handschriffcen
(zuerst erwâhnt bei Hîeron)inus epist. 138) durch standige abge-
kilrzte Schreibung aus diesem von Martial so typisch yerweDdeten
Particip hervorging (vgl. z. B. die Unterscbrift unter Priscian^s achtem
Bûche: liber VIII de verbo explicitus felicitery) oder, ob expUcare ein
intransitives expHcere wie fugare einfugere neben sich batte*). Jeden-
falls îst dasselbe als ein Rest ait classiscben Spracbgebraucbes un-
seren Satz, dass das Bucb als Werktheil RoUe war, scbon fur sich
allein zu erweisen geeignet').
Indess kann nun ^$§Xiov auch den Brief bezeichnen, obschon
derselbe nicht nur gerollt, sondem auch unter einem Siegel gefaltet sein
konnte; dies erklârt sich leicht genug, da ja in dem Worte eben
nicht die Bedeutung einer bestimmten Buchform, sondem nur die
eines bestimmten Materiales liegt. £s ist somit fivfiUoif nur der
Brief, der auf Charta geschrieben wurde; weiter aber konnte auch
jedwedes Blatt dieser Charta den gleichen Namen fuhren, das zu
sonstigen Schreibzwecken, wie zu Kaufcontrakten , zum Conte u. a.
yerwendet wurde. Durch die âgyptischen Papyrusfunde, wie die des
Serapeum's zu Memphis, werden uns dièse Art von fi$fiUa im Dienste
der Privatskriptur vergegenwârtigt. £s bat den Anschein, als ob auf
sie, abgesehen von der Dichterstelle Aeschyl. Suppl. 947, nur das
Deminutiv, nicht aber die Form fivfiloç angewendet worden wâre.
Ja, Herodot's Sprachgebrauch sondert fitfiXiop als Brief (I 123 — 125;
m 40; 42; 128; V 14; VI 4) planvoU von fivfiXoç, das an keiner
Stelle anders denn als yollstândige Buchrolle verstanden zu werden
^) Ein Faar andere Beispiele fùr explicitus bei Du Cange s. ▼., auch bei
Brissonius de verb. sig^îf. s. v. Die Form expliciurU wûrde danach wesentUch
jÛDger und miBBTerst&ndliche Analogiebildung sein.
') So Bûcheler mQndlich.
') Einmal scheint Martial dasselbe Yerbum auch auf tabulae oder codi-
cilli EU fibertragen, VIII 44: centum explicentur paginae calendarum; dass
auch hier indess an eine Rolle zu denken ist, seheinen die Termini bei Seneca
Epist. 87, 7 : nmgnus kalendarii liber volvitur zn erweisen.
— Der Brief fitfikiov, nicht liber, — 21
braucht (Il 38; 200; V 58). Daber wird beim Suidas definîrt ^i^lXov*
il inunoXij. Dabingegen sind nicbt aucb Scbreibereien auf anderem
Material, wie auf Wacbstafeln fivfiUoif genannt worden; wenîgstens
ist mir ein Beispiel dafûr nicbt bekannt; beim Demostbenes S. 1283
ist das fitfiUâtov (juxqop ndvv^), da es vom yçafifiatsiâtov unter-
acbiedeu wird, mit Sicberbeit von einem oder mebreren Papyrus-
blâttem zu versteben.
Nocb weniger als fivfiloç scbeint liber fur den Brief gebraucbt.
Das ^scbwere Bucb^ beim Nepos (VI 4, 2), das Pbamabazos auf
Bitten Lysander^s an die Ëpboren ^^mit yielen Worten^ scbreibt, soll
eine ganze Eriegsbescbreibung enthalten und ist als complètes Bucb
gedacbt, welcbes als Privatzuscbrift allerdings zugleicb versiegelt
werden muss*). Lebrreicber sind jene ,,Bûcber von Originalbriefen**,
aos denen sicb Cicero (Yerrin. m 167) einen Brief des Vettius an
Carpinatius aussucbt: Utteras . . . quas ego Syractma apud Carpinatium
in Utterarum aUaiarum Ubris, Bornas in litterarum missarum . . . inveni.
Hier beisst nicbt etwa der Einzelbrief liber, sondem viele empfangene
Brief e wurden offenbar zu mebreren Ubri zusammengelegt; d. b. man
pflegte offenbar die Briefe in den Privatarcbiven zur Aufbewabrung
in Conyolute zusammenzubinden , wie es aucb wobl nocb beut ge-
scbiebt, und lU>er lâsst sicb nur als solcbes Conyolut ûbersetzen.
Ganz ebenso bat Cicero (ad Att. IX 10, 4) ein volumen epistulamm
des Atticus beisammen und sub signo; ein nocb bezeicbnenderer
Ausdruck dafur ist ,,Bûndel^, fasdculus: es sind Briefe Verscbiedener,
die, Yon Cicero zu einem solcben fasciculus zusammengebunden, ge-
meinsam durcb Nasse bescbadigt werden ad Quint, fr. II 12, 4. —
Kaiserlicbe Reskripte endlicb waren in ibrer Form nicbt Brief, sondem
RoUenbucb; daber kann ein solcbes liber beissen; dasselbe wurde
wobl gamicbt oder nur in bescbrankter Anzabl yervielfôltigt und
kam keinesfalls in den Bucbbandel (vgl. Plin. epist. Y 13, 8).
Der Rômer beliebte aber ausserdem aucb eine deminutive Be-
1) Vgl. dftmit Polyb. 24, 2, 5.
*) Es heisst hier: petiit a Pkcarnabazo ut ad ephoros sibi testimonium
daret quanta sanctitate bellum gessisset . . . deque ea re accurate scriberet . . .
Huic ille liberaliter pollicetur; librum gravera multis verbis conscripsit eqs.
22 — ï^>® Buchterminologio. —
zeicImuDg des Bûches, zugleich dem fiifiUoy uod dem fiifiXiâêoy
entsprecbend. Das Wort UbelJus ist aJlerdings besonders ausserhalb
des Gebietes der Litteratur ûblicb gewesen, und bezeichnet hier
technisch ohne jeden nâher bestimmenden Zusatz Chirographa ver-
schiedener Art, die Elageschrift, die Supplik, die amtliche Bekannlr
machung durch Anschlag oderVertheiJung (vgl. z. B. Sueton. Caes. 41).
Die Wahl des Deminutivums ist von der kleinen Buchform resp.
Blattform herzuleiten, die hier in Anwendung kam, sei es eine ein-
zebie Papjrusplagula, sei es Wachstafe] oder Codicill.
Aber auch litterarische Erzeugnisse konnten in demselben Sinn
als Schriftstûcke geringen Umfangs Libelle heissen. Zunâchst heissen
so Pasquille als fliegende Blâtter schmâhenden Inhaltes und meist in
metrischer Form, Monobibla minimalen Umfanges, wie man sie z. B.
anonjm oder unter falschem Namen gegen Octavian richtete und in
der Curie verbreitete, auf deren Widerlegung der Angegriffene sich
einliess, zugleich aber verfugend: cognoscendum posthac de iis qui
liheUos aut carmina ctd mfamxam cuitispiam sub aHeno nomme edant
(Suet. Aug. 55).
Endlich ist der Terminus auch innerhalb der regulâren Litte-
ratur in seinem natûrlichen Wortsinne zur Anwendung gelangt. Hier
ist ^libellus^ die kleine Buchrolle und darum Yor allem das 6e-
dichtbuch (hieruber vgl. Cap. VII).
Es verlohnt eine Reihe von Stellen beizubringen. Fur Ovid
sind seine Fasten sechs libelli (Fast. II 549), seine Tristien fûnf
libelli (Trist. V 1, 1); derselbe batte die uns vorliegenden drei Bûcher
Amores vorher in fônf libelli edirt (Amor. epigr. init.) ; er bezeichnet
als libellus ferner seine Ibis (Ib. v. 51 u. 641), seine Medicamina
(Art. am. III 206), seine Remédia (Rem. v. 1), als drei libelli seine
Ars (Trist. Il 1 u. 245 f.; vgl. Art. III 47), als funfzehn seine Meta-
morphosen (Trist. 1 7, 19 u. 33). 'OXop fiêfiUop (vgl. Cap. Uî fin.) heisst
daher libeUm totus Trist. I 11, 1. V 1, 65; vgl. m Hbellis crescunt pa-
ginae Trist. V 9, 3. Dieselbe Bedeutung bat das Wort unstreitig ex
Ponto IV, 22, ebenso Amor. UI 12, 7. Trist. I, 1, 9. UI 1, 71. 14 fin.
rV 1, 1 u. 35. V 1, 47. 7, 59. 9, 23. ex Ponto I 5, 71. 8, 9. IH 8, 21.
IV 12, 25. 13, 9.
Auch bei CatuU ist der von Calvus geschickte libellus 14, 12 ein
— Libellas. — 23
complètes Gredichtbuch. Die Priapeen fiîhreii sich ein unter dem-
selben Namen (2, 1). Properz wiU nach seinem Tode mit seinen
très HbdU vor die Proserpina treten (vgl. unten Cap. VIII). Constant
ist dieser Wortgebrauch beim Martial^); auch Statius kennt ihn
(Silv. IV 9 init.).
Boch ist die Identification des liber und Ubellus gleichwohl auch
in die Prosa eingedrungen. Hieronymus verwendet beides unter-
schiedslosy ebenso schon Pomponius De origine iuris. Wenîger £Edlen
uns bei einem Dichter wie Martial die UbelU mensorum auf (X 17);
Tgl. bei Plinius z. B. Epist. VU 30, 5; VIH 13. In altérer Zeit ist
die Bezeichnung des Prosabuchs aie libellas anscheinend eine Selten-
heit; nur ausnahmsweise spricht Cicero (pro Arch. poeta 26) von
den Ubeili der Philosophen quos de contemnenda gloria scrihunt und
Ton den très libeUi de iure civiU des Brutus (De orat. II 223). Wahr-
scheinlich beabsichtigt Cicero hier yerâchtlichen Ton. Unverkennbar
ist dieser verachtliche Ton beim Livius XXEX 19, 12, wo dem
Scipio seine griechische Bildung und unter anderm die Beschâfd-
gung mit den Bûchem der Graeculi vorgeworfen wird, Ubeîlis eum
palaestraeque operam dare, und in dem Vortrag des Antonius bei
Cicero De orat. I 94, der seine Schrift De ratione dicendi ebenso
nennt; es war in der That ein Uber sane exilis (Cic. Brut. 163)').
Auch das Zwolftafelgesetz las man als Buch oder Bûchlein;
offenbar will Cicero auf die Eleinheit desselben hinweisen, wenn er
rhetorisch ausruft: bibliothecas meherctde omnium phUosophorum unus
mUd videtur XII tabvlarum Ubellus . . . superare (De or. I 195);
>) Mit Unrecht wird in Martiftlis liber primas éd. Flach (TQbingen 1881)
gleich in der ersten Note ftngemerkt: „in mets libellis eerte de carminibus in-
tellegendam, non de libris'* nnd dann viole Martialstellen ebenso gedeutet; sicher
ist die Buchrolle in violon Stellon Martial's gemeint wie II 6, 10; IV 86, 2;
89, 1; n 48, 3; X 17; III 2, 1; VII 12, 1 u. 8; VIII praef. fin.; VIÏI 72, 3;
X 2, 1; 104, 1; Il 23; XII 1; Xï 108; VII 90, 1; V 6, 19; IV 10, 1; XI 16, 3
n. s. H Von diesen Stellon ans kônnen wir das Wort bei Martial ûberall als
Bach Torstehen, wo kein dentliches Indicium dagogen spricht, sowohl I 4, 1
als I 1, 3 (rgl. Friedl&nder, Sittengesch. Roms III S. 376).
') Wenn auf dièse Stelle Hieronymus in seinen Briefen anspielt (IV S. 229
éd. Mart.), so scheint er bemerkenswerther Weise libellas dasolbst mit brefje
et solum vohtmen wiedergegeben En haben.
24 — ^î® Buchterminologie. —
yielleicbt dûrfen die zehn libeîU des Scaevola de inre ciyili (ebenda
I 242) ebenso verstanden werden.
Aus der Hauptbedeutung des Deminutivs, jedes Chirographum
gerîngen Umfanges betreffend, erklârt sicb endlicb aber, dass in einem
Sammelbuche kleinerer Gedichte auch das Ëinzelgedicht damit be-
zeichnet wird. Conséquent ist Statius in diesem Gebrauch. Die
fonf Bûcher seiner Silven heissen in den Prâfationen stets ^libri*',
die Einzelgedichte zum Unterschied stets ^libelli^. Dièse Ausdrucks-
weise ist eine uneigentliche; denn jedem libellus eignet râumliche
Selbststandigkeit; es wird hier fingirt, dass jeder Libell im Uber fur
sich an die Adressaten abgehe. Dies kann nichts so verdeutlicben,
als Martiales Epigramm X 1:
Si nimioB rideor aerftqne coronide longas
Esse liber, legito paaca, libellus ero.
Terque quaterqae mihi finitar carminé parvo
Pagina: fac tibi me quam cupis esse brevem.
Das Paradoxon des Witzes liegt hier eben darin, dass der libellus
in Wirklichkeit nicht Raumtheil eines liber sein kann; dem Léser
fallt die Aufgabe zu, die Theile, die er nicht lesen mag, als Luft
anzusehen.
Die cylindrische RoUenform brachten die Griechen ursprung-
lich nicht zum Ausdruck. Um so wichtiger ist eine Stelle des
Diogenes Laertius (X, 26), wo er von den gegen dreihundert Biichem
des Epikur die sechsundachzig besten sich anschickt namhafb zu
machen: yéyoys âè 7wlvyQa(p(ûTatoç o ^EnlxovQOç nccyzaç vtuq-
fiaX6fi€P0ç nl^d'€$ fi^fiXiav' xvltvÔQOt fièp yciQ fiQOç vovç
TQiaxoaiovç elal xtX. Dies ist, so viel ich sehe^ das einzige Mai,
wo im Zusammenhang mit aiten Bûchercatalogen zugleich so an-
schaulich geredet wird.
Eine andere sehr affectirte, aber nicht minder anschauliche Be-
zeichnung ist die des Bûches als Speer- oder Stabtrâgers. Lukian
(25, 16) erzâhlt yon einem gewissen Litteraten mit Namen Kalli-
morphos, er habe die Bûcher seines dûrren Geschichtscompendiums
in folgender hochtrabenden Fassung betitelt: KaiJUfjbOQfpov latQOv
T^ç xdv xoptO(p6QO)p IxTij^ç itnoQiùûP UaQd'ixùiv] hier scheint xoyro-
(pOQOt eben eine dichterische Umschreibung fur fivfiJiot zu sein, „die
— Kvltvâçoç, xovrotipoçoç, iviiXij^a, rôfjtoç. — 25
den Omphalos oder RoUenschaft tragenden^, und damit wird sich
das spâte xovtaxtov yergleichen lassen.
Erst als Nachahmiing des Yolumen der Rômer erscheint dagegen
das seltene ipsiX^gàa, das in den Alterthûmem des Josephus zuerst
auftaucht (XII 2, 10) nnd nie eigentlich fester Terminus geworden
ist, ingleichen das spâte slXijTdQêOP xaqxAov (z. B. Sexta Synod.
Gonstantînopol. Act. 14 zweimal).
Nach dem Aeusseren der Mâche aber heisst das Buch auch
tOfAOÇ „der Schnitt^, und zwar nacliweislich erst seit der alexandri-
nischen 2^it. Frûbester Beleg mag der Antistheneskatalog beim
Diogenes sein (YI 15 f.), der ohne Frage alexandrinischen Yerzeicb-
nissen entiebnt ist und auf den wir in unsrem letzten Capitel zu-
rûckkommen werden. So wie die Papierscheere xaqiOTOikOÇ ist (Gloss.
Stepb. = aïkiXot) und ein Papierscbnitzel xaqxôxoikov (Scbol. A zu
nias 15, 389), so ist aucb der einfache TOfAOç immer nur aïs abge-
schnittene char ta papyracea gemeint: Hesych und Suidas er-
klâren ihn mit ô xâQtijç, Ammonius mit b TS^vôiksvoç xdqTfiç,
und nicht anders braucht ihn Martial I 67. Wenn hiemach nun das
Litteraturbuch benannt wurde, so wird uns dasselbe damit als ein
dorch Theilen oder Zerschneiden isolirtes Stuck Charta dargestellt;
d. h. rofioç bezeichnet das Buch als Werktheil. Das Wort
tritt indess bibliothekarisch nur gelegentlich fur fitfiXiop ein, sowohl
in Buchinscriptionen der Handschrifben (wie beim Rhetor Hermogenes)
als auch in bibliographischen Angaben, wie oben ûber Antisthenes
oder wie bei Suidas z. B. im Apolinarius-Artikel : syçaips xara-
Xoyaôfiv xazà UoQîpvQiov roi âvtftfefiovç t6[aovç X. Auch Euse-
biu8 nennt also seine Bûcher (Hist. eccles. X init.), und Marc Aurel
«rzàhlt bei Fronto (ad M. Caes. 2, 13): feci excerpta ex Ubris sexaginta
in quinque tonds, Deminutiv dazu ist TOfAciçiov (Conc. Cp. lU act. 14
p. 978) wie zu fiifiXlop fitfihâccQiov; wie sich dazu ifi^/t^a verhâlt
(vgl. z. B. Photios Bibl. cod. 69: âtaïQsïtat to (înovâaafia elç TfMJ-
fàcna 1$ Yom Hesychios Milesius), kann hier noch nicht erortert
werden. — Uebrigens scheint die Anwendung dièses Terminus erst in
spâterer Zeit \md zwar, wie man vermuthen môchte, erst im Gegen-
satz zum tsvxoç, dessen Gebrauch sich immer mehr ausdehnte,
hâufiger geworden zu sein. Denn es ist hervorzuheben, dass gerade
26 — Die'Bnchtenninologie. —
er klarer und schârfer als aile anderen die Papyrusrolle iind nur
aie allein bezeichnete ^).
Fur dièse Thatsache ist nichts instruktiver, als die Bûcherschau
mitzumachen , die im spâten, neunten christlichen Jabrhandert der
Patriarch Photios ûber die griechische Litteratur hielt. Sie lag ihin
vor in 280 Codices. Unstatigkeit im Gebrauch der antiken Ter-
minologie mûsseu wir hier also gewartigen. Derselbe stellt sich nun
folgendermassen heraus: têvxoç ist fur Photios lediglich Raumbegriff
und bezeichnet nie ein Werk als solches, sondem stets nur den
(Pergament-) Codex, der eine Mehrzahl Ton antiken Bûchem, àbet
auch eine Mehrzahl von antiken Werken aufzunehmen im Stande ist:
wie z. B. die Hypotyposeis , die Stromata und der Paidagogos des
Glemens Alexandrinus drei t€vxV ^^^^^^ (<^od. 109), wie aber andrer-
seits in ein und demselben têvxoç ein Baethos, Pausanias, Borotheus
und Moeris sich zusammenfinden (cod. 154 — 157). Dagegen ist der
Begriff fitfiXiop fur Photios zweiseitig, ja dreiseitig entwickelt und
heisst bald im antiken Sinne das Einzelbuch (so z. B. cod. 58 Arrian^s
Parthica fiipXioiç i$'; cod. 77 beide ixôôasiç des Eunap èv fitfiUoêÇ
»(f zu je einem tetfxoç] cod. 62 stehn fiifiUa und Xôyoê identisch
u. s. f.), bald heisst so das Werk als Ganzes (so steht cod. 70 Diodor^s
§t§Uov IcnoQucop iv /a' JloVoiç; cod. 15 nqaxvhxov t^ç nqtivffç
avvoâov èv y tdfAOïç. rslaffiov âè sipèQS to fi^fiUop iruyQaç^y^
cod. 28 ^ filfiloç iv TOfAOïç $'; vgl. noch cod. 38 u. a.; am deut-
lichsten aber cod. 72 §i^Uov Ktijalov tov Kvidiov %à JIsQaêiui iv
fitfiUoiç xy, Ja, cod. 34 zerfallt des Aûicanus l(noQtxov als fiêfiXiav
sogar in funf TeiixfiY), bald endlich steht pifiUov aber auch als
neuer Raumbegriff geradezu fur têvxoç (so heisst cod. 40 die Kirchen-
geschichte des Philostorgos âi évoç fitfiXiov TOfAOïç 1$ CVfinXfi-
QOVflévtl).
*) Ganz irrig sftgt Bergk Litter. Gesch. S. 230 Note: „'rôf*oç enthielt immer
mehrere kleinere Schrlften oder ein aus mehreren Bûchern bestehendes Werk!^
£r bringt nar zwei Beispiele fRr diesen, durch daa Obige widerlegten Satz^
und dièse sind voralexandrinisch : Ëpicharm und Antisthenes. Vgl. darûber
den letzten Abschnitt.
') Nach dem dyiyt'oiad-ij wird fitfikioy bisweilen weggelassen, und danaeh
mu88 Cod. 37 gelesen werden: tù dHckêyô/mya iiçayoy nçôctana.
— Tomus. — 27
Man sieht: der grosse UmfoQg des Lexicon des Suidas hinderte
nicht, dass yod ihm im Hinblick auf den nipal^ râv iv jmidfiq
ovoïkatti&v des Hesych gesagt werden konote: oif irurofuj i0t»
%ovro TO fitfiUop^). Wie viel aus dem Suidas-Artikel ^InTtoxqdTfiç
Kmoç dem Hesychios Milesius angehôrt, îst durchaus unsicher; die
Yerwendung von fiifiXoç fur eine SammluDg mehrerer Bûcher yindi-
cirt seine Fassung yielmehr dem Suidas').
Dahingegen steht nun aber tofioç beim Photios niemals fur
têvxoç; niemals auch steht es, um ein ganzes Werk zu bezeichnen;
sondem stets bleibt rofjboç die antike Rolle oder das Ëinzelbuch, als
TheilbegrifF eines Gesammtwerkes (vgl. ausser den schon im Obigen
mitgetheilten Beispielen noch cod. 15, 21, 27, 29, 28, 41, 88»), 95,
116, 117, 118, 163; 110 zerfallt ein tsvxoç in drei to/ao»; Tgl.
cod. 152, wo TOfAOê und Xoyoi gleichstehen.
Eine Papjrusrolle ist denn auch noch unter dem thomus carti-
cmeui iam ex magna parte vetuatate consuntue zu verstehen, der in
Marini's Papiri diplomatici (N. XIII fin.) erwâhnt wird, wozu Marini
fur den Sprachgebrauch jener Zeiten anmerkt (S. 221): tomi, tomuU
earticmei, e earUcei e PrivUegj carHcei e forse anche tond ânhûç dice-
vansi . . . t rotuii, stXfitaQiaj di Papiro, né* qtudi erano scritte Boîle,
diplond ed altro per distinguerli dai libri e codici u. s. w. Noch Gre-
gor von Tours (X cap. 19) erwâhnt in diesem Sinn chartarum tomoa^).
Den Namen Tomochartae bringt Marini bei noch fur die Zeit Gre-
gor's Vn und Ludwig des Frommen.
M Bernhardy p. LV und O. Schneider Callim. II S. 23 halten dièse Worte
mit Unrecht fur interpolirt. Naeke De Choerilis S. 35, Volkmann De Suidae
biognphicid II S. 729, Nietsache Rh. Muh. 22, S. 193 giauben, dass die er-
haltene Epitome des He.^ych hiermit bezeichnet sei. Lehrs Rh. Mus. 17, S. 453
und Wachnmuth Symbola philol. fionnensium S. 138 nehmen sie mit Recht fQr
echte Worte des Suidas und verstehen fitfikioy von dem Lexicon, soweit es
„Gclehrtenlexicon'* ist.
') Nicht YoUkommen ricbtig beurtheilt also Flach dieaen Artikel im Rhein.
Mas. XXXV 213.
*) Tofjiot ai TO fi^filiov TQilç ist hier gesagt wie cod. 163: rôfÂOi' âé fia&y
lô fiifiXioy $fi\
*) Du-Cange, Charpentier s. v. erkl&ren sie mit Regesta, Scrinia, in quibus
plnres chartae continebantnr.
28 — ^>® Baehterminologie. -
Wo immer uns der Tomus begegoet, werden wir also eiaen Hin-
weis auf die antike Rollenform erkennen. Uebrigens scheint der
Ausdruck nicht eigentlich von Monobibla gebraucht worden zu sein
— dièse sind einheitlicb und also einem ^Schnitt^ nicht ausgesetzt ^,
sondem meist bei mehrbûcherigen Werken. Baraus mag sich erklâren,
dasB Origenes, um seine vielbûcherigen Commentare zur heiligen
Scbrift Yon den einfachen Homilien zu unterscheiden , in denen er
die Scbrift populâr ausgelegt batte, die ersteren schlecbthin als tond
diesen Homilien entgegensetzte. Hieronymus berichtet Ton ibm'):
Mille et eo amplius trtictatus . . . ediéHt; rnnumerabilea praeterea corn-
mentarios quos ipse appellat TOfJtovç, Anderswo theilt Hieronymus des
Origenes Werke in axô^^cc, ofultaxà und tof^ot*). Und so erklârt
sicb die Art, wie derselbe Autor sonst auf die Commentare Bezug
nimmt, handelnd yon der Zulâssigkeit eingehenderer Kritik des Bibel-
textes*): De AdamanHo autem sileo: cutus nomen . . . tneo nomme in-
vidiosius est: qui cum in HomilUs suis quas ad vulgtim loquitur com-
munem editionem seqiuitur: in tonus, id est in disputatione mcdori hebraiea
veritate stipatus .... interdum Unguae peregrinae quaerit auxiUa,
Zu téfjboç bildet Xôyoç gewissermassen den Gegensatz. Indess
sel dieser Terminus hier nur im Yorbeigeben beruhrt, da er fur
unseren besonderen Zweck nichts austragt. Auch Jiôyoç heisst Buch,
und ein grôsseres Werk setzt sich aus mebreren loyoê zusammen.
Hâufig ist der Name wiederum beim Photios anzutreffen; schon im
Yoraufgehenden sind Beispiele aus ihm aufgefûhrt, die sich leicht
yermehren liessen. Es ist kein Zweifel, dass Photios auch hierin
einen altclassischen Sprachgebrauch fortsetzt. So werden denn in
der handschriftlichen Tradition die Bûcher als Xéyoi inskribirt beim
Xenophon yon Ephesos, beim Quintus Smyrnaeus, in den Sibyllini-
schen Bûchem, bei Pausanias, beim Plutarch tisqI tijç ^Ale^ccpâ^v
1) Epiai, ftd Pammachiam et Oceanum IV S. 346 Mart. (Epist. 83 VaiL);
Ygl. auch S. 405: HomUias dus transtuli et nonnulla de tamis.
') Praef. interpret. Ëzechiel.
') praef. in librum Hebraic. quacstionum in Genesin (II S. 506 Mart.).
So eitirt denn Hieronymus auch entsprechend die Commentare nach tomi:
Origenes in quarto Pauli ad Romanos i^tjyi^attay xôfAt^ de circuincisione magni-
fiée disputavit (Brief 35).
— loyoç (evyyQafAfia, avyrayfta). — 29
Tvx^Çj in des Lukian ^AXtj&fjç Ufroçlay im Jûdiscben Krieg des
Josephos. So kann schon Galen ein siebentes Bucb als ifiâofiov
Juiyov citiren*). — Wâhrend %6ikOç das Buch als The il eines grosseren
Ganzen hinsteUte, so wird es dorcli Xôyoç umgekehrt verselbstandigt
and zwar oft mehr, als sein Inhalt berechtigt. Ob wir Xé^oç als
^Erzâhlung^, ob als ^Auseinandersetzung^ fassen, immer liegt die Vor-
stellung eines sacblich Abgeschlossenen darin, was von vielen Bûchem
in Wirklichkeit nicht eigentlich gelten konnte. Die râumiiche Selb-
stândigkeit des Bûches scheint dies yeranlasst zu haben. — Termine-
logisch merke ich an, dass zwar wohl gelegentlich mebrere Xôyoh
als y^Reden^ in einem fiifiUov Platz haben konnen, dass auch ûber-
haupt jedes grôssere Exposé pluralisch Xôyoê heissen kann (Herodot
1 184 und ôfter), dass aber meines Wissens nie nmgekehrt ein mehr-
bûcheriges Werk singularisch Xoyoç heisst: mit der Buchtheilung
irird der Xoyoç zu Xoyoï.
Das Griechenthum der spâteren Kaiserzeit schritt sodann zu
einer analogen terminologischen Neuerung weiter. Nun hiess das
Einzeibuch einer Pragmateia nicht nur Xoyoç, sondem sogar (fvy"
yQafifUX, avvrayfjta, sogar T^ayfiaréia, Schon Origenes spricht so
und erôffnet sein siebentes Buch contra Celsum: ccQXùifMÔ'a xal ifi-
ôofAOV (rvyyQdfAfÀatoç, Sextus Empiricus schliesst das erste Buch der
nvqqtivuoi VTiOTvnaiaetç mit anagvil^ofMV rà nQ&tov x&v viïotvn.
Cvvrayika und entsprechend das zweite und dritte. Der griechische
Horapollo bricht das erste Buch seiner Hieroglyphica als nqâtov
{fvyyQafifjta ab und erôffnet das zweite als TtQayfAatsia âevréça.
Aehnliche Stellen aus Theodoret, Euseb u. a. sind kurzlich von
Neumann zu seinem Julian zusammengestellt worden').
Hiem&chst sei an eine andere Thatsache erinnert. Wir sahen:
fur einen Photios war der Buchbegriff so yieldeutig geworden, dass
er Yon einem fiifiXiop iv fitfiXioiç xy reden konnte. Sonstige byzan-
tinische Schriftsteller machen es nicht anders, wie Bassus im zehnten
Jahrhundert, wenn er das Sammelwerk der Geoponica in zwanzig
^) Vgl. Stephanas Thesanr. s. r.
*) Neumann, Joliani imper, librorum contra Christ, qaae supers. Leipi.
1880 S. 99.
30 — ^^® Bachterminologie. —
Bûchem mit der Bemerkung einleitet: Ta duzq>6qoiç . . . àl^ikiva
0vXk£^aç elç iy tovxï to fiêfiXiov ^yté&suta (praef. inît.). Im
Alterthum selbst war dles anders. Bas moderne grÔBsere Werk
zerfallt in Bande, und es selbst heisst alsdann nie „Band^:
ebenso zerfiel das grossere antike Werk in Bûcher, das Gesammt-
werk aber hiess alsdann niemals „Buch^. Bie Persica des Ktesias
fur ein fiifiXiov zu nehmen wâre in der Zeit des August oder Trajan
ebenso lâcherlich gewesen wie ein Uber ab urbe condUa als Hinter-
lassenschaft des Livius. Nur der Gebrauch des Plural war hier
môglich.
Biese Thatsache ist allgemein anerkannt. Ber FûUe yon Gram-
matikercitaten yerdanken wir, dass auf diesem Grebiet nichts so sicher
garantirt ist als sie; und wenn uns Citate aufistossen wie z. B. fur
den Chrysipp iv tA nsQÏ xaXov xai ^âoyijç (Athenaeus S. 9 C) oder
auch ip %û nsQÏ xaXoi (Athen. S. 1 58 B), wâhrend das Werk sonst
entweder pluralisch iv totç tkqï vov xaXov oder mit Buchzahl bis
zum siebenten citirt wird'), so wissen wir, dass in obigen FâUen die
Buchzahl ausgefallen. Nur auf ein Paar weitere Yersehen in der
Ueberlieferung sei hier noch au&nerksam gemacht So bat Yopiscus
(Tac. c. 10) die Annalen des Tacitus nicht als liber einfuhren kônnen;
dièse corrupte Stelle wird in einem anderen Zusammenhange zu be-
sprechen sein (Cap. VU). So konnte Ovid betreffs seiner Metamorphosen
nicht schreiben (Trist. I 7, 33) :
Ho8 quoque Bex versus, in primft fronte libelli
Si prAeponendos esse putabis, habe.
£s ist entweder prinU oder wahrscheinlicher libellis herzustellen.
So konnte Cbarisius S. 113 K. Yarro^s dreibûcherige Schrift De
poematis nicht fur ein Buch nehmen, wenn er, handelnd von der
Bildung des Ablativus, bemerkt: poematis, quamviê roHo poematHme
faciat. Nom sic inscribit Varro libro suo de poematis. Gharisius wird
hier Ubros suas geschrieben haben. Wenn Apuleius Be nota aspira-
tionis S. 107 éd. Os. Varro in libro de origine Unguae latinae citirt
haben soU, so ist hier imi so gewisser die Buchzahl ausgefallen oder
tn Ubris herzustellen, da Be diphthongis S. 125 richtig pluralisch m
') Vgl. Birt De Halieut. S. 86.
— Dm Gesamiiitwerk heisat nicht ^fiuch*'. — 31
Ubriê de origine Unguae lat citirt wird. Gellius erzahlt yon den
lateinischen Annaleii des Fabius, die er in einem Bucbladen gefunden
habe: der Bucbbândier bebauptete, das Werk sei von Abscbreiber-
Tersehen gâozlich firei und ein zugezogener Grammaticus habe da-
^gen ein solcbes Yerseben im yierten Bûche nachgewiesen : osten-
débat grammaticus ita scriptum in libro quarto eqs. Dièse Bucbzahl
beweist, dass es von diesem Grammatiker bei Gellius nicht zugleich
heissen konnte: repperisse unum in tibro mendum dicebat; es muss
entweder uno in Ubro oder unum in libris geschrieben werden oder
die Zabi JV ist von dem M von mendum verschlungen worden.
Weniger sicher lâsst sicb ûber ein Citât des Servius zur Aeneis 1 368
lutheilen: eine Besprechung der Stadtanlage Cartbago's wird hier
aaf Cornélius Nepos zurûckgefuhrt, und zwar m eo Ubro qui vita
iBustrium inscribitur, Der Titel ist jedenfalls incorrekt; er musste
entweder heissen de vita iUustr. vir, (so giebt Nepos selbst wenigstens
den Specialtitel in der praefatio des erhaltenen Bûches: liber de
vita exceUentium imperatorum) oder aber vielmehr einfach illustrium
virorum. Das betreffende Werk zerfiel mindestens in sechzehn Bûcher,
fietrachten wir die sonstige Citirweise, so steht entweder ein Special-
titel des Einzelbuches: so der eben aus Nepos selbst gegebene oder
De historicis graeds (Nepos Dio 3), De Metoricis laUnis (cod. Guelferb.
Gudianus 278); andrenfalls heisst es — und zwar immer ohne vita —
entweder De viris iîlustr, XIII (Gell. 8, 1), De vir, Ul. secundo
(Charis. S. 220 K.) oder genitivisch: Corn, Nepos inlustrium virorum
Ubro XVI (Charis. S. 141), Corn. Nep. inlustrium XV (Charis. S. 141)
und jedenfalls ursprûnglich ebenso bei Diomedes (S. 410 E.) : Nepos
inlustri [um . . .]. Dies fôhrt dahin, beim Servius fur vita eine Zabi
(wie VIIII) zu vermuthen oder anzunehmen, dass Servius bei Ueber-
nahme dièses Citats aus einem ihm unbekannten Werke ungenau
veifEihren ist^).
Richtig steht dagegen der Singular im 48. Briefe des Hierony-
') Bitschl bat in eber beilftufigen Bemerkung, Opuscl. III S. 454 Note,
in gewifls unzoliasiger Wei^e, entgegen dem sonstigen Consensus der Sprache
ans mehreren der angef&hrteQ Stellen dem liber der Bômer auch die Bedeu-
toDg «GeBammtwerk" zn yindiciren versncht.
32 — l^i® Buchterminologie. —
mus (§11: per omnem îibrum; § 20: m libro nostro; § 15: dûimuê
in eodem volumine) ; es handelt sich in dieser Selbstrertheidigung zwar
um seine zweibûcherige Schrifb adversus Jovianum, in Wirklichkeit
aber speciell nur um das erste Buch derselben Qber die Ehe, das
allein Anstoss erregt batte ^). Ëbenso bereinigt sich eine Schwierig-
keit beim Commodian, dessen Instructiones zwei Bûcher umfassen,
wâhrend doch Gennadius nur einen liber quctsi versu adversus paganos
von ihm anfiihrt; das erste Buch der Instructiones ging eben unter
diesem SondertiteP).
Der Terminus JU^^xoV fur lexikalische Werke, zu dem fi&fiXiay
zu ergânzen ist, ist nicht antik '). Die Xé^€$ç des Alterthums waren
eben meistens so umfangreich, dass sie Yon einer Yielheit yen Rollen
aufgenommen werden mussten.
Und warum, fragen wir nun, war es ûberhaupt nicht môglich,
eine solche Yielheit auch singularisch als Gesammtwerk unter dem
Namen fitfiUov zusammenzufassen? 0£fenbar eben deshalb, weil
^) Im cweiten Buch adr. Jorianum batte Hieronymus die Thesen wider-
leg^: 1) dass, wer getauft und wiederg^boren sei, nicbt mehr yeraucht werden
kOnne; 2) daas Enthaltsamkeit in den Speisen keiDen besonderen Werth habe;
3) dass aile, qui baptisma suum serTaverint, im Himmel imterscbiedloa belohnt
wûrden.
*) Vgl. Gennad. de script, écoles. 15. Die Herstellung der swei Bflcher
wird Oehler yerdankt; aber nur das erste (Acrost. 1 — 46) ricbtet sich gegen
die Heiden; das cweite vielmehr an die Christen. Ebert, Gesoh. der Litterat.
des Mittelalters I S. 87 erkl&rt fthnlich. Jedenfalls ist nicht das carmen Apo-
logeticum des Commodian gemeint. Vgl. noch denselben Ebert AbhdL s&elis.
Ges. Wiss. V S. 387 ff.
>) Das Wort ké^ixôy (fiifikioy) ist sp&t und unsprachgem&ss Ton jU|k
abg^Ieitet, wocu das cug^horige Adjektiv correkt vielmehr léxiucoç laateta,
wie ditxnxtaç su dii^tç, raxnxà zu râÇêç, Zuerst steht es yielleicht im EtymoL
Magn. S. 221, 33, wo erw&hnt wird, Epaphroditos habe iy vnofAytjfuxn 9'*
'iXtaâàç als Zeugen angef&hrt KUitaqxoy Aiytyqnjy kiiêxoyQâff-oy, Dem Ver-
fasser des Etymologicum (swischen Photios und Eustath) ist hier das Wort lor
Last su legen, das Epaphroditos schwerlich sohon so verwenden konnte. Sonst
scheint sich der Titel ktÇtxoy filr Xi^iiç ûberall als sp&t su erweisen (b. Bekker
Anecd. 8. 1094 wird dem Porphyrio ein liiixoy -my iyâUt^irmy yça^pw
sugeschrieben, gewiss nicbt mit genauer Titelnennung, so wie Eustath 8. ISST, 4
von ^tjTOQ^xà kë^txâ redet; ebenso auch Photios).
— UÇtxôy nieht antik. BoUenbQndel. — 33
fi$fiXiov, ein RaumbegrifP, ausschliesslich nur die einzelne RoIIe be«
dentete.
Wodurch wurde nun die Einheit antiker Werke als solche in
technischer Sprache ausgedrûckt? Zunâchst nur durch ihre Sachtitel
wie Xé^siç îtfTOQtat atmaies u. a. Indices. XJnd die sonstigen Be-
zeichnungen wie opus optLSCulum scriptum nolt^tfêÇj nolfiy^a^ ^YYQ^^»
(fvyyçafàfMc, nQayfkaxëia waren um nichts concreter als sie. Fur
RoUen, deren jede fur sich um eînen Stab gewickelt war, konnte es
nicht sehr zutrâglich sein noch weiter unter sich verbunden zu
werden. Die einzige Môglichkeit war namlich, dass man sie mit Band
zu Fasces-âhnlichen Bûndeln zusammenband, und dies ist in der That
ofter geschehen; auf den Bildem zur Notitia dignitatum sieht man
solche Bûndel; sonst erfahren wir einmal beim Aristoteles von Schriften
des Isokrates iv âetffbaïç^); Gellius, von Griechenland rûckkehrend,
findet in Brundisium einen Buchkramer, der solche Bûndel ausstellte
(1X4): fasces Ubrorum expositos vicUmus; der Erzâhler fugt hinzu,
die Rollen seien von langem Liegen schmutzig und widerwârtig an-
zusehen gewesen; vielleicht war die Art der AufbeWahrung daran
mit Schuld; das zarte Material musste durch sie leicht verbogen und
grôblich verdorben werden; ich erinnere nur an jenen Protest beim
Petronius (c. 102): lebendige Menschen dûrften nicht packetweise
eingewickelt werden: das thue man ja nicht einmal bei guten Klei-
dem, weil sie Falten bekommen, noch auch beim Buchpapier, ^das
zusammeogebunden seine Form verliert^: chartae aUigatae mutant
figuram'^). Die ideelle Zusammengehôrigkeit der Bûcher scheint zur
*) VgL unten Cap. IX.
^ Dass die /ocra* ayQa(poê in S&cken transportirt worden seien , ist
danim gewiss schwer su glauben, obschon ein Theopompfragment (125 Mûller)
anf solche Annahme su fdhren scheint. Unter einer Beihe yieler Geschenke,
welehe Aegypten dem PerserkOnig bei seinem Eincug entgegenbringt, wird
hier nach der Ueberlieferung bei Pseadolongrin nfçi vi^ovg 43, 2 auch aufge«
s&hlt xttl noXXol fjiày aQtvfJiâjtav fjiéâtfAvoh noXXol de d-vkaxoi xcei trâxxoi xal
jfo^nr* pvfiXitoy xai niy âU.(ay anâynoy XQ'J^^f*^^» toaavra ai xçia xtL
Qende dièse Worte Theopomp's sind es, ûber die sich der Eritiker ITêçi vtpovç
nn Nachfolg^nden besenders anfh<, ohne doch dabei speciell auf die fivfiXkc
snrfleksakommen. Die Stelle ist sicher yerderbt; denn der Genitir nov akX(ûy
ànâynay x^ffoifÀtay bat nicht, woron er abh&ngen kSnnte; der Conjektur des
Birt, Buchwefen. 3
34 — l^i® Buchterminologie. —
râumlichen gemeinhin nur durch die gemeinsame capsa oder cista,
den nidu8, die loculi, das scrinium oder endlich durch die Bibliothek
Belbst ge-worden zu sein, die in kleineren Privathâusem auszufullen
ja schon der eine Livius hinreichte. Vor ailem war sie aus der
Uebereinstimmung der numerirten tituli, etwa auch noch aus dem
gleichfôrmigen Charakter der Emballage zu entnehmen.
Musste sich der Buchinteressent gewisse Werke nun gar aus
fûnfzig oder huudert oder mehr Einzelrollen zusammensetzen — denn
fur den Benutzer zerfalJt ein Werk nicht in Bûcher, es summirt sich
ihm erst aus solchen — , so liess sich in dem Chaos so vieler gleich-
artiger Rouleaux schwer controliren, ob nicht das eine oder andere
fehle, es Hess sich schwer Unordnung und eine Stôrung ihrer Reihen-
folge Yom ersten bis zum hundertsten Stiîck yerhiîten, und so war
es verstandig, etwa je zehn oder je funf von ihnen zu XJntergruppen
zu vereinigen, durch deren Vermittlung ein XJeberblick iiber das viel-
theilige Ganze ermôglicht wurde. So zerûelen z. B. die achtzig
Biicher rômischer Geschichte des Dio Cassius in Dekaden^), die
Toupius /i;rça» fioXfiwv wird man ungern an Stelle der /Açra» fivfikitav Raum
geben, die doch grade als Geschenk fQr Aegypten bo charakieristisch sind.
Athenaeos bringt nun S. 67 Ë dieselben Theopompvrorte verkQrct: noXXol fiiv
ftQTVfÂi'tTtay , TtokXoi dt atéxxot xitl d-vkaxoi fiifi)Ua}y xai Tiay ttXXtûy imàyrtav
rctfK XQ*J^^^^^ nçoç roy fiioy; bier ist zwar offenbar fitdifiyoê auagefallen,
jenem grammatiscben Anstoss scheint bier dagegen glflcklich abgeholfen, und
wir mOssten also xai j^cv^rn» bei Pseudolongin ffir interpolirt nebmen, wenn
wirklicb crnxxo» ^tfikiojy sachlich glaublich wAren. So scheint es vielmehr ge-
ratben, sich nach einer anderen Abbûlfe umzuseben; eine gute Redefolge er*
giebt folgende Umstellung: xttl nokkol ^tv àqrvfifcnav fiédifÀVOi, Ttollot cfé
xai Tioy aXXvjy unuynay /çiycr/^wv S-vktcxot xai aôxxoi xai /açrai ^v^kiioy,
Tocavra di xgéa xrk. Dièse Restitution bat sur Voraussetzung, dass die irrig^
Wortrerstellang scbon in der gemeinsamen Vorlnge des Athenaeos und Pseu-
dolongin Plate batte; aber aucb wer dem Emendationsweg des Toupius folgt,
bat fQr die Verscbreibung so weit zurQckeugeben. — Noch sei erinnert, dass
aucb in den Interpretamenta des Montepessulanus als Gegenstand beim ludus
iitterarius der saccus erw&bnt wird. Hier wird man doch wobl nicht an BQcher-
tascho oder ^Scbulmappe** denken dûrfen, sondern an das marsupium, in
welcbem etwa der Scbûler dem Lehrer das Lebrgeld brachte.
^) Suidas 8. V. Jitjy ô Kaaa&oç :tyQaipi '^PiûfÂfàxijv laioçiay iv fii^ioêç
n, dM^çovytat di xccrà déxndaç.
— Dekaden, Pentaden. aùvra^iç. — 35
zweite AuBgabe der Argolica des Binias in AbtheilungeD Yon etwa
gleichem Umfange*). Fur Liyius selbst zerfiel sein grosses "Werk in
Sachtheile (partes smgulat tanU operis praef. XXXI; so Theil I die
altère Geschichte, Theil II die punischen Kriege), wie er denn sein
Werk in Theilen hinter einander erscheinen liess; Buch CEX bis CXVI
existirten als Geschichte des Bûrgerkrieges mit selbstândiger Buch-
zâhlung noch spâter. XJebrigens aber wurden beim Livius, gewiss
schon frûh, auch die âusserlichen Dekaden beliebt, wozu das Werk
znm Theil selbst einlud^); und eben in Dekaden sind seine Reste
auf uns gekommen. XJeberlieferung der BuchroUen nach Pentaden
lâsst sich auch fur Diodor's Bibliothek aus seinen Resten mit Sicher-
heit erschliessen. Ueber die Hexaden und Triaden des Varro vgl.
unsren dritten Abschnitt.
Wir erhalten fur den Ordnungsbegriff avt^va^irÇ (oder (fvPTayfia)
drei Funktionen. Einmal ist er die Untergruppe eines grôsseren
Werkes wie bei dem soeben erwâhnten Dinias. Zweitens lag es
aber auch im Interesse der bibliothekarischen Contrôle bei einem
Polygraphen wie Chrysipp seine Gesammtwerke verschiedenen Inhalts
ab solche gruppenweise anzuordnen, und CVPtal^tç begreift hier also
umgekehrt eine Mehrheit gleichartiger Werke von geringer RoUen-
zahl, so z. B. die zweite avpra^tç seiues tÔttoç koyixoç vierzehn
Bûcher in acht Werken, die zweite seines xànoç loytxoç ngoç tovç
lôyovç xai tovç tgonovç siebzehn Bûcher in zehnen. Aus dem-
selben Gesichtspunkt vereinigte Porphyrios die vierundfûnfzig selb-
gtandigen Monographien ungleicher Lange seines Meisters Plotin zu
neungliederigen Abtheilungen oder Enneaden. Endlich aber ist avp-
ra^êç auch die Einheit eines grossen und vieltheiligen Einzelwerkes
selber (vgl. Polyb. I 3, 2; Diodor I 3, woselbst auch avptccyfba,
XTV 117, XV 95; Plut, n 1043 Wytt; to avyrayfAa Ttjç ïfnoglaç
^IxTVOÇ, Suid. ; avytayfia als Gegensatz zu ybOVÔfiifiXoç bei Suidas s.
^) Die Theile hiessen auvra^nç, waren numerirt und der erste Theil
hatte mindestens neun Bûcher: vgl. Schol. Ëurip. Or. 870: Jt^viaç iv 9-' t^ç
nçârtiç cvym^ttaç, ixdôciœç de divrégaç. Vgl, Valkenaer in Schol. Phoen. 7.
Schneider in ZAW 1843 S. 430. 974. C. Mûller F 11 G. II! S. 24.
' Vgl. ûber Livius die einleuchtenden Auseinandersetsungen Ton Nissen
Rh. Mus. 27 8. 541 ff.
3*
36 — ^î® Buehterminologie. —
0iXâyQtoç), und das Abfassen eines solchen heisst avyvdatfsiv
TTQayfJtaTêlap, laToglaç *ai Xoyovçy pifiXoy (ygl. Dîod. I 3. Plutarch
Cat. maj. 25 und ôfter. Polyb. I 3, 8. Dionys. Halic. iud. Lysiae 14.
vgl. Suid. 8. V. 0lJU<XTOç).
Ob Yfh nun also Plutarch^s Biographien als eînheitliclies Werk
oder ob wîr es als Sammlung yieler selbstândiger Theile auffassen
wollen: in jedem Fall konnte in dem Ëinleitungsbrief der wahr-
scheinlich unechten Plutarchschrift Begum et imperatorum apophtkegmata
sehr wohl auf dieselben aïs ein (fvvzayfjba mit den Worten verwiesen
werden: xalzot xai fiiovg sxst xà avvTayiJka %&v è7uq>avëaxdxfov
TïaQci T€ ^Pùùfiaioiç xai naç* 'EXXi^a$p ^yefAOVCùV xai vofboô-srœv xai
avtoxQazÔQfùP *).
Ist aber das Gesammtwerk nichts als eine ^Zusanimenordnung^,
60 'werden seine Bestandtheile damit als so selbstândig voransgesetzt,
dass sie einer solchen bedurfen: nicht anders wie spâter eine Mehr-
heit von Codices, die sacblich zusammenhângen und zusammen zu
benutzen sind, ein (Svvxayyka bilden (vgl. Phot. cod. 152).
Wenden wir uns zu dem Tropus corpus, (Xœp^, crcoffrairfov. £r
steht der avptalS$ç ungefahr gleich. Nacb Ëpiktet (II 17) , wo er
von den vielen (Xv^Tcl^stç xai (Swayonyai redet, auf welche die zàhl-
losen Bûcher des Chrysipp sich vertheilten, verfielen einige Bûcher
desselben dagegen keiner bestimmten Gruppe: sie sind C^T^tfêiç ov
(fœ^Aatêxai^), So kôrperlich es klingt, so unkôrperlich war doch
auch dièses corpus librorum gedacht; es bedeutete eine geschlossene
Anzahl yon Rollen nicht anders, als das corpus militum ein Corps
Soldaten ist'). £rst auf das Handschriftenwesen des Mittelalters
^) Mit Unrecht nimmt Yolkmann, Plutarch I S. 21 Anstoss an civrayfAa,
„was doch nur eine Schrift, ein Buch, niemals aber ein corpus von Bûchem
bezeichnet*^ !
') So waren vier BQcher nfçl fikoy eine Syntaxis (Diog. Laert. Vil 188).
') Beispiele fur diesen Klassenbegriff corpus ans Livius und Justin giebt
Drakenborg zu Lir. I 17, 2. So heisst der gesammte menschliche Sprachaua-
druck To aiàfAa ttjç ké^naç (Longin bei Walz Rh. gr. IX 560, 10); so spricht
man philosophisch vom corpus rerum ncUurae, to aw^a tov navrôç u. a. Cicero
giebt eine gute Analogie im Brutus § 208, wo er die Sitte tadelt, nach welcher
die Vertheidigung Angeklagter nicht von einem Redner gefûhrt, sondem an
drei vertheilt wird: nihil vitiosius quam^ cum unum corpus debeai esse de-
— Corpus, aiafAtt, dafjiànov, — 37
ûbertragen gelaDgt es dazu, auch mit einer Raumeinheit zusammen-
zufiaUen; doch ist auch dies nicht nothwendig gewesen. Der Ter-
minus txitt ungefalir zuerst in dem Briefe Cicero's an Lucceius auf
des Jahres 56 v. Chr. (ad famil. V, 12); es heisst hier, Lucceius soUe
die Catdlinarische Yerschwôrung nicht blos als Theil einer allgemeinen
Zeitgeschichte , sondem selbstândig fur sich beschreiben; was den
TJmfang betrifft, so werde auch so das Werk ziemlich gross ausfallen
kônnen: aprmdpio enim convarationis usque ad recUtum nostrum videtur
ndhi modicum quoddam corpus confici posée (§ 4). Ëine bestimmte
Buchform ist hier keineswegs angedeutet. In welcher Weise sich
corpus und Uher unterschieden , wird durch den Brief Cicero's ad
Attîcum n 1 aus dem Jahre 60 schon klarer gestellt. Cicero
schickt zehn seiner Reden und ausserdem noch zwei kûrzere Stûcke
qwisi ànofSndfSiiaTa legis agrariae an die Bûcherei des Atticus: aile
zusammen aber nennt er corpus: hoc totum (SÔiJka curabo ut habeas;
dahiugegen jeden Einzelbestandtheil des corpus nennt er fortfahrend
liber: et quoniam te cum scripta tum res meae délectant: tisdem ex
Itbris perspides et quae gesserim et qaas direrim.
Mit hinreichender Anschaiilichkeit redet sodann eine weitere
Stelle beîm Seneca. Der Ëifer des Philosophen richtet sich De
tranquilL vitae 9, 6 wider den BibHomanen, welchem nur die Viel-
heit der Bûcher, die er besitzt, und dut ihre Aussenseite von Wich-
tigkeit scheine: ein solcher suche sich Corp or a auf von ganz
obskuren und schlechten Autoren: er bringe auf dièse Weise viele
tausend Bûcher zusammen, er ergôtze sich aber nur an den Randern
und den Aufschriften der Rollen. Von Rand und Aufschrift eines
€k>rpus wird nicht geredet. Wir lesen: cur ignoscas hommi armariu
cUro atque ébore captanti, corpora conquirenti aut ignotorum auctorum
aut inprobatorum et inter tôt rrûHa îibrorum oscitanti; eut voluminum
suorum frontes maxime placent tituUquel Man sieht, in den Armarien
sind es nicht die Corpora, sondem ihre Bestandtheile, die yielen
tausend Rollen, deren Anblick den Besitzer erfreut. Nur, je nachdem
fensionis^ nasci de intégra causam cum git ab altero perorata. Omnium
enim causarum unum est naturale prtncipium^ una peroratio; reliquae partes
quasi membra . . . suam et vim et dignitatem tenent. Die Bildlichkeit des
Aosdnicks wird hier mit membra noch weiter durchgei'Qhrt.
38 — ^î® Buchteiminologie. —
ihre tituli dies indiziren, fallen sie zu diesem imd jenem Corpus
auseinander.
Besonders scharf giebt denselben Begriff im dritten Jahrhundert
eine Rechtsentscheidung beim Ulpian. £s fragt sich, was geschehen
soll, wenn ein Vennâchtniss auf aile 48 Bûcher Homer's lautet, aber
einige Bûcher davon abhanden gekommen sind. Der Jurîst ent-
scheidet: man verabfolge yon dem Homère or pus, was noch ûbrig
ist (Dig. XXXn leg. 52): Si H orner i corpus sit U^atum et non sit
plénum, quantaecunque rhapsodiae inveniantur debentur. Es erhellt,
dass fur Ulpian corpus noch nicht den Codex bedeutet, sondem in
derselben Weise incomplet sein kann, wie bei uns ein mehrbândiges
Werk. Jede Rhapsodie bildete eine Rolle.
So erklârt sich auch Cicero's Ausdrucks weise in dem Brief ad
Quintum fratrem II 13 aus dem Jahr 54. Cicero erinnert sich, der
Adressât lèse den Philistos*): sed utros eius (namlich Philistt) habueris
lihros — duo enim sunt corpora — an utrosque, nesdo. Me
magis „de Dionysio^ deUctat, Es handelt sich um Philistos' zwei Werke
^ixfAixa in elf Bûchem und nsQÏ Jiovvclov tov jvqdvvov in sechseo.
Wâre corpus ein Tevxoç, so hâtte Cicero kûrzer schreiben kônnen:
sed uirum eius habueris corpus an utrumque nescio, Seine umstand-
lichere Parenthèse deutet vielmehr an, dass corpus statt libri als
technische Bezeichnung des mehrbûcherigen Werks nicht eigentlich
fixirt war.
So also auch und nicht anders kann nur das (ïcùficiTêoy der
nias gemeint sein bei Pseudo-Longin nsQÏ vijjovç (9, 13) in der Zeit
des Nero, dasselbe vielleicht auch noch beim Hesych (sub IXidç)
und bei Schol. II. S. I 4 Bekk., wo das acùficcuov der Odyssée hinzu-
kommt: denn der Wortlaut beider Stellen kann sehr wohl auf alte
Zeit zurûckgehen. Entsprechend wird auch bei Marins Victorinus
(S. 68, 15 K.) von den zwei corpuscula des Homer geredet, und
Ausonius Epist. 18, 28 reiht an Krates und Aristarch einen dritten
Homerdiorthoten, nach Wolf *) den Zenodot, mit folgendem Verse an:
Quique sacri lacerum collegit corpus Homeri.
*) te video volutatum wohl in Anklang an das volvere und convofvere der
Tolumina gesagt.
») Wolf, Frol. Hom. S. 200.
— Corpus, aw/na, aœfidnoy. — 39
Nicht anders auch meint es Sueton, wenn er de grammaticis
c. 6 ûber den Aurelius Opillus berichtet: composvitque variae eruditioim
àUquot volundna, ex quilms novem unius corporis; quae (qui codd.)
quia êcriptores ac poetas sub cUentda Musarum iudicaret, non absurde
et fecisse et inscripsiêse (scripmse codd.) se ait ex numéro divarum et
appeUatione, Die Worte sind sorgsam gewâblt: fecisse erbâlt durch
numéro und inscripsisse durch appeUatione seine nâhere Bestimmung.
Es batte also Opillus neun Rollen auf die Museu vertbeilt, und deren
Ëinbeit war so ideell wie die der Musen des Herodot oder der gleicb-
falls joniscben Musen, als welcbe die neun Bûcher navzoâanâp iato-
QUûV des Kephalion unter Hadrian erschienen (Phot. cod. 68) oder
wie der Bund der Charitinnen, nach denen Leonidas von Alexandria
die Dreibeit seiner Biicher bezeichnete (Anthol. Pal. VI 328) ^). Auch
Plutarcb bat seine Symposiaca nach denselben neun Musen disponirt.
Und nicht weniger verstandlicb ist Plinius' Brief II 10. Ein
gewisser Octayius Rufus batte seine Gedichte einzeln aus der Hand
gegeben; Plinius râtb ibm, lieber daraus eine ^editio^ zu machen,
îind zwar: hos (versus tuos) nisi retrahis in corpus, quandoque ut
erronés aliqaem cuius dicantur inventent; wie viele Bûcher die Edition
geben wûrde, bleibt unbestimmt; corpus aber ist die Einheit eines
regelrecht edirten Werkes.
Wollen wir nach weiteren Beispielen suchen, so nannte Ovid
seine Ars amandi corpus meum (Trist. UI 14, 8); so heisst die Aeneis
in den Pseudo-ovidischen Epigrammen ein Corpus (Ribbeck Prolegg.
Verg. S. 369; Riese Anthol. lat. N. IflF.):
Bis qaînos feci legerent quos carminé versus
Aeneidos totum corpus ut esse putent.
Die vierundfunfzig Monobibla verschiedenen Umfangs des Plotin
gruppirte Porphyrios nicht nur zu je sechs Enneaden, sondern die
drei ersten Neunheiten wiederum zu einem (TcûfJbccrtop zusammen; die
zwei folgenden Enneaden machten sodann ein zweites acûfAcluor aus;
die letzte war ein (jcùfACcuov fur sich*). Macrob spielt mit dem Ter-
^) Nicht vollkommen analog sind die Musen und Chariten des Aeschines.
') Vgl. Porph. TÎta Plotini § 25 : ravraç mç rçilç hvèdâuç ^/lkIç iy M
etofinriti» là^avxiç xanaxfvaatt^sy xtX. Es wird spâter gesagt werden, dass
Porphyrios hier mOglicherweise die OiOfAana schon als Codices gedacht hat.
40 — ^î® Buehterminologie. —
minus, wenn er seine Satumalien ein corpus der verschiedensten ^e-
lehrten Dinge und dessen Bestandtheile membra nennt (Macr. I praef.):
variarum rerum disparUitas .... ita in quoddam congesta corpus e$t,
ut quae indistincte .... adnotaveramus , in ordinem instar membrorum
cohaerentia convenirent. Von einem Corpus zu Tier Bûchem redet
Rufin (bei Hieronym. éd. Martian. lY. S. 374). Ein Corpus nennt
sich im Codex Bemensis der lateinische Josephus des Ëgesippus
(ygl. die Ausgabe yon Weber und Caesar). Und daran mag auch
Justin gedacht haben, wenn er in seinem Yorwort die yierundvierzig
Yolumina der historiae des Pompeius Trogus preist als eine res magm
et arwm et corporis. Zu tadeln ist die Spracbe Justin^s, wenn er
seine eigene Epitome dann ebendaselbst mit der Charakteristik brève
veluii florum corpusctUum belegt. Weder lâsst sich aus der Bildlich-
keit des florum dafur, noch aus der Raumlichkeit des brève dagegen
ein emstbafter Schluss ziehen, dass (fcofAccTtov die bisherige Bedeutung
auch hier bewahrt habe; und doch wâre gerade hier Deutlichkeit
Yon Nutzen gewesen^). Ganz abstrakt hat dagegen Columella yiel-
mehr die blosse Sacheinheit im Auge, indem er vom Celsus schreibt
(I 1, 14): totum corpus disciplinae (se. rerum rusticarum) quinque Hbris
complexus est
Ganz exceptionell findet sich corpus auch einmal fur ein Einzel-
buch: in jenem seltsamen Epigramm des Probus, das dem Cornélius
Nepos fast sein Eigenthumsrecht auf das einzige seiner erhaltenen
Bûcher gekostet hâtte '). Das schlechte Gedicht steht in den Hand-
schriften des Nepos hinter dem Hannibal. Es ist geschrieben in der
Zeit des Theodosius und scheint Papyrusbuchwesen vorauszusetzen*).
Hier wird dem Theodosius ein Einzelbuch dedicirt ( Vade Uber noster
V. 1), und von diesem heisst es dann:
Corpore in hoc manus est genitoris avique meaque.
Das Buch, das Probus dem Kaiser sandte, war ûbrigens ein Gedicht-
buch*) und hatte aiso mit den Feldhermyiten des Nepos nichts zu thun.
») VgL unten Cap. VIII.
') Nepos éd. Both S. 146; éd. Halm S. 111. Biese AnthoL lat. N. 783.
') In den Worten : ornentur stériles fragili tectura libelli.
*) Probus sagt dies uncweideutig, und so haben es Lachmann und O. Jahn
richtig TersUnden (Verhandl. u. s&chs. Ges. III 1851 S. 343). Sein Bueh hat
— Corpus, etSfuc, otafÂunoy, — 41
In die Zeit des Theodosius scheint etwa der endgûltige Sieg
der groBsen Pergamenthandschriften zu fallen. Solche Handscbriften
Termocbten nun den Inhalt yieler gerollten Bûcher in sich zu ver-
eînigen: di%s%a^ to CœfAanoy nâ<xav ygcctp^v (Macarius homil. 26
p. 340). Und fur das ideelle Corpus war damit wirklich ein Leîb
gefunden.
Im funften Jahrliundert erschîen als Codex Theodosianus die erste
grosse kaiserliche Rechtssammlung; sie batte ibren Yorlaufer im
Codex Qregorianus und im Hermogenianus desselben Jabrbunderts.
Auf sie wurde aucb die Bezeicbnung corpus angewendet^). Aber nur
im Griecbiscben scheint sie sich als Buchterminus wirklich fixirt zu
baben. Weil zu den %€V%fi Gharta selten verwendet wurde, so bildet
Yon nun an in griecbiscber Sprache aoufAcirtoy als Pergamentbuch
zom Papyrus einen direkten Gegensatz. Eine Entgegenstellung wie
die folgende aus den Briefen des Basilios (Epist. 395) bat in den
21eiten Cicero^s oder Sueton's nicht gemacht werden konnen: to nsQÏ
nicht gl&nzenden Blinband^ der leicht Schaden nimmt; einen solchen mOgen
Bûcher schlechten Inhalts anlegen; seinOedichtbuch wîrd auch ohne Schmuck
gefallen (r. 7 t) :
Omentor stériles fragili tectnra llbelli:
Thendosio et doctis carmina nada placent.
Mothmasalich fiog das Qedichtbuch selbst aber mit einem Acrostichon an; denn
Proboa f&hrt fort:
Si rogat aaetorexn, panlatim detege nostnun
Tune Domino n o xn e n : me sciât esse Probnm.
Nicht das Epigramm, sondem der liber selbst wird hier beaufiragt, allm&h-
lieh den Namen Probus erkennen eu lassen! — Das Epigramm muss an's
Ende des Neposbuches als Reminiscenz gekommen sein; und die Nennung
seines Verfassers gerieth dann durch Versehen mit der subscriptio zusammen:
Aem. Probi de excell, dttcilntê eqs.
'} Z. B. Conlatio cp. 9 init. : ex corpore Hermogeniani, Vgl. Ed. BOcking
Pandekten d. rOm. Priratrechts P Bonn 1853 S. 51 ff. Uebrigens scheint dièse
Beseichnung selten; das Ueblicbe war, mit ^ Codex'' su citiren (so die Digesten
meistens); die fragmenta Vaticanana citiren nach Bfichern. Der Hermogenianus
wird immer nur nach Titeln citirt und scheint den Umfang ein es Bûches gar
nicht ûbersohritten zu haben. Zumal da auch Justinian seinen Codex nicht
geradezn corpus nennt, so wird dies Wort hier nichts andres als ^Sammlung**
bedenten, nftmlich constitutionum.
42 — ^î® Buchterminologie. —
%ov nvsvfjbawç fiifiXlov yé^gamai fjkip ^fiXv xal i^êiçyattraê, éç
avTOç oldaç' àjtoaxsïXaè âè èv X^Q'^fl yêyQafjbfképoy ixoilv(knf
fis ol (ast" ifAOV àdsXtpoi, sînôvtsç Ttaçà tfjç si/eviaç (fov ivvoXàç
6%SiV iv fïcùfiaTlù} 'ygcc^at. Der Angeredete wûnscht also des
Basilios' Buch Tugi tov nvsvykatoç nicht auf Charta, sondern h
(XCùfiatla), das heisst also als PergameDthandsclirîft geschrieben zu
sehen; fur die Charta wird Rollenfonn vorausgesetzt. Hierzu ver-
gleiche man Stellen wie Conc. VI Oecum. act 10 und act. 14, wo-
selbst das siXt^tccçtov zu den (fcùfAaia in Gegensatz gestellt wird,
oder Epist. Constantini 10, sowie Ëuseb^s vita Gonst. IV 36 betre£feiid
funfzig acù flâna iv âêtpâ'éQatç, mit denen daselbst tevxtl synonjm
steht. Weisses Pergament wird gerûhmt in dem atûfid-nov XevxowëQOV
X^ovoç (Act. SS. ed Maius Y S. 3250). Eustathius, dessen Zeit die
Rollen nicbt mehr kannte (ygl. zu Odyss. S. 1913), dacbte wohl an
codices cbartacei, wenn er aus dem Papyrus coifiata fabriciit
werden lâsst^).
Die grosse Recbtssammiung Justinian's aus dem secbsten Jahr-
hundert fûhrt den Namen corpus iuris civiîis standig erst seit der
Ausgabe des Dionysius Gothofredus, die Lyon 1589 erscbien*); aber
auch bei den Glossatoren des Mittelalters und in der Rechtsscbule
zu Bologna war er scbon Eunstausdruck, indess nicbt etwa in dem
Sinne der Raumeinbeit einer Handscbrift'). So batte ja scbon Livius
einst die zwolf Gesetzestafeln velut corpus omnis Romani iuris genannt
(III 34, 7). Bei Justinian selbst lesen wir dagegen omne corpus iuris
(God. Just. y 13 init.) nur Yon der gesammten Recbtswissenscbaft
in abstracto; die Gonstitutio onmem nennt eine Summe yon zwolf
Biicbern corpus (1) und die Institutionen Justinian's beissen ex omni
paene veterum institMtionum corpore elimatae (2). Dieselben Institutionen
lebren (II 1, 33): Si in chartis membranisve tuis carmen vel historiam
^) Ëu8t. S. 1913, 36: ^/é» 17 fivfiloç iytàdéç n ^ ov tîxoç ywtc^t ctôfAtera
cuvtikovyTa fiç yça(fttç. S. 421, 30: iyivtrô non rà rcuK j^açTaçUay Cùi/naiu
ix g^viov,
^ B5cking, a. a. O. Ânhang S. 12.
>) Savigny, Gesch. d. rOm. Rechts III S. 517 Note: s. B. totum corpus
iuris in duobus voluminibus und daneben: totum corpus iuris civilis quod corpus
est unus codex.
— Corpus. Monobiblos. — 43
re/ orationem lïtius scripserit, huius corporis non Tithis, sed tu dominas
esse iudiceris, Sonst scheînt Justinîan den Terminus blos fur das
dritte seiner Werke, fur seinen Codex, nach Analogie des codex Gre-
gorianus und Hermogenianus, yerwendet zu haben, doch auch dies
nur in der Verbindung corpus codicis *). OflFenbar ist dem "Worte im
Lateinischen seine abstrakte Bedeutung ^Sammlung^ oder ^Gesammt-
heit" (nâmlîch constitutionum) auch hier verblieben.
WoUte die classische Zeit endlich diesen corpora librorum gegen-
ûber eine Monographie charakterisiren , die in einer Rolle Platz
fand, 80 nannte sie sie fioyôpifiXoç oder (loyofi^pXov^). Aus Schriften-
Terzeichnissen wie denen beim Suidas ist uns der Name besonders
gelâufig. Sie geben ohne Frage den Spracbgebrauch antiker Biblio-
thekscataloge wieder. Mit demselben Namen belegte noch Justinian
seine einbûcherige novelîarum constitutionum coUectio^); unter dem-
selben erschien auch schon ein Elegienbuch des Properz im Buch-
handel und bewahrte durch ibn fur immer den ûbrigen Elegienbûchem
des Dichters gegenûber seine Selbstandigkeit^). Gezâhlt kônnen
monobibla natûrlich nur werden, falls mehrere von ihnen unter eine
Gattung fallen, z. B. cvyrcc^aç ^i^Xia îaTQêxdj gjbovéptpXa ykiv o\
cvvxàyyMxa âè itëça ovx oUya (Suid. s. y. O^XciYQiOç), dagegen
ist in dem Aristotelischen Titel nsql fiaaiXelaç eyçaipev èp \bvÏ\
[AOPofilfiXu) (Ammon. vita Arist. S. 401 "Westerm.) Abschreiberver-
sehen und woU einfache Dittographie anzuerkennen. — Das Adjektiv
war so zum Appellativ verselbstândigt; ein <xvyyça(p^, resp. (SvyYQ^"
fàfHi hinzuzusetzen ist anscheinend nie beliebt worden. Selten nun
bat sich auch bei mehrbûcherigen avvrcc^êtç das Bedûrfniss nach
^) Vorwort sur zweiten Au-^gabe tit. 2: constitutiones . . . extra corpus
eiuêdem codicis divagabantur und tit. 4: nulla alla extra corpus eiusdem codicis
constitutione legenda. Freier noch heisst es zu Anfang: constitutioneSy quae . . .
taciUahant^ in unum corpus colUgere . . . propo8uimus.
') Die Form ^ovôfiifiXou (besonders pluralisch) hSlufig in Catalogen wie
deoen beim Suidas; ygl. auch Morell. Bibl. Ms. S. 295. Schol. Aristot. PI. 321.
Betrefia der Form fiovô^i^koç vgl. auch Reitz zu Theophilus Bd. II S. 1287,
der auch fAOvofiipkMV aus den Basiliken belegt.
3) Nach Theophanes (Kedreno^) Ygl. Du Cange bei Stephanus Thésaurus s. t.
^) DarQber ist unten Cap. VIII ausfÛhrlich gehandelt.
44 — ^i® Buehterminologie. —
einer entsprechenden Composition eingestellt^); wir lesen einmal von
einer i^dfiêfiXoç T^ayfAareia beim Erotian (S. 7) oder yon einem
Tnvxiov éTnccfitfiXov beim Psellus (Sjnops. 20); substantivirt stebt
17 nsvTccfiipXoç 80 wie Pentateuchos bei Ëuseb (Chron. S. 70);
hie und da aber hat man bei Werken manigfachen Inhaltes in
Ermanglung eines Sachnamens eine Bildung nach dieser Analogie
geradezu zum Titel erhoben: xsTQct^i^Xoç war so der Rufname einer
astronomischen Schrift des Ptolemaeos ; als ^E^fjxovTâfi^fiXoç liess sicli
eine Summe yerschiedenartiger Biîcher des Hippokrates zusammen-
fassen. Die Chronographie des Sextus Julius Africanus hiess dagegen
Yollstandig Jlsvxà^^fiXov xqovoXoy^^Ôv y sowie unter der Lektûre des
Photios des heiligen Athanasios TUVxci^i^Xoç xarà \4Q8iov (cod. 140),
des Euseb rezQclfitpXoç iyxiûfA$a(fTM^ €Îç Kovdvavifivov (cod. 127)
erscheinen.
Das Fragen nach der Namengebung sei hiemit abgeschlossen.
Es ist nicht erfolglos gewesen. Die unzweideutige Antwort kônnen
wir mit einem neueu Zeugnisse in der Fassung der Origines des
Isidorus hier an den Schluss setzen« Denn dièse schon mittelalter-
liche Encyclopâdie antiken Bildungsmateriales definirt in unserem
Fall folgendermassen : ^Ein Codex begreifb eine Yielheit Yon Bûchem,
je ein Buch begreift eine Rolle": codex multorum librorum est, Uber
unùis voluminis (Isid. Origg. VI 13)*).
Wie Vergil ein einzelnes Buch Eclogen, wie Horaz ein Bach
Briefe, Properz ein Buch Elegien séparât publicirten, so sind aucb
die sâmmtlichen Bûcher des Martial getrennt von einander nicht nur
verfasst, sondem in den Buchlâden Rom's aufgeiegt und yerkaufb
worden. "Wer sein zweites kâuft und das erste nicht hat, dem rath
der Dichter einfach auf dem Titel die Zahl II in eine I zu yerândem :
Primus ubi est» inquis, cum sit liber iste aecundas?
Quid faciam si plus ille pudoris habet!
Tu tamen bunc fieri si mavis, Regfule, primum,
Unum de titulo tollere iota potes (Il fin.).
^) nokvfitfikoç findet sich Pbot. cod. 146, aber schon Athenaeos S. 249 A
Ton den hundertundTierundvierzig Bflchern des Nikolaos Yon Damascus.
3) Vgl. ReifTerscheid, Suet. RcU. S. 134. Eine direkte ZurOckHlbrung
des Satzes auf das Pratum Sueton's ist natfirlich schon wegen der Voranstel-
lung des codex ganz unwahrschcinlich.
— Bûcher einselD gekauft und gelesen. — 45
De Sacheinheit bildeten dièse Epigrammenbûcher ja ohnedies nicht.
>€r auch von âlteren Werken wie von der Vergilischen Aeneîde
ieben die Bûcher einzeln kâuflich: ein Grammatiker der Antoninen-
it Fidius Optatus zeigt um einer Schreibung willen dem Gellius
r zweites allein vor, ein selir altes Exemplar, das er darum im
iden anch theuer genug mit zwanzig aurei bat bezahlen mûssen;
bekam ausserdem die Einbildung in den Kanf, ein Buch vom
-iginabnanuskript des Dichters erworben zu haben^). So vnrd das
sbente Buch der Annalen des Ennius bei Gellius XYDI 5, 11 ohne
e ûbrigen herbeigeschafffc, so nimmt man und liest die zweite
lapsodie des Homer bei Lukian (58, 7; vgl. 25, 12), um vieler anderer
inlicher Fâlle zu goschweigen, welche das Résultat dièses Kapitels
id den obigen Satz Isidor^s zu veranschaulichen geeignet sind.
Fâlle, die mit diesem Endresultat in Widerstreit stehen oder zu
ehen scheinen, mûssen doch nothwendig von ihm aus beurtheilt
erden. Derartige scheinbare Ausnahmen, im rechten Zusammen-
knge betrachtet, werden fur die Regel nichts anderes als eine Be-
fttîguDg ergeben kônnen. Sie sind darum einem anderen Zusammen-
ing vorbehalten (vgl. Kap. VI und IX).
Grûnden sich nun die bis hierher gewonnenen Yorstellungen
isschliesslich auf die Yoraussetzung des Papyrusbuchwesens, so
ird eine Sonderbetrachtung des antiken Buchmateriales dazu dienen,
eselben zu detailliren nicht nur, sondem auch schârfer zu umgrenzen.
') GelL II 3: Fidium optatum . . . oatendisse mihi librum Aeneidos «e-
mdwn^ nUrandae vetustaHs^ emptum in gigillariis viginti aureis, quem vpsius
ergUifuUse credelxUur. Das LeUtere ist wohl Schwindel. Définitive Fassung
td also aueh Bucliform bekam die Aeneis ja erst durch die Herausgeber.
in ftr die Herausgabe nieht bestimmtes Manuskript aber, wie das echte Ver-
lisehe sein musste, konnte nicht wohl in den Buchhandel kommen. Vgl.
lien flber Cicero's Manuskripte Cap. VII.
ZWEITES KAPITEL.
Das Pergament
JJer griechische Yolksstamm trat ein halbes Jahrtausend frûher
als der romische und fast zwei Jahrtausende fruher als der germa-
nische in die Cultur und in die Geschichte ein. Dièses Ereigniss
bedeutete viel: unter anderem bereicherte es die Menschheit mit
einer Litteratur, d. h. mit deijenigen Nationallitteratur, die, in sich
Yollkommen und scheinbar durch keine Yorzeit bedingt, fur den
Fortgang verwandter Bestrebungen in aller Folgezeit direkt oder
indirekt erste Grundlage bleiben soUte. Das Bild des Griecbenthums
ist fur uns darum so schôn durch seine innere Jugend wie es durch
sein âusseres Alter ehrwûrdig ist. Doch aber gewahren wir, noch
ehrwûrdiger, in der Yergangenheit hinter ihm die grossen Zeitrâume
der phônizischen, der ass}Tischen, der âgyptischen Cultur. Wenn
nun erst durch Schrift und Buch eine Yolkspoesie zur National-
litteratur erhoben werden kann, so mag die Litteratur der Griechen
nach Inhalt und Kunstform fur so selbstandig wie môglich gelten:
die Yorbedingung der Schrift haben sie von den Phôniziem, die
Yorbedingung des Bûches haben sie von den Aegyptem ererbt.
Dass die Schrift den Phôniziem abgelemt war, dessen war sich
das Alterthum selbst bewusst (vgl. z. B. Herodot Y 58) und machte
den sagenhaften Kadmus zum Uebermittler ; ob dann weiter die
phônizische Schrift auf âg}'ptisches Yorbild zurûckging, wie schon
bei Tacitus Annal. XI 14 statuirt wird, mag controvers bleiben^).
^) Vgl. dagegen Deeke, Ztachr. der Deutschen Morgenl&nd. Gea. XXXI
8. 102 ff.
— Frfthe Einftlhrang des Papyrasbuchs. — 47
Viel nnwichtiger dagegen schien die Frage nach dem Trâger der
Schrift, dem Bûche, zu sein; die griechische Tradition schweigt von
ihm, und wir sind auf eigene Schlussfolgerung angewiesen.
Der Grieche nannte sein Buch fiiifiXoç oder fivfiXlov nach dem
Material, ans dem es gefertigt wurde. BvfiXoç aber war die âgyp-
tische Papyrasstaude ^). Das classische Buchwesen beruhte auf dem
Papyrus, einem importirten Material.
Griechenland selbst gab dem Griechen kein Buch. Die That-
sache ist yrohl geeignet uns nachdenklich zu machen. Das Yolk,
dessen hauptsâchliche Culturmission es gewesen ist, sich in seiner
Litteratur auszulcben imd gleichsam fur die Nachwelt abzubilden,
hat die erste matérielle Yorbedingung fur seine Mission von einem
fremden Land erborgen mûssen.
Herodot schon bespricht die Papyruspflanze als Merkwûrdigkeit
Aegyptens^), findet aber nur den Umstand erwâhnenswerth, dass der
untere Theil ihres Schaftes gegessen wurde, ûbrigens rà avœ àrto-
tâfêvovreç iç àXXo t$ TQânovffê. Herodot scheut sich hier gleich-
sam noch das Papyrusbuch selbst zu nennen, durch das doch sein
eigenes Werk erst môglich wurde. Erst Theophrast') findet es der
Mûhe werth, indem er den mannigfaltigen Nutzen der Pflanze fur
den Aegypter rubricirt, kurz einzufugen: sie sei ausserhalb Aegyptens
am bekanntesten durch die Bûcher. Derselbe Herodot setzt aber
an einer andem Stelle*) fivfiXoi als ait en Besitz der jonischen
Griechen voraus ; es herrsche der falsche Sprachgebrauch die fivfiXoi
als „Leder^ (âitp&éQaê) zu bezeichnen; und dièse Uebertragung er-
klâre sich daraus, dass bei diesen Joniem in alter Zeit einmal aus
Mangel an Papyrusbûchem (iv ûnàvi P^pXlcûv) Ziegen- und Schaffell
zum Schreiben gebraucht worden sei, wie das bei Barbaren noch
jetzt Yorkomme. Ganz fern liegt also dem Herodot die Vorstellung,
dass es eine Zeit gegeben haben kônnte, in der die pvfiXoç den
Griechen ganz unbekannt ware, imd so wird denn die Einfiihrung
0 Vgl. ob. Cap. I S. 13.
>) Herod. II 92.
*) Hist. plant. IV 8, 3: xai ifjL(f>avécTctta d^ Tolç l|o> rà p^fiXia. Vgl,
iiDten Cap. V init-.
*) Herod. V 68.
48 — ^M PergamenL —
derselben in die Yorzeit betrachtlich hinaufreichen. Seile aus fivfil^ç
kennt ja schon das Homerische Epos^). Neben diesem hâufigsten
Buchnamen bezeichnete 6 x^Q'^^Ç ^^ S^^ ^ ^^^' ^® nachalexandxî-
nischer Zeît vorzûglîch das unbeschrîebene Papyrusmaterîal, vofur
die âvo x^Q"^^^ ^^ ^^^ attiscben Inschrift aus dem Jahre 407 y. Chr.*)
wobi der âlteste Beleg sind'). Der Eomiker Plato brauchte die
xdQtctt dann anch einmal ûbertragen vom beschriebenen Bûche ^).
Die Form dieser plfiXoi endlich war schon damais die Rollenform;
dies wird z. B. angedeutet, wenn wir beim Xenophon*) von dem
Rollen, éXiaceiv^ eînes Schriftwerkes lesen; im Uebrîgen yergleicbe
man hierfûr das im yorigen Abschnitt Gesagte.
Dièse Papyrusrolle aber war Originalerfindung der Aegypter und
als solche uralt. Sie hat sich aus Grabem in zahbreichen Beispielen,
die in die grossen Bibliotheken und Museen Europa^s ûbergegangen
sind, aufgefùnden, Exemplare yon sehr yerschiedener Gûte im Matenal,
zum Theil yon grossem Yolumen und bald hieratisch, bald demotisch,
bald aber auch mit hieroglyphischer Schrift beschrieben. Die Buch-
roUe, mit einem geknoteten Faden zusammengehalten, war dem
Aegypter eine so gelâufige und charakteristische Anschauung, dass
sie auch neben Schlangen, Geiem, Lôwen u. s. f. als hieroglyphisches
Schriftzeichen figurirt. Ihre erste Anwendung aber yerliert sich in
unmessbare Vergangenheit. „Das âlteste Buch der Welt** liefert
Aegypten in jenem Papyrus Prisse •), welchen F. Chabas') datiit
d'un règne encore peu distant de la fondation du gouyeme-
ment royal en Egypte. Es ist eine ûberaus schôn gearbeitete, ùbri-
gens am Anfang yerstûmmelte Mischrolle yon achtzehn Seiten,
deren letzte yierzehn einen selbstândigen Traktat geben. Derselbe
^) Odyss. 21, 391, wo Eustath nicht an Papynis, sondern an Banmbast
oder an Hanf gedacht wissen will.
*) Rangabé Antiquités helléniques N. 56 ff. C. J. A. I S. 824.
') Denn ein Apophthegma des Sokrates bei Stobaeos, das j^a^rm nennt,
ist ohne Verlass.
«) Plato Corn. II 684, 10 Meineke; (11 S. 257 Bothe).
^) Xenoph. Memor. I 6, 14.
^) Vgl. Prisse d'Arernes, Fac-similé d'un papyrus égyptien Paris 1847.
^) Chabas in der Berue archéol. XV S. 1 ff.
— Dm Bach der Aegypter, Juden, Perser. — 49
Bckliesst mit der redaktorischen Bemerkung : „ C'est fini de son
commencement à sa fin comme on le trouve dans l'écriture^,
iind erweist sich damit offenkuudîg aïs blosses apographum^). Nicht
nur Abscliriftenwesen, sondem auch Buchhandel lemen wir fur
Aegjpten kennen aus einem von H. Brugsch edirten Wiener hiera-
tischen Papyrusfragment'). Zur Aufbewahrung der RoUen dienen
hier Krûge, die je neun Stûck fassen. Femer bat es den Anscbein,
aïs ob hier auch schon verschiedene RoUenformate unterschieden
wQrden').
Das Buchwesen der Phonizier werden wir nach dem jûdischen
beurtheilen konnen, das im Alten Testament yorliegt Rollenform
herrschte hier gleichfalls, allein an Stelle der Cbarta diente das Leder,
die Membrane, in yerschiedener Zubereitung als Material*). Dem
stehen die dnfd'éqat fia<fi]Uxai der Perser muthmasslich gleich*).
Dies also sind jene barbariscben âKpâ'éQa&j Yon denen Herodot meldet,
*) Vgl. Chabas a. a. 0.
>) Ztsch. f. &g. Sprache XIV S. l f.
*) Die Bl&tter bieten einen Bûcherkatalog von 15 (oder 18) Schriftstflck-
BoUen, die sich Terschlossen in xweien Krûgen (qeb) befanden. Es wird be-
richtet, dass dièse Bollen gegen Baarzahlung „den Leuten des Landes^ abge-
kanft and ron einem Amonpriester einer n&heren Inspektion unterworfen seien.
Der ureite Krug enthielt neun Urkunden, aus dem ersten Kruge dagegen
werden aufnotîrt:
1) „die Denkschriften des [Hauses] EOnigs Râ-user-maât meri Amon in
der Amonstadt.
2) die andere Bolle^ auf welcber sich eine Abscbrift jener Denkschrifien
befindet.
3) die rier kleinen Bollen^ auf denen sich die Denkschriften befinden*'.
Hieraos wird dann seltsamer Weise zusammen addirt: „Die Summa der Bollen,
welche sich in dem Kmge befanden, der die SchrifUtflcke enthielt, neun.^
BrugBch schliessty dass die „Denkschriflben'' unter No. 1 aus vier Theilen, d. h.
RoUen bestanden haben mflssen. Wenn dann aber Ton diesen rier, nicht als
Bolche bezeichneten Bollen die yier „ kleinen'' unterschieden werden, so gab
es anscheinend zwei Terschiedene Formate, Ton denen das erstere „ nicht kleine^
gesses oder normales Mass batte.
^ VgL bes. Ch. G. Schneider, disput. tertia de oraamentis librorum.
1711. Saalschfits, Arch&ologie der Hebr&er I S. 356 ff.
») Etesias bei Diodor U 32.
Blrt, Buchwesen. 4
50 — ^'^ Pergament. —
dass sie bei den Grîechen periodisch schon frûh grossen Einflnss
gewonnen hatten um dann durcb die fivfikoç Ton neuem yerdriuigt
zu werden, die aber in Urzeiten sogar in dem Heimathland des Pir
pyrus, in Aegypten selbst, benutzt worden waren^).
Eine Uebermittelung des Papyrusbuchs durch die Ph5nizier an
die Griechen wird man also nicht anzunebmen haben. Der griecliische
Import selbst war es, der den Schriftstellem Ioniens, Grossgriechen-
lands, Siciliens, Athens in frûhen Jahrhunderten das Material zoge-
fuhrt bat, durcb das eine angemessene Fixirung und Conservirong
ibrer Werke erst ermoglicbt wurde.
Es ist nun biemacb einer der seltsamsten Irrtbûmer der sp&teren
Arcbâologie, wenn uns Plinius*), nacb Yarro, zu belebren weiss, die
Ërfindung der Papyrusbûcber sei ërst in Alexandria gemacbt! Ob
Yarro in der Scbrift De bibliotbecis, ob in der Scbrift De antiquitate
litterarum biervon bandelte, bleibt zweifelbaft; das Excerpt des Fli-
nius lautet kurz dabin: am Anfang der Cultur sei auf Palmblattem
gescbrieben worden, dann anf Baumbast, bemacb aucb in geroUten
Bleiplatten fur offentlicbe Zwecke, fur Privatzwecke in leinenen. oder
aber auf Wacbs; Wacbstafeln kenne scbon Homer, nicbt aber der-
selbe die Cbarta. Die Cbarta sei nacb der Grundung Alexandriens
erfunden (reperta). Nacbdem sodann Eumenes seine pergameniscbe
Bibliotbek in Concurrenz mit der Alexandriniscben gegrûndet, sei
durcb Ptolemaeos aus Eifersucbt der Papyrusexport sistirt worden,
und dies ward Anlass, dass man in Pergamum zur Ausbûlfe die
^) Ebersy Aegypten u. die Bûcher Moses S. 12.
«) PUn. XIII 68 ff.:
Et hanc (se chartam) Alexandri Victoria repertam auctor ut
M, Varro condiia in Aegypto Alexandria. Antea non fuisse char-
tarum usum. In palmarum foUis primo scriptUatum^ dein gttarundam
arborvm libris, Postea publica monumenta plumbeis volummiIntSj
mox et privata linteis confici coepta aut ceris: pugillarium emm
usum fuisse etiam ante Troiana tempora invenimus apud Homerum;
illo veto prodente ne terram quidem ipsam quae nunc Aegyptus m-
tellegitur .... Max aemulatione circa bibliothecas regum Ptoiemaei
et Eumenis supprimente chartas Ptolemaeo idem Varro membranas
Pergami tradit repertas.
— Erfindong des Pergaments. — 51
Membrane erfand (reperta), Hieronymus ^) erzâhlt ungefahr das
nâmliche, nennt aber Attalos statt des Eumenes. UDiichtige und
halbrichtige historische Daten sind hier zu einem einheitlichen Yor-
gang fast anecdotenhaft combinirt worden.
SoUte Yarro ûber den Papyrus so ganz obne Orîentirung in den
Tag binein geredet haben? Da er gelehrten Apparat anwendet, wâre
wohl ebenso denkbar, dass er oder dass seine Yorlage eine Erwâh-
nung des Papyrus in der voralexandrinischen Litteratur yermisst
batte nnd einen Scbluss ex silentio sogleich zur Thatsache erhob.
So wûrd Yarro's Bericht denn auch beim Plinius^) zwar bestritten,
aber nur durch mârchenhafte Zeugnisse widerlegt: dass Cassius He-
mina scbon yon pytbagorâischen Bûchern aus Charta erzâhlt habe,
die aus Numa's Zeit stammten; dass kurzlich Mucian in Lykien einen
Brief des Helden Sarpedon auf Charta gefunden zu haben behaupte;
und dass ausserdem dem Tarquinius Superbus die Sibylle „drei
Bûcher^ gebracht habe, von denen sie zwei selbst verbrannte^). Im
letzteren Falle yergisst Plinius hinzuzusetzen ^aus Charta^*); denn
unter dem Terminus Uber yerstand damais eben jeder nur die Pa-
pyroarolle.
Der Bericht, den uns weiter spâte Autoren ûber die erste Ein-
fahmng yon Papyrus imd Pergament in Rom zu geben wissen, ist
jenem Yaironischen deutlich nachgebildet: Ptolemaeos habe auf An-
raihen Aristarch's des Grammatikers zuerst aus Yerbindlichkeit Charta
nach Rom gesendet; aus Eifersucht gegcn Aristarch liess dann der
Grammatiker Krates unter Attalos die Membrane fertigen und gleich-
^) Hieron. Epist. Vil ad Chromatium etc. (IV 13 Mari.) : chctrtam defuisse
non puiOy Aegypto ministrante commercia et si cdicubi Ptolemaeus maria clau-
tiuet^ tamen rex AUalus membratias a Pergamo miaerat^ ut penuria chaxtae
peOilms pensaretur: unde et Pergamenarum nomen eqs.
>) PliD. XIII 84 ff.
>) Auch Tibull II 6, 17 denkt sich die Sibyllinischen Bûcher auf Charta,
dagegen Claudian Bell. Qet. 232 und Symmachus ep. IV 34 alterthûmlicher
als Ubri lintei, Varro selbst auf Palmbl&ttem , Tgl. Serr. Verg. Aen. III 444.
VI 74 and Niebuhr B^m. Gesch. I S. 360 ff.
*) Plin. XIII 88: inter omnes vero convenity Sibyllam ad Tarquinium
Swperbum très libros atttdisse ex quibus tint duo cremoH ab ipsa^ tertius cum
Capitoliû Sullanis temporibus. Praeterea Muciantu eqs.
52 — ^*^ PergamenL —
falls nach Rom senden, wesshalb die letztere eben bei den Rômem
nêçyafAtjvai heisse').
Der Name Pergamena ist in Wirkiichkeit aber weder dem Vairo
noch dem Plinius bekannt, sondern erst in spâter Zeit gelegentlich
angewendet worden (zuerst vielleîcht nachzuweisen in Diocletian^s
Edikt de pretiis rerum yenalium vom Jahre 301, sodann bei Hiero-
nymus im Jahre 366')), ohne Frage in Anknûpfung eben an dièse
Tradition, die auf Varro zurûckging. Das Wort charta aber lasst
sich fur Rom nicht etwa zuerst au s Varro belegen oder aus Lucres
VI 112 ff., wie neuerdings notirt worden*), sondern sclion fur den
Cassius Hemina bezeugt es Plinius (s. o.), und der Satiriker Lucilins
bildete nach griecbischer Weise das Masculin Socratici charti*)y dn
Beweis, dass das Wort damais noch nicht eigentlich recipirt und
latinisirt war.
Wir sehen uns hiemit nun aber durch Plinius selbst unmittelbar
in die wichtigste Voruntersuchung eingefuhrt, die uns obliegt, ûber
die Concurrenz yon Papyrus und Membrane im Alterthum.
Die zwei Nachrichten, dass die Charta in Alexandria und dass
die Membrane in Pergamum erfunden sei, werden von Varro in
einen sachlicben und causalen Zusammenhang gebracht. Die Falsch-
heit der einen legt also fur die Richtigkeit der anderen schlechtes
Zeugniss ab. Von einer „Erfindimg^ der ÔHp&éçaê kann schon nach
dem, was wir aus Herodot anfûhrten, jedenfalls nicht die Rede sein,
sondern hôchstens yon einer Einfuhrung des Gebrauchs in die grie-
chische Litteratur, vielleicht auch von einer qualitativen Aufbesse-
rimg. Und in der That sehen wir die Athener des Jahres 407 v. Chr.
^) Boissonade Anecd. I 8. 420 (rgl. du Fresne, Olossar. graecam s. t.
fii^fiQttyoç) : on ol «ç/aîo» Iv Ttàç cayiciv fyçaffov .... o ai, JltolêfAàiaç
fXf*>y UQÎCTttQXoy yçtt/LifAttnxoy cvfâfiovlivcâfityoy avT^ ànécrrult TïïçaiToç X^9^^
iiç ^PtifAtjy xtti myuny avnvç, ^i^^yiicaç ai rçï UçHnccQXV KçaTtiç o yçafi-
fnanxoç vnoQXtoy fAnà ^Artàkov tov nt^afitjyov Ix âiç/utTuty ïxafAt fHfÂpçâvaç
xai fnoitjci roy "Arraloy ànocnîXai avràç iiç *Piâ^tjy, o^^ty . . . ntQYafAtiyàç
ràç f4ififiçâyaç xakovc^y, Vgl. Lydus De mens. S. 29. Tzetses Chiliad.
XU 347 f.
*) Hieron. epist. VII, vgL rorige Seite, Anmerkung 1.
') BlQmner Tccbnologio und Tcrminol. der Gew. u. Kûnste I S. 308 Note.
^) V. 640 Lachm.; deraelbe ausserdem den Ablatir chartis r. 904 a. 905.
— Erfindung des Pergaments. — 53
fâr ihre Rechnungsbûcher beschrânkt auf Holztafeln und Papyrus^).
Die Kunstgeschichte des Plinius^) weîss freilich schon von Skizzen
oder Umrisszeichniingen des Parrhasîos, eines ungefahren Aequalen
des Sokrates*), zu berichten, die sich nicht nur auf Wachstafeln, son-
dem aucb auf Membranen befanden und mit Nutzen yon jungeren
KûDstlern studirt wurden. Mao wird aber yermuthen dûrfen, dass
den Ërzâhler bier die Gewobnbeit seiner eigenen Zeit zu einer IJn-
genauigkeit verleitet babe. Haben wir nun wirkiicb yon der Perga-
meniscben Bibliotbek anzunebmen, dass sie aus Papynismangel auf
Membrane umgescbrieben worden sei? Dies konnte entweder so
gescbehen, dass man die Pergamentblâtter in Nacbabmung der Wacbs-
tafehi faltete und beftete und so den Codex der spâteren Zeit ein-
fûbrte, oder aber so, dass man im Anscbluss an die bis dabin ûblicbe
Bucbform bei Membranrollen steben blieb. Die Notizen, die uns
ûber dièse Bibliotbek zu Tbeil werden, yerlautbaren indess auffâlliger
Weise gar nicbts ûber eine so gauz extraordinâre Bescbaffenbeit ; sie
scbeinen ganz auf denselben Yoraussetzungen zn beruben, wie die-
jenigen ûber aile anderen, yor allem ûber die alexandriniscbe Bi-
bliotbek; aucb lâsst sicb keine Spur yon einer abweicbenden Termino-
logie, wie sie bei einer so wesentlicben Yerânderung docb fiEkst
notbwendig eintreten musste, entdecken*); wenn wir aber ferner
erfabren, dass bei ibrer Aufhebung der Gesammtbestand der Perga-
meniscben Bibliotbek zweibunderttausend fitfiXia ànXa gewesen sei'),
so lâsst sicb dieser alexandriniscbe Bucbterminus scbwerlicb anders
als von Papyrusrollen versteben*), und wir seben uns genôtbigt die
^) Vgl. die oben S. 48 angeftihrte Inschrift.
*) Plin. XXXV 68: et alia muita graplddis vestigia exstant in tabulis
ac membranis eius ex quibus proficere dicuntur artifices.
>) YgL MûUer, Handbuch der Archâol. { 318; Quintilian XII 10. Fast
liiindert Jahre spâter fiel er freilich nach Seneca controv. V 10.
*) Die wenigen Nachrichten ûber dièse Bibliothek der Attaliden sebe
man bei Serin (Mém. de l'acad. des inscr. XII S. 238) und Wegener De aula
AUalica literarum fautrice Havniae 1836 P. I.
^) Plutarch Anton. 58.
^ Der Terminus fivfikoç ist in classischer Zeit ebenso wenig fûr codex
naehweisbar wie fÛr Pergamentrollen. Ilierfôr bringt der Gang unserer Unter-
rachnng die Beweise. Ueber die fiifilo^ ànltû Aloxandria's aber Tgl. Kap. IX.
54 — ^'^B PergamenL —
Thatsâchlichkeit jener gemuthmassten Urnschreibung aaf Pergament
zu bestreiten.
So viel aber freilich dûrfen wir wohl mit Sicherheit ans dem
Yarronischen Bericht entnehmen, dass die Einfuhrung des PergamenU
in das griechische Schriftwesen speciell Pergamum Yerdankt wuide
und dass seine Fabrikation nnd sein Export gerade besonders dieser
Stadt angehorte, so wie den Nilmûndungen Fabrikation nnd Export
der Charta. Welchen Zweck Pergamum mit seinem Fabiikat itt-
band, l&sst sich sodann erst aus dem Raum, der ihm im spate-
ren Schriftwesen zugewîesen erscheint, fur uns entnehmeiL
Und so erheben wir die Frage: welche Arten der Verwendung siad
fur die Membrane in den ersten vîer oder funf Jahrbunderten ntch
der Grûndung des Attalidenreîchs nacbweisbar? Blieb sie auf PrÎTat-
skripturen beschrankt? oder trat sie auch in den Dienst des Buch-
bandels und der Litteratur selbst? Und, geschah dies: innerhalb
welcher Grenze ist es gescheben?
Denn so schnell und bereitwillig fur taglicbe private Zwecke ein
neues zweckmâssiges Scbreibmaterial recipirt werden musste, so
widerwillig musste die lang und weit herrscbende Tradition des
Lesebucbs gegen die Môglichkeit einer so grûndlichen Neuerung Te^
barren. Die alten Autorcn, auf deren gclcgentlicbe Zeugnisse wir
angewiesen sind, redcn uns nun an vielen Stellen bald von ihren
publicirten Werken, bald aber auch von ihren Vorarbeiten; es
entspricht einer einfachen kritischen Forderung, wenn wir im Fol-
genden, neben anderen Unterscheidungen, yor allem auch Brouillon
und edirtes Buch streng gesondert halten.
Plinius selbst ist es, und zwar im selbigen Kapitel, von dom
wir sogleich auf unsere Frage in aller Kûrze die entscheidendste
Antwort erhalten, eine Antwort, die somit fur die fast drei Jahi^
hunderte gilt, welche den Zeitgenossen Yespasian's von jenen Ptole-
mâern und Attaliden trennen. Seine breiten Auseinandersetzungen
ûber den Papyrus leitet Plinius mit der Begrûndung ein*): papyri
natura dicetur, cu7n chartae usu majcime humanitas vitae constet, cerU
memoria. Dieser Satz ist identisch mit folgender Umschreibung:
>) Plin. XIII 68.
— Bedeatang des Pergaments ftr die Litteratar. — 55
^auf der Litteratur beruht Tor allem (maxime) die menschliche
Bildung, jedenfalls (certe) beruht doch auf ihr aile historische IJeber-
lieferung (vitae memoriay, Plinius hat hier fur den Begriff der
Litteratur geradezu den usus chartae eiugesetzt, und er kennt
also nur die Gbarta als das Material, auf dem Bûcber der Litteratur
edirt und tradirt wurden. Ganz ebenso unbedingt aber spricbt Pli-
nius dasselbe abscbliessend noch einmal aus'): „die Sperre der Aus-
fubr des Papyrus wurde Ton den Ptolemâem wieder aufgeboben,
eines Gegenstandes, obne den die Gescbichte der Menscbheit der
Yergessenheit verfiele^: prosmiscue repatmt^) ustis rei qua constat
immortalitas hominum. Sowohl die immortaUtas hommum als die
vitae memoria kann nur von der Verewigung durch die Litteratur
gemeint sein.
Durch dièse Aeussenmgen bebt Plinius die Bedentsamkeit des
Papyrus unmittelbar da benror, wo er zugleicb auch yon der Mem-
brane redet; letztere trug also damais noch gar nichts zur memoria
yitae bei.
Fur das Urtbeil dessen, der genau interpretirt, ist ûber die an-
geregte Frage die Entscheidung schon hiedurch gegeben. Zu ihrer
Bestâtigung mûssen wir uns vorerst mit dem allgemeinen Hinweis
begnûgen, dass ja sowohl die agyptischen Grâber*) als das Grab
Herculaneum's nur PapyrusroUen und keine Pergamenthandschriften
zu Tage gefordert haben; wir mûssen uns begnûgen im Allgemeinen
zu erinnem, dass aile classischen Autoren der yor- wie auch noch
der nachplinianischen Classicitat sich ihre Werke lediglich als Charta
oder in PapyrusroUenform in der Hand des Publikums denken. Un-
gezâhlte und unzàhlbare Belegstellen wird der weitere Gang unserer
Besprechung mit sich fuhren. Im Yorubergehen seien hier nur etwa
1) PUn. XIII 70.
*) repatuit hat allein der ftlteste und zurerUssigste Codez des Monens
erhalten (rgl. fiber ihn éd. Sillig. tom. YI 1855). Erst dnrch dièse Lesung
wird die Deutung des Satzes auf den Papyrus gesichert.
') Und die sonstigen agyptischen Fundst&tten. Die im Fayyûm gefun-
denen Papyri sind sehr sp&t : Tgl. den Fundbericht in Jahrbb. der Kgl. preuss.
Knnstsammlungen I 1880 S. XXX f.; die jCtngsten Stûcke sind aus dem 8. Jahr-
hnndert.
5g — Dm Pergament. —
jene chartae très des Cornélius Nepos herausgegriffen , das sind des
Nepos drei Bûcher Chronîcon ^) ; oder das erste Buch der Tristien
Orid^Sy das fur eine charta gilt*); oder jener iuvenum ctdtor beim
Persius'), der bleicb selbst die Nâcbte ûber den Bûchem zubringt:
quem impallescere iuvat chartis noctumis; oder eine der yielen MartuJ-
stellen, wo es die chartae statt ihres Inhaltes sind, denen der Dichter
ewiges Leben zuspricht*); oder unter den Spâteren Apuleius, der
die elf Bûcher seiner Metamorphosen in seiner umstandlichen Art
Tinter anderm mit folgender Bemerkung einleitet: at ego tUn sermoM
isto Milesio varias fabulas conseram .... modo si papyrum Aegypûa
argutia J^Uotici calami inscriptam non spreveris mspicere. Se stehen
beim Aristides *) die RoUen im iufitûT$oy zusammen und, wer zu lesen
Lust bat, nimmt imd roUt auf nach Belieben. Bekannt ist, dass im
dritten Jahrhimdert der Prâtendent Firmus, âgyptischer Kaufmann
und Fabrikant, lediglich durch den Besitz seiner Papyrusfabriken so
reich war, dass er mit ihrem Ertrag ein Heer imterhalten konnte*).
Noch in des Symmachus und Cassiodorus ^) Zeit webt Aegypten seine
PapyrusroUen fur Rom's Bibliotheken imd fur Rom^s Forum. Am
lehrreichsten môchte fur das dritte Jahrhundert das Zeugniss eines
Mannes sein, in dessen Beruf es lag den herrschenden Sprachgebrauch
genau zu observiren: Ulpian yersichert uns, dass man im tâg-
lichen Sprachgebrauche fur Buch schlechthin charta zu
sagen pflege^).
So zuverlâssig Belege dieser Art sind, so wenig kann natûrlich
fur die Zeiten des Yerfalls die blosse Fortdauer der Buchtheilung
selbst, deren Entstehung wir allerdings auf reines Papyrusbuchwesen
zurûckfuhren, als ein Erkennungszeichen des classischen Buch-
materiales benutzt werden. Denn jene jahrhundertelange Grewohn-
ï) CatuU. 1.
î) Orid Trîst. Il, 4.
«) Pers. V 62.
«) Martial X 2.
>) Aristid. léQoi Xôyo^ I S. 285.
<) VgL Burckhardt, Zeit ConsUntiD'B S. 146.
^ Symmach. ep. IV 28 und Cassiodor Varia XI ep. 38, rgl. nnten.
8) Ulp. Dig. XXXII 62, 4: in usu plerique libres chartas <^ellani*
— Notizen, Brouillons auf Pergament. — 57
heit hôrte ja keineswegs ziigleich mit ihrem Zweck auf; aucb als
die ' Autoren ihre Werke fur Codices zu componiren begannen, ahm-
ten sie, bis tief in das Mittelalter, die bucbweis gegliederte Textform
der alten Vorbilder uacb. Das Buch, das Rolle war, wurde jetzt
zum Eapitel, und nur an seinen gelegentlicben unclassiscben Grôssen-
massen lâsst sicb das Aufbôren seiner ursprûnglicben Bedeutung
erkennen. Darûber wurde eine genaue Statistdk den Nacbweis zu
fubren haben.
Yerfolgen wir daber vielmebr das Pergament und seine allmâb-
licb sicb ausdebnende Yerwendung im Scbriftwesen. Es kommt
bierbei yor allem darauf an, nacb Môglichkeit die yerscbiedenen
Zeitlâufte aus einander zu balten. Fiir das vorangestellte Plinius-
zeogniss wird sicb die Bestatigung dadurcb am leicbtesten ergeben.
Die Yerwendung des Pergaments war zunâcbst eine vierfacbe.
Erstlicb trat es als Scbreibmaterîal in Wirklicbkeit nicbt eigent-
licb mit dem Papyrus, sondern yielmebr mit der Wacbstafel in Con-
currenz. Es tbeilte mit der Wacbstafel eine Haupteigenscbaft: war
das Gescbriebene wertblos geworden, so liess es sicb bier wie dort
kicbt und bequem wieder austilgen, und so war wiederbolte Be-
nutzung ermôglicbt. Dieser fur Priyatscbreibereien jeder Art nicbt
zu yeracbtende Yortbeil ging dem Papyrus fast gânzlicb ab, obscbon
wir gelegentlicb aucb yon Palimpsesten auf Cbarta bôren^) und im
ludus litterarius aucb charta deleticia zur Anwendung kommt'). So
erklârt sicb, dass der Eaufmann sein Conto scbon frub auf Mem-
brane eintrâgt; denn scbon Scaeyola setzt cbirograpba debitorum
auf membrana oder membranula yoraus^).
Fiir irgendwelcbe Notizen dient aucb die Membrane, die Martial
') Vgl. den Brief, auf welchen Cicero ad fam. VII 18, 2 antwortet,
worflber gleich hemach. Wenn Plutarch Cum principibus phil. p. 779 C den
Tjrannen Dionysios mit einem fitfikiov naUipfjarov yergleicht, sofern er rjâti
fdoktHf/bitjy àyànliotç sei und rijv fatf-r^v ovx ày&tiç tfjç Tvçayyidoç âfvaonoMv
ovcay xai âvçéxnltrrop, so ist auch hier die Deutung auf Membrane min-
destens unsicber.
*) Oder /â^T^ àntxltriToç, ànfiX^fAfAtvoç , Notices et Extr. des mss.
XXm 2, S. 448.
») Digest. XXXII 102.
58 — ^M Pergament —
als siebentes Apophoreton Terschenken lâsst; es sind pugillares
membranei; und der Dichter fugt die Gebraucbsanweiflimg bei:
^Nimm sie fur Wacbstafeln; denn aucb auf ibnen kannst du, so oft
du Neues schreiben willst, das Alte austilgen^:
Delebifl quotiens seripta norare voles.
Zu solcben Notizen gehôrt aber insbesondere auch das Brouillon
des meditirenden Redners oder Dicbters, von dem wir besonden
haufig erfahren.
Quintilian , wo er vom Schriftstellem und Schreiben handelt*),
empfiehlt fur dièse Thâtdgkeit zunâcbst Einsamkeit, will ûbrigens
aber, dass man sicb auch in Gesellschaften, ja selbst im Strassen-
gedrange seine Gedanken aufzusetzen ûbe; und zwar empfiehlt er
dafûr die cerae aïs das geeignetste Schreibmaterial, weil bei ihnen
die ratio scribendi besonders angenehm sei; Membrane erst in zweiter
Linie; sie sei fur den Kurzsichtigen zu empfehlen; ûbrigens bringe
bei ihr das h&ufige Eintauchen des calamus Yerzôgerung, die den
Gredankenfluss l&hmt. Dass Quintilian hier nur an Brouillons denkt,
liegt auf der Hand. Zur ^eiteren Erklârung braucht wohl kaum
hinzugefûgt zu werden, dass man in den dunklen Wacbstafeln die
Schriftzoichen nur leicht einritzte, bis der belle Grund durchschim-
merte. Auf dem hellen Pergament, ebenso wie auf Elfenbein, stan-
den sio dagegen schwarz gemalt; darum also sind die pergamentnen
Pugillares ebenso wie die eborei, yon denen Martial aussagt'):
Languida ne tristes obscurent lamina cerae,
Nigra tibi niveum littera pingat ebur
besonders fiir schwachsichtige Leute bestimmt. Denn der Farben-
contrast war hier in demselben Grade der schârfere, je mehr die
gemalten Buchstabeu die geritzten an Starke iibertreffen mussten.
Was den Rhetoren dient, dient auch den Dichtem. Das re/erre
in palimpsestum wird schon bei Catull mit einem tU fit begleitet*).
Die poetischen Entwùrfe, von denen Horaz in der Ars poetica*)
0 Quintilian X 3,31.
«) Martial XIV 5.
') Catull c. 22, worûber unten ausfûhrlicber.
*) Hor. Ars y. 388 f.
— Brouillons. — 59
sein nonumque prematur in annum brauchte, befinden sich gleichfallB
noch anf den membranis intus posiiis; als Yortheil hierbei wird her-
Torgehoben, dass, was noch nicht die Form der Publikadon ange-
nommen, sich noch tilgen oder durch Besseres ersetzen lâsst: ddere
Kcebity (iuod non edideris. Diesen Dienst leistet eben der Palimpsest.
So fullt sich beîm Juvenal^) iinter der Hand des Dichtenden die
Membrane in krokusfarbenem Diptychon (crocea membrana tabeUa
Impktur): aber der Satinker will, das Poem soll unedirt bleiben, ein
Opfer entweder dem Yulkan oder den Motten im Pult des Dichters.
Zu Anfang seines Gesprâchs mit Damasipp aber giebt uns Horaz in
seine eigene Art zu dichten flûchtigen Einblick. Selbstyerstandlich
erschienen des Horaz* Werke auf Papyrus; dies bezeugt er uns zum
Ueberfluss ausdriîcklich fur seine Satiren'), ebenso fur seine Epoden*)
und fur seine Oden, die als volumma und gravis sarcina chartae
dem Yinius anvertraut werden^). Wenn mm Damasipp gegen den
Dichter den Vorwurf erhebt:
Sic raro scribis, ut toto non quater anno
Membranam poscas^)
so bat nur fliichtige Lektiîre zu der Meinung fuhren kônnen, hier
wiîrden fur des Horaz Zeit Bûcher in Pergament Torausgesetzt.
Yielmehr geht die Anklage ofifenbar dahin: Horaz versuche kaum
Tiermal im Jahre ein Gedicht zu machen, zu entwerfen; die Mem-
brane thut gute Dienste dabei; er kann auf ihr wieder tilgen, so viel
er will. Erst so erhalten die gleich angefûgten Worte
scriptoram quaeque retexens
ihren Sinn. Horaz ^ûberarbeitet^ auf der Membrane fast ailes
^wieder von neuem**, was er yorher geschrieben. Schrieb er doch
auch Anderen vor: Saepe stilum vertas, iterum, quae digna îegi sint,
Scripturus. l
1) Juvenal Vil 24.
>) Hor. Serm. I 5, 104.
>) Ëpod. 14, 8:
Detu, deui nam me vetat
Inceptos oUm promimiin carmen, iamboa
Ad nmbilicam addacere.
*) Horaa Epist. I 13.
^) Hor. Serm. Il, 3, 1 ff.
go — ^<^ Porgament. —
Der Dichter Eumolpus beim Petron tragt, entsprecliend seiner
ungeheuren Schreibseligkeit, eine ungeheure Membrane mit sich hermn;
beim Schiffbruch rettet er sie, und ist noch nicht eimnal in Sicher-
heit gebracht, als man ihn schon daranf schreibend findet^). Wenn
Eumolpus sein Gedicht Tom Bûrgerkrieg Tortragt, so thut er dies
gleichfalls nur nach seinen Brouillons').
Hieran reiht sich eine Stelle des Persius*), die zxur Membrane
ein auffâlliges Pradikat, ûbrigens aber terminologische Schwierigkeiten
bringt: denn hier greift, wer ^studiren^^) will, gleichzeitig zu Uber,
membrana und charta, wenn es heisst:
Jam liber et positis bicolor membrana capUlis
Inque manas chartae nodosaque yenit hanindo.
Was die Membrane selbst anbetrifFt, so hat man das htcohr gemein-
hin im Anschluss an das Scholion z. St. fur eine zweifache, kûnst-
liche Fârbung dessclben genommen. Dann musste wohl ein (paêvôlffi
gemeint sein'), der doch in den Apparat eines Studirenden wenig
passte, ûbrigens aber, so viel wir sonst wissen, unicolor zu sein
pflegte. Yerlassen wir dagegen die Autoritât des Scholiasten, so
scheint der Ablativ positis capiUis ein besseres Yerstandniss zu er-
môglichen. Denn am natûrlichsten ist er nâhere Bestimmung zu
bicolor: das Pergament ist zweifarbig dadurch, dass die Haarseite
des Leders geglâttet worden ist. Und hiemach wâre somit das Per-
gament des ersten Jahrhunderts schon ebenso beschaffen gewesen,
wie das gleichfalls an Aussen- und Innenseite verschieden gefarbte
italienische des Mittelalters ').
Macht nun der Studirende auf diesem zweifarbigen Pergament
seine Notizen oder Entwûrfe, so scheint es schwer, zu unterscheiden,
wozu ihm sowohl liber als chartae dienen sollen. Beim Seneca
(epist. 15, 6) benutzt er nur „Buch oder Schreibtafel** und offenbar
nur letztere zum Schreiben. Sind etwa chartae das leere Papier zur
') Petron 115 init.: membranœque ingenti versus ingerentcm.
') Cap. 118 fin: nondum recepit ultimam manum.
») Persius III 10.
*) Vgl. y. 19 An tali studeam calamof
*) DarQber ygl. unten S. 64 f.
^) fiei Urkanden ist die Aussenseite gelb und rauh, die Innenseite weiss
und glatt; man nennt daher die leUtere album; ygl. Wattenbach a. a. O. S. 96.
— Briefe nicht auf Pergament. — 61
Reinschrîfty liber das Lesebuch, aus dem die Notizen genommen
werden? Man wird hier ungern von eiser Inschrift absehen, welche
ganz die nâmliche Abundanz der Termini darbietet. Wir lesen^):
mç jïaQa(Sfiikêiùi(Ssiç .... xàç iv xaïç xov rafi^slov Tcc^stf^p
ànofkêfuyfixviaç iv fitfiXloiç ^ xaï ÔKpd'éQaKfi xal x^Q"
TaêCê ^ ^ olçâ^noT^ ovv yçafifiazeiotç evô-éfûç sic %6 (STçarône-
âay ànotnaXfivcu. Indess scheinen hier so diif d'égal wie %oiQxa^
das nicht in die Form des Litteraturbuches gebrachte, ungeheftete
und ungerollte, Material zu sein, wozu die Litteraturbûcher, fiifiUa,
eînen Gegensatz bilden.
Wir fragen hiemach zweitens nach der Briefstellerei, iind
zwar 80 weit sie Privatskriptur war und nicht kûnsUerische iind
litterarische Zwecke yerfolgte. Briefe sandte man sich hâufig auf
WachstafeLi, hâufiger yielleicht noch auf Papyrus; Briefe auf
Membrane sind dagegen fur die bessere Zeit nicht nach-
weisbar. Allerdings richten einmal die Juden einen Brief auf
âuf&éçat an Ptolemaeos Philadelphos, imd eben solchen ein anderes
Mal die Inder an den Augustus; aber Josephus^) und Strabo^), die
uns dies erzâhlen, halten es eben fur nothig, dabei das iv âig)&éQa^
besonders zu erwâhnen. Dièse Fâlle sind um so weniger als Belege
zu benutzen, da sie ja gar nicht die griechisch-rômische Gultur an-
gehen. Wir constatiren, dass, so wie der zweite Johannesbrief des
neuen Testamentes ursprunglich auf x^Q'^V^ ^^ Cyria geschickt ge-
wesen ist*), so auch der ganze Briefwechsel des Cicero vom Perga-
ment nichts zu wissen scheint'), ingleichen weiterhin der des Seneca
und der des Plinius, soweit dièse namlich ihrer epistolographischen
Schrîftstellerei den echten Charakter des Gelegenheitsbriefes noch
belassen haben. Auf Papyrus schrieb auch Caesar seine Briefe^.
') Ephémeride archéologique d'Athènes N. 520; ygl. Egger, Mém. d'hist.
anc 8. 137.
^ Joseph. Antiquit. XII 2.
>) Strabo S. 719. Ygl. Wattenbach a. a. O. S. 92.
*) Ep. Johann. II 12: noXXà ïj(ù)v yQn(fiêv olx ifiovkij^v âêu xâçTov
xtti fÂÎlayoç, ygl. UI 13: noXkà êl^oy yqâîftèv {yqûipa^ oo& Sinait.) àXX* où
O'éXaf âùt fÂtljuvoç xai xald/nov aot yçaipat,
») Ygl. Gcero ad famiL YII 18. ad Qu. fratr. II 15.
<) Sneton Caes. 56.
g2 — Das Pergament. —
Unter den Satumaliengeschenken beim Martial erscbeinen nur chartae
epistolares^), keine membranae epistolares.
Das Briefpapier oder die charta epistolaris wird Ton Martial
mit dieser tecimischen Bezeiclinung von der gewohnliclien Charta
augenscheinlich nach allgemeinem Sprachgebrauch abgesondert. Be>
sondera gutes Briefpapier lehrt uns der altère Plinius als charta
Augusta kennen*). £ine einzige Selis pflegte zu diesem Zwecke zn
genûgen in der Art jener Briefe auf Papyrus, wie sie sich in dea
âgyptischen Grabem so zahlreich vorgefunden haben. Seneca, der
solche Kûrze als Tugend des Briefes hinstellt, bricht einen der sei-
nigen mit der Bemerkung ab: damit er das Raummass nicht ûber-
schreite, wolle er lieber morgen fortfahren: denn es dûrfe ein Bnd
die linke Hand des Lesers nicht fullen'). Das AufroUen eines Yolu-
men Ton mebreren Scheden wûrde sie gefullt haben: aine einzige
konnte in der Rechten allein gehalten werden. So manche der Briefe
Seneca's, wie z. B. XY 2, widerstreiten fireilich dieser Yorschrift
Heisst dagegen ein Brief ein volumen, so ist damit etwas Abnormes
gesagt; so hat Cicero (ad &mil. ÏR 7, 2) Ton Appius Pulcer eine
epistula erhalten, die er, augenscheinlich aus Indignation ûbertreibend,
als volumen bezeichnet plénum querellae iniquissimae. Umgekehrt ist
der Brief wechsel mit Gomificius dem Cicero so lieb, dass er ihm
„nicht Briefe, sondem Rollen^ schreiben zu kônnen wûnscht (fam.
Xn 30, 1).
Erst beim Hieronymus fuiden wir die Angabe, dass man zum
Briefe Membrane nimmt, und zwar „wenn es an Charta fehlt^ *). Eben
darauf weist der Brief als Palimpsest, von dem Ammianus Marcellinus
orzâhlt'): Und Augustin schreibt*): Non haec epistola sic inopiam
ehartae indicat, ut membrancLS scUtem abundare testetur, Tabellas ebur»
neas quas haheo avunculo tuo cum ïitteris misi. Tu enim huic pelHculaê
faciUuê ignosces eqs.
1) Martial XIV 11.
«) Vgl. unt. Cap. V.
*) Qtioe non débet ginisiram numum legentis implere. Epist 45.
*) Hieron. epist. VII ad Chromatiam Joyinum et Eusebium (IV S. 13 Mart.)*
5) XV 5, 12.
«) Opéra éd. Maur. II 19, Brief 15.
— Briofe nicht auf Pergament. — g3
Yom PalimpseBt redet auch eine Stelle der Ciceronischen Briefe^);
illein dass auch fur Briefe Pergament benutzt worden sei, ist hieraus
aoch nicht zu entnehmen. Trebatius, mit dem Cicero gelegentlich
m scherzhaft scheltendem Ton zu reden liebt, hat ibm seinen Brief
anf einer Chartula geschickt, die vorher schon beschrieben gewesen
war: der frûhere Inhalt ist getilgt; Cicero argwohnt darunter sein
eigenes Toraufgehendes Schreiben, imd er bekomme also auf dem-
selben Papier, das er geschickt hatte, die Antwort zuruck. Er wittert
danmter Malice; denn Sparsamkeit kônne der Grund nicht sein;
sie ûbe man nur, wenn man in die Lage komme, Palimpsest zu
brauchen: Sed ut ad epistulas tuas redeam, cetera belle: iUud rmror:
quiê solet eodem exemple pluree dare qui sua manu scribiti Nam quod
m palimpseste, laudo equidem parsmoniam; sed miror quid in iUa
ehartula Juerit, quod delere malueris quam haec in nova sctibere^),
JSisi forte tuas formulas: non enim puto te meas epistulas delere ut
rtponas tuas! Aus dem Gregensatz, in den hier chartula und paUm-
psestus gestellt sind, erhellt, dass Cicero wie Catull') unter letzterem
Membrane yerstand. Dass aber ein Brief als Palimpsest auf Mem-
brane môglich sei, will er durchaus nicht zugestehen, sondem lobt,
dass man spare und schon einmal beschriebenes Material noch einmal
beschreibe, falls man in die Lage kommt Palimpsest zu brauchen,
d. h. Mb man Brouillons und Notizen macht.
Eannte die classische Zeit nicht einmal Briefe auf Pergament,
so wird man auf die Beispiele, wo es litterarische Monumente tragen
soll, neugierig sein. Es sei zuerst an jene Familienchroniken erinnert,
die in den Darstellungen der Anfange der rômischen Litteratur auf-
gefuhrt zn werden pflegen. Plinius hebt hervor (XXXY 7), dass die
aJten Rômer in ihren Atrien die Wachsbilder der Ahnen nebst
Stemmata anzubringen pflegten, ausserdem aber in Archiven Codices
anfbewahrten, in welchen die von den Familiengliedcm im Amt ver-
richteten Thaten verzeichnet standen: tabulina codicibus inplebantur
1) Cic ad fam. VII 18, 2.
^ So oder in alia scribere muss gelesen werden; haec non scribere valg.;
haec scribere geben die Codd.
') VgL unten.
g4 — ^<^ Pergament —
et monimentis rerum in magistratu gestarum. Es sieht indess jeder,
dass dies mit dem, was wir Litteratar nennen, nîcbts zn tiiun hat
Es handelt sich um einmalige Eintragung von cbronikartigen Notizen,
ohne Yervielfaltîgung, fur das Familienarchiv. Es ist zudem doich
nichts ausgeschlossen jene Codices fur Wachstafeln zu nebmeu.
Wirklich trat die Membrane aber — r drittens — gelegentlicb anch
in den Dienst des eigentlicben Litteraturbucbes. Waren die Bûcher
Papyrusrollen, so war sie es, die als deren Umbûllung dieote.
Die leicbt zerreissbaren wurden durcb das feste Stuck Pergament,
das sie umgab, so gescbûtzt, wie die Papierblâtter der modemen
Bûcber durcb den Papp- und Ledereinband. Dasselbe gab zugleich
Gelegenbeit den Léser durcb eine angenebme Aussenseite imd Ele-
ganz der Ausstattung anzuzieben: denn bei besseren BQcbem^),
insbesondere bei denen der Poésie war dièse Membrane puipurfarben
oder orange gebalten. Rotb war das gewobnlicbe: so in der Bucb*
sammlung des ungebildeten Bibliomanen Lukian^s'); Ovid will seinen
Tristien die rotbe Farbe versagen, die sich zur Trauer niebt schickt
(Trist. I 1, 5); in Rotb aucb erscbienen die RoUen Martiales, wie ans
dem nondum murice ctdtus YUI 72 zu entnebmen; insbesondere sein
drittes (vgl. lU 2, 10 purpura deUcata), Ebenso aucb die Gedicbt-
sammlung der Sabina, die bei Martial X 93 ihre „Purpurtoga^ eben
erst erhalten bat und darum nocb nicbt im Publikum, sondem allei^
neueste Novitat ist. Ungenauer beisst daber beim Statius der ganze
libellus purpureus^). Orange dagegen wili Lygdamus im Handel ^-
^) Kur xûkkKna fi^fiUa Lakian thqI rtav int /lurdvy cvy. 41. comptiim
opus Lygdam. 1, 14.
^) Lukian niçi Ttày inî /lucB-^ cw, 41: roiç xakXUrroiç roérotç fitfiXioêç
(oy xçvaoî /néy ol ofÀtfiakoi, noçfpvQa dl ixto&êy ^ d&ffd-ÎQa, rà d* fydoy
rj Svtfrnjç iart xtX. Dass B. Fôrater (in seiner Recension Gardthausen'sy Fleekeîs.
Ibb. 121 S. 49 fF.) hier an codices auf Parpurpergament denken konnte, ist
wanderbar. Er hat wohl die Erw&hnung der o/Ln^aXoi fibersehen. UngUubUch
ist ûbrigens, dass bei einem Bûche das Material im Gegensatz zum Inhalte
ixTod-iy heissen kOnne! Dasselbe gilt aber Ton dem Buch, ûber das Lokîan
nçoç roy ànaid, 7 sagt: noçffVQay /ufy ij^oy rijy dufS^iqay, XQWfovy dà toy
*) Statius Silr. IV 9, 7 : (libellus) noster purpureus novusque charta Et
binis decoratus umbiltcis.
scheinen^). Bas Tropische jener ^Purpurtoga" der Sabina erklârt sich
EUS einem Sprachgebrauch, der im griechischen Buchwesen aufge-
bracbt zn sein scbeînt, nacb welchem der Membraneinband verglichen
wird mit der paenula, einem Reisekleid, das die meDSchliche Gestalt
ganz einhûllte bis auf Kopf mid Fusse und oftmals aus Leder war
(Martial XIY 130): das Etymologicum magnum erklârt uns (paivoXfjç
als êlX^TiXQioy fjufifiçciïvop, ebenso Hesych (sub cpaMvfiç), Cyrill
(Ducange 61. gr. p. 1657) und das Lexikon bei Montfaucon Bibl. Coisl.
S. 476, und zwar sagt letzteres genauer sîX'^ov TOfAccçioy fkefAfiQccîvoy.
Nothwendig scheint anzunebmen, dass auch Martiales elftes Buch
nicht anders ausgestattet war, wenn der Dicbter auf der ersten Seite
desselben von dem „nicht alltâglichen Musellin*' redet, „worin das
noch UnaufgeroUte gekleidet gehe^ ^). Aehnlich nennt Martial XIII 1
das Dûtenpapier, worin man beim Ejrâmer Thunfisch und Oliven
einwickelt, toga und paenula. Dieselben Glossare fugen beilâufig zum
^cuvoXfiç noch die andere Erklârung hinzu : Ç yXiû(f(f6no(ioVj „Eiste,
Futteral^. An dièse Bedeutung wird in einer Stelle des Neuen
Testamentes zu denken sein, wenn wir II ad Timoth. 4, 13 lesen:
%ày fpsXovfiv ov ànéhnov .... èQxàfisvoç (péçe xaï m fiifiUa;
denn ipsXéviiç kann hier wohl nur den gemeinsamen Behalter der
fiêfiUa bedeuten*).
£in wichtiger Unterschied besteht nun aber zwischen dieser
paenida und dem modemen Bucheinband. Ohne den Einband ist
das moderne Buch incomplet; er gehort mit zum Buchbegriff. Keines-
wegs kann dies auch vom antiken Membranumschlag gegolten haben.
Die Bûcher, die der Aegypter seinen Todten in das Grab legte,
pflegen desselben so zu entbehren*), wie die Bûcher Herculaneums.
») TibuU III 1,9.
*} Mart. XI 1 cultuê sidone (so, ohne n, auch Mari. IV 19, 12) non coti-
diana* Dièse Art der Einkleidung steht flbrigens allein.
*) Vgl. nnten S. 88.
*) Ueber einen serfetzten Papyrus, im Jahre 1861 zu Theben ron A. Yon
Bougemont yon der Schadau gekauft, berichtet Zûndel Bbein. Mus. 1866 S. 437:
„Die Fragmente sind um einen kurzen Stab gewickelt, aus Schiifbl&ttem, die
an beiden Enden mit rothem Thonsiegel yerbunden sind. Auf beiden Siegeln
steht der Name Menterra. Um dièse Bolle war ein schmaler Streif Mumien-
Birt, Buchwesen. 5
gg — Das Pergament —
£r scheint nur gelegentlicb zu Luxuszwecken in Anwendung ge-
kommen zu sein. Und wir dûrfen also wohl annehmen, dass, wenn
Bûcher (libri) testamentarisch vermacbt wurden, dieser Einband von
Juristen wie Sabinus und C. Cassius zu denjenigen Dingen gezâUt
worden ist in quihus libri conduntur und in dem Vermacbtniss ebenso
wenig wie die bibliotbeca selbst oder die annaria und scrinia mit
einbegriffen wurde^).
An der gescblossenen Rolle war sodann — yiertens — auswendig
Yerfasser und Titel auf einem sogenannten diXv^oç angebracbt, der
lateiniscb bald titulus genannt wird, bald index. Aucb dieser index
bestand aus einer membranula, welcbe sicb Tom Atticus Cicero beîm
Ordnen seiner Bibliothek erbittet ad Att. lY 4. Aucb aie wurde bis-
weilen purpur- oder scbarlacbroth gefarbt, nacb Martial m 2, 11 und
Ovid Trist. I 1, 7. Und zwar denkt Ovid, wenn er hier die eharta
um titulus in einen rbetoriscben Gegensatz stellt:
Nec titulas minio, née cedro eharta notetor
bei dem titulus offenbar an ein anderes Material als Charta, d. h.
eben an dîeselbe membranula Cicero^s. Hesych bestâtigt dies eben-
falls, wenn er glossirt: iïiXXvfiov' . • • . xai %âv fiéfiiSaty ta déQficna,
Ein clJiXvfioç aus Papyrus, aussen an der Rolle angebracht, wire
wenig dauerhaft, ein Fârben dièses Papyrus seiner Natur wohl wenig
entsprechend gewesen; die Annahme eines solchen sillybus papynir
ceus wird aber meines Wissens nur einer Gonjektur yerdankt, welche
W. A. Becker zuerst in seiner Schrift ûber die rômische Ëlegie ge-
macht, in seinem Grallus') wiederholt bat. E. Bâhrens bat sie als
seine eigene in den Text aufgeDommen beim Lygdamus*}, wo die
Beschreibung eines libellus also gegeben wird:
Lutea sed nÎTeum inTolrat membrana libeUam,
Pumex et eanas tondeat ante eomas,
Summaque praetexat tenais fastigia ehartae
Indieet ut nomen littera facta taum
Atque inter geminas pingantur eornua frontea.
leinwand." SelbstTerst&ndlich sind dièse Fragmente erst Yon den Findem so
zosammengefasst worden.
') Sabinas und Cassius bei Ulpian Digest. XXXII 52, 3.
«) II» S. 381.
») Tibull III 1, 11.
— ciXXvpoç, titalas, index. — g 7
Das zweite Distîchon redet Tom Sillybos; fasUgia und frontes sind
identisch und bedeuten den Querdurchschnitt des Papyruscylinders
an seinen zwei Ënden. Ein sachlicher Ânstoss lâge also nicht vor,
ivenn wir den Satz construirten : littera, facta ut nomen tuum incUcêi,
tununa chartae fastigia praetexdt Die sachliche Nôthigung, welche
Becker fand, durch die Herstellung yon charta ein anderes Subjekt
zu gewinnen, ist irrthûmlicb. Aucb war es spracblicb nicbt unmog-
lich, mit littera eben die bescbriebene membranula zu bezeichnen.
IfîssfaUen erregt hingegen die minder naturliche Wortstellung; und
80 ist prcttexere zwar eine gute Bezeicbnung fur das Eleben, nicht
g^t aber wird es begrifBiich mit den Buchstaben selbst (Uttera prae-
texat) yerbunden. Die ûberlieferte Lesung unterliegt also in der
That sprachlicben Bedenken. Den Nominatiy charta einzusetzen ist
indess sachlicb unstatthafb, und da andererseits tennis abundirt, so
mochte eine Emendation an letzterem Punkte einzusetzen baben und
ich yermuthe, der echte Wortlaut war:
SniniDAqae praetexat titulus faatigia chartae
Indicet ai nomen littera facta tuam^).
Endlich muss hier noch des Suffenus gedacht werden, ûber dessen
Schreibwuth sich die Skazonten Catull^s (c. 22) ereifem. Die Stelle
ist mehrfach, zuletzt wohl yon £. Benoist in der Reyue de phil. III
S. 26 behandelt. Suffenus, sonst doch ein Mann yon Lebensart und
Witz, ist trotzdem so geschmacklos Poet zu sein und zwar ein
hôchst firuchtbarer; was seine Yerse betrifft:
Pnto esse ego illi milia aut decem aut plura
Perscripta, née sic ut fit in palimpseston
Relata: chartae regiae, nori libri,
Nori ambilici, lora rubra, membrana
Directa plumbo et pumice omnia aeqaata.
So edirte M. Haupt. Die zuyerlassige Ueberlieferung giebt m pal-
nnsepto, sodann carte régie nove Hbri, femer membrane und endlich
Détecta plumbo,
Sachlich finden wir hier nicht wenig zu fragen. Suffenus hait
^) Fur den Oebrauch yon titulus yerweise ich aaf Martial XII 3, Orid
Trist. I 1> 7 ond aaf Plinius Ep. VII: patere me vider e titulum tuum,
5*
gg — Das Pergament. —
seine Poesien fur so werthyoll, dass er aie Dicht, wie viele andere,
auf einfacher Membrane im Palimpsest steben lâsst, sondem Reîn-
scbriften macbt oder macben lâsst auf dem tbeuersten Material for
Ëditionen, der cbarta régla; die Umbilici an den Enden seiner Bûcber
sind neu; ailes ist scbôn mit Bimmstein geglattet: das heisst natûr-
licb, aller Papyrus, so weit er bescbrieben ist oder werden solL Es
sind zwei Hauptscbwierigkeiten, die sicb bier darbieten: die Appo-
sition der novi libri zu chartae regùie mag bingeben^); die hra rubra
aber sind fur unsere Kenntniss des antiken RoUenwesens neu und
befremdlicb. Und was ist gar jene membrcma plumbo cUrecta^ ^Wt
dem Bleilineal gericbtet werden*' kann wobi die Scbrift, docb aber
nicbt das Scbreibmaterial selbst
Man bat sicb also mit Recbt entscblossen, membrana (oder memr
hranae im Plural) und lora nibra als Glieder der Aufizâblung jedes
fur sicb zu nebmen. Ersteres kann alsdann nur die paenula bedeuten
sollen, scbwerlicb dagegen den Sillybus, der vielmebr eine membre-
nula war und sonst irgendwie als solcber durcb Zusatz kenntlich
gemacbt werden musste'). Unter lora aber pflegt man Bindgam zu
yersteben, womit die Bucbrolle zusammengebunden sel. Belege fur
dièses Binden der Rollen aus classiscber Zeit feblen nicbt'); dass
es indess zur Opulenz der Ausstattung mitgewirkt batte, ist nicbt
begreiflicb. Ovid, besonders aber Lygdamus und Martial, sind in
der Nambaftmacbung der schmîîckenden Zutbaten des Bucbes so
detaillirt wie moglicb; dass sie yon solcbem Gam nicbt reden^),
muss uns bedenklicb macben. Selbstyerstandlicb war aber, sollte
die zarte Relie nicbt leiden, fur diesen Zweck nur feinster Faden
anwendbar, und die Bezeicbnung desselben als „Riemen^ scbeint
^) Denn nur Apposition kônnte es sein. Eine Unterscheidung swischen
neu en Bûchem und Charte (die fibrigens auch neu sein musste) ist hier ii
dem Apparat des Schreibenden nicht denkbar. EUlis, z. B., bringt VermuthuDgeii,
die eines antiquarischen Anhaltes entbehren.
^ Eben darum l&sst sich auch schwerlich lora rubra membranae yerbinden
and als der, ans Abbildungen bekannte, Bindfaden yersteben, mit welchem die
membranula des Sillybos an die frons der BoUe gefestigt wurde.
*) Vgl. oben Seite 33 u. 48.
«) Vgl. Becker GaUus II S. 379.
— Catull c. 22. — 69
denn doch eîn etwas handfester Tropus zu sein. Ich wage die Lesung
hra in Zweifel zu ziehen. Wenn nach Nennung des Umbilicus von
rother Farbe die Rede ist, so erwarten wir nach Analogie der Aus-
folirungen der genannten Dichter und des Lukian yor Allem Ton
der paenula zu hôren. Hiernach vermuthe ich, indem ich zugleich
die ûberlieferten Casusendungen môglichst conservire, dass Catull
schrieb:
nec sic ut fit in palimpsesto
*Relata: chartae regiae norae libri;
Noyi umbilici; coria mbra membranae;
£t recta plambo et pumice omnia aeqaata.
Schrieb Suffenus zehntausend Yerse oder mehr, so musste er etwa
zehn Bûcher fûllen; dièse Bûcher sind yon neuestem frischem Pracht-
papier (ygl. Statius Sily. IV 9, 7: Itbellus novus charia)^ jedes mit
neuem Umbilicus, der Membranlederumschlag ist purpum gefarbt;
ailes aber (im Text) sowohl auf Linien gestellt als mit Bimstein
glatt gemacht. Die nova charta steht zum Palimpsest in offenbarem
Gegensatz^).
Soyiel yon den Hauptzwecken, die die classische Zeit des Alter-
thums mit ihrem Pergament verbunden hat. Das bis hieher ge-
ivonnene Résultat wird manchem yielleicht ûberraschend sein. Um
') Bel coria ist die Arsis aufgelôst wie im V. 19 desselben Gedichtes.
£St reda and nicht Derecta schien vorsuziehen, am die Nacbstellung des amnia
sa erleichtem. Was Catull in der ersten Zeile scbrieb, bleibt unsicher. Den
grieehischen Accusatir palvmpseston konnte Catull bier nicbt anwenden; pa-
Umpéestum aber entfemt sicb zu weit tod der Ueberlieferung. Sollte Catull
TÎelleicht gescbrieben baben:
Pnto esM ego illl mil la aat decem ant plara
Pericripta, née sic ut fit in palimpsesto
Celata: chartae regiae norae llbri eqs.
Soffenus l&sat die Verse nicbt bQbscb im Fuite liegen und b< sie als Brouillon
Terborgen, membranis intus positis, eondem sorgt sofort f^r scbleunige Rein-
aehrift in Editionsexemplaren ron beater Ausstattung. Hierf&r liesse sicb nocb
spraehlicb anfQbren, dass ja relata neben perscripta rollstftndig ûberflQssig ist,
sachlicby dass erst nun die Vorstellung beseitigt ist, als ob der Dicbter sicb
ein einzelnes Handexemplar so gl&nzend berstellte; yielmehr weisen aile auf-
gesàhlten Charakteristica des Bucbs auf Edition; dies wird aber erst klar
dnreh den Qegensatz celata (vgl. Kap. VII).
70 — ^»" Pergament, —
Yon dem Nebensâchlichen , das sich auf Titel und Umschlag be-
scbrânkt, ganz abzusehen: das Pergament als Schreibstoff nimmt
unter seinesgleichen augenscheinlich die yerachtetste Stelltmg ein;
es steht noch Tor der Wachstafel zurûck; es ist kaum gut genug^
Trâger dessen zu sein, was durch den nâchsten besseren Einfidl
wieder getilgt wird: auch als Palimpsest fur Notizen und Brouilloiui
steht es erst an der zweiten Stelle^). Bas Pergament bat zwar
zum Scbreiben, es bat nicbt aber auch zum Lesen gedient.
Unmôglich schien es, einem Anderen eine Lektûre auf schlechter
Membrane zuztimuthen. Daher nur erklârt sich das AufEiallende, dass
man nîcht einmal bei Prîyatbriefen und Billets zur Membrane griff.
Wie viel mehr musste dies wohl fur das Lesebuch der Litterator
gelten !
Wir besitzen zwar keine comparativen Preisangaben; aber es
liegt in der Natur der Sache, es erklârt sich aus der Complicirtheit
seiner Fabrikation, dass der Papyrus um Yieles theurer und kost-
barer als die Membrane war. Sie ist das Négligé, das die Schrift-
werke abwerfen, sobald sie sich unter Menschen sehen lassen.
Gleichwohl begegnen uns nun, wenn auch anfangs nur ganz yer-
einzelt, schon in classischer Zeit Beispiele f ûr Umschrift litte-
rarischer Werke auf Pergament. Es sind dies die ersten schûcb-
temen Yersuche, die der Herrschafb des mittelalterlichen Codex um
fast ein halbes Jahrtausend vorbahnend yoraufgingen. Um sie zu
wurdigen, gilt es, des bisher Festgestellten eingedenk zu bleiben.
Unmôglich kônnen danach in der Zeit etwa des Martial, dem wir
gerade die Hauptkenntniss von der Praxis des RoUenbuchwesens ver-
danken, Abschriften auf Membrane mit der herrschenden Rollenform
auch nur entfemt fur gleichwerthig gegolten haben. Nehmen wir
uns die Zeit, die ersten Erwâhnungen derselben einmal etwas schârfer
in's Auge zu fassen. Sie scheinen selbst geeignet, ûber den Zweok
solcber Abschriften, îîber ihre Werthschâtzung im Publilnim und
ûber ihre Bedeutung fur die producirenden Autoren hinreichenden
Aufschluss zu ertheilen.
Yoranzustellen ist ein Curiosum, das schon Cicero irgendwo in
^) Vgl. bes. die angefllhrte Quintilianstelle.
— < Ente Beispiele des Lesebachs anf Membrane. — 71
semen Scliriiten erwahnt hatte. Es ist dies ein Miniaturexemplar
der ganzen Homerischen Iliade, das in einer Nuss auf bewahrt wurde
und auf Membrane geschrieben war. Plinins bringt dies bei als fast
unglaubliches Beispiel fur menschliche Augenschârfe^). Selbstver-
stândlich muss Notenschrift in Anwendung gekommen sein, um dièse
Spielerei zu ermôgliclien: eine Thatsache, die fur die Ansicht derer
in's Grewicht fallt, welche die Tachygraphie fur eine griechische, vor-
tironische Erfindung halten*). Das in membrana scriptum aber wird
bierbei als abnorm besonders erwâhnt; wer sich die Kleinheit der
Bucbstaben vorstellt, die hier nôtbig war, begreift, dass sicb der
faserîge Papyrus dafur nicbt eignete.
Aucb die funf weiteren Beispiele, die wir bier anreiben, tragen
in etwas nocb den Cbarakter des Curiosums, obne dass aber damit
etwa die Vorstellung des Wertbvollen verbunden wâre. Die betref-
fenden funf Exemplare — ein Homer, ein Vergil, ein Cicero, ein
Liyius und Oyid's Metamorpbosen — dienen als Festgescbenke und
finden sich mit vielen anderen Gescbenken aufgefuhrt im yierzebnten
Bucbe des Martial. Wir kônneu nicbt umhin, von diesem Bûche
genaue Kenntniss zu nehmen; scheint die Abschweifung anfangs in*s
Ziellose zu yerlaufen, so muss sie sich durch ihr Ergebniss zu recht-
fertigen yersuchen.
Sein yierzehntes Buch bat Martial mit zweihunderteinundzwanzig
Distichen angefûllt, deren ungefâhr jedes den Namen eines Festge-
gchenks erklarend begleitet; durch den Titel Apophoreta sowie durch
die Einleitung wird speciell an das Schenkfest der Satumalien als
Gelegenheit angeknûpft. Dièse Distichen sind also als tÙ ènï totç
âmQOêç Isyôfkêva gedacht oder als die kurzen Begleitzettel , die,
nach Lukian's SatumaliengesetzgebuDg, jeder Schenkende mit Sach-
und Werthangabe dem Gegenstand beigeben soll'). Als Empfanger
werden fiast nur Mânner Torausgesetzt^); darum nennt Martial das
1) PUn. Nat. hist. VII 85.
S) Gardthausen Pal&ogr. S. 213; freilich scheint Oardthausen mit seiner
Thèse bei den fachm&nnischen Beurtheilern nicht durchgedrangen.
') Lnkian Kronosolon 15.
^) Gani besonders in N. 59 und 56. Ausnabmen scheinen freilich die crines
nnd pectines^ jedenfalls das mamillarej die fasda^ das amictorium und die zonci.
72 — ^^ Pergament. —
Fnuenfest der Kalenden des M&rz eînmal im Gegensatz die Satwr-
naUa feminarum^), Und so bedachte auch Yespasian nach Sueton")
an den Matronalien die Frauenwelt, die Mânner an den Saturoalien
mit Apophoreta. Wir haben hier gewissermassen eine Anslese
passender Weihnachtsgeschenke vor nos. Es schenkt, wer Lust hat,
Tom Kaiser und Senator herab bis zum Proletarier der Stadt und
zur Hetâre. Motiy dabei ist lediglich die Aufmerksamkeit*); darum
genûgen in yielen F&llen BagateUen und Dinge, die es yermeiden,
Eostbarkeiten zu sein, derlei nur der Reiche aufzuwenden yermag.
Aber auch der Reiche bemisst den Werth seiner Graben nach dem
Ansehen des Empfangers. Augustus selbst schenkte zwar ôfters
Gold- und Silbersachen, Zeuge, Geldstûcke jeder Art, daneben aber
auch so Werthloses, wie Matten aus Ziegenhaar (ctKcia), Schwamme,
Feuerstocher (rutabula), Zangen €Uque cUia id genus, tituHs obseuriê
et ambiguis*), Elagen ûber die Winzigkeit der Geschenke waren
darum fur den Epigrammatiker ein dankbarer Cregenstand; dahin ge-
horen eben solche Erbârmlichkeiten wie Servietten, Wachskerzen,
Lôffel und Papyrus') und jener ganze Catalog Ton Siebensachon im
Werth yoQ kaum zwei Thalern: 12 tripUces, 7 dentisccUpiay spongioy
mappa, calix, semodms fabae, vimen Hcmarum, mgra lagona sapas
Laietanae, parva cottana, pruni cani, gravis testa fici Ldbycae^). Der
Dichter richtet hierûber seine Beschwerde an die Munificenz des
Kaisers selbst^: wogegen Lukian sein Gesetz erlâsst: àjtétrrm de
xal %âv lafAfiayoPTCûp fA€(iipt(jtOéQia xaï to nsiHpd'èv onotoy iv
^, Ikiya ôoxsiTCû^), Das Schenken war Leistung und GregenleistuDg
und das Fragen nach dem Preise darum um so natûrlicher. Der-
selbe Gesichtspunkt ist auch im yierzehnten Bûche nicht yergessen.
In diesem Bazar yon den yerschiedensten Dingen des Luxus und
1) Martial V 84,
^ Vespas. 19.
*) Dicere te passes ut meminisse met Mart. IV 88, 8.
*) Sueton Aug. 75.
») Martial V 18.
«) Martial Vil 53; Tgl. auch IV 88; Statius Sily. IV 9, 24 ff.
T) Martial V 19.
^) Lukian Kronosol. 16 init.
— Die ApophoreU MartiaPs. — 73
des Nutzens, wo neben Marmorstatuen, Eôchen imd Tânzerinnen die
leidigen ZahnBtocher , Ohrlôffel und Federhalter sich anpreisen, ist
die Yerscbiedenlieit des Werthes besonders aufPallig gemacht.
Martial selbst giebt in der Einleitung eine f5rmliche Disposition
seines Bnchs in diesem Sinne, auf die Ton den Editoren bisher nicbt
genûgend Rûcksicht genommen ist. Wir lesen:
SynthesibuB dam gaudet eqnes dominusque senator
Dumque deeent nostnim pilea sompta lovem eqs.
Diritifl alternas et pauperis accipe sortes.
Praemia convivae dent sua quisque suo.
Es sind also mit ganz der nâmlicben strengen Sonderung, die aucb
Lnldan seiner Satumalienschriffc zu Grunde gelegt bat, theils Reicbe,
theils Arme als Geber gedacht; und durch das Buch sollen ab-
wechselnd (aitemae sortes) die reicberen und die dûrftigen
Gaben sich folgen. Die Gaben gruppiren sich also paarweise, imd
jedes Paar begreift dem Geldwerthe nacb zwei Gegensâtze. Es gilt,
dièse Disposition durch aile Nummern zu yerfolgen. Dadurch werden
wir zugleich mit der Werthschâtzimg der Gegenstande in yorzûg-
licher Weise bekannt gemacht, einer Schâtzung, die in vielen Fâllen
leicht genug zu begreifen ist. Yerfolgen wir also mit leichter Mûhe,
wie der Satumaliendichter sein Arrangement durchfuhrt. Die Paare
hat er gem so componirt, dass beide Theile auf einander Bezug
nehmen. Der Reiche schenkt denselben Gegenstand aus werthyoUe-
rem Matenal, als der Arme : ein Paar Eâsten, der eine aus Elfenbein,
der andere aus Holz, 12 und 13; zwei Candelaber yon Corinthischem
Metall oder yon Holz, 43 und 44 ; zwei Latemen, die eine aus Hom,
die andere de yesica, 61 und 62; eine Toga (dazu zwei Distichen)
oder nur ein Dûfiel (endronUs, ausdrûcklich als pauperis munus be-
zeichnet^)) 124 f. 126; Originalbecher des Mentor imd plebejische
Glâser, 93 und 94; eine câlirte guldene Phiala und gemeine Bêcher
(viUa monmenta Vatmi sutoris), 95 und 96; Schreibtafeln aus Elfen-
bein und gewôhnliche cerae {vilia dona), 5 und 6 ; Schreibtafeln yom
Holze des kostbaren Citrusbaumes neben einfachen funftheiligen cerae
3, 4; ein Tisch aus demselben Citrus neben einem anderen aus
Ahom 89, 90. Hieher gehoren femer die Paare:
1) Vgl. anch Mart. IV 19.
74 — ^M Pergament. —
7, 8 (= 9): pugillares membranei und J^tteUiani (letztere besonden
klein).
10, 11: chartes mcâores und chartae epistolares,
39, 40: lucema cubicidaris und candela,
41, 42: lucema polymyxos und ctfreu«.
45, 46: pila pagattica^) und j[>i/a trigonaUs,
47, 48: /o//w und harpasta^.
79, 80: flagra und fervlae,
97, 98: ton€«« chrysendetae und rcMa Arretma (fictiHa; ne spemoi),
99, 100: bascanda (vent de Britannis) und panaca (VeroneMÎs),
103, 104: co/um nwarium und saams nwarius (letzteres „fur den
schlechteren Wein'').
105, 106: urceoîi mmistratorii und urceus fictilis (letzterer for den
Stoiker).
Und es ist weiter ebenso gedacht, wenn der Reiche das Ross, der
Arme nur eînen Windhund (199 und 200), der Reiche die seltenen
mulae pumilae, der Arme nur eine catella gaUicana (197, 198), der
Reiche einen Vogelkâfig aus Elfenbein, der Arme ein elfenbeinemes
Schminkkâstchen (77 und 78), nicht anders auch, wenn der eine den
Papagei giebt, der andere blos den Raben (73 und 74), dieser Philo-
mele, die Nachtigall, jener die schwâtzende Elster (75 und 76). So
auch steht als Gegensatz zum kostbaren bunten Citrusbett der Sattel
(85 und 86). Oft aber lâsst auch Martial die geringere Gabe zu der
vorangestellten grosseren eine Art Ergânzung bilden: goldene Ringe
stehen yoran, der Arme liefert dazu den Easten, die Daktyliothek
(122 und 123); derselbe liefert die Cymbeln fur die verfuhre-
rische Tânzerin des Reichen (203 und 204), den Liebesgûrtel (206)
fur den Liebesknaben des Reichen (205) ; der sehr kostbare
Hauskoch wird geschenkt: der Arme gibt den Rost fur die Eûche
') turget difficili pluma; minus laxa folle,, minus arta quam pila, TgL
ûbrigens Mart. VII 32.
^ Die Tersohiedene Werthsch&tzung fûr dièse Balle lernen wir erat
hieraus; wenn es fbnf Sorten gab (Oribasias Vol. I S. 529 Dar.), eine fuacça,
fjityâlti, fAèffti, év/uéyé&tjç und xéytj , so mtkg follis die /Luyâhj sein, pagamca
die ivf4iyi&^ç, dagegen liarpasta und trigonalis /uix^â oder /uétni und xêyi;
vgl. Marquardt, Priv. Alterth. V, 2 S. 421.
— Die ÂpophoreU Martial's. — 75
(320 iind 221); ein Bâcker: er gibt das Schmalzgebackene (222 und
223). Ganz ebenso ergânzen sich auch der pumilus und dazu die
parma pumilioniê (212 und 213), der GeBchwindschreiber und die Papier
glâttende Muschel (208 und 209), der Bûcherschrein und das Bûndei
Federhalter (37 und 38). In einer Reihe Ton Beispielen bat sich
Martial endlich begnûgt, einfach einen werthyolleren Gegenstand mit
einem wertbloseren zu Terbinden.
Dass dièse paarweise Anordnung vom Dichter durchgefuhrt war,
wQrde schon durch die zahlreichen soeben mitgetheilten Belege zur
bSchsten Wahrscheinlichkeit erhoben werden, selbst wenn er dies
Altemiren seîner Apophoreta nicht ausdrûcklich als seine Absicht
bezeichnet hâtte. In dem uns yorliegenden Text macht ihre weitere
Dorchfulirung geiegentUch die eine und andere Richtigstellung er-
forderlich, die einer weiteren Empfehlung nicht bedarf, zumal uns
meistens handschriftliche Zeugnisse selbst dabei zu Hûlfe kommen. In
diesem Martialbuch ist uns also einmal durch die Disposition eine
sichere Contrôle gegeben um zu constatiren, in welchem Grade bei
der Textverderbung lateinischer Dichter Yersyersetzungen mitgespielt
haben. Auch Ausfôlle Ton Distichen haben an einigen Stellen sicher
stattgelunden.
Nâchst den funf Anfangspaaren haben wir zu verbinden:
tali ebumei und tesserae, 14, 15.
die turricula und die tabula lusoria, 16, 17.
die calculi (miles gemmeus) und die nuces (aléa parvà) 20 und 18.
die theca libraria (thecam calams armare mémento) und das graphi-
arium 19, 21 (so, 20, 18, 19, 21 ordnen in der That der
Thuaneus und der Palatinus optimus P).
dentiscalpium und auriscalpium 22, 23.
acus aurea und pectines 24, 25.
crines (Teutonict) und sapo (die Haare zu farben) 26, 27 (die
Reihenfolge im Thuaneus: acus aurea crines, sapo pectines
kann nicht wohl richtig sein).
ombella und causia (beides gegen die Sonne) 28, 29.
yenabula and culter yenatorius 30, 31.
parazonium (arma tribunicium cingere digna lotus) und pugio 32, 33.
fialx und securicula (ofifenbar spottend wegen der Werthlosigkeit
76 — ^*« Pergmonent. —
wird hinzugesetzt: haec quadringenUê nuUbus empta fuit; m
steht im ersten Palat P. an ganz yerkehrtem Platze) 34, 35.
Die sechs Paare N. 37 bis 48 sind schon besprochen; Yor oder nach
N. 36 ist eine Nummer ausgefallen, die zu dem Rasierzeag das Pen-
dant bildete. Weiter sodann:
haltères und galericulum 49, 50i
strigiles ans Pergamum und der Salbenguss gnttus comeus 51, 52');
das nâchste deutliche Paar ist N. 61 und 62 (latema cornes
und latema de vesica); gehen wir yon da aus rûckwârts, so
erhalten wir als Gregensâtze:
Balsam (opobalsama) und eine Art Seife oder Salbe (lomeotum')
59, 60.
Arabischen Balsam (myrobalanum*) und das grôbere aphronitrom*)
57, 58.
Zweifelhaft bleibt, ob die vier Nummem 53 bis 56 rhinocéros, crépi-
tacillum, flagellum und dentifiricium wirklich zwei Paare ausmachten
oder ob hier nicht yielmehr Ausfall anzunehmen ist; Sistra und
Peitsche mogen zusammen gehôren; ich vernûsse die Pendants zu
N. 53 und 56. Sodann ordnete Martial die primitive gemeine fistula
(quid me rides f) hinter die kostbareren tibiae 64, 63 (so hat wirkHch
cod. P, sowie die Ausgabe von 1471); es iolgen:
soleae lanatae und mammillare 65, Q6,
muscarium payoninum und eng damit zu yerbinden muscarium
bubulum 67, 71.
copta Rhodia und Priapus siligineus, zwei Esssachen 68, 69.
£in ganzes Schwein und eine Wurst, porcus und botulus, als
Satumalienspeise 70, 72 (dièse Herstellung 67, 71, 68, 69,
70, 72 wird wiederum durch den Thuaneus bestâtigt; ahnlich
oder ebenso P).
N. 73 bis 80 geben yier schon besprochene Paare; zu einander passen
hiemach :
') Es scheint eu lesen: Oestavit modo fronte me iuvencus: Vemm rhino-
cerota eum putabcis; denn das ûberlieferte ist schlechterdings nnTerstândlich.
*) Vgl. Mart. III 62: rugcu hmento condere.
») VgL Plin. XII 100 und 103.
*) Vgl. Plin. XXXI 112 und 113.
— Die Apophoreta Martial's. — 77
pera iind scopae 81, 82.
Ëine Eratzhand gegen Flohstich, scalptorium (de/endat manus haec
scapulas eqs.), und ein Buchhalter zum Lesen, àraloysToy,
manuale lectorium, 83, 84, scheinen ganz zufâllig zusammen-
zustehen; allein auch das scalptorium ist ja ein manuale; der Be-
griff der manus scheint das Gremeinsame^). Femer, nach 85, 86:
die stibadia fur acht Personen und das gustatorium 87, 88; und
weiter, nach 89, 90;
die Elephantenzâhne und die Messstange, das Quinquepedal 91, 92.
Sodann, mit Uebergehung der besprochenen sechs Paare 93
bis 100 und 103 bis 106:
boletaria (nobiïe nomen, gewiss aus Metall) und calices (non viU de
pulvere, aber eben docb irden und nichts Besonderes) Surren-
tini 101, 102;
zu den calathi N. 107 scheint das Nebengeschenk ausgefallen; denn
es sind zusammen zu ordnen
calices gemmati und Saguntini 109, 108 (letztere Nmnmer feblt im
Thuaneus).
ampuUa potoria (gemmata) und crystallina 110, 111.
nimbus yiteus und murrina 112, 113.
patella Cumana und calices vitrei 114, 115.
lagona niyaria und matella fictilis 116 (bis 118), 119.
ligula argentea und cocbleare 120, 121.
Es folgen nach 122, 123 Eleidungsstûcke, die sich von selbst ord-
nen : y on dem Wohlhabenderen wird toga, canusinae (se. paenulae)
fdscae und rufae, lacemae coccineae und Baeticae, die cenatoria,
lacemae albae und farbige Capuchons geschenkt, von den Aermeren
die Endromis (pauperis est munus), der bardocucullus (cercopitJiecorum
nuper erat), eine paenula aus Leder, ein pileum (als bescheidene Gabe
eiiarakterisirt), Brustbinde, rauhe zottige laena, Handtuch, Striimpfe
aus Bockshaaren: 124 bis 140. Aber auch durch die folgenden Num-
mem 141 bis 169 setzen sich die Eleidimgsstûcke noch fort; am klar-
sten paart sich zusammen:
^) VgL ttvaXoyiov manuale lectorium in den Interpretamenta, Notices et
extr. des mss. XXill 2, 8. 447.
78 — I^*> Pergament. —
Schwanfederpolster und Heu 161, 162.
Cithara und plectrum 165 (== 166), 167.
Zwei tomenta 159, 160, deren zweites fur ârmere Leute bestimmt
heisst.
Ob die Schelle N. 163 und der discus 164 (splendida pondéra dUd
Spartani) zusammenpassen, ist zweîfelhaft; jedenfalls fehlt zum trochas
(in zwei Distichen 168, 169) das Nebengeschenk, und es scheint
sacbgemâsser, trochus und discus durch Umstellung zu verbinden
und Yor N. 163 einen Ausfall anzunebmen. Im Yorau^ehenden ge-
bôren zusammen:
lana ametbystina und weisse italieniscbe, 154, 155,
lana Tyria und scbwarze Pollentinische WoUe 156, 157 (= 158).
sjntbeseis^) und focale 141, 14S.
Pataviniscbes WoUzeug und spongia 143, 144.
paenula gausapina') und cerrical 145, 146.
Zu den kostbaren Friesdecken 147 ist das Pendant ausgefaUen.
lodices und linnenes amictorium 148, 149.
âgyptiscbe Teppicbe und Frauengûrtel 150, 151.
gausapum quadratum und das semicinctium, welcbes als Gabe
eines Mittellosen ausdrûcklicb bezeicbnet wird, 152, 153.
Fur die ganze Schlusspartie der Apopboreta von N. 197 ab ist die paar-
weise Gruppirung zum grossen Tbeil scbon oben nacbgewiesen (namlich
197, 198; 199, 200; 203, 204; 205, 206 und 207; 208, 209; 212, 213;
220, 221; 222, 223); binzuzufugen sind bier nur nocb folgende:
ein PalâstraTorsteher und ein simius bastas emissas elndere doctns
201, 202.
morio und caput vervecinum 210, 211.
die pueri comoedi und die fibula comoedorum 214, 215.
der accipiter als Mittel zum Yogelfang und die calami aucupatorii
216,218.
opsonator und cor bululum 217, 219.
Hiemacb ist es Zeit, uns endlich aucb nacb den Bûcbern um-
zuseben, wie sie Martial den Armen und den Reicben an den Satur-
^) Vgl. Martial V 79, 2.
>) Vgl. Martial VI 69.
— Die Apophoreta Martiales. — 79
oalien yerschenken lâsst, eine Art von Festgabe, die schon dem
CSatolI (c. 14) bekannt nnd die auch Statius als ûblich yoraussetzt:
Mif des Statius Zusendung, eine prâchtig ausgestattete BuchroUe,
erlanbt sich der jnnge Plotius den Scberz mit einer ganz alten, Ter-
dorbenen zu antworten, dazu des langweiligsten Inbaltes {Bruti senis
oêcitationes), gut genug fur Kâsepapier, worûber sich ein ganzes
Carmen in Hendekasjllaben ereifert^). Lukian aber in seiner Satur-
oalienfestordnung^) gibt genaue Yorschriften : der Arme soll sich
darauf beschrânken Erânze zu schenken oder âhnliches Bagatell ; bat
er aber Bildung, so wâhle er ein Buch, entweder aus der âlteren
Litteratur (fitfiUov x&v naXamv) — also etwa eine Rhapsodie des
Eomer — oder auch ein selbstverfasstes. Der Reiche ist dagegen
rerpflichtet es mit freundlichem Gesicht anzunehmen und es sofort
EU lesen. Die betreffenden litterarischen Apophoreten beim Martial
werden aber noch durch andere Dinge schongeistiger Art yorbereitet
und eingefuhrt, Gegenstande der bildenden Eimst, deren yerschiedene
Werthschâtzimg wir bei dieser Gelegenheit zugleich nicht ohne Inte-
resse yerzeichnen. Wir begreifen, dass dem Reichen die goldene
Victoria {aureum wird besonders durch den Thuaneus sicher gestellt),
dem Armen dagegen das fictile Bçoviov natdiov zuertheilt ist (170,
171); jenem der Hercules Corinthius, diesem der Hercules fictilis
(177, 178); jenem ein Leander in Marmor, dem anderen ein SigiUum
gibberi fictile (181, 182). In dasselbe Yerhâltniss werden aber auch
Gemâlde zu den Marmor- und Bronzestatuen gestellt: nicht der
Sauroctonos Corinthius, sondem der Hyacinthus in tabula pictus
(172, 173); nicht der Hermaphroditus marmoreus, sondem die Danae
^) Statius Silr. IV 9. Etwas Anderes ist es hingegen, wenn Leonidas
Ton Tarent dem Nero eine Schrift (yçâ/Aina, rielleicht nur ein Epigramm?)
■mn Gebartstag schenkt und fur den n&chsten mehr' verspricht (Anthol. PaL
TI 321) oder wenn derselbe Diohter an Agrippina's Oeburtstag» indess Andere
Glmsger&th, Silbersachen oder Topase schenken, wiederum nur mit einem Epi-
gramm aofwartet.
') Lukian Eronosolon 16: èvTmtfinàTia dt o nértjç i^ nlovcUit o fAtv
ntnaèâévfÀivoç fiifilioy rày nakanay et n tvqfi/ÀOV xat cv/LtnoTueôv, tj avtov
cvyyQa^^a onoîoy àv âvvtirat xal tovto kafi^avéro) 6 nkovc&oç nâvv (pa^dg^
rf TiQoçiânfp xai lafitjy àyayyyyœcxÎTù} év&vç. ijy di àncj&^rat ^ ànoççi^fj,
Unw j^ 1^ Sçnriç ctn€&k^ ïvoj^oç ây xay néfA^p oca iXQ^^'
go — Dm Pergmment. —
picta (174, 175); nicht die Minerva argentea, sondern die Europa
picta^) (179, 180) ist auf den Armen zu beziehen. Nach N. 175 irt
eine Kostbarkeit der plastiscben Eiinst ausgefallen, zu welcher die
persona fictilis 176 das Gegenstûck war.
Auf das sigillum gibberi fictile (N. 182) folgen non endHch die
Bûcber folgendermassen :
183: Homeri batracbomyomacbia.
184: Homerus in pugillaribus membranis.
185: Vergili Culex.
186: Yergilius in membranis.
187: MsvàvÔQOV &dïç.
188: Cicero in membranis.
189: Monobiblos Properti.
190: Titus Liyius in membranis.
191: Sallustius.
192: ÛTidi Metamorpbosis in membranis.
193; Tibullus.
194: Lucanus.
195: Catullus.
196: Calvi de aquae frigidae usu.
Wir lemen manches aus diesem Elatalog. Durch die Reihenfolge der
Yoraufgeheoden imd der oacbfolgenden Apophoreta stebt es fest, dass
hier Ton Martial der grôssere Sach- und Geldwerth denjenigen Stucken
beigemessen worden ist, die im Drucke eingerûckt steben.
Ferner ist bei allen Titeln ohne Zusatz selbstverstandlich nur ao
Papyrusrollen zu denken. Mit der monobiblos Properti ist das ente
Cjnthiabuch gemeint, das dem ûbrigen Properz gegenûber am selb-
stândigsten steht und auch in unserer handschriftlichen Ueberliefenmg
den Separattitel monobiblos fuhrt. Bei den anderen Automamen
haben wir jedenfalls an die Gesammtheit ihrer Bûcher zu denken:
die Pharsalia des Lucan wurde also complet geschenkt, ebenso aile
Catullbûcher ^), yom Sallust moglicherweise nur das Hauptwerk, die
^) Das picta ist nur in T weggefallen.
') Ueber die ÀDEahl der Catullrollen soll im Cap. VIII eine Yermothang
gegeben werden.
— Die Apophorets Martiales. — 31
ffistorien, an welches Martial jedenfalls yorzûglich denkt, wenn er
schieibt:
Hic erit, ut perhibent doetonim corda viromm,
Primns Bomana Crispas in historia.
Aucb beim Tibull meint Martial gewiss beide Bûcber; wenigstens
nimmt er in den Worten
Ussifc amatorem Nemisis laseira Tibnllam
In tota iurit quem nihil esse domo.
den Namen der Greliebten ans dem zweiten Bucbe, ahmt aber zu-
gleicb einen Vers des ersten nacb; denn von der Délia heisst es
beim Tibull I 5, 29 f. :
Illa reg^ eunetos, illi sint omnia corae.
Ah, invet in tota me nihil esse domo.
Merkwûrdig ist es nun zunâcbst zu seben — um Yon den vier
letzten Buchtiteln obne Zusatz auszugeben — , welch geringenWertb die
zehn Rollen des Lucaniscben Epos etwa flin£zig Jahre nacb ibrem Er-
scbeinen besessen haben soUen im Yergleicb zu den zweien, aber raren
des Augusteers Tibull ! Martial verscbweigt nicbt, dass er den kûnst-
leriscben Wertb des Lucan gering anscblâgt, wenn er ibn sagen lasst:
Sont quidam qui me dicant non esse pœtam;
Sed, qui me rendit, bibliopola putat.
Es ist aber nicbt glanblicb, dass der Bucbpreis selbst durcb ein
solcbes Eunsturtbeil berabgesetzt worden sei; im Gregentheil sagt
uns Martial, dass der Buchbândler, resp. Yerleger den Lucan ^als
Dichter*', d. b. fur den Preis yerkaufte, der auf Gedicbtbûchem stand.
Dass dieser Bucbhandler die Pbarsalia nicbt fiîr ein Prosawerk nabm,
war âosserlicb schon an der Art der Ausstattung der Exemplare nnd
an dem Um&ng zu constatiren, den er dem Einzelbucb zubemass^).
Yom inbaltlichen Wertb oder Unwertb ibrer Waare vrissen die
Bncherrerkaufer selbst nicbt das &eringste, sondem sind imgebildet
wie Barbaren, nacb Lukian*). An dem Pbilosopben Hermeias, einem
sebr rechtlichen Manne, wird gerubmt, dass er den Xlnverstand dieser
Lente nicbt zu seinem Yortbeil ausnutzte. Taxirte der Yerkâufer,
^) Ueber dîesen Umfang s. Cap. YL
*) Lukian 58, 4.
BIrt, Boehwoaen.
g2 — Bas Pergiment. —
der nichts davon yerstand (MiMf^ç cSv)^ ein Bucli zu niedrig, 80
berichtîgte Hermeias den Irrthum und zahlte die voile Suxnine^).
Yielmelir war es das Alter, was den Tibull werthYoUer machte als
den Lucan. Fanden keine Wiederauflagen statt, so musste ein Antor
gelbstvcrstandlich mit der Zeit selten werden. So constatirt Pompo-
nius bel seinem Ueberblick ûber die juristische Lîtteratur betreffs der
yorhandenen Schriften des Cascellius und Trebatius: Caêcdln scripta
non exstant niêi unus liber bene dUctorum, Trebatii plureSy sed minus fré-
quent antur*). Die Exemplare des Trebatius waren also selten ge-
worden, und Pomponius war im Stande dies zu constatîren; dies
konnte er nur durch Hûlfe der Buchhândler. Die Seltenheit steigerte
sodann die Preise naturgemâss : das Exemplar eines yergriffenen
Autors wurde zur Eostbarkeit. £ben dies belegt uns Lukian*), wenn
er einmal den werthlosen Bûchem die naXa&à xai noXiov o|me
fitfiUa entgegensetzt. Und so vrirà denn bei demselben Lukian
(60, 30) einmal fur ein gefalschtes Exemplar der Rhetorik des Tisias
die énorme Summe von 750 Denaren, d. i. 652,50 deutsche KM.,
ausgegeben *). Wenn uns nun Martial hier die beiden Tibullbûcher
als Eostbarkeit Torfuhrt, so steht zu vermuthen, dass eine Wieder-
auflage dièses Dichters seit der augusteischen Zeit nicht stattge-
funden batte.
Andererseits vrâre nicbt undenkbar, dass die Bibliopolen der
Eaiserzeit bei der Unzahl schlechter Dicbter, denen sie dienten, fur
das erste Erscheinen eines Werkes wie der Pharsalia zunâchst in
der Wabl der Papyrussorte niedrig griffen und etwa erst, wenn
ein Werk litterarisch durchschlug, verlangt wurde und breiteren
Absatz fand, auch gute Exemplare, das ist solche lieferten, wie sie
von den offentlicben Bibliotheken begehrt und als normal anerkannt
waren ^). Das zur Herstellung eines Martialbuches verwendete Papier
war tomus vilis und kostete, wie es scheint nur 6 oder bochstens
^) Damascias bei Phot. bibl. S. 341 Bekk. und Suid. s. n.
*) Pompon. Dig. I 2, 2, 45; zu frequentantur vgl. frequentatus,
3) 68, 1.
♦) Vgl. K. P. Hermann, Philol. II S. 245.
*) Ueber dièse Sorten s. Cap. V.
-♦ Bachpreise. — 83
10 Sesterz^), d. L în modeniem Gelde 1,30 oder 2,17 RM. Die
Freisangaben fur die Bûcher, die wir gelegentlich erhalten, sind durch-
ans iingenûgend und lassen eine rechte Vergleichiing der Werthe
nicht zu. Yon Origenes wird uns berichtet*), dass er seine ganze
reichhaltige Bibliothek Terkaufte und dafûr von dem Eâufer eine
Lebensrente von taglich 4 Obolen erbielt. Des Chrysippos Schrift
nsçl OQjrijç war ungefahr um die Zeit des Martial fur 5 Denare oder
4,35 RM. kâuflich zu haben; frâgt man, auf wie viele RoUen sich
der Preis veitheilte, so ist sicher zu antworten: auf eine').
Das Buch, welches Statius an den Satumalien in Purpur-Mem-
brane und mit doppeltem Umbilicus seinem Freunde schenkt, ein
Eînzelbuch (JibeUus; etwa ein Buch der Silvae selbst?), batte den
IHchter nur einen Decussis (etwa 2y, Sesterz =s 55 Pfennig^)) gekostet,
ungerechnet den geschriebenen Inhalt: denn dieser scheint von des
Bichters eigener Hand gewesen zu sein:
praeter mo mihi constitit decussi.
Das Gregengeschenk, ein verdorbenes abgebrauchtes Exemplar von
yBruti senis oscitationes^ taxirt Statius auf praeter propter einen As und
zwar einen as Oaianus. Beide Preisangaben werden Scherzes halber
nach schlechter Eupfermûnze gegeben sein. Mit dem billigen Schrift-
stûck jenes Brutus lasst sich aber vielleicht das fur uns nicht minder
obskure vergleichen, welches Martial imter seineu Apophoreten dem
Catull entgegensetzt: CcUvi de aquae frigidae usw, man stelle dazu
etwa noch den libellus de cura capUhrum, den Domitian schrieb^),
und ahnliche, besonders medicinische Eintagslitteratur.
Das erste Gedichtbuch Martiales kostete dagegen, wie das Buch
Chrysippos, im Laden des Atrectus 5 Denare*); hiernach bemessen war
also die Pharsalia fur deren 50 zu haben, d. h. etwa fur 43,50
deutsche Reichsmark^). Yiel billiger war aber Martiales anderer Ver-
^) VgL hierûber unten Cap. IV.
') EasebiuB, hist. eccL YI 3.
*) Epictet dissert. I 4, 6 olov p^piiov,
*) Ein Sesters ist ein urçaccâçiov,
») Sueton Domit 18.
«) Mart. I, 117, 17.
^ Der Denar zu 8,7 Sgr. gerechnet; TgL FriedL Sg. B. III 315.
6*
34 — Du PergamenU —
léger Tryphon: er yerkaufte Martiales Xenien fur einen Denar (eir
kônnte es auch fOr einen halben thun und doch noch seinen Profit
haben, wie Martial^) hinzufugt). Dieser Tryphon hâtte also das erste
Martialbuch, das etwa doppelt so dick als die Xenien ist, statt fôr
5 fur 2 Denare geliefert, und ein Scbenklustiger wûrde den Lucan
bei ihm somit um 17,40 Mark haben ersteben konnen. Tibull aber,
den Martial mit Lucan zun&chst in Gegensatz stellt, muas jedenBidls,
nach der Analogie der sonstigen Gegensâtze zu schliessen, mindestens
das Doppelte, er kann das Fûnffache, das Zebnfache gekostet haben.
Lucan stebt somit an Wertb zurûck, weil er jûnger, Galvus, yt&l
sein Inbalt ûberdies geringfûgig ist. Nicht hieraus, sondem ans der
Qualitat des Materials muss sicb der Preisunterschied dagegen bei
den ûbrigen funf Paaren (S. 80) erklâren. Jedes dieser Paare besteht ans
einem Werk auf Cbarta und einem auf Pergament; jedesmal steht dis
pergamentene an der zweiten Stelle; die Membranhandschrift ist damit
durchgângig als dûrfkige Gabe gegenîiber den werthvolleren regelrecbt
gescbriebenen Werken gestempelt. In einer solcben, wie wir aie hier
kennen lemen, fand sicb der ganze Epiker Ovid oder Homer oder Vergfl,
fand sicb — so scbeint es — der ganze Cicero, der ganze Li^ins
zusammen. Dass Sallust ûber den Metamorphosen steht , ist nicht
eben bemerkenswertb. Aber der ganze Gicero (yielleicht haben wir nnr
an die Reden zu denken?) ist nicbts gegen eine einzige Menandiische
Komôdie; Livius nicbts gegen das eine Properzbucb; die £pen Ho-
mer's nicbts gegen das Homeriscbe Parergon, das als Jugendwerk gah!
Wir werden das ûber Tibull Gesagte auch auf dièse Fâlle aos-
dehnen. Des Properz ^Monobiblos^, das Erstlingswerk des Dichteis,
konnte sicb gegenûber seinen ûbrigen Bûcbem unter diesem auf-
fallenden, ungewobnten Sondertitel bis zu Martiales Zeit nur dann
selbstandig halten, wenn seine erste Edition, die nocb keine weitere
Bûcberfolge voraussetzte, die einzige geblieben war; hâtte eine er-
neute Edition des Dicbters stattgefunden, so wâre es zwecklos ge-
wesen, dies Buch nicht einfach in die Gesammtzâhlung mit aufzu-
nehmen^); also auch dies Buch war nimmebr, buchhândlerisch
betrachtet, eine Antiquitat und Raritât geworden.
») XIII 3.
*) Vgl hierûber unten Cap. VIII.
— Geringer Werth der Abschriften auf Membrane. — g5
Dasselbe aber galt von dem griechischen Bûhnenstûck; dasselbe
Ton dem Froscbmâuseler Homer^s, der im Yergleich zu Dias und
Odyssée gewiss ungemein selten Abschriften erfuhr. Und so sah
man neben den abgegrîffenen Meisterwerken des romiscben alter
Homems in dem CuJex, den man fur einen Jugendversucb des noch
onreifen gottlicben Sângers hielt, einen litterariscben Leckerbissen,
den es sich mit Geld aufzawiegen yerlobnte.
Und die Membranbandscbrifben? Seben wir zuerst nacb ibrer
ânsseren Beschaffenbeit. Trotz ibres starken Inbaltes, den Martial
selbst als Merkwûrdigkeit bervorbebt, mûssen sie in Hôbe und Breite
Idein und den sonstigen Scbreibtafeln , den pugillares oder ^Hand-
bûchem*', gleicb gewesen sein. Nur die Yielbeit der Blâtter und
Lagen, also die Dicke macbte die grosse Receptionsfabigkeit môglicb.
IJeber Orid's Metamorpbosen sagt der Dicbter:
Haec tibi mnltiplici qaae structa est massa tabella;
also zabbreicbe tabellae von Pergament dienen dazu, um ein Ganzes
herzurichten, das als massa „ein massig scbwerer Complex'^ bezeicbnet
wîrd. Wenn bei dem ersten der funf Exemplare im Titel hinzu-
gefugt wird: in puçillarïbus membranis, so wird aucb fiir die folgenden
Ideraus zu in membranis das pugUlaribus binzuzudenken sein; ûbrigens
aber wûrde bier pugillaris nur Adjectiv sein kônnen und wir bâtten
seltsamerweise zu ûbersetzen: ^in faustgrossen Pergamentblâttern^.
Dieser Wortlaut stûtzt sicb auf den Codex Tbuaneus: der Spracb-
gebraucb lâsst aber yiebnebr durcbaus in pugUlaribus memhraneis er-
irarten; dies oder vielmebr m membraneis pugill, bat in der Tbat
Bongarsius aus jener vorzûglicben Handscbrift aufnotirt, die er fur
das 13. und 14. Martialbucb verglicb^), und, im Anscbluss an dièse
Lesung, nebmen wir viehnebr an, dass jener pergamentne Homeros
fur Martial nicbts anderes als ein stark verdicktes „Scbreib- oder
Notizbeft^ war, in dessen zablreicbe Membranblâtter sowobl Dias als
Odyssée sicb bargen:
Multîplici pariter condita pelle latent.
Zu der geringen Hôbe und Breite stimmt, dass der Cicero in mem-
branis sogar als Reiselektûre gedacbt ist; es musste also ein bequem
transportabler Codex sein:
') Schneidewin in prolegg. S. 72.
g g — Du Pergament. —
Si cornes Uu tibi fîierit membrana, putato
Carpere te longas cam Cicérone rias.
Durch die loDgitudo viarum ist hier die Grosse des Inkaltes ange*
deutet: „deine Reise kann lang sein, bevor du dièses Heft ausge-
lesen haben wirst.^ Weiter sehen wir die Eleinheit der Exemplare
in folgendem Ausrufe besonders hervorgehoben:
Quam brevis immensum cepit membrana Maronem
und in dem anderen:
Pellibus exiguis artatur Lirias ingens.
Wenn beim Cicero auch yielleicht nur die Reden gemeint sind, 80
ist doch dieser Livius mit seinen 140 Rollen complet gedacht. Es
Bcheint hiemach unumgânglich, fur aile oder doch fôr dièse zwei Fille
Notenschrift eines Tachygraphen und als Motiy âhnliche Spiele-
reien anzunehmen, wie bei jenem Homerus in nuce des Cicero.
Den Yergil in membranls zierte ûbrigens ein Titelbild:
Ipsius en rultus prima tabella gerit').
Dies war indess nur Nachahmung eines im Papyrusbuchwesen hâu-
figen Schmuckes, ûber den uns Seneca (de tranqu. 9, 7) Zeuge ist
Haben wir richtig auf Notenschrift geschlossen und ailes sonst
liber den Gebrauch der Membrane Gresagte nicht yergessen, so lasst
sich nicht entfernt glaublich machen, dass die fraglichen funf Exem-
plare einer Edition der betreffenden Autoren auf Pergament an-
gehort hâtten. Sondem es sind Einzelabschriften, welche die
Schenkenden nach einem — etwa entlehnten — Exemplar erst rer-
anlasst oder die sie wahrscheinlicher selbst erst hergestellt haben.
Die pauperes setzen an die Stelle des Geldes, das sie zu Einkâufen
nicht ûbrig haben, ihren Fleiss und erzeigen beim Schenkfest ihre
Aufmerksamkeit durch eigene Handarbeit, die sie nichts kostet als
das billigste imd ordinârste der Schreibmaterialien'). Den materiellen
Werth der Gabe ersetzt das Originelle des Arrangements. Wie sehr
dièses Arrangement Curiosum war, erhellt eben aus unseres Autors
^) Denn dièse Lesung liegt, wie ich glaabe, der Ueberlieferung des Bon-
garsius Ipsius et vultus su Grande; rulgo: Ipsius vultus.
') Da, wo Tom bibliopola die Rede ist, beim Lacan, fehlt der Znsatz »•
mmbranis.
— Dm Lesebueh aof Membrane dient den Âermeren. — 37
Darstellung selbst; yielleicht sind als Schenkende gerade notarii von
Bemf gemeint.
Femer beachte man wohl, dass Martial txotz des standigen m
mtmbranis nîrgends fOr oôthig hait, zu den Werken auf Papyrus m
charta hinzuzusetzen. Dies beweist, dass fur ihn bei einfacher Neii«>
nung eines Werkes eine andere YorsteUung als die der Rollenform
durchauB aosgescblossen war. Die Yerwendung der Membrane muss
dagegen als sonderbar ausdrucklicb notirt werden.
Zu dieser Sonderbarkeit war Sparsamkeit der Anlass. Es war
jener névfiç nsnatâsvfAivoÇj den der Kronosolon Lukian's be-
donders classificirt und so besonders begûnstigt, es war dermittel-
lose Gebildete, welchem die erste gelegentliche und noch
ganz private Ausnutzung des gemeinen Codex zu Lese-
zwecken yerdankt wird.
Was den Geldwertb aDgebt, so wùrde uns die Analogie von
Lucanes Pharsalia, die auf Charta nacb unserer obigen Schâtzung
20 Denare, ja 50 Denare werth sein konnte, aucb fur die funf pu-
gillares einen nicht geringeren' Preisansatz freistellen. Allein wenn
dièse noch nicht Gegenstand regelmâssiger und berufsmâssiger Technik
und noch nicht Verkaufsgegenstand waren, so muss fur solches 6e-
schenk auch noch eine bestimmte Taxe seines Gesammtwerthes gefehlt
baben^).
Verlassen wir endlich Martiales Apophoreten und fragen wir die
fibrige Litteratur fOr das soeben Bestimmte nach weiteren Analogien.
Schon die Juristen Sabinus und Cassius redeten allerdings von
beschriebener Membrane. Ulpian referirt folgendermassen (Big. XXXII
52, 3): libris autem legatis bihUoihecas non contmeri Sabinus scrilnt
— idem et Cassms — ; ait evàm membranas quae scriptae sint
contineri, deknde adiecit neque armaria neque scrinia neque cetera in
gtdbus Ubri conduntur deberi, Q^od tamen Cassius de membranis puris
seripsit verum est; nam nec chartae purae debentur libris legatis nec eqs.
Hier werden also membranae scriptae erst durch eine ausdrûckliche
juristische Ëntscheidung unter den Begriff liber gestellt; die Mem-
') Diocleiiaii'B Edikt De pretiis rerzeichnete Membrane (VII 38), die
PreisaDgabe daselbst iat aber verloren gegangen.
88 — Da« PggMiwt, —
bnmen sind abo eigentKdi keine wîiklidien ^Bûcher*^); nnbeschiie-
bene Membrane war Ton Cassius dagegen aosgenommen'): mit dem-
selben Recht wie imbeacluriebene Chaita. Hier ist kein Anlaas, bei
den membranae an anderen Gebranch als den aUtiglichen m denken.
Selir bemeikensweith ist hier ûbrigens noch, dass Ulpian Ton der
eharta nondmm perscripta und Ton der membrana nondum pernerific
weiterbin die Ubri nondum perscripH nnterscbeidet: denn ûber letstore
hebt er in § 5 neu zn fragen an; das heisst, nicbt nur nnter Memr
brana, sondem ancb unter Gharta Terstand man, wenn man den
Ansdmck streng fi^ste, kein wirkliches Bnch, sondem nur loees
Schreibmaterial. Zngleicb begegnen wir hier dem ersten Beleg dafor^
dass die ganzen Bûcher oder BoUen yerfertigt zu werden pflegten,
bevor die einzehien Selides beschiieben waren, und also fertig, aber
leer auf einen Textinhalt warteten*).
Wenn dagegen der Apostel Paulns (oder wer sonst der Verfasser
sei) am Schlnsse des zweiten Briefes an Timotheus^) unter anderen
Auftrâgen privater Natur auch den folgenden giebt: %oy ipëXoyiir
w aTiéhnov iv Tqwiôk jtaqà KiÎQTm iQXÔfèsyoç q>éQ€ »ai ta
fiifiXia, ikàXuna ôè zàç ikëik^qdvaç, so ware es allerdings gramma-
tîsch Yollkommen zulâssig, zu fuH^na tmy fi^fiUiay zu erg&nzen:
^) Wenn Ulpûm ebenda su Anfang ebenfalls aussagt: et Qaius Caswha
scribit deberi et membranas libriè legatày so beweist dieser WorUaut das-
selbe; die Membranen sind keine wirklichen ^Bûcher*'. Uebrigens wftrde ûck
Platarchy Cum princip. philosoph. fin., dieser ungenaaeren Terminologie gleick-
falls bedienen, wenn er wirklich daselbst bei dem fitfikioy, das Palimpsest ist,
an Membrane denkt; ygl. oben S. 57 Anmerkang.
*) Man wird bemerken, dass der Wortlaat in der ftberlieferten Lesnng
unklar ist. Es wird ans Cassius referirt son&chst die Entseheidung ûber
membranae scriptae, dass sie libri sein soUen; nicht sum Bach gehdren dagegen
scrinia und armaria: es wird fortgefahren : i,was Cassius hingegen ûber mem-
branae non scrtptae entscheidet, ist richtig; denn auch eharta non scripta ist
kein Buch" etc.; es musste aber vielmehr fortgefahren werden: „das8 Cassius
hingegen membranae non scriptae vom „Buch'' ebenso ausschliesst, wie die
serinia, ist richtig; denn auch eharta pura ist kein Buch" etc. Dièse einûg
natûrliche Fortftihrang der Rede erlangt man durch eine sehr leichte Aendenmg:
(iuod tamen Cassius [idem] de membranis scripsit^ verum est eqs. Ueber das
idem wurde su dem folgenden dem hinweggelesen.
*) VgL unten Cap. V.
«) Paul. II ad Thimoth. 4, 13.
— n^aç. — 89
Paulus hfitte danach in Troas Bûcherkasten und Bûcher yergessen,
Ton den letzteren die auf Membrane for die wichtigsten gehalten,
und BO hatte die Bibliothek eines Paulus schon zu einem grossen
Tkeîl ans pugillares membranei bestanden, gleich denen Martiales.
Indeaa haben wir nach Massgabe der sonstigen Verhâltnisse die
andere grammatîsch gleich môgliche Interprétation yorzuziehen, wo-
nach das fuiX&(fia auch zum fpeXôpfjç in Gegensatz tritt. „Buch-
kasten^) undBollen bringe mir nach, Yor allem aber das Wichtigste,
die Membranen, das heisst: meine eigenen Brouillons oder Notizhefte
oder Rechnungsbûcher.''
Hiemach erûbrigt nor noch ein Beispîel. Wir lesen in der
Piilzer Anthologie folgendes Epigramm des Erinagoras ^) :
BvfiXmv fi yXvKtQfi Xvq^x^p iv T€vj(iï Tfpdi
mvràç à/utfiiittay ïqya (féçtt Xaqirtav,
jiytKXQsœy xàd* 6 Tti'ioç
fidvç nçiafivç iyçaipiv $
naç' olyov ri avy Ifiégoêç.
dàçoy d* fiç iêQ^y lAyrùtyip vptofAfy ^cu
xâkUvç xal itQignidiûy i^o^' iyiyxafÀtyp.
Des Epigramm richtet sich an Antonia, die Nichte des Augustus,
Tochter des Antonius Ton der Octaida, welche Erinagoras, Zeitge-
nosse des cantabrischen Krieges imd der germanischen Feldzûge des
Drusus und Tiber, auch sonst in den Ereis seiner Poésie zog. Es
aind funf Biîcher des Anakreon, die ihr hier zu fruher Morgenstunde
ûberreicht werden. Also auch hier ein litterarisch werthvolles Ge-
schenk, vielleicht, analog den Apophoreten MartiaPs, an den Ealenden
des Mârz dargebracht. Yereinigt sind die Bûcher nun aber in einem
têvxoç* Bedeutet i€vxoç den Codex, so ist hiermit ein Yorlâufer fur
die ptigillares membranei Martiales gegeben aus betrâchtlich ârûher Zeit.
Ein Anakreoncodex zur Zeit des Augustus ! Ein Zweifel an ihm
^) ^Sfl* ^^^^ dièse UeberseUung oben S. 65.
') AnthoL Pal. IX 239. Das Epigpramm wird von einem daktylischen
Distîchon erOfinet und abgeschlossen. Was dazwischen steht, hatte offenbar
anderes Metnim. Der Codex aelbst giebt:
'AyaxQiioyjoç uç o Diioç ^dvç nçécfivç
Pyçttipiy $ nuQ* olvoy ri ahy 'ifiiçotç,
Man wird mit leiser Aenderung beliebte melîsche Formen, zwei Glyconeen und
«nen Dimeter, hersustellen haben.
90 — I^ Pergament. —
scheint nicht môglich; aber er ist geeignet, uns zu yeidutzen, ein
Rabe im Taubenschwarm, dieser einsame Codex unter den DichterroUen
seiner Zeit! Sehen wir nâher zu, so mîndert sîch die Analogie mit
den funf pugillares Martiales alsbald bedentend berab. Wen denkt
Martial als Empfânger fur aie pauperis sortes wie Wacb&stock, Hea
fur's Lager, sigillum fictile u. 8. £.? Gewiss in erster Linie die Ar m en
selbst; denn er neont &ie eben „Loose des Armen^. In den pauperit
sortes haben wir diejenigen nûtzlichen und angenebmen Gegenstâode
beisammen, mit denen ein Mann von einfachen Bedûrfiiissen und be-
8cbrânkten Mitteln damais sein Leben umgab. Ebensowohi wartete
man aber gewiss auch den reicben Patronen mit derlei Gaben auf^ als
geringen Zeicben guteo WiUens; so also auch mit jenen dicken, ûbe^
fullten MembranbQcbem. Allein dièse Membranen gebôren doch eben
durchaus dem Bedûrfnisskreise des Armen an und scbeinen in dem
Torliegenden Falle des Krinagoras vôllig undenkbar. Denn er schickt
den Anakreon an die Nichte des Kaisers, an die zweityomehmste
Dame der damaligen Welt! £r batte sich fur eine so ungewohnte,
schlechte, plebejische Ausstattung angelegentlicbst zu entscbuldigen
gebabt. — Femer wird man bemerken, dass Martial uns just die funf
allgelesenen, landlâufigsten Autoren seiner Zeit nennt: von den
griechiscben nur den Homer, ûbrigens Yergil, Cicero, Livius und
Ovid, die Lektûre der Kinder- und Rbetorenschulen und jedes, der
lesen gelemt batte. Der kleine Mann wird damab in Rom seine
litterariscben Genûsse eben hierauf bescbrânkt haben« Dagegen wird
fur die rômischen Elegiker, fur den Menander, fur die selten gelé-
senen Epyllien YergiFs und Homer^s beim Martial an eine Umschrift
auf Pergament nicbt gedacbt. Und Anakreon? dièse gewiss schon
damais kostbaren, seltenen Bûcher auf Pergament? Antonia hâtte
Recht gebabt, ein solches Geschenk des doch sonst verstândigen
Krinagoras als absurd zurûckzuschicken.
Indess, solche Ueberlegungen halten noch nicht Stich. Es ver-
lohnt der Mûhe, sich nach der Wortbedeutung von tévxoç in dem
Griechisch der Zeit, von der wir handein, umzusehen.
Freilich wird unser Krinagorasepigramm in den Wôrterbûchem
als erster Beleg fur die Bezeichnung einer Buchform als tsvxoç
aufgefûhrt. Man wird indessen gut thun, vorerst fur die Bestimmung
— nvxoç. — 91
der Wortbedeutuûg den mittelalterlichen Sprachgebrauch yon dem
des augustisch - tiberischen Zeîtalters sorgfaltîg zu sondera. Die
Autoren des classischen Alterthums^) kennen das Wort ausschliess-
lich DUT in den Bedeutungen «Gefass, Bebâiter, Eiste, Topf^, daneben
auch ^Krug^ und ^IJrae^, die aile unter einander nabe yerwandt
sind. Auch das Lexikon des Suidas interpretirt demgemâss nur
%svxoç* àyystoy. Da fur Augustus^ Zeit und ûberbaupt fur die
classische Zeit bis in^s dritte Jahrbundert die Bedeutung Codex nicht
nacbweisbar ist, so seben wir uns zunâcbst genotbigt, die Worte des
Krinagoras iy %€V%bÏ %&ôs vielrnebr mit m hoc capsa, in armario hoc
zu ûbersetzen^.
Und fur dièse Geltung des tevxoç im Bucbwesen als capsa
glaube icb nun ûberdies einen direkten Beleg beibringen zu konnen.
Das scbon mehrfacb angezogene griecbiscb-lateiniscbe Glossar des
Montepessulanus 306') bietet einen besonderen Abscbnitt de ludo
Utterario {tuqI â^âaaxaJieiov) ; derselbe setzt durcbaus das Papyrus-
bucbwesen Yoraus^); die Terminologie ist nocb durcbaus antik; kein
Geringerer als Julius Pollux ist, nacb Boucberie's einleucbtender
Combination, Urheber dieser quotidiana locutio, und sie datirt sich
um 200 n. Cbr. Das bezeicbnete Eapitel ist sachlicb disponirt und
die Wôrter steben nicht obne Ordnung: voran 15 nomina personalia*),
sodann wird im IJnterricbt erst gel es en; dazu geboren die nâcbsten
^) Abgesehen Ton den Epikern und Tragikern, die im Plural die Eriegs-
rûstung daninter Terstehen. Ueber das jfldisch-christliche nv^oç s. S. 107 N. 4.
*) Ein anderes Beispiel ftir nv^oç in Bezug auf Bucbwesen, das ange-
fUbrt su werden pflegt, gehOrt dem Agathias und damit der sweiten H&lfte
des sechsten Jahrhnnderts an; ygl. dessen ProOm in Anthol. Pal. IV 4, 9:
okfiêot iav f^yiifÀtj ntyvrwy iyl nv^fat filfiktay
àlk* ovx iç xéyiàç iixoyaç iyâtân.
Hier Lit der nachklassische Buchterminus allerdings und selbstverst&ndlich an-
saerkennen.
') Notices et extr. des mss. XXIII 2; vgl. bes. S. 447 if.
^) Die Rollenform wird durch Erw&hnung des ofxtfaloç garantirt; ftïr
Charta sind sécha yerschiedene Lemmata, fûr d^j^d-tçat nur eines.
*) yQtt/4/LiaTodnJaaxttkoç etc; na^âiia und naiç wird sur Erkl&rung des
ntudayioyoç eingef> der èçd^arartiç ist Ton diesen personalia nur durch
das àyaXoyttoy abgetrennt; die ursprQngliche Folge war gewiss: naKheyayyôç,
oQ^ocnxTtiç, àyaloyûoy xrA.
92 -^^
Wôrter àyaJUfcléir*) firfiiMfiçêW tfix^ç ÇfivfiUar)^ Ofà^paUç.
Sodann folgt das Rcdmen und SchieibeD, emgefuhrt mit ^(ffÇwr^Mç')
CttUulatiOr mvjrQopfÊiç praacriphim, Sfulia dietatum; hienn reîheii
sich die SchreibnuOeiûlieii seibst: &éXto^, TuroMidsç, rrvSs ^n^#
^fxf : «fofJUç; mfiçêop: xâç^r^ç, ZO^ifC arO^'^V^» Z«Ç*^Ç «w-
lijnoç, ^a^Tfç àmiiâfÊiàévoç, ni|ioç z^*it^^^s ima&^zQaipoy', hîet-
oach einnudiges âi^f^éçcui dann xaymy, gêiXêfioç, fêôXêfiôoç^ tuHa-
/êoç, xala§iOç (eannà); nwr dus nichste scheint nicht nach der
Ordnimg zn steben: ira/Qâfàfêata , môfày^fèa, tfHfàvStay, hif^ç,
xàyydfiaQiÇ, t/^ijifoç, fâiXQCÎTnoyj fàdçffimç'). Endlick sind noch funf
Yerba angehingt^
Zu tëVXPÇ lesen wir nun die Uebersetsung anma valumen, Jhm
unmittelbar voiauf geht fivfiXuHfô^v Bcrimum. Dasa voJumen durdi
Irrtham hier eindrang, ist aus der abnonnen Beschaffenheît dear
ganzen Stelle seibst firûber dargethan worden*). Wir constatîren hier
erstlich : Tëv%oç ist von Pollux jedenûdls nicht mit codex interprétât
worden. Sodann firagen wir: was soll ixrma bedeuten? «Werkzeuge*
im Allgemeinen kônnten doch nnr gemeint sein, wenn wir «ztfxf
lasen; dièse Bedeutung aber wûrde schlecht zu den umstebenden
WÔrtem passen. Man wird wohi nicht mnhin kônnen, zu ergânzen:
TiV%oç armarium. Dièse Ergânzung wird durch das benachbarte
^v^iÀOffàq^ov noch ganz besonders empfohlen. Vielleicht ist der Ab-
Êdl der Ëndung durch das Eindringen des voJumen yeranlasst worden.
Haben wir aber das antike Glossar richtig yerstanden, so folgte
') Boucherie «ccentoirt irrig àvaXôyMy,
^ CTo^x^vriiç ist hier fiUschlich eingedning^n und darum ohne Interpré-
tation geblieben, wogegen fur das lat, volumen das griechiscke Lemma ansfiel;
darflber ygl. oben S. 16.
') Cod. ^'ijS^fiôç; Boucherie t/'tjtfaofioç, Auch Hippolyt. de aatichrist.
c. 59 brancht ^tjtfa/ÀOÇ.
^) nfçiyçttffoç praeducta muss eine Art yqat^iov sein.
^) Dies offenbar um swei Stellen abgesprengt Tom noÇidêoy,
^ Wir erwarten etwa: ipifxv^iov, xêyyâfiaçêç, fAOçffimoy, fui^tnoç, int'
yçâfÂ/Ltara, vnôfiytjfia, kôyoç, ^^(foç,
^ àyayyyycioxity, yçâtfny, ftay^yny, fnXitay, ipilonovHy,
8) Oben S. 16.
— rtvxoç. — 93
Krinagoras abo nur der xa&fifUQiv^ ofAtlia, wenn er die Bûcher-
kiste des Anakreon ein tsvxoç nannte.
Und wie bat die spâtere griechische Sprache ûberhaupt dazu
kommen kônnon, den Codex oder die gehefkete Membranhandschrift
alfl einen ^Easten^ zu bezeichnen? Fehit fur dièse Thatsache bisher
eine Erklarung und auch nur ein Erklârungsyersucb, so scheint der
Bedeutungsûbergang nunmehr durchaus yerstandlich. Ein Werk in
Tielen Rollen gewann eine Raumeinbeit nur durch das armarium^);
dieselbe Raumeinbeit gewann es spâter im Codex: der Codex mit
Inhalt trat an die Stelle des vollen Rollenbebâlters; er
ûbernabm zugleicb seinen Namen. Darum aucb tbeilte tevxoç
keineswegs aile Bedeutungen des codex der Rômer (S. 95), sondem nur
dièse eine, abgeleitete des grossen Litteraturbucbes.
Treten wir biemacb in das zweite Jabrbundert ein, und moge
der weitere Gang des Sucbens dem betbeiligten Léser nicbt allzu
bescbwerlicb scbeinen. Die Gefabr an bedeutsamen Einzelmomenten
Torbeizugeben ist gross und yielleicbt unentrinnbar; um so weniger
werden wir den folgenden Wabmebmungen unsere Acbtsamkeit ent-
zieben dûrfen. Tinter den juristiscben Scbriftstellem der Trajaniscben
Aéra erregt Neratius Priscus, der Freund und intendirte Nachfolger')
des Kaisers, unsere Aufmerksamkeit. Die Digesten excerpiren Yon
ibm ein Werk Begularum in funfzebn Bûcbem, ein anderes BesponsO'
rum in dreien, Yor allem aber sieben Bûcher unter dem Titel Mem-
br€auMe^, Der Inhalt war durch nichts Ton der ûblichen Art der
juristiscben Werke wesentlich unterschieden. Es enthielt miscellan-
weise eine Reibe Ton Einzelentscheidungen des Autors, de furtis, de
ture dotmm, de damno in/ecto, de usu fructu u. s. f. Zimmem sagt
znm Titel, sehr richtig: „ein ofiPenbar Yom StofiP, worauf geschrieben
wurde, entlehnter Name^^). Nur bragt es sich, ob das Werk des
1) Vgl. oben S. 33 f.
*) Spart. Hadr. c. 4. Vgl. ftberhaupt ûber diesen Juristen J. C. Sickel,
de Neratio Priaco Icto, Leips. 1788.
*) Die Excerpte findet man susammen bei C. F. Hommel^ Palingenesia
Iflnr. iur. reL I S. 501 ff.
^) Gesch. des rOm. PrÎTatrechts I 326 Note, yerweisend auf Bertrand
fiioê yofjuKmv, Toul. 1617, und Nenber, Die jurist. Classiker, Berl. 1806.
94 — ^^ PerguneiK. —
Neratius in seiner Yemelfiltigung selbst -wirklich auf ihm geschrie-
ben war. Yerfiel der vomehine Mann wirklich auf daa sehr nnge-
wôlmliche Yorhaben einer solchen Edition auf Membrane, 80 irai e»
doch noch sonderbarer, ein Werk emsthafter Er5rterung nach diesem
StofiP betiteln zu wollen, annahernd so befremdlich, wîe wenn mu
modemer Yerfasser seine Untersuchungen „einen Band Druckpapier*
betitebi wollte. Titel wie 7dyà§ und iyxê^iôia geben doch immer
einen Hinweis auf Inhalt und Zweck des Werks; solche wie fiifiho-
&i^xfl oder nayâéxtai^) wollen auf das Umfassende seiner Anlage
hinweisen; solche endlich wie des Origenes tàfjkoi*) oder die xoïkdQUt
des Arîstonymos verzichten gleichfalls auf eine Inhaltsbestimmang, ch»-
rakterisiren doch aber die Disposition des Werkes aie einer -Einheit in
yielen Theilen. — Das Einzelbuch des Neratius heisst nun liber («eewi-
àusy tertius etc.) membranarum*); man wird fHhlen, dass dies f&r
Uber membraneus oder membran€u:eu8 eine keineswegs natûrliche Be-
zeichnung sein wûrde. Eine andere, inhaltliche Deutung liegt non
nicht fem. Membranae sind die ûblichen Trâger der Notizen, Brouillons,
vmgjvy^fàata, sie sind Privatskripturen wie die Briefe. So wie ako
epistularum Ubri edirt wurden — und auch Neratius selbst edirte
solche^) — , ebenso giebt Neratius dem Pubiikum hier seine ,,Notizen*
preis; und es liegt darin wohi eine feine Bescheidenheit^ eine Bitte
um Nachsicht: ^eigentlich waren dièse Yersuche ftbr kein fremdes
Auge berechnet*'.
') Ueber aile dièse Titel sîehe Plin. Nat. hist. praef. § 24; rgL Dîodor'B
^Bibliothek^y Pomponius' iy^nçid^oy (in 2 Bûchern) und Paulus' manualia (3 Bb.).
Sehr BchOn liesse sich der Titel xtjçia rergleichen, den Gellius (Noct. Att.
praef. 6) aufft\hrt, wenn wir daninter wirklich Wachatafeln (ygl. AnthoL PaL
IX 191) und nicht vielmehr genauer „Honigwaben*' su yeratehen hâtten, d. b.
ein gelehrtes Werk voll Sûssigkeit und mit Bienenfleiss susammengetragen, rgL
Macrob Satam. I praef. 5: apes enim quodammodo debemus imUari quae va-
gantur et floreè carpunt,, deinde quidquid attulere dispomtnt ac per favof
ditidunt eqs. Der Titel Diptyckon beim Prudentius ist l&ngst beseitigt, die
ûberlieferte Schreibung dtmxaloy (vg!. Gennad. vir. illustr. 13) aber noch
nicht hiDl&nglich erkl&rt.
>) Vgl. oben S. 28.
') So wird meistens citirt, dreimal auch Neratius libris membranarum.
^) liber quartus epistularum citirt in Digest. 33, 7, 12 (% 35 u. 43).
— Neratîos' Membruiae. Codex, codicillas. — 95
In der That, Edition in Pergamenthandschriffcen ist noch fiir
jan^s Zeit so gut wie unmoglich gewesen. Dies ergiebt sicli, wenn
fortechreitend den Gebrauch der Schreibmaterialien im dritten
irhundert in Betracht ziehen.
Reprâsentant der ersten Hâlfte des dritten Jahrhunderts ist uns
>ian, in seinem schon mehrfach angezogenen Titulus ûber Bûcher-
ite. Er ist der erste, bei dem wir im Zusammenhang des Buch-
lens den Terminus codex antrefiPen; und es ist an der Zeit, kurz
Herkunft imd ursprûnglichen BegrifiP desselben zu erinnem.
Der Codex im Sinne der mittelalterlicben Handscbrifb entstand
ein&cher Erweiterung der Schreibtafebi, der cerae oder pugillares
mbranei. Die Définition Isidor^s^) codex multorum librorum est
8t schon auf die funf Beispiele, die Martial uns fur solcbe Erwei-
ing kennen lehrte. Seneca') giebt die antiquariscbe Notiz: pubUcae
ulae codices dicuntur, und zwar quia plurium tabtUarum contextus
dex apud antiquos vocatur, Seneca scbeint sich auf Yarro zu
iehen, der dieselbe im dritten Buch seiner Schrift de vita populi
nom gegeben batte'). Besonders blieb codicillua gebrauchlich fur
Wachstafeln, die bald als Brief^), bald auch den Dichtem fur
Brouillon dienen. Man erinnert sich der Scène bei Seneca, wo
id^s Freunde bitten aus den Werken des Dichters drei Verse tilgen
dûrfen; Orid wûnscht selbst drei Verse zu tilgen: beide Parteien
xren sodann ihre drei Verse in codicilli imd die Vergleicbxmg
iebt, dass beide dieselben notirt haben '). Die moecha putida bei
mil hat sich mehrere seiner noch unedirt auf Tafeln geschriebenen
dichtchen angeeignet und nun ruft sie der Dichter an: redde codi-
7ê •). Femer bleibt das Wort fur die Rechnungsbûcher gebrâuch-
I, die ein Geschafbsmann, insbesondere der Argentarius fûhrt: nach
1) hidor Orig. VI 13, 1 ; ygl. oben S. 44 Note.
*} De brer. TÎtae 13.
^ Nonins S. 535, 20.
^ de. ad famil. IV 12, 2, VI 18, 1; ad Quintum fr. II 11, 1.
^) Es muBB Seneca Controv. II 2, 12 gelesen werden: rogcUus aliquando
ttmiciê «uû, ut tollere liceret [namlich amicis] très versus, invicem petiit
ipse ires exciperet in quos nikil illis liceret,
^ CatoU c 42.
96 — Dm PergAment. —
Gaîus^) braucht er dieselben in einem Rechtsstreit niclit ganz, soih
dern nur, soweit es fur den Fall in Betracht kommt, znr Einsidit
Yorzulegen : Edi autem ratio ita inteUegitur si a capite edatur ....
sciUcet ut non totum cuique codicem totasqtiemembranasinspicieiià
dtscrïbendique potestas fiât, sed ut ea tcmtum pars ratUmum quae ad
mstruendum aliquem pertineat inspiciatur et describatur,
Femer gilt der Codicill fur Diplôme und Ehrenbriefe*) oder ftr
die Tafeln, auf denen der letzte Wille statt Testamentes aofgesetst
wurde^). Auch die tabulae des Testaments endlich sind ein codais
wenn sie sicli nicht gar auf mehrere Codices yertheilten ^).
In Yerbindung mit litterarischen Dingen ist der Terminas di-
gegen nicbt nachweisbar bis in die Zeit des Ulpian hinab. Freilidi,
wenn die Tabemen der Bibliopolen scbon in Cicero's Zeit eodkm
yerkauften, so wâre dies fur unseren Satz eine bedenklicbe An»-
nahme: denn dann wâren also schon damais Texte in dieser Foim
im Buchbandel geweseni Wir erfahren durch Asconius^): die Leiehe
des Demagogen P. CJodius wurde vom Volk in der Curie Rom's t«^
brannt und das Feuer genabrt subsdUis et tribunalibus et mensis A
codidbus librariorum : hiemach hat man yermuthet, dass es am Forum
bei der Curie Buchlâden gab, gleich den sonst erwâbnten Buchlâdea
um das Argiletum bei Martial, denen in Sandalario oder in Sigil-
lanis '). Allein, der Unterschied ist erheblich ; denn aile die letzteren
handeln eben, so yiel wir hôren, nur mit Ubri, volumma; sie handeln
1) Dig. II, 13, 10.
') Vgl. Epictet III 7, oder Tacîtus, der in seinem Dialog 7, 10 folgender-
massen schrieb : hahere^ quod si non cUioqmn {in alto die Hdschir.) oritur^ née
codicillis datur nec cum gratia ventt.
') Vgl. Plin. Epist. II 16 die codicilli Aciliani testamento non confirmatL
^) Vgl. Ulpian Dig. 42, 5, 3: Si tabulae in pluribus codicibus scriptae
êint omnes interdicto isto continentur, quia unum testamentum est,
^) Ascon. in Milon. p. 29 éd. Kiessling-SchoU : Populaa duce Sex, Clodio
scriba corpus P, Clodi in curiam intulit cremavitque subselUis et tribunoHbus
et mensis et codicibus librariorum: quo igné et ipsa curia /iagratfit eqs.
^) Bein in Becker's Gallus II S. 387; A. Schmidt, Gesch. der Denk- nnd
GUnbensfreiheit S. 122, der den Ascon nicht selbst eingeaehen hat, wenn er
ihn mit Glossem citirt: codicibus librariorum, qui nimirum iuxta curiam et ad
Forum ad manum erant!
— Codîces seit Ulpian. — 97
niemals mit codices. Ënthielt jene Tabeme ad curiam aber ausser
jenen Codices auch PapyrusroUeD (wie doch nothwendig war!), warum
war das Yolk so unpraktisch dièse RoUen unbenutzt liegen zu lassen?
Denn es ist bekannt, dass gerade der Papyrus fur Scheiterhaufen als
Brennmaterial im Gebrauche war^). Nun findet das Yolk die drei
âbrigen Gegenstande , Tribunalien, Sessel und Tische, jedenfalls in
ier Curie selbst Tor; die Tische in der Curie dienen wohl fur die
Assistirenden Schreiber; dass auch Codicille dieser Scbreiber, be-
scbriebene wie unbeschriebene, in dem Lokal der Senatssitzungen
sicb Yorfanden, ist nicbt nur natûrlich, sondem war nothwendig.
Die librarii mûssen hier also die Senatssekretâre, scriptores librarii,
sein (Horaz Ars poet. 354).
Lesen wir hiemach den schon mehrfach angezogenen Abschnitt
des Ulpian im Zusammenhange, den uns die Digesten de legatis et
&deicommissis') ûberliefem: Librorum appellatione continentur omma
volumina, tsive in charta swe in membrana sint sive in qnavis aUa
materia; sed et si in pMyra aut in tHia (ut nonnvlU conficiunt) aut
m quo aUo corio, idem erit dicendum, — Quod si in codicibus sint mem-
braneis vd chartaceis vel etiam eboreis vel alterius materias vel in ceratis
codicilUs, an debeantur videamus. Et Gaius Cassius sctibit deberi
et membranas libris legatis : consequenter igitur cetera quoque debebuntur
ri non adversetur voluntas testatoris, — Si cui centum libri sint legati,
eentum volumina ei dabimus, non centum, quae qvis ingemo suo metitus
est, qui (quasi scr.) ad Ubri scripturam sufficerent: utputa cum haberet
Homerum totum in uno volumme, non quadraginta octo libros compu-
tamus, sed unum Homeri volumen pro Ubro accipiendum est.
Dièse imd die folgenden Ausfuhrungen standen in Ulpian^s Tier-
undzwanzigstem Buch ad Sabinum, Wenn schon die Digesten ims
den Wordaut der Originalstellen nicht YoUkommen sicher garantirent),
so fehlt doch ein Anzeichen, um hier irgendwie Zweifel zu hegen.
1) Martial X, 97:
Cam levls arsura straitnr Libitina papjro,
and Vm 44, 14:
Fartas papyro dam tibi toros crescit.
S) Dig. 32, 52.
*) Kach JuBiinian selbst, De confirm. digestorom § 10.
Blrt, BoehweMn. 7
98 --- ^M Pergament. —
Wir bemerken sogleich, dass Ulpian noch auf dem Stftndpnnkt
aller frûheren steht. Sind libri GegeDstand eines Légats, so unter-
scheidet er Yor allem und principiell zwischen den zwei Tenchie-
denen For m en fur Schriftstûcke, volumina und codices. Darans folgt
unweigerlich, dass auch noch Ulpian nicht im Stande irar, bei einem
volumen an anderes als an wirkliche Rollen zu denken, eine That-
sache, die uns spater betrefifis des unum vohunen Homeri gute Dienste
leisten wird. Und weiter sind es auch fur ihn nur die voUimma, die
zweifellos unter den BegrifiP Buch fallen und also legirt sind, seien aie
nun aus Charta oder aus Membrane; der YoUstândigkeit halber
werden noch Rollen aus Lindenbast hinzugefugt, mit UUa wird pMfra
noch einmal rein lateinisch ausgedrûckt^) und aile Môglichkeiten mit
m quo aiio corio erschôpft'). Dahingegen ist es f&r Ulpian noch
ebenso firaglich, wie fur Gassius und Sabinus im ersten Jahrhundert,
ob auch Codices ^Bûcher'' seien; Ulpian adoptirt eben die Entscheî-
dung jener alten Autoritaten. Codices sind auch hier noch, was sie
bisher waren; codices eborei und codicilli cerati stehen damit noch
auf einer Linie.
Und dièse Anschauung kommt bei Ulpian im Folgenden noch
einmal zur Geltung'). Es ist entschieden worden, dass unbe-
schriebene Bûcher von den libri legati ausgeschlossen seien; ei
folgt: sed perscripti libri nondutn malleati vd omati continebuntwr
(se. Ubris legatis): proinde et nondutn conglutinaii vd emendati (xmUne-
buntur. Sed et membranae nondum consutae continebuntur. Also
membranae sind kein Buch ; denn sie stehen zu liber erg&nzend, gegen-
sâtzlich; ^Buch" ist noch Papyrusrolle.
^) Uebor die tiliae pugillares vgl. bos. Marquardt, Bdm. FrÎTaulterth.
y 2, 382, der ohne Noth annimmt, dass Ulpian tilia und philyra antencheide.
') Vgl. z. B. die plumbea charta bei Saeton Nero 20. Aehnlîche Sorg-
fait wendet Ulpian an Dig. 37, 11, 1 fûr den Begriff tabula: tabuias tettamenti
accipere debemus omnetn materiae figuram: sive igitur tabulae sint ligneae
sive cuiuscunque cUterius fnateriae: sive chartae sive membranae sint vd êi corio
[alicuius animaliê]^ tabulae recte dicentur; zu den chartae und membrana/e rgL
den ausdrûcklichen Vermerk in Paullus' Sententiae IV 7: tabularum amUm
appellatione chartae quoque et membranae continentur^ n&mlich bei Testamenten;
es sind damit codices chartacei und membranei gemeint.
') Daselbst % 5.
— Codices im 3. Jahrhundert. — 99
Und nun, nach dieser Einzelinterpretation des Abschnittes ûber
Qcherlegate, îst noch auf eine weitere Thatsacbe aller Nacbdruck
1 legen, die das Scbriftwesen dieser Zeit in das bellste Licbt stellt.
^r Môglichkeiten eines Legates Scbriftwerke betrefiPend kennt der
urist des dritten Jabrhunderts nicbt mebr als vier: entweder es
atet auf libri îegoH: fur sie sind Ulpian's Ëntscbeidungen soeben
dtgetbeilt. Oder es lautet zweitens auf chartae legatae: bierunter
Simen streng genommen keine Bûcber, sondem nur das Scbreib-
wterial yerstanden werden; ist es freilicb ein Gelebrter, der einem
relebrten (studioaus studioso) yermacbt ^chartas meas universas^ und
esitzt er keine cbarta ausser in seinen Bûcbem, so wird niemand
weîfebi, dièse Bûcber darunter zu yersteben; ferner ist bei diesem
«gat ausgeschlossen das robe papyrum selbst ad char tas paratum
>wie aucb die chartae nondum perfectae, Oder drittens konnen legirt
^erden chartae purae: dann sind ausgescblossen sowobl membranae
'. ceterae ad scribendum materiae als aucb libri scribi coepti, Oder
ddlicb yiertens das Yermâcbtniss lautet auf die bibîiotheca: dann
Ut es, wie Nerra der Jurist entscbied, festzustellen, ob der Testator
ilbst bei dem doppelsinnigen Worte nur die Bûcberscbrânke oder
b er aucb ibren Inbalt gemeint batte. Dièse vier Moglicbkeiten bat
flpîan umsicbtig genug bebandelt Dagegen membranae legatae oder
Tdieeê legati werden von ibm nicbt besonders besprocben. Die
lodices mit litterariscbem Inbalt mûssen also aucb damais nocb so
siten imd bedeutungslos gewesen sein, dass sie nicbt in Betracbt
amen: sie scbeinen aucb damais nocb keinen bestimmten Wertb
esessen zu baben, nocb kein regelmâssiges Kaufobjekt im Bucb-
andel gewesen zu sein: d. b. es gab keine Ëditionen litterariscber
Verke auf Membrane imd sie kamen aucb damab ausscbliesslicb
or fur die einzelne Privatabscbrift in Anwendung.
Eine solcbe Yerwendimg fur Privatabscbrift aber ist in diesem
ahrbundert unzweifelbaft scbon betrâcbtlicb bâufiger vorgekommen,
Is in den Zeiten des Martial. Dies bestatigt uns die obwobl gleicb-
eîtige, docb zum Tbeil stark abweicbende Entscbeidung des Paullus
9 îegeOiê ^). Wird ein fundus oder ein Haus mit Einricbtung legirt,
1) PaoU. Sent. III 6, 51. 56. 67. 87.
7*
2,t*i — Dm F
iA _ rite
i<c« hC'Itez. ZA£± Fsslh» BôdxT vnd Bndierschriiike einbegriffen sein;
ys. ck fv/ifu&r kcTL so vird dabô an cipœ mid annaria libronun
a=. «rFT«?r Stic^ çedacht: sind endlich ^Bûcber' Gegenstaod des
Lacs^k. «•:• sied dansâxr rftarfiip rohtmima cW flmi6nifui« et phûitrae
l'tç^^^z ar«a- aacb cr^dk». Und hienu f<^ non die Tom Ulpian
pôïcfpâ^II ab>veÂclK!Dde lâlim Bestimmmig: ,denn unter dem
B«£T:ff .Bacb^ isl nicht nothwendig eine Papjrusrolle zu
Tersieliec. socdern ein bestimmt begrinzter Scbriftum-
facg. d. L eÎE Q^ia&tixin Scbriftzeilen, das einen bestîmmten
AbscLi^ss bai*\V Es konntoi wobl nur Godices litterariscben
Inbaltes s^in. di« den Panlhis nôtbigten, als erster den antîken
Raornl-etgrifT f&fr aafmgeben; imd mh dem ^bestinimten Abschloss*'!
dT2ich den die Bncbgrenze bier besdmmt irird, ist augenscbeinlîch
dasselbe gemeint. iras wîr als Bacbsnbscriptionen in den sp&teren
Handscbriiten rorfinden. Ulpian bestreitet dagegen nnd zwar in £ut
polemiscbem Tone, dass unter Bncb der blosse Scbriftmnfang oder
das Scbrifbnass zn Tersteben sei (mon quae qms ingemo suo metihu
eft). bâlt Tielmebr an seiner Riumlicbkeît fest, beziebt sicb dabei
aber Tielmebr anf BucbroUen grôsseren Umâmges, in denen man aus-
nabmsweise gewisse Scbriftsteller wie den Homer zn lesen pflegte
mit allen seînen Bûcbem').
Sobald wir nun weitergeben und das Tierte Jabrbundert betreten,
stossen wir auf jene yielcitiite Nacbricbt ûber die Bibliotbek des
Pampbilus in Caesarea: die Papyrusrollen dieser Bibliotbek waren
zum Theil scbadbaft geworden; zwei Priester, Acâtcius und Euzoius,
untemabmen es, sie auf Membrane zu emeuem'). Dièses Um-
') Libris legatU chartae volumina vel membranae et p/àlurae contÙMntvr;
codices quoque debtntur\ librorum enim appdUuione non volumina chartanan,
èed scripturae moduê^ qvi certo fint concluditur^ aeatinuUur.
'j Bierûber Csp. IX.
') Hieron. epist. 141 (II S. 711 Mart.) ad MarcelUm: Pamphilus ... tune
maxime Origenis libros impensius prosequutus Caesarierm eocUdae dedicavit:
çuam (se. hibUothecam) ex parte corruptam Acacius dekinc et Euzohu eiusdem
ecclestae sacerdotes in membranis instaurare conati wnt; ebenso corruptam
bibliothecam Origenis et Pamphili in membranis instaurare conatus est^ b«i
Hier, de vir. ill. IV' S. 126 Mart, ûber EusoTus.
— EditioBen in BoUen bis zum 6. Jahrhundert. — ]^01
iben eioer ganzen Buchsammliiiig scbeint so bedeutsam, zumal
lazu das Motiy, die geringe Dauerhaftîgkeit der bisherigen Form
s doch auch Symmacbus ^), dass die facilis senectus papyri scripta
mpat)y mit ûberliefert wird, dass wir dies Ëreigniss typisch zu
1 geneigt sein kônnten iind nach ihm das Jahrhundert des
s des Christenthums als die Zeit ansetzen, in welcher der Codex
ucbwesen durchdrang.
yierdings ist die Gewohnheit der Papyrusrolle fur die Publi-
aen auch jetzt noch und noch weiterhin im funften Jahrhundert
halten worden. Im AUgemeinen genûgt es fur die Dauer der
îndung Yon Charta bis in das Mittelalter auf Wattenbach's Zu-
lenstellungen ') zu yerweisen, die indess nur die Urkunden und
k>dices chartacei betreffen '). Fur die Litteratur selbst sei Fol-
38 bemerkt: Symmachus (350 bis 420) spricht scherzend den
ich aus Briefe auf Rinde schreiben zu dûrfen ; der Papyrus solle
Çen der Litteratur reservirt werden , epist. IV 28 : maUem . . .
aut carticibus scribere; Aegyptus papyri voîumina bibUothecis
ue texuerit; dies wurde schon friiher erwâhnt. Wenn Symma-
einem Freunde ein complètes Exemplar des Livius (totum
num opus) schenken wiil (epist. IX 13), so ist hier fur die Be-
ning der vielbucherigen Gabe ein Yector nothig. Neben einander
chnet derselbe (III 1 1) ein ToUendetes (edirtes) "Werk als volumen,
lOch unvollendetes als codex*). £benso aber stand es mit des
Qachus Zeitgenossen Ausonius (310 — 390). Ausonius setzt fur
Werke noch nirgends Codices, ûberall die alte Buchform voraus;
hreibt ad libellum (Epigr. 34):
Si tineas cariemve pati te charta necesse est
Incipe veraiculis ante perire meis,
wûnscht seinem Ëpigrammenbuch ebendaselbst das iuvenescere
. Ëbenso steht in seiner Ëinleituug zum Griphus an Symmachus :
>) Symmach. ep. IV 34.
*) Wattenbach Schriftwesen ^ S. 84 f. ; vgl. oben S.
*) Vgl. unteo.
^) 8o scbeint der Flavianus bei Symm. II 8 auf Cbarta zu publiciren,
es heisst, er solle ^auch*^ auf privater Charta sich beredt zeigeo: mémento
» familiares diartas rigare facundiae tuae copiis.
102 — ^^ Pergament —
latébat mter nugas meas lihdlus ignobtUs .... kune ego eum vehU
goMnaceus Euclionis situ chartei pulveris eruissem, excus9um rdegi eqs.
Im funften Brief (y. 96) werden Papyrus und Buch yon ihm ^eich
gesetzt: Nil quaero nisi quod Ubris tenetur Et quod non opicae tegtmt
papyri, Der gelehrte Victorîus studirt bei ihm nur alte, yergilbte
Bûcher: exesas tineis opicasque evolvere chartas (Professor. 22, 3).
Und mit dem classischen Buchschluss, der Coronis, schliesst Auson
seine Professores ab. Wenn also das als Bucherôffiiung ge&sste
Ëpigramm N. 9 des Auson in der Brusseler Mischhandschriffc excerpirt
steht mit der Ueberschrift commendatio codicis, so ist nicht glaublich,
dass dieselbe auf Auson zuruckgeht^). Ausonius machte seine Werke
noch einzeln und auf Charta bekannt, und erst spatere sammelten
sie im Codex').
Auch bei Prudentius (348 bis 410) herrscht die Yorstellung, dass
ein Schriftwerk yon grosser Lange sich auf einen Haufen yen Rollen
yertheilt, der alsdann schwer zu ordnen ist. Am Schluss der Passion
des Heiligen Romanus^), nachdem der Martyrer endlich gestorben
und seine Seele zum Himmel erhoben ist, yerfasst der Prâfekt
Asclepiades einen Bericht an den Kaiser Galerius ûber ailes 6e-
schehene : dieser Bericht fûllt so yiele Rollen, dass er die Reihenfolge
derselben besonders notiren muss:
Oesta intimasse cuncta fertur principi
Praefectus, addens ordinem rolaminum
Seriemque tantae digerens tragoediae.
^) Peiper, Die handschriftliche Ueberlieferung des Ausonius (1879) S. 292.
Âllerdings giebt der Bruxellensis das Ëpigramm anscheinend in correkterer
Fassung (ebenda S. 299).
S) Vgl. W. Brandes, Fleckeis. Ibb. 123, S. 59 f. Dass Ausonius fÙr TÎde
Léser schrieb, ist an sich selbstverst&ndlich , und wird Ton ihm selbst roraus*
gesetzt z. B. epist. XVII oder am Schluss des Cento nuptialis. Also sind die
Sachen auch edirt worden. Wenn Ausonius selbst um Ëxeniplare bîttweiBe
angegangen wird (Brandes S. 59), so scheint, dass er wenig^tens einige der
Gedichte — nach modemer Redeweise — im Selbstverlag edirte; er schickte
sie rielen als Geschenk in's Haus; daher Symmachus (ep. I 8): spargcu Hcet
volumina et me semper excipias: fruemur tamen tuo opère,, sed ahorum be-
nignitate. Vgl. Kap. VI ff.
«) Prudent. Peristeph. X v. lUOff.
— Editionen in Rollen bia Eum 6. Jahrhandert. — 2()3
Auch der jÛDgere Palladas setzt die Charta noch in alter Weise
Toraus (Anth. Pal. IX 174). Auch Martianus Capella, schreibend noch
Tor 429, wahrt die RoUenform fur sein Werk in ostensibler Weise ^).
RutiliuB Namantianus (im Jahr 416) beginnt das zweite Buch seines
Reisegedichtes mit dem Riickblick auf das erste:
Nondam longus erat nec malta volumina passus.
Jure SQO poterat longior esse liber;
hier heissen volumma die Einzelwindungen der RoUe; das erste Buch
war kurz gewesen, es war nicht oft um den Stab seines Umbilicus
geschlungen. Gassiodor (c. 480 — 575) giebt uns weiter einen sehr
dankenswerthen enkomiastischen Traktat ûber das Papyrusbuch, bel
Crelegenheit einer Ausschreibung Yon chartaSy und fQhrt unter anderem
aus, dass ein Autor die Charta immer zur Hand habe: die Rollen
stehen fertig, unbeschrieben da, bis er sie fôr Abhandlungen yon
grossem Umfange aufwickelt, um sie einzutragen^). Hieraus folgt,
dass Sidonius Apollinaris wirklich noch das Rollenbuch benutzt haben
kann, wenn er, in Ërinnerung an den Anfang der ersten Juvenalsatire,
schreibt (ad Constantinum ep. I 7 fin.) : iam copiosum ni faîlor ptUsat
exemplar; iam veniiur ad margines umbiïicorum ; iam temptis est, ut
Satyrus ait, Orestem nostrum vd supra terga finiri,
Was die Art der Buchvervielfaltigung und -verbreitimg anbetrifft,
so nehmen wir noch im 5. Jahrhundert keinen wesentlichen Unter-
schied Ton der classischen Zeit wahr. Rom bleibt der Hauptbûcher-
markt. In seinen Dialogen') giebt uns Sulpicius Seyerus (um 365
bis 425) iîber seine Yita S. Martini Bericht, die Paulinus aus Aqui-
tanien zum Zweck der Publikation nach Rom brachte: deinde cum
tota certatim urbe raperetur, exultantes Ubrarios vidi, quod nihil ab kis
quaestiosius haberetur, si quidem nihil iUo promptius, nihU carius ven-
deretur, Den Bibliopolen, und zwar denen der Hauptstadt Rom, giebt
der Autor also auch hier noch sein Buch in Yertrieb, und sie machen
die besten Geschâfte damit; es findet bei hohem Preis reissenden
1) YgL unten Kap. III.
*) Gassiodor Yariae XI 38; denn nar so sind die Worie eu rerstehen:
haec enim (charta) tergo niveo aperit eloquentibus catnpum et quo fiât habilis,
in se [ré\xx>luta colligitur, dum magnis tractatibus explicetttr,
>} Snlp. Serer. Dial. I c. 23.
X04 — ^'^ Fergament. —
Absatz. Indem Seyerus abdann in seinen Dialogen Ergânzmigeii zn
der Yita S. Martini bringt, ist dafur der Wunsch seiner Léser im
Orient das Motiv. Dasselbe Rom war es, wo Arator im Jahre 544
yeranlasst wurde, sein Ëpos De actis apostolorum, ganz nach alt-
classischer Weise, ôffentlich und zwar unter lebhaftestem Beifall zu
recitiren^). Noch in der ersten Halfbe des siebenten Jahrhunderts
bringt Beda von seinen Rom-Reisen eine ^Unzahl Bûcher^ mit nach
England, die er daselbst theils kaufweise, theils durch Geschenk
erwarb; andere kaufte er auch in Vienne'). In Italien, insbesondere
in Rom, scheint allein im Mittelalter der Buchhandel fortbestandea
zu haben').
Von wem ist nun dagegen der Codex nachweislich zuerst als
originale Ëditionsform in Anwendung gebracht worden? So wie
Justinian seine CoDstitutionensammlung Yon zwôlf Bûchem auf einen
Codex einrichtete: ebenso setzte schon Theodosius seinen Codex
Theodosianus Yon sechszehn Bûchem zusammen, der im Jahr 438
Yollendet war; ihm aber liegt noch der Codex Hermogenianns
und wieder diesem der Codex Gregorianus Yoraus, welche beide
Theodosius als sein Yorbild bezeichnete. Der Gregorianus ist nicht
Yor Diocletian und Maximian, also etwa am Anfange, der Hermo-
genianns nicht Yor Yalentinian II und also etwa am Schluss des
Yierten Jahrhunderts entstanden. Wâhrend ersterer mindestens
dreizehn Bûcher hielt, entbehrte der letztere dagegen einer Buch-
theilung^) imd ûbertraf also anscheinend nicht den gewôhnlichen
Umfang eines Einzelbuches.
Wenn dagegen der, ûbrigens unbekannte Papirius Justus die
Constitutionen der Kaiser Marcus und Yerus in zwanzig Bûchem
1) Ebert ibid. I S. 491.
') innumerabilem Ubrorum ojnnis generis copiam Beda 0pp. IV 8. 364
and 366; Tgl. £bert I S. 601.
') Vgl. Giesebrecbt, De lltterarum studiis apud Italos, 1854. Wattenbach
S. 449 f.
*) Âuch die consaltationes citiren stets nur nacb Titeln, aasser Cap. 4:
eodein corpore et Ub,y wo Schulting mit Recht tiL forderte. Da daneben aua
dem Gregorianus stets mit Bucbzahlen citirt wird, ist der Scbluss, dass eine
Buchtheilung im Hermog. fehlte, nothwendig.
— Ente Edidonen im Codex. — 205
zosammengestellt liatte, ohne dass wir doch Yon einer Codexform fur
aie erfahren ^), so liegt dièse Arbeît klârlich dem Gregorîanus voraus.
Was aber hier als Codices edirt wurde'), unterschied sich yon
der ûbrigen Litteratur doch noch wesentlich nach Inhalt und Zweck.
Den Inhalt bildeten Normirungen des Rechts hôchster Autoritât, die
zor Keantniss jedes Rîchters iind Advokatea und der Rechtsschulen
gelangen sollten. Der Zweck war kein eigentlich litterarischer,
sondem ein praktischer. Es waren dies Rechtshandbûcher, die
der Jurist hâufig, wo nicht taglich einzusehen hatte, eine Benutzung,
die in der That so stark und so yerbreitet war, dass der Hermo-
genianus, wie wir beilauiig erfahren^), nicht weniger als drei Auf-
lagen in einem Zeitraum von doch wohl hôchstens funfzig Jahren*)
eifuhr: dies ergâbe einen Yerbrauch yon etwa dreitausend Exem-
plaren. Es lag somit im Zweck dieser Rechtsbûcher, dass sie erstlich
xnôglichst dauerhaft, zweitens aber auch durch niedrigen Kaufpreis
for jeden môglichst zugânglich waren. Eben dazu aber hat die hier
zuerst getroffene Wahl der bisher buchhândlerisch nicht anerkannten,
plebejischen Buchform dienen sollen.
Zur Bestatigung des Gesagten kann uns besonders das Buch-
wesen im Dienst der christlichen Kirche dienen. Die Be-
trachtung dièses christlichen Buchwesens wird zugleich unsere Kennt-
niss yon der Anwendung der Codices fôr jene Uebergangszeiten in
fiberraschender Weise erweitem. Hieronymus aber ist es, der frucht-
bare Earchenschriftsteller des yierten Jahrhunderts, der uns in dièse
Aeusserlichkeiten des litterarischen Yerkehrs durch seine glûckliche
Plauderlust einen erwûnschten Einblick ermôglicht hat.
Mit jenen yier grossen Codices, die sich nach ihren Autoren
nannten und der juristischen Praxis als Handbiîcher dienten, steht
^) Nach dem Index der Florentina hatte das Werk 20 Bûcher, die Di-
gesten ciiiren es nar bis zum achten.
*) Ueber die Art ihrer Fublikation vgl. Mommsen, Yerh. s&chs. Ges. d,
WiM. 1851 S. 378ff.
') Sednlius op. PaschaL praef. Hermogenianum doctissimum iuris latorem
très edùiones sud operis fecisse,
*) Denn dass die Editionen noch nach dem Erscheinen des Theodosianus
fortgesetxt warden, ist nicht glaublich.
lOg — Das Fergmment. —
die Bibel der christlichen Kirche YoUkommen auf einer Linie.
Auch die SammluDg der canonischen Bûcher alten und neuen Testar
mentes ist von der Kirche aDScheiiiend nie anders als in Codexfoim
ausgegeben worden. Hieronymus yerweist ofbmals auf die Exemplare,
die er seiner Uebersetzung zu Gronde legt und weiter fur seiiie
Commentare benutzt: es sind stets codices latini, codices graed oder
auch hehram codices^), und zwar viele*). So war die Bibel aber
schon lange Tor ihm benutzt worden; denn alte Codices sind es,
die Hicronpnus Torziiglich zu Rathe ziehf). Lukian hatte fur Ckm-
stantinopel, Hesych fur Alexandria Codices der Septuaginta redigiit,
wozu dann die Codices Palaestini hinzukamen, ausgearbeitet tm
Origenes, verbreitet durch Euseb und Pamphilus^). Pamphilus er-
scheint aïs Hauptrerbreiter der damais gûltigsteu Texte *), £useb ab
sein Gehûlfe; der Sinaiticus etwa des funften Jahrbunderts néant
uns als seine Yorlage ein Exemplar eben dièses Pamphilus am Schluss
des Bûches Esther zugleich mit Wiedergabe seiner subscriptio*);
ebenso auch die Pariser Fragmente der Paulinischen Briefe Tom
^) Die nachfolgenden Citate aus Hieronymas folgen grossentheib der
Ausgabe von Martianay; wo der Text ton Yallani nnd Maffey (éd. Benedtei.)
benutzt ist, wird dies besonders bezeichnet. Aaf codices graeci und latim
oder noBtri codices wird s. B. verwiesen Ëpist. ad Minernnm et Alexandmii,
B. IV S. 211 und 220; fur das Neue Testament, Ep. XXV ad Mareellam, IV*
S. 62; praef. in quattuor evangelia, ad Damasum; praef. in libnim Hebraic
quaestionum , II S. 506; praef. altéra in Faralipomenon , I S. 1418; femer
Ep. 20 Vall. 29, 1 Vall. 106, 30 VaU. 119, 7 und 12 Vall. Codices graeci et
hehraei des alten Testamentes z. B. Epist. 104 Vall. (des Augustinus). Die
EinzelbQcber des Codex werden dann nicht nur libri, sondem auch Tolanûiia
genannt, vgl. z. B. sacra volumina in der Altercatio Luciferiani et Orthodoxi,
IV S. 292 Mart.
^) Vgl. Praef. interpreu Judith : multorum codicum varietaiem vitiosimmam
amputavi; Epist. IV ad Florentium, IV* S. 6: quoniam ktrgiente Domino mulA
sacrae bihliothecae codicibus ahundamus.
') Auf veteres codices beruft er sich z. B. praef. in quattuor BTangelia.
*) Hieron. praef. in Paralipomenon ; rgl. praef. in quattuor Erang. ad
Damasum: praetermitto eos codices^ quos a Luciano et Hesgchio Witècupaiot
paucorum hominum asi^erit perversa contentio,
^) Euseb bei Hieron. Apologiae adv. Rufinum I, Bd. IV S. 357.
^) Tiscbendorf, Sinaiticus, Einleitung S. 13, Serapeum 1847 8.6: fié-
— Die Heiligen Schriften im Codez. — 107
Athos'); andere Handschrîften nennen daneben den Euseb*). — Ein
codex legis war es auch, der den Commodian zum Chrîstenthum
bekehrte, wie er im Jahre 249 meldet'). Ja, die griechische Ueber-
âetzuiig der Bûcher Mose existirte schon im ersten Jahrhunderte in
Codices; denn schon Josephus, schon der Aristeasbrief reden hier Yon
twx^» vom ^Pentateuchos***).
Die Bibel, ab Buch des Cultus Gegenstand der Ehrfiircht, musste
mSglichst lange gegen Yerderbung geschûtzt werden. Die Bibel als
tiglich pflichtmâssige Lektûre des Christen musste in ihrer Ans-
stattung starken Gebrauch yertragen. Die Bibel als nothwendiger
Besitz jedes Gemeindegliedes, es sei auch des armsten, musste billig
su haben sein. Das Beispiel des Judenthums, das seine heiligen
Bûcher auch nur auf Leder schrieb, konnte und musste mit ein-
wirken. Die bis hieher betrachteten litterarischen Zeugnisse wurden
uns geradezu anleiten zu der Folgerung, dass die Eirche den canoni-
sirten Schriftenschatz, auf dem ihr Glaube ruhte und der mit den
jQdischen Bûchem des alten Testamentes anhob, Ton vom herein und
princîpiell dem Papyrusbuchwesen entzogen habe, wenn uns nicht
die bildlichen Monumente des damaligen Christenthums, im Gegen-
fiatz hierzu und fur unsere Betrachtung wesentlich ergânzend, yiel-
mehr die Rollenform hâufig und sogar haufiger zu zeigen pflegten*).
fifliy^'^ xtu âioç&ù>^ nçoç Ta (^anla (OQiytyovç vn atmv dtoçS-ûD^fi'a' ay^
tmriroç ofÂoXoyifnjç aynfialiy na/uff&loç dêoçd'taaa ro Tév^oç tv nj (fvkaxtj,
dka T^y rov S-iov nolXtjy xat X^Q^^ *"* nXarvGfAoy.
1) VgL Qardthausen, Qriech. Palftogr. S. 374.
*) Mootfaacoo Pal. graec. S. 40; Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges.III S. 427;
Oardtliaaseii a. a. 0.
S) Commodian, carm. apolog. t. 11: Adgressusgue fui tradita in co-
dke Ugiê.
*) Joseph, adr. Apionem I 8. Aristeas ad Philocratem (éd. M. Schmidt,
Merx' ArchiT f. Erf. d. A. Test. I S. 67): xttd'tàç â* dyéyyoia^ij rà Tivxn'» di«««
Stelle mOehte der ftlteste Beleg f&r rtu^oç in diesem Sinne sein.
^) Nicht Tollkommen sicher ist, ob auch der Tier-, sechs-, siebenfllltige,
krititch darchnotirte Bibeltext des Origenes, die sog. Hexapla, nrsprflnglieh
nnr in Codiees erschieaeo ist. Freilich lagen dem Hieronymus t^ttnloi codices
Tor (Epist. 106 Vall.). Und wenn Easeb. hist. ecd. VI 16 das Werk ein corpus
(amiAÙnoy) nennt, denkt er gewiss an dasselbe. Doch abstrahirt Hieronymus
anderswo (De rir. ill. IV» S. 116) ron dieser Porm, wenn er referirt: QuM
10g — Das Fergament. —
Hochst unwahrscheinlich wâre es in diesen Darstellungen etwa Leder-
rollen nach Art der jûdischen erkennen zu wollen^).
Bibeln môglichst billig herzustellen und fur ibre massenliafte
Ausstreuimg Sorge zu tragen, ist der Zweck unserer heutigen Bibel-
gesellschafteu ; damit ist die erwâhnte, anscheinend tief einwirkende
Thâtigkeit des Pamphilus durchaus yergleichbar, der nicbt scbrift-
stellerte, aber fur Herstellung zablreicher Bibelcodices Sorge tmg,
die er dann unter das Yolk massenhaft zur Yertheilung kommen
liess, so an Mânner wie Frauen'). Auf solche billige, unscheinbare
Exemplare war nicht nur der Mônch angewiesen ; solche hielt sich der
geistliche Beamte gewiss noch in den hoheren Stellungen. Reichere
Leute unter den Christen ûbertrugen allerdings ihre Prunkliebe anch
auf sie ; man wandte purpiurfarbenes Pergament auf, Goldschiift und
kostbare Steine; die geistlichen Autoren aber nehmen Gelegenbeit)
dièse Yerweltlichung herbe zu tadehi'). Solche Prachtbibeln sind
uns in Resten noch erhalten^).
Weiter aber ist es nun sehr begreiflich, dass das Beispiel der
ignorât ... ut , , exceptis aeptuaginta interpretibiu alias quoque ediUoneê m
unum vo lumen congregarit, Aquilae scilicet eqs. Aach die gelegentlich ab-
weichende BenennuDg TèTQaaik*âoy statt TiTÇ€tnka, ebenso oxraaéltâoy, ncynr-
aéhâby wQrden wohl mehr fûr Rollenform sprechen : rgl. C. Fr. Bahrdt, HexapU
Orig. praef. S. IV.
») Vgl. unten S. 122 Note.
^) Hieron. Apolog. adv. Rufinum, IV S. 357.
^) Hieron. Epiât. XVIII ad Ëustochiam IV 2, S. 43, wo besondera die
reichen Frauen aDgekIagt werden: inficiuntur membranae colore purpurea,
aurum liquescit in Utteras^ gemmis codices vestiuMur: et nudus aute foret
earum Ckristus emoriturl Ëpist. 107, 12 Vall. ad Laetam: divines codices omet,
in quibus non auri et pellis Babylonicae vermiculata pictura^ sed ad fidem
placeat emendata et erudita distinctio; vgl. aach Praef. io Job. Chrjsostomos
VIII S. 188 éd. Bened.: on xqvgoIç Ï)^h yçâiu/naaty fyysyça/uiuiyoy. Ueberall
hier iat von der Bibel die Rede.
^) S. das Yerzeichniss bei Wattenbach' S. 109 fiT., anhebend mit dem
Codex argenteus des Ulfilas und dem Wiener Genesiscodex, nicht ûber das
sechste Jahrhundert hinaufreichend. Dazu ist neuerdings der Codex Rossa-
nensis JS hinzugekommen , textiich verwandt bes. mit dem Purparcodex N bd
Tischendorf; seine Miniaturen nebst Facâim. éd. Gebhardt u. Harnack Leips.
1880: auch er ist sicher nicht àlter als das sechste Jahrhundert.
— Der Codex im Gebranch der Qeisdichkeit, der MOnche. — 109
Heiligen Schiift allmâhlich auch die Buchform der Eirchenschrift-
atelier beeinâusste. Freilich war noch die ganze Biblîothek des
Origenes und Pamphilus zu Caesarea, wie wir sahen, Papyrus^). Auf
Papyrus kaufte sich noch Hieronymus den Origenes um theures
6eld*). Allein eben m des Hieronymus Zeit scheint die Buchge-
wohnheit der christlichen Kirche Ton der classischen schon fast
ginzlich losgelôst.
Nehmen wir zuerst die Geistlichen, Tor aUem das Mônchthum.
Das M5ncht;hum war bestimmt, in den barbarischen Zeiten des Mittel-
alters durcb seine Schreibekunst die classische Litteratur fur die
geistîge Renaissance Europa's und fur den Buchdruck zu retten.
Aber scbon in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens war dièse
Schreibekunst sein Besitz, gehorte das Bûcherabschreiben zu den
regelmâssigen Arbeiten, die dem zuruckgezogenen und einformigen
Leben der Mônche den Charakter der Musse und Unthâtigkeit be-
nehmen sollten'). Durch solch eigenhândiges Abschreiben
wurde der Buchkauf umgangen. Durch den Hândefleiss
der Mônche, der die Bibliotheken der Geistlichen be-
schaffte, wurde der antike Buchhandel ignorirt und fur
dièse Kreise aufgehoben.
Nicht nur, dass man sich altère Autoren wie den Tertullian in
Codexform hielt*); auch die Neuedition nahm fur dièse Kreise
nothwendig andere Gestalt an.
Des Hieronymus Sensationsschrift de conservanda virgimtate fand
in betheiUgten Kreisen die grôsste Yerbreitimg: es geschah dies
1) Oben S. 100 f.
*) Hieron. epist. 83 Vall. {IV S. 343 Mari.): Legi, inçuam^ legi Origenem^
ei n in legendo crimen uty fateor. Et nostrvm marsupiwn Alexandrinae
cÂartae evacuarurU. 8% miki creditis^ Origenistes nunquam fui; si non creditis^
mtne esse cessavi,
') 8o besch&ftigte sich auch Hieronymus selbst im Eremas mit Hand-
•rbeity Tor allem mit BQcberabschreiben (rgl. Ebert a. a. 0. S. 179). Bei
CassiAiiiis de eoenobiorum institatis Y 39 ist es ein MOncb ans Italien, der
niehta anderes Nfltxliches rersteht als Abschreiben Ton Bûcbem. Die Pseado-
philonische Schrift De yita contemplatÎTa erw&hnt dièse Th&tigkeit auch ftlr
die Therapenten.
*) Hieron. Epist. Y Yall.
WQ — Das Pergament. —
aber nicht durch Buchhandel, sondem jeder schrieb aie sich sdbrt
ab ^). So nimmt sich Hieronymus Copie von einem Buch des Hila-
rius') iind schâtzt sich glûcklicb, ein Origenesexexnplar Ton der Hand
des Pamphilus zu besitzen'). Hatte man selbst nicht Zeit, so lieu
man die Abschrifb durch seinen librarius ausfûhren^), fiills man sich
solchen hielt*). Aeussert ein Anderer den Wunsch des Autors Werira
zu besitzen, so entleiht sie der Autor zur Abschriffc an die librarii
des Petenten*). Ein Buch, das unter des Pamphilus Namen Yer-
breitung gefunden hatte, war, wie Hieronymus behauptete, yon Rnfin
gefâlscht: das Original stehe in codice Rufini und die Yerbreitoog
sei durch direkte Abschrifb aus diesem Codex geschehen^.
Denn die pugiUares membranei, die herkômmlichen Trâger jeder
priyaten Schreiberei, wurden eben auch zu solchen PriTatcopien
kirchlicher Schriftwerke £ast ausschliesslich in Dienst genommen.
Rufin sendet seine Schrifb gegen Hieronymus seinem Gegner ab
Codex zu"). Des Hieronymus Buch de scriptoribus eeeUsiasUcû ist
als Codex in Augustin's Hânden"). Als besonderer Codex wird des-
^) Rufin bei Hieron. éd. Mari. IV S. 412: quem libeilum omnes pagm
et immici Dei . . certaUm sihi de^cribebant.
>) Hieron. Epist. ad Flor., IV 2, 6.
») Hieron. IV S. 121.
«) Hieron. Epist. ad Flor., IV 2, 6.
^) Hieronymus hat seine eigenen notarii nnd librarii (rgL dessen Praet
ad libr. Salom.); Origenes, selbst lu arm, liess sich sieben notarii and tieben
librarii rom Ambrosius stellen (vgl. Epist. 43 Vall. ad Karcellam).
^) Hier. Ep. 71 Vall. ad Lucinium (nîcbt sicher ecbt): 0pu9cvla mea
quae desiderare te dicisy ad describendum haminibus tuis dedi et deêcnpta
vidi in chartaceis codicibus* Vgl. Ep. 75, 4 ûber denselben Ludnias : opusada
nostra fiagitavit et missis sex notariiê (quia in hoc provincia latim sermonii
Bcriptorum penuria est) describi sibi fecit eqs.
^) Hieron. IV S. 419: sicut ego ostendo me ah his accepisse librum (§€.
Pamphili) ^t de tuo codice transscripserunt^ sic tu doce a quo exempiar acce-
péris, Vgl. Epist. 124 Vall. ûber die OrigenesûbersetEung, die Pammachiot
als irrgl&ubig surQckhieIt: ein Uebelwollender, ^ut acceperat légendes (se Ubras),
adhibitis notariis opus omne descripsit et tnulto celerius quam promiserat codieem
reddidit eqs.
^) Hier. adr. Rufinum III init.: gratis a me missum acc^e codieem,
9) Hier. Epist. 67 Vall.
— Der Codex im Gebrauch der Qeistlichkeit. — X 1 1
selben Uebersetzung der yier Evangelien dem Damasus, wird Rufin^s
Uebersetzung der Origenesschrift neçï açx^y der Nachwelt ûber-
geben^). Auch Optatian scheint sein Lobgedicht auf den Constantin
dem Sjûser im Jahre 329 als Prachtcodex zu ûbersenden^).
In allen diesen Fâllen findet ein Zusenden (mittere) der Werke
statt ohne Beihûlfe des Bibliopolen. Der Autor selbst ist es, der
allein bestimmt, in wessen Hânde Abschriften seines Werkes gelangen
sollen'), er selbst trâgt die Kosten der Herstellung^), scheint ûbrigens
abex auch Exemplare kâuflich abzugeben'). Dass dagegen auch
^) Rufin beschwGrt um Schluss seiner praefatio za diesem Werk die zu-
kflnfUgen Abschreiber: ne guis addat aliquid huic scripturae . . . ., sed conférât
cum exemplaribuê unde scripserit . . . et inemendatum vel non distinctum codi-
eem non haèeat.
>) VgL die Verse:
Ottro tota nitena, argento aoroque oonueii
Seripta notU, pioto limite dicta notan«.
Hieronjmas Chron. ad a. Abr. 2345 nennt das Werk voltmen.
') Dièse wicbtîge Thatsache, die dem antiken Usas widerspricht, iUustrirt
wiedenun Rafin. Rufin's Streitschrift gegen Hieronymus bat weite Verbreitung
in Bom, Italien, den Dalmatischen Insein gefunden. Dies macbt Hieronymus
dem Bafin persOnlich zum Yorworf. Bafin selbst behauptet dagegen entscbul-
digend, er habe Exemplare der Scbrift nar denjenigen zugestellt, die scbon
ohnedem Gegner des Hieronjmas waren. Ygl. Hieron. adr. Ruf. III init. :
Diciê te accusaHonem meam ad eos tantum tnisisse qui meis ver bis laeH /itérant
et non ad plures ..,. Et unde^ oro te, librorum tuorum ad me fama pervenitf
Quiê eoê Rotnae^ guis in ItaUa^ quis per Dalmatiae insidas disaeminavitf
Ausserdem bat Bafin noch durcb Yorlesang fur die Verbreitung gesorgt: Id-
drcone Céréales et Anabasii tui per diversas provincias cucurremnt ut laudes
meoê léger entf ut panegyricum tuum per angulos et plateas ac muliercularum
textrinaê recitarentf
*) Hieronymus bat einige Homilien des Origenes flber das Canticam Can-
tkomm flbersetzt nnd schreibt dazu einleitend: die grOsseren Werke des Ori-
genee seien swar noch bedeutender, er unternebme aber keine Uebersetzung
derselben, weil es ihm sa riel Zeit, zu yiel MQbe und zu riel Geld kosten
wftrde: guia ingentis est otii^ laboris et sumptuuniy tantas res tamque dignum
opuê in kUinum trans/erre sermanem.
*) So sagt Bufin ironisch, Hieronymus wftrde sicb den Codex der Bufi-
nisehen Inrektiren gem um hoben Preis ers tan den baben: guem cenm magno
cuperes comparatum (bei Hieron. IV S. 439); und Hieronymus flber die ge-
iUschte PampbilosBchrifi r&th dem F&lscher Bufin (ebenda S. 447) : in platea
ab ignoto homine te émisse dicito.
112 — ^*" Pergament. —
geistliche Werke nach antiker Weise durch Bibliopolen publiait
wurden, dafur ist des Seyerus Yita S. Martini ^) ein sicheres BeiapieL
Ebenso lâsst sich nicht wegdeuten, dass auch des Hieronymus Com-
mentare wirklich fur Buchrollenform bestimint waren *). Hieronymns,
im Alter auf seine gesammte Scbriftsteilerei zurûckblickend, neimt
sie in bescheidener Wendung chartulas*), Auch sonst setzt er dw
Buchrolle gelegentlich voraus^). Jenes ^Zusenden^, das in der
schlichten Pergamentbuchform der Bibel geschah, wird also hiermeh
lediglich Privatmittheilung des Geistlichen an den Geistlichen
gewesen sein. Und dayon unterscbied sich auch noch damais dis
eigentliche ^Ediren*'*), durch das man sich mittelst Yertrieb des
') Vgl. obeo S. 103.
') Vor Allem: nur so Usst sich erkl&ren, wu Hieronymas sagt ProL
comment. Ezechiel libri Y: Ne librortttn numerus can/undatur et per kmgti
temporum spatia divisarum inter se voluminum ordo vUietur^ praefaJtiuhcuItti
singuUs libris prcuposui: ut ex fronte titulis statim kctor agnoscat qvotiu
siài liber legendus et guae nobis prophetia explananda sit, Ebendafùr spridit
auch Beîne Schrift adv. Pelagianos, die er als ein Buch abgefasst bat; aie iit
erst nachtrSglich in drei BQcher serlegt (unten Kap. IV).
') Hier. Ëpist. 133, 12 Yall. provoco adveraarios ut omnes rétro chartMlat
ex integro discutiant (gemeint sind die diversa apuscula^ die er ab adoleteentia
usque ad hanc aetatem geschrîeben) et si quid . . . vitU repererint , profertmt
in médium. Codices chartacei kamen wohl nicht h&nfig genng in Anwendnng, ali
dass hier an sie gedacht sein kOnnte. Uebrigens sagt auch Angoatin, ali er
ein Werk Tollendet hat, er kOnne es nnr Eusenden, si charta intérim no» de-
fecerit (Aug. Epist. 15, II 19 éd. Maur.).
*) Eine Rolle war der brevis libellus^ welchen Hieronymas dem altea
Nepotianus presbyter auf rieles Bitten geschrieben batte. Uns wird gresehîldert,
wie der Empfllnger darin liest, ûber dem Lesen einschl&ft und wie ^1^*»»
das gelesene Blatt herabf&llt ûber seine Brust: quo (Hbelio se.) stiscepto Croesi
opes , , , se vicisse iactabat. Ulum oculis^ illum manibus^ iihtm «mtc, iilwm are
tenebat. Cumque in stratu fréquenter evolveret, saepe super pectus soporati
dulcis pagina decidebat eqs. (Hier, epist. 60, 11 Vall.). Wenn wir lesen: die
Terstorbene Fabiola kleide sich in die priesterliche Umbûllung eines Bâches
des Hieronymus (ut sacerdotalibus prions ad se tx>luminis induta vestUms . . .
gaudeat, Epist. 77, 7 Vall.), so war auch hier eine Rolle Torgestellt.
^) Vgl. Kap. VII. Augustin bei Hieron. Epist. 144 ValL wagt nidit, seÔM
Traktate EinEelnen zususchicken oder eu ediren : cuiquam debere me tam mùtere
vel edere non videtur; hier scheint edere ron mittere unterschieden.
— Die Fro£uilitteratiir im Codez i. d. zweiten H&lfte des 8. Jhds. — 1X3
Yerlegers an das weite Laîenpublikum wendete. Sonet wurden
die Laien auch durch Yorlesen Yon den Streitschriften in Eenntniss
gesetzt (Tgl. S. 111 N. 3iin.).
Gleichzeitig batte aber auch auf dem nichtcbristlichen Litteratur-
gebiet der Codex nicht unbedeutende Fortschritte gemacht, wenn er
hier auch noch anscheinend weniger fur Neueditionen als fur die
slten, allgelesenen Autoren, wie Cicero oder Homer, in Anwendung
kam. Die Erfindung der Goldschrift und des Purpurpergaments, die
ihin den Charakter des Dûrffcîgen benahm und dem Luxustrieb Tollauf
Genûge tiiat, empfahl ihn auch den Yomehmsten Eoreisen. Gegen
das £nde des dritten Jahrhunderts erhalten wir in die kaiserliche
Hansbibliothek selbst Einblick^) und fin den daselbst neben den
gewôhnlichen h'bri und von ihnen unterschieden auch Codices, und
xwar schon alte Codices Tor, fur deren Emeuerung eine prachtyollere
Ausstattung in Frage kam'). Einen solchen geschmûckten perga-
mentnen Homer sollte der jûngere Maximin als Enabe auf der Schule
^) YgL Acherius, Spicilegium III S. 297 ff. éd. altéra. Es ist dies das
Schreiben eines Bischofs Theonas an einen hohen Hofbeamten Lukian, das fftr
die Terschiedenen christlichen Hofbeamten des nicht christlicben Kaisers Yer-
lialkiiiigsmassregeln giebt. Befremdlicb ist an diesem rerstreut erhaltenen
Schriftatflck (Acherius empfing das Original Ton Pascbasius Quesnel) nicht nor,
dass Absender und Adressât nicht n&her bekannt sind, sondem anch, dass
beî den mancherlei Personalien, die es berûhrt, jede Namennennnng fehlt,
eodass nicht sicher tu errathen ist, welcher Kaiser gemeint sei. Der Editor
rath auf Diocletian, u. sw. Tor seiner Christenrerfolgung (303).
*) Inhalt der Bibliothek sind Dichter, Historiker, Bedner, Philosophen,
Aber auch christliche Bflcher. Ihr sukflnfUger christlicher Yerwalter (denn
noch fehlt ein solcher) soll sich durch gute Yerwaltung ausseichnen: Sciât
ergo iUe libres omnes quos Princeps habuerit; saepe libros revolvat et suo or-
àine per indicem pulchre dispanat; ai vero ruwos velveUres trarucribi curabit,
Mtudeai emendatiêsimos habere librctrios, quod si fieri non potesty viros dodos
ad emendandum disponat illisque pro laboribus iuste satis/aciat. Yon diesen
Ubri^ die geordnet und durch Abschriften rermehrt oder emeuert werden
ioUen, werden sodann die Codices unterschieden. Veteres item codices pro
indigentia resarciri procuret ometque non tantum ad superstitiosos sumptas
quantum ad utile omamentum: itaçue scribi in purpureis membranis et litteris
aureis totos codices, nisi specicUiter Princeps demandaverit, non qfectet, Ebenso
wie die libri reteres, gilt es also auch die codices reteres zu „emeuem^ ; denn
dies und nidit etwa ^ausbessem^ ist mit resarcire gemeint.
Birt, Bnchwssen. 8
114 — ^'^ Fergmmeni. —
benutzt haben^). Gegen Ende desselben dritten Jahrhunderts ordnete
P,orphyrîo8 den Nacblass des Plotin und £and znnachst nSthig, uch
alter Weise die 54 Bûcher (meist Monobibla) ungleichen Umfanges
zu Gruppen bestiminter Rollenzahl (Enneaden) zusaxnmemznordiieD,
ausserdem vertheilte er sie aber noch auf drei (f»[kcitêa, deren entes
aus 27, das zweite aus 18, das letzte aus 9 Rollen bestand. Dûifm
wir tîêùfkâtwy schon hier mit Codex fibersetzen'), so scheint des
Forphyrios doppeltes Yerfahren gerade den Uebergang Ton Rolle
und capsa') zum Codex zu reprâsendren. Ein Homeicodex scheint
auch in der Ausonischen Perioche als Yorlage Toransgesetst^.
Servius, der Commentator Yergii's, lebend um 400*}, bemft sich Ter*
hâltnissmâssig selten auf Handschriften und ihre Yarianten ; wenn er
Yarianten anfuhrt, so hat er die Handschriften nicht selbst Tergiichen;
Yon den Beispielen, die dies erweisen*), weichen nun aber drei
wesentlich ab, in denen er sich auf „alte Codices^ beruft, die et
selbst gesehen zu haben scheint: zu Aen. III 40 vêtus codex „audUits*;
zu YII 568 antiqui codices „horrendus*' ; zu Y 871 m non nuUis anti-
qms codicibus sexti initium est „obvertunt pelage*'. Yergil hat also
damais schon haufig in dieser Form Torgelegen^.
Yiel allgemeiner, ja, anscheinend ganz ausschliesslich sehenwir
*) Jul. Copitolinasy Maxim, c 4: Cmn grammatico daretur^ çuaedam pa-
rens sua lUtros Homericos omnes purpureos dédit, aureis litteris scr^ptoi.
*) Vgl. oben S. 39 Note.
') Vgl. S. 33 ff. flber die ffvrâÇfêç, Fentaden, Dekaden vu a.
^) Wenn es daselbst flber die Ilias heisst: Haec eius species (nimlicb
IJomerum orsum ab iracundia AcMllis ad êepuUuram Hectoris XXIV libroê
contexuiêêe) apparet summatn cutem primi operis intuerUi^ so moss doch cuti»
Ton Fergament gesagt sein.
^} Vgl zuleUt Thilo, praef. sa Serrios (1881) S. LXXI.
^) Serrios sagrt IX 369 ^regis*' dicitur inventum; lY 348: quidam in
novis (!) et emendatis libris . , . ^demeret^ inventum asserunt; III 204:
hi versus circumducti inventi dicuntur; III 157: hic versus variasse dicitur;
II 775: hic versus in plerisque dicitur non fuisse. Dies dicitur fehlt nor
m 153 (m multis non invenitur), III 226 (circumductus est), XI 142 (muita
exemplaria); rgl. Ribbeck, Frolegg. Yerg. S. 189.
^) Der Codex hielt sich riel l&nger als die FapyrusroUe (rgL nnten
Kap. VII); Vergilcodices konnten daher viel leichter f&r „alt" ausgegeben werden,
als Rollen.
— Erste Bibliothek der Profanlitteratur in Codices. — X15
s<dche Exemplare aber bei eioem Mann der £irche wîe Hieronymus
im Grebrauch. £r ist der erste, der uns fur eine ganze Bibliothek
heidnischer Werke in Godices ein Beispiel liefert. Hieronymus, der
belesenste Mann seiner Zeit, verdankte diesen Yorzug seinen Jugend-
stadien, seiner intensiyen Neigung fur die heidnisch-classische Litte-
ratur: er war halb Ghristianus, halb Ciceronianus. Als er Haus und
Famille yerliess, nach Jérusalem zu ziehen, konnte er es nicht lassen,
so erz&hlt er^), seine Bibliothek mitzunehmen, die er sich selbst zu
Rom mit grosser Mûhe angefertigt hatte^). Plautus') befand
sich daronter imd Tuliius. Als ihm aber darauf die strafende Stimme
Christi erscheint und er den Yorwurf vemimmt : Ciceronianus es, non
CknetianuSy da exclamirt der geângstigte Siînder : Domine, si unquam
kabuero codices saeculares, si léger o, te negavi. In jener selbstgefer-
tîglen Bibliothek fehlte also die PapyrusroUe. Auch Rufin redet
dem entsprechend vom codex Ciceronis*), £in christlicher Hymnus,
dem Paulinus zugeschrieben, doch zweifelhafter Echtheit^), hebt an:
Lqx festa sacria Tult litari pagiois.
Remore profanos codices.
Das Ghristenthum war die Religion der Armen gewesen, und
seine Kirche ruhte noch inmier Yomehmlich auf den geringeren
Schichten der Bevôlkerung. Auch da Yomehmheit und Reichthum
sich zu ihr bekannten, hat sie diesen Charakter principiell gewahrt.
Codex imd Piyatabschrift, die der kleine Mann fur sich im ersten
Jahrhundert erfonden, sind besonders gerade Yon den chnstlichen
Kreisen nicht nur adoptirt, sondem auch beibehalten worden. Das
Volk erhielt seine Bibel in dieser Form; der Monch, der Priester,
') Hier. Epiât. 22, 30 Vall.; die En&hlang der Vision wiederholt Rufin
bei Hieron. IV S. 414 und 419 M., wo es heisst: hic est qui Ckristo dixit: te
negaci tt vel habuero gentUium codices.
*) bibUotheca^ quota mihi Romae summo siwUo ac labore con/eceram^
earere omnino non poteram,
*) Die handschrifUiche Variante Piato ist gewiss nnrichtig.
') Bafin adr. Hier., bei Hier. IV S. 416: in ilh ergo libello . . . capita
ùUegra dictota ex codice Ciceronis insentit.
») Bartb Adrersar. XXXIV 1. Migne tom. LXI S. 774. Riese, Anthol.
lat. N. 928.
8*
IIQ — Das Pergament —
der Bischof selbst zog es vor als niytjç Tunaidsvikévoç in ihr seine
Lektûre zu suchen, in ihr weiterhin sogar seine Publikationen Tor-
zunelmien. Das Gluck wollte, dass die bescheidenere Foim zngleieh
die dauemd praktischere war. £s bat einen sachlicben Znsammen-
hang, dass mit der Stârkimg der christlichen Litteratur und mit der
AusbilduDg des Monchthums gerade im yierten Jahrhundert der
Codex so sehr an Boden gewann. Dem Gedankentrâger der Tor-
cbristlicben Jahrtausende, der Papyrusrolle, wurde so die Zukunfl
fur immer entzogen.
Charakteristisch fur die Yerânderung, die in Buchwesen lud
-terminologie Yor sich gegangen war, ist beilâufig die yerscbiedene
Art, gewisse Textstellen wie beim Jesaias Vlil 1 griecbisch wieder-
zugeben. Die Worte des Herm an den Jesaias sind hier: hifiê
(fsaVTÛ TÔfjkOP xa^vov fA€ydXov xaP ygâipop etç avtày yQatfiâi
av&Qùimtv, So, rofAOV, schrieben die Septuaginta; Theodotion setzte
dafur âKp&éQiûfAa ein, was auch die Rolle aus Leder bezeichnen
kann, Symmachus hingegen Tsixoç^)» Und abermals im Psahn 39, 8
gaben die Septuaginta iv xstpaXid^ fit^Xiov, Andere lasen ^i' tôftn,
noch Aquila iv sll^fMxu nm die Mitte des zweiten Jahrhunderts,
Symmachus aber setzte ein: iv %A xstyjiuBi toi OQKfftov (fov.
Der Bibelcodex, weil eine Série Yon Buchrollen in ihm Anfnahme
fand, wurde bildlich auch ^Bibliothek*' ') genannt; ganz ebenso hiess
nun auch der Codex, weil er die zusammengehorigen RoUen eines
armarium zusammenfasste, bildlich Tsixoç*)» Dièse Tsvxfj wareii
oftmals geringen Umfangs wie die Yorhin aufgefuhrten des Rufin,
Hieronymus imd Optatian. Dasjenige des Pamphilus, dessen Sub-
scriptio wir noch im Sinaiticus besitzen, umfasste nur die sieben
Biicher Yon denen der Konige ab bis zum Buch Esther^). Yon
^) Aquila Bchrieb xsfakiâa /uiyaktjy nach Psalm 39, 8.
^) So suerst Hieron. ep. 5 Vall., ygl. die ûbrigen Nachweise bel Watten-
bach a. a. 0. S. 125 fiP.
') Ygl. oben S. 93. Hesych nv/oç' fitfikiov, Moeris S. 371: nvxoç n
àyytlov, t6 âè fiifiUov Xtyovaty "Ekkfjyiç.
^) Ygl. oben S. 106. Wieviel in den Bibelcodices enihalten war, die
Hieronymus benutzte, sehe ich nirgend angedeutet. Er sagt einmal adv. Hel-
vidium, lY^ S. 141: wenn Helyidius den ûbrigen Inhalt der neutestamentlicben
— Qeringer Inhalt yieler Codioes. — WJ
Gregor dem Grossen erfahren wir, dass er seine Moralîa zugleicb auf
35 Bûcher und auf 6 Codices disponirte^): ebenso scheint es schon
des Theodosius Zeitgenosse Cyrill gemacht zu haben, dessen 20 TOfjkOi
gegen Julian auf yier Codices (fitfiUa) zu je fuuf t6(mi vertheilt
waren'); die TUtyrodarr^ Unoçia des Phavorinus in 24 Bûchem ver-
theilte man auf vier Codices zu je sechsen'). Das tsvxoç ist hier
also als Theil des .Gesammtwerkes genau an die Stelle jener (Wy~
TttYlkccta Yon ebenmassiger Rollenzahl getreten, in die frûher ein
Werk zerfallen war*) und die im àrmarium raumliche Einheit ge-
fiinden hatten.
Finden wir nun die funf Bûcher Mose^s als ^Pentateuchos^ be-
zeichnet'), so ist es unumganglich anzunehmen, dass jedes dieser
Bûcher in einem besondereu Codex zu stehen pflegte, so wie Sophro-
nius auch jedes der Eyangelien als ein besonderes rct^oç rechnet*).
Und nicht anders sind die analogen Namen, wie Octateuchos'') und
Heptateuchos ^) ihrem Ursprunge nach zu erklâren").
Codices tHr nnecht halte, so wUrde sich in dem Codex des Echten, an den er
noeh glanbe, doch wenigstens das Johanneserangelium befinden: ac ne fùrte
de exemplarwrum verikUe causeris^ çma Hbi staltissime persuasisH graecos
codicts esse fakatos^ ad Johcmnis evangelium provoco . . . certe hoc in tuo co-
dice conHnetur, Dass indess das ganse neue Testament hier einen Codez
bOdet, ist nicht nothwendig zu folgern.
^) Vgl. dessen Brief an Leander, Bischof von Seyilla. Ebert a. a. O.
S. 623.
^ Vgl. hierûber Neumann, Juliani libr. contra christianos S. 38 £r., wo
diase in der Ueberlieferung vorliegende and schon im Jahr 680 erw&hnte Ver-
theilang mit Wahrscheinlichkeit auf den Autor selbst znrflckgefûhrt wird.
*) Vgl. Marressy de Favorino Arelatensi Uetrecht 1853. Nietssche, Rhein.
Mus. XXni 649 f.
«) Vgl. oben S. 34 f.
^) Der Name 17 mymnvxoç (erg&nze ffvyyçatf^if) saerst bei Josephos; TgL
Origenes in Joann. Tom. XIII c. 26; Tertnllian adr. Marc. I 10; hemach
bei Hieronymns a. a.
^ Sophron. de quattnor Evangelistis : ayayyohç yàq Mard-aiov Môçxov
xai ^ov2câ rà Tiv/fj.
^) 'OcTttt^ç iy TJ intyQaffo/Ltiyfi ôxnvTCt;/^ bei Euseb. praep. ev. I fin.
«) Sidonius Apoliin. Epist. V 15. Vgl. Wattenbach a. a. 0. S. 126.
*) VgL oben S. 43 das Qber ftoyôfitfiXoç, nêyiâfitfiXoç Gesagte.
11g — Dfts Pergament. —
£in Codez minimalen Umfanges ist beispielsweise auch fur den
Epigrammaton liber des Afrikaners Luxorius (Anfang des 6. Jaluv
hunderts) vorauszusetzen, der als ein parvus Ubellus etwa 700 Zeilen
h<, aber selbstandig und nicht als Theil einer Sammelhandscbiift
in die Hâuser der nobiles und zu den scrinia publiea fori ponq>oti
wandert, wenn man hier nicht noch an eine Rolle denken wiU; zu-
gleich lemen wir auch den Yerleger des Luxorius kennen, der die
Publikation besorgt^). Auch konnen wir fur dièse spâten Jahrhim-
derte dasselbe constatiren, was in der classischen Zeit nicht selten
Yorkam, dass grôssere Werke nicht sogleich als Ganzes, sonden
stûckweise in kleinen Theilen in das Publikum ausgegeben wurden;
auch hier ist es sehr zweifelhaft, ob noch an Rollenform gedacht
werden darf*).
Ueberblicken wir endlich die âltesten Pergamenthandschriften,
die uns erhalten sind, so dienen sie dem bisher Ausgefuhrten TolUaf
zur Bestâtigung. Es giebt unter ihnen nach der Schâtzung der be-
sonnensten und kundigsten Urtheiler nicht eine, die sich mit einiger
1) Luxorius in Riese's Anth. lat N. 289. Die Edition des BOeblmiis
geht 80 Tor sich: der Dichter stellt seine Gedichtcfaen in ein Buch EnsammeB
( Versus ex variis locis deductos in parvum Ubi conditos Ubellum N. 287 r. 6 C),
schickt sie so an seinen Freund Faustus; Fmustus soll ûber den Werth est-
scheiden, und entweder einzelne auswfthlen und gesondert nur an die n&heren
Bekannten rertheilen (si libehit, Discretos titulis, quibus tenenhtr^ Per nattri
similes dato sodales); gelangt das Buch dagegen in die Il&nde der Gelehrten
und Vornehmen, d. h. ofTenbar, wird es fôrmlich edirt, so soll Faustus dafftr
die Verantwortung mittragen und als Socius mit auf dem Titel stehen (it
doctiloquis nimisgue magnis Ilaec tu credideris viris legenda^ Culpae nos socm
notabit index : Tarn te^ talia qui bonis recenses, Quam me eqs.). Offenbar war
Faustus der Yerleger.
') Dies gilt Ton den 22 BQchern der Civitas dei, deren drei erste zuerst
allein Ton Augustin edirt und Ton Vielen gelesen wurden (Tgl. Augustin. Gt.
dei V 26: très priores eu m edidissem et in multorum moaiib^is esse coepissent)*
So erschienen die Tierundswanzig Collaiiones patrwn des Cassianus nach eio-
ander zu drei Abtheilungen, und das Vorwort der zweiten Terspricht die dritte
erst als zukQnfUg {emittenda; Tgl. Ëbert a. a. G. I S. 336). Die neun Bûcher
der Briefe des ApoUinaris Sidonius erschienen ebenso, zun&chst die drei ersten,
hernach die folgenden zum Theil einzeln (Tgl. TeufFel RCm. Litter. Gesch.
§ 460, 6). Von den drei Bûchern des Dracontius De deo existirte das erste
(tou y. 116 ab) auch séparât publicirt (Tgl. Ebert a. a. 0. S. 375).
— Die àltesten erhaltenen Codices. — 1X9
Sicherheit fruher ab in das vierte Jahrhundert setzen liesse. Fur keine
Pergamentbandschrifk lâsst sich Niederschrift im dritten^), dagegen
sof^eich fur eine ganze Reihe Niederschrift im vierten erweisen.
Daas dies Zufall sei, ist nicht denkbar. Die Bibliotheken der
Kl ô 8 ter sind es, von denen wir dièse Handschriften empfaagen,
imd eben die Z«it der Ausbildung des Elosterwesens und Mônch-
ihiims bildet die Grenzmarke, von der ab dies Pergamentbuchwesen
eigentlich anhebt Nicht fruher sind die lateinischen Bibeln^), nicht
frûher die griechischen *) geschrieben, nicht fruher die Ambrosianische,
die sjrrÎBche Ilias^), der Ciceropalimpsest De repubUca'), spâter noch
der Bembinus des Terenz^), der Graius in Yerona^, der Plautus in
Ifailand*), der Dioscorides in Wien*), die âltesten Liviushandschriften
in Wien und Paris"), der Mediceus Vergil's"), die Tabula paschalis
') Cicero's Verrinen im Cod. rescriptus Vaiicanus Regin. 2077 sind am
der Orthographie willen wohl keinesfalls Tor dem 3. Jhd. gescfarieben, ob Tor
dem TÎerten, ist durcfaaus ungewiss. Ebenso unsicher ist die Aniiahme, dass
die Behedae Vatieanae und Berolinenses des Verg^ frtlher als Constantin fallen,
T^ O. Ribbeck Prolegom. Yerg. S. 233; Zangemeister u. Wattenbach, Exempla
eodd. latt. litteris maiosculis ser. (1876), enarratio tabb. Dasselbe muss gelten
Ton den Schedae antiquissimae des Sallust (Jordan Herm. Y 402) und Jurenal
(Vatic 5760).
') Codez Capitoli S. Eusebii Yercellensis, 4. Jhd., nach der Tradition ron
der Haod des Easeb. Ëtwas sp&ter Weingartenis und Curiensis (éd. E« Ranke,
Harbg. 1872, Wien 1868 u. 1874) und Fuldensis (éd. Ranke, Marbg. 1860).
') Sinaitieusy nach Tischendorf 4. Jhd., nach anderen 6. oder 5. Jhd.
(am 400 Gardthaasen 8. 149); gleiohen Alters der Yaticanus. Alezandrinus
5. Jhd. a. sieben andere Uncialhdschrr., nach Tischendorf' s Ansatz. In's 6. Jhd.
fiUlt der Codez Rossanensis éd. Gebhardt und Hamack Lpz. 1880.
^) Iliadis fragmenta antiquissima cum picturis, éd. Angelo Maio^ Mailand
1819. Fragments of the lliad from a Syriac palimpsest, éd. W. Cureton 1851.
YgL Hofimann, das 21. und 22. Buch der llias S. 4.
^) Yatic 5757, 4. Jhd. (Zangemeister).
^ Yatic. 3226, 4.^5. Jhd. (Umpfenbach).
^ Yeron. 13, 5. Jhd. (Studemund).
«) 4.-5. Jhd. (RiUchl).
*) um 500 (Gardthausen).
^^ ans dem 6. Jhd. (Zangemeister).
'') Der Codez des Macharius wurde 494 Tom Asterius rerbessert; der
Mediceus hat eine Abschrift der Subskription des Asterius (vgl. 0. Jahn, Ber.
120 — ï^*» Pergament. —
in Berlin^}. Nicht vor 400 beginnen auch die datirten syrischen
Handschnften im British Musetim').
Es ist abzuwarten, ob sich fur die Reste Ton Membranbûchern,
die sich im Fayyûm aus den Trûmmem Yon Erokodilopolia gefunden
haben'), ein erheblich altères Datum erweisen lassen wird; dne
Blatthâlfte feinen Pergaments, tragend ein Bruchstûck ans des Euii-
pides MeXavinmi âscffHùnç, wird Ton Graux ^auf das vierte Jahr-
hundert oder eine noch firiihere Zeit^ taxirt^).
Aber auch die erhaltenen Godices chartacei weisen nicht mit
Sicherheit in altère Zeiten hinauf, wie denn die berûhmten fragmoita
Pommersfeldensia der Digesten sicher nicht Tor 533 âdlen*). In da»
vierte Jahrhundert gehôrt eine Hilariushandschrift zu Wien*). Dass
der âgyptische chartaceus in Unciale mit chemischen Recepten ilter
sei, ist nicht gewiss^, dasselbe gilt von den gehefteten Papyms-
blâttem, die Harris gefunden*). Andere sind betrâchtlich spiter*).
B&chs. Ges. d. Wiss. 1851 S. 348. Ribbeck a« a. O. S. 222), k&nn alao sehwer-
lich aller als aie sein. Auch Bomanus und Vaiicanas Palatinas des VergQ
fallen schwerlich fîrûher (Ribbeck).
^) Verfasst 447, etwa gleichzeitig gesehrieben (Mommsen).
^ Vgl. Wright, CaUlogae of the ftjrriao mss. of the Br. Mas. III 8. 12S6:
die alteate aas dem Jahre 411 oder 412, in Edessa geschrieben.
') Fundbericht in Jahrbb. der Kgl. preoss. Kunstsammlangen I 1880
S. XXX f. ; TgL Sachau, Ztachr. f. agypt Sprache 1878 S. 1 14 ; Blasa, ebenda 1880, 34.
«) Vgl. Blasa, Rbein. Mua. XXXV 290. — Die Reste emer mehrbQche-
rigen juriatischen Schrift De iudiciis datirt Mommaen in das 6. Jhd. (AbhdL
d. Berl. Akad. 1879 S. 501); ygl. fibrigens Krflger, ZUchr. der Sarigny-Stiftiuig
I S. 93 and Monataber. d. Akad. 1880, 19. April; Haachke, Die jOngst gef.
Bruchatûcke r5m. Jariaten, Lpz. 1880.
^) Dig. éd. Mommsen tom. II Tafel 1—10; praef. 8. XXXX: „certe hoc
effugerant ut propter rationes palaeographicas nescio qaas antiquiores saeeulo
sexto iudicarentur'^.
«) Vindob. 2160.
^ ReuTons, Lettres à M. Letronne S. 65 nahm 3. — 4. Jbd. an, wog^^a
Gardthausen S. 164 Zweifel &uasert.
^ Journal of Claaaieal and aacred philology 1854 S. 264. Anf der einen
Blattaeite atehen Stûcke der Iliaa, auf der anderen Tçwpiûyoç ré^yti yçafifio»
TMi); dieae opiathographiache Vertheilung acheint lu rerrathen, dass dies Heii
aus einer RoUe hervorging.
') So die beiden Genfer Codices chartacei des 6. Jhds (Etudes paléo-
— FreqaeniTerh<niss Ton Rolle und Codex im 4. u. 5. Jhd. — 121
Von den Papyrusrollen des vierten und fûnften Jahr-
hnnderts dagegen, die damais doch noch, im christlichen
nnd nîchtchristlichen Publikum, die gûltigeren Trâger
litterarischer Werke gewesen zu sein scheinen, bat uns
die Tradition der Elosterbibliotheken neben den Codices
kein einziges Exemplar erhalten.
Denn mindestens ebenso gûltige Trager waren die Rollen gewiss
aach damais nocb. Es wâre scbwer und gewagt, fur dièse wicbtige
Uebergangszeit des vierten und fûnften Jahrhunderts durch Scbâtzung
nach den bis hieher gesanmielten Merkmalen das Yerhâltniss der
Hmifigkeit von RolJe und Codex im Durchschnitt zu bestimmen.
Yielleicht indess darf uns eine cbarakteristische Stelle bei einem
Zeitgenossen fur solche Scbâtzung Anleitung geben. Ich meine den
Martianus Capella, Yertreter der damalig profanen und Nachkonmien
der classischen Litteratur. Zu den bizarren und absurden, ûbrigens
aber nicht neuen^) Erfindungen seiner Hochzeit der Pbilologie und des
Mercur gehôrt auch die, dass die Braut nicbt eber in den Himmel
der Unsterblichkeit erhoben werden kann, bevor sie nicbt durcb
Yomition die ganze Litteratur von sicb gegeben bat. Die so erzeugte
Litteratur, in der sicb dann die sieben Artes und Discipiinae tbeilen,
tritt nun nothwendig in Gestalt von Bûcbem in Erscbeinung. Fur
den Yerdacht, dass der ûbergelehrte Autor hier selbst bei der Auf-
zâhlung der Bucbformen archaisire, fehit in diesem Fall ein bin-
linglicbes Indiz; auch steht seine DarstelJung mit unseren sonstigen
Kenntnissen nicht in Widerstreit (S. 101 ff.). Die Litteratur steUt sich
hier aber noch in erster Linie in PapyrusroUen dar; daneben erscheinen
zweitens Schriften in Leinenrollen; drittens auch viele Codices aus
Schafaleder; yiertens endlich sebr wenige Bûcher auf Lindenbast
(II 136): cemere erat qui Uhri quantaque volumina qaot Unguarum
opéra ex are virgmis diffluébanti alia ex papyro qtiae cedro perlita
graphiqaea et historiques sur des pap. du VI m« siècle, Genève et Baie, 1866).
Ib das 7. Jhd. gehOrt St. Gallensis 226 (Scherrer, Verzeichniss S. 81). Hierher
geh6rt auch der Mail&nder Josephos auf Charta.
') Aelian ers&hlt, der Maler Galaton habe den Homer Tomirend darge-
iteUt und die ûbrigen Dichter rà IfÂtjfAtCfÂéya sich aneignend, so wie es bei
Kartianns die Artes und Discipiinae thun.
122 "— ^»» Pergament —
fuerat videbantur, alia carh<mnU volumnilms impliccOi Ubri, ex oviUii
rmdti qtwqtie tergoribus, rari vero in philyrae cortice subnotati.
Und die gleichzeitigen bildlichen Monumente, Yor aUen die
christlichen, die als Attribut einzelner Personen oder auch nur aïs
Omament nicht selten Bûcher zeigen, sind geeignet dieselbe An-
schauuDg zu befestigen. Die Rollenform wiegt auch hier noch Tor,
der Codex aber ist daneben schon sehr hâufig ihr Yertreter^).
^) Der Gûte des Herrn Prof. Heinrici rerdanke ich den Hinweia aaf die
folgenden Beispiele. Christliche Sarkophagkunst (blflbend om die Mitte dis
▼ierten Jahrhunderts; rgl. Kraus, Roma sotterranea, S. 350'): Sarkophag» im
Museo christiaoo im Lateran, collection of M. J. H. Parker N. 2900: Ckristas
mit geschlossener Belle; eine sweite Figur, unter einem Baum sitsend, mit
oifener RoUe. Viele Sarkophage wie Coll. Parker N. 2931, 2921, 2923 seigen
Christus mit der geschlossenen Rolle, die sein Charakteristicum ist; wieder-
kohrend z. B. zweimal auf dem Sarkophag aus S. Paolo fuori le mura (TgL
Schultze, Arch&ol. Stud. ûber altehristl. Mon. 1880 S. 145). — Freaken der
Katakomben: besonders ait die sitzende Figur mit weit aufgeroUter BoUe in
d. Sakramentskapelle v. S. Callisto (um 230). Se auch bei Garmcci, storia
délia arte cbristiana Vol. II Tfl. 81: ftltestes Madonnenbild : daia Mann mît
RoUe (1. Jhd. nach de Rossi). — Tfl. 83, 1: Christus mit offener BoUe, iwei
jQnger mit geschlossenen. — Tfl. 21: Figur mit Belle. — Tfl. 32: Christus
mit halbofTener BoUe. — Tfl. 100: Paulus und Laurentius mit BoUen. —
Tfl. 87, 2 u. 3: Heilige mit Bollen (sp&t). — Bei den Bildem mit Codices ist
nicht immer sicher, ob ein Litteraturbuch (Erangelium) oder ein blesser Co-
dicill gemeint ist. Den Uebergang zeigen solche Bilder, wo beide Buchformea
nebeneinander vorkommen; so Tf. 105 A: eine Figur mît Belle, eine andere
mit offenem Codex (Cimitero dette di S. Severo, nach Eraus iwischen 312 und
410, eine der jQngsten Katakomben); Tfl. 82: drei Mânner mît codicilli, Tom
ein pluteus mît Rollen (Katak. des Hermès, 4. Jhd., zweite H&lfte); Tfl 67:
Christus mit aufgeschlagenem Codex, zweî plutei mît Rollen daneben (Katak.
der Agnes, jung). — Endiich Codices finden sich: Tfl. 105: die vier Eran-
gelîen als vier Codices (Cimitero dî S. Gaudioso, jedenfalls sehr jung); Tfl. 102:
zweî oflene Codices (Katak. in Neapelj; Tfl. 99, 2: zwei offene Codices, mit
BAndem (Neapel); Tfl. 89, 3: Laurentius mît ofFenem Codicill; Tfl. 58, 1:
Christus mit oflenem Evangeliencodex (sehrspAt); Tfl. 85: Christus mit Pracht-
codex (Cimitero dî Generosa in Rom; sp&t); Tfl. 84: Johannes mit Codex. —
Auf Gef^lssen sehen irir die Relie noch hàufig (Garrucci III Tfl. 168, 176, 178,
179, 182, 183, 184, 187, 189 u. s. w.). Gehen wir hinab bis zum Jahr 600, so
zeigt der Codex Amiatinus fast nur Codices (Garrucci III Tfl. 126, 127; nnr
ein Engel huit ein Rôllchen) ; der noch sp&tere Syriacus dagegen noch h&ufiger
— Vermerke der Teztesreeensionen im Rollenbaehwesen. — 123
Die Bemûhungen mn sorgfôltige Tradition der classischen Texte
aerten in Rom bis in die letzten Zeiten des Alterthums fort. Die
ibskriptionen unserer Handschrifben mit ihrem îegi, distinxi, emen-
wi legen dayon beredtes Zeugniss ab^). Die Mânner, welche sich
«sen annahmen, standen der Greistiichkeit feme; es waren oftmals
inner sehr angesehener weltlicher Stellung (rangirt doch Theodo-
08 U unter ihnen, Kaiser und xaXhyQcifpoç zugleich), die sich noch
9 direkte Erben und Fortsetzer des alten Rom fûhlten und zum
lell wie die Nicomachi') dem Christentbum feindselig gegenûber-
inden. Es frâgt sich, wie ait die Sitte dieser Subskriptionen und
} 8Îe erst innerhalb des Codexbucbwesens aufgekommen ist, so wie
sterius (Consul 494) am Ende der Bucolica YergiPs allerdings sagt:
ji et distincxi codicem fratris Macharn und wie Renatus sein relegi
einem Codex des Boethius unter die Buchschlûsse setzte.
Die Sitte dieser Subskriptionen lâsst sich bis in die erste Hâlfte
» sechsten Jahrhunderts hinab verfolgen*), andererseits ist sie aber
hon fur das erste oder doch fur das zweite Jahrhundert nach-
eisbar. Statilius Maximus, unzweifelhaft ein Gramatiker aus so
QJier Zeit (Charis. S. 171 f.) ist es, von dem schon fur die zweite
icerorede De lege agraria die Unterschrift vorliegt*) : Statilitis Maximus
r$u8 emendatn ad Tyronem et Laetatianum et Dorh, et alios veteres.
9 Bolle (Tfl. 129, bes. 131, 132, 133, 134, 135), daneben auch Codex oder
idicîll (135; 136; 137; 139, 2), der Vaticanus giebt wieder durchg&ngig
oase geschmûckte Codicea (Tfl. 144 — 152), nur Tfl. 143 wird oine grosse, mît
ind Eagebundene RoUe ans dem Himmel gereicht. — Sp&t sind auch die
Maiken (Garrucci Bd. IV, Tfl. 211 nach dem vierten Jhd.; Tfl. 207 achtes
id.); hier sind besonders intéressant die sechszehn Figuren Tfl. 246; elf
.ben BoUen, f&nf Codices; ebenso Tfl. 247. Die Tier Erangelien erscheinen
I Tier Bollen Tfl. 254, 2; Tfl. 257 liegt das Erangelium als RoUe auf einem
isten; Rollen zeigen hier noch z. B. Tfl. 214; 230; 231 ; 234; 240; 241; 207;
igegen Codices und Codicille Tfl. 210; 211; 220, 3; 222, 3; 223; 228; 233;
^ tu s. w. — Dasselbe Schwanken zeigen die Votera Monum. Ciampini's.
^) Ueber Subskriptionen rgl. O. Jahn, Sitzungsbor. d. sftchs. Ges. 1851
S27. Haase, De latifwrum codicum mbscriptionibus^ Ind. schol. Breslau
(GO— 61. Reifferseid, Ind. schol. Breslau 1872—73.
>) Vgl. Jahn a. a. O. S. 336.
*) Jahn a. a. O. S. 360.
«) Jahn S. 329.
124 — ^^ Perganeat. —
Also hat dièse Sitte schon djunals, als die Papyrusrolle noch ans-
schliesslich herrschte, bestanden. Und es ist in hohem Grade wahr-
scheinlich. dass sîe damais schon sehr yerbreitet war. Statilius nennt
hier als seine Vorlage Yor allem den Tiro, den ersten Cicerœdîtor,
in derselben Weise, wie z. B. Nicomachus Dexter fur den LiTios
auf eine Vorlage parentis met CîemerUiani yerweist. Worans entnaluD
Statilius nun, dass jenes Cicerobuchy das er benatzte, gerade yom
Tiro recensirt war? Es ist doch nothwendig, dass das Buch als
Tironisch selbst irgendwie iusserlich bezeichnet war. Eine solehe
Bezeichnung konnte aber nur entweder auf seinem Titel stehen oder
bescheidener im Innem der Rolle am Buchschluss. Auch Tiro râd
also schon sein emendari an dieser Stelle subskribirt haben. Wenn
es eine Vergil-, eine Lukrezausgabe des Probus gab, so waren auch
dièse als solehe unmôglich zu erkennen, es sei denn durch ihre
Unterschriften. Wenn ein Harpocration auf die àvmuayà àyd^Qatfa
griechischer Prosaiker yerweist, so waren die betreffenden RoUeD
wiederum nothwendig selbst als anuuarâ gezeichnet'). Yielleicht
ist auch die Unterschrift am Schluss einer Herculanensischen Rolle
IloCêidâv avTOç toi Bixwvoç âhnlich gemeint; wahrscheinlicher wird
man sie indess nur auf den Schreiber deuten, der dièse eine Copie
gefertigt hatte*)
Dièse Sub^criptionen finden sich nun nicht blos am Schluss
eines Werkes, sondem pflegen hinter jedem Einzelbuche wiederholt
zu werden, ein Yerfahreu, das innerhalb des Codex gar keinen Sinn
hatte. AUerdings aber hatte es Sinn bei der RoUenfonn. Hier war
es nothig gewesen, jedes einzelne Buch mit dem Abzeichen der
Recension besonders zu yersehen, und dieser Usus hat sich hemach
nur mechanisch auf die Codices ûbertragen.
Ohne Zweifel yerband sich mit der Cicerorede des Statilius eine
Yollstândige Edition zu yielen Exemplaren in der Art, wie etwa
gleichzeitig mit ihm auch Fronto eine Ciceroausgabe yorbereitet hat*);
1) Der Benennang ^Arttxiavôv \yoTL Atticus) scheint jenes Laetatictmm
(oder Laecatianum^ Jahn S. 329) analog. SoU das etwa Tielmehr Lautiannm
bedeuten ?
2) Vgl. untcn Kap. IV.
3) Fronto ad amicos, S. 190 éd. Nab.
— Vermerke der Teztesrecensioiien. — 125
des StatiliuB Unterschrift wurde aJsdann natûrlich mit vervielfâltigt.
Die Recensionen des yierten Jahrhunderts aber, von denen wir auf
demselben Wege erfahren, dûrfen wir uns woU gleichfalls noch in
der nâmlichen Buchform denken^ so den Martial des Torquatus
Gennadius, den Apuleius des Crispus Salustius, den Persius des
Jumanus Tryfonianus. Die erste Dekade des Livius besorgte niclit
TÎel spâter Yictorianus fur die Symmachi complet, unter Mitwirkung
zweier Nicomachi; die letzteren aber schlossen sich gegenseitig aus,
80 das8 Nicomachus Dexter nur die dritte, vierte und funfte Relie,
Nicomachus Flavianus nur die sechste, siebente und achte emendirte.
Obschon sodann das alte Editionsverfahren aufhôrte, wurde die Sitte
der Subskription doch noch weiterhin und auch im Codex imitirt,
bis das Alterthum zu Ende ging. Es lâsst sich hiemit die Sitte des
Btichometrischen Yermerks vergleichen, welche sich gleichfalls, wie
wir sehen werden, als Schreiberusus aus der classischen Zeit bis zu
Justinian vererbte.
Erst dann gaben die Mânner weltlicher Stellung die Litteratur
endgûltig an die Greistlichen, an die Elôster ab. Hinfort werden nur
noch Einzelabschriften gemacht und man emendirt nîcht mehr in der
alten Weise; jedes Kloster lâsst solche Abschriften nur fur seine
Buchsammlung fertigen. Die Fertiger sind die MÔnche. Daneben
besteht allerdings der Beruf der antiken notarii oder scriptores weiter,
die aber nur auf Bestellung copiren und keinen Handel mit fertigen
Abschriften treiben. Erst aïs nach sechs Jahrhunderten das geistige
Leben sich hob und die Universitâtsgrundungen in Italien und
Frankreich begannen, entstand auch wieder ein Buchhandel in den
Uniyersitatsstadten , wo sich die einzeln arbeitenden stationarti zu
fÔrmlichen Abschreiberschulen zusammenzogen und so unter Contrôle
die Vervielfaltigung nunmehr auch zum Zweck des Yerkaufes be-
trieben '). Es bildete sich wieder ein grôsseres lesendes Laienpubli-
kum; das Bedûrfniss fur Vervielfaltigung wuchs in's Grosse; es
crzeugte endlich die Erfindung des Buchdrucks.
Erst in dem Papiercodex mit Druckschrift^ wie ihn das fiinf-
0 Ygl. A. KirchhofF, Die Handschriftenh&ndler des Mittelalters. 2. Aufl.
Leipz. 1853. 8. 3 ff.
zehnte JahFhund^ er&nd uod wie ilm nocb daa oeonzelmte bei
hat das stets uach Erneuenmg drSngende geistige und litten
Leben, das geiade damais in nngeahnter Fûlle schôpferisch
eioe aogemessene Publik&tionBfbna medergefiuiden , lud Lit
and Bucbverkebr lebt und blûht seitdem in ibr und mit ibiei
nun schon bald ein halbes JabrtauBend, daa ist &st ao lang
dae Rollenbucbweaen seit den Ptoiemaeem bis auf Constanti
Grosseo geblûbt bat.
Wir wûrden den Sieg des Codex ûber dk RoUe beklagen,
er uns ntcbt dies nnser gedrucktes Bacb gegeben hâtte.
DRITTES KAPITEL.
Das Bnch als Trftger der Schriftwerke.
U nsere Er5rterung darf sich nunmehr endgûltig auf die Papynis-
roUe beschrânken, die fur die litterarischen Editionen de8 Alterthums,
deren Erben wir sind, bis tief in das dritte Jahrhundert der alleinige
Trâger gewesen ist.
Wir wenden uns zur Litteratur selbst, die uns in Buch-
theilungen vorliegt Nebmen wir die modernen Drucke zur Hand,
80 ûbersteigt keiner der classiscben Texte in ihnen leicbt den Um-
fang Yon vier Bogen Oktav, ohne seine Einbeitlicbkeit einzubûssen.
Denn wir sehen sie alsdann regehnâssig in Abschnitte bestdmmten
UmfiELDgs zerfallen. In dem einen, sebr bequemen Klein -Oktayband
Yon 38 Bogen der Bekker'schen Ausgabe wird so die Greschichts-
erzahlung Herodot's, die er bequem aufiiinimt, achtmal zu neun Ab-
schnitten unterbrochen. Dièse Abscbnitte fubren den Namen Bucb
nnd Rolle. Die Beobachtung der Terminologie lebrte uns, dass Bach
nnd Rolle identisch und dass jene Abschnitte also als Rollen in der
Hand des antiken Lesers zu denken sind ; am bûndigsten formulirte
uns dies eine ausdrûcklicbe Définition beim Isidor, wonach ein Codex
Yiele Bûcher umfasse, das Einzelbuch aber der Inhalt einer Rolle sei
(oben S. 44). Die erhaltenen Herculanensischen Rollen bestâtigen
dies YoUstandig, sofern sie in ihren Subskriptionen als Bûcher
betitelt und numerirt sind; dasselbe illustriren auch die in figyp-
tischen Grâbem gefundenen. So complète Rollen fireilich wie die
kleine Evôo^ov réx^fj Yon zwanzig Schriftcolumnen sind eine Selten-
heit. Brandschaden und Yerkohlung hat bci denen Herculaneums
128 — ^^ B"^ *^ Triger der Schriftwerke. —
duTchweg die Anssenseiten oder die BochftofaDge yernichtet^). Ebenso
sind aus den igrptischen Gribem die RoUen in den Besitz eioes
Europiers meist nicht gelmngt, ohne dus sie zuTor, darch XJDglfick
oder aber meistentheils durch die Gewinnsncht und Barbarei ihrer
Finder. zenissen oder zerschnitten worden wâren. Dies Schicksal
hat aoch die besten Stûeke getroffen, Tor allem auch die RoUen der
griechischen Redner und die Homerpapjri: denn nicht nur der Tcm
Harrîs*), welcher mit llias J? t. 311 anhebt nnd das Bnch mit Sub-
skriptioD zu Ende (uhrt, sondem ebenso ist auch der berûhmte
Papyrus yod Elephantine, der Bankesianus, incomplet, anhebend mit
Dias i2 Y. 127 und das Buch gleich&lls mit der ûblichen Subskription
am Schluss zu Ende fuhrend ; Ton ihm sind die ersten yier pagiuae,
aiso ein Fûnftel des Ganzen abgerissen und Yerloren^. Beide Homer-
>) VgL Comparetd, ReUsione sni Pmp. Ercolmneû, 1880 (Reftle Acad.
dei Lincei) S. 12: „noii abbUmo ottenuto che firammenti più o meno efteti..i
il principio di ogni Tolame, anche intiero, per noi è da eonaiderani cône
perduto." Eins der BOcher der Philodemischen Rhetorik (Pap. N. 1674, VoL
Herc. IP S. 46 ff.) liegt nnr mit 2450 Zeilen Tor anf siebaîg Golomneo, wlli-
rend die Subskription ihm 4200 Verse TÎndidrt; dies beweist (gegen BîtscU
Op. I 8. 101 1), dass auch dieser Papyrus incomplet ist. Vgl. noeh CSomparetd
ebenda S. 1 1 : ^anche perè quoi rolnmi che si trorarono intieri e si presero a
sTolgere come tali, diedero on prodotto frammentoso** ; daher sind die 69 Budi-
titel^ die erhalten sind, s&nmitlich Subskriptionen des E^chatokoU (ebenda 8. 12).
') Athenaeum N. 1141 S. 917 (rgl Arch&ol. Ans. BerL 1849 8. 93), ge-
funden in der Hand einer Mumie su Manfalout: „the man who sold me tbu
papyrus déclares that he has delivered ail that he found ezcept a few broken
pièces which he did not con^ider to be of any money raloe. If this be tme,
I fear that he has thrown away half the book^ (Harris). Es sind 7 Seiten
EU ca. 44 Versen; deren letzte mit tkêaâoç S subskribirt. Verloren sind also
die 7 ersten Seiten, ausserdem als achte die Titelcolnmne. Da seine Gesammt-
lânge jetzt 3 engl. Fuss, so betrug sie ursprûnglich etwas Ober 6 Fuaa.
') Einziger, wenig genûgender Bericht ûber diesen „ codex antiqnas* bt
der Ton Cornewall Lewis gegebene, Philological Mus. I S. 177 f. Das Stfick
wird meist ftïr complet gehalten; dass es incomplet ist, folgt nothwendig au
Zweck und Bedeutung der Buchrolle. Die Untersuchung der BeschafienbMt
der R&nder dièses Papyrus kOnnte auch im besten Falle noch nicht f Q r Com-
pletheit den Beweis liefern; rollkommene Garantie daftïr w&re nnr, wenn er
an Bankes zugleich, dem antiken Buchgebrauch gem&ss, in membranener paenula
und mit dem ciXlv^oç kam, was nicht der Fall ist Zu untersnchen bleibt, ob
— Die meisten erhaltenen BuchroUen unyollst&iidig. — \29
roUen bezeugen aber durch ihre Subskription unzweideutig, dass sie
die Trâger der Rhapsodie $X$adoç 2 und der Rhapsodie iXtadoç Sa
gewesen sind.
Schon eine flûchtige BeobachtuDg lehrt, dass die Papyrusrolle
der Alten nicht unbegrenzt gross sein konnte. In der Théorie liesse
tie sich freilich durch unausgesetztes Ankleben von Einzelblâttem
àm Wegfall durch Abreissen oder Schneiden entstanden ist. Nun ist aber,
laat LewÎB S. 179, gerade die erste der erhaltenen Seiten besonders zerfeUt
and anleâerlich; aie enthftlt n&mlich die 27 ^rersus mutili'' 127—138, 144—157
and 169, wfthrend die acht folgenden Seiten tîoI weniger schadhafte Verse
aofweisen (susammen 35); Lewis selbst bemerkt hiersu: „iniuriae magis ob-
norinm papyri principium erat utpote eztremam voluminis partem conficiens.*'
Dies ist ein deutlicbes Anzeichen, dass die Rolle an der Aussenseite nicbt un-
TerleUt geblieben ist. Das Erhaltene umfasst 16 Columnen zu je ca. 43 Versen;
die fehlenden 126 Anfangsverse fûllten just 3 Columnen zu 42 Versen; ausserdem
ist dann ftlr den Titel poch eine Seite zu berechnen. Hat die Rolle jetzt
ca. 8 engl. Fuss L&nge, so betrug sie also ursprflnglich deren 10. Bei Ge-
legenheît eines Pariser Homerpapyrus giebt Brunet de Presle (Not. et Ërtr.
d. Mon. XVIII S. 120 f.) auch Reste eîner Rolle, die nacbweislich auf der
Eweiten Seite mit den ersten Versen des secbsten Iliasbuches richtig anhob,
deren erstes Blatt ausserdem aber auch noch als Titelblatt erkennbar ist: es
tnig in grfisserer Schrifl den Titel [i/iiAJ]01[Z], Nach dieser Analogie muss
aach ûber das Homerbuch von Ëlepbantine geurtheilt werden. Und nun flQge
n>an die allgemeine £rw&gung hinzu, wie unklug doch im Qrunde der alte
Bochachreiber oder sein Auftraggeber gewesen sein mfisste, wenn er bei An-
fertignng eines Iliasezemplares gerade bei Vers £1 127 auf eine neue Rolle
ûberg^ng, mitten im Satz, mit den Worten: x^^Q^ ^ ê*^^ xatéçs^êy fnoç f
Içot' ix f ovôfdaÇiy, wozu das Subjekt im t. 126 ^ de fiâk* ay^* avroîo
Ma^tCtto norvut fÀij-njQ am Schliiss der anderen BucbroUe gestanden h&tte!
Zirisehen t. 126 und r. 127 h&tte der Homerleser erst die eine Rolle zusammen-
znroUen und die neue zu ôffnen gehabt, Zeit genug um den Zusammenhang
ra Tergessen. Man h&tte denn doch wenigstens mit t. 126 oder aber besser
mît T. 120 anheben soUen! Und nun denke man sich dièse Vertheilung der
Ilias durch gefûhrt: ans Buch Si st&nden alsdann die letzten 678 Verse in
einer Rolle zusanmien: die vorige gleich grosse Rolle fasste also etwa
q' T. 345 — 897 und SI 1^126, die ihr voraufgehende X 181 — 505 und
1' 1 — 344 u. s. f.! Nun halten aber eine Reihe Ton Iliasbûchem ja riel we-
niger als 678 Verse, und die Gesammt-IIias von 15693 Versen wûrde sich nach
dîe«em Princip mit ihren 24 Bûchem auf 23 RoUen zu je 682 Versen vertfaeilt
haben! Warum trennte man Rollenanfang Ton Buchanfang? Es w&re die
flonderbarste Caprice gewesen.
Birt, BncbweMn. 9
130 " ^^ ^^^^ ^ Tr&ger der Sehrifiwerke. —
bis in das Unendliche Terlângert denken und kônnte so auch deo
lângsten Text aufzunehmen im Stande sein. Die Grûnde, wamm
nian gewisse Grenzen setzte, sind naheliegend. Die Rollen, die auf
bildlichen Darstellungen vorkommen, liegen, wofem zusammengerollt,
aile leicht iind nicht lastend in der Hand des Haltenden, von einem
Umfange, d^n die Hand bequem umfasst, wahrend die Hôhe der
Lange des Unterarmes gleichkommt. Aufgerollt betragt die Gesammt-
lange der kleiuen téx^fj Evâô^ov nur zwei Meter (1",96), die voU-
stândige Homerrolle yon Elephantine betrug 3 Meter, eine unYoU-
standige Philodemrolle ^) berechnet sich fur ihren gegenwârtigeo
Bestand auf etwa 6 Meter. Als sonstige Rollenlângen notire ich hier
Berliner Papyrus*) 1,569 Meter
Griech. Pap. des Britisch. Muséum N. Il') . . 1,45 „
Aegj-ptischer Pap. des Vatican*) 2,23 „
do. do. ») 2,41 ^
do. do. •) 3,684 „
do. do. (Fragment)') . 3,88 „
do. do. 8) 4,79 y,
Papyrus von Casati N. P) 5,00 „
Ganz andere Grossen aber geben andere Rollen; so jene âgyptische,
deren Inhalt eine Mârchenerzâhlung, die auf gegen 72 engl. Fass,
d. i. 21 Meter, gescbatzt wird *°). Setzen wir versuchsweise nur etwa
12 Meter als Maximum der classischen Buchrolle an, so greifen w
gewiss nicht zu nicdrig, gewiss aber auch nicht zu hoch : der Durch-
ï) Vol. Ilercul. ÎV S. 46-116.
^ ButtmaDn, Abhdl. der Berl. Akad. 1824 S. 89 f.: fûnf Fum Uoig.
^) ^Depth 12 i., width 4f. 972** ^^ sieben Colomnen.
*) VgL Aeg^. Papp. der Yat. BibL, beschrieben t. A. Mai, Ûbersetxt ▼.
Bachmann, Rahmen III; 10 Palm.
^) Ebenda Rahmen I; 10 P. 97, Z.
S) Ebenda Rahmen II (hieratisch) ; 167, P.
7) Ebenda Rahmen YIII; 17 P. 47, Z.
8) Ebenda Rahmen XIV (hieratisch); 21 P. 57, Z.
^) St. Martin, Joum. d. Savants 1822 S. 555 f.; er ist geschriebeo
113 V. Chr. Lange 167, F.
'^) Von Madame d*Orbiney nach Europa gebracht; Ebers, Âegypten a. d.
Bûcher Mose't», S. 13.
— L&nge der Bûcher. — 131
messer des Cylinderdurchschnitts der Rolle braucht dann nur etwa
9 Centâmeter betragen zu haben und sie war also auch dann noch
sicher und bequem zu halten. Das grossie Papyrusbuch aber, von
dem ich Kenntniss habe, geht noch weit ûber diesen Ansatz hinaus;
es ist der von Harris in Theben gekaufte complète hieratische
Papyrus, dessen Gresammtlânge aufgerollt auf nicht weniger als 144
en^ Fuss angegeben wird, das sind fast 4373 Meter^). Er wûrde
im Stande sein die gesammte Odyssée aufzunehmen^. £in
solcher Umfang war indess in denjenigen Zeiten des Alterthums, von
denen wir reden, augenscheinlich eine Seltenheit.
Bestand non aber wirklich eine Grenze des Moglichen oder des
Ueblichen fur den Rollenumfang, so war dieselbe fur grôssere Werke
nothwendig ein Anlass zur Theilung; in den mittelalterlichen Ab-
schriften aber werden uns dièse Werke eben in der bekannten
Buchtheilung \orgelegt; es wâre danach in der That schwer Tor-
stellbar, dass bel der ersten Edition der Werke von dieser Buch-
theilung die Rollentheilung verschieden gewesen sein, neben ihr
hergegangen sein, sie durchkreuzt haben soUte. Die Bedenken wûrden
sehr gewichtig sein mûssen, die ims hindem kônnten, fur die Zeiten,
welche sich uns im vongen Eapitel abgegrenzt haben, der Anweisung
der Terminologie streng folgend, fiifiXloy und liber durchgângig als
Rolle zu yerstehen mit allen den Consequenzen, die sich hieraus
ergeben.
Nur ein Einwand ist es, der sich dem achtsamen Bewimderer
der alten Litteratur sogleich erheben wird: jene Bûcher, die wlr
lesen, stellen sich uns nicht wirklich als âusserliche Raumeinschnitte
dar: es scheinen Sachtheile zu sein, organisch zusammenwirkende
Glieder eines Ganzen, das Résultat eines Dispositionsvermogens, an
dessen yorbildlicher Yortrefflichkeit sich die ganze nachclassische
Schriftstellerei nachahmend geûbt hat imd weiter ûbt. Sollen wir
uns in unserer Yorstellung dièse Sinnabschnitte so verâusserlichen ?
*) VgL Chabas, Papyrus magique HarrU S. 2. Parthey, ÂbhdL Berl.
Akad. ISeô S. 110. Ebers a. a. O.
*) Auf der Geaammtl&nge 43 m 46 liessen sich 310 Columnen zu je
14 Centimeter Breite schreiben, jede za 40 Zeilen; dies erg&be 12 400 Zeilen:
die Odyisee aber h< deren 12 110. — Mehr L&ngenmasse s. Kap. IX.
9*
232 — ^'^ ^^^^ '^ Tr&ger der Schriftwerke. —
Und konnten sîe wirklich einer so âusserlichen NothiguBg ihre £nt-
stehung verdanken?
Nicht ausreichend, um uns Ton onserer Yoraussetzang abzn-
bringen, îst dieser £inwurf dagegen sehr geeignet, uns das Yerdienst
der Dispositîonskunst der Alten in noch deutlicherem und glanzen-
derem Lichte zu zeigen.
Die Papierfabriken lieferten den Griechen und Rômem nicht
nur, wie die unsrigen, lose Blâtter oder Bôgen, sondem die toII-
standigen Buchrollen selbst^), die also fix und fertig, doch unbe-
schrieben auf den Inhalt harrten, den der Autor fur sie bestimmen
wûrde. Nach dem Maximalumfang der Rollen, wie sie die Fabriken
lieferten, musste sich somit jeder Autor richten, und an denjenigen,
welcher mehr ediren wollte als eine Monographie, trat in dieser
Gestalt der Zwang der Raumtbeilung nothwendig heran. Der Be-
handlung dièses Zwanges war keineswegs jeder i^ gleichem Grade
gewachsen. Jedes Werk, das auch nur einen geringen Ansprucb «if
Yerdienst, den auf Lesbarkeit erheben wollte, musste seinem Léser
den Uebergang von einer Rolle zur anderen moglichst zu erleicbtem
sucben. War eine Rolle zu Ende, so musste sich der Léser nicht
mitten in einem Gegenstand unterbrochen sehen, griff er zu einer
neuen, so musste, um ihn in die Fortsetzung des Gregenstandes eiu-
zufûhren, seinem Gedâchtnisse moglichst wenig zugemuthet sein.
Die Ruhepunkte oder Hôhepunkte der ErzâhluDg, die Ergebnisse der
Erôrtenmg gehôrten nach Môglichkeit an jedes Buchende; die Bûcher
mussten, zu untergeordueten Eiuheiten erhoben, nach Môglichkeit den
Charakter des Insicbgcschlosseneu tragen. Dièse Aufgabe war um
so schwerer, falls, wie sich im Yerlaufe zeigen wird, der Rollen*
umfaog diesseits des ûberhaupt môglichen Maximums nicht, so, wie
es in jedem Fall passte, beliebig klein oder beliebig gross angesetzt
^) Dies ergiebt sich Yor allem aus dem Fabrikalionsberichte des Plinios,
ûber den unten das Kapitel V ausfQhrlich handeln wird. Es sind dies die
libri nondum perscriptif Ûber die &U Gegenstand eines Legates Ulpian redet
(Dig. XXXII 52, 5), neben die er dann die libri scribi coepti, endlich die libri
perscripti nondam malleati vel omati stellt (s. S. 38). Auch Cassiodor redet
80 von leeren volumina (oben S. 103). Dies sind die ckartae regitte novae
libri des Suffenus (S. 69).
— Die Disposition nach Bûchera. — J33
srden konnte. Die Aufgabe war somit speciell dem kûnstlerîschen
erstande des Autors gestellt, und sie bestand darin, worin ûber-
upt das Wesen der Kunst liegt, gegebene âussere Umstânde aus
lem Hindemiss in Zweckdienlichkeit und Yortheil zu verwandeln
id ihrer Zufalligkeit den Gegenstand in der Weise zu accomodiren,
sSy wer das Werk vollendet sieht, den Eindruck des Nothwen-
gen erhâlt
Frontin stellte in seinen drei Bûchem Strategemata Kriegslisten
n Feldherren zusammen: die Beispiele des ersten Bûches sind auf
e Yorbereitung der Schlacht bezûglich, die des zweiten dagegen
f Schlacht und Friedensschluss, die des dritten auf Belagerung;
ese Disposition giebt Frontin selber, und er fingirt dabei sogar,
s Buchtheilung nur um des Sachunterschiedes willen Yorzunehmen:
o magis autem discreta (se. exemplà) ad rerum varietatem apte coUo-
rentur, in très lïbros ea diduximits. in primo erunt exempla quae eqs.
ier war also die Stoffvertheilung noch leichte Arbeit; leicht auch
nss sich dem Plinius fur seine Naturgeschichte das Material gnip-
ct haben: so handelt eine Rolle von der Natur des Menschen (VII),
ne von den Landthieren (VIEI), eine andere von den Fischen,
.eder eine von den Vôgeln, eine vom Ackerbau u. s. f. ; mitunter
iilich, wie bei der Géographie, welche vier Bûcher fiillt (IH — VI),
irde es nothig von diesem einfachen Verfahren abzusehen ; bei den
«i Rollen der medicinae ex animalibus XXVm, XXIX und XXX
ird der Léser durch abschweifende Proômien ausgesôhnt. Besonders
ir Varro ein Meister dieser Dispositionskunst. So zerfielen seine
ntiqwtatea in 25 Bûcher rerum humanarum und in 16 Bûcher rerum
vmarum: erstere theilten sich wieder in vier Hexaden gesonderten
haltes, die letzteren in fûnf Triaden, wozu hier wie dort noch je
a Einleitungsbuch hinzukam: aber auch jedes Einzelbuch dieser
eineren Gruppen hatte wieder seinen abgesonderten Inhalt, und die
» Rollen der res divinae waren also, um ein Beispiel zu geben, nach
Igendem Schéma angefûllt ^) : Erste Trias De haminibus (Buch 1 de
mtificibuSy 2 de auguribus, 3 de quindecim viris), zweite Trias De
m (Buch 4 de saceUis, 5 de sacris aedibuB, 6 de hcis reUgiom)^
^) Aagastinus De cirit. dei VI 4.
134 — ^^^ ^^^ ^ Trftger der Schriftwerke. —
dritte Trias De temporibus (Buch 7 de feriùy 8 de ïudis circengibuê,
9 de scaenicis), vierte Trias De sacris (Buch 10 de consecratiomibui,
\l de sacris privatis, 12 de sacris pttblicis)^ endlicb fânfte Trias De
diie (Buch 13 de dHs certis, 14 incertiSy 15 praecipuis atque seiectis),
Ganz in derselben Weise brachte Yarro auch in seinem Werk de Hngua
latina die einzelnen Bûcher, indem er sie ausserdem symmetrisch zn
Untergruppen zusammenordnete, zu selbstândiger Greltung. Bie ângst-
liche Sorgfalt, mit der Yarro selbst in diesen Bûchem wieder und
wieder auf die Gesammtdisposition hinweist (vgl. Y 1; VI 97; YII 5;
Yn 110; Yin 24), zeigt an, dass die Yerselbstândigung derselben so
gut gelungen war, dass an ibren Zweck als Theile erinnert werden
musste.
Yor allem mussten sicb zu solchem Yerselbstândigen der Bûcher
Schriften systematisch lehrhaften Charakters eignen. Die Enge der
Rolle konnte dann freilich fur gewisse Theile Auslassungen oder eine
grossere Enappheit der Fassung herrorrufen, als sachgemâss scheint
Reichte umgekehrt der Stoff nicht, so halfen Excurse. So zerfallt
die epikureische Lehre beim Lukrez in sechs Eapitel zu sechs
Bûchem, gewiss nicht erst nach der Eintheilung Cicero's, der die
Textesanordnung dieser Bûcher besorgte : das erste distinguirt Materie
und leeren Raum, das zweite zerlegt die Materie in die Atome, das
dritte giebt die materialistische Psychologie, das vierte die Erkennt-
nisslehre, das fûnfte die Eosmologie bis zum Menschen herab, das
letzte fugt eine Besprechung des Naturwidrigen und der mirabilia an.
Scheint dièse Darstellung ôfters aphoristisch, so war dazu vornehm-
lich der Raumzwang Anlass. Yier Theile der Landwirthschait,
Ackerbau, Baumzucht, Yiehzucht, Bienenzucht, gab Yergil in vier
leichten Rollen* gleicher Grosse seinen Rômem zu lesen; mit der
Gallus- oder Orpheusepisode half er in der vierten dem mangelnden
Lehrstoff nach. Glûcklich auch war Cicero, wenn er „ûber die Gôtter**
handelnd die Lehren des Kepos, der Stoa und der Akademie auf
drei Rollen vertheilte, wenn seine drei Rollen „Yom Redner^ die drei
Aufgaben der Yorbereitung des Redners, der Stoff behandlung und
des kûnstlerischen Yortrages unterscheiden; so giebt derselbe Cicero
fur seine funf Tuskulanen ûber die res ad béate vivendum maxime
necessariae gelegentlich selbst die Disposition an, De divin. Il 2 ; es
— Disposition systematiscber, historischer Schriften. — J35
haadeln I de cantemnenda morte, H de tolerando doïore, III de aegri-
tudine îenienda, FV de reUguis anhni perturbationibu8 , V virtuteni se
^ia esse eontentam.
Fût Bolche Sachtheile, wie die besprochenen, war die râuinlicbe
Separirung geradezu ein Yortbeil. Nicht in dernselben Grade kam
die Buchform der rein erzahlenden Schriftstellerei zu gute. Die
Continuitât der Ereignisse, eine Mebrbeit von Endpunkten aus-
8chlie8send, ergab hochstens hie und da Ruhepunkte in der Erzâh-
Jung. Eine solche Vertheilung, wie in der Bibliothek des Diodor,
wo die Gescbichte Aegypten's, die Asien's, die Afrika's, die der Insein
u. s. f. je einer Rolle zufallt, bot sicb nicbt immer und es bat ibre
Ausfubrung dem Diodor nicbt einmal ganz gelingen wollen (ygl.
unten Kap.VI). Dies Princip xarà /époç bezeicbnet er ausdrucklicb
im Yorwort des fiînften Bucbes als dem Epboros entnommen; bei-
spielshalber yerdient bier die tecbniscbe Erwâgung Diodor's zu Anfang
eeînes secbzebnten Bucbes angefûbrt zu werden: er will in diesem
Einzelbucb die Gescbicbte des Pbilippos complet geben und be-
grûndet dies folgendermassen: „es geziemt sicb in allen Gescbicbts-
werken, dass die Yerfasser in den Bûcbern die Aktionen der
Staaten oder der Eônige vollstândig Yon Anfang bis Ende um-
fasaen : denn so wird die Erzâblung fur die Léser sicb am leicbtesten
einprigen imd am klarsten sein: denn Biîcber mit balbfertigen
Aktionen, bei denen zu dem Anfang die weitere Fortsetzung feblt,
unterbrecben die Begierde des Lesers mitten im Eifer, diejenigen
dagegen, welcbe den Bericbt zusammenbângend bis zum Scbluss
nmfiasBen, geben Yon den Aktionen eine voUstândige Darstellung.
Wenn die Natur des Gegenstandes bierbei die Scbriftsteller aber
nocb besonders begûnstigt, alsdann dûrfen sie um so weniger von
dieser Aufgabe ablassen. Darum wollen denn aucb wir, indem wir
zn den Aktionen Pbilipp^s gelangen, seine Tbaten in diesem Bucbe
zusammenfassen^ ^).
^) Diod. 16 init.: iv nricatç fiiv ralç Unoçtxaiç nçocy/Ltimiaiç xa&^xit
toèç cvyyçatpêïç Tuçtka/nfiâyity iv laîç fiifikoiç $ nôlitay fj fiaatXétay nçâ^uç
aètotêkiïç éin' àçx^ç fiixQ^ ^ov riXovç' otmo yàç fÂCtlêCra dtaXa/upâyofÀêy
jijy Unoçiay tvfivfifAÔyivroy xaî aaqrt ytvio^ah rolç àyayêyyœ<ncowr$y' al /nèy
yttQ iifitTtXâïç nçâ^itç* ovx fy^vaat (rvyi/èç tuÏç «qx^îç to nÎQaç, /maokafiovc
136 ~~ ^** ^^^^ <^^ Trhger der Schriftwerke. —
Das Vorzûglichste hat in dieser Art yielleicht Appian in semer
romischen Geschichte geleistet: in jedem Bnch ist es ein anderef
Yolk, desBen Unterwerfung hier erzâhlt wurde, yier weitere gaben
die vier Burgerkriege, das letzte sollte die Anfirichtung des Eaiser-
thumes entbalten; doch wurde der Plan nachtrâglich noch erweitert^).
Polybios befolgt dagegen nachweislich kein Prînzip, es sei denn
das âusserlicbe, vom Buch YII ab je zwei Jahre in einem Bûche
zu absolviren, d. h. je eine Olympiade in deren zweien, und nor
die Oljmpiadenanfange (B. IX, XI, XTN^ erhalten hier besondere
Proomien^). Auf das Riesenwerk des Livius war nicht einmal dièses
Princip. anwendbar; die Bûcher desselben umfEtôsen sehr yerschiedene
Zeitrâume. Es entstand in mehreren Absatzen, nnd sein Yerfiasser
sah selbst nicht voraus, wie viel Rollen er fur einen kûnftigen Theil
nothig haben wurde; denn er yerwundert sich, dass ihm die drei-
undsechzig Jahre Yom ersten bis zum zweiten pimischen Eriege
ebenso viele Rollen eingenonimen haben, als die yierhundertsîeben-
undachtzig Jahre der Yoraufgehenden Zeit und erschrickt Yor dem
noch unbestimmbaren Umfang des nun Folgenden (XXXI, 1, 3).
Innerhalb der einzelnen Stoffmassen hat LIyIus nach den schonen
Nachweisungen Nissen's') in der StofFvertheilung ein hohes kûnst-
rrjv irn^vfAiav rtay (ftXayayyfûOTOvyTœy, ai dt to r^ ditiy^ftoç cvyêXH TifQt»
Xit^fiâyovaaê f^fXQ^ ^^^ Tékêvj^ç, ilntjQuafÂéytjy r^y rtoy nQa^ëiay fj^ovatr
dnayyikiay. oray â* fj (pvctç avnj này 7iQaj(d'iyTa}y cvyfçyg roîç cvyyçaifêvin,
TOT* r,âfi naynkfSç ovx ànocxarioy ravtfjç i^ ngoa^çécuaç, dtàneç xai ^fiéiç
naçoyriç im mç *PiUnnov rov ^AfAvyiou nçâ^itç TiiêQaaôfÂêd'a rovrfi r^
fiaatXil Ta riQu^d-éyra n€ç$kafiêly iy ravrp rg fiifil^. Die notirte Stelle
acheint verderbt; man erwartet fiifikot ala Subjekt; jetzt sind im zweiten Sati-
tbeil zu ai dt auch die nçû^êtç zu erg&nzen, die dann aber 717^ n5y ngâ^êoiv
ànayyiliay enthalten sollen. Man erwartet: ai fiiy yàç i/n$nlêïç nça^aç
ïlj(ovca& fiifikot ovx fj(ovcat <s, r. a. 70 niqaç fiêcokapovm xrk,
^) Vgl. den Plan bei Appian prooem. 14 und Sckweigh&user, Op. mcad.
II S. 15 f.; Hannak, Appian u. s. Quellen, S. 2 f.; Mendelaohn éd. App.
I 8. V f.
^ Nissen, Rhein. Mus. 26 S. 260, der daseibst S. 280 den Gesamint-
inhalt auf die 40 Bflcber Tertheilt. Ausnahmen sind Buch XIV mit nur emem
Jabr, ebenso XV; XII bandelt niçt Icroçiaç, XXXIV ist geog^pbisch, XL ent-
hielt nach Nissen einen Generalindez.
3) Xissen, Rhein. Mus. 27 S. 548 ff.
— Polybios, Livias, Tacitus. — 137
leriscbes Talent bekundet; als Glieder dieser Dispositioiieû reichten
aber Einzebrollen meist nicht aus, sondem sie bestehen ôfter aus
BucbtriadeDy -tetraden, -pentaden oder -dekaden, innerhalb deren die
£inzebx)lle keîne Selbstandigkeit gewinnt (ygl. Liy. X 31: Samnitium
beOa, quae continua per quartum iam volumen , . . agimus), auch nîcbt
ehunal mit dem Jahresscbluss scbliesst^). Auffallend ist dabei be-
•onders der Yon Nissen wabrgenommene ganz scbematische Parallelis-
muSy mit welcbem Livius in Rollen, deren Bezifferung zu einander
stimmte, die Laudationen seiner Helden anscheinend sicb entsprecben
liess'). Tacitus bat dagegen die selbstândige Geltung des Einzel-
bacbes zu beben gewusst: die Bûcbereinscbnitte sind bei ihm nicbt
auf die Jabresanfânge, sondem auf entscbeidende Wendepunkte und
grosse Elatastropben gelegt, so dass die Bûcber in sicb organiscbe
Ganze bilden imd der Léser, die Rolle schliessend, sicb yon einem
gewaltigen Eindruck zur Rube und Sammlung zurûckziebt um ibn
ganz auszuempfinden und seine Empfânglicbkeit fur das folgende
Bucb zu emeuen. So scbliesst das elfte mit dem Tode Messalina^s,
daa zwôlfte mit dem des Claudius; das vierzebnte stellt die ent-
') Nissen S. 551 : „yielmehr werden (in diesen Gruppen) die fiûcher Ausser-
lich wîe Glieder einer Kette dadarch zusammengeschloasen, dass die Jahre von
dem einen in das andere flbergreifen."
') Nissen 8. 554: ^Philippos, der feindliche, an seinen Kindern so
forehibar heimgesucbte KOnig, dem es weder rergOnnt war, die Erftkliung seiner
Pline zn sehauen, nocb su sQhnen, was er verbrocben, stirbt XL; 10 Bûcher
sp&ter Massinissa, der treue Verbûndete, dem seine Tugenden Xindersegen
und aller Wûnsehe Vollendang verliehen hatten. Die Cbarakteriatik der drei
grOssten M&nner ihrer Zeit, die aile drei einen Tod fanden, welcher ihren
Verdiensten nicht entsprach, steht XXXIX; 20 BQcher sp&ter wird der zweite
Sdpio Africanos dnrch Mencheimord dahingerafiFt. C. Gracchns, der démo-
kratîsehe Reyolution&r, welcher die Bûrger zur Gewalt trieb gegen ihre Mit-
bûrger, flUlt LXI, Livius Drusus, der conserTatire Revolutionâr, der den Bundes-
genossenkrieg entfachte, zugleich der Sohn von C. Gracchus' Gegner, LXXI.
Ifaiios stirbt LXXX, SuUa XC. Die letzten Republikaner stfirzen in's eigene
Schwert: Cato CXIV, Brutus CXXIV. Der Tod ron Sertorius XCVI, Crassus
CVIy C&sar CXVI bietet zahlreiche Vergleichungspunkte dar. Wenn Pompeius
CXII am Agyptischen Strand rerblutet, so mochte Mancher wohl zurfickdenken
an das Ende des geftlrchteten GrosskOnigs Mithridat, den jener geb&ndigt,
imd solches war Cil zu lesen."
138 — ^*> Bach als Trhg» der 8chrîftw«rke. —
scheideDde Wendung in Nero^s Leben dar, anbebend mit dem Mutter^
mord, abschliessend mit dem Mord der Gattin; das fun£Eehnte endet
mit der Pisoniscben Yerscbwonmg, das secbzehnte schloss das Ganxe
mit Nero's UntergaDg'). So setzte Tacitus im sechsten Bach ab
Dach Tiberius^ Tod, im fûnften ^ohl ohne Zweifel nach dem Ston
Sejan's '). Dasselbe intendirten dann auch weiter des Tacitus Nach-
folger, doch oftmals mit geringerem Gluck, so Ytie beim Orofliui
der Uebergang von Buch Y zu YI eine Zerreissung des Stoffes mit
sich fuhrte*).
Fur den epischen Dicbter stellte sich die Aufgabe nicht anden
als fur den Historiker. Auch Silius, auch Lucan erzâhlen rômisdie
Geschichte; auch sie begnûgen sich im besten Fall, die Handlang
am Buchschluss einen nôhepimkt erreichen zu lassen, wie mit
Pompeius' Tod im achteu Buch der Pharsalia*). Ovid hatte dies
fur die fûnfzehn Rolleu seiuer „Yerwandlungen" am wenigsten nôthig,
da ein zielloser, unerschôpflicher Fluss des Erzâhlens yod einer
Fabel zur anderen der Hauptreiz des wundervollen Werkes ist
Yergil hat, indem er in sechs Bûchem die Odyssée, in gleich Tieles
die Dias nachahmte^), eine zweckmâssige Theilung erreicht und den
Einzelbûchem durch Schildbeschreibung, Truppenkatalog (YIII U.VII)
oder durch den Tod eines Helden (lY, Dido; X, Lausus und Me-
zentius; XII Turnus) oder durch das Einsetzen der Nacht (XI) guten
Abschluss verliehen; fast monobiblischen Werth hat sein zweites a-
reicht, demnâchst auch das vierte und sechste. Apuleius liebt es,
in seinen „Yerwandlungen" mit dem Eintritt der Nacht von seinem
Léser Abschied zu nehmen. Dahingegen leidet ein minder ge-
schickter Schriftsteller wie Juvencus noch sichtlich unter dem Z'wang
der Buchtheilung").
Yerrâth sich hiemach allerdings schon in der erzâhlenden Litte-
^) Gegeben nach Nipperdey, Tac. Annal. Einl. S. XXXV.
^ Nipperdey «u Annal. V 2.
') Ygl. Ebert, Litt. des Mittelalters I S. 325.
^) Silius hat B. X den Tod des Panllus nicht &hnHch sa nntxen rer-
standen.
*) Vgl, Seryius Aen. VII init.
^) Vgl. Ebers, Gesch. d. Litteratur des Mittelalters I S. 214.
— Die Buchtheîlung ein ftusserlicher Zwang. — ]39
ntar die Bucbtheilung vielfach als ein âusserlicher Zwang, so ist
dieser Zwang noch besonders leicbt an manchen der lebrbaften Werke
wahrznnehmen. Drei Dialoge giebt Cicero in seiner Scbrift De finibus:
âber nur fur den dritten (Bucb Y) reicbte er ans mit einem Bucbe.
Zweitbeilig ist^ erst an Mânner, dann an Frauen gericbtet, des Ovid
An amatoria: aber der Dicbter batte den Mânner d zu yiel zu sagen,
imd 80 braucbte er drei Rollen statt zweier. Haben allerdings in
des Celsus Medicina die meisten Bûcber selbstândige Aufgaben, so sind
dagegen Bucb UL und lY inbaltlicb eins. Die Disposition, die Quin-
tilian selbst (I prooem. 21) fur seine Institutio oratoria giebt, bedingte
lachlicb nicbt wirklicb zwolf, sondern nur fiînf Bûcber. In Strabo's
Srdbescbreibung gelingt es nur wie zufâllig, ein Land in einem Bucb
sa isoliren (III Spanien), sonst werden mebrere Gebiete vereinigt
(so rV, VII, XVII), oder aber ein Gebiet auf mebrere Bûcber ver-
theilt (Italien V und VI, Griecbenland VHI, EX und X, Eleinasien
Xn, Xin, XIV). Besser glûckte dem Pausanias seine Periegese
durch Griecbenland; es gelang ibm, acbt Landscbaften in acbt Bûcbern
Jkbzohandeln; allein die zu umfangreicben eliscben Altertbûmer bat
er in einem Bucb beisammenzulassen nicbt yermocht.
Am allerwenigsten aber entspricbt Abtbeiluug in Bûcher wobl
dem Charakter einer Rede! Wenn Cicero wider den Verres fûnf
Rollen bindurcb spricbt, so ist die Bucbeinbeit bier gewiss am
sllerwenigstens au s sacblicber Notbigung aufgegeben.
Solcber Falle liessen sicb nocb mancbe anreiben. Aber wie
kÔnnte hier im Vorûbergehen auch nur versucht werden ein Thema
su erschôpfen, das unerschopflich ist? Mochte man nur sicb ûber-
xeugt haben, dass es zur wirklicbcn Wûrdigung jedes einzelnen
Autors erstes Augenmerk sein muss, den Arbeitsaufwand nachzu-
weisen, den er auf die Anbequemung seines Stoffes an die so râum-
licb beschrankte, antike Bucbform verwandt bat. Uns kommt es
hier lediglicb darauf an, das antike Bucb selbst in seiner râumlichen
Natur an seinen Wirkungen zu erkennen, imd wir fragen: was anders
hat in allen denjenigen Fâllen, wo die Bucbtheilung nicht aus der
Disposition organisch bervorging, zu diesen Tbeilungen der Anlass
sein kônnen, aïs die âusserlichste Raumnoth, die dem Schreibenden
den Buchschluss abnôthigte?
140 — ^'^ ^"^^ "^ Trftger der Schriftwerke. —
Den einleuchtendsten Beleg geben hierfûr ûbrîgens noch die-
jenigen Schriftwerke, die nicht eigentlich selbst mehr zur Littentar
gehôren iind in deren Wesen es liegt, dass sie einer Disposition
entbehren massen: jene Commentare, in denen DidymoB und seines
gleicben durcb viele Bûcher hindurch den Text berûhmter Wcrke
. der Litteratur durcherklârten. Zu dem einen Buch der Cantica cantî-
corum zog sich se des Origenes Commentar dorch zehn*), znm
Johanneseyangelium durch ûber dreissig, zum Matthaeus durch vier-
undzwanzig Volumina^, der des Hieronymus zum Ezechiel, zun
Jesaias durch deren yierzehn und achtzehn u. s. f.
Und die alphabetisch anordnende Lexikographie war womôgiich
noch âusserlicher zu verfahren gezwungen: etwa sechzig Rollea
brauchte Stephanos von Byzanz fur seine Sammlung der ^Eâvm,
Zopyrion und Pamphilos brauchten funfundneunzig'); wenn sich die
mittelalterliche Epitome des Festus einfach nach den neunzehn Buch-
staben in neunzehn sehr ungleiche Bûcher eintheilt, se hebt Festos
selbst dagegen z. B. mitten im Buchstaben M sein dreizehntes Bach
an, innerhalb des siebzehnten macht er den Uebergang Yom Q zum B,
und beim Yerrius Flaccus zerfiel ein einzelner Buchstabe wie das F
auf mindestens fûnf Yolumina, so dass die Gesammtbuchzahl seiner
Sammlung môglicherweise hoch genug stieg um dem Pamphilos sein
Vorbild zu geben*).
So viel Yorlâufig ûber das Buch der Alten in seinem Yerhâltoiss
zum Gesammtwerk. Der fleissige Léser, der Yon einem zum andern
weiter griff, konnte sich ûber die Reihenfolge der Rollen hinlânglich
durch die Aufschrift der aiXXvfiot Yersichem. Solch hâufiger Bucb-
wechsel aber mit der nothwendig ablenkenden Lesepause, die er mit
sich brachte, war fur die Lektiire nachtheilig; die zu £nde gelesene
RoUe woUte fest gerollt, geschlossen und sorgsam bei Seite gelcgt
^) Vgl. Hieron. praef. in Homiiiaa Origenid.
^) Hieron. comm. Matth. praef. Hieronymus selbst braucht hier 4 Bûcher.
Zu dem einen Qalaterbrief schrieb Origenes 5 Yolumina (Hieron. comnL
Gaiat. prol.).
') Suidas s. nafiffhkoç \ s. J&oy€yuty6ç ht die Zahl 405 doch wohl oormpt.
*) Der Husserliche Charakter der Buchtheiiung der Xé^tç ist Ton H. Weber
Philol. III. Supplementband, 1867, S. 47ôf. nicht genflgend in Betracht getogeo.
— ProOmien der RoUen. — 3141
un y beyor man die folgende aus dem Bord ziehen, ihres Mantels
Btledigen und aufblâttem konnte, wobei immerhin ein Sklave be-
ilflich gewesen sein mag. Ueberdies war es wûnschenswerth, dass
în Buch gelegentlich auch, aus den umstehenden herausgegriffen,
ich selbstandig lesen Hess und yerstândlich blieb. Darum lag den
Ichriftstellem Yor Allem eine Fassung der Buchanfânge am Herzen,
lie jeden Léser zu verstândigen geeignet war.
Ein Werk mit rein wissenschaftlichem Zweck wie das Strabo's
bat dafûr freilich nichts, in Anlebnung an die yoralexandriniscben,
rat nachtraglicb in Bûcber gespaltenen^) Texte, und fahrt lakonisch
!a zu dociren fort, wo es aufgebôrt batte. Bei Anderen finden wir
agegen die Sitte des Proômium^s ausgebildet, zunâcbst ganz
chmucklos nur zu dem praktiscben Zweck der Orientirung: der
ohalt der vorigen Rolle wird im Résumé nocb einmal mebr oder
reniger kurz in Erinnerung gebracbt, imd die zunâcbst zu beban-
iebide Aufgabe angegeben. Peinlicb genau ist bierbei aus der âlteren
^it gelegentlicb Polybios; eine seiner nqoYQCtfpai resumirt acbt-
;liedrig in nicbt weniger als siebzebn Zeilen: iv (Jbèv r^ nço tavtfiç
\vpi'fip dtêCaipfiiSafkév , note ^Pœfjbatoi .... jotç ixtôç èyx^^Qstv
\ç^av%o îtQciyfAatfiy, înl âè tovtotç nâç . . . xal â^' aç ahiaç , , ,,
tëtà âè raina note nQùiioy . . . xaï Ta aufifiâvra . . ., é^ijç
^è tovTOiç insfiaXéyiisd'a kèysiv nœç . . . xai fiéxQ^ rlvoç nçov^fj . . .
«i %iva dU^oôov skafie , . ,, worauf kurz in zwei Zeilen binzuge-
ugt wird: wvi âè %à cvpexîj rovrotç nstqaaoïisd'a âijXovy xetpa-
laMttdcSç ixccavœv iTUXfjavovvêç xarà Tfjy i^ ^QX^Ç nçod-stf^v,
Sweck dieser nQoyqaqial ist, wie Polybios (XI prooem.) bemerkens-
rerther Weise angiebt „die Leselustigen zu orientiren, aber aucb
len, der zufallig an das Bucb kommt, zum Lesen zu ermuntern, end-
ich denjenigen, der nur etwas nacbscblagen will, schnell
lurecbtzuweisen". Die Proômien Diodor's kommen jener um-
tandlicben Art wobi am nâcbsten. Bei Yarro yereinfacben sie sicb
laneben aucb scbon zu einem so scblicbten Yermerk wie De lingua
at. YI înit.: origines verborum quae mit locorum et ea quae in kis, in
more Ubro scripsi, in hoc dicam ds vocabvlis temporum . . . , mit dem
*) Ueber dièse Thatsache wird das Eapitel IX besonders handeln.
142 — ^** ®"®^ *^* Trâger der Schriftwerke. —
Zusatz : atqui si qua erunt ex diverso génère adiuncta, potius cognationi
verborum quam auditori càlumnianti geremm morem, Sehr breit resii-
mirt und disponirt aucb Lukrez am Anfang seiner Bûcher, anhebend
gewôbnlich mit einem Et quonmm docxii (III, 31 f., IV 26 f., VI 43 f.),
eimnal durcb voile 25 Verse (V 56—81). Wie viel eleganter ver-
fabrt doch aucb hierin sein Nacbfolger im Lebrgedicht, Vergil, der
den Weiubau mit einem Hactenm arvorum cultus et sidéra caeïi, nune
te Bacche canam eqs., die Bienenzucht mit einem Protinus aerei meUis
caelestia dona exsequar eqs. kurz erôffnet. Doch sehen wîr jene
Breite aucb noch bei Spâteren, wie in den Traumbiichem des Artemi-
doros wiederkehren. Nun aber ist zu bemerken, dass dièse Avis an
den Léser bisweilen ausser Zusammenhang mit dem vnrklichen Buch-
text, d. h. augenscheinlich nur an der Aussenseite der Relie
angebracbt wurden; dies gilt zunâchst sicher von den 7ïqoYQ€Uf(ù
der ersten sechs Bûcher des Polybios^), von den praefationes des
Hieronymus ^), es scheint aucb von denen Martiales zu gelten*).
£in geschmackvollerer Skribent, vor allem ein Dichter, konnte
sich mit so nîichtemen Vermerken indess nicht begnûgen. Er bil-
dete die blos index- gebenden Proômien zu proômiirenden Ex-
^) Polyb XI proem. sagt, nur seine ersten sechs Bftcher h&tten nçoyçmfm,
die folgenden dagegen vielmehr TtQOixB-écèiç vor jeder neuen Olympiade; beide
Arten Ton Vorwort haben nach scinen Angaben gleichartigen Zweck; ihr Unter-
schied ist, dass die nçoyçurfai durch Unfall rerschiedenster Art leicht Schaden
nehmen (âui nokXciç airUtç xai mç rv^ovisaç oXiyoiQovfÂtvov xcel q&€&ç6ju(vov)t
wâhrend die nçoéxd-écêiç einen sichereren Plats haben, eng mit dem Werke
verflochten (j^oiçav ix^vfftjç àcffaXèoriQcw dtà ro cvfÂn€nlij(d'at ij nçay^infia)*
Zu Buch V ist denn auch wirklich eine nçoyçaffij nicht erhalten. — Dass die
Anfangtfworte dieser excerpirten Stelle nicht richUg sind, iât schon bemerkt
worden; man completire sie etwa: îcojç dé r^yiç inê^firovat nàç ^/nflç où nço-
yç(t(f((ç iy TavTp rjj fivpk<p (xttt iv tcùç 7t{to Tavirjç), xa&ânêç oi nço i/nmy,
(ikkà xat JiQoêxd-éciiç x. L ok, -ntitoirixafièy xtX,
*) Hieronymus comm. Ëzech. V praef.: Ne librorum numerus canfundatur
et per longa temporutn spatia divisorum inter se voluminum ordo vitie^tr,
praefatiunculas singulis libris praeposui: ut ex f route tituU statim lector
agnoscat guotus sibi liber legendus et quae nobis prophetia explananda sit.
') MartiaPs (und Statius') Vorreden stehen ausserhalb des eigentlichen
Bûches: IX init, steht sie extra ordinem paginarum^ VIII init. in ipso libelH
huiuB limifie; auch II init. steht sie vor der pagina prima»
— ProOmien der BoUen. — 143
eu r 8 en um. Jeder Eintritt in eine nene RoUe ist eine neue
Aufforderong zu wicbtigem Gesprâch und gemeinsamer Arbeit an
den Léser: es er&ischt, hierbei Yon einem allgemeîneren Gedanken
anszugehen; zngleîcb maskirt der Autor, indem er erst von Gleicb-
gûltigerem spricht, seînen Sacbelfer dadnrcb auf angenebme Weise.
Die Schwelle jeder Rolle ist wie die eines gastlicben Hanses: die
Mahlzeit darf nicht sogleicb binter dem Yestibulum gedeckt bereit-
stehen. Lukrez selbst lenkt die Aufmerksamkeit des Memmius, bevor
cr disponirt und vortrâgt, planvoU auf irgend einen prâparativen
Gemeinplatz ab, der ein viertel oder ein halbes Hundert Verse fullen
kann, meistens so aucb Yergil den Mâcenas, nachdem er kurz den
Inhah des Bucbes angegeben (Georg. I 5— 42, II 4— 8, III 3 — 48).
Auch Diodor geht ôfter in der Weise des Lukrez entweder von
technischen Erôrterungen oder yod allgemein betracbtenden Gedanken
au8, um erst an sie — einmal geradezu mit einem à(fé(A€VOt TtQO-
Ifyëtv (XIX, 1, 9) — Résumé und Disposition anzuknupfen (so IV,
V, XIV, XV, XVIII, XIX). In demselben Sinn Yerfabren aucb Oppian
und Manilius, welcber letztere in seiner Sterukunde nocb extravagantcr
ab Lukrez abscbweift (U y. 1—149, III 1—95, IV 1—121, V 1—31).
Und auch Cicero bekennt eben dies als sein Princip: in smgulis libris
utor prooenms (ad Att. IV 6, 2). Leicbt ist zu seben, wie âusserlicb
dièse Stûcke in den Cicerobûcbem Yorne augefugt sind; sie Yerratben
ihren Zweck besonders deutlicb. Er selbst scbreibt daruber einmal
an Atticus die sebr instniktive Bemerkimg (XVI 6, 4): „icb babe
dir mein eines Buch De gloria geschickt; allein es bat ein falscbes
Proomium bekommen, welcbes scbon im dritten Bucb der Academica
angebracbt ist. Icb batte, als icb auf dem Tusculanum war, nicbt
gegcnwârtig, dass icb es scbon einmal benutzt; bernacb auf dem
Schiff las icb meine Academica und entdeckte den Scbaden. Sofort
habe icb ein neues fôr De gloria zu Papier gebracbt; es erfolgt bei-
liegend; du musst das alte wegscbneiden und dies dafur ankleben
(tUud diêsecabis, hoc agglutinahisY , Aber aucb den âusseren Anlass
zu diesem Irrtbum Yertraut Cicero dem Atticus: „es kommt daber,
weil icb eine eigene Rolle yoU Proômien zusammeDgescbrieben babe;
ans denen pflege icb auszusucben, wenn icb ein avyyQa(jbfAa Yerfertige^.
Ganz besonders âusserlicb ist einmal Plinius Yerfabren. Die medi-
J44 — ^^ ^^^^ '^^^ Tr&g^r der Sehriftwerke. —
dnae ex animalihus liessen sich nicht, wie sonst die meisten Kapitel
seiner encyclopâdischen Lebrschrift, in einem Bucb be'wâltigen; ob-
gleicb nun Plinius eigentlicbe Proomien sonst yermeidet, unterbricht
er die drei Bûcber der medicinae ex ammdHbuB am Anfang des zweiten
(XXIX) durcb Vorscbiebung einer kurzen Gescbicbte der Medicm,
am Anfang des dritten (XXX) durcb Vorscbiebung einer gleichen der
Magie. Dem Lesenden sollte der Eingang in die Monotonie dieser
Receptenbûcber wobl biedurcb versusst werden. Nocb planloser aber
verfubr Plinius, indem er dem Bucb der medicmae ex aquatûibus
(XXXII) sowobl vom wie binten abscbweifende Traktate ankleben
liess *).
Erzâblende Werke yermeiden Proomien dagegen wie gnmdsâtz-
licb. Metamorpbosen, Aeneide, Lukian^s wabre Gescbicbte, der Roman
des Longos und dergleicben wâren dadurcb bôcblicbst beeintrâchtigt
worden. Die Anrufungen der Muse bel Apollonius Rbodius lU init
und IV init. sind nicbt als Bucberôffiiungen , sondem als Eroifnung
neuer Sacbtbeile gedacbt; daber eben feblt bei ibm eine solcbe Ân-
rufung n init.'). Die nçosutd-iaeiç des Diodor bezwecken dagegen
geradezu, das Einzelbucb zu isoliren, und Yon ibnen sind, nacb der
Terminologie des Polyb*), die nQoyqaipai principiell yerscbieden, die,
wie Yorbin erwâbnt, nur aussen an der RoUe angebracbt waren und
also den Text selbst gar nicbt unterbracben; des Polybios erste
Hexade batte nur solcbe nQoyQaq)alj und darum berrscbte in ibr, nach
Polyb VI init., das avvâTtvëtv xai nçoçnd'éyai to ovvsxiç ^^Ç
difj/ijasùûç von Bucb zu Bucb. Gewiss sind aucb die Proomien der
Xenopbontiscben Auabasis nur solcbe nçoyçcctpai gewesen; auf sie
gebt das xad-ânsQ ol ngo fifiùiy Polyb. XI init.
Und nur bei solcben proômienlosen Werken war ein textlicbes
Scbwanken môglicb, wie wir es einmal fur den Vergil erfabren. Das
secbste Bucb seiner Aeneis bebt nacb der berrscbenden Tradition an
mit den Versen Sic fatur lacrimans clnssique mmittit habenaé Et
tandem Euboicis Cumarum aâlabitur oris. Die Ueberlieferung beim
^) Dies ist n&her ausgefûhrt De Halieuticis S. 1 59 ff.
') Quintilian's Bemerkung IV prooem. 4 gilt auch hierron.
3) Siehe oben S. 142 Note 1.
— fietngnahme aaf den Toraofgehenden fiuclisehluBS. — 145
Senrios (zu V fin. und YI init.) lehrt aber, dass dies von den Editoren
Tncca und Varias so angeordnet worden sei, wâhrend Vergil selbst
die Verse viebnehr fur das fûnfte Buchende bestimmt babe, und dass
sodann „Probus und Andere^ die Anordnung des Vergil wieder her-
stellten. Zu Gunsten derselben konnte angefûbrt werden, dass auch
bei Homer einmal mç stpavo xXaiov<îa am Bucbende stebt (II. 23 fin.).
£în praktiscbes, wenn gleicb unscbeinbares Mittel gab es, bei
proômienlosen Werken dem Gedâchtnisse des Lesers, der von einer
Rolle zur anderen ûberging, in etwas nachzuhelfen. Man trug Sorge,
dass der Schlusssatz eines Bûches zu Anfang des folgenden einfach
aoch einmal geschrieben wurde, entweder genau ûbereinstimmend
oder in leichter Verwandlung; es sind meist Sâtzchen, die einen
Uebergang ausdrûcken; so heisst es nach dem Zeugniss der besten
Handschriiten ^) bei Strabo m fin. xal ttsqI f^èv ^I^fiqiaç xai t&v
iïQO*êiikiv(ùV y^(f(ûy taira, itpe^ijç â* icûv 17 imiq tâv ^AXîuœv
KeXnxij und IV beginnt: itps^ijç (T itniv ^ i. t. Vi. KsXuxij] ebenso
schliesst IV totravra xai n€Ql xâv oq&v sxof^y léyety %&v ^AX-
ns^v&v, fA€%à di t^p vmiqsiav t&v ^AXnsfùv àqxii tijç vvv ^Italiaç,
und V beginnt : ikêtà âè t^v vndiqBtav u. s. w. Ebenso stehen die
Anfangsworte von VI: ikstà di to atéfiM tov SiXccQêâoç Asvxavia
xal %6 t^ç 'Hqaç Uqbv tijç ^Açyiûaç, ^idaovoç lâgv/Aa zugleich
auch V un,, der yierzeilige Einleitungssatz yon Vil (bis tQÔnoy)
zugleich auch VI fin. Prâparativ sagt Plinius Vil Nat. hist. fin.:
mmc revertemur ad reliqua anmalia primumque terrestria, ebenso
Vin init.: ctd reliqua transeamus antmaUa et primum terreatria; prâ-
parativ IX fin. : hinc voïucrum naturae dicentur, ebenso X init. : seqwtur
natura avium. Eusebios setzt an*s Ende des zweiten Buchs seiner
Kircbengeschichte xai ta fj^iv xatà ^iovâaiovç iv tovto^ç ^j mit
denselben Worten ohne xal beginnt das dritte; dasselbe geschieht
beim Uebergang von Buch IV zu V; das zweite seiner praeparatio
') Dies besengt der Mediceus B f&r aile yier Buchschlûsse, Parisinus C
fiir m fin. und IV fin., Mediceaa k ftïr V fin. und Vl fin.; wenn im letzten
Fall B die Worte nicht, wie k, bis rçônoy, sondern nur bis ^IraXtxaiy giebt,
M> sckeint eine Weglassung in B wahrscheinlicher als eine Erweiterung in k.
Auf dièse in unseren Texten unterdrûckten Buohschlflsse Strabo's werde ich
durch Pro£ Niese aufmerksam gemacht
Birt, Bachweien. 10
246 — I^ Baeh aU Triger der Sehrifiwerke. —
eTangelica beginnt mit den Schlussworten des ersten: tÙ [kiy %ov
nQOft^làéyoy mQêéxfè xQomy u. s. w.^). Ygl. auch die Wiederauf-
Dakme des dto bei Porphjrios de abstinentia II init aus I fin. Auch
auf Toralexandrinische Texte wurde dies aogewandt wie auf Theo-
phrast's Pflanzengeschichte (TU fin. gleich Vlll init.). Wir haben
hierin einen Kunstgriff Tielleicfat weniger des Autors selbst, als seines
Verlegexs anzuerkennen.
Lehrreicher noch als am Bachan£ange ist nun aber das Yerhalten
mancher Autoren am Buckscb lusse, bei dem wir jetzt noch kurz
Tenreilen. Schon Polvb, als attester, pflegt davon zu reden, dass
das Buch zu £nde geht (Il fin. UI ûa. Y fin.); ûbrigens waren
solche Ankûndigungen des Scblusses wie bei Yergil Greorg. Il fin.:
S«d nos iomensom spatiLs eoafeeimiu aeqaor
Et iam tempos eqiiom fammntia solrere eolla
wiederum nur im Lehrgediclit angebracht; auf lehrbafte Werke sind
wir darum auch jetzt wieder Tomehmlich angewiesen. Nicht selten
wiid mit solcher Schhissankûndigung ein Yerweis auf die n&chste
RoUe zu Terbinden beliebt und dabei deren Inhalt kurz angedeutet
So schloss Philodem seine eifte RoUe ngçi fvcs^ mit dem Hinweis:
iv àè ïïéfç ix^làéyoiç nsgi rdy fuifmçmy tovtmy €u Tt^çsxvixâç
iaoifêêr: eine Chrysipprolle schliesst: ^^tfmu ai in ruQÏ zotittùy
mal iv foTç i%oikévoiç^). Ebenso hatte Panaetios am £nde seines
dritten Buchs iuqï tov nQOçrpcovioç gesagt, dass er ûber den letzten
Theil seiner Disposition im folgenden Buch reden werde; allein, ob
gleich er noch dreissig Jahre lebte, gab er ein Tiertes Buch nie
heraus'). Das âltestc Beispiel hierfur giebt einmal Polybios Y fin.
Beim Cicero findet sich dies selten*). Unter den Dichtem ist vor
allem Ovid's Ars amatoria anzufuhren II fin. (vgl. auch I fin.):
£cce rogant tenerae, sibi dem praecepta, puellae.
Vos eritis chartae prozima cura meae.
') Ueber dièse ErscheinuDg bei Ëuseb vgl. Heinichen's Ezcurs XV lu
£u8eb*s Kirchengeschichte, Bd. III 8. 445.
') Vgl. Vol. Hercul. II i S. 72.
2) Cicero de off. III 8 f.
*) Cic. de off. II fin.: utilitatem de qua hoc libro disputatum est. Reliqua
deinceps persequemur.
— Der Buchschlass und seine Motire. — 147
Sonst liessen sicb die Beispiele hierfur sehr leicht Yermehren;
doch kommt es uns an dieser Stelle vielmehr auf eine andere Art
Ton SchlussYermerken an, auf diejenîgen nâmlich, in denen ein
Autor sich herbeilâsst, das Abbrechen seiner Mittheilungen zu moti-
yiren, wo wir somit auch die Grûnde fur den Eintritt des Buch-
scfalusses erfahren. Dièse Aeusserungen sind fur das Yerstandniss
des antiken Buchbegriffs von principieller Wicbtigkeit. Es wird uns
in ihnen von der alten Litteratur geradezu eîngestanden, das s ibr
Bucb ein bestimmtes Raummass war, das sicb jedweder
einzubalten genotbigt sab. Dies Raummass war vor allem
durcb eine nicbt ûberscbreitbare Maximalgrenze, docb aber
zugleicb aucb durcb eine Minimalgrenze bestimmt. Dies
ist, was Augustin den modus voluminis nennt*). Es kann allerdings
nur fur ein Zeicben tecbniscber Ungewandtbeit oder aber geringen
kûnstleriscben Ebrgeizes gelten, wenn sicb ein Autor fur seine Bucb-
scblûsse zu einer so âusserlicben Begriindung aus der Bucbform zu
greifen entscbliesst; besonders da, wo derselbè eine der beiden ge-
steckten Grenzen wirklicb zu yerletzen im Begrifif war, miissen sicb
seiche Begrîîndungen am leicbtesten eingestellt baben.
Es sind allerdings nicbt Autoren bester Zeit und besten Namens,
die sich hier zuerst einstellen. Einem Orosius, einem Porpbyrios ist
es unmoglicb, den Stoff im selben Bucbe fortzusetzen : et quoniam
ubtr dicendi materia est, quae nequaquam hoc concludi Ubro potest, hic
praesentis volumms finis ait ut in subseqventibus cetera persequamur
(Oros. II fin.); âio fAaxQov ôeofÂ^vœy Xoyov tiqoç rijy ôhdXviSiv
àvf aXXfiç aQXiiç ^à nsQÏ %âv &v<îi(ay dtaXtjméov (Porpb. de
abstin. I fin.). Macrobius, gezwungen seine Erklarung des Somnium
Scipionis in zwei Bûcher zu zerlegen, spricbt weniger deutlich von
einer mkibita continuatio (I fin.). Origenes, das Jobanneseyangelium
commentirend, beginnt sein dreizebntes Bucb an den Ambrosius mit
der Bemerkimg : es séi zwar zu wûnscben, dass die Besprecbung der
Samariterin nicbt balb in der zwôlften, balb in der dreizebnten Rolle
') Augustin, civ. dei IV fin. : quod sequitur in volumine sequenti ridendom
est et hic dandas buius proHzitatîs modus; Y fin.: hic itaque modus sit huius
rolnminis ut deinceps disposita ab alio sumamus exordio; II fin.: ... deinceps
Tidebimus, ut hic sit huius Yoluminis modus.
10*
(48 — I>at Bach aïs Triger der Sdinftwerke. —
stûnde, idlein die zwôlfte hàbCy nie er sehe, die gehorige Grosse
erreicht: Utêêç fêiy Sr iâo^é ftùê %w juq\ i% 2af$aQ€irtâoç Xàyov
§»^ duEsonfroi tSçis fiéçoç fier » arvov êlvcu iv ra »/^ t6fmf
ta ai ë^tfç iy tm i/* àlÂ* àmi émçêifuy ahtaQxii nêçtyçaç^v
àlhi^lkéyou xov i/f tmv i^^jnfnnmy, êâo^ëy ^fiîy MazaXij^cu xtl,^).
Dièse nf^jrQaqij airrâç^ç muss einem Tollkommenen Zwang gleich-
gekomineii sein; sonst ist ein solches Zerreissen des Stoffes unbe-
greiflich. Denselben Terminus hringt derselbe Origenes z. B. auch
XXXn fin. desselben Commentars, femer contra Celsum VU fin. lud
TI fin. als Motiy fur den Buchabscbluss und einen sehr âhnlicben
Sextus Empiricus nçiç âoyfàot. I fin.: §Aét g oy âè S/pyroç avtaq-
xfç Tov vnogAyij§»aioç ano aiJiijç àgj^ç miça(f6fà€&a xtL Ein
anderer, gleichwerthiger, das lx€xyoy filptoç, bezeichnet fur Athe-
naeos das Motiy, seine Excerptcnsammlung lieber in einem anderen
Bûche fortzusetzen : irA voviOfç réloç èxétm ^âë 17 fiifiXoç Ixayov
ëiXt^qvîa fi^oç (IY fin.) oder: insl êi ëîç hcayoy §a^oç ngorpii
(YI fin.). Einmal aber, wo das Buch besonders dick ausgefallen, heisst
es begûtigend beim Athenaeos (Vlli fin.), er glaube ein zéXoç olm àvag-
lioctov gewonnen zu haben. Auch Clemens Alexandrinus weist so
auf „die Zabi und den Um^g seiner xëtfdXaia^ bin, Strom. Il fin. :
TTëQiyëyQciff&w xal 6 âëVTëQOç ^fity iy&âds (nQœfuxtëvç âtà to
fiijxoç T€ xal n^dvç xstfaXaUùv.
Allein wir k5unon uns zu Schriftstellem besserer und bester Zeit
wenden, um âhnlich yerwiesen zu werden. Cicero in seinem offen-
bar flûchtig gearbeiteten Jugendwerk De inventione ist im ent-
sprechenden Falle niebt wâbleriscber. Wenn dem Clemens Umfang
und Zabi der Kapitel binreicbend zu sein scbien, so spricbt Cicero
statt dessen von den Bucbstaben, deren nun genug in diesem Bûche
beisammen stûnden, Il fin. : . . . satis dictvm videtur, Quare quoniam
et una pars ad exitum . . . perducia est et hic liber non parum continet
Utterarum, quae restant in reliquis dicemus. Seine erste Rolle aber
ist, wie er sagt, eigentlich scbon zu dick geworden, I fin.: sed quo-
niam et satis videmur . . . dixisse et huius voluminis magnitudo longius
processit, quae sequuntur demceps in secundo Uhro dicemus.
^) Origen. éd. Lommatzscb Bd. IL
— Der BacbschluBA ein ZwsDg. — 149
Cicero hat den Comificius sogar hierin Dachgeahmt. Auch Corni-
ficîus redete dem Herennius am Schluss des ersten Bûches sowohl
Ton der Vielheit der Buchstaben wie von der Grosse der RoUe:
quoniam satis hwus voîuminM magnitudo crevit, commodhts est in àUero
Ubro de ceteris rébus demceps exponere, ne qaa propter mtUtitudinem
Htterarum possit aninum tuum defaiigatio retardare. Dièse Aeusserung
hat wiederum begûtigenden Zweck; das erste Buch ad Herennium
ist in Wirklichkeit neben den ûbrigen ungebûhrlich kurz ausgefallen ;
es war die Disposition, die abzubrechen zwang.
Dionys von Halicarnass hat sein iudicium de Thucydide, be-
sonders auch durch Ausschreiben Yon Textstellen, sehr Yoluminôs
gemacht; er schliesst darum, obschon er noch vicies Weitere vor-
bringen konnte, îya (jtij iiaxqôxsqoç rov ôéovxoç 6 Xoyoç yéyono
l^ot (cap. 55).
Auch dem Yarro De lingua latina ist dièses to ôiov bewusst.
Zwar VII 109 meint er nur, eine solche Aehrenlese von Exempeln
gethan zu haben, dass niemandem eine ^achlese bleibe, weswegen
es scheine potius iam reprmendum quam procudendum ^) esse volumen,
Anders beim funften Buch; hier glaubt er zwar auch der Sache ge-
sûgt zu haben, zweitens aber wûrde es die Rolle selbst gar
sicht dulden, dass er fortfahre: satis arhitror dicta, quod neque
parum multa sunt aperta neque, si amplitis velimus, volumen
patietur. Dièses non pati ist in der That so unverblûmt wie môg-
lich gesagt.
Durch die Fûlle des Gegenstandes hat sich Quintilian verleiten
lassen sein neuntes Buch mehr als die ûbrigen auszudehnen: er
schliesst es darum nicht ab, ohne, wiederum begutigend, diesen Um-
stand hervorzuheben: finem imponere egresso destinatum modum volu-
^') Dies procudere ist gesagt statt porro describere; man yergleiche Hie-
roDjmas Comm. Elzech. VII praef.: ûita quœ notariorum stylo cudimus; comm.
Jes. XIII praef.: iam tertius decimus liber cuditur qui necdum pervenit ad
calcem. Et intérim^ donec . . . Dominus . . . reddat pristinam sanitatem, hanc
praefatiuncukun tumultuario sermone dictavi ut quœ habentur in schedulis
deècribantur et plena emendatio lectoris iudicio reservetur; hier ist cudi soTiel
wie describi; comm. Ezecb. VU praef.: ista quae notariorum stylo cudimus;
comm. Osée III praef.: me duodecim prophetarum opus cudere.
X50 — ^^ Bnek aU Tr&ger der Schriftwerke. —
mmi festinabo» Derselbe brîcht Y fin. mit den Worten ab: hic tanun
habenduê istis modus, ut sint omamento non impedimenta.
Besonders anschaulich bei aller Affektation redet der spâte Mar-
tianus Capella, gleichsam als wolle er darauf aufmerksam machen,
dass er noch die classîsche Rollenform benutzt. Er ist der gelahrte
Mann, dessen Weisheit schwer ein £nde findet. £r hat lukubrîrt,
die Nacht ist durchwacht, die Sonne geht schon auf: sonst wûrde
er noch eine weitere Seite ankleben: fabula morosis mplicata duct&m
lucemam cœgit palpitare tenui lumine; ac ni aurora . . . fenestrcts disse-
caret îumine, adkuc iugata compararet pagina quocumque ducta largio-
rein circulum. Nunc ergo mythus temdnaiur, infiunt artes libelU qui
sequentes asserent; so heisst es II 219 f. Offener redet der siebente
Buchschiuss § 802: „der Raum mahnt*': Me spaOum admonuit iam
cUmdere fatibus orsa. Das funfte Buch aber ist so dick geschwollen
und so Yollgeschrieben bis an's Ende, dass die letzte Seite kaum
noch Platz lâsst um den Umbilicus anzunahen: Tandem loquadt
terminata paginae asserta cursim, quae tamen voluminiê vix umbilicum
multa opertum fascea turgore pinguis insuit rubeUnlunu
Besonders bekannt ist eine ahnliche Aeusserung Martiales. Fur
ihn lag, anders aïs far die meisten ûbrigen, die Schwierigkeit darin,
die Minimal grenze des Buchs nicht zu verletzen. Martial muss
erst yiele Epigramme zusammendichten, bevor er damit eine Rolle
fullen kanD: facile est epigrammata belle scribere, sed librum scribere
difficile est (VII 85); viele sind darum nur als FùUsel entstanden; er
bekennt I 16 dem Stertinius Avitus, das Buch halte Gutes imd
Mittelmâssiges, mehr aber noch Schlechtes; denn anders hâtte er
es nicht gefûllt. Das siebente taxirt er dementsprechend selbst auf
30 gute, 30 mittelmâssige, 30 schlechte Gedichte (Vil 81). Die Kùrze
seiner Bûcher betont Martial besonders gem als empfehlenden Um-
stand (vgl. II 1 ; X 1 u. a.) ^). Und mit Freude eilt er darum auch
^) Es liesse sich fragen, in welcher Weise die Epigramme eingetragen
wurden. Stand etwa jedes auf einer Seite f&r sich allein? Diea scheint sicher
Ton dem Epigramm I 53 an den Fidentius zu gelten, mit nnr 12 Versen; es
besagt: mit diesem Gedicht, das icb an dich richte, ist eine Seite meines
Buchâ die deinige (pagina tua v. 1 und 12). III 57 fin. war jedenfalls ein
Seitenende, denn III 58 stand auf einer inneren Seite (intenora)* Indess h&tte
— Gleichmass der Bucbgrôasen : aToxâCé<f^€eê r^ç av/a/LttTQiaç. — 151
zum Abschluss : der Umbilicus ist erreicht, Léser und Buchschreiber
freuen sich mit ihm (IV 89) : Oke, iam satis est, ohe, libelle, iam per-
venimus usque ad umbilicos. Tu procedere adhuc et ire quaeris nec
sutnma potes in scheda teneril . . . Jiaw lector queriturqtie deficitque,
iam librarius hoc et ipse dicit: ohe iam satis est, ohe libelle.
Endlich aber ist es Yon Belang, Ton einigen Bemerkungen des
Kirchenvaters HieroDjmus Notiz genommen zu haben, welcber im
Lauf der Jabre eine grosse Anzabl Bûcher zusammeDScbrieb, in denen
er die beiligen Scbrifben fur die befreundete yirgo Ghristi Eustocbium
an der Hand des Origenes durcbinterpretirte. Jedes dieser Bûcher
wird durch ein Vorwort an Eustocbium erôfifnet. Hier kommt nun
zur Aussprache, was in den bisberigen Fâllen nur stillschweigende
Yoraussetzimg war, dass das Augenmèrk der Schriftsteller sich bei
der Stoffvertheilung besonders darauf richtete, die Einzelbûcher nicht
Terschieden gross werden zu lassen: ihre Um fange mussten sich
môglichstgleichen. Denn es blieb eben zwischen der Maximal-
und Minimalgrenze doch noch ein nicht unbetrâchtlicher Spieb:a.um.
Dies ist also genauer mit dem modas destinatus gemeint, dies ist das
fê^oç \xav6vj die neQ^yga^^ avtccQxtjç. Solches Streben nach
Gleichmass findet sich sonst bisweilen als iStoxd^sfSd-ah t^ç aQf/boytaç
tov ffvyyQcifAfèaroç oder (WyrdyfèaToç geltend gemacht, besonders
um Prâteritionen und Wegfall von Material zu begrûnden^): so bei
Diog. Laert. YII 160, wo aber in Wirklichkeit schon gegen das
Gleichmass gefehlt ist; ygl. sonst Clem. Alexandr. Paed. Il 1 ; Porphyr.
de abstin. II 4 ; fur Diodor 141 wird es sogar der Anlass, ein Buch
noch nachtrâglich in zwei Rollen zu zerlegen, ûber welche Erschei-
nung spâter zu reden sein wird. Auch Hieronymus sieht sich nun
genothigt fur seine Bûcher certa spatia einzubalten, ibn belâstigt die
darch solche Baamyerscbwendung die Rolle Tiel dicker ausfallen mQssen, als
Martial selbat anzadeuten pflegt. Auch spricht I 44 geradezu dagegen, wo
iwei Oedichte aU eine charta minor and maior anterschieden werden: die
erstere ist das kttrzere Epîgramm I 14, die letztere das grOssere I 104; hier-
nach nabmen also Oedichte ron yerscbiedener GrOsse aacb Platx Ton rer-
•chîedener Grosse ein.
') So Terwendet es aucb Pseudoplutarcb Consol. ad. AppoUon. S. 114 C
vnd 108E ftatr das Gleichmass der Tbeile in einer monobibliscben Scbrift.
152 ^ ^^ ^^^^ <^ Triger der Schriftwerke. «-
volummis anffuêtia. Im Yorwort zum yierten Ezechielcommentar hôren
wir ihn klagen, er wûnsche so sehr, je eîne Prophétie in je einem
Bûche abzumachen; allein wie solle er das erreichen, da die eine
kurz, die andere lang sei, so dass ihn die Nothwendigkeit zwinge,
bald mebrere in ein Buch znsammenzufassen , bald aber auch eine
auf mchrere Bûcher zu yertheilen: veUem . . . expUmationes in Ezeehie-
lem per smgulos Ubros proprus texere prophetm , . ., ut fadUor esset
cursus dictantis pariter et legentis, longumque . . . explanaUonis iter certis
spatiis separare, ut quasi titviis et mdicibus et argummtis ostenderem
guid libri singuli conOnerent. Sed quid fadam^ cum aliae prophetioê
brèves sint, aliae longae, ut saepe necessitate eogamur et phires in unum
librum coarctare et unam in multos dividerel Unde et nunc „cantra
prophetas^ et „prophetias et seniores . . .** et „ad terram supra guam
m
inducuntur quattuor plagae*^ et de Ugno vitis, catalogum etiam vitiontm
Jérusalem volumus quarto libro comprehendere, Quem (n&mlich cata-
logum vitiorum) quia unius voluminis non patitur angustia, dite-
ram partem eius quinto volummi reservamus, Dies ist eben das non
patitur Varro's.
Trotzdem aber gelang es dem Hieronymus nicht immer, die
Buchumfange anszugleichen. So ist sein 18. Buch zum Jesaias zu
gross gerathen. Das Yorwort entschuldigt dies folgendermassen:
Tempus est ut finem imponam volumini ... m cuius expositione si pro-
Uxior solito fuero, extremis partibus concedendum est, quas dividere nolui
ne Ubrorum numerus augeretur. Der Autor hâtte den Uebelstand
yermeiden kônnen, wenn er (wie Diodor) den Inhalt dièses Bûches
auf zwei Rollen vertheilt hâtte; in der That hâtten die zwei so ent-
standenen Rollen dem kJeinsten Bûche dièses Commentars^ dem
yierten, noch nicht nachgestanden. Allein er scheut sich, nachtrâg-
lich die Zahl der Bûcher noch zu yermehren. In anderen FâUen
constatirt Hieronymus das Plus oder Minus des Umfanges bemerkens-
Werther Weise nicht, wie Glemens oder Cicero, nach den Kapitehi
oder Buchstaben, sondem nach der Zeilenzahl. So wird fur das
zehnte Buch zum Jesaias constatirt: decimus liber quem nunc habemus
in manibus nono et undecimo minor erit numéro versuum; und yom
yierten desselben Commentars heisst es mit genauer Angabe des
IJnterschiedes, dasselbe sei um ein Drittel der Zeilenzahl kleiner
— Gleichmass der BuchgrOssen. — 153
als das drîtte, das funfte habe dagegen doppelt so yiel Zeilen
(TV praef.): maequales dictamus îihros et pro diversitate visionum
oc sensuum aîius contrahitur, aîius extenditur. Itaque fimto tertio
volumme trarmmus ad qaartum qui tertio mensura versuum
priore minor est: praesertim cum quintus ... historicae explanationis
«Y et paene duplicem numerum (se. versuum) habeat. Dura enim
nohtmus coniuncta dividere et olim rnterpretata transite , quasi inter
duas maris Pontici symplega^as navicviam nostram direximus. Eine
âhnliche MotiviruDg findet man auch Comment. Ezech. VU praef. ^).
Die YerhâltDisszahlen sind Yon Hieronymus durchaus genau ge-
geben; rechnen wir nach, so ist Buch lY mit 54717 Buchstaben
(1563 Zeilen) in der That zwei Drittel des Buchs III mit 81 374 Buchst.
(2325 Z.); und V mit 112240 Buchst. (3207 Z.) ist in der Tbat
doppelt 80 gross als lY, es ist das grôsste dièses Commentars, nocb
grosser als XVlll und war mrspriînglich séparât erscbienen').
Hieronymus bat uns in diesen Praefationen in erwiinscbter Weise
die Ueberlegungen ausgeplaudert, deren jeder Autor des Altertbums
ebenso wie er bat pflegen mûssen. Jeder Autor scbwamm so wie
er zwiscben der Scylla und Cbarybdis zweier missliebiger Moglicb-
keiten, der Zerreissung zusammengeborigeu Stoffs und der Bucb»
ûberfullung.
Da sicb die Tradition der classiscben Litteratur und des clas-
sischen Scbriftwesens nocb bis in das secbste Jabrbundert direkt
fortsetzte, so kann uns nicbt Wunder nebmen, dass aucb nacb dem
Uebergang in das Godexbucbwesen die alten Regeln unverânderte
Gûltigkeit bebielten. Spâte Skribenten, wie der angefubrte Orosius
oder Macrob^ fallen vielleiobt mit ibrem Werk scbon nacb diesen
Uebergang. Aber aucb nocb Justinian sagt (De conf. dig.), dass fur
die Herstellung seiner funfzig Digestenbûcber Acbt gegeben sei auf
die natura numerorum (^ rciy àqid'ikAv aQfioria) et consentanea
dwisio partium.
*) Si librorum brevitas vel longitudo inter se fuerint inaequales, visionum
immo vno^ictiûv brevitati imputes ac hngitudini, dum et iuncta nolumus sepa-
rare et dissonantia in unam coarctare congeriem,
') Vgl. V praef.: qui quondcm solus editus.
]54 — ^^ ^^<^^ <^ Trftger der Sohriftwerke. —
Die meisten der bisher aufgefuhrten Autoren haben uns nur
belehrt, dass sie ein Maximalmass des Buchs zu respectiren hatten.
y or Allem Hieronymus bat stets nur dafûr Entschuldigungen, wexm
eine RoUe zu gross ist; die exceptionelle Kleinheit der yierten zum
Jesaias scheint ihm schon an und fQr sicli gerechtfertigt, und er hilt
es fur moglicb, auch das Buch XVin in zwei ebenso kleine zu zer-
legen. Da die leeren RoUen indess nicht Tom Autor und Yerleger,
sondern in den Papierfabriken gefertigt wurden, so war damit fur die
Autoren zugleich auch ein Minîmalmass des Buchs gegeben; denn
etwa einfach das letzte Drittel einer Rolle unbeschrieben zu lassen,
musste unschon und unzweckmâssig scheinen. So sahen wir denn
MartiaPs Fleiss in der That darauf gerichtet, sie ganz auszufûllen;
und Comificius gestand uns einmal (I fin.), dass er das kleinste môg-
liche Mass noch mit genauer Noth ausgefuUt habe. Bestand dieser
Raumzwang nicht, so hâtte Martial in der That mit Weglassung
ailes Schlechten und Mittelmâssigen das Ganze auf ein Drittel redu-
ciren konnen. Dagegen erhebt er vielmehr die ârgerliche Frage^):
„Wa8 niîtzt mir die Kûrze der Epigramme, wenn sie doch ein Buch
fuUen?" qiUd prodest hrevitas, die mihi, si Uher est? In sehr erfreu-
licher Weise werden uns nun noch durch das Schlussepigramm des
eiften Martialbuchs die Forderungen des Buchs an den Autor zur
Anschauung gebracht. Schon im vorauffolgenden Gedichte war darauf
hingedeutet, dass das Buch zu Ende sei; jetzt heisst es, c. 108:
Qaamvis tam longo posais satur esse libelle
Lector, adhuc a me disticha paaca petis.
Sed — Lupus usuram puerique diaria posennt.
Lector, solve. Taces dissimulasque? Vale.
Dièse Worte lassen sich nur so verstehen : der Dichter hat schon
geschlossen, es ist aber noch ein Platz am Buchende, die Schluss-
seite der Rolle, leer geblieben. Der Léser, als ihr Eâufer, ist es,
der vom Dichter noch ein paar Distichen zu fordem hat, nur so
viele, dass die Seite nicht leer steht. Der Dichter hilft sich launig
80, dass er den Nothstand selbst zum Gegenstand seines Nothgedichtes
macht; das giebt glûcklich zwei Zeilen — und nun „Leser, Adieu.
1) Mart. VIII 29.
— Die MinimalgrOsse : oloy fiêfilioy. — ]55
Du hast ja doch seibst dringende Pflichten; du hast deine Zinsen
noch nicht bezahlt, deine Ski aven noch nîcht bekostigt. Scbweigst
du? und willst es verlâugnen?^^) Damît ist denn die letzte Seite
glûcklich angebrochen.
£îne weitere Dlustration giebt der altère Seneca in seinem liber
«uasoriarum. Sechs Suasorien sind den drei Sohnen Novatus, Seneca
und Mêla mitgetheilt; der Yater denkt hiermit aufzuhoren; alLein:
si Me desiero , sdo futurum ut vos illo loco desinatis légère quo ego a
schoUuiicis recessi; ergo ut Uhrum velitis usque ad umhiUcum revolvere,
adieiam suasoriam proximae similem (6, 27). Seneca befurchtet, die
Sohne hôren zu lesen auf, sobald er fur sie zu schreiben aufhort;
also will er noch ein siebentes Stuck geben — nun aber nicht,
^damit ihr noch mehr zu lesen habet'', sondern anschaulicher ,,damit
ihr die Rolle bis auf die letzte Seite und bis zum Bûcherstab auf-
roUen môget^. Zwischen dem Umbilicus und der sechsten Suasorie
wûrde also ohne die Eintragung der siebenten eine Reihe leerer
Seiten geblieben sein.
Damit gewinnen wir aber endlich fur einen Terminus Verstândniss,
der sich von solchen eiibiîcherigen Schriften, wie die Suasorien
sind, hie und da gebraucht findet. So heisst es Yon Boethos von Sidon,
dem Freund Strabo's, er schrieb ttsqI tov ttqoç u xaï nQOç xt nœç
ixovxoç oloy fitfiXlov^), Ovid dichtet totos libellos voll Elegien (s.
S. 22). Ein ôXov fitfiUoy heissen ganz ebenso die antcfia des Palaepha-
tos*), 80 auch ein Buch Ghrysipp's (s. S. 83). Galen spricht von einem
>) Unricbtig scbeint eine Interprétation, wie ich sie in Bekker's Oallus
II' S. 390 und sonst Torgetragen finde, dass der Dicbter sein Bucb zu
•chliessen erkUre, weil er Oeld branche. Der Lupus und die pueri stellen
Dire Forderungen Tielmehr an den lector: denn sonst b&tte ja die Frage:
taceê dissmukugue'i keinen Sinn. Der Léser kann doch nicht dissimuliren,
dass der Dichter Schulden hat oder Oeld braucht. V. 4 schwankt die Ueber-
liefemng swischen salve und salve. Ersteres wQrde neben vale wenig Zweck
haben; solve besagt dagegen: ^besahP erst deine Schulden, bevor du mich
mahnst, dass ich dir noch ein paar Verse schulde'*. Auch steht solve in den
besseren Handschriften (Puteaneus, Palatinus optimus u. a.)
') Simplicius in Arist. categ. S. 61 B.
*) Théo, progymn. c. 6 : 17. r^ JliQinaniTtXM icrtv oXoy fiêfiUoy nsçê rmy
inicrwy intyQafpofÀtyoy, so wie es uns Torliegt.
156 — ^^ ^°^^ ^ Tr&ger der 8chriftwerke. —
ôXop fiifiJdov des Hippokrates, das einen bestimmten medicinischen
Gegenstand traktire^). Epikur hat nach Cicero*) den Timokrates toû»
voluminibtts yerunglimpft Noch JuBtînian braucht denselben Terminus
entsprechend'). Wozu aber war in allen diesen Fâllen zu der Mono-
biblos nôthig hinzuzusetzen , dass aie ein voiles Buch sei? Der
Terminus batte fur das Papyrusbucb nur Sinn, wenn anch fiifiUa
fi^ pXa „nicbt ausgefullte Bûcber^ yorkamen. Beispiele hierfûr ynid
uns unser siebenter Absclinitt in grosser Anzahl vorfubren ; hier môge
ein anderes Platz finden.
Unerhort ist im Ereise der ganzen Litteratur bei mehrbûcberigen
Werken ein so winziges Ëinzelbucb wie das in Aristoteles' Meta-
physik als ro sXaCfSov A bezeicbnete; n\ir abnormen Yerbâltnissen
konnte es seine Entstebung verdanken; Alexander Apbrodisiensis*)
aber bat nicht yersâumt beryorzubeben , dass dies „kein yoUstSn-
diges^ Bucb sei; er sagt: &i%i ai fiéQOç fitfiUov, àXX* ov fiifiUoy
oXoxXtiQOP.
Indem also Seneca seine siebente Suasorie binzufugte, bat er ein
fiifiiiop (i^ oXôxXtjQoy vermeiden wollen.
Und nicht anders spâter Ausonius. Dieser Dichter hat seine
Professores mit 572 Yersen absolyirt; es ist aber auch hier noch
Platz im Bûche und darum fugt auch er seine Epitaphia her<mm
hinzu : ut tel vanum opusctdum materiae congruentis absolverem et UbéQo
epitaphia subnecterem, So erhâlt er 715 Verse').
So viel genûge ûber das Ëinzelbucb in seinem Yerbâltmss zum
Werkganzen. Das Yerhalten der Schriftsteller hat uns seine Raum-
natur bestâtigt. Es hat ein Maximalmass und ein Minimalmass der
antiken BuchroUe gegeben, nach dem die Autoren sich richteten.
Wir haben nunmehr dièse Masse zu bestimmen. Doch muss zuyor
die Masseinheit festgestellt werden, nach der wir zu messen haben
werden.
') GaleDi methodus med. VI c 5.
^ Cicero de nat. deor. I 93.
') Dig. const. Jiâmxtv 6.
^) Alex, schol. Metaph. zu diesem Buch, init.
^) Die Ueberschriften als Zeilen mitgez&hlt.
VTERTES KAPITEL.
Die Buchzeîle.
Wenn wir das Alterthum fragen, womit es den Umfang seincr
Bûcher ausmisst, so lautet seine Antwort fast einmûthig: die Zeile.
Gelegentliche abweichende Bestimmungen sind im Yergleich damit
leicht als bedeutungslos zu erkennen.
Clemens schâtzt, wie wir sahen (S. 148), die Buchgrosse nach „Zabl
and nachUmfaDg der Kapitel^ ab. Hieraus erhellt schon, dass die
Grosse der Kapitel selbst eîne schwankende war. Sie liessen sich
somit auch nicht als comparativer Massstab Yerwenden. Auch scheint
der Begriff des Kapitels nicht sehr ait zu sein. Dem Photios ist
dièse Texteintheilung freilich gelâufig, so wie den Scholiasten des
Arîstoteles und Hippokrates, wo sie mit tfk^fMX abwechselt^). Hand-
schriftlich liegen Kapiteliîberschriften yielleicht zuerst Yor in dem
Papyrus chemicus N. 66 des Leydener Muséums; sie erscheinen hier
aber vielmehr nebengescbrieben'). Symmachus liest Seneca in Ea-
piteln'), Cassiodor den Josephus in Titebi^). Des Hieronymus
Commentare lagen dem Rufin in nicht numerirten Eapitein vor').
') Dieu, Schol. Hippokr. II 3. Vgl. Bergk Or. Litterat. I S. 233.
') Vgl. LeemsDs, Ilorapollo S. XXII.
«) Symm. ep. X 27.
*) Cassiodor arithm. l: Josephus in libro I antiquitatum tituîo IX,
^) So citirt Rufin (Hier. IV S. 378 éd. Mari.) in tertio commentariorum
(se. ad Ephesios) libro . . . sub eo capitulo ubi scriptum est „Qui uxorem'' eqs.
post aliguanta sic ait; wSre das betreffende Kapitel numerirt gewesen, so h&tte
es Rufin einfacber mit der Zabi citirt ; ebenso weiterbin (S. 380) : de eo capi-
158 — ^® Bachxeile. —
Aus dem Jahr 114 n. Chr. lemen wir inschriftlicli^) das Stadtjoumal
oder Tageblatt') der Landstadt Caere kennen, das in kapita zerfiel;
es batte sowohl Kapitel- aïs auch Seitenzâblung; worin hier die
Eapitel ibre Einbeit fanden, ist unklar; jedeD&lls aber waren sie
raumlicb uDgleicb'). Aucb Testamente tbeilte man so, und ein Kaput
ex testamento M, Megonii M, F. Cor. Leonis wird gleicbâdls inscbrift-
licb mitgetbeilt^). Auf Kapiteltbeilung angelegt war das Bucb der
Paradoxa Gicero^s, womit man die vier X6yo& nagadd^œy des Damas-
kios yergleicbe, die xsîpalatiââeiç waren, der erste zu 352 xstfcilcua
(Pbot. cod. 130). Docb ist als erster vielmebr Ëpapbroditos (unter
Nero) anzufubren, welcber die Bûcber der Odyssée xetpdXoHz naxinte,
eine Tbatsacbe, die erst in anderem Zusammenbang biiureicbende
ËrklâruDg finden kann').
Ein anderer TernÛDUs ist damit verwandt und vielleicbt identisch,
pars libri und fiéQOç fiifiXiov. Wenn Hieronymus scbreibt*) : undeci-
mus liber . . . facilior erit in principHs et usque ad duos sut partes
reliqua simili more dictanda sunt, so setzt dies voraus, dass auf die
zwei partes seines Bucbs nocb mebrere folgten und dass jede pars
tulo uhi dicit apostolus ^Sicut elegit" eqs. ita ait; Tgl. ebenda S. 402; endHeh
S. 405 : longvm est si velim . . . proposiHs capitulis ad singula reqtondere,
1) Mommsen, IRN. 6828 (Orelli 3787; Grater S. 214): Q. Ninnio Hasta
P. Manilio Vopisco cos.
*) Commentarium cottidianum mumcipi Caeritum.
3) Ulpius Vesbinns hat dem Municip Caere ein phetrium (<iQ€eTçtoy) baaen
lassen; die Inschrift tbeilt erstlich die Erlaubniss des Magistrates der Stadi
mit, descriptum et recognitum factum ... ex commentario quem iussit profenri
Cuperius Hostilianus per T, Rustium Lysiponum scriham^ a. aw. aus ihm iwie
pagina XXVII Kapite VI; folgt der Permiss an Vesbinus; darauf Abscbrift
eines zweiten Dokuments, Anfrago des Magistrats an den Curiatius Cosannp,
ob er gegon den Bau nicbts einzuwenden hat; dies stand sichtlich frfiber:
inde pagina altéra capite primo; drittens endlîch folgt die Zasage des Cosanos,
sie stand pagina VIII kapite primo. AUo das erste Kapitel nmfasste die
ersten acht Seiten oder mehr; auf Seite XXVII stand man im Kapitel VI: aaf
den achtzehn Seiten, die zwiscben S. VIII und XXVII lagen, waren also mm-
destcns vier Kapitel absolvirt, jedes h()chsten3 zu 47^ Seiten.
*) Fleetwood, inscr. ant. sylloge (1691) S. 75.
*) Vgl. unten Kap. IX.
^) Hieron. comni. Jesai. XI praef.
— Kapîtel. Buchtheile. Seiten. — XÔ9
dem Léser sichtlich abgegrenzt erschien, muthmasslich durch Absatz
im Contexte. Aelmlich theilte sich fur Galen*) eîn Buch des Hippo-
krates: zovzov xov fitfiUov ro ikèv xatà to tv ygdfifka iiéqoç tb
nqAtov êîç Cfi Ciixovç i^^xet, Auch der „Theil^ bedeutet also
keinen bestimmten Raumumfang, denn seine Stichenzahl muss erst
taxirt werden. Beîm Hippokrates waren ûbrigens die (ligil ver-
scbiedene unzusammenhângende Traktate. Nach solchen ^Theilen^
citirt nun Asconius wenigstens eine der Reden Cicero^s, die Scauriana;
sein erstes Citât ans ihr steht zwar circa ver, (a) prim, XXXX, die
nâchsten ibidem, das vierte aber circa tertiam partein a primo y das
folgende mit statim ist interpolirt, dann steht paulo post, dann circa
médium, dann post duos partes orationis, post très jiartea orationis a
primo, endlich ver. a nov. . . und ver. a novis. CLX, Auch hier sind
die paries also nicht von gleicher Grosse^). Sie mûssen um so mehr
irgendwie graphisch ausgezeichnet gewesen sein, da hier die ûbliche
Citirweise nach Zeilen nebenhergeht.
Ein Raummass dagegen ist die Seite, asXlÇj pagina. Die Buch-
grôsse nach der Seitenzahl zu bestimmen scheint naheliegend, und
in der That sind in dem angefuhrten commentarius der Stadt Caere
die Seiten numerirt gewesen, so dass geradezu nach ihnen citirt wird.
Dies geschah hier indess wohl nur, weil Verszâhlung in einer Mis-
cellanskriptur wie dieser nicht wohl môglich war. Denn sonst citirte
man — wenn schon seiten — nur nach Versen, und das Zâhlen der
Seiten scheint ûberhaupt niemals wirklich zum Usus geworden zu sein.
Es l&sst sich dafûr Tor allem die vierte Philodemrolle tisqI ^tiroQtxl^ç
anfuhren'), deren Schriftcolumnen von Blatt VIII ab*) unten mit
Zahlen versehen sind: P^iZ steht auf Bl. VIII, P^0 auf XI, weiter
PMj PMA u. s. f. bis PMZ auf Blatt XIX; die Rolle bestand also
anscheinend ans 147 Seiten. Hâufiger finden wir die Zahl der Selides
') Oalen in Hippokr. de nat. hom. XV S. 9.
'; Die zweite HAlfle der Rede nach dem médium fasst den Rest von
pars II und pars III und IV ; danach muas pars I mit einem Theil von
pars II die ganse erste Hftlfte gef&llt haben; darum ist mir das circa tertiam
partem a primo unverstllndlich, man erwartet circa alteram,
») Vol. Hercul. Xeap. XP S. 1 ff.
*) Blatt I biâ VII sind unten abgeri^sen.
IQQ — Die Bachieile. -—
am Buchende subskribirt; dies geschah meistena auf dem Eschatocoll
unterhalb der ^dchtigeren Stichenzahl, wie in den Herculanensischen
Rollen N. 105, 106, 109, 111, 115 des unten folgenden Btichometri-
schen YerzeichnisBes, womit N. 103 zu vergleichen ist. Gelegentlich
sind in ihnen aber auch nur die Selides yerzeiclmet: so Yol. Herc
éd. Ozon. index N. 1414: 0tXoâijfAOV TïïiQi xdqnoç, noXX^iMta
C€AIOH^). Indess finden sie sich nie, wie die Sticben, mit dea
alten dekadischen Zahlenzeichen gescbrieben und îhre Zâhlung erweist
sich dadurch als von der Stichenzâhlung principiell Terschieden, aïs
nicht eigentlich zum bibliometrischen Usus gebôrig. — Elin griechisches
Epigramm bezeichnet endlich einmal entsprechend eine unbestimmte
Masse von poetischen Bûchem als fiVQKxâsç fivfihay£y <fëiJiômv%
âhnlich wie es von den Historikern beim JuTenal (VU 100) heisst:
^idlo quippe modo millesima pagina surgit omnibus. Yon hundeit
paginae redet einmal Martial (YIII 44). Dass die Seite Ton den
Alten trotzdem zur Bestinmiung der Buchumfange nicbt gewâhlt
worden ist, lâsst sich nur aus dem Zweck erklâren, den solcbe Be-
stimmungen fur sie hatten und der eine nocb grossere Genauigkeit
wûnschenswerth erscheinen Hess, als jene leisten konnte: denn in der
That war die Lange der Schriftcolumnen inconstant und konnte Ton
20 bis 50 Zeilen halten').
Auders als bei Clemens fanden wir beim Comificius und Cicero
die Grosse eines Buchs vielmehr nach der Yielheit der Bucbstaben
bemessen, die es enthalt (S. 148 f.). Yergleichen liesse sich damit etwa,
wenn Marc Aurel eine Rede Frontons mit eigener Hand copirt bat und
Fronto ausruft: „so viele Bucbstaben du gescbrieben, so yiele £bren
sind mein^ (S. 20 éd. Nab.). Bei Pappus Alexandrinus wird, ûreilich
zu ganz anderem Zweck, der Yers ^Aqxéinôoç xlsîte XQcitoç s^oxoy
') Was Spengel und danach auch Cobot mit Becht als 78 Selidea lesen
{ail. oij' oder aber TÎelIeicbt aili. oi/),
') Julianuâ Aegyptius auf Theodorus, AnthoL Pal. VII 594.
') Constanz iat allerdings innerbalb einea Einzelbuchea wahnunehmen,
wie im Bankosianus zu circa 43 Zeilen. Pbilodem niçl xaxmy (éd. Oxford)
Bcbwankt zwiscben 36, 37, 38; daselbst freilich S. 83 — 105 zwiacben 37 und 46.
Vol. Oxon. II S. 1 — 45 bat 25 — 27, S. 46—116 vielmebr 35 (vgL Cobet
Mnemos. 1878 S. 262).
— Z&hlen der Seiten, der Bachstaben und Silben. -^ JgX
iwêa Movgaê wirkiicli abgez&hlt (insï ovv ygccfi^aTa iffnv Xf( toi
ifdxov n 17 fin. YgL II 23). Merkwûrdiger sind jene zwôlf Trimeter,
die anf der Rûckseite des astronomischen Lehrbuchs des Eudoxos
binzngefûgt stehen; sie tragen nicht nur den Titel Evâé^ov réxyfj
als Akrostichon, sondem es ist hier in der Eunst oder Spielerei yiel
"weiter gegangen; auch der Buchstabeninhalt der Zeilen ist abgezâblt:
sie enthalten zusammen gerade 365 Bucbstaben , d. i. so viele,
sIb Tage im Jahr sind, jeder Trimeter aber als Yertreter eines
Monata genau deren 30 und nur der letzte 35: das Gedicbt
•elbflt giebt darûber Aufscbluss: 6 fiiv (nixoç fMt^ iifti, yQccfkfia
Hiermit ist nun allerdings auf die letzten, kleÎDsten Bestandtheile,
es ist aber zugleicb auf eine wirklicb constante Grosse zuruckge-
griffen; und, lag Exaktheit im Zweck, so musste in der That der
Bachstabe die Grundiage aller Messungen des Bucbumfangs bilden.
Indess ^re ein Abzâhlen des Buchstabeninbaltes ganzer Rollen
nun freilicb ein lâcherlicher, unverhâltnissmâssiger Mûhaufwand ge-
wesen. Weder Cicero noch Comificîus konnten glauben machen,
dass sie ihn wirklicb abgezahlt Eine zweite constante Grosse
"war nothig, die Termittelnd eine gewisse Bucbstabenanzabl reprâ-
aentirte.
Als solcbe Grôssen lebrt uns ein Pliniusbrief — ausser der Brief-
seite — die Silbe kennen und die Zeile. Plinius bat lY 11 einen
langen Brief gescbrieben, der etyras ûber zwei Seiten fQllen mocbte;
abscbliessend fordert er einen gleicb langen Gegenbrief, und die Lange
desselben will er durcb Nacbzablen genau controliren: ego non pa-
gmoê tantum sed versus etiam syUabasque numerabo: d. b. aucb dieser
Brief soll zwei Seiten balten und auf der dritten Seite nocb x yoUe
Zeilen nebst einer Halbzeile zu x Silben. Die Bucbstaben selbst zu
zâblen aber fallt bier dem Plinius nicbt bei.
Die Silbe nun kônnen wir iibergeben; ein spâterer Zusammen-
hang wird uns fur dièses Zâblen der Silben als kleinsten Raum-
masses einen weiteren und lebrreichen Beleg ans dem Galen bringen
(S. 214); man zâblte sie statt der Bucbstaben, weil man eben nicbt,
^) YgL Brnnet de Presle, Notices et extr. XVIII S. 45 f.
Birt, BoehweMii. 11
1Q2 — Dîe Bachseile. — >
wie wir, gewohnt war, die geschriebene von der gesprochenen Eede
zu scheiden. Der versus oder (nixoç der Alten wird uns dagegen
um 80 eingehender beschâftigen mûssen. So selbstverstandlîcb con-
stant er in der Poésie war, und so nabe es darom liegen mochte
ibre Verse zu zâblen, so aufîallig und fragwûrdig scbeint, dass
man dasselbe aucb auf die Prosa ûbertrug.
Scbon im Yoraufgebenden gab Hieronymus uns biervon Beispiele;
seine Taxinmg yon Prosabucbgrossen nacb Yersen erwies sicb als
80 exakt, dass fur die dabei in Betracbt kommenden Bûcber der
Vers notbwendig ein Fixum gewesen sein muss (S. 152 f.). Die ganze
Bucbkunde der Alten nun aber bat dem entsprecbend den Inbalt
ibrer Biîcber nicbt nacb Eapitebi oder Seiten, sondem nacb Zeilen
berccbnet. Dies ist die sogenannte Sticbometrie, welcber an-
scbeinend kein Werk sicb entzogen bat. Durcb einen Ueberblick
ûber dièse Sticbometrie soll sicb uns nunmebr der Begriff der an-
tiken Zeile nâber bestinimen , damit wir unsere Hauptaufgabe,
die Bestimmung der Grossenmasse des antiken Bucbes bemacb
eben mit Hûlfe der antiken Masseinbeit selbst zu lôsen Tersucbeo
kônnen.
Sebr seiten kam ein Autor auf den Einfall, die Yerszabl selbst
zu nennen; dies tbat Josepbos am Ënde seiner Altertbûmer und
Justinian bei Erôfifnung seiner Digesten zum Zweck der Contrôle,
Tbeopomp aus Rubmredigkeit, Ausonius zu scberzbaftem Endzweck:
1. Josepbos Antiqu. XX fin.: xaTartavcw t^v agxaêoXoyUxy
piploiç fièy €Ïxo(ft 7r€Qi€ti,Xij(AéytjPj 1$ âè (iVQKxcïi attxfày: 60 000
Verse in 20 Bûcbem.
2. Justinian de confirm. dig. 1 (vgl. ad antecess. 1): in quinqua-
ffinta ïibros omne quod utilissimum erat coUectum est , . . nomenque libris
imposuimus Digestorum seu Pandectarum ... m cerUum quinquagmta
paene milia versuum totum opus consummantes (entsprecbend aucb
griecbiscb gefasst): fast 150 000 Verse in 50 Bûcbem.
3. Tbeopomp (Phot. cod. 176, S. 120 b 30 B.): . . . avrà
âpnnoiovfiévœ %&v nQœreiœyj oix ilaTréyoùy fkèy ^ ÔKffàVQiwy
imiy tovç intâsixnxovç rây Xoyœy (WyyQatpafjbéyœ , nXsiovç âè
Ç w' (jkVQiââaç iy olç tccç t€ t&y ^EXXijycùy xal fiaQficcQtov Ttgàiëiç
fiéxQt vvy ànayrsXlofAiyaç b<sh Xafisty .... Tovta avTOÇ nêçl
— Stichometrie. — lg3
av%ov Xéytùv 9nX,: 20 000 Verse (c/n;) in epideiktischen Reden,
150 000 in 70 Geschiclitsbachern ^).
4. Ausonius Griphus y. 89 f.:
Hio qaoque ne ludas numéro transcurrat inerti
Ter decies temos habeat decîesye noyenos.
SoDst fanden die Yerszahlen bei der Edition vielmehr als redak-
toiische Notiz in der Subskription jedes Bûches ihren bescheidenen
Platz; Herodian thut dieser Zahlen einmal Erwâhnung, ^die wir bei
Schrifbwerken an den Enden der Bûcher sehen^'), aber auch wohl
Lnkian, ûber einen Compendienschreiber spottend, der sein dûrres
Werk pathetisch in folgender Weise betitelte: KaXhiMQfpov lazqov
Tifç jwy xovTOîféqoav hn^ç îcnoç^œp Jlaqd'ixâv und jede Rolle
subskribirte mit dem âçê&f^ôç '). Ben Endseiten der Rollen wurden
die ZifTem aber ferner Yon den Bibliothekaren entnonimen und zur
Contrôle gleichfalls genau in die Bibliothekskataloge eingetragen.
Aus beiden Quellen haben wir nun, als Subskriptionen und als Eatalog-
angaben, eine Reihe solcher Zeilensummen erhalten, welche, Yon
Ritschl zuerst, doch ohne Ordnung zusammengestellt, hierorts ge-
ordnet und Yermehrt zum Zweck unserer Betrachtung einen Platz
finden soUen.
Wir stellen die nicht als Subskriptionen erhaltenen Angaben
Toran und gehen Yon der griechischen Litteratur aus. Hier war es
bekanntlich der alezandrinische Bibliothekar am Bruchium Ealli-
machos, welcher den denkwûrdigen Plan zu grossartiger Ausfuhrung
brachte, die in Alexandria ûberreich zusammenfliessenden Bûcher-
massen nicht zu ordnen und aufzustellen ohne sich ûber jede Rolle
^) Der Titel 'Elliituoy xat fia^fiaçaip nça^nç passt sachlich auf beide
Werke Theopomp's; die Hellenica, an die er anklingt, waren zu kurz um hier
mlleîn gemeini eu sein; die Hellenica auszuschliessen aber wird durch nichto
indicirty also Terstehe ich beide Werke Theopomp's , was zu einem solchen
Gesammtûberblick am besten passt.
*) Herodian mçi rwy àçt&inôiy, Steph. Thesaur. éd. Dindorf, append. VIII
S. 345y ûber das altère griechische Zahlens jstem : xat yàç ravra (se oj/ukc)
fy n ràêç yçatpàiç rwy fiifiXiiay M toIç néçacày oçaifÀiy yçarpofiiya xtL
*) Lnkian XXV 16: ovnoç inéyçaipi ta fiifikia TQayêxânçoy .... ^JCoJUU-
fêôç<f>ov xrjt." xat vniyéyçtKnto ixâcrp o àçèd-fioç, Dass die Subskription jedes
Buchs bloe die ,,Buobsahl'* trug, w&re doch wohl nicht erw&hnenswerth gewesen.
11*
154 — l)îo Bnebieile. —
und jeden Autorennamen litterarhistorisch zu yergewisseni, die Echt-
heit zu prûfen, Yor allem auch nach der YoUstandigkeit des Buch-
bestandes zu sehen. Die Ulvaitêç, in welchen Eallimachos dièse
fur die Litteraturgescbichte so grundlegenden Notizen zusammen-
ordnete, rubricirten die Autoren, yorzûglich nach den Stilgattungeo,
in yerscbiedenen Gruppen, und gaben von jedem ibrer Werke consé-
quent den Yollstândigen Titel, die Bucbzabl, die Anfangsworte und
endlicb den Zeileninbalt. Von den Zeileninhalten wurden bei Ver-
fassem mebrerer Werke die Gesammtsumme ausgerechnet. Die
^enigen Zahlen, die wir aus diesen Ilivaiuç des KaUimaclios direkt
erbalten, mûssen besonderen Wertb beansprucben (N. 54 f.); ûbrigens
bot sicb der sp&teren Litteraturbetrachtung in diesem Werk eine
Fundgrube dar, aus der sicb bestes Material in Fûlle schopfen liess;
aucb yiele der Sticbenangaben bei spâteren Autoren dûrfen auf sie
zurûckgefubrt werden; oftmals wird, zumal bei Nennung der Ge-
sammtzeilensummen eines Schriftsteliers, der Trieb zur Yereinfacbung
scbwerfalliger Zablen oder auch einfacbe Irrung in dieser indirekten
Ueberlieferung die ursprunglicben Daten yerfalscht haben.
Wir stellen die Angaben Yoran, die auf poetische Werke
Bezug haben; sie betreffen meist Yorkallimacheische Werke:
5. Ilias (Cert Hom. et Hes. 19 N.): 15 000 Itiç. Es sind viel-
mehr 15 693 Verse, Ygl. N. 6.
6. Odyssée (ebenda): 12 500 «Vrjy. Es sind nur 12110. Es
ist hier wohl ein ç) Yerstellt und wir baben fur die Bias iji&v fJt^^fpj
fur die Odyssée fj,^^' zu lesen.
7. Danaides (tbl. Biaca G. I. G. 6129; Jahn, Gr. Bilderchroniken
Tfl. VI) : 6500 sn^.
8. Werk unbestimmten Titels (tbl. Biac.)*): 9100 ôny.
9. Werk unbestimmten Titels (ebenda)*): 6600 «rç. VieUeicht
ist die Oedipodia gemeint.
^) Man liest: . . . ytoy M^lfictov kéyovmv in(5y ovra fi^*\ der Titel
muss neutralen Geschlechts wie Kvnçta gewesen sein; dazn oyra, Staainns
war Kyprier, Milesier war Arktinus, an den also hier etwa su denken isL
^) • • W'7»' OldèTïodfwy T^y vno Kvyaid^iûvoç tdD . . .
. . . 71 fç iniày ovaay ^ç^ vno^^cofAey Srj^aiâa . . .
Noch oine andere titellose Zabi scheint zwei Zeilen danach su stehen.
— Stichometrie »aa Katalogen (Dichter). — lg5
10. Thebais (Cert Hom. Hes.): 7000 «imy.
11. Epigonoi (Cert. Hom. Hes.): 7000 «rç. — Fur Kypria,
Aethiopis, Dias mikra, Iliupersis, Nostoi, Telegonia erhalten wir nur
BuchzableD, ebenso ftir Hesiod.
12. Pindar (Eustath. comm. Pind. S. 24 Schneidewin) inêplx^o^i
migef&hr 4000 (nixo^^)-
13. Erinna (Soid. s. n., ebenso Anthol. Pal. IX 190) *HXaxdt^i
300 in^.
14. Xenophanes (Diog. La. IX 20), sîç ^EXéav t^ç *ItaXlaç
anoêXiCf^éç: 2000 eTn/. Yielleicht ist die KoXog>apoç xtUfêç in der
Zahl mit einbegriffen.
15. Empedokles (Diog. La. Vlli 77) tuqï (fV(t€fûç imd xad'a^
§âot: gegen 5000 sTnj.
16. Empedokles (Suid. s. n.) Ttsçi çvifeùûç allein: ungefahr
2000 imi in 3 Bûchem.
17. Empedokles (Diog. a. a. 0.) larq^oç Xôyoç: gegen 600 87nj.
18. Panyasis (Suid. s. n.) ^HQaxlêêciç: gegen 9000 lim/.
19. Theognis (Suid. s. n.) ypcifuxê ôh ilsyeiaç: gegen 2800 Stt^
(d. h. ûber 2750)»).
20. Timotheos (Steph. Byz. s. y. MiXfizoç) v6fM)$ xtd'aqfûdixoii
gegen 8000 inti in 18 Bûchera.
^) Die Stelle laatet: tîal ât nataviç â$&vça/nfio$ nqoçôâka naçd^éyHx ....
uno^X^fÀora iyxœ/ma d^ç^yo* xal inhvixèOè (xarà r^y Umçiay éçtt Tcrçoxiç-
jf«JUo«) o*vç xai bnyixovç TiTQaavXkapaç qaaiy. L&se man sUtt Ictoqiay TÎel-
mehr cn[x\o\jAêT\qiay, so w&re jeder Anstoss beseitigt. Bergk Pindar^ S. 367
Note sneht dièse Zahl mit Unrecht za yerd&chtigen. Derselbe yermuthet
beim Suidas s. niyâaqoç statt des schliessenden inèxà mit Recht gleich-
falls eine Zahl. Gegen die Schreibung 1*7117 ^,^ macht er selbst gegprftndete
Bedenken geUend. Dièse Verschreibung ist mit N. 19, 32 susammen tu be-
handeln.
*) Suidas giebt zweimal eine Zahl: ïyçaipty iliyiiay tiç tovç ctod-éyraç
vSy SvQoxociwy iy 7^ noltoçxiç, yyuifÀaç â* iliyiiaç tîç in>i fiu)) dieselben
Qnomen werden sodann noch einmal in etwas genauerer Fassung aufgeftlhrt,
die ich ftlr Dittographie halte: xai nçoç Kvçyoy roy atmv içtô/Liiyoy yyafAO'
Xoyiay âê' iXêyiiiûy xai iriQaç imo&^xaç, naçaiyinxâç, rà nâyra ^inèxmç; Trir
haben demnach auch hier gewiss ta nâyra inrj fita sa lesen. Dilthey jer-
mnthet Rhein. Mas. 18, 160, rà navra ^d^txôiç, doch ygL No. 12 and 32.
Jgg — Die Badueile. —
21. Timotheos (ebenda) nçovàfJMx avXôiy: 1000 J/nj ist nn-
siclier *).
22. Antimaclios Yon Heliopolis (Suid. s. n.) itotSiumoUal
3700 irtfi.
23. Mari an 08 scholasticos (Suid. s. n.): Metaphrase des Theo-
krit: 3150 ïafjkfiot.
24. Marianos (ebenda) Metaphrase der Argonautika des Apol-
lonius: 5608 ïagAfioi.
25. Marianos (ebenda) Metaphrase der Hekale, Hymnœ, Aitia
und Epigrammata des Eallimachos : 6810 ïafifioê.
26. Marianos (ebenda), Metaphrase des Arat: 1140 ïafAfioi.
27. Marianos (ebenda), Metaphrase der Theriaka (und Alexi-
pharmaka)^ des Nikander: 1370 Xafifioê.
28. Amphilochios episcopus (subskribirte Verse; Tgl. Orelli,
op. gr. sent, et mor. U S. 412) epistula ad Seleucum: 333 ïa[Afio&.
Titel, die moglicherweise auf Erfindung beruhen, darum
aber nicht weniger fur die Gewohnheit der Stichometrie Zeugniss
ablegen, sind:
29. Arion (Suid. s. n.); Ço/iara^ TTQOoifua: gegen 2000 sfEij^.
30. Orpheus (Suid. s, n.), 0P0fAa<ntx6y: 1200 «hç*).
31. Orpheus (a. a. 0.), &€oyovia: 1200 irn/.
32. Orpheus (a. a. 0.): àaxqovoitlaj âfAOXonia, &vij7wXix6vj
wodvuxà ^ taocxontxd: statt der Zahl folgt hier JtiuccSç; man lèse
etwa ênij fica'^),
Zweifellos fingirt sind folgende Zahlen aus Lobon's des
Argiver's Schrift ncQÏ noifiiûv^):
^) Stephanos sagt: oç inoi>j<rt v6/Li(ay Xi&açtpdiXtav fiifilovç àxrutxaiâtxa
fîç Inmv oxrax^x^^^^^ ^^'^ àçid^fioy , xaî TiQovôfÂMt avltoy j|f*il»a. Man er-
wartet, dass auch die zweite Zahl Stichen gebe; also mûssten wir lesen: n^th-
vofjiiîûv avkiàv )^iha (se. (ntj), Etwas anders Bitschl I S. 89.
') Die GrOsse der Zahl beweist, wenn man dea Umfang der Metaphrasen
des Arat und des ApoUonios rergleicht, dass hier bei Suidas xaî jilsÇHfccçfÂâxtoy
ausgefallen sein muss; rgl. Bitschl 1 8. 112.
') „Numeru8 ut opiner vitium contraxit^, Bemhardy.
^) ^Titulus commenticius'^ Bernhardy.
^) Vgl. Lobeck Aglaoph. S. 355.
6) Vgl. E. HiUer, Bhein. Mus. 33, S. 518 ff.
— Stiehometrie aas Katalogen (Dichter). — lg7
33. Thaïes (Diog. La. I 34), xà yeygafAfAéya: gegen 200 Smj.
34. Chilon (ebenda 68) iXêyêta: gegen 200 irtf}.
35. Pittakos (ebenda 79; ygl. Suid. s. n.) iXsystai 600 fiTi^.
36. Bias (ebenda 85) juçi ^laviaç ziva (AcclKna àv tqônov
evâa&fMPoifi: gegen 2000 Sntj.
37. Kleobulos (ebenda 89; ygl. Suid. s. n.) qafiaza und yQÎçon
gegen 3000 sn^.
38. Periander (ebenda 97, Suid. s. n.) vno^xa$ €Îç rov àv~
&Qm7uiov filoy: 3000 iinj,
39. Sol on (ebenda 61): yéyQa(p€ ai â^Xop (Jkip Su tovç v6fM)VÇ
M€xi â^fAtjyoQiaç Kai eîç éavtov vno&^xaç iXsyiXa — xaï xà 7uq\
JSalafAÏyoç xai tijç *A&^vaiœp noXiTstaç, snij nsvxaxkçxiX^a,
»al IccfA^ovç xai intaôovç. Die Zabi 5000 sTtf^ stebt hier unordentr
lich zwischen den Titeln innen, deren erste zwei schwindelhaft sind.
Um der voraufgehenden gleichartigen Zahlen willen ist auch dièse
hochverdâchtig.
40. Epimenides (Diog. La. I 111)^) KovQ^toav xai KoQvfidp-
Tmv yéyeoiç xai â'soyoyia: 5000 Stu^.
41. Epimenides, ^Aqyovç vavnfiyia xai ^Idtfopoç bIç KôXxovç
mwTïXovç: 6500 inri.
Ebenso sind sicher oder wahrscheinlich fingirt'):
42. Thamyras (Suid. s. n.), &€o3ioyia: gegen 3000 sTnj.
43. Thamyras (Tzetzes Chil. Vil 92), xo^ikorovia: 5000 otç.
44. Palaephatos (Suid. s. n.), xoCfionotia : gegen 5000 ënt).
45. Palaephatos, l^n:oJU(WOç xai ^AQxéfAiâoç yovai: SOOOfihiif.
46. Palaephatos, ^AçQûâir^ç xai ^Eqùûxoç qxavai xai XéyoU
5000 in^.
47. Palaephatos, *A^vàç eg^ç xai HoCSêôùipoÇ' 1000 êjn/.
48. Eumolpos^) (Suid. s. n.), xelstai Ji^fi^QOÇ xai ^ bIç
KeXêOV àîpilètç xai t^ x&v fAVtfx^gicûP naQdôoCkÇ 17 xaXç &vyaxQdffêp
avTOV yêPOfAép^: im Ganzen 3000 iVn^. Also 3 Epenbûcher zu
1000 Versen.
^) VieUeicht auch nach Lobon, Tgl. Hiller S. 525.
>) VgL Bergk, Gr. Litt.-Ge8ch. I S. 404 f.
^ VgL HiUer a. a. 0. S. 622.
Igg — Die BadiMJto. —
49. Anacharsis (Biog. La. 1 101; Soid. s. n.), réfufka Sxv&utà
ÔC imiy. TgL anten N. 53.
50. Xenophanes (Diog. La. IX 20): Koloq>myoç xvUnç luû o
ëlç ^EXàay rçç ^ItaJSaç oTWuuogtoç: 2000 £nnf.
Hieran reihen wir die Yenzalilen der Prosa. Anch hier unter-
Bcheiden aich die fiDgirten Xitel leicht Ton den echten. Es sind
folgende :
51. Epimenides (Diog. La. 1111): Mamlajrdâiiy nsQÏ &viU&v
»al xTfi iv Kq^^ mhttiaç Mal nfqi Miyuk xeà 'Paâafêciy^voç:
gegea 4000 £rrf .
52. Aristeas (Snid. s. n.) xautXa/ââ^y ô'soyoyta: gegea
1000 imj.
53. Anacharsis. Suidas s. n. giebt: iygaîpê yofUfjka Sxvd'ixà
ôh hniy, nBQÏ siftëXéiaç xAv sic toy ày&qmmyov fiioy, stoi nciyia
oarraxcMna. Also werden die yofufka jedenfalls als Poésie, das Fol-
gende als Prosa fingirt. Dagegen spriefat nicht die Fassung bei
Diog. 1 101 : oimç irtoUjCs %iy xs Ttagà xoîç Sxvâvtç yofjUfu$y xal
xAy nagà 'ElXfiC^y^ etç évxéleêay filov, xal xà xaxà xoy nolefêoy^
infi oxxaxôcia. Prosa und Poésie znsammen ergeben 800 £nf •
Auf wirkiich existirende Werke neLmen die folgenden Angaben
Bezug, deren erste zwei direkt den JUiyaxfç des Kallimachos ent-
stammen:
54. Chairephon, (Eallimaclios bei Athenaeos S. 244 A) ^éP-
jtyoyi 375 Stichen.
55. Gnathaina (Kallimachos bei Athenaeos S. 585 B) rofAoç
avaaixtxôç: 323 Stichen.
56. Xenokrates. Fur seinen Gesammtnacfalass, den poetischen
{sTtfi) mit einbegriffen, erscheinen bei Diog. La. lY 14 im cod. Lau-
rentianus plut. 69, 13 ç* fkô. ifi. cX&, das ist 220 239 Stichen.
Vulgatlesung ist 224 239 (die besten Codd. geben nur 34 239)*).
57. Xenokrates' d'éaetç (Biog. IV 13) yky oder fi, das sind
entweder 30 000 oder 13 000 Stichen «) in 20 Bûchem.
1) Ritschl Op. 1 191 ff., 830 ff., der auch betreffs der folgenden Zahlen
zu Tergleichen ist. fia ist ohne Frage AbkQrzung ftlr /nvçtâdêç.
3) Ritechl Op. I S. 100 Note, 831.
— Stichomeirie ans Katalogen (Prosaiker). — ]g9
58. Xenokrates' nga^fiateia nsql rot âiaXéyèa&aê hat im cod.
Burb. u. Laiir. pL 69, 35 ^filpfi, das ist 12 740 Stichen, in 14 B&chem.
59. Speusippos hat bei Diog. lY 5 nacb Laurentianus 69, 13 im
Gesammtnachlass [in fi. âoë Stichen, das ist wohl fiâ. xfi'j dos =
324 075.
60. Aristoteles (Diog. V 27) 445 270 Stichen.
61. Theophrastos hat bei Diog. Y 50 im Gresammtnachlass
12 850 Stichen (/t*^ §(av im Laur. 69, 13; dies ergabe fOr jedes Buch 30
bis 40 Stichen) oder richtiger .232 850 (MxyBœH im Arundelianus,
BAt/, fiœy im Laur. 69, 35) in circa 390 Bûchera.
62. Demetrius Phalereus (Diog. Y 80): er ûbertraf fast aile
ûbiigen Peripatetiker an Zahl der Stichen.
63. Erantor (Diog. lY 24), vnofiv^fiata: gegen 30 000 Stichen.
64. Straton. Seine GeBammteiimme ist bei Diog. Y 60 im Borb.
fêarfiyx] ersetzen wir die yorletzte verderbte Chiffer y durch v aus
Laur. 69, 35, so bleibt die Auswahl von 12 420 bis zu 32 420 Stichen.
Dièse Summe ist aber zu klein. Zwischen f» und af (?) scheint
eine hôhere Myriadenbezeichnung ausgefallen.
65. Timon Phliasius: nach Erwâhnung von in^, ÔQCcfMxta,
cUiXoê und xtpaiâoê desselben folgen bei Diog. La. IX 111 auch
McnaXoyddiiy fitfilia, mit gegen 20000fi7n7.
66. Herillos Chalcedonius (Diog. YII 165), Tïsqi à(fx^(fswç,
nêçi nadtiy u. s. w., 13 Monobibla, die 6X$y6(ntxcc waren, aber
âvya[A€ùiÇ (Aêtnd.
67. Theodektes (Steph. Byz. s. y. 0cc<fiiX$ç): mit 50 Tragôdien
werden Prosastûcke, téxpcct ^tizoQtxai und X6yo$ ^tjTOQtxol verbunden,
xusammen inwp icû. Die Zahl ist yerderbt ; ich yermuthe {M)%s,
das ist 25 Myriaden. Die Tragôdien allein mussten mindestens
50000 Yerse betragen.
68. Zenon (Diog. YII 33), Dolmia: den 200sten Yers {xaxà
tovç âuxxociovç (fiixovç) citirte Cassius Scepticus.
69. Chrysippos. Sein drittes Buch tïsqI ôixaiov fasste min-
destens 1000 Stichen; bei Diogenes YII 188 wird eine Stelle aus ihm
tonà TOVÇ x^^^^Ç ailxovç citirt.
70. Chrysippos avyyQa[A[Âa juqI %âv àçxcclcùy q)v<rtoX6yœy
batte ùber 600 Stichen (soweit citirt b. Diog. YII 187).
170 — ^1« Boehseae. ^
71. Thnkydides. Fur Theile seines Werkes erhalten w
Sticbenzahlen bei Dionys im Judicium de Thuc. S. 834, 840, 854,
856, 893 : so werden fur das nQootfAtoy ^gegen 500 Stichen^ angege-
ben, fur andere Theile ,)gegen 2000^, „weniger als 500^, ^mebr als
300", „weniger als 50**, „gegen 100 Stichen**. ffierûber unten S. 198.
Folgende Daten geben dagegen keinenfalls auf alexandriniscbe
Messungen zuruck, sondern sind jûnger:
72. Demostbenes. Dionys von Halicamass (de adm. yi
S. 1126) erwâbnt in rbetoriscber Weise, man finde in ibm gewisse
tadelnswertbe Wôrter nicht, obscbon er docb 50 000 bis 60000
Stichen hinterlassen babe.
73. Hermippos (Plin. bist. nat 30, 1), Uebersetzung des
Zoroaster: 200 000 versus.
74. Hippokrates (Galen XY S. 9 und 106): eine Sammel-
rolle (avyyQa[AfAa) desselben bâlt 600 Sticben Ç fiQ<xxv f* ^[ttov,
sie zerfâllt in yerscbiedene kleine Scbriften (yçcc^AfiaTa); die erste
Scbrift De natura bomiDum, to xarà iy ygcc^Afia [légoç to nqmxov,
bat nicbt voile 300 (S. 106) oder genauer 240 Sticben (S. 9). Ein
zebnzeiliger Traktat tuqI iyx€(p(i3iov stebt am Scbluss â$à Ctixmv
foq âéxa. Siebe UDten S. 202.
75. Einzelbucb eines Ungenannten (Lukian 25, 19); Inbalt;
Gescbicbte der Lânder Arménien, Syrien, Mesopotamien , Medien,
von Anfang bis zur Gegenwart, in nicbt vollen 500 sTnj.
76. Das Volk der Turditaner und Turduler in Iberien bcsitzt
nacb Strabo S. 139 eine Litteratur ((TvyyQâfifAata, TWi^iikaTa^ vofAOVç
i[A[ÀéTQOVç) von 6000 Versen (incop Niebubr f. itùip).
77. Scbrift ((fvyyQafjLfAa) eines Mediciners Lykos anscbeinend
aus der Zeit des Galen (Galen II S. 227 K.) : beinabe (/Jtixgov ôétv)
5000 Sticben. Die Bûcberzabl wird nicbt genannt.
78. Herodian (Job. Pbiloponos, Tov^xà naQayyéXfi., praef.),
ij xa^ôXov nQaçœdia: 60 000 Verse ^). Das Werk batte 20 Bûcber.
79. Jobannes, Brief II und III, wenigerals 100 Sticben, d. L
offenbar ,)mebr als 50", nacb Origenes comm. Ecclesiast. tom. Y c. 3
^) oTiêç iy f| fivçMCiy ^Hçoiâ^av^ nênçay/LiaTêveTttà, Ohne Zwelfel ist
CTixfàv zu ergânzen; vgl. Graux, Revue de phil. 1878 S. 124.
— Stichometrische Angaben in der Litteratar. — J7J
0VK sl0ê itvix(ov àfAg>6T€Qo& ixazov. Die beiden Briefe enthalten
67 Zeilen zn 35 Bucbstaben.
80. Epboros (Euseb. praep. ev. S. 464 éd. Col.): er nabm in
seine 24 Bûcber juçi èya&£y xai xax&v mehr als einmal Ab«
schnitte zu yoUen 3000 Sticben aus Daïmacbos ruqi swsefislaç u. a.:
ti yÙq *Eq>6qov Xdiov ix xwv Jaïficcxov xaï KaXha^évovç xa\
\iya^$fAépovç avvatç Xé^ea^p scny ors TQiax^Uovç SXovç [istcc^
%ê&éytoç Cttxovç;
81. Origenes (Hieron. de vir. illustr. 75): i^f^y^ifsêç elç tovç
ôtidëxa nçocp^raç in 25 Volumina mit tôt milia versuum,
82. Origenes (Hieron. praef. in bomil. Origenis), 10 Volumina
zu Cantica Canticorum: gelangt bis zu (usque ad) 20 000 versus.
83. Origenes (Hieron. comm. Micbaeae II praef.) in Psalmos:
&8t 40 000 versus, die von Hilarius ad sensum iîbersetzt wurden.
84. Basilides (Acta Arcbelai et Manetis c. 55). Bas dreizehnte
Bucb seiner ^tjyfinxd hielt iiber 500 Verse: es wird nach Versen
dtirt: sed ad rem rediens Basilides interiectis plus minus vd quingeniis
versibus ait eqs.
85. Metbodios, Ëusebios und Apollinarios (Hieron. praef.
in libres Salom., ebenso aucb epist. 48, 13 ValL): scbrieben gegen
Oelsus und Porphyrius multa milia versuum.
86. Metbodios (Hieron. epist. 70, 3 Vall.): gegen Porphyrius:
gegen 10 000 versus.
87. Ëusebios (Hieron. epist. 84 fin.) : aus dem secbsten Bucb
seiner Scbrift super Origene i?nirde der Anfang, sicb belaufend auf
fast 1000 versus, in einer Pseudopampbiliscben Apologie wiederbolt.
88. Gregor von Nazianz (Hieron. de vir. ill. 117) scbrieb
gegen (ad) 30 000 versus.
89. Ambrosios Alexandrinus (Hieron. de vir. ill. 76) xazà
^jérnUéyaçlov* ein volumen multorum versuum^).
Wenden wir uns zu den Werken lateiniscber Spracbe, so
muss uns auffallen, wie viel T^eniger sticbometriscbe Notizen sicb
fur sie verzeicbnen lassen. Dieselben reieben nur eben aus zu be-
*) Dieser onbekannte Ambrosios schrieb gewisa \rie sein Lehrer DidymoB
in griechischer Sprache.
172 ^ ^^ BnehieOe. —
weisen, dass der tctsus der Rômer in der That dem ifrixoç e&t-
sprach. Dieser Umstand muas als ein krasser BeweU dafur gelten,
wie yiel unausgebildeter als die griechische die Litteraturwissenschaft
der Rômer gewesen ist und wie yiel weniger es hier dem Bibliotheks-
wesen gelang, nach der Weise der alexandrinischen Kataloge und
gelehrten Bûcherkunde Grammatik und Philologie anzoregen und
zu bceinflussen. Folgende £rwâhnungen geben keine bestimmte
Verszahl :
90. Hieronymus, der, wie oben S. 152 f. gezeigt, von dem Vers-
gehalt seiner exegetischen Bûcher redet und die verschiedene Grosse
derselben nach ibm vergleicht Auch die Schnelligkeit seines Diktats
schâtzt er nach Yersen ab (praef. Il ad Ephes.): ut sdatis me . . .
interdum per singulos dies usque ad numerum mille vereuum pervenire.
91. Die Apokalypse citirt Hieronymus nach Yersen: ante deeem
circiter versiculos (Epist. 46 V.).
92. Paulinus Nolae Campaniae episcopus (Gennad. Tir. ill. 48):
seine zahlreichen Gedichte hatten geringen Yersgehalt: versu bremoy
sed multa (es folgt ein Eatalog der Werke).
93. Cicero's Brutus besteht nach Quintilian YIQ 1, 37 aus
vielen tausend Yersen {tôt rniUa versuum).
94. Ein kurzes Buch heisst bei Seneca Uber paucarum versuum
(Epist. 93, 11); ygl. damit das oXiy6<nêXOÇ in N. 66. So braucht
Photios hâufiger noXvCt^X'^Çj bes. von lexikalischen Werken grossen
Umfanges.
95. Ein Brief wird von Plinius nach Yersen abgezâhlt (oben
S. 161).
Die Verszahlen, die wir erhalten, sind, in verkehrter Zeitfolge,
dièse :
96. Ueber die juristische Litteratur wurde zu Justinian^s
Digesten ein yorlâufiges^) Quellenregister gemacht, welches sich in
^) Dass dieser Index das zu benutxende Material nur vorl&ofig sasammen-
stellte, wird wohl allgemein angenommen. Bei der Aasftihrung der Digesten
ist nachweialich mehrfach von ihm abgegangen. Es fehlen im Index sowohl
des Ulpian wie des Paulus libri ad Ed. aediiium curuliam, Modestin's wenigstens
31 Bûcher ad Q. Mucium. Anderes Yerzeichnete ist in den Digesten nicbt
benutzt.
— Stichometrie bei den ROmern. — J73
der Florentina erhalten bat. Es umfasst 1539 Bûcher^), und ihm
hat der Urheber desselben die Gesammtsticbensumme aller aufge-
fûhrten Bûcber subskribbrt. Davon ist indess nicbts mebr lesbar als
êxovffê (n&x oJi. Es feblt nicbt mebr als secbs Bucbstaben. Mommsen
fûllt aus: SxovCk Ciixonv oX\aç\ Jk (d. i. fAVQiââaç ^:Q^axociaç). Denn
JuBtinian bericbtet selbst (De conf. dig. 1; ygl. ad antecess. 1), fast
2000 Bûcber seien in den Digesten benutzt, deren Gesammtyerszabl
300000 sei. Aus dieser sticbometriscben Summe ergiebt sicb uns
fur die gesammte juristiscbe Litteratur, dass ibre Bûcber Sticben-
Termerke besessen baben mûssen, die bier addirt erscbeinen.
97. Die benutzte juristiscbe Litteratur Yor Justinian^s
Digesten (ygl. ad antecess. 1 fin.) belief sicb auf kaum 60 000
yersus.
98. Ausonius (Sapientes, Cbilon y. 4), ûbertreibend : unam
sententiam trecentis versibus pereffit
99. Plinius giebt im ersten Bucb seiner Naturalis bistoria ein
Inbaltsyerzeicbniss seines Werks von Bucb zu Bucb; bierbei nennt
er fur die Gegenstânde jedes Bucbes Zablensummen; dass dieselben
mit der Sticbometrie zusammenbângen , wb:d spâter (Kap. YI) ver-
mutbet werden.
100. Zu Yergirs Aeneis, Georgica und Eclogen giebt der Codex
Parisinus 13 026 des neunten oder zebnten Jabrbunderts ein Epigramm
(Antb. lat. Ries. N. 717), das folgendermassen anbebt:
Doctiloqni carmen ructaium fonte Maronis
Bis senis numeri florens se milibus explet
Et super hos octingentis septem quadraginta
Yorsibus adiunctis concluditar omne Tolumen eqs.').
') Das régulation p^piiov tv des Paulus îst nur einmal gez&hlt. Ritschl
S. 93 giebt 1478 als Bachsumme. Justinian selbst sagt in runder Summe, es
MÎen fast 2000 Bflcher benutzt (De confirm. dig. 1).
') Dîes Epigramm ist in Nebenpunkten leicht verderbu Fur numeri
scbeint mir nieht numéro eu jerbessern, sondem yielmehr das Nachfolgende
Terschrieben; denn zu milibus ist versuum zu erg&nzen unbequem; auch steht
forens za isolirt und neben ructatum recht unpassend; man woUe lesen:
Doctiloqoi Carmen mctatam fonte Maronis
Bis aenU numeri florentes milibns expient eqa.
Dem T. 8 ist durch Interpunktion aufzubelfen. Die Aeneis wird im Beferat
174 — ^î® Bachieile. —
Das offenbar fur einen Yergilcodex gemachte Gedicht schatzt also
die drei Werke zusammen auf 12 847 Verse. Unsere Texte geben
uns dagegen 12 913 , also 66 Verse mehr^). An ein Versehen daif
wohl nicbt gedacbt werden. Die bedeutende Differenz lasst sich so
erklâren: das betreffende Vergilexemplar besass erstlich eine Reflie
interpolirter Verse nicht, die auch in unseren gaten Vergilhand-
scbriften feblen; solche sind Aen. IX 121 (om. F MF R^^b c*), IX 529
(om. YMTyhcmtpy non legit Servius), IX 29 (om. M P R ^ b c m tp),
XII612U. 613 (om. MPR/b), X 872 (om. UFRyh; exstat in c;
m. rec. in mg. ^ri non interpretatur Servius), Georg. IV 338 (om.
MPR/lb; m. rec. in mg. add. y; babet c), Aen. VI 242 (oul
F M P c m, sed in M post 241 intra lineas minio picta est nota, qoae
spectat ad versum quendam ima pagina additum, cnios erasi non
apparebant nisi incertissima yestigia quae cum y. 242 pamm concor-
dant; babent R b /) oder als acbter X 278 (om. M P ;^ m, non inter-
pretatur Servius; babent Rbc) oder rV273 (om. MP; m. 2 add. in
mg. y; m. rec. in ras. b; m. rec. inter lin. add. a; babet c). Rechnen
v^r dièse 8 Verse ab, so differirt die Summe des Epigramms nur
um 58 von unserer Vulgatzâblung. Die Aeneis entbâlt aber bekannt-
licb viele unvollstândige Verse. Es sind dies eben 58 an der ZahL
Man môchte daber glauben, dass die unvollst&ndigen Verse
sticbometriscb nicbt mit in Verrecbnung kamen*). Fur die
in ihre zwei H&lflen serlegt, deren sweite mit posi anhebt: tx)lumeny Quod
cecinit quondam . . .
Naufraglam fluninM errorea vulnera lodoi
Tartara; post Latlum sic: Teacros bella firementes
Ascanium proelia post reditum Camillam derictam Tumam conubia eedentem.
^) Die yier interpolirten ËinleitungsTerse der Aeneis Tor dem Arma vi-
rumque canOj deren frflheste Zeugen Pompeius und Priscian sind, Habe idi in
beiden Summen nicht jerrechnet.
^ Ich referire der Kflrze halber die Adnotatio Ribbeck's.
') Die wenigen Verse, bei denen die Ueberiieferung sonst noch achwankt,
wQrde jener Codex abo enthalten haben: Aen. II 76 (cm. F y h), Georg. Il 434
(om. M; non interpretatur Servius; habent PB/bc) Il 775 (jon dem nur
Serrius sagt: hic versus dicitur in plerisque non fuisse)^ so auch die clausola
y 695 und gewiss die Vershamen Vl 164, 165 (rgl. Donat rit. p. 62 Beiit
Serr. s. St); ganz sicher fehlten ihm auch nicht Verse wie Georg. II 129,
— Stichomeirie b. d. B^^merQ, (Htate nach Venen. — 175
Bedeutang des antiken Sticbos wûrde dies besonders bezeichnend
sein, und icb werde darum auf dièse Yermuthung wiederbolt zurûck-
kommen. Sie setzt allerdings voraus, dass die 22 Verse Aen. Il
Ô67 — 588 bei jener Summe mit in Recbnung gebracbt sind^).
101. Suffenus bat nacb Catull 10 000 Yerse oder mebr ge«
dicbtet (Catull c XXII).
102. Cicero. Aus den Citaten nacb der Yerszabl, die Asconius
âQwendete, ergiebt sicb, dass unter seinen Reden die Pisoniana min-
destens 1800') versus bielt, die Scauriana mindestens 320, die Milo-
niana mindestens 400, die Comeliana mindestens 2020. Dièse Zablen
kommen nur im ersten und letzten Fall dem wirklicben Zeilenbestand
nahe. Betracbten wir aber die Citirweise des Asconius etwas ge-
nauer, so entbebrt sie innerbalb imserer Kenntniss einer Analogie
und bedarf einer besonderen Ërklârung.
Das Citiren einer Stelle nacb der Yerszabl ist ûberbaupt
selten. £s setzt yoraus, dass in dem Texte des betreffenden Autors
die Zeilen durcbgezâblt und in Abstânden numerirt waren. Als Aus-
nabme steht der Bankesianus des Homer da, in welcbem wirklich
jede bundertste Zeile mit ibrer Zabi yerseben ist; dem entspricbt,
dass spât Ëutbab'us in seiner Ausgabe der Briefe des Paulus, wie er
selbst aussagt (Eutbal. 720 B. Migne), durcb das ganze Bucb nacb
jeden 50 Sticben die Yerszabl eintrug, so wie femer in einem £xem-
plar des Deuteronomium jeder bundertste Yers notirt ist'). Weil
dies so selten war, so ist begreiflicb, dass Atbenaeos und seines-
gleicben, dass Grammatiker wie Scboliasten das bequeme Yerfabren
des Yerscitates nie angewendet baben. Ausnabmen bilden drei, oben
N. 68, 69, 70 aufgefubrte Fâlle, wo in dieser Form citirt wird:
Mazà Tovç s^axodovç (îxlxovç u. s. f.: aile drei Citate betreffen
Aen. I 711, IIl 230, Ed. 5, 49, Ecl. 10, 17. JedenfalU sUnd er danAch
unaeren âltesten Textesceugen (bes. F und M) sehr nahe.
^) Dièse sind ja jedenfalU antik und Semas hftlt aie ftir original, wenii
er Bagt, Tncca und Yarius haben sie ausgelassen; keinenfalls mOchte sich die
firagliche Differenz 66 mit ihrer HQlfe ausgleichen lassen.
') Ascon. éd. Kiessling-SchOll S. 11 Z. 18 ist nothwendig mit Bûcheler
DCCCC tu lesen.
') Cereani, mon. sacra et prof. III p. XII ûber den cod. Ambros.
]76 » Dm BadiMJto. —
stoische Lehischriften und stammen nMck Waehsmuih^s Yenniitiimig')
Yon Isidoros dem Pergamener. Es war also «ach hier wobl Z&Uimg
am Rand beliebt wordeo*). Damit ût noeh der apâtere Fall in
N. 84 zu Yergleichen. Wenn sodaim Dionys (N. 71) gewisse Thnkj-
didesabschnitte auf 2000 Verse oder 500 oder 100 oder ^woiiger
als 50^ angiebt, so scheint dies auf dieselbe Annahme sn fuhren,
so aber, dass hier jeder fanfingste Yesn notirt wurde, fur welche
Notûrung TÎelleicht auch die Yersgmppeii des Hîppokrates bel Gaies
N. 74 sprechen; des Hieronymns Yorschrift^ man solle tSglicli einen
Jixus cersuum numeruê in den heiligen Schriften lesen (epist 54, II)
koniite durch sîe sehr erleichtert werden.
Der Cicero des Asconius aber war sogar in Abstinden su j«
10 Zeilen numerirt: denn es heisst hier nicht nur „nm den 508te!i,
OOOsten, 850 8ten Yers^, sondem auch ^um den SOsten, dOsten,
270sten, IGOsten**; wenn wir dagegen bei ihm sogar lesen ver. a
primo ctrct. CLXI und ver. [a primo] dr, oo XI, so beweist das bei-
stehende circiter, dass der Einer yerkehrt ist; man hat ihn sa tdlgen
oder in X oder L abzuandem.
Am auffalligsten ist nun aber, dass die YerszahloDg in den
Ciceroreden nicht, wie wir erwarten, yon Anfang bis zn Ende durch-
geht; Asconius zahlt anfangs die Yerse Yom Yers 1 an: ctr. ver. a
primo CCCXX u. s. f., bis er in die Mitte des Buchs gelangt; hier
citirt er ohne Yerszahl drca medrum; Yon da weitergehend z&hlt er
seltsamer Weise vielmehr yom letzten Yerse an: ctr. ver. a novùwno
1) BheÎD. Mus. 34 S. 39.
') Die ËrkIâruDg, die Wachsmuth a. a. 0. S. 43 fftr die Gleiohartigkeit
der drei Citate aufatellt, scheint nicht wohl glaublich. Vom Steiker Athenodoros
erfahren wir aus Isidor bei Diog. VU 33, er habe in den Pergamener Biblio-
theksexemplaren stoischer Schriften eine Beihe anstOssiger Stellen au^ge-
Bchnitten ; hernach, als der Schaden entdeckt wurde, seien aie wieder eingeftgt
worden. Obige drei Stellen sind in der That incriminirte, und Isidor ist es,
der sie zu geben scheint. Also soU Isidor gerade die wieder erg&nsten Bi-
bliotheksexemplare benutxt und in ihnen einen Vermerk flber den Defekt and
s einen Ersatz nebst Stichenangabe Torgefunden haben. Aber es wird doch
niemand ein Verscitat machen, wenn er nicht auch in der Hand des Lesen,
ffir den er schreibt, Exemplare weiss, die dieselben Stichenbeaeichnungen
enthalten.
— CScero aie OpUthograph. — 177
DCCCXX u. 8. f. Es ist klar, dass Yor und nach der Mitte des die
Rede trageoden Bûches gleich yiel Verse standen, femer klar, dass
das Mittelblatt desselben sichtbar gekennzeichnet sein musste. Ja,
da dièse Mitte die natûrliche Yerszâhlung so zn unterbrechen im
Stande war, so erwarten wir, dass sie sehr auffallend kenntlich und
80 geartet gewesen sei, dass das stichometrische Yerfabren eben durch
aie stark beeinflusst werden konnte; es kann keine willkurlich an-
gesetzte, es muss eine in der raumlichen Natur des Bûches begrûn-
dete Mitte gewesen sein. £s bietet sicb hierfur nur eine ErklSrung,
die unseren sonstigen Eenntnissen nicht widerstreitet, aber sie erganzen
kann, dass die Cicerorollen des Asconius Opistbographa gewesen
sind. Die Verse wurden gezâhlt, bis die Oberseite der Rolle zu Ende
war {circa médium); auf der Rûckseite wiederholte man einfach die
ZaUung so, dass die 50 letzten Verse der Rede auf dem Rûcken
der 50 ersten standen u. s. f. Sehr gut erklârt sich so auch, dass
in der Scauriana nach dem médium zwar die Verse a novissimo, da-
gegen aie partes, wie yor dem médium, a primo citîrt werden. Opistho-
grapha waren keineswegs eine Seltenheit ausser etwa bei Dichtem;
PUnius setzt sie al s sehr gebrauchlich voraus; die Gûte der besten
Pi^iersorten entschied sich eben danach, ob dieselben zum Schreiben
auf beiden Seiten tauglich seien (s. unten Eap. V).
Durchaus unhaltbar, weil undenkbar scheint mm aber die An-
nahme^), dass sich dièse Zeilencitate des Asconius so gut wie des
Dionys und Isidor nur auf ein einziges, ein „zu diesem Zweck
eigens hergerichtetes^ Exemplar des betreffenden Schriftsteliers be-
xiehen soUen. Als ob ein antiker Autor fur sich und nicht yielmehr
eben so gut wie der moderne, fur Léser schriebel Was sollte der
Léser des Ascon mit Zahlen, deren Zweck er nicht errathen konnte
und die auch allerdings zwecklos waren? Wozu mûht sich ein
Autor mit genauen Stelienverweisen, wenn er niemanden hat als sich
selbst, den er yerweist? Es ist ganz nothwendig, dass nicht nur
das Exemplar des Aelius Tubero, an den sich Dionys zunâchst wendet,
sondem sâmmtliche Exemplare des Thukydides, die es damais gab,
soweit sie ein- uud derselben Edition angehôrten, jene Zeilenein-
1) S. Ritochl I S. 99. Wachsmuth a. a. 0. S. 39.
Birt, Buchweten. 12
178 — ^^ Baehicae. —
theOuDg hatten, auf die sa recurriren aIjujahw nahe lag. Wie
oft Ton Cicero^8 Redeo, deren Lektûre doch so verbreitet sein
muBste wie die Rhetorik, Neaeditionen oder Wiederabschriften io
Masse bis in Asconius* Zeit Torgekominen sein mSgen, ist nicht
zu errathen; eine der Editionen aber batte die ZeilenaShlung des
Ascon.
Schon ailes bis bieber Yorgetragene seugt mit eindrisgender
Deutlicbkeit dafur, dass die Zeile des antiken Litteraturbuclu ein
Raumbegriff und als solcher stets sicb gleicb gewesen sein muss,
ein Langenmass so gut wie ZoU und Meter, nacb dem die LSoge,
oder, wenn man Torzieht, ein Hoblmass wie Liter und Scbeffel, oftch
dem der Bucbstabengebalt des Buchs abgemessen wird, indem es
selbst eine fest bestimmte Anzabl Buchstaben repr&sentirt Dièse
Bedeutung des Verses ist darum auch vor AQem von Ritscbl und
Graux in ihren einscblâgigen Untersucbungen anir Geltung gebracM
und Ton Vielen anerkannt worden. Die Mehrzabl der bisber gege-
benen Zablen betrifft nun nicbt erbaltene Werke; aber auch za
erbaltenen Texten bat uns die bandscbrifUicbe Tradition die zuge-
bôrigen sticbometriscben Angaben gerettet: sie sind es, bei denen
sicb mittelst DiTision der Bucbstabensumme des Textes durcb die
SticheDzabl sebr einfach die Probe darauf macben l&sst, ob der Sticbos
Raummass war oder nicbt.
Bevor wir indess zu diesen bandscbriftlicben Zeugnissen fort-
scbreiten, muss zu einer principiell abweicbenden AufTassung des
Stichos Stellung genommen werden, welcbe Ton Blass yertreten und
wiederholt vertheidigt worden ist^). £r soll eine Sinnzeile gewesen
sein, einzelne Satzglieder gefasst, der Satzgliederung und Eolometrie
der Rede zum raumlicben Ausdruck gedient baben. Die dafur an-
gefûhrten Grûnde scbeinen mir indess nicbt auszureicben und sogar
auf eine andere Yorstellung hinzufubren. Aber scbon der Umstand
sprâche dagegen, dass Kola ja sebr yerscbiedene Lange baben und
dass es also nicht wohl zur Gewohnheit werden konnte, Buch inhalte
nach so ungleichen Prosazeilen wie:
1) Zaletst im Rhein. Mus. XXXIV S. 214 ff.
— Kolometrie. — 179
àJilà Tovç yôfdovç xai ny OQXoy
Iv ^ nQoç nnack toiç aXXo&ç âêxaiotç xai rovio yiyQmnviê
n ofAoitaç â/Âtpoiy ascçoacec&a*
lom (T icriy
ov fioyoy td ^7 nqoxanyyiaxéyat fAijdéy
oder gar wie:
hiane qui mortoi sunt anhis quibus moriendum?
atrisque
est misemm igitur quoniam malum
certe
Ërgoethi quibuB erenit uaa ni morerentur et hi quibus erentumm est miseri
genau in Yerrechnung zu bringen; dies konnte hôchstens ein
Euthalius thun, eine frûhere zweckmâssige Gewohnheit missdeutend^).
Unter unseren Beispielen fûhrte uns N. 100 darauf, dass in der Stdcho-
metrie des Alterthums nicht voile Zeilen yielmehr gar nicht mit-
zahlten. Weiter aber ist schwer begreiflich, wie sich solche Eolen-
tfaeilung treu erhalten sollte; die Zeilenschlûsse hingen hier doch
allzu betrâchtlich von subjektivem Ermessen ab; und in der That
theilen ja die alten Rhetoren selbst verschieden; Blass selbst weist
nach, dass Eastor nnd dass Hermogenes die Kola des Demosthenes
unrichtig'), dass Dionys ein und dieselbe Stelle verschieden getheilt
hat*). In der Handschriffc, die Dionys benutzte, fand sich indess ja
Stichentheilung (s. N. 72); wie also konnte er schwanken? wie sich
irren? wie das Theilen der Kola oder Stdchoi ûberhaupt noch zum
Lehrgegenstand machen? Endlich ware es dann doch auch unum-
g&nglich, den Stichos als Sinnzeile durchweg zu nehmen, und da
die Stichometrie nach Ausweis unseres Verzeichnisses aile Gebiete
der Litteratur beherrschte, so hâtte auch ein Yielschreiber wie
Chrysîpp seine Schriften in so mûhseliger Weise nach Yorder- und
Nachsatz zergliedert, so wâre unpassender Weise gar der notizen-
hafte Hippokrates in derselben tiftelich rhetorischen Fonn gelesen
worden, und dann wohl wie er auch Euklid, wie Hieronymus auch
Didymos der fitfiXtoXci-d'aç u. s. f.
^) Aile erhaltenen Beispiele fÙr Schreibung in Sinnzeilen (daa Kaiser-
reakript anf Papyrus u. s. f.) ergeben grOsste Ungleicbm&ssigkeit.
>) a. a. 0. S. 233.
') Das xweite Kolon im ProOm der Kranzrede theilt er anders S. 119 B.»
anders S. 205 R. Wie abc ûberlieferte seine Demostheneshandschrift?
12'
JgO — Die Bachseîle. —
Die Sache selbst fordert, dass wir die Zeiten und die Litteratur-
gebiete auseinanderhalten. Au8 der Behandlung der heiligen Texte
kann auf den Usus des classischen Bûcbermarktea nur mit grôsster
Yorsicht ein Schluss gezogen werden. Die Bibel war etwas anderes
als das Buch des romischen Buchladens. Uebertrugen die Kircben-
Tâter auf aie den classiscben Usus, so ist es môglich, dass der so
eigenartige Text zu seiner Modification Anlass geben konnte. Dièse
principiell séparât zu stellenden heiligen Schriften sînd aber keines-
wegs Yon Torn herein kolometrisch geschrieben worden. Erst Ori-
gènes war es, der dies einfûhrte — und dies ist das alteste Zeugniss
fur kolometrische Schreibung, das wir ûberhaupt besitzen — y nicht
aber etwa durchweg, sondem nur in den poetischen Bûchem der
Septuaginta, bes. den Psabnen (Euseb. hist. ecd. YI 16); sein Zweck
war dabei ofifenbar, wie auch Hieronymus voraussetzt (praef. Jes. I),
ihren poetischen Charakter dadurch kenntlich zu machen; wenn aber
die Prosalitteratur damais ebenso schrieb, so wâre dieser Zweck doch
schlecht erreicht gewesen! Die Septuaginta vor Origenes bediente
sich also einer anderen als der Sinnzeile; auch jene ^Stichen'
der prosaischen Johannesbriefe (Nr. 79), die Origenes las,
waren keine Sinnzeilen. — Erst Hieronymus ging sodann weiter,
indem er auf altes wie neues Testament imd auch auf die nicht
poetischen Bûcher jenes Yerfahren ûbertrug (praef. Jes. I; vgl. Cas-
siodor De instit. divin, litter. praef.). Er sieht sich genôthigt dies
zu motiviren und sagt, er woUe die Propheten durch dièse Schreibung
nicht etwa als Dichter kennzeichnen; denn er thue damit nur quod
in Demosthene et Tullio solet fieri, ut per cola scribantur et commatcu
Also fur die Redner, die in den Rhetorenschulen die textliche Grund-
lage bildeten, gab es in der zweiten Hâlfte des 4. Jahrhunderts die
Gewohnheit nach Sinnzeilen abzutheilen, wodurch offenbar zu rheto-
rischem Lehrzweck die Satzglieder deutlicher abgehoben und ihre
Symmetrie veranschaulicht wurde, eine gewiss zweckdienliche Erfin-
dung, die indess auf die handschriftliche Tradition der Redner keinen
Einfluss gewonnen hat^). Es folgt aber aus dieser Hieronymusstelle
^) Fâlschlich hat man den cod. Parisinus Lat. 6332 als Beleg angefllkrt;
der.^elbo giebt nicht entfernt eine Darstellung der Kola in Zeilen; Proben ans
— Beschr&nkte Anwendang der Kolometrie. — |g]^
zugleich, dass dièse Erfindung keîneswegs ein aUgemeinerer Usus
^wurde oder gar ein soicher, der die Textfonn damais beherrschte;
sondem er beschrânkte sich auf die des Cicero und Demosthencs,
^wozu wir uns den einen oder anderen zu gleichem Zweck brauch-
baren Autor yielleicht werden hinzudenken dûrfen^): denn wâren
auch ein Sallust und Euseb, ein Yarro und Aristoteies und aile
ûbrigen in soicher Fassung umgegangen, so batte es ja gar keinen
Sinn, dass Hieronymus sich noch rechtfertigte und dass er dann
gerade nur die zwei Namen nannte. Wir haben es mit einer Schreib-
manier zu thun von nur auf den rhetorischen Zweck beschrânkter
Anwendung. Dieser Zweck betraf das Lautlesen. Beim liturgischen
Yorlesen der Bibel in den Elirchen so gut wie beim profanen redne-
rischen Yortrag erleichterte sich so die richtige Gliederung der
Sâtze'). So zeigen denn auch kaiserliche Reskripte ihre Bestimmung,
verlesen zu werden, eben durch dièse Schreibweise an, fur die uns
zwei auf Papyrus zu Leyden und Paris erhaltene Reskripte einen sehr
schônen Beleg geben'). Besonders wichtig war aber ein sicher ge-
gliederter Yortrag fur die hebrâische Poésie mit ihren Parallelsâtzen
und darum machte Origenes bei ihr den Anfang.
Wir kônnen auch so argumentiren. Wir sahen, dass auch des
Hieronymus Commentare selbst stichometrisch behandelt wurden
(N. 90). Die Yerse wurden auch hier gezâhlt wie ilberall, und dieser
▼ersus beim Hieronymus sieht dem versus des Quintilian und Seneca,
dem Stichos des Galen, Dionys und Kallimachos yollkommen gleich.
Wâre er nun trotzdem Sinnzeile gewesen, so wâren also auch die
Commentare selbst per cola und commata geschrieben worden, und
ihm sind oben S. 179 and unten Eap. IV fin. nach Oraux gegeben. Zeilenabttats
ist hier nnr, wo im Dialog die Rede wechselt, ausserdem am Schluss jeder
gansen Période, nie aber am Schluss eines Kolon. Die Zeilen sind Raunt-
seilen, rgL unten.
') Lachares (nach Kastor b. Wak III S. 721) behandelte die eingelegten
Beden beim Thukjrdides ebenso.
3) VgL Gardthauson, PalAogr. S. 128 f.
*} Aus dem 6. Jhd. Natalis de Wallis, mém. de l'inst. royal de France
XV (1842) S. 399 ff. mit Facsim. (Mommsen, Jb. d. gem. dentschen Rechts VI
S. 404 ff.)
Ig2 — !>>• Bnekieile. —
80 begriffe man nicht, dass Seronymos als Analogie fur die Eolo-
metrie der Propheten statt auf Gicero niclit emfiusli auf seine eigene
Gewohnheit yerwies. Hieronymus aber beforchtet gar, die Propheten
kônnten fur Dichter gehalten werden: hâtte er fur seine Commentare
in kolometrischer Gestalt nicht dasselbe fOrchten mûssen? Die
Hieronymnsstelle ergiebt also yiebnehr, dass die Raumzeile dis
ûbliche war, dass Eolazeilen Tor Hieronymos nur aufgekommen waren
beî den Poesien des alten Testaments und bei den TextesTorlagen
der Rhetorenschulen, dass beides als Ausnahme empfùnden wurde
iind dass es eine Sonderbarkeit war, auch auf sonstîge Prosaiker
ausser Demosthenes und Gicero wie auf die Propheten das nimliche
anzu'wenden.
In der Rhetorenschule erhielt die Sitte gelegentlich aucb weiteibin
Einfluss auf den Text. In der zweiten Hâlfte des fûnften Jahrbim-
derts theilte so Lachares von Athen des Demosthenes Eranzrede,
wie uns Eastor (jagï gjkétQœy ^tjtOQtxoiy Walz Rhet. gr. m 721)
bezeugt. E^astor selbst aber, ein Rhetor des sechsten Jahrhunderts,
sagt in Bezug auf die Demosthenesrede ttqoç tipf ijaavoXijy merk-
wûrdigerweise: er wolle sie per cola in so viele Zeilen zerlegen, dass
er die in alten Exemplaren Qberlieferte Stichenzahl erreiche, und z^wai
so, wie Demosthenes selbst seine Eola abgemessen batte: tovtov
Toy Xoyov atl^ofisy xarà x&Xov xarayT^aarrêç stç Tfjy noaôitita
%(ûy xtûXiûy xarà roy àQi&fioy %oy ijrxélfAsyoy iy roTç dçxccio^ç
fit^Xhiç (ûç ifiéTQtiaey avroç 6 JfjfAoad-éyfjç toy ïâioy kôyoy^y
Es ist wichtig, dièse Aeussening sorglich zu priifen. Ob Eastor
meint, auch Demosthenes habe in Eolazeilen geschrieben , ist nicht
sicher, denn er sagt nicht (ûç scri^sy avvoç o ^fjfA*, sondem œç
ifiSTQtjasy, was das Eolon auch unrâumlich als Summe Ton Silben
bezeichnen kann. Eastor will hier nun die Eola des Demosthenes
als Stichen genau nach der Stichen summe eintheilen, die er in
alten Exemplaren verzeichnet fand. Was folgt bieraus? Etwa,
dass schon jene alten Exemplare, etwa gar altère aïs aus Hieronymus'
Zeit, die Eolometrie gleichfalls aufzeigten und nach ihr rech-
*) Ich interpretire dièse Stelle mit Blasa a. a. 0. S. 224, andera als
Wachsmuth Rhein. Mus. XXXIV S. 46.
— Die Kola nicht Bummirt. — 2g3
net en? Gewiss nicht. Die Yorlagen selbst, nach denen Elastor
arbeitete, eDtbehrten der Eolometrie offenbar; denn sonst brauchte
er das (TtiC^iy nicht erst vorzunehmen. Sie waren ait und Eastor
&nd in ihnen den ccQt&fAOç verzeichnet. Bezeichnete dieser àçt^fiôç
in ihnen nun etwa dennoch die Summe der Kola, obschon die Kola
in ihnen gamicht zeilenweise stand en? Das ist nicht denkbar. Oder
jbum der àq^ikoç iv agxalotç fitfiUoiç etwa etwas anderes als die
subskribirte Summe gewesen sein der Art, wie wir sie gleich weiterhin
in vielen handschrifblichen Beispielen kennen lemen werden? Ich
finde keine Môglîchkeit. Offenbar fand Kastor unter der Rede nçoç tvy
dnHTToX^y die sehr lakonische Unterschrift àçtd'fè. nt^AAAArlI.
^ie gewôhnlich, war ati%oi wohl nicht einmal hinzugesetzt. In
eeiner Zeit war aber mit dem antiken Buchwesen auch die alte
Stichometrie in praxi abgekommen, und er wusste nicht mehr,
'was dièse Unterschrift bedeutete. Er deutete sie irrig auf Kola,
wozu ihn der biblische Gebrauch die Eolen zu zâhlen verleitet haben
kann. Elastor las hier also nur den nâmlichen àQèd-fjkOç, der noch
jetzt wirklich im Parisinus 2 unter dieser Briefrede steht, sein Miss-
Terstândniss aber fuhrte ihn nicht nur dazu, die Kola dieser Rede
als Stichen zu zâhlen, sondem auch ihre Eintheilung selbst an die
ûberlieferte Anzahl der Raumzeilen anzugleichen.
Denn in den Profanskriptoren sind weder die Kolen noch auch
die Kolazeilen nachweislich je gezâhlt und summirt worden: ein
Beweis, dass dièse Schreibweise bei ihnen hervorragende Bedeutung
nie erlangt hat. Anders, so scheint es, in den heiligen Schriften.
Hier konnte sie dem hochwichtigen gottesdienstlichen Gebrauch tâg-
liche Dieuste leisten; hier scheint darum statt oder neben der
Stichenzâhlung auch wirkliche Koleuzâhlung nôthig geworden zu
sein. Um die Mitte des fiinften Jabrhunderts (458 — 462) schrieb
der Alexandrinische Diaconus Euthalius^) die Briefe des Paulus, die
Apostelgeschichte und dië katholischen Briefe nicht allein auxt^dôv.
1) Migne, Pairolog. LXXXV, 629 und 633; Zacagni, collectanea retemm
moiiiimeDtorum, Bom 1698, S. 404 a. 409. EuthaliuB Bcheint das Z&hlen der
Kola dann auch auf seine eigenen seinen Âusgaben beigegebenen Notixen an-
gewandt zu haben, eine Spielerei, die von Blass S. 222 freUich nicht toII-
kommen erwiesen ist.
184 — Dm BnehMÎlo. —
ine er sich aosdrûckt, sondem brachte die Sinnzeilen auch in ZSUth
lung. Ob dies auch schon sein Syrischer Yorganger^) gethan, steht
dahin. So scheint Blass auch den Tielen subskribirten aQê&ftoi in
unseren âltesten Bibelhandschriften um ihres Schwankena willen wohl
mit Recht dieselbe Bedeutung zuzuerkennen').
Wann die kolometrische Schreibart bei den Rednem zuent auf-
kam, ist unsicher, nur dass Cicero und aeine Zeit aie jedenfalls noeh
nicht gekannt hat*). Die Hercuianensischen RoUen zeigen Ton ihr
1) VgL Zacagni S. LIX a. 536 Note.
>) Ich meine der Haaptsache nach BUss folgend, a. a. O., 8. 221: Ifu
theilte hie and da andera ab und x&hlte non Ton neuem; denn aach Andert
glaabten so gui wie Enthalios and Hieronymas das Beeht ra haben, naeh
ihrem Geschmack and Urtheil das Neae Testament in Kola so theilen; weu
man dagegen mît dem festen Mass einer bestimmten Raomzeile mais, wober
dann die h&afigen Zahlenabweichangen? Sind Varianten wie ftkr den BOiner-
brief 905 oder 920 oder 911, fîkr den Galaterbrief 203, 312, 392, 350,
293 Stichen aU Corraptel hinUngUch erkl&rt?
') Die xwXa oder membra^ in die die Knnstprosa ihre Sâtze xerlegte,
werden Ton Cicero gelegentlich versus genannt (Œe. Orator 222: fus singuUs
versibiu; 223: ex duobus versibus id est membris); erst die Rhetorik der
Kaiserxeit sagt daitlr cn^t^ç (Tgl. Joannes Sie. b. Walx Bhet. gr. VI 127;
Saidas s. xôiXoy): gemeint ist die rythmisirte, insbes. die epiache Zeile. Wenn
Cicero a. a. O. schreibt: E quattuor igitur quasi hexametrorum instar ver-
suum quod sit (?), constat /ère plena œmprehensio; his igitur singulis tfersibns
quasi nodi apparent continuationis^ quos in ambitu coniungimus^ so ist remis
hexametri offenbar eine umst&ndliche Uebersetzung Ton ïnti, Hîeninter Ter-
stebt nun aber Cicero nicht etwa r&amliche Zeilen: denn h&tte ein Kolon
wirklich eine Zeile aasgemacht, so batte es keinen Sinn, sowobl das instar
wie das quasi binxusuftlgen ; wir mQssten lesen: E quattuor iffitur versibus
constat eq8. Cicero's Âusdrucksweise zeigt hier deutlich an, dass die Beseidi-
nang des Kolons als Vers nar ein Qleichniss war. Also bedeaten Imi die-
jenigen Satxtheile, die einen rythmischen Abschlass haben and so f^r das Ohr
Terselbst&ndigt sind. Anderswo schliesst Cicero aber, wie mir scheint, aoi-
drûcklich eine nicht gleichnissweise Auffassung ans, wenn er schreibt De Or.
III 173: versus enim veteres illi in hac soluta oratione propemodum^ hoc eit
numéros quos dam nobis esse adhibendos putaverunt: hier will Gcero, wie
ich glaube, geradeza einem MissTerst&ndniss Torbeugen, indem er dareh be-
sonderen Zusats erinnert, dass anter versus nicht Zeilen, sondem der rythmisebs
Versfall {numeri quidam) zu rerstehen ist, d. h. es soil ein Vers nor fftr
das Ohr, nicht (ûr das Auge sein.
Cicero giebt fùr colometrische Theilung aach Beispiele. Von dem Orat 224
— Kolometrische Schreibung jQDger aU Cicero. — X35
keine Spur. Weil aber die Zciten von Kallimachos bis Claudius fur
das Bach- und Bibliothekswesen die massgebenden waren, so ist vor
âUem nach ihnen die Stichometrie der Alten zu beurtheilen.
^n^fîlhrteii: Depressam caecam iacentem domum pïurù quam te et qucan for^
^"i^u tucu aestinuuti aagt Blasa a. a. O. S. 235: „jedenfalls eine sweigliederige
' ^xiode" und seUt den Einschnitt nach pluris, Cicero meint aie dooh aber
^^lit sweigliederig; denn sonst h&tten 'wir ja auch hier wieder zwei Kola und
^^o dem bei Cicero Toraufgehenden Beiapiel in zwei Kola gegenQber incurristi
'"ler» in columnas^ in aliénas insanus imanisti nichts Neues. Cicero setst
^xiea Beiapiel ja vielmehr zu diesem in Gegenaatz. Der Satz zu einem Kolon
'^^t aber G8 Buchataben und konnte in einer Raumzeile Bchwerlich Platz finden.
Beaaaa Cicero'a Zeii kein Mittel, daa Ënde des Kolon auch f&r daa Auge
^arzustellen? Cicero schreibt nnch Aristotelea Orat. 228: hanc igitur sive
^ompositionem sive perfectionem sive numerum vocari placet^ (et) adhibere necesse
Ut si ormite velis dicere^ non solum — quod ait Aristoteles et Theopkrastus —
«le infinité feratur ut flumen oratio^ quae non aut spiritu pronuntiantis aut
interductu librarii^ sed numéro (d. h. versibus) coacta débet insistere;
verum etiam quod eqs. Durch den Rythmua vor allem (nufnero) und nicht
nor durch ein Ausseres sinuf^lliges Zeichen aoll der Einachnitt zum Auadruck
kommen; aolcher auaaerlicher Zeichen kennt Cicero zwei: den apiritua beim
Sprechen, den interductua in der Schrift. Cicero gebrauchte in der Schrift
also die Veraelbat&ndigung der Kola zu Zeilen offenbar noch nicht, aondem
nor den trennenden Strich zwiachen zwei WOrtern innerhalb einer Zeile. Diea
iat ein nothwendiger Schluas ex ailentio. — Betrachten wir die entsprechende
Stelle in AriatoteW Rhetorik S. 1409 A 20: àkXà déï ... dikfjy tluat njv
'nXâtn^v (ac. i^ç mqhoâov oder jov xiakou) /nij dtà roy yQatpétt /Litjdè dtà
r^y na^ayçaffuiy, àXX» dtà roy ^vd-fÀoy. Fehlt hier die Erw^lhnung dea
spirituel ao acheint dagegen die naqctyqtttffi — eigentlich freUich mehr daa
Beigeachriebene, ala daa Zwischengeschriebene — dem interductus zu cnt-
fprechen. Blasa fîr> nun S. 231: „Was bedeutet daneben dut roy yçajéa?
leh denke doch, die bestimmtere Art, daa Ende zu bezeichnen, indem man
dio Zeile achlieaat; diea muaate der Schreiber aelbat thun, wfthrend die naça^
YQ€t«ffl und ebenao aonatige Interpunktion auch Ton einem Anderen nachtrftg-
lieh lugef> werden konnte." Damit w&re doch zu viel zwiachen den Zeilen
geleaen. Warum aagte Aristotelea alsdann nicht einfach: ^7 dia njy rcJUvr^v
tov etixov? Ich erkenne aber den Pleonasmus dea Ausdrucka als auff^llig an.
Man erwartet atatt yçaiféa eine Wiedergabe des spiritus; eine aolche herzn-
■tellen, will mir nicht gelingen; achrieb Ariatotelea etwa: ^^ duc roy yçatfiéa
fâtgàè dêà lip^ nqoff-oqày?
Bei Ariatotelea' Worten S. 1409 B 17: dii àè rt/y mqiodoy xaî i^ dtayoi^
rëXittkf^tti aubatituirt Blaaa S. 231 fùr nèçiodoç daa Kolon. Aber rom Kolon iat
Igg — Die BadiMae. —
Wir schreiten nnnmehr zu den Handschiiften selbst nnd ihien
stichometrischen Angaben weiter. Sie sînd es, die den riomUchen
Werth des Stichos zu erweisen ermôglichen, und dieser Nachweis
ist Ton Ch. Graux gefuhrt in einem Aufsatz, der einen sehr wesent-
lichen Fortschritt in der Erkenntniss des alten Buchwesens bezeidmet:
Nouvelles recherches sur la stichométrie (Revue de philol. Il 1878
S. 97 £F.). Graux bestimmt den Stichos fur eine Reihe von Bûchem
aus den subskribirten Zahlen durch Division derselben in den 6e-
sammtbuchstabeninhalt eines jeden Bûches. Indem ich seine Berech-
nungen hier wiederhole, sehe ich dabei gleichwohl ab von der
Stichométrie des Alten und Neuen Testamentes. Das Schwanken in
ihren Zahlen ist entweder aus Corruptelen oder es ist aus der ab-
weichenden Gewohnheit der Eolenzâhlung zu erklâren: in keinem
beider Fâlle beeintrâchtigt sie die Gûltigkeit des Folgenden, in dem
ersteren wûrde sie dieselbe noch verstarken. Zu unserem Zweck
genûgt die Beschrânkung auf die profane Litteratur.
Als âlteste Handschriften stellen sich die Herculanensischen
Rollen vorau. Wie schon fruher bemerkt, ist keine derselben voll-
stândig. Der Stichos lâsst sich bei ihnen also nicht ermitteln. Yon
keiner derselben ist das Protokoll mit dem Titel, von vielen das
Eschatokoli mit der Subskription erhalten. Nicht allen Subskriptioneii
ist ein àQi&fiôç hinzugefugt. Wir finden^):
Vol. Hercul. éd. Oxon. Index:
103. N. 1674. OIAOAHMot; tuq^ çfitOPiKHC. N K.
XXXXHH. 4200 Verse.
104. N. 207: OdoâfjfAOV TisQh nottifMXTCoy APIO. XXIA. Ein
doch noch nicht hier, sondem erst Ton S. 1409 B 23 ah die Rede. Dass neh
Aristoteles nun aber die ganzen Perioden in einer Zeile geschrieben denken
konnte, ist nicht môglich ; der Sinn dieser Stelle muss rielmehr sein : der ryth-
mische Fall der Rede wirkt auf die Sinnlichkeit so stark, dass, wo derselbe
aufh<}rt, die Période beendet scheint; insbesondere ist es ihr Schluss, der doreb
ihn markirt za werden pflegt; also kann es kommen, dass eine Période rrtli-
misch schon schliesst, w&hrend der g^ammatische Satz noch nicht sa Ende is^
und dies wird an obiger Stelle yerpônt.
1) Ygl. Bitschl a. a. 0. Cobet Mnemos. 1878 S. 259 ff., der Bitschl's
berûhmte Abhandlung yollst&ndig ignorirt.
— Stichometrische Sabskriptionen. — J37
nach O scheint nicht ausgefallen. Was b«deutet das Yorletzte
icben? Man kann ândem XX AA^ 2020 Verse, oder XXX A^
10, oder XXHA^ 2110; letzteres am leicbtesten. Oder ist die
iil 2009 hier nach lateinischer Art (IX) mit Subtraktîon ausge-
ûckt? Einfluss des Lateinischen scheint auch N. 1 10 zu Terrathen.
105. N. 1151. E7t$xovQOV 71€q& (f'Vasfùç lE. aq^. XXXHH
00 Verse.
106. N. 1389. OiXoâfiikov T aPI0 . . HHHAAA . . .
III. Dies lâsst yier Ergânzungen zu: aPIGju;cHHHAAAAAA
IIL 1368 Verse. «PIGxxHHH A A A A A Anill , 2368 Verse.
'IGxi^HHHAAAAAAnill, U68 Verse. aPIGi^i^HHHAAA
AAnill^ 568 Verse. Die zweite und dritte Ergânzung hat am
iisten Wahrscheinlichkeit, die letzte am wenigsten.
Vol. Herc. éd. Neap. coll. prior:
107. IV S. 1. «lAOAHMoi; nCPIPHTOPIKiyç API0MOC
D. 1200 Verse. So lèse ich. Das Facsimile giebt dagegen X€ imd
r italienische Editor und Ritschl S. 182 interpretirt 1005*). —
1 Oxforder Index wird ausserdem gelesen N. 1426: OtXodfjfiov nsQê
UTOPIKçç API0M. XXX0. 3009 Verse. — Wâhrend so Titel und
^fàôç auf dem EschatokoU fur sich stehen, findet sich hier die
lideszahl auf der letzten Textseite; dièse Seite hat nur 87^ Zeilen
ixt, dann im Abstand von etwa 20 — 24 Zeilen ganz unten nOC6l*
tJNAYTOC TOY BITtONtOC CCAOS.
Ritschl liest CA^ Spengel und Cobet OA^ der italienische
srausgeber AA.
108. vm 1. OlAoAHMot; nePI TOY KA0 Of^y^ON u. s. f.
Pl&. XX, kann sowohl zu APl&fiXX, 2000 Verse, als auch zu
PI^XX^ 3000 Verse erganzt werden. 0 (Cobet) fehlt im Facsimile.
109. IX 1. «lAOAHMOY nepi QAN^^Ov  ^Qé&fk.(?)
.HA... C€i#d«CeKATON AeKaOKTtO. UeberllOZeUen.
110. X 1. 0IAOAHMOY nePI XAPITOC API0M.
tDCH XAçHMATA CEAlAeC ZA. Nach àç^^fè. scheint
lin X weggefallen. Die Zahl ist nicht sicher zu deuten, muth-
1) An Bîtflchl's Vorschlag XGTTH ist nicht zu denken. Es wird nicht
uhaI arixot hinzngesetzt, wie viel weniger intj.
Igg — Die Baehsefle. —
masslich ist 0C nach lateiniscber Weise (DCC) zu ÛMsen') und zn
Terstehen: 1708 Verse auf 61 Selides. Alsdann ist jede Selis genau
zu 28 Yersen berechnet Darum môchte ich nicht glauben, dass
fur C etwa O herzustellen sei. Jedenfalls ist hier die alte dekadische
Zahlenschrift verletzt — Das zwischen Stichen und Selides gestellte
XccQ^fAava ist rathselhaft').
Vol. Herc. éd. Neap. coll. altéra:
111. I 1. 0IAOAHMOY nePI KAKICJN KAI T(i)N
avwx6IMeNtON APeTtON KAI t(ON6NOIC€ICI KAI
P€^^ â. APIO . . XX ... Es konnte in der Lûcke nicht mér
als ein X stehen, das yiel wahrscheinlicher zu ergânzen ist als M.
Also 3000 Verse oder mehr.
112. Il 6. OiloâHfiov mçi OPfHC agi». XXfHHIAM.
(Vgl. Gompertz, Philodem nsçi ogr^ç 1864.) 2830 Verse.
113. Ul. 0IAOAHMOY nePI eYC6B€IAC API0MOC
+ X . . . C6AIA6C .... Vom X ist aber nur die erste Hilfte
zu lesen. Die Zahl wird also ûber 2000 gewesen sein. Columnea
sind 158 erhalten.
114. m 1. 0IAOAHMOY nePI PHTOPIKHC YHO-
MNHMATIKON APIGXXXHJ^ .... Das letzte Zeichen kaim
nur Rest aines H oder A oder PI sein; am wahrscheinlichsten das
erstere. Dies lesen wir denn auch éd. Oxon. index N. 1506. Âlso
mehr als 3200 Verse. Columnen sind 71 erhalten.
115. V26. 0IAOAHMOY nePI PHTOPIKHC YRO-
MNHMATtO ... A APXXXACe \Z. Vom dritten X
ist die erste Hâlfbe undeutlich. Fur das folgende A ist Tielleicht A
1) Vgl. unten N. 104. Cobet a. a. 0. S. 262 verstehi 600 (<I>P).
^) Die £rkl&ning des italienischen Editors aU Specialtitel der Rolie
(= x^^Q/LiaTa) itft bed. aus zwei GrQnden bedenklich; deraelbe muMte entlich
Tiëçi x^Qtj/Liânay heissen und tweitens nicht nach, sondem Tor dem àçkd^^aç
stehen; ûberdies ist j(âQ>j/Lia ein kaum belegbares Wort, und der Inhalt der
Rolle trifft garnicht wirklich auf j^âç/nara zu. Die Lesung des P ist ziemlich
sicher. Die Stellung lUsst auch hier vielmehr einen bibliothekarischen Vermerk
erwarten, etwa ^a ^rjfjittxal Ueber ^r^fxa vgl. Ritschl S. 88; freilich mQssta
es hier von der Zeile rerschieden sein und den Satz bedeuten im Umfang von
ea. 3 Stichen.
- — Stichometritche Subskriptionen. — 289
0 lesen. Das vorletzte Zeichen scheint A. Also 3001 oder 3010
'ene auf 17 bis 87 Selides; es kônnen aber auch 117 Selides ge-
resen sein (PIZ). In letzterem Fall batte jede Selis ungefabr
6 Verse.
116. V176. «lAOAHMOY nePI OMIAIAC C.
as letzte Zeicben scbeint Rest eines X.
117. V 182. KAPNeiCKOY <|)IAICTA R APIOXXXHH
k^Anill. Ed. OxoD. ind. N. 1027 lautet die BuchzaU B.
!38 Verse.
118. VI 8. eniKOYPOY n€Pi <dyc€(oc ia — x..<
iHNA I rrriC .... NC . . . Die Stlcbenzabl erscbeint, wie in
• 110 z. Tb. in jûngerer Zablenscbrift; wir baben abo wobl
(X]XrHHNA zu lesen. Gompertz (Z. f. ôstr. Gymn. 1867 S. 210)
S8t statt A ein M^ scblâgt aber daneben statt NA vor: HA;
an kônnte auch AA vermuthen. Wir versteben am sicbersten
\5é Yerse. Dass sicb in der folgenden Zeile ein tiqoç und ein
genname wie etwa oNOfMxtnoy, also eine Widmung verbirgt,
ithmasst Gompertz; docb war deren Platz scbwerlicb unter dem
\ê^lk6ç. Ist etwa nilCfil. çN€ zu lesen, d. b. 155 Selides, so
88 die Zabi 7 aus der vorigen Zeile bierber verstellt wâre?
119. Y 25. xPYCinnoY nepi hponoiac b x . . .
>ber 1000 Verse.
120. vn 24. eniKOYPOY nepi «Ycetoc le xxxhh
^AXY. 3200 Verse. Was die letzten Zeicben sollten, ist unklar').
Es frâgt sicb nun, ob sicb dièse subskribirten Verssummen auf
8 Exemplar bezieben, in dem wir sie yorfinden, oder vielmebr auf
le Vorlage, Ton der dies nur Abscbriften sind; d. b. sind dies
rklicb Exemplare einer Originalausgabe, oder sind es nur — viel-
cht scblecbtere — Abscbriften aus solcben, welcbe die Verssummen
schaniscb mitûbemabmen obne sicb docb nacb denselben zu ricbten?
nés ist so gut denkbar wie das andere, und eine sicbere Beant-
>xtung môcbte sicb scbwerlicb geben lassen. Die Rollen sind
complet und gestatten kein Nacbzâblen. Wenn man sicb einen
igendermassen edirten Titel betracbtet (coll. Neap. prior II S. 30):
^) Ist CMA Terlesen fur (C)€AiA und folgte eine sweistellige Zabi?
^'^
-Oî
sa
190 — Dm Badiufle. —
eniKOYPOY
nepi 4>YC€(i)c
lA
API0-
80 kônnte man wegen der fehlenden Zahl anf die Yermathung ?e^
âJlen, dass der Schreibery der dies Exemplar eben gefertigt batte,
den aQê&iàOÇ nachzuzahlen beabsichtigte, aber ihn sn subakribiien
au8 irgend einem Grunde vergass: dies wûrde Toraussetzen, din
eben die Zeilen der Herculanensisclien Rollen seibst gegeben werdeo.
Yiel wahrscheinliclier ist aber, dass unsere italienischen Editoren la
dieser Stelle die Zahl uiileserlicli gefimden und fortgekssen babes.
Yielleicht lâsst uns folgende Ueberlegung ein Urtheil gewîimeii. Ancb
Selideszahlen finden sich notirt; dies geschiéht entweder als ExsiU
fur die fehlende Stichenzahl (so in mçl xo^^voç^ ygl. oben S. 160),
oder zweitens, beide Zahlenangaben treten in der Sabskription nebea
einander. Betracbten wir dièse Fâlle, so stehen Selides und Yerse
in ibnen in normalem Yerhaltniss zu einander, so dass sich fur dÎ9
einzelne Selis eine angemessene Yerszahl ergiebt: so fidlen auf û^
in N. 115 yielleicht 26 Yerse, in N. 118 yieUeicht 30 , vor allem bo-
N. 1 10 richtig genau 28. Nun finden wir aber noch eine dritte Ait^
die Selides zu notiren, in N. 107 : hier stehen sie nicht mit auf dem^--
Eschatokoll, sondern unten auf dem letzten Textblatt, mit der Yers —
zahl unyerbunden, und gerade hier ist es nun, wo sich — das einzige^^
Mal, dass dies ûberhaupt geschiéht^) — der Schreiber der BoUe^^
seibst nennt: Iloosiô&v aînoç toi BlTœvoçl Man kann nicht:::^'
zweifeln: hier sind jedenfalls die Selides der yorliegenden yon Po— -^
seidon geschriebenen Rolle gemeint. Sollte es nnn ZufBJl sein,
gerade, wo sich der Schreiber nennt, Yerszahl imd Seitenzahl gege
die Gewohnheit getrennt stehen? Ich glaube nicht. Man môcht^^
darum yermuthen, dass die Seliszahl, wie sie hier yon der gegen^ —
wârtigen Rolle giit, so in den ûbrigen Fâllen, wo sie mit de^"
Stichenzahl auf dem EschatokoU steht, yielmehr aus der Original—
^) Bei Philodem m^i d-avarw (N. 109) stehen unterhalb der Selidessabl
noch tiefer die Buchstaben AlC. Dies aof einen Kigennamen sa deuten wM
Jtoywfèoç ist ganc unsicher.
— Die HereolAiiensischeii BQcher. — 191
olle mit copirt ist, die dem Poséidon oder seinesgleichen als Yor-
ige diente. Es spricht nicht dagegen, dass jene Philodemrolle,
eren Seiten paginirt Torliegen (oben S. 159) die Gesammtsuinine ihrer
eiten gerade nicht subskribirt (coll. Neap. XI^ S. 1 £F.). Prûfen wir
adlich die Zahlen selbst in N. 107, so fallt, wie immer man lèse,
le Stichenzahl fur die Selis zu gering ans'); Cobet will die Stichen
bniin Ton XC zu XXC vermehren. Yielleicht ist es richtiger an-
merkennen, dass hier Tielmehr die Seitenzahl fur die Abschrift, die
UàltDZBhl fur deren Yorlage gilt Die Zeilen der Yorlage mûssen
Itnn aber yiel langer, ihre Columnen yiel breiter als die des Poséidon
gewesen sein; weil Poséidon in kûrzeren Zeilen schrieb, brauchte er
cben mehr Selides. Rechnen wir auf die Seite nur 27 Zeilen, so
fcitte das Original 44% (^) oder 37 {^) Seiten, und die Ab-
Mhrift branchte deren also entweder fOnfoial (CA) oder wahrschein-
Kcher doppelt (OA) so Tiele.
Wo deutliche Eriterîen fehlen, muss man sich mit zweideutigen
^ behelfen suchen. Doch wird man ihnen grosseres Yertrauen
i^enken bei Betrachtung des Textes selbst, den die Bûcher Hercu-
'*Deums darbieten. Die argen Comiptelen, die ihn entstellen, mûssen
*^ Yerdacht erwecken, dass wir es hier mit Copien schlechtester
^ zu thun haben'). Auch werden uns die nachfolgenden Betrach-
(Ingen die Annahme aufdrângen, dass die Originalausgaben antiker
^diriftwerke wesentlich besser, d. h. besonders grosszeiliger als die
[erculanensischen Rollen gewesen sein mûssen, Normalexemplare,
tch denen sich ein Privatmann auf schlechterem Papier und mit
ngloserer Schrift billigere Copien selbst fertigen rsp. durch seinen
brarius fertigen lassen konnte. Dass in ihnen der àqk&ikéç ôfter
i. IfOO _, lui/ w M o V 1005 __, ,01/ 1*00 « 1006 _ -
*) —Tji g*be 16Vj Zeile pr. Sehs, -^ g&be 13V,, -^ nnr 6, -^ nur 6.
*) Ana Bach X mçî xaxiaiv (éd. Neap. IIP = éd. Ozon. I 1 ff.), coL 12
20: /avKr f. /iav»ç^ t. 37: natc^au f. nruiCfAtaè, 12, 26: St» f. ors,
9, 22: ànotvyxdyety , 23, 23: fiça/vç f. fiqaâvç, 23, 28: ô/uiJUaiy f. ofuUlv,
3, 34: j^a* f. xai, 24, 15: ivtoiv f. hUav (vgL Sauppe, Phil. de Titiis 1853
• 10). So scheînt bei Phil. ntqi erj^sitoy xai erj^iKaCëtay Col. 36 das Wort
rapxêpaa&p interpolirt oder durch Irrthum eingedrangen (rgl. Oomperti,
tMhr. f. Oaterr. Gymo. 1866 S. 691 f.) u. a. m.
192 — ^^® Baehsefle. —
wegfiel, ist alsdann sehr begreiflich; doch wnrde er oft anch meclia-
nisch mit ûbemommen, and dièse Falle sind es, in denen uns Hei^
culaneum das antîke Rollenbucb mit seinen obligaten Yennerken,
wie es in den Buchlâden Rom*8 feîl stand und von den AlexandriDem
zuerst fixirt zu sein scheint, am treuesten Teranschauliclit.
Uns ère ûbrigen Teztquellen fur die alte Litterator stehen
demnach mit den Herculanensischen RoUen dorchaus anf gleicher
Linie. Auch sie sind direkt oder indirekt Abschriften der Origiiul-
ausgabe. Und wenn anch sie uns nun sticbometrische Subskriptionen
darbieten, so dûrfen wir annehmen, dass aucb dièse aus der Origioal-
ausgabe in die Abschriften des Mittelalters mechaniscb weiter ge-
wandert und also als treue Zeugnisse fur jene benutzbar sind. Nidrt
applicirbar auf die Handschrift, in der sie sich befinden, setzen mu
dièse Zablen in den Stand, die Zeile des Papyrusbucbes gentu
und damit wenigstens genauer als bisher die Beschaffen-
heit des Bûches selber kennen zu lernen.
Wir stellen die wenigen Beispiele aus der Poésie yoran, die
fur unseren Zweck nichts austragen kônnen.
121. In einem Anthologion griechischer Dichterstellen, ge-
schrieben noch vor 161 Tor Chr., steht unter dem ersten Euripides-
excerpt ZTIXOI MA. Die ûbrigen Stûcke entbehren solchen
Yermerks. Dies ist die al teste sticbometrische Subskription, die
existirt '). 44 Verse.
122. Moschos' Europa im Ambros. 99 (f.): M6(I%ov Smtêhtiwi
EvQwntjç avixoè q^^* Dies Gedicht war ursprûnglich jedenfalls
Theil eines grôsseren Bûches (hierûber s. Kap. VDI). 166 Verse.
123. Unter des Dionysios Periegese in cod. Ambros. D. 527
inf.: téhiç dioyvciov tov t^y Tisgi^yijaiy (fvyyQaipafiépov ,aQm\
1185 Verse.
124. Paulus Silentiarius ixççaatç t^ (AsyccXf^ç ixxkfiifiaÇi
*) Papyrusblatt, publicîrt toq Weil (Extraits d. mon. grecs p. p. VAsbo'
ciation etc. Paris 1 879) und danach yon Blass Bhein. Mus. 35 S. 74 ff. Die
StQcke sind von verschiedenen H&nden geschrieben. Blass rermuthet, dass
dies eine Art Schulheft nei, worin verschiedene Schtller Abschriften eintmgeD.
Oder Hess man sich auch damais von Verschiedenen Liebling^verse gleichsan
in's Stammbuch eintragen, das dann mit in's Grab gelegt worden ist?
^- Sdchometriflche Subskriptionen bei Dichtern. — 193
auB der Zeit Justinian's: darunter im Palatinus der griechischen An-
thologie zu Heidelberg: Ortxoi 0(iov ^qùùïxoï ,aa' .lafifiixoï qv.
1200 und 150 Verse.
125. Gregor Yon Nazianz; unter jedem Gedicht steht die
Stichenzahl im cod. Clarkianus 12^).
126. Oppian's Halieutica. Am Schluss steht im Codex 103
der Biblioteca Nacional zu Madrid: ifv ta (ftï xaff. Ebenso hinter
jedem Buchschluss; immer aber ist die Yerszahl unrichtig. Die
Zthlen der tpvXXa passen nicht auf die Madrider Handschrift, stam-
men also aus altérer Tradition*).
127. Fur Sophokles giebt der Laurentianus folgende Blatt-
nnd Zeilenzahlen, die dem vorigen Beispiel am meisten gleichen:
Ajax (fvXXa h^, attxovç ,cr/uf (1044), Elektra ^vX. t^, inlxùvç
jufk (1040), Oed. tyr. (pvX. i^, atlx» ,a^ (1060), Antig. ytîA. iif,
cvlx. ,aQfii' (1147), Trachin. (pvX. hS , attx. ,açx (1220), Philokt
g>vX* ês, ^^X' é^^^' (1^0^)> Oed. Col. ytîJl. x, tntX' flX^ (1630).
Schon die Zahlen der tfvXht verrathen, dass die der Stichen nicht
korrekt sein kônnen'). Der Terminus ^vXkov scheint nicht antik,
also wohl auch nicht die Zahlen.
128. Tzetzes, Chiliaden. Unter dem Gesammtwerk wird yer-
merkt: mlx^^v noX$uxù5v zà noabv ,$fiipy&\ 12759 Verse.
Es folgen die Prosawerke. Stichensummen subskribiren zu-
nâchst die Handschriften des Herodot, Isokrates, Demosthenes. Bei
keiner Zahl tritt (frixot hinzu. Die Zahlzeichen aber sind in der
alten dekadischen Zahlenschrift, welche strenge durchgefuhrt ist,
wâhrend die der Herculanensischen Rollen, wie wir sahen, gelegent-
1) VgL Graux a. a. 0. S. 124 Note.
*) Iriarte, Regiae bibl. Matrit. codd. gr. S. 408. Graux a. a. 0.
') Die kûrzesten StQcke Trachinierinnen und Antigène stehen auf 14 BUt-
tem; hatten 14 Bl&tter 1200 Verse, se hielten 16 Bl&tter etwa 1372. AUo
Dur die Zahl des Philoktet ist normal, zu klein die ftlr Aiax, Elektra, Oedipus
Tjr., und der Oed. Col. musste wenigstens 1700 halten. Aenderungsrorschl&ge,
dem wirkliohen Versbestand entsprechend , bat Ritsobl S. 175 rorgetragen.
Doch scheint zweifelhaf^, ob die Fehler durcb Comiptel und nicht durcb un-
genaoe Taxirung entstanden, welcbe freilioh im Altertbum nicht Torgekonmien
sein wird.
BIrt, Boehwesen. 13
194 — Die Badueile. —
lich schon stillos die jfingeren Zahlzeichen einmischen; man liest
also z. B. unter Herodot IV die Summe XXXf^iii^ imter dem Bu-
siiis des Isokiates : HHHf^IAAAA vu s. f. Dass dièse alte Zahlen-
schrift hier wirklich ûblich geblieben war, bezeugt aiiadrûddich
Herodian (oben S. 163). Dièse Handschriften geben also den Usos
der alexandrinisch-rômischen Pinakographie getreuer wieder als jene
Rollen, um yieles getreuer yor allem auch als die poetischen Nnm-
mem 121 — 128. Wir mûssen die Fassung der Nummer 127 (and
122?) demnach jedenfalis fur unursprûuglicli halten. Denn erst bei
spâteren Autoren drang die jûngere Zablenschrift nachweislich in die
Subskriptionen ein, bei Euseb, Gregor Yon Nazianz, in den Schiiften
des Alten und Neuen Testamentes. Man Hest also z. B. unter des
Ëusebios Praeparatio eTangelica Buch II die Zabi ,3^Ynn u. s. w.
Doch kann dies schon etwas frûher aufgekommen sein, wie beim
Dionysios und Oppian, N. 123, 126; ygl. 229. Die alte Zahlenschrift,
die in den Exemplaren aller Yoralexandrinisohen Autoren henschte,
bat sich nachweislich jedenfÎEdls bis zu denen der ciceronischen 2eit
(Philodem) im Dienst der Subskription erbalten.
Wir geben nun in Folgendem mit der Subskription zugleich
auch die Grosse des Stichos selbst nach der Anzahl der
Buchstaben, wie sie yon Graux aus den Subskriptionen be-
rechnet ist:
129—132. Herodot (Codd. A und B),
Buch IV, 3053 Stichen. — Stichos zu 37,6 Buchst
- V, 2200 . — . . 37,5 -
. Vm, 2322 - — - . 37,6 -
- IX, 220G - — . . . 37
133. Isokrates (cod. Urbinas), Busiris, 390 Stichen. — Stichos
zu 37,4 Buchst.
134 — 179. Demosthenes. Fur 40 seiner Reden haben wir
Zahlen im Paris. £; fur die 18 letzten, ebenso fur die 5 Briefe ist
er einziger Zeuge, fur die ûbrigen kommen Daten hinzu im Bavari-
cus, Vaticanus und Augustanus 3 imd Venetus F. Dièse Zeugen
stimmen genau uberein fur 9 Reden; bei anderen ist eine nach der
anderen zu corrigiren, bisweilen liegt in allen offenbar Irrthum vor;
besonders leicht ist die Zahl PI entstellt worden:
— Stiehen des Herodot, Isokrates, Demosthenes. — 196
nsgi %Ay iy XsQQortjaiif, 590 Verse • • Stichos zu 37,3 Buchst.
Brief V, 40 V - . 36,5 -
Philippica I, 460 V - - 36,4 -
PhiHppica m (nach Z* u. Bav.) 580 V. . - - 36,3 -
Olynthiaca m, 325 V • - 36,6 -
tkqI ^Alowfiaw, 345 Y - - 36,7 -
Gegen Androtioii 780 Y • - 36,3
nBQÏ naQttTïQsafiskcç (nach Bav., gegen Z),
3280 V - - 35,9 -
ikqI toi (ttëtfàvov (nach Z)^ 2768 V. . - - 35,8
PhiKppica lY (nach Z), 634 Y - - 35,8 -
nsqï (tvytcéismç, 330 Y - - 35,8
Lakritos, 430 Y - - 35,8 -
neçi slQ^Ptiç, 206 Y - - 35,7 -
Konon, 460 V. . j__.__ - - 35,7 -
Midias (Z hat ^^jjj^ y. Graux leicht
corr.), 2101 Y - - 35,6 -
Prooemia, 1370 Y - - 35,6 -
Leptines, 1608 Y - - 35,6 -
Makartatos, 670 Y - - 35,2 -
Boeotos nom., 380 Y - - 35,1
TïïQOç Ttpf ifuct., 196 Y - - 35,1
Olynthiaca U (nach Z% 295 Y - - 35,3 -
PhiUppica H (nach Bav.), 290 Y. . . . - - 35
Boeotos dot., 570 Y - - 34,8 -
Olynthiaca I, 265 Y - - 34,8 -
Brief n, 217 Y - - 34,7 -
Gegen Stephanos, I, 793 Y - - 34,6 -
Leochares, 640 Y - - 34,5 -
Brief lY, 101 Y - - 34,4 -
Nausimachos, 270 Y. ^) - - 34,4 -
1) In anderen F&Uen ist die Zahl Terd&chtig, wie nQoç KôXltTtnoy (^),
323 Verse; diea erg&be den Stichos su 33,6. Graux (S. 116) &ndert hier und
bestimmt den Stichos auf 34, 6. Ungewiss ist auch niçt nty nçoç jiXt^aydçoy,
nach Graux 277 Stiehen su 34, 6 Buehstaben; Neaera, naoh Graux 1261 Sticheo
13*
196 — Die BMhMÎle. —
mQê cvfii^çêmPj 390 Y. Stidioe za 34 Bacbi
Onetor H, 140 V. - - 33,9 -
Aphobos n, 240 V. - - 33,8 -
Also der Stichos der Demostheneshandschriften des Alterthmm
schwmnkte zwÎBcheii 37,3 imd 33,8 Buclmtabeii. Sein Mittel ist:
35,5. Et differiit Yon Isokntes und Herodot um die Eleinigkeit
Ton ly, bis 2 Elementen.
Gehen wir zu Autoren weiter, die am Ausgang des antiken
Buchwesens stehen, so finden wir dièse stindige Zeilengrôsse auch
bei ihiien noch unTerletst erhalten. £s sind
180 — 182. Eusebios (cod. Parismus 451 des Jahres 914), dessen
praep. evang. U mit 1483 Yersen . . . Stichos au 37,2 Bucbsl
- m mit 1858 V. . ^ . . . - - 36,1 -
- I mit 1553 V. (Â^Hf ist
leicht yeischrieben) - - 37,2
183 — 227. Gregor Ton Nazianz (cod. Laorentianus YII 8 giebt
fur aile Homilien die Stichen aosser Hom. 13, 35 und 37)^):
Hom. Xn, 150 Verse Stichos zu 37,7 Buclist
. Vin, 569 V - . 37,4 -
. XLI, 481 V . - 37,2 -
- m, 142 V. und XXTX, 590 V. . . - - 37
su 85, 5; Nikostratos, nach Sauppe 301 Verse su niir 33, 5. Mit mehr Sieher-
heit sind die Zahlen Ton Sauppe, Blasa and Ghranx corrige in folgenden
PàUen:
Aphobos I (E: TRHHAAA, Biass T»IHPnAA),
670 Verse Stichos su 35,1 Buebt.
nfQÎ Tîjç 'Pùd, lXêv&,, 334 Verse - - 34,5 -
ntçî Tov em(f>, tÇç TQ&tjç., 207 Verse - - 34,4
Eubulides, 690 Verse - - 34,3 -
Epitaphios, 357 Verse - - 36,9 -
EroticoB, 560 Verse - - 34,4 -
Brief I, 135 Verse - - 35,1 -
Brief III, 370 Verse - - 35
nsçl Miyalonol., 288 Verse - - 33,9 -
^) Die Zahlen, welche Bandini, Catal. codd. mscr. bibL Med. Laor. I
S. 211 giebt, sind bei Graux nach neuer Einsicht der Handschrift s. Th. rek-
tificirt (s. S. 119 Note).
— Stichen des Euseb, Ghregor t. Nas. Stichos ca. 35 Buohat. — X97
. 36,6
- 36,5
. 36,4
- 36,2
Hom. XXXn, 811 V Stichos zu 36,9 Buchst.
- XV, 430 V., XVU, 335 V. und XXTT,
438 V - . 36,8 -
- V, 1042 V - - 36,7 .
. IV, 2458 V., XXXÏÏT, 440 V. und
XXXVm, 455 V -
. XÏX, 417 V. und XXXI, 775 V. . -
- XXVI, 523 V
. XXrV, 495 V .
. I, 108 V., VI, 625 V., XI, 209 V.,
XXV, 569 V., XL, 1419 V. und
XLH, 732 V
Brief CI, 340 V -
Hom. XLV, 883 V., Vm, 569 V. und X,
100 V .
- XVm, 1238 V
- XXXVI, 333 V
. n, 1896 V. und XXm, 342 V. . .
- XVI, 626 V -
- Vn, 718 V. und XLIV, 295 V.^) . -
Der Stichos des Gregor schwankt also zwischen 37,7 und 35;
seine Mitte ist 36,35; der mittlere Stichos des Euseb ist 36,8.
Und der Stichos der alten Prosaiker schwankt somit
nach dem einstimmigen Zeugniss der angefûhrten fûnf
Autoren zwischen 37,7 und 33,8 Buchstaben; seine Mitte
ist 35,75 Buchstaben.
- 36
- 36
- 35,9
- 35,8
. 35,5
. 35,4
. 35,3
. 35
') Leicht Terderbt und tod Graux meistens ûberseugend corrigirt sind
fdgende Zablen:
Hom. XIV, 1107 Verse (Lanr. ^mz) Sticbos su 36,2 Bacbst.
„ XXI, 961 V. (Laur. ,ap|a) .
„ XXVII, 270 V. (Laur. CI) .
„ XXVin, 959 V. (Laur. 4>N0)
„ XXX, 000 V. (Laur. 4>) . .
. XXXIV, 299 V. (Laur. cj^)
. XXXIX, 508 V. (Laur. 4>N)
„ XLIII, 2400 V. (Laur. K)
Brief Cil, 160 V. (Laur. P) . . .
- 35,6
- 36,7
- 36
- 36,5
- 36
- 36,6
- 35,6
- 36,9
198 ~~ ^® Boehimle. — *
IJnd dièse so bemessene Zeile muss nun nothwendig
inoerhalb des alten Papyrusbuches gegolten haben.
Ihr Mass stimint indess zu keinem der Papymsbûcher liitera-
rischen Inbalts, die uns erhalten sind. Deren Zeile ist Ton xmstiter
Grosse, steigt dabei in den meisten Falleo nicht ûber 28 Bucbstaben
hinsos. Es ist daher wichtig, die GlaubwQrdigkeit der berechneten
Normalzeile als Papyrosbuchzeile nocb weiter erbârten zu kônnen;
wir folgen auch hierin znm Theil Graux' Berechnungen.
Die nâmliche Zeile batte erstlicb aucb das Tbukydidesexem-
plar, das Dionys benutzte, wie N. 71 unseres Yerzeiclmisses
lebrt Im Judicium de Tbuc. c. 10 med. giebt Dionys den Abschnitt
Thyc. 1 1 bis I 87 (ta nsgl *EnidafAP0V xal m rtêçi KégxvQov luà
m nxQi Hotiâsuey xal %^ ïlshmowfiiSUûv fSvvoôoy êlç 2mqvp
xal tovç ^fi&éytaç ixflt xaxà vi^ç ^A&^pcUmp Twlêmç Xoyov;)
aof gegen 2000 Sticben an. Dies ergiebt einen Durcbscbnittssticlios
Yon 35 Bucbstaben (Graux).
Das Prooem des Thukydides, I 1 bis I 23, bielt fur ibn (ebenda
c. 19) gegen 500 Sticben; Durcbscbnitt des Sticbos ist aucb hier
35 Bucbst. (Graux).
Femer aber citirt er (c. 13) slza avâ'tç iTwîTQéipaç hà ùpf
àmâofShv %&v Bîfsl^fiç, ânayra . . . nXsiovç Ç TQucxoatovç crrfx^^ç*
Das slra iind vor allem das av&iç beweist, dass bier nicbts weiteres
als der Abscbnitt lY 26 bis lY 39 fin. (âutp&ccQfiaav) gemeinst ist
Dies sind 341 Zeilen zu 35 Bucbst
Im ersten und vierten Bucb des Tbukydides war also die Zeilen-
grosse gleicb; aucb folgendes Citât ergiebt keine Abweicbung. Die
Disposition am Ende des Proomium stand iy iXdirofShV ^ 7RKT17-
xoyxa (Trixoiç (cp. 19). Damit ist nicbt etwa Tbuk. I 21 bis I 23
gemeint^); denn sonst mûsste um des engen Zusammenbangs "willeii
vielmebr bei I 20 angeboben werden. In Wirklicbkeit disponirt aber
Eap. 23 nicbt mehr, und Dionys kann bier wobi nur Eap. 22 alleio
meinen*). Dies bâlt aber 24 Zeilen zu 35 Bucbstaben').
1) So Graux S. 113.
') Vielleicht ron 21 fin. xai 0 nôUfAoç ùlmç xrX, ab.
') Da Dionys nur immer nach Hunderten und Fûn&igem citirt, so liesi
sicb dièse Sunune ftkr ttin nicht anders als mit ^weniger als 50** beseiohnen.
^ Stiehos ca. S5 Bnclut. bei Thukydides, (Scero. — - 199
Eodlich aber wird die Passage Thuk. I 88 bis 1 117 bei ibm so
sntnscblagt (c. 10): oïç intxi&ti^h jà egya t^ç TtoXsœç ôaa iksxd
\y negaixop Twlsfiov iùùç %ov IIsXoTvopp^tfêaxov âienQcl^ayto
ripaXauùâ&ç xal ifnxqoxddfiv iv iXdttoaiv Ç nsvtaxoaioiç (frlxo^.
îer wûrden abweicbend 45 Bucbst. auf den Sticbos kommen. Solcbe
îfferenz im selben Bucb wâre unbegreif licb ; wabrscbeinlicb ist
Evraxo(rfoiç aus imaxo<ftotç verscbrieben. Es sind io der Tbat
K) Zeilen zu 34,4 Bucbst.
Dieselbe Zeile batte nun aber aucb der Cicero, den Asconius
kB, wie N. 102 unseres Yerzeicbnisses ergiebt. Wenigstens die Milo-
iana giebt uns ûber die versus, welcbe Asconius zâblte, eine Con-
ole. Der Satzanfang § 95 dieser Rede: Flehem et tnfimam multitu^
mem qaae P, ClocUo duce fortunis vestris immmebat eqs. stand nacb
im versu a novissmo CLX. Also Yon jenen Worten an bis zum
cbluss der Rede waren 160 versus; es sind 5472 Bucbstaben; jeder
ersus bieit also 34,2 Bucbst.
Ëbenda stand der Satzanfang § 12: Déclarant huius ambusti tribuni
lebiê iUae intermortuae contiones eqs. fur Ascon versu a primo CC;
abingegen der Satzanfang § 3 : Unum genus est adversum in/estumque
obis eorum eqs. stand fur ibn versu a primo L, Der Abscbnitt
wiscben beiden Satzanfangen betrug also fur ibn 150 versus; es
Ind 5130 Bucbst; der versus bieIt also aucb bier 34,2 Bucbst.
Dazu stimmt nicbt der Anfang der Rede bis § 3 unum genus eqs.,
er 50 Zeilen betragen soll; seine 1460 Bucbstaben wûrden fur den
"ers 29,2 Bucbst. ergeben. Wir mûssten 290 Bucbst. oder etwa
y^ Zeilen des Orelliscben Textes mebr lesen. Solcber Dissens inner-
alb desselben Bucbs ist wiederum sebr scbwer vorstellbar; viebnebr
sbeint uns Asconius bier zu bezeugen, dass sein Text vollstândiger
"ar; der unsrige ist lûckenbaft. Eine scbwere Bescbâdigung findet
cb offenbar zu Anfang des § 2; bier wird ein Ausfall des bezeicb-
eten TJmfanges anzusetzen sein, dessen Inbalt sicb ungefabr be-
!immen lâsst^) (eine andere Lûcke findet sicb § 33, eine andere
Qcb § 34).
^) Hftchst sohwierig ist der Sait, § 2 init.: Non emm corona consessus
iêter cinctus est ut solebat^ non usisata freçuentia stipaH sumus^ non illa
200 — Die Baehxeile. —
Hiermit ist die Gûltigkeit der constanten Zeile fur das Papyro»-
buch Yor der Hand sichergestellt. Allerdings publicirte dagegen
Justinian die Digesten nach der damais schon heirschendea
Buchgewohnheit als Codex; doch wahrt auch er noch, wie sicb melu<-
praesidia guae pro ten^lis omnibus cemitU^ etsi contra vim ooUata Mutf, im
adferunt tamen oratori aliqtnd, ut in foro et in iudiào^ guamguam praaidai
salutaribus et necessariis saepti sumus, tamen ne non tmere qmdem sine aHqM
timoré possimus. Von dem anaphorischen non illa sag^e Orelli mit Beeki-
„Tix tolerari poterit''; es konnte nur stehen, falU der Sais gleichartig mit deo»-
Torigen weiterging: non illa praesidia^ guae . . . cemitis, cemere conguevism^*
Die alte Variante nom sa non (bo Cod. Salisburg. = Mooae. Lat. 16 734) beseng^^
wie frflh man hier Anatoss nahm. Becht ungeschickt stehen femer im Yor
liegenden die S&tze mit etsi und quamquam nebeneinander. Weiter erre
collatOj zu praesidia bezflglioh, Anstoss; man eetzt seit Lambin collocata dafôr
indess scheint con/erre an das folgende ad/erre assoniren zu soUen. Ungemeii
kOnstlich erscheint endlich die Construction mit doppelter Négation und vt^
non illa praesidia .. non adferunt oratori aliçuid, ut ne non timere quidem^
sine aliguo timoré possimusl Seben wir nun auf den Inbalt, ao bekennt Cicero
§ 1, dass er sicb fflrcbte; als Grund dafûr nennt er die nova iudicii forma;
seine Augen yermissen veterem consuetudinem fori; niobt das FrAberyorhandene,
das jetct feblt, sondem das Neubinsugekommene aber ist es, was ibn erscbredst;
es war darum natflrliob und wirkung^roU, nun § 2 nicht blos negatir das
Feblende zu nennen, sondem ror allem die gefûrcbteten Soldaten sa
scbildern; tbat dies Cicero bier, so wird das gleicb folgende tanta vis ar-
morum Terstândlicb, so waren die Worte | 3: Quam ob rem illa arma centu-
riones cohortes non periculum nobis, sed praesidium denuntiant wirklicb das,
wonacb sie ausseben, ein Bflckyerweis auf dièse Scbilderung, die ans-
gefallen ist und vielleicbt so angeknûpft war (man woUe den Versucb einer
Ergânzung mit Nacbsicbt aufnebmen) : Non enim corona consessus vester cinctus
est ut solebat, non usitata frequentia stipati sumus, non illa praesidia^ guae
pro templis omnibus cemitis || disposita, adhibere his sanctissimis lads usque ad
hune ipsum diem in consuetudine fuit; nom stipamur cohortibus, nam corona
cingimur militari^ nam undique dum circumspicitis minantia signa videtis et
ferociam gladiorum et armorum strepituni guo frangitur vox dicentis; denique
velut in castra forum Romanum conversum est. Quae omnia insignia violentiae 1
etsi contra vim collata sunt^ non adferunt tamen oratori aliquid: ut in foro
et in iudicio, quamquam praesidiis salutaribus et necessariis saepti sumuSj
tamen ne non timere quidem sine aliquo timoré possimus. Die Pbrase adferre
aliquid c. Dat. beisst „in etwas nûtzen" ; wir baben also mit Négation zu Qber-
setzen: ^sie scbaden dem Redner in etwas"; der Datiy oratori kann darum
nicbt entbebrt werden. — Ich bin in der Ausf&llung Lucan I 319 ff. gefoigt.
— Stîchos ea. 35 Buchst. bei Justinian, Varro. — 201
^ch zeigte, die Traditionen des Papyrusbuchwesens, so unter anderem
*^ch die alte Stichometrie. Die gesammten Digesten taxirte er
(ûach N. 2) auf beinahe 150 000 versus, d. h. also etwa 145 000 oder
140 000 Verse. Da sich das Werk aber auf etwa 5 000 000 Buchst.
berechnet, so hielt der versus des Justinian etweder 33,4 oder
5^,6 Buchstaben^).
228. Noch sei auf eine Stelle des Yarro hingewiesen, welche,
^ier* Flexion handelnd, zur Yerdeutlicbung der Analogien die Formen
i^arskcligmenartig auf verschiedene Zeilen vertheilt De 1. lat. X 43 f.
'«PX'o scheint folgendermassen geschrieben zu haben:
Esto sic expositos esse numéros ut
in primo versu sit unum duo quatuor
in secundo decem viginti quadraginta
in tertio centum ducenti quadringenti
In hac formula numerorum duo inerunt quos dixi
lôyoê qui diversas faciant analogias: unus
duplex qui est in obliquis versibus quod est ut
unus ad duo, sic duo ad quatuor; alter decemplex
in derectis ordinibus') quod est ut unus ad decem,
sic decem ad centum. — Similiter in verborum de-
clinationibus est bivium quod et ab recto casu [de-
gewiss an nnsere Stelle dachte, als er schrieb: guis castra iimenti
U mixta forof gladii cum triste minantes ludicium insolita tre-
^i«m c insère corona, atque auso médias perrumpere milite leges Pompeiana
clauserunt signa Milonemt Hier stehen die f&nf Vokabein Cicero's
en: forum^ iudicium^ {in)solita^ cingi corona und daa timere,
') Berechnet nach Mommsen éd. minor. Die 850 regelm&ssig gedruckten
haben mit Abzng der leeren R&nme und leeren Halbzeilen 114 237
^^^^Im la 41% Buchst. Dazu kommen die besonders gerechneten Seiten 4, 5,
^» «, 97, 103, 104, 127, 339, 340, 352—358, 581-684, 789, 801, die sus.
'-T 231 Buchst. ergeben. Summa 4 861 231 Buchst., woTon noch ftlr den leeren
'^^mii an den Buchschlflssen 17 417 Buchst. abzuziehen; ergiebt 4 843 814
''^«hst. — Mommsen Dig. éd. maior S. XI bat den Inhalt nach der Florentina
•«Ibet berechnet, die 887 folia zu 4 Seiten bat, jede Seite zu 44—45 Zeilen,
J^^e 2eae su 32 Buchst, giebt 5 109 120 Buchst.; dies wflrden 150 000 Stichen
^,06 oder 145 000 zu 35,23 oder 140 000 su 36,5 Buchst. ergeben.
') Hier steht nicht versibus; offenbar waren die Bebpiele also in der
^"^çebenen Weise zeilenweise neben und untereinander gestellt.
202 — I>i« Budixeile. —
clinatur in obliquom et ab recto] in rectum
ita nt formnlam similiter effidant: qnod ait
primo Ter su hic albns hnic albo liiiius aibi
secundo haec alba huic albae huius albae
tertio hoc album huic albo huius albi
Itaque fiunt per obliquas dedinationes
ex his analogiae hoc genus:
Albius Atrius, Albio Atrio; •
quae scilicet erit
per derectas declinationes particula ex illa
Albius Atrius yicenaria^)
Albia Atria quae scilicet centenaria
formula analogiarum.
Hat Yarro die Paradigmen so disponirt*), so muss demnach die
Raumzeile in sein en Exemplaren 35 bis 38 Buchstaben haben fasaen
kônnen.
Und dièse Normalzeile von c. 35 Buchstaben hat also, wie die
bisherigen Beispiele ergeben, Ton dem Thukydidesexemplar des Dio-
nysios bis zu Justinian durch mindestens funf Jahrhunderte das
Buchwesen imverândert beherrscht. Sie hat bei den Romern ebenso
gegolten wie bei den Griechen.
Doch wissen wir einen Yoralexandrinischen Autor, den die
Eaiserzeit in grôsseren Zeilen las; es ist Hippokrates, und es ergiebt
sich dies aus den Citaten Galen's in N. 74. Die Schriften m^
(pvtfsœç àv&QiûTiov und nfQÏ âialnjç vyta^y^ç standen in einer
Buchrolle zusammen; Gralen unterscheidet darum zwei f^âQi/ derselben:
1. fuçi q)va€wç (§ 1 — 8), 2. ein notxlXoy f^éçoç, bestehend ans
a) § 9—11, b) § 12, c) § 13-16, d) jaçl âuciT^ç 1, e) 2—5, f) 6,
g) 7. Theil I betrug nim gegen 240, d. h. wohl 235 Stichen; es
sind ca. 9785 Buchst.; jeder Stichos hielt 41, 5 Bu ch st. Dem wid6^
^) binaria 0. MflUer.
') In Anordoung des letzten Theiles bin ich 0. Millier gefolgt, adn. ta L
Nooh sicherer scbeint die Abtheilung der zwei Toraafgebenden Paradigmen der
Zablen und des Adjektirs aïbvs; denn dass in primo versu^ in secundo, M
tertio nocb immer je eine besondere Zeile erbielt, ist wenig wahracbeinlicL
Freilicb aber konnten die Zablen als Zablen gescbrieben sein.
— Abweichnngen. — 203
reitet die zweite Angabe nicht, wonach der Schluss tesçI iyxstpâXov
lî etwa (œç) 10 Stichen zerfiel; das kann 9, yielleicht auch
/, Sticlieii bedeuten. Es siod 355 Buchst.^), also 10 Stichen zn
'},5 oder 9 zu 39,5 oder Sy^ zu 41,9 Buchst. Drittens aber hielt
e ganze Rolle „600 Stichen oder ein geringes weniger^, d. h. etwa
)0. Es sind aber im Granzen 25 060 Buchst. , jeder Stichos also
ielt 42,5.
An dieser etwas langeren Hippokrateszeile, welche die des He-
>dot Tind Isokrates um 4 — 5 Buchstaben ûbertrifFt, lâsst sich nicht
veeifeln, da sie sich zweimal ergeben hat. Bedenklicher scheinen
i^ei andere Abweichimgen.
229. Der Plutarch codex der Nationalbibliothek zu Madrid
[. 55 hat fûi das Biographienpaar Nikias und Gras sus zwei Sub-
kriptionen, einmal Nhxiaç -5- atlxoh (fvPccfJKpœ ,^5ç', das andere
lai: KQccCaoç -5- fntxoi (fwàikqxù iSSV*)* ^^^ dxxfih. die Plutar-
hische Stichometrie wie die des Euseb und Gregor bedient sich
icht mehr der alterthUmlichen Zahlenzeichen , und wir werden
araus schliessen dûrfen, dass im Lauf des ersten Jahrhunderts n. Ghr.
liese Zeichen ausser Gebrauch gekommen sind. Das cvvàfAipœ be-
agt, dass die Sunime 6068 aus beiden Biographien zusammen (nebst
^arallele) gezogen ist; daher lautet die Zahl beidemal gleich; dass
oan damit aber beide Stiîcke zu subskribiren fur nothig befùnden
lat, wird seine Erklârung in anderem Zusammenhange finden. Der
Itichos fallt nun aber minimal aus; er berechnet sich zu 1977 Buchst^.
laben wir dies gelten zu lassen? Oder ist die Zahl aus /t^'
'erlesen? Alsdann hielt jeder Stichos richtig 34,5 Buchst
Die zweite Abweichung giebt Josephos , N. 1 , mit seinen 2$
WQidâeç (ntx(oyj die er uns fur die Originalausgabe seiner Archâo-
ogie giebt. Dieser Stichos des ersten Jahrhunderts hâtte nur 28 — 29
buchst. gehabt (Graux). Die Simime ist zu gross. Ist dies nim aus
Hûchtigkeit zu erklâren? hat Josephos nur in Bausch und Bogen
axirt und dabei zu hoch gegriffen? Es fallt schwer, dies zu glauben;
') Die Worte ti^ àud-çwmp sind mitgez&hlt.
*) Vgl Graux a. a. 0. S. 114.
>) Das Ganze hat 116 118 Buchst, tazirt nach Bekker's Ausgabe.
204 — I^î® Baehseîle. —
Zweck jeder UmfangsbestimmuDg nach der Einzelzefle konnte ja
nur Genauigkeit sein; sonst hatte aie keinen Sinn: wie sich denn
ja auch in der That sanuntliche ûbrigen Bestimmungen, die wir
kennen, als genau erweisen. Wir werden also methodisch sckliessen
mûssen entweder, dass die Zeile des Josephos wirklicli um etwa
sieben Ëlemente kûrzer gewesen ist, oder aber, dass Josepboe fi)l-
gendermassen gescbrieben batte: fitfiUoiÇ fi^èp êîxo(t$ jtSQiêtXmiii^v,
€ âè fAVQiccCt (tvtxf^v. Dièse so leicbte Aendemng ergiebt fur den
Vers wirklicb 34,2 Bucbst.^) Die nacbfolgenden Ueberlegungen
werden fur die Korrektur der ûberlieferten Zabi in den beiden letsten
Fâllen in^s Gewicbt fallen.
Es stellt sicb nun die weitere und nabeliegende Frage: wiekam
es, dass gerade die Summe von ca. 35 Elementen als Litteratnneile
beliebt worden ist? Hierfûr ist von Graux mit Evidenz auf den
daktyliscben Hexameter yerwiesen. Auch der Hezameter bihbei
Homer im Durcbscbnitt 37,7^, bei Yergil 36,9 Buchstaben, und zwar
giebt Yergil z. B. in den Yersen Aen. Y 827 — 856 ab Minimum
deren 32, als Maximum 42. Wir folgem mit Sicherbeit: die pro-
saiscbe Normalzeile war einfacbe Nacbabmung der poe-
tiscben, die Zeile des Prosawerks war keine andere als di6
des Epos. Die alten Hippokratesexemplare waren am sparsamstef^
gescbrieben und ibre Zeile bielt sicb im Maximum des Hexa^
meters, 42.
Und weil dem tbatsâcblicb so war, bat aucb die Terminologie
davon beeinflusst werden kônnen. Die Terminologie giebt uns fû^
die tbatsâcbliche Geltung dieser prosaiscben Hexameterzeile ein^
weitere ausdruckliche Bestatigung. Denn STifi beissen bisweilen aucb
die Raumzeilen der Prosa. Wurden Prosawerke mit poetiscben sticbo^
metriscb zu einer Gesammtsumme berecbnet, wie es die Fiktionei:
eines Lobon thaten (Yerzeichniss N. 39, 51, 53; vgl. 67), so gal^
€7117 aucb Yon den ersteren mit; wir baben nun also nicbt nôtbig
dies fur blosse Ungenauigkeit zu nebmen. Aber aucb fur sicb stebev
*) Die ganze Ârch&ologie bat Dacb Gram' Veranschlagung eb^
ca. 17 100 000 Buchst.
^) Ich folge hierin Graux S. 123; vgl. Pappus oben S. 160.
— Die Prosazeile gleich dem Ilexameter. — 205
If eines Prosaikers N. 75, 52; Ygl. 65, 76'). Ja, Lukian taxirt sogar
ach- oder Werktheîle hiemach, wenn er an gewisseii Geschichts-
;lireibem bald tadeit, dass sie nur sieben eTnj auf die Beschreibiing
ner Scblacht, bald, dass sie viele Myriaden inoip auf die eines
ferdezûgels yerwendet batten (Luk. 25, 28 u. 19).
Hôchst wicbtig aber fur uns ist, dass wir diesen Gebrauch
ihon in der voralexandriniscben Zeit Yorfinden. Denn wir
iben, N. 3, dass scbon Theopomp den Inhalt seiner Werke nacb
Tf taxirt bat, und dem entspricbt Yollkommen die Aeusserung seines
ehrers Isokrates, Panatb. 136, er wolle in seinen Reden nicbt durcb
Le Masse des Grescbriebenen den Hôrem gefallen, aucb nicbt wenn
I sicb zu 10 000 Hexametem an Grosse ausdebnte: ovâ* fjv iivqiùnv
Also aucb Isokrates, Tbeopomp, das Prosabucb der Yoralexan-
riniscben Zeit ûberbaupt ist scbon in derselben Normalzeile ge-
sbrieben worden wie Cicero und Euseb ; die oben mitgetbeilte sub-
bibirte Summe des Busiris (N. 133) im Codex Urbinas muss dem-
acb scbon in der Originalausgabe dieselbe gewesen sein, und so
rerden aucb die sticbometriscben Angaben des Dionys fur Tbukydides,
ie unserer Handscbriften fur Herodot und Demostbenes ebenso der
riginalen Yoralexandriniscben Textgestalt selbst entsprecben.
Die Prosa war erst spât auf die Poésie gefolgt, die prosaiscbe
Irzahlung aus der poetiscben berYorgegangen. Das erste prosaiscbe
^erk, das das Griecbentbum untemabm, konnte aber nur bei scbon
OBgebildetem Scbriftwesen intendirt und ausgefubrt werden. In dem
cbriftwesen der rein poetiscben Litteratur berrscbte bisber der
[exameter des Epos. Nacb dieser Zeile war die Bucbform, d. b.
Lsbesondere die Breite der Einzelpagina bisber eingericbtet.
iese Zeilenlânge und dièse Seitenbreite ist nun also unYerândert Yon
er Prosa recipirt worden; dies geschab lange beYor ein Kallimacbos
as Bucbwesen ordnete; Kiillimacbos empfing und konservirte dies
Ls eine alte Gewobnbeit (N. 54 f.). Und sie bat sicb so uuYerandert
^) Ohne hinreicheDden Gnind bat Wachsmuth Bhein. Mus. 34, 483 die
(«weiskraft dieser Zeug^isse abzaschw&chen gesucht.
*} BlasB will hier intj als Kola verstehen; doch widerr&th dies die Ver-
rleichnng der obigen Beispiele.
206 — I>ie Baehiaile. —
Tom Zeitalter eines Hekataeos bis su dem JustmianiBchen forteibeii
kônnen. Die Zeilen- und Seiteagrôsse, die an der Schwelle aller
klasÙBchen Litteratur durch die ente AuÊBeichnong Homer's ûmt
worden war, bat der Weltlitteratur fLber ein JabrtauBend bindozcli
Dienste getban und aie ibr ent an dem Ausgange des Altezthumi
selbst gekûndigt
Dièses Raummass bat endlicb aber aucb su einem Zeitouas
erboben werden kônnen. Dies erkl&rt sicb leicbt genug. Aile Litte-
ratur des Altertbums war ja sur Deklamation oder zur Voriesong
bestimmt; sie wurde weit weniger als beute mit dem Auge, sondem
Yorzûglicb mit dem Obr au^efiEtsst Insbesondere aber giit dies Yon
rbetoriscben Scbriftwerken. Isokrates scbreibt f&r Hôrer, aber er
spricbt gleicbwobl, vie wir saben, yon einem nacb inij bemessoies
fMptoç seiner Reden. Hiemit ist gleicbzustelien, wenn Giceio im
Arcbias sagt (pro Arcb. poeta 8) , dass er ex tempore tnagmm m-
merwn optmorum versuum spracb, und nocb yiel mebr, wenn Herodei
Atticus sicb zur Abmessung seiner Yortrfige eine Elepsjdra gebaot
baben soU, derenWasser gerade 100 Hexameter langlief (Pbilastraty
vitae sopb. Il 10)^).
Warum aber zablte man nun diesen Vers? Das moderne
Bucbwesen, so entwickelt es ist, bat an eine so kleinlicb genau^
Statistik nicbt gedacbt. Die Zeilen eines Frosadrucks zu zabled
wâre fur uns absurd, und aucb in der Poésie bat uns die Pédanterie
der Yerszâblung bisber zum Gluck yerscbont und wird uns yer"
scbonen, bis etwa die moderne Litteraturwissenscbaft uns unsere
Elassiker ganz entfremdet. Pédanterie konnte Urbeberin des antikeo
Gebraucbs nimmermebr sein. Er muss der Praxb gedient baben.
Man konnte sicb denken, dass der sticbometriscbe Yermerk ûbei
die Completbeit einer Rolle eine âussere Contrôle geben, dass sicb
abo insbesondere der Kâufer durcb ibn des unverkûrzten Bucbb^
standes yersicbem sollte. Docb reicbt dieser Nutzen zur Erklarung
nicbt wobl aus. Die Sticbometrie diente yielmebr in erster Lini«
der Herstellung der Texte, wie wobl zuerst yon Marquardt'} be
*) ^'achgewiesen Ton Wachsmuth, Rh. Mus. 34, 483.
3) Rôm. Privatalterth. II S. 339.
— Zweck der Stichometrie. — 207
merkt worden ist. Unsere Drucke pflegen die Bôgen und Seiten yoII
DrackBchrifb zu zahlen und zu numeiiren und woUen damit nicht nur
die Contrôle ûber den Gesammtumfang erleichtem, sondem danach
auch den Buchpreis fur den Yerkauf oder zunachst nur das Honorar
fur den Autor und den Setzerlohn fur die Herstellung bestimmen;
nacb Analogie dieser Zâhlungen wird die antike ZeileDzâhlung zu be-
mtheilen sein.
Schreiber waren es, deren Fleisse die Yervielfaltigung aller litte-
xarischen Publikation zufiel; der librarius, der die Herstellung einer
Auflage zu etwa tausend Exemplaren ûbemahm, musste mit einer
jprossen Sklavenschaft arbeiten und machte damit eine bedeutende
Xapitalanlage; woUte er dies sein Untemelimen und die Arbeit seiner
Sklayen bezahlt machen, so musste er einen dem Buchumfang ent-
sprechenden Schreiberlohn ansetzen. Zahlte ihm diesen Lohn der
Autor selber, so edirte dieser also das Werk auf Selbstkosten, und
wer dann den Yertrieb ûberoahm, bleibt zweifelhaft. Uebernahm
dagegen der librarius als bibliopola selbst den Yertrieb, so konnte
er seinen Schreiberlohn, statt vom Autor, auch vom Publikum er-
heben, und dies war dann der Kiiufpreis der in Tabemen feil stehenden
Bûcher, der naturgemâss wiederum dem Buchumfange genau ange-
messen wurde. Besonders lehrreich ist fur den Bezug der Yers-
zahlung auf dièse Buchherstellung und den Buchpreis ein Martial-
epigramm, II 8:
Si qua yidebuntur ohartis tibi» leotor, in istis
Sive obscura nimis sive Utina parum,
Non mens eat orror: nocuit librarius illis
Dum properat yersas annnmerare tibi.
Quod si non illum, sed me peccasse pntabis,
Tune ego te credam cordis habere nibil.
^Ista tamen mala sunt**. Quasi nos manifesta negemus.
Haec mala sunt. Sed tu non meliora facis.
-^^ librarius — mit dem seine Sklavenschaft natûrlich zusammen-
gedacht wird — ist es, den Martial hier fur schlechtes Latein und
*-*iilclarheiten in seinem Texte verantwortlich macht; denn derselbe ist
*^ eilfertig dabei, „dem Léser die Yerse zuzuzahlen". Offénbar
^€t dem die Anschauung zu Grunde, dass der Copist die Zeilen
*^ ^u liefemde Waare, indem er sie hinschreibt, abzâhlt. Dièses
208 — ^î® Bnohzeile. —
hier Yon Martial erwâlinte Abzfiblen des Buchscbreibers
ist es offenbar und nicbts anderes, wodurch sEmmtliclie
sticbometrisclieii Daten der Alten entstanden sind^. Der
librarius hat es eilig, denn je mebr Zeîlen er axn Tag saUt, desto
grôsser wird der Yerdienst ausfallen. Deijenige endlich ab^, f&r
den er es abzahlt, ist nicht etwa der Dichter, sondem der Léser
oder Bachkâufer: d. h. nacb den sticbometrischenYermerken
bestimmte er den Ladenpreis. Icb zweîfele nicbt, dass, w«m
die Rbetoren das allzu sorgsame Sprechen als ein onmes Uttenu m-
putare et velut adnumerare (Quintil. XI 3, 33) bezeichnen, dies
Gleichniss von dem adnumerare Utteras et versus der Schreiber lle^
genommen ist. Noch deutlicher gebt auf dièse Anschauung znrôck,
wenn Cicero (De opt. g. or. 14) die Behanptung, er habe Aeschines
nnd Demosthenes nicbt verbum pro yerbo , sondem frei nach dem
Sinn ûbersetzt, so ausdrûckt : er meine die griecbiscben Texteswoite
dem Léser nicht zuzàhlen zu mûssen, sondem Tielmebr zuwigen:
non enm ea me annumerare lectori putavi opariere, sed tamquam ap-
pendere^.
So wie die Copisten des Mittelalters nnd der Neuzeit nadi
Zeilenquanten bezahlt werden, so auch die des Alterthums, ob aie
nun litterarischen oder nur privatèn geschâftlicben Zwecken dienten.
Die Bezahlung der Abschriften, und zwar nacb Yersbunderten , be-
stâtigt uns das Edikt des Diokletian ans dem Jahre 301 n. Chr., ein
Tarif der Maximalpreise fur jene Zeit, in welcbem wir unter anderem
lesen (éd. Waddington S. 19, Corp. inscr. DI S. 831):
Scrîptori in scriptura optima rersanm n centum ....
Seq(uenti)s scriptarae yersaum n centum J2f XTj
Tabellanioni in scriptura libelli Tel tabu-
larum (ii> Ter)8ibus n centum *7r XX V .
^) Adnumerare heisst yor allem ^Zahlang leisten'^, das Objekt argentvff^
pecuniam brauebt nicbt einmal binzuzutreten (Yarro Re rust. Il 2, 16); es i^^
das Ëinzeln-z&blen , bei dem nicbt das Eleinste ûbersehen wird, Tgl. Cicero
Verr. Ill 196: singulos denarios adnumerare. Die Z&blung, Summirung vo^
50 Reisetagen beisst annumeratio dierum, Digest. 27, 113. Man kann al>^^
aucb Waaren ebenso in Recbnung bringen: agnos duos pro una ove adnuff^^'
rare^ Varro R. ruât. II 2, 5.
') Das appendere ist neu nacb Analogie des gel&ufigen annvmerare gebOcJ-^^
— Besahlang der Schreiber umch Versqnanten. — 209
\9iS Monument unterscheidet hier wie ûberall nur zwei Sorten und
ezeichnet die schlechtere als sequens, Der Preis fiir 100 Verse
ester Skriptur ist niclit erhalten; von ihr wird die schlechtere zu
0 Denar pro Zeilenhundert unterschieden. Gemeint ist der schlechte
enarius aereus jener Zeit, dessen genauer Werth schwer zu be-
timmen ist Nach Hultsch^) entsffricht jener Preis etwa 96 Pfennigen.
>agegen erh< der Notar fur Ausfertigung Ton Libellen und Tafeki
5 Denar pro Hundert, d. h. 61 Pfennig.
Fur ein voiles Buch zu 700 Yersen in schlechterer Schriftgattung
»ekam der Skriptor demnach 280 Denar oder 6,72 Mark, fur eines
'on 3000 Yersen bekam er unter denselben Bedingungen 1200 Denar
Aer 28,8 Mark! Doch sind dies Maximalpreise. Sehr yiel niedrigere
bisatze lemen wir dagegen durch Martial kennen (ygl. oben S. 83) ;
lenn ist nach ihm der Ladenpreis eines Bûches zu ca. 800 Zeilen
L,35 Mark, eines anderen zu ca. 400 Zeilen gar nur 0,87 Mark, so
sgiebt sich nach Abzug des Papierwerthes und sonstiger Unkosten
edenfalls ein sehr viel geringerer Schreiberlohn ; und demgemass er-
lalten wir in einem Martialgedicht dann in der That — nach der
irahrscheinlichsten Interprétation — mit Unterscheidung 2,17 Mark
ils Werth des Papiers und 1,30 als Preis der scriptura — oder um-
i;ekehrt mit Chiasmus 1,30 fur ersteres, 2,17 fur die letztere — fur
an Buch Yon 800 Zeilen*).
1) Hnltoch, Fleckeis. Ibb. Bd. 121 S. 27 (gegen Borghesi bel Bureau de
U Malle, Economie pol. des Bomains 1 111 f. und Mommaen, AbhdL s&chs.
Ges. 1851 S. 56): der Denar Diokletian's stellt nur ^^ des ursprûnglioben
Werthes dar, also 0,24 Sgr.
^) Martial wendei sich I 66 gegen Jemanden, der sich die Auiorschaft
ehies Martialbncbs Tindicirte, indem er Abscbriften daron unter eigenem Namen
fenigen liess:
Erras meomm fur avare llbrorum,
Fieri poetam posse qui putas tanti
Scriptnra quanti conitat et tomna vilis.
Non lex paratur aut decem sophos nummia ....
Mutare dominum non poteat liber notua.
Sed pumicata fronte al quia cat nondnm
Keo umbilicis cultna atque membrana,
Ifercare.
Fur cUe Herstellung der Âbschriften hatte man zweierlei zu sahlen, das Papier,
Birt, Buchweaen. 14
210 — ^^ Baehs«ile. —
Also die Gewohnheit stichometiischer Contrôle der BuchamfftDge
hat ihre Erklanmg im Schreiberwesen gefimden. Wir haben ans
nun aber im Yoraufgebenden einer Anticipation schuldig gemacht,
indem wir von der Zeilengrosse unmittelbar auch auf die Blattbreite
einen Schluss zogen und aucb dièse wie jene fur eine coosUnte
Grosse nahmen. So selbstverst&ndlich dieser Schluss fur Gedicht-
bûcber ist, so wenig fehlt es an Bedenken gegen ihn fur das Pnwi-
buch. Nocb Justinian taxirte sein Werk in Godexform nach Hexa-
metern: hat er dasselbe aber auch wirklich in solchen Hezametem
edirt? Wer die alte handschriftliche Ueberlieferung der Digesten
flûchtig ansieht, wird dies zu bezweifebi geneigt sein. Oder hat der
Hexameter hier nur als ein idéales Grôssenmass gedient, dem die
wirkliche Zeile nicht zu entsprechen brauchte? und haben wir die
Stichometrie bei Justinian und der antiken Prosa ûberhaupt uach
Analogie der Schreibertaxe zu beurtheilen ^), wie sie an den Uniter-
sitatsstâdten des mittelalterlichen Italiens bestand (vgl. Savigny,
Geschichte d. rôm. Rechts im Mittelalter El* 25, § 579; Kirchhofi^
Buchwesen im Mittelalter S. 20)? Die Schriftstûcke wurden hier
nach Halbquatemionen (petiae) bemessen zu je 16 Golumnen, jede
Columne zu 62 lineae, jede linea zu 32 litterae; hiemach wurde der
tomus vilis^ und den Schreiberlohn , die scriptura. Ebenso erhalten wir noo
zwei Preisangaben : G oder 10 Sesterz. Ich môchte nnn nicht glaubeo, wu
z. B. Friedl&nder aonimoit (Sitteng. Roms III S. 315), dus Martial nar (tr
das fertige Exemplar sweierlei Ans&tze sur Auswahl geben will, die dano fitst
um das Doppelte differiren wQrden. NatQrlicber und sugleioh concinner redete
Martial, wenn er die zwei Preise den zwei soeben genannten Kaufobjektta
entsprechen liess. Dass ein aut die Zablen yerbindet, spricht gewiss nicht
dagegen, zumal in einem negatiren Satz. Es wûrde zu einem Martialbuck
demnacb der Papyrus 6 Sesterz, der Schreiberlobn 10 Sesterz betragen, oder
umgekebrt — da der Dichter hier môglicberweise chiastisch redet — , die 6e-
sammtherstellungskosten des Buchs ohne paenula also 4 Denare, wàhrend der
Ladenpreis mit paenula zu 5 Denaren stieg (Mart. I 117, 17): beide Angibeo
stimmen, wie man sieht, sehr gut zu einander, falls man meiner Interprétation
folgt. — Wenn Statius (Silv. IV 9) als den Preis oines Bucbes unbestimniteD
Umfanges, abgerecbnet die scriptura, miteingerechnet die paenula and
den umbilicus, auf einen decussis angiebt, se ist damit schwerlicb etwas ansQ~
fangen ; Ober dièse alte KupfermQnze Tgl. Mommsen, Rôm. Mûnzw. S. 1^86. 38-^
^) Dieser Vergleich ist von Graux gemacht worden S. 138.
— War die KormaUeile nar ein idéales Mass? — 211
reis accordirt, den der Copiât fur seine Arbeit zu fordem batte;
tes Regulativ war aber in Wirklichkeit ein idéales; man schrieb
ich in abweichenden Columnengrossen und Zeilengrossen und be-
ïchnete den Inhalt alsdann auf jene idéale Norm zurûck. Dièse
eile zu 32 Buchstaben war aber z. B. die des Codex Florentinus
er Digesten^). Aehnlich soll im heutigen Indien der Abschreiber
ftch der Zabi der Sloca bezahlt werden, und zwar auch bei solchen
Terken, die nicht wirklich in Sloken geschrieben sind^). Ist aucb
îr das Papyrusbuchwesen der Alten dasselbe anzunehmen?
Wer sich die erhaltenen Papyrusbuchreste aosieht, wird sich
lelleicht beeilen dièse Frage zu bejahen. Die Hyperides- und De-
Losthenesabschriften , die aus âgyptischen Grâbem stammen und
ich fur Exemplare des antiken Litteraturbuchs ausgeben, kennen
och die Hexameterzeile nicht Die in Herculaneum beisammen
efimdenen Rollen ignoriren dieselbe ebenfalls. Dahingegen beweisen
ie Rollenreste epischen Inhaltes, insbesondere die von Bankes und
[arris angekauften des Homer sowie die des lateinischen Epos Yom
Jdischen Krieg unbekannten Verfassers, dass das Papyrusmaterial
1 der That eine Colunine zu tragen, resp. eine Blattbreite herzu-
eben im Stande war, die selbst in breiter Majuskel den Hezameter
nfnahm. Wir stehen somit vor der Alternative, entweder den
[ezameter in der Stichometrie der Prosa wirklich fur ein blos
ieales Raummass zu halten oder aber jene Rollenreste prosaischen
ibalts, welche uns nicht die sorgsame Tradition in fur die Zukunft
estinunten Sammlungen, sondem ein Zufall an doch sehr unter-
eordneten Plâtzeu erhalten hat, nicht als vollgûltige Yertreter der
otiken Prosabuchrolle anzuerkennen.
Aus dem Reichthuni, welchen die Herculanensische Villa verrâtb,
n der die 1806 Buchrollen gefunden sind, kann ein Schluss auf die
(^oalitât derselben nicht gezogen werden. Personliches Sachinteresse
Bcheint den Besitzer veranlasst zu haben, philosophische Schul-
^) Der italienische NationalTera, der Quinar, hat im Dorchschniti 30,5
>der 30,7 BachaUben.
*) Dieaer Vergleich ist sehr sohôn yen Gardthaasen gezogen, nach einer
Gttheilimg 50ldeke*B.
14*
212 — Die Bueliseile. —
schriften in dieser Anzahl und gar in mehrCachen Duplikaten zu
sammeln; doch scheint er Tielmehr in der Quantîtat ab u der
Qualitat luxuriirt zu haben^). Ueber die geringe Gûte dieser Ab-
Bchriften ist oben gesprochen. Freilich findet sich eine danmter
(Pap. 1479), die sich fur eine antiquariscbe Rarit&t hôchsten Werthes
auszugeben scbeint: es ist das 28. Buch Ëpikur^s tkqï ^wtstêç,
dessen Eschatokoll') unmittelbar unter Titei und Buchnummer dea
Yermerk trâgt: (r)(8v àfx^^K^^)* fy(Q)^9V ^ Nutiov tav (i^tià)
*Av{%i)(pcitfjv, Also Olymp. 121, 1 oder 296 v. Chr., in Epikur'g
46. Lebensjabr, fiel die Originaledition dièses Bucbs'), und eserhielt
den Jahresstempel. Indess ist die vorliegende RoUe gewiss kein
solcbes Originalexemplar, sondem jQngere Abschrift, die den altcn
Stempel nur mit ûbernahm*).
Es ist nun unbestreitbar, dass die Prosa wirklich in der sticho-
xnetrisch yerrechneten Normalzeile gescbrieben worden ist Wenig-
stens spricht eine Thatsacbe eindringlich dafur: die Gitate nach
der Zeilenzabl, die anders nicht wohl begreiflicb sein wurden. Wenii
Asconius den Ciceroleser auf die 620. Hexameterzeile von der ersten
ab, auf die 90. von der letzten ab u. s. w. yerweist, so muss der
Cicerotext nothwendig Allen in diesen Zeilen selbst vorgelegen babeu.
Dcnn ein Zeilencitat bei inconstanter Zeile wâre docb eine unerhorte
Zumutbung an den Léser, wâre in jedem Falle ein Nonsens gewesen.
Dasselbe gilt aber weiter von den Exemplaren des Zenon und
Chrysipp; auch aus ibnen wird bei Diogenes der Ort der Citate
nach der Zeilenzahl angcgeben (N. 68, 69, 70).
^) Comparetti*8 Yermuthung (Pompei, e la regione sotterrata dal Tesario
S. 159 ff.), dass Piso, der GOnner Philodem's, der Besitser sei, ist ein ao-
sprechendes Phantasma, doch wissenschafllich nicht yerwendbar.
^) So in dor éd. Neap. Der Oxforder Index lâsst f^chlich die Sab*
skription auf der letzten Textseite stehen, was nie Torkonimt.
3) Vgl. Gompert*, Z. f. ôstr. Gymn. 1867, S. 211.
*) Sonst w&re dieselbe i. J. 79 n. Chr. 375 Jahre ait gewesen, ftlr ein ge*
brauchtos Buch im Aherthum gewiss ein énormes Alter (vgl. unten Kap. VII fin.}*
Nun ist aber ihre Schrifl im Vergleich zu den mindestens 250 Jahre jflngeren
Philodemrollcn eher deutlicher und klarer zu nennen als umgekehrt, und tack^
sonst verriith ihr Aeusseres durch nichts einen so erheblichen Alter8anter8chi&^
Yon den letzteren.
— Die Nomudzeile wirklich gescbrieben. — 213
Denselben Zweck batte gewiss auch Dionjs, wenn er die Thukj-
dideszeilen mittheilte (N. 71; ygl. 84).
Auch das N. 228 aus Yarro angeftihrte Beispiel fuhrt darauf,
dass versus als wirkliche Zeile verstanden wurde.
In diesen Beispielen der Prosa muss also wirklich die Blatt-
breite etwa der im Papyrus Bankesianus gleichgekommen sein. Aus
ihnen haben wir auf die ûbrige Prosa weiter zu schliessen.
Aus der lyrischen Poésie sei hier auf das Jédvxs fièy a (feXâyya
der Sappho hingewiesen. Die alte Tradition schrieb dièse Verse, wie
Hephâstion c. 11 bezeugt, folgendermassen:
Jéâimê fÂtv à ailuyya xai nXtfiâdtç, (jUcat éè
yvxnç, naçà d' fçx*''* oiça, Pyta ai fiôva xad-êvâta,
Der Metriker wundert sich mit Recht^) ûber die unsachgem&sse
Schreibung, die den Hiat am Eolonschiuss nicht achtet; es sind
dies yiehnehr vier selbstândlge Eolen. Anlass hierzu war offenbar
nur die Blattbreite und der Einfluss der obligaten Zeilenlânge; man
erhielt so eben Hexameterzeilen zu 35 Buchstaben; Halbzeilen aber
wurden, wie oben vermuthet (N. 100), nicht stichometrisch verrechneti
d. h. nicht bezahlt.
Aber dièse Baumzeile und Columnenbreite hat das Prosabuch
in der That nicht einformig beherrscht. Aile die so abweichenden
Textabschriften aus Herculaneum wûrden sonst unerkl&rt bleiben.
So gewiss sich in ihnen die subskribirten Stichen zum Text als blos
idéales Mass verhalten, welches aber doch fur ihre Vorlagen muth-
masslich ein reaies war, so gewiss muss dasselbe auch sonst vorge-
kommen sein, sei es auch nur bei untergeordneteren Werken. Und
hierfûr lâsst sich wenigstens ein Beleg beibringen. Man betrachte
die folgende, bis hierher zuruckgehaltene, sehr bedeutsame Stelle aus
dem Galen, die so unzweideutig wie keine andere die Prosa nach
Hexametem misst, zugleich aber gerade fur die Baumzeile des Gralen
selbst einen abweichenden Schluss aufdr&ngt'). Sie bilde die letzte
Nummer unseres Yerzeichnisses.
1) Vgl. Christ, Metrik S. 252.
^) Die Stelle wird dem Nachweis J. Bernays^ yerdankt, ygl. Wachsmath
a. a. 0. S. 482.
214 *^ ^>® Bnebsefle. —
230. Galen fahrt De plac. Œpp. et Plat (Y S. 155 E.) den
Satz an: iy&a %Av revguôv ^ ^QX^s ivtavâ'a %i ^^«f*^ |
Vixév* 17 d^ àgxii %&v vsvqnùv iv iyxeq^âXtf [iad^y).
ivTav&a \ aga zo ^}^sfêoyêx6y und bemerkt dazu, dieser Satz
(l6}^oç) sei irvéa xai %Quixùv%a avlXa^âv, Snëç ic%i âv&tyxd
^fjLiasùùç irtâv é^afiUvQdôy: es sind also 39 Silben, das macht
27^ Hexameter. Galen fugt dann Doch einen zweiten Ujroç im Um-
fang von 5 Hexametem hinzu: Hsqoç J* iaû névrs %w ndnmv
imiy, n&mlicli: iv&a ta nà&f^ %^ç tpvx^ç inêq>ayé(fvtQa
xivst I ta fAOQta xov acifêatoç, ivravâ'a %o na&iiutov
T^ç I tpvx^iç i^'^^^» aXXà iii^v ^ xagâta q>aivs%a^ ikeyi^^]
i^allayiiv ixovtta tijç x$v^tJ€(aç iv &VfêOtç xal \ (pôfioiç*
iv Tavtfi aça ro naâ'fitêxov zî/ç (pvxijç ^ott^v'). Duq
bemerkt er schliesslich: el âè (fvr&êUjç dâl totitovç tovç èio
Xôyùvç, ov nXsioveç %ûv oxtùi sl^a^xQfûV xo (Tîfjrxslftevoy i^ ahiv
nXf&oç iifuxt, riysç oiv aïuot tov tïûvts fiifiXavç Yqaqiipfm mf^
Tovvœp S dêà oxtœ (ftixfoy ^q(iù$x£v i7n<fnifMytxiiy anodêi^iv cfx^î
wir baben aber in dieser lebrreicben Stelie yornebmlicb zn beachteo,
dass Galen die Zeîlenzahl der Sâtze nicht einfach abzâblt, sondem
sie indirekt gewinnt; er mtiss sie yielmehr ans der Silbenzahl
erschliessen, die allein er abzâblt; also batte er eine andere als
die Normalzeile des Hexameters.
Hier darf vielleicht erinnert werden, dass Ennius die Hexameter-
zeile mit dem Namen verstis longus belegt bat*). Sie scbien ihm
die lange Zeile xax^ i^ox^v — im Gegensatz scbwerlicb zu anderen
damais in Rom ûblicben Versgattungen^), am wabrscheinlicbsten
noch zum Pentameter; in diesem Sinne yergleicbe man Demetrius
de interpretatione c. 5 : s^ccfASTQOV ^qmov ovofAci^sTat ano toi fài^xovç.
Jene Benennnng erscbeint aber dadurcb nocb motivirter, wenn der
Hexameter ûberbaupt im Scbriftwesen die ISngste môglicbe Zeile
^) Getilgt Ton MûUer.
^ Vielleicbi ist auch in diesem Satz beîdemal iarly interpolirt, wodareh
die Verse noch ebenm&ssiger wûrden, jeder za 16 Silben.
*) Cicero de leg. II 68 = Isidor Or. I 38.
^) Der Satamier kam ihm an Bacbstabengebali gleich, ebenso nahera
der Senar, der Septenar aber war noch l&nger.
— Kflraere Zçil.en bet geringerer Blattbreite. — 2t5
ar. Das Schriftwesen hatte gewiss schon damais daneben kleinere
achzeilen fixirt — zu denen eine geringere Blattbreite
>tbigte.
Denn — um abschliessend die Frage zu stellen, die uns in unser
Ichstes Eapitel hinilber fuhrt — was nur in aller Welt war der Beweg*
und, dass die Bucbschreiber Ton der Normalzeile abgingen? Wàrum
îeb die Columnenbreite nicbt einfôrmig und nicbt der poetiscben
eich? Warum entschloss man sicb, in den Rollen, die
ocb den Homer oder das Epos Yom Aktiscben Erîeg mit
irer Langzeile tragen konnten, die Prosatexte nicht
benso, sondern in kûrzeren Zeilen zu scbreiben, obscbon
an nacb jener Langzeile dièse Prosa gleichwobl zu ver-
îchnen nicbt aufborte? Von blosser Willkûr kann bier die
ede nicbt sein, wo es sicb um Litteraturbiicber und nicbt um
:iyatskripturen bandelt. Fur einen solcben Usus und fur die Ab-
eichungen von solcbem Usus baben wir nacb dem zureicbenden
mnde zu fragen. Dieser Grund kann aber nur in der Bescbaffen-
iit der antiken Bucbrollen selber gelegen baben.
Die Zeilenlânge oder die Columnenbreite bângt von
iv Blattbreite ab. Dieser Satz kann, wenn scbon er bel nâberer
îtracbtung Einscbrankungen wird erfabren miîssen, doch als die
îgel fur das alte Rollenbucb aufgestellt werden. Dièse Blattbreite
OBS nun in yerschiedenen RoUen eine verscbiedene gewesen sein.
} ist eine natûrliche Yoraussetzung, dass in den Papyrusfabriken
eitere Selides mit mebr Scbwierigkeit angefertigt wurden als
hmSlere und dass die Rollen mit breiteren Selides aiso wertbyoller
§ die mit scbmâleren waren. Bei poetiscben Werken des versus
ùgaB war es nun unumgânglicb, ausscbliesslicb zu diesen wertb-
^Ueren zu greifen; in der Prosa konnte man erstlich dasselbe tbun
id lieferte alsdann solcbe Exemplare, die wir Normalexemplare
innen, d. b. solcbe von grosserer Blattbreite und mit Normalzeilen,
le sie durcb die prosaiscbe Sticbometrie Yorausgesetzt werden.
och war es fur eine Prosaabscbrift, anders aïs in der Poésie, da-
iben aucb môglicb scbmalere Blattseiten anzuwenden; alsdann musste
lerdings zu sticbometriscbem Zweck das Yerbaltniss ibrer kûrzeren
elle zur Normalzeile nocb besonders berechnet werden; die Her-
216 *- '^^ BadiMa«. ~
fltelliing solcher Abschriften auf schmaleren Blfittem in mînder gaten
Rollen war aber nothwendig billiger und empfikhl aich desbalb To^
zûglicb fur Bolcbe Werke, bei denen es auf g^te 'Ausatattung nicht
ankaxn oder die keinen grossen bncbbfindleriscben Absatz finden
konnten, wie f&r die eines Galen oder Philodem oder Epikur.
Wir sind also zu dem Scbluss gdangt, dass ee verscliie-
dene Papyrussorten (oder Rolleneorten) zu yerscbiedeoem
Wertbe gab, und femer, dass ein Hauptmerkma] der Yer-
schiedenheit ibres Wertbes und ibrer 6ûte speciell in der
Breite der einzelnen Selis bestand. Der nachfolgendeo B^
tracbtung liegt es ob, zur ErbSrtung dièses Satzes Yon der Beschaffen-
beit und der Fabrikation des antiken Papyrusbuebes, insbesondere
seiner Sel ides genauer Eenntnîss zu nehmen. Wir werden in der
Tbat finden, dass die Alton eine Reibe yerscbiedenwertbiger Papynu-
sorten naeb der Selisbreite unterscbieden , und wir werden sodann
ûach diesem wesentlicben Wertbkennzeicben die vorbandenen Papyrufi-
roUenreste zu ordnen baben. Erst so gelangen wir zum ansieichen-
den Yerst&ndniss der alten Sticbometrie.
Hier sei aber abscbliessend nocb eine ûbeitreibende Bebauptung
eingescbrânkt, die das Urtbeil irre leiten kônnte. Es ist nicbt wahr,
dass, wie wir kurzweg sagten, keiner der RoUenreste Hereulaneum^s,
ausser den poetiscben, Yon einem Normalbucbe mit Hexameterzeile
berstammt Unter den bis jetzt facsimilirten findet sicb in der That
aucb ein wirklicbes Normalbucb. Dièses wicbtige Exemplar
ist Abscbrift*) einer Schrift des Pbilodemos unsicberen Titels, welcher
yon dem italieniscben Editor Scotti so erganzt ist: [n\€Qi [t]^
(tci)[v] (^)[««v €V(noxov]fkéy[tiç] âtay<»{/^ç xavà] Zl[^ùiva\\
sein Facsimile stebt in der ersten Neapler Sanmilung Bd. VI. Die
Breite seiner Selides betrâgt 0,1165 Meter (einmal aucb 0,114 im
frg. I), ist also nocb um weniges geringer als die des Papyrus Ban-
kesianus zu etwa 0,152 Meter; auf dieser Blattbreite aber stebt der
Text durcbweg in Hexameterzeilen : complet erbaltene ZeOen sind
*) Vermuthungen, wie die Comparetti'd, relax, sui pap. ercol., Roma 1880,
S. 20, es sei dies ein Autograph Philodem's, sind obne Hait und ignoriren
Yor allem den Weg antiker Edition en.
— Belege Air Schreibung der Normalseile. — 217
. B. folgende: Col. I y. 5 mit 31 Buchstaben, Il v. 14 mit 38, y. 15
ait 30, V. 5 mit 34, m v. 16 mit 30, y. 17 mit 36, IV y. 17 mit 33,
'. 3 mit 30, V Y. 43 mit 31, VH y. 33 mit 38, y. 18 mit 42 (leicht
trg&nzt), Y. 4 mit 34, VIII y. 3 mit 36 und so das ganze Blatt,
X Y 6 mit 35, y. 7 mit 35, y. 8 mit 36 und so das ganze Blatt,
L Y. 5 mit 35 u. s. f., XIII y. 3 mit 36, y. 5 mit 39. Dabei ent-
(pricht auch die Blatthôhe und die Zeilenzahl jedes Blattes dem
Sankesianus mit seinen Blâttem zu 43 Zeilen^).
So auch lasst sich Yermuthen, dass die lateinischen Rollen, deren
sich etwa 24 in Herculaneum Yorgefunden haben und die zu einem
betrâclitlichen Theil prosaischen Inhalts waren, gleichfalls die Yorzûge
der poetischen Rolle besassen. Sie sind bis auf geringe Bruchstiicke
Leider ganzlich Yerloren, doch wird Yon ihnen ausgesagt, dass sie
dtiTchgangig Yiel dicker als die griechischen waren'); dies setzt
iber bei durchschnittlich gleichem Zeilengehalt reicheres Papier
roraus; ûberdies werden sie z. Th. aïs Luxusexemplare geschildert
in grosser tadelloser Eapitalschrift, Yon einer Schônheit, die allen
griechischen Exemplaren fremd ist, und mit dickerem Papier'). Die
winzigen facsimilirten Bruchstûcke lassen auf den Inhalt kaimi einen
Scbluss zu*).
^) Uebrigens ist dièse Rolle zugleich auch dadurcb merkwûrdig, dass sie
aOeîn unter allen Herculanensbchen mit Abbreriaturen gescbrieben ist; auob
dièse EigeDthfimlicbkeit trennt sie ron allen ûbrigen principiell; die Bflcberei, in
der das Exemplar gefertîgt wnrde, war also wohl eine andere als diejenigen, ans
denen die fibrigen herrorgingen : sie batte einen anderen Schreiberusns, so wie
lie anderes Papier benutzte.
') Ciampitti, Vol. Herc éd. Neap. IP S. VII: rolnminosiores quae latinis
eharaeteribns seriptae fuerunt, womit ygl. Darj in d. folg. Note.
^ Comparetti a. a. 0. S. 23. Ygl. Dary, Pbilos. transaot. 1821 8. 204:
11m Roman MSS. . . . are in gênerai composed of papyrus of mucb thicker
texture tban tbe Greek ones and the Roman characters are usuallj larger and
the roUs mucb more Tolnminous.
*) VgL Davj a. a. 0. Tfl. XVI f.; Wattenbacb u. Zangemeister, Exempla
eodd. lat. 1. maiusc Tfl. I — III. Das besonders scbOne Prosafragment bei Wat-
tenbacb II' scbeint ein Buchanfang, an den Augustus geriohtet und Ton Land-
'wirthsebaft su bandeln; icb lèse mebr oder weniger unsicber: t. 1 nosH (?),
S {lo)nffiu$ âges tu (?), 3 (pé)rfidam Auguste, 4 au(t q)ui repetam, et, 6 (tm)tffii
218 — Die BneliMile. —
Aber aucb in anderen Beispielen liegt tins die antike Nonnalzdle
handschriftlich noch auf das OffeDkundigste Tor.
Zunâchst darf auf Papyruareste bîstorisclien Inhaltes ans denu
Fajûm hingewiesen werden, die von Blasa ^) bekanni gemacht sind.
Die Sclirift soll in das 2. Jahrhundert n. Ghr. gebôren. Die Blatter ^
sind nicht gerollt, sondern buchartig gefaltet. Bergk') bat hier mit
Sicherbeit Reste des Aristoteles erkannt nnd erg&nzt einige de
ûberall lûckenhaften Zeilen nacb scbol. Aristoph. Wolken 37 so:
Xovç riiv avT^y ^x^vraç ittè^élitay roiç nço-
Tiçoy yavxçâçotç xai roitç â^fiovç àyri rmv
ravxQaçêiSy inoitja' nçoç^oçfvai dé wy
Das sind 36 und 35 und 34 Bucbstaben').
Wir saben, dass nocb Justinian seine Digesten auf 150
Hexameterzeilen berechnete. Ob die Digesten aber aucb in i
Originaledition wirklicb nocb die nâmlicben Zeilen wie die
angefubrte Bucbrolle des Pbilodemos aufwiesen, schien uns
"wûrdig. Dûrften die Pommersfeldener Papyrusfiragmente fur Zeugesa
der Originaledition gelten, so wûrde die Frage zu vemeinen sein r
denn ihre Zeilen balten nur ca. 30 Bucbstaben ^). Der Florentinus ist
keinesfalls ein direkter Zeuge fur Justinian, wie seine Corruptelen
erweisen; docb nâbert er sicb der antiken Gewobnbeit schon etwas
mebr; âbulicb wie in jener Pbilodemrolle und wie im Bankesianns
hait jede Columne bei ihm ca. 44 — 45 Verse; den Vers aber bildeo
fast durchweg ûber 30 Elemente, bis 37 aufsteigend, im Durchschnitt
doch aber nur 32,2 oder aber 30,9'). Genau in Hexametem sind
membrum eorum, 6 {ept)tomarum (?) qui ter, 7 sictit, 8 a(g)ro 9ata «i arvOf
9 {col)amu{8) und arv(à), 10 ne8{cio), 11 (cru)cior m(ag)iê, 12 ostend(am).
1) Hermès XV S. 373 ff.
^ Bergk, Rhein. Mus. XXXVI S. 91 f., gebîlligt Yon Blass Hermès XVI 42.
') Hiernach sind s&mmtliche anderen Zeilen aussuftlllen, was Bergk S. 107
nicht genOgend beachtet.
^) Ygl. den Abdnick mit Erg&nsungen bei Mommsen Ed. I Additam. D^^
fi-g. 1 T. 22 bat 30 Bucbst., v. 17 bat 27, fr. P t. 28 bat 30, fr. 2» t. 27 b»*
29, fr. 3 T. 10 bat 32, fr. 3^ t. 3 bat 30 u. s. f.
^) Berecbnet nacb der Pbotograpbie bei Wattenb.-Zangem. Tfl. 89 ; in ^^
ToUen ZeUen bat bier Col. I 1352, Col. II 1298 BucbsUben: die Zeilen à^r
— Belege flir Schreibnng der Normalzeile. — 219.
Dnn aber durchweg geschrieben die Neapolitaner Digestenfragmente^).
Es sind 8 Seiten zu je 32 Zeîlen; die Zeilengrosse ist bewunderns-
wûrdig ebenmâssig: man nehme die ersten der ersten Columne mit
S7, 36, 35, 33, 37, 34, 34 u. s. f. ElementeB, die ersten der zweiten
Columne mit 34, 34, 35, 36 u. s. f. imd vergleiche dazu z. B. Col. m
▼. 10 mit 34, Col. IV v. 10 mit 36, Col. V v. 10 mit 33, Col. VI v. 10
xnit 33, Col. VII v. 20 mit 33, Col. Vm v. 10 mit 34; dièse Zahlen
er^eben einen Durchschnitt von 34,18 Elementen fur die Zeile. Es
ergiebt sich, dass dies nur in dùrftigen Resten erhaJtene Exemplar
der Digesten die Stichometrie Justinian^s wirklich zur Darstellung
^r&chte, dass es der Originalausgabe genau entsprach, an der die-
selbe vorgenommen worden war.
Derartige Beispiele aus alten Codices mochten nicht viel weitere
ftufznweisen sein; der Veronensis des Sulpicius Seyerus kommt dem
ïlorentinus der Digesten gleich*). Es wurden sonst entweder ganz
8chmale Columnen beliebt') oder die der Herculanensischen Rollen*)
oder aber die grosse Blattbreite veranlasste eine solche Zeilenlânge,
^e sie Galen in seinem Hippokrates vorfand*).
Endlich muss in diesem Zusammenhang aber auch auf eine
^eilentheilung hingewiesen werden, die an jene kolometrischen
Schreibungen der Rbetorik erinnert, ûber die uns Hieronymus und
^^stor Zeugniss gaben; ich meine den merkwûrdigen Cicerocodex
^ajrisinus Lat. 6332 des Cato de senectute und der Tusculanen aus
dem 9. Jahrhundert, aus welchem folgende Proben vorliegen •) :
l«txteren sind nicht so roll, weil der Blattrand rechts dr&ngte. Aucb nach
Mommsen praef. S. XXXI hat der Vers darchachnittlicb 32 Ëlemente, zwiscben
27 «nd 38.
^) Ygl. den. bes. Abdnick bei Mommsen I Additam. S. 3 ff.
*) Vgl. Wattenbach-Zangem. Tfl. 32: die ersten 10 Verse scbwanken
f^iseben 28 and 35 Bachst. und haben 31,5 im Durchschnitt.
*) Daf&r sind ftlteste Beispiele Paris. Lat. 5730 des Livius, die lat. Bibel
"** cod. Vercellensis und Fuldensis.
*) Vgl. den Vindobonensis des Livius mit 25 — 28 Buchst.
') Dahin gehôrt der Gaius zu Verona mit 41 — 43 Buchst., die Turiner
^^^^ae rescriptae des Cod. Theodosianus und Cod. Parisin. Lat. 9643 desselben,
^*'ks mit ca. 42 Buchst., des Breyiarium Alarici im Monacensis; dem kommt
soeh die Tabnla Paschalis mit 38—42 Buchst. (Wattenb.-Zangem. Tfl. 23).
*) Ich folge hier den ron Graux S. 126 f. mitgetheilten Proben.
220 — ^^ Bnehseile. —
f* 77 V., 1. Columne:
INCIPIT LIBER CATONIS • DESENECTUTE-
0 tite siquidte (13)
adiauero curamye leuasso quae (26)
nuncte coquit etuersat inpectorefixa .
L icet emmmihi uersibus eisdem affieuite attdce (41)
quibus affatur flamininum ille uîr . haud (34)
xnagnacumre sedplenus fidei . quanquam (32)
certoscio nonutflamininum soUicitari te (37)
tite . sic noctesque diesque *
N ouienimmoderationemanimitui etaeqaita (37)
tem . teque cognomen nonsolum (ab) Athenis de (33—35)
portasse . sed humanitatem etprudentiam (34)
intellego *
E ttamente suspicor eisdemrebus quibus me (36)
ipsum interdum grayius commoveri*
f» 2, r., 2. Columne (Tuscul. I 5) :
E rgoethi quibus evenit jamutmorerentur et hi (39)
quibus euentununest miseri * ?
M ihi ita yidetur-
N emoergo nonmiser*
P rorsus nemo •
E tquidem sitibi constare uis omnes quicumque (39)
natisunt eruntue . non solum miseri sedetiam (37)
semper miseri
N am si solos eos diceres miseros quibus morien (38)
dumesset neminem tuquidem eorumquiuiue (35)
rentexciperes . moriendumest enim onmibus . (36)
essettamen miserie finis inmorte *
Nur die Yollstandigen Perioden bilden bier also Abs&tze fur sicli;
innerbalb jedes Absatzes aber wird nicht nach Sinn-, sondem nftch
Raumzeilen gescbrieben ; daher steht ofters Wortbrecbung am Zeilen-
ende. Dièse Baumzeile aber ist die Normaizeile des Alterthums, '^^^
32 bis 41 Buchstaben^). Dass dièse Zeilen niebt erst Tom Schreibtf
^) Kur die Einleitangszeile des Cato ittt ohne eraichtlichen Ghnmd eoopîrt
zn 13 + 26 Buchsuben.
— Sehreibang in Nornudzeilen, Inscliriften. — 221
« Parisinus bergestellt sind, wird durcb den Gudianus der Tus-
lanen sicber gestellt, ungefâhr gleichen Altéra, in welchem sic genau
ederkehren ^). Sie beruhen auf Tradition und weisen uns an den
tàken Usus selbst aie IJrheber.
Wollen wir absehen von Schriftmonumenten litterariscben
udtes, 80 ist die Nomudzeile auf den Papyri noch sebr
ufig anzutreffen; dafûr wird der Schiuss des folgenden Eapitels
ilreiche Beispiele bringen. Aber nicht nur dièse Papyri zeigen
uns: ein weiterer Zeuge sind die Steine. Die Inschriften
«aischer Fassung stehen nicht selten in Zeilen, die dem Hexa-
ter genau gleich sind. Das wird man im Zusammenhang dieser
ixachtung wohl nicht fur zufallig zu halten brauchen; die Norm
1 Schriftwesens, die zunâchst fiir die Buchform fixirt war, kann
h. weiter auf das Inschriftenwesen eingewirkt haben. Die Addenda
; zweiten Bandes der inscriptiones graecae zufallig durchsehend
irte ich zunâchst die Nummern 2416 b, 2465 b, 2477, 2927; ich
^ denselben Band von vorne durch und fand auf den ersten vier-
udert Seiten funfundzwanzig derartige Inschriften, darunter sehr
ifangreiche zu 20, 37, 40, 54, ja zu 95 und 104 Normalzeilen, die
h stets treu bleiben^); die umfangreichste aber hait acht Tafeln,
ren jede 36 bis 40 solcher Verse trâgt*).
^) Vgl. Hahn im Cicero éd. Orelli IV ûber die rersicali im Gadianus:
me exstant in prima codicis pagina; in proximis paginis librarius ubi novus
'mis in cod. archetypo erat, maius intervallum in medus lineis reUquit navi-
e versus initium littera maiore distinxit . . . Postea autem hœc quoque inter-
lia omisit et versiculos nulla re niai liiteris maiarièus distinxit. Plane iidem
\t atque ii quos habet codex Regius (= Paris. Lat. 6332).
>) N. 2416; 2060; 2270; 2271; 2058; 2525 b; dazu kommen ferner
93; 1799; 1840; 1847; 1958; 1967; 2052; 2061; 2087; 2118; 2214; 2285b;
95; 2306; 2339; 2355; 2357; 2383. Ausserdem stehen sehr nahe N. 1800;
11; 1845; 2023.
') N. 2448, haltend 34 — 40 Buchstaben p. Z. — Von sonstigen Inschriften sei
s. an das Monameninm ancyranum erinnert, dessen griechische Fassang
nao in Hexametem (und zwar 422) geschrieben ist; ûbrigens habe ich mir,
r obenhin bl&ttemd, aufnotirt C. J. Att. III 1 N. 77. 129 (halb). 541. 1104, 1.
08. C. J. L. VI 1 (urbis Romae) 130. 154. 214. 266. 323 (halb). 511. 537.
43. 1444. 1449. 1490. 1492. 1497. 1523. 1549. 1687. 1696. 1736. 1749.
59. C.J.L. n (Hispaniae) 1180. 2098. 1532. 2129. 2344.
222 — Die Buehseile. —
Sehen wir nun zuy inwieweit sich die Yon uns gewonneiie Unter-
scheidung von besseren Bûchem mit Normalzeile und von schlech-
teren und kurzzeiligeren Abschriftèn durch die Kenntnisse, die wir
Yon der Papyrusrolle besitzen, bestatigen l&sst. Es fragt sich, ob
die xaXaç sxovxa àytlyQa(pa, auf welche sich schon ein in den
Herculanensischen Rollen erbaltener Autor fur eine schwankeni^e
Lesart beruft, neben der sorgsameren Schnft nicht zugleich und yoi
allem auch durch eine bessere Ausstattung gekennzeichnet waren^^-
^) Pap. 1012 fir. 10, 12 und fir. 15 Uagt flber die schlechten Schretk»«r
und ihre ànatâivcia, wodorch îaçÇç su rçotf^^ç Terlesen aei a. b. ù Ein âht^<t
sei ixTtTçfoyfiéyoy, Ueber den Epikureatc 17 nayioç rov àXyovmç wsê^aiçèM^éÇ
(Diog. L. X 118) wird g^sagt: 10 /néy yàç ^nayroç" âUlMêioê xarà ta it^'wi'
yçatpa, nqoçnd'ifAévov too ^nayioç** iv nciv , iy di XHfiy ^9 nQoçn&ifâé»^0>v,
Karà nâyja âè xaliàç Ijfoyra àyriyça^a yéyQixTnat' ^9 lah àXywyw^ç
l^aiçta^^f oh ^vm^aiçea^ç'^ , Verfasser dieser Schrift erweist sich Hbri^eni
als Aequale des Ëpikureera Zenon (fr. 17): YgL hierftber Gomperts, Z. £ 58lr.
Gymn. 1866, S. 692.
FÛNFTES KAPITEL.
Die Bnchseite.
Die Papyrusstaude, zu den Halbgrasem oder Ojperaceen gehôrig
nd wohl die schônste Vertretung dieser Gattung (Cyperus Papyrus Z/.),
md nach der Unterscheîdung Parlatore^s heute in zwei Species an-
jetroffen*). Die eine derselben stammt ans Syrien, wo sie schon im
Uterthum wuchs, und wurde gegen das zehnte Jahrhnndert von den
^bem nach Sicilien importirt; um die Mitte dièses Jahrhiinderts
'* Ibn-Haukal der erste, der Papyrus auf Sicilien erwâhnt. Dem
^^uienreisenden begegnet auch heute noch bei Syracus in einem
^t:«narm des Anapus ûppig und dicht, ein Wald auf dem "Wasser,
'^ Schilfgewâchs, doch auch sonst im sûdlichen imd ostlichen
'^^Xien. Die Alten kennen keinen sicilischen Papyrus. Yon diesem
^^ru8 Syriacus, wie ihn Parlatore benennt, unterscheidet sich durch
^« Hôhe u. a. Merkmale derjenige, den man in Nubien und Abys-
^^n angetrofifen hat. Dieser gilt als der echte Nachkomme jenes
1) Vgl. Parlatore, Mém. de l'acad. des sciences XII (Paris 1854) S. 469 ff.;
^xi, Calturpflanzen S. 265. Von Qardthausen, Pal&ogr. S. 30, wird die
^•^rscheidong Parlatore's ohne hinreichende Argumente in Zweifel gezogen,
^ mir Herr Prof. Wiegand gûtigst nachweist; Bôckeler in Linnaea 1869/70
303 ignorirt sie ohne GrQnde zu geben; Steudel war im Jahre 1855 die
^^^«ndlung Ton Parlatore ohne Zweifel noch nicht bekannt. Jedenfalls ist
^^ bemerkenswerth , dass seine Ansicht ron den Botanikem nicht allgemein
S'^Dommen ist und dass die Unterschiede beider Arten in der That keine
^oblichen sind. Rosenthal, Synopsis plantamm diaphoricarum (1862) S. 77
^^rscheidet Cyperus papyrus L. (Sicilien, Aegypten) und Cyperus Siculus
***brien, Sicilien).
224 — ^'® Baehseite. —
alten âgjptischen, der einst im Gebiet des Delta wuchs und
fand und ab der Trâger der classischen Litteratur liier in £
kommt. Bemerkenswerther Weise ist er gegenwSrtig aus dem
Aegypten yoUstândig yerschwunden iind in den oberen Nillauf :
gedrângt. Es ist demgemâss yermuthet worden, dass der ]
im Delta garnicht ursprunglich heimisch war, sondem y(
Aegyptem erst zu Culturzwecken aus Nubien importirt wurd<
dann mit dem Aufhôren der Cultur daselbst wieder yersc
Wenn schon dieser Import in altersgraue Zeit fallen muss, so
solche Annahme doch nicht unglaubhaft').
In den Zeiten des classischen Alterthums war der uni
£ast der einzige Ort, an dem man Papyrus kannte. Als einc
thûmlicbkeit Aegyptens wird er deshalb yon dem Géographes
S. 799 f. sowie yom Herodot II 92, 96 besprochen. Neben
Autoren reden ûber den agyptischen Papyrus besonders eii
Theophrast Hist. plant lY 8, 3 und Plinius Hist. nat Xn
Plinius fugt excursiy zu den naturbeschreibenden Bemerkunge
phrast^s noch einen hochwichtigen Bericht hinzu ûber die Fab
der aus diesem Papyrus gewonnenen Charta. Es kann keinem
unterliegen, dass dieser Fabrikationsbericht wenigstens indir
alexandrinischen Papierfabriken selbst entnommen ist; bel t
Autor Plinius ihn fand, steht dahin*). Spater widmet noch G
in seinen Yariae ep. 35 der Charta eine eingehende und li
Beschreibung, doch ohne auf die Fabrikation selbst sich einz
Theophrast berichtet: „Der Papyrus wâchst im Nil, bei n
tiefem "Wasser, von 0,92 Meter Tiefe oder etwas weniger i
n^X^aiv, èviaxov âè xal iv iXditovi). Seine Wurzel hat di
der Handwurzel {xaqnoç X^^^ôç) eines starken Mannes, d:
seiner "Wurzel erreicht 4,62 Meter oder mehr {vt^q âéxa j
die Wurzel steht dabei aus dem Erdreich heraus imd lâsst za
dûnne Wurzelfasem in den Schlamm auslaufen ; nach oben al
sendet sie Schâfte, die nànvQOt heissen, dreieckig sind, 1,8
^) Bruce und Figari bei Parlatore a. a. 0. S. 486.
') Vgl. die Anwendung von Membrane in âltester Zeit, oben S
^) Ob in der Schrifl Apion'a ûber Aegypten in 5 Bûchem?
— Die Papyrusstattde. — 225
gross werden (vstganijx^^Ç) ^^^ keine Frucht tragen, sondem einen
schwachen haarartigen Buschel (xôfjbtj; xaif^fl sagt Strabo; „wie ein
Thyrsus** fiigt Plinius hinzu), welcher werthlos ist. Die "Wurzeln
werden wie Holz zum Heizen und zur Anfertigung von Gerâthen
yerwendet; denn aie geben vieles und schônes Holz. Der Papyrus
selbst ist zu sebr vielen Dingen nûtze: man macht Bote {nijo%a)
au8 ihm (d. h., nach Herodot, genauer, nur ilire Fugen; daher Lucan
rV 136 conseritur), und aus der ^ifiXoç desselben Segel (vgl. Herodot),
Matten (Matratzen) und eine Art Kleider, Decken, Taue und âhn-
liches mehr. Fur das Ausland (%oXç l^co) aber sind am be-
merkenswerthesten die §k§Xia, Die meisten Dienste aber
leistet er als Nahrungsmittel. Aile Eingeborenen kauen den Papyrus
80 roh als gekocht als gebraten, saugen den Saft aus und spucken
dus Ausgekaute wieder von sich*)^. Theopbrast merkt endlich noch
ao, dass auch in Syrien Papyrus wachse beim See Genesareth, tuqÏ
%^ iSfàVflP iv ^ xai 0 xdXagAOç 6 svœdijç] aus diesem liess Anti-
gonus seine Schiffsseile fertigen.
Die Wurzel {^iJ^a) ist also der holzartige unverzweigte Hauptbe-
standtheil des Schilfgewâcbses; derselbe hat eine bedeutende Lange;
speciell aber heissen TiccnvQOi nur die sich von ihr abzweigenden
weicheren Schafte von sehr viel geringerer Lange'), die allein fur
das Buch dienen. Das Mark dieser TiânvQOi endlich heisst filfii^fç
(Plinius ûbersetzt Uber).
Strabo lehrt in Bezug auf die Oertlichkeit genauer, dass nur in
den unteren Theilen des Delta der Papyrus zahlreich wachse; er
^) Hier scheint beim Theophrast ausgefaUen, was bei Plinius binsugefflgt
wird (nuUo) tuu eius alio quwn fions ad deos coronandos. Zahlreiche Beispiele
fur die Art, wie der Text des Aristoteles (und Theophrast) aus Plinius su
eorrigiren ist, fiodet man De Halieuticis cap. IX.
') Hierdurch^ kann sich fur den ron mir Elpides S. 55 Note 154 be-
sproehenen Theokritvers Idyll. XXI 13 tfo^fioç ^^a^vç êtf^ara nvcot die Emen-
dation empfehlen: (poçfÀOÇ fiçaj^vç ii/na nânvQOê, Die Fischer haben ihr
Nahrungsmittel bei sich liegen; die Scène wûrde dann eben in Aegypten su
denken sein.
*) F&lschlich referirt man also, der Papyrus erreiche eine Hôhe Ton
14 Fuss (4,36 Meter): Blûmner, Technologie u. Terminologie der Gewerbe u.
KOnste I 8. 309.
BIrt, BoehwMen. 15
226 — ^® Bnehimte. —
Bpricht ausserdem yon einem àftut^y desselben; damit ist aosge-
sprochen, was selbstverst&ndlich war, dass er nicht blos wild wueb,
sondem mit Sorg< cultivirt wurde. Entweder das Flussgebiet irur
im Besîtz yon Fôyaten, oder der Staat yerpachtete dassdbe. Mu
wird nicht yerfehlt haben in Schonimgen grossen Stîles das nitSs^
liche Wachsihum der Pflanze yor Beeintr&chtigang zu bewahren and
nach Môglicbkeit zu steigem; man wird das Schneiden desselben
regulirt und sicb immer hinreichenden jiingen Nachwuckses vx-
sichert haben. Gleichwohl konnten tmgûnstige Zeitl&ufte auch enunil
dauernden Misswachs bringen, wie wir dies f&r die Zeit des Hber
erfahren (Plin. XIII 89), wo ein derartiger Mangel (jnopid) an Papier
eintrat, dass eine Senatskonunission die Yertheilung des wenigen tor-
handenen regulirte {ut e senatu darentur arhitri dispenêandae), das
also yielieicht yon ihr aufgekaufb wurde; sonst wfire aller Yerkehr
in Yerwirrung gerathen {aU<is in tumuUu vita ercU).
Es waren, nach Theophrast, eine Reihe yon GregenstSnden, die
der Grieche und die weiterhin dann auch der Rômer dieser Pflanxe
des Delta's yerdankte. Zu jenen EUeidem und Matratzen liesse sich
etwa noch hinzufûgen, dass man auch Kâstchen aus Papyrus flocht^,
dass Papyrus auch in griechischen Eûchenrecepten als Ingredieni
erscheint^, sowie in Medicamenten *), dass seine Fasem als Lampen-
docht dienten^) u. a. m., yor allem aber jene Papyrusschuhe der
âgyptischen Priester'), die noch Aristides kennt*). Wenn uns bei
der Hochzeit der Philologie mit dem Mercur Martianus CapeUa (Il 115)
den Anzug der sonderbaren Braut mittheilt, so erscheint hier die
Chaussure der calcei ex papyro textili gewiss nicht ohne Nebensinn:
die Personification der Litteratur hat in das Buchmaterial ihren Fitss
gekleidet.
Auch „die Bûcher^ lieferte dies Schil%ewâchs. Theophrast hit^
dièse fur den Griechen gewiss schon damais bedeutsamste Thatsachs
^) Hesych und Suid. s. t. d'ifitiç.
*) Schol. Aristoph. Ritter 954.
>) Dioscorid. I 116.
«) Anth. lat. Kies. 94 f.; Paulinus ex Natal. III Felicis.
^) vnoâtjfiaTa fivfiXtua Herod. II 37.
^) liQ. kôy, I S. 287; ygl. fivfihvonidikoç bei Ëaatath. 8. 1913, 44.
— Die Papyrasstaude. — 227
nicht ubergangen. Sîe entbehrt in utiserer Gegenwart nicht yoU-
kommen der Analogien. Von den Grasfelderh bei Saida ik Noï'd-
AMka, aus deren Ertrag u. a. Papier bereitet wird, haben ja ydr
kurzem die Zeitimgen geredet. Und ein âhnliclies Schilfgras sôU iiti
Gapland zu gleichem Zweck benutzt werden^).
Plinius nun, ûber die Pfianzen handelnd, wiederholt betreffs des
papffrum die Theophrastische Darstellung genau '). Betreffs der syri-
Mhen Papytusseilé giebt er nur noch die Begrûndung nondum spàtib
catmnunicato, Uebrigéns aber fiigt er an, seit einiger Zeit wissë
man, dass aùch im Euphrat bei Babylon das papyrum gedeihe. Der
kurze Hinweis auf die fitfiiSa beim Theophràst eDdlich aber giebt
ihm zu den technisôhen Auseinaildérsetzungen ûber das Buch-
papier Gelegenbeit, die uns nunmehr eingehend beschaftigen rnûsseu.
Seit Guilahdini dièse Pliniuskapitel commentirte, sind éië sehr
oft der Gegenstand gelehrter Erorterung geworden. Die hâufigè
Betraktation beweîsst fur die Wichtigkeit des Gegenstandés und wird
rechtfertigen, dass auch wir 'hier voti neuem eine genaue Interpréta-
tion untemehmen. Ich yérweise hierbei YOrzûglich auf deh létzteii
dérartigcn Yersuch 7on Bliiihner'), welcher die Fragen mit Umsiclit
und jedenfalls im Negativen fÔrdemd bebandelt bat. Die gewaltsaihé
Kûrze des Plinius, die sich ^leichwohl mit geschraubtem Ausdruck
yerbindet, und 'die offenbare Unordnung, mit der er seine Notizeh
ôfters gruppirt, ist nicht allein die Ursache der sich hier darbietendeh
Schwierîgkeiten. Auch die Ueberlieferung iôt ohne Frage mehrfach
entetellt. Der Plinianische Bericht ist in dem Grade detaillirt, dass
er nur ybn einem Bestunterriûhteten, nur yon einem Sachkenner
lierstainmen kann. Es ist dàrum nbthwendig, die Fâlle, wo wir
8achlich Unmogliches lesen, aus solcher Entsteliung zu erklaren.
Bntweder kann alsdann angenommeh werden, dàss Plinius eine
^) Bosenthal a. a. 0. stellt neben den Cjperas Papyrus L. aach Ojperas
textiUs, stechendes Cjpergras, und bemerkt: die Stengel dienen am Gap sti
Flecbtwerk und zur Anfertigung Ton Papier.
^ Auffallend ist die Wiedergabe der xô/Utj oder /a^n; durch thyrgi modo
eacumen; bezeichnet werden soU der „Bû8cheI^ am Schaftende; moss Plinius
^icht geschrieben haben: thyrsi modo corum{bi)on includéns'i
') Blûmner a. a. 0.
1R»
228 — ^^® Buolueite. —
griechische Yorlage falsch verstand, oder auch dass seine eigenen
Handschriften verderbt sind.
Ich stelle eine kritische Besprechung des FabrikatioDsberichtes
Yoran, um danach den Text selbst Yorzulegen und alsdann das
unserem Zweck Dienende herauszubeben.
Papyrus heisst nur der Rohstoff der Pflanze, nie aber das aos
ihm bereitete Scbreibmaterial, die Charta. Dièse Charta wvirde
durch umstandliche Operationen bergestellt. Es beschâftigten sich
damit Fabriken, con/ecturae zu Alexandria, Sais iind an anderen
Orten des Nillandes; zu Plinius' Zeit bestand eine einzige Fabrik
auch in Rom; in spâteren Zeiten fabricirte Rom dagegen ganiicht,
wâbrend Aegypten alleiniger Fabrikationsort heisst^). Wenn beim
Ulpian papyrum ad chartas parcUum und chartae nondum perfedae
als Gegenstand eines Légats erscheinen (Dig. 32, 1, 52 § 6), so wiid
hier gewiss speciell an âgyptische Fabrikbesitzer gedacht.
Was aber bergestellt werden soll, ist erst in letzter Linie die
Papyrusrolle ; es handelt sich hier vielmehr um das Einzelblatt,
die pagina. Nur auf sie geht zunâchst der Fabrikationsbericht; nur
sie war es, die Eunst erforderte. Die Rolle war hemach aus yielen
paginae leicht genug bergestellt.
Die Bereitung des Blattes nennt Plinius texere (Z. 17); dasseibe
Verbum wendet er auch an auf die Bereitung von Segeln, Kleidem
und Matten, ja von navigia aus Papyrus, wâbrend seine Vorlage
Theophrast hier ohne Tropus redet. Dass dies nur ein Tropus ist,
wird sich weiterhin zeigen; doch war er ein verbreiteter, vgl. Lucan
III 222 u. A.^). Eben daher heisst auch das fertige Blatt beim
Plinius plagulu (Z. 22), das ist ^das Netzchen* (dtxtvov)j das neti-
artig gewebte Zeug.
Es ist nothwendig, dass die Termini plagula und pagina vod
^) Vgl. Anon. de toto mundo (Biese, Geogr. lat. minores S. 113):
charta . . . ntisquam nm in Alexandria et eius regione fit. Die horrea char-
taria zu Rom in der vierten Région (Preller, Regionen d. St. Rom S. 7 u. 102)
waren Lagerr&ume fertiger Charta.
^ S. filQmner S. 309 Anm. Aehnlich braucht schon Polybios das Bil<i
III 32,2: ^ifiXoi' xa&anéQayéi xarù /lUtov i^vtfac/néym, doch yielmehr io Besag
auf den Inhalt der Bûcher.
— Bereitang des Bucliblattes nach Plinius; êcMdcte, — 229
Hause aus dieselbe Sache anzeîgten; letzterer steht Z. 34. Beîde
meinen die Seîte des Bûches, (SêJiiç. Beîde an und fur sich
gleich passend, sind sie offenbar von entgegengesetzten Gesîchts-
pnnkten aus gewâhlt worden. Die Seite ist pagina, „die befestigte^
a pangendo in ihrem Yerhâltniss zum Gesammtbuch und als Theil
desselben; die nâmliche heisst plagula, „das Netz*' selbstândîg fur
sich genommen und im Yerhâltniss nur zu ihren eigenen Bestand-
theilen. Daher erklârt sich, dass wir dem ersteren Namen uberall,
vo Tom Lesebuch die Rede ist, dem letzteren nur im Fabrikations-
bericht begegnen; und femer, dass die pagina ihre nothwendig erste
Bedeutung als ^Blatt*' allmâhlich verlieren und die abstraktere der
Schriftcolumne annehmen konnte (ygl. unten).
Das Material war das Mark^) des Papyrus: viscera nivea viren*
tkan herbarum nach Cassiodor; denn, nach demselben, more pond
robur in cortice est, molUties in medullis; es ist ein bibula tenerititdine
êpongeum Ugnum.
Das Mark wurde zu Schichten oder Streifen auseinander ge-
schnitten. Dièse Streifen des Marks sind es, die Plinius sckidae nennt
(Z. 18, 34)*) „die Theilchen", von (txtCBiv. Dafur setzt er einmal
') F&Uchlich sprach man frfiher yod Bast oder ron Pflanzenfasem; da-
gegen Tgl. Wattenbach S. 67.
^ Nnr bei den Rdmern finden wir diesen griechischen Terminus. Sollte
«r ursprflnglich etwa dem Alexandrinischen Dialekt angeh6rt (Hesycb hat
^ida und a^^M und mit dem ganzen Buchwesen ron da sich in Rom impor-
ttrt baben? Ausserhalb der technischen Sprache, die hier Plinius redet, er-
hielt scheda rielmehr die Bedeutung des Einzelblattes wie bei Martiid IV 89
(TgL etwa auch Theodoret mçt nyev/mxTîoy im cod. Ham. S. 216: nolvcxtâêlç
fifilot), Tor allem des beschriebenen, und sodann weiter speciell die des Con-
eeptes, des beschriebenen Zetteb ohne Werth; in letzterer Bedeutung tritt
bes. bei Sp&teren wie Hieronymus gem das Deminutiv schedula^ vgL GXi^ttQwv,
an die Stelle; dahin ist in den Interpret. Montepessul. das onus^oyQatpoy
Mcheda su verstehen, sowie die Erkl&rung der Qlossare, deren Kenntniss ich
der Gûte des Herm Dr. Ldwe verdanke: scheda cJtaria acripta^ Qlossae 'aa%
ToUstftndiger in den Fassungen sceda^ charta acripta; unde scedula sive sddula^
Tat. 1469^. Cas. 218, und sceda charta scripta et proiecta^ glossae *abaTus'
maiorea; Leid. 67'. — Wenn Cicero ad Att. 1 20, 7 schreibt ut scida ne qua
depereaij bo gilt hier vielleicht noch die Wortbedeutung des Plinius, die, wie
^e Etymologie seigt, jedenfalls die ursprûngliche ist.
230 '- ^î® Baehseite. -^
4a8 gleichwertbige lateioische Wort scissurae^ (Z. 2). Solche sàstura
l^esasB einen festen Zusammenhalt und war yergleichbar einerPflaii-
zenfjBiser; so erklirt es sich, dass sie gerade^u ina genannt wird, t^
Panli Fest. S. 104: ma quae pars chartae est tepuissima, iind so aoch
9icher zu lesen Fest. S. 81, 4: a temdtate inarum quas Graeei m ehart»
lia appdlant,
So begreiflich dièses inae^ so ganzlich unbegreiflich ist dagegen
beim Plinius Z. 2 die Bezeichnung „B«8t^.. und speciell „Linden-
bast^, phUyrae, fur dièse kleinsten Theile des Papien. Sehrieb
Plinius dies, so batte er nicht die primitivste Yorstellnng yod eioer
Sacbe, deren Hergang er docb genau und ûberall mit konkreter An-
schaulicbkeit darstellt. £r selbs.t definirt XYI 65 genau, iras er
unter pMyrae verstand:. es sind die H&ute, welcbe gleich unter der
Binde (cortex) des Lindenbaums, aber ausserhalb des eigentlichen
Holzes (tignum) liegen^). Das Papyrusmark, im Scbaftinnem befind-
lich, entspricht ja nicht entfemt diesen aussen liegenden Hauten, soit-
dem yielmebr dem Holze der Dicotyledonen. ^Gt Recht redet des-
balb Cassiodor yieh^ebr von meâuUae, Yom spangeum Ugnum, En
solcber Irrth\]Li)[i des Plinius scbeint um so weniger denkbar, d»
pMyrae, wie Yor allem Ulpian^ bezeugt, als. ein selbstfindiges Schmb-
material nebei^ der Gbarta im Gebrauche, also als Yon der Chut»
Yerscbieden allen gelâufig war. Mit dem Namen des einen Schreib-
stoffes soUte Plinius die ganz heterogenen Bestandtheile des anderen
belegt baben?
Es sind mithin tnae oder scMdae, aus denen das Papier ,,ge-
webt" wird; sie sind das aus Ulpian angefûbrte papyrum ad chartas
paratum,
Plinius hebt nun an mit dem Satz, dass dièse Fasem mittelst
einer Nadel, cums, gewonnen werden. Er fugt hinzu, die Fasem
miîssen zugleich so dûnn wie mÔglich und so breit wie môglich sein;
femer sind die aus der Scbaftmitte genommenen die besten, sie
werden gradweis schlechter, je mehr man nach Aussen kommt.
') Die Stelle lautet: inter corticem ac lignwn tenues tunicae muItipHci
membranti, e qtnbus vinculae tiliae vocantur, tenuissimae earum philyrae.
^ S. oben S. 97 f.
— Bereitung des BuchbUttes; das Kleben. — 231
Mit einer Nadel konnte das Mark indess nicht zerlegt werden^).
Ker giebt Piinius vielleicht einen grîechischen Aaïadruck*) unzu-
treffend wieder.
Nicht sehr passend unterbricht er sich aber gleich hier, um
Z. 4 — 16 die verschiedenen Sorten der fertigen Charta aufzuzâhlen
und zu charakterisiren. Dass hier keine Textverstellung vorliegt,
beweist das texitur omnis, womit Z. 17 zur Fabrikation zuruckgekehrt
und auf aile dièse SorteD zurûckverwiesen wird.
Das Yerbinden der Fasern geschieht mittelst gUUina (Z. 18
Tgl. gkUmamenta Z. 41) und geht auf einem Holzbrett — tabula — vor
aicb, welches nass gehalten wird. Das dazu benatzte Wasser ist
l^ilwasser (Z. 17), ein Beweis, dass wir uns hier in âgjptischen
^àbiiken befinden. Von diesem Nilwasser wird nach der Yulgat-
lesnng ausgesagt: turbidus Uquor vvm glutims praebet; dies wird von
XJrlichs u. a. dahin verstanden, dass das schlammige Nilwasser selbst
als Leim die n te, als ob dastûnde Uquor vicem glutinorum praebet
ZHes wQrde richtig sein, falls glutims Genitiv wâre; Piinius kennt
«iber nicht die Form gluten, sondem nur glutinum (VU 198; XI 14;
XI 231; Xin 81 f.; XVI 215»); XVI 226; XXVI 21; XXVIH 182;
.jULVllI 236; XXXV 43). Also darf glutpm nur als Datdy gefasst
irerden. Geben wir nun also die Richtigkeit der Schreibung immer-
bin zu, so kann sie offenbar nur dies besagen: „das trûbe Wasser
giebt dem Eleister Eraft^. Es ist klar, dass hiemit ein Eleben
ohne Eleister nicht entfemt vorausgesetzt ware; der Satz wûrde ja
anf aile Fâlle das Vorhandensein, die Anwendung yon Eleister
sur Voraussetziing haben mûssen, weil ja sonst das Nilwasser auch
^) Die Versuche Landolina's and Dureau de la Maliens, Charta su fer-
tigieoy haben dies ergeben. Daseelbe best&tigt mir Herr Prof. Wieg^nd, weleher
«ch mit gleiohen Veranchen besch&fiigt. Es war rielmehr ein acharf achnei*
dendet lleuer nôthig. Blfimner l&sat die MOglichkeit offen, dass der Rgyp*
tiaehe Papyrus anders g^artet war als der uns bekannte.
*) Etwa nar ô{e* ny* o^ùvi^l
') Anch hier muss in den Worten valvas in gluHms compage quadrienmo
^m»ut der AblatÎT anerkannt werden: Talrae in gludnis fueront compage qna-
^ wîennio. Wer dies nicht will, mflsste nach Ausweis der angefllhrten Stellen
^laltini oorrigiren.
232 — ^>® Baohseite. —
DÎcht „ihm Kraft geben*' k5nnte. Das Wasser macht also den Eleister
nicht etwa entbehrlich. Ist dem aber so imd dachte mao nicht
daran nur blosses Wasser anzuwenden, so stellt sich jener Satz tUs
abenteuerlich iind geradezu absurd beraus; denn wîe kann, wer
Wasser — es mag nocb so yiel Tbonerde imd Alaun entbalten •
zum mebl- oder starkebaltigen Leim hinzutbut, bebanpten, dieser
Leim erhalte seine Elebkraft durcb das Wasser^)? Scbrieb Pliniu
dies wirklicb, so bat er, der ja freilicb stets auf der Mirabilieiisaclie
ist, unpassend byperboliscb geredet. Wir wûrden danacb dann zn
folgender Anscbauxing gelangen: die Fasem wurden mit Sleiater be-
stricben; so bestricben wurden sie auf das Brett gel^, das toU
Wasser stand; dies Wasser belebte alsdann die Kraft des Kleisters,
der inzwiscben scbon an Feucbtigkeit yerloren batte, yen neuem.
T)abei wurde dann Pliniu s dem Wasser byperboliscb sogar Steigenmg
der £[lebkraft vindicirt baben.
Die Yulgatlesung stebt indess nicbt sicber. Es ist darom môg-
licb, dass Plinius bier einfacb das scbrieb, was wir erwarten, dan
die Glutina mit Nilwasser angemacbt wurden und dass dièses Wasser
auf dem Brett nur bestimmt war, den E^leister flûssig zu balten.
Des Nâheren wird aber nun so verfabren: erst (prwio) wîrd
eine schida, d. b. offenbar, indem der Singular fur den Plural steht,
eine einfacbe Lage von schidae, in gerader Ricbtung (m rectum) auf
das Brett geschmiert, dann (postea) eine zweite quer darûber (trcms-
versa). Hiermit ist das Blatt fertig (craies peragit), d. b. das hin-
reicbende Material fur ein Blatt ist so beisammen. Es geniigen somit
zwei Lagen. Indem beide quer ûber einander liegen, erscbeint das
Blatt netz- oder gewebeartig. Daher sein Name ploffula. Daber auch
') Vielleicht war ein Kleben mit blossem Wuser mit Hûlfe der Preii*
nicht unm6glichy indess scheint dièse MOglichkeit nack dem besprocheneii
Wortlaut der Stelle hier nicht in Frage zu kommen. Das Nilwasser enth&h
jedenfalls nicht Klebstoffe in dem Grade, um im IJnterschied vor anderea
FlQssen vim glutinorvm zu haben, ygl. BlQmner S. 312. Die ErkUning
Blflmner's selbst, die an Lenz, Botanik d. Ch*. u. RAm. S. 276 sich anschtiessti
dass der Papyrus selbst im Nilwasser Elebstoff entwickelt habe,
widerspricht durchaus der Darstellung, wie sie Plinius giebt; davon bat Plionu
und gewiss auch seine Vorlage nichts gewusst.
— Bereitung des Buchblattes; textura. — 233
18 tropische texere. Dieser Vergleich wird sogar weiter ausgefulirt
1. 32): die eîne Lage fungirt als Einschlâge, subtemina, die andere
sisst Unterlage, statumina; soUte man hierfur nicht vielmehr Zettel,
aminay gewârtigen? Dies bot in der That der Codex yetus des
alecampius; so lesen wir ^zQta fivfiXùav Anthol. Pal. IX 350. Es
t nirn aber festzuhalten, was die obige kurze Beschreibung sicher-
ellt und die Betrachtung der erhaltenen Papyrusreste auf das
entlichste bestatigt, dass die zwei Faserlagen nicht etwa wirldicb
rwebt, dass sie nicht wirklich durcheinandergeflochten wurden.
ielmehr blieb jede fur sich liegen. Der Vergleichungspunkt war
K> nnr der Umstand, dass auch hier zwei Schichten fadenâhnlicher
ksem in kreuzweiser Lage irgendwie verbunden werden, sowie
sh denn schliesslich auch fur das Auge der Eindruck eines Gewebes
giebt.
- Gewâhlter noch scheint die Bezeichnung des Blattes als craies
•. 20). Wir erhalten damit die Vorstellung des zaunartig gefloch-
nen Yierecks. Doch wird man nicht daran rûhren dilrfen, um
"wa das nâchstliegende chartas peragit einzusetzen.
Die erhaltenen Papyri geben nun zu diesem Bericht eine Er-
inzong; sie bestehen in der That meistens aus nur zweien Faser-
•Hen ganz so, wie Plinius es darstellt. Doch kommen auch drei
aserlagen vor. Dies scheint besonders bei schlechteren, roheren
orten der Fall, wo jene zwei nicht genug Hait hatten. Leemans
fcgt so z. B. vom Pap. Leyd. F: ^structurae rudioris, texturae cras-
Dris, primae sive inferiori schedae rectae duabus schedis transversis
^positis". Ebenso sieht man z. B. bei N. 27 der Berliner von
m^hey edirten Fragmente, dass die Oberschicht zweifach ist, die
^terschicht einfach.
Weiter wird von Plinius angemerkt: die scinda der unteren Lage
1 so lang wie môglich genommen werden: longitudme papyri quae
^^Mit esse Z. 19. Der Genitiv papyri abundirt hier nicht etwa, son-
B^ es ist damit der Pflanzenschaft selbst bezeichnet: die schidae
^ unteren Lage sollen aus moglichst langen Papyrusschâften ge-
^xiitten werden — und so selbst moglichst lang sein.
Femer sollen „an beiden Seiten der unteren scinda noch die
K^sitzchen abgeschnitten werden*'; man construire zusammen: lonffi-
234
tudine papyri quae potuit ette retegrnmilnu vtrimquê <mptUatu. Du
utrimqiu kano nur mît Bezng auf die soeben geforderte longitude Klbtt
gesagt seia; d&rum kann nur Qbereetit werden: ,âie IJuig« d«t
unteren Faser boU so grOHB sein, ^ es nach Wegachneiden ia
Rauheiten an den beiden LângeeDden môglîch ist". Deshilb Icuii
ich der kûnstlicherea Deutung Blfimner'a S. 314 nicht beitntes.
UeberhinauBrageiide PaBertheilchen muBste es immer gebeu. Sie m-
fielen der Scbeere. Mit Abzug derselben bestimint aicli die Lûg*
der Faser. Der Genitiv papyri tritt, wîe geaagt, hinsu, uni n a-
innem, dass die eben erst rob aus der Pflanze geBcbnittene Fua
gemeiot ist.
Dagegen acheint es auf die Lange der Fasem der OberMhîeht
nicht anzukommen, da Flinius, bemerkenewerther Weîee, davon lieht
redet. Dies erklâit sicb leicbt. Ibre Lange brancfale
ja DUT der Breite der unteren Lage ^eichiukommoi.
In der That stimmt dîea mit den erhaltenen BoQen
auf das beste, in denen die Blattbreite grainger m
sein pflegt als die jener longiiudo entsprechende Blitt-
h&be. In's Grobe gezeichnet und, îndem vir die bà
der Fabrikation unten Uegenden Faaem pimktiieD,
etgiebt sicb etwa nebenstehendes Bîld des Blatte*.
So iat denn eine feete und ebene Massa aus kleinsten Tbeila
gewounen: eontintUtas de nunutns, st^ Cassiodor. Doch fehlt mai
viel, dass es auch eine tunctura nne rimit, eine Êcr^twrabiH» fada
aei, wie deraelbe Autor hinzusetzt. Der PUniustext fEhrt fort: prt-
mitar dfinde (ergo M) preUs, et iieeantar lole plaguiae atgve inler «
iunguntUT promnantm semper bonUatù demimuioiu ad deterrmuu. Alw
die fertigen GewebstÛcke oder Seiten werden vom nassen Brett ge-
lôBt, koDunen nass unter die Presse, trocknen, so gepreest, in der
Sonnenwârme aus, aJsdann 'wird zur Eerstellung der Rolle gescbrîtten.
durcb Aneinanderkleben der getrockneten. Hier giebt der SiogulaX
premitur neben dem pluralischen ticeantur Anstoes. Nicht plagida^
sondem traversa tc/ùda îat zu premitur granunatiscb das Subjekt, nkS
dem dann reeta schida zusammen gedacht sein mûsBte. Das hets»-''
der Fortgang der Rede in der Ueberlieferuiig ist hier spracfalicb uj^
môglich, und die Beobacbtung einer natûrlichen Syntaxe tSiat d
— BereitQDg des Bnchblattes; Blattscli&den. — 235
entweder premtmtur zu schreiben oder aber sich nach einer anderen
HûHe lunzusehen.
Der Fabrikationsbericht scbeint hiemît abgeschlossen. Wir er-
balten nur noch eine kurze Notiz ûber den scapus (Z. 24), T^ovon
nachher. Daran schliesst sich ein Traktat ûber die Breite bei den
Terschiedenen Papyrussorten (Z. 24 ff.), woruber gleichfalls spâter. Auf
ihn folgen weiter (Z. 38 ff.) BemerkuDgen ûber Scbâden der Blatt-
oberflache: Finden sich Unebenheiten, so dienen Zahn oder Muschel
sur Glâttung, nur haftet dann die Dinte nicht mehr so gut. Oder
aach Feuchtigkeit hindert den Schreibenden, die sich hâlt^ wenn in
Bezug auf sie anfangs nicht sorglich genug verfahren worden war;
man thut gut, ehe man schreibt, sich ûber ihr Yorhandensein mittelst
eînes Hammers zu vergewissem oder aber auch, wenn grosse Nach-
lâssigkeit Yorlag^), schon durch blossen Geruch. Drittens mit blossem
Auge wahmehmbar sind Flecken (lentigines) im Schreibstoff; dagegen
erst beim Schreiben selbst stellt sich ein vierter Schaden heraus;
er wird als taenea bezeichnet, die sich mitten in den verklebten
Fasem yerstecke. Von der Ëntscheidung ûber die Lesung hângt das
Yerstânduiss dièses letzten Schadens ab*).
So sehr kann der Schreibende also im Gebrauch der Gharta
get&uscht werden: durch Rauheit, durch Feuchtigkeit, durch Flecken,
durch taenea. Der Ersteren lâsst sich zur Noth abhelfen; in den
drei anderen Fâllen aber muss die Gharta, um benutzbar zu werden,
noch einmal die Fabrikation durchmachen und wieder aufgelosst
werden in ihre Bestandtheile.
Plinius hat aber soeben zufallig von neuem berûhrt, dass die
Chaita durch EUeben entstehe (jghUmamenta Z. 39), dabei fôllt es ihm
non auch bei den Kleister selbst zu besprechen, Z. 44 ff. Die Rede
echreitet hier nun folgendermassen fort : Gemeinhin nimmt man zum
Beben Mehl und heisses Wasser mit etwas Essig. Denn weder
Gnmmi noch Tischlerleim (glutinum fabrilé) taugen for den Zweck:
') indiHgerUior, n&mlich umor; das Wort ist pasBirUch gebrauoht, wie
^f^tk Bonst bei Plinios XIX 57 : kortus indiligens, der sehlecht beatellte Garten.
') Âueh BlQmner's Ausf&hning S. 315 f. ist nar im NegatÎTen fiber-
'^aflmid.
236 — ^*® Bachseite. —
aie wûrden beim Zaïsammenrollen des Buchs brechen. Besser klebt
aber noch weiches Brot in heisses Wasser au|gelÔ8t; denn es fuUt
am T^enigsten und îst am T^eichsten. Solcher Eleister muss einen
Tag, aber auch nîcht langer, gestanden baben, ehe er benatzbar
wird^). Hernach wird er mit einem Hammer platt geschla-
gen — wer? der Kleister? Doch gewiss nicbt! Wir lesen wortlich:
postea malleo tenuatur et glutino percurritur eqs. Das Subjekt fehlt.
Gemeint ist offenbar die plagula, D. b. der Inbalt beweist und die
Syntaxe, das Feblen des Subjekts bestâtigt, dass wir es hier auf
einmal mit einem versprengten Fetzen der Bescbreibong za thon
baben, die die Fabrikation der Cbarta betrifft Urlicbs scheint den
Anstoss damit wegdeuten zu wollen, dass er Z. 43 einen abennaligen
Bericht ûber die Neubearbeitung derselben Cbarta, und zwar diesmal
in Rom selbst, beginnen lassen will. Indess ist yon Rom mit keinem
Wort die Rede, und, was folgt, bandelt, wie wir saben, nur von der
Bereitung des Glutinum, obne iîber seine Anwendung irgend etwas
yerlauten zu lassen'). Wir constatiren, dass an den Abscbnitt ûber
die Scbâden des Papiers einfacb ein Abscbnitt mit Recepten fur das
Glutinum gereibt ist und dass nacb diesem Abscbnitt jene notirten
Worte postea malleo tenuatur eqs. ganz abrupt von neuem in die
Papierbereitung bineinfubren. Der Inbalt dieser Worte aber ist mit
dem Z. 20, 22 f. ûber Papierbereitung Vorgetragenen keineswegs un-
yertrâglich, ja er ergânzt es sehr passend. Dass dieselben desbalb ur-
sprunglicb yielmehr hier, Z. 20 f., gestanden baben oder steben sollten,
ist mir nicht zweifelhaft; die yon uns hier wie dort wahrgenom-
') Des Lucilius 26. Buch handelte von Litteratur und Edition verschie'
dener Werke, wie die Fragmente zeigen ; ein Epos ûber pugna Popilli, facta
Comeli v. 572 Lachm., eine vêtus historia ad ainores scripta v. 598; rgl. d»xn
V. 675: nisi portenta . . . scribitùt, 595, 600, 616, 602, 535. Wenn in àiesm
Satirenbuch nun auch vom glutinator die Bede war, ▼. 617, so ist obne Zweifel
Tom Kleben der Buchrolle die Bede gewesen ; Nonius giebt S. 49 1 : praeteriio
tepido gliUinator glutinor; vielleicbt rieth Lucilius folgendermassen vom Schrift-
stellern ab: chartas tuas Semper praeterito tepido gluHnator glutino; wihr-
scbeinlicber aber ist an praeterere gedacbt, ^bestreichen" (so BQcheler brief-
lich), 80 wie bei Plinius Z. 21 die schon fertige plagula percurritur glutino.
^ Mit Recht baben Detlefsen und Mayhoff gegen Urlicbs die Worte
cUius igitur iterum texendis labor zum rorigen Abscbnitt geiogen.
— Bereitung des Buchblattes, des Bûches. — 237
menen sjiitaktischen Anstosse dienen dem zur erwûnschten Bestâti-
gnog. Fur YersetzuQgen von Zeilen im Pliniustext kommt dies ab
ein weiteres Exempel zu anderen hinzu.
Das glutinum war also das letzte, was Plinius behandeln zu
mûssen glaubte, um dann endlich mît dem Staunen ûber das Al ter
abzuschliessen, welches die so fabricirten Bûcher zu erreichen im
Stande sind (Z. 48 ff.).
Jener versprengte Satz aber ergânzt das schon besprochene zu
Tolgendem Hergang. Ist die pl<igula auf dem Brett fertig, so kommt
lie zunâchst noch nass imter die Presse zur Tilgung der Falten;
Lanach wird sie mit einem Hammer platt geschlagen, wodurch ihre
Dûnne zimimmt; dann wird die Feuchtigkeit des E^leisters noch
îinmal émeut, noch ein mal geht es un ter die Presse und noch einmal
inter den Hammer; und hierauf erst thut die Sonne das letzte und
ïocknet das Blatt, worauf es fertig und fur die Bûcher verwendbar
LSt : eine iunctura sine rimis, eine scripturabilù fades.
Und erst nunmehr kann zum Zusammenkleben der Blâtter und
BUT Herstellung der Roi le vorgeschritten werden, Z. 23. Der Con-
fcext beweist hier imwiderleglich , dass auch die Herstellung der
Rollen in der Fabrik selbst, unmittelbar nachdem die Blâtter ge-
trocknet sind, geschah. Nicht besonders erwâhnt wird hierbei, was
Plinius selbstverstândlich scheinen konnte, dass viele Blâtter auch
selbstândig blieben und in den Papierhandel kamen, diejenigen,
die fur Briefe und jede andere Schreiberei privater Natur dienten.
Eben dièse nannte man dann vorzugsweise schedae und scJiedtUae^),
Plinius^ Augenmerk ist hier eben nur auf das kulturgeschichtlich so
wichtige Litteraturbuch gerichtet.
Betrefifs der Rollen aber werden noch zwei Belehrungen gegeben.
Erstlich heisst es, das Buch entstehe proximarum (se. plagtUarum)
semper honitatis deminutione ad deterrimas. Man hat hierin mit Un-
recht eine Schwierigkeit gefunden. Uns wird hier ein erwûnschter
Einblick in die Oekonomie des Buchfabrikanten gegeben. £r macht
die Rolle so, dass beste Blâtter zu Anfang, dann minder gute, dann
immer schlechtere imd die schlechtesten an^s Ende kommen. Dass
') Vgl. S. 229 Note 2.
238 ^ ^^® Baehieite. —
die Qualitat der plagtdae yerschieden ausfiel, war bei der Beschaffen-
heit des Materials nothwendig. Bei der Massenfitbrikation Yon Rolkn
boten sich also zwei Môglichkeiten: entwedér gesondert gâte RoUeo
ans den guten Blattern und schlechte aus scblechten hemistellen
— oder aber in jeder Rolle gute und schlechte zu yerbinden. Das
letztere wurde Yorgezogen; Rollen Yon durchweg schlechtem Pilier
wâren wobl allzu undauerhaft geworden. Wamm aber wahlte mu
nun jene eigenthûmliche Reibenfolge der Blatter? Im Intéresse ilmr
ConserYirung. Die besten Blâtter waren die dnrabelsten; sie kommea
an den Anfang, weil beim Zusammenrollen die ersten Blâtter an der
Aussenseite der Rolle zu liegen kamen und also dem Zerreissen, der
Feuchtigkeit und anderem Unbill am exponirtesten waren; die sddech-
teren Blâtter konnten weniger Yertragen, und darum kamen sie, je
schlechter sie waren, je tiefer in das geschûtzte Innere der RoUe.
Aber auch ein zweiter Grund musste zu diesein Yer£eihren fubien.
Wenn der einzutragende Text fur eine Rolle nicht ausreichte, so
waren es ja die letzten plagulae, die unbeschrieben blieben. Dus
dies Yorkam, ist frûher, S. 155 f., gezeigt. Wahrscheinlich gescbah
dies sehr oft (ygl. die Monobibla, die eine Rolle nicht fûllen, unten
Kap. YI). Ob man die leeren Blâtter alsdann wegschnitt oder nicht,
ist gleichgûltig. Jedenfalls kam es auf Gûte bei ihnen am wenig-
sten an^).
Zweitens wird Yon Plinius hieran unmittelbar Z. 24 der schwie-
rige Satz angeknûpft: numquam plures scapo qiiam vicenae (se. pUh
gulae), £s wird hier also eine Einheit Yon mehreren plagtda»
statuirt, die scapus heisst und nie mehr als 20 betragen kann oder
darf. Was ist hier scapus^)? Zuerst wird man an den Schaft des
Schilfs denken; so braucht Plinius das Wort z. B. fur den Stengel
der LiHe XXI 26 (Ygl. XYIII 59 u. a., aber auch der Candelaber bat
^) Ein Qrund liegt sonach f&r die von Urlichs vorg^schlagene Umstelloog
der Worte proxumarttm eqs. hinter scissurae ordine im § 74, so Tiel ich sebe,
nicht vor. Fur Urlichs entschieden sich Detlefsen in Fleck. Ibb. 77, 677 and
Blûmner S. 318, dagegen Fels De codicum an t. in quibas Plini N. H. eqs.
QQttingen 1861 S. 48.
') Ueber verschiedene nicht brauchbare Erkl&rungsversuche Tgl. BlQmner
S. 317 f.
— Bereitung der Bolle; êcapus. — 239
lach ihm einen scapus XXXTV 11). Hiemach wûrde gesagt sein —
kachdem wir Yorerst noch e scapo corrigirt haben — , dass aus je einem
umvQOÇ zu 1,85 Meter nie mehr als zwanzig Blâtter fabricirt werden
LÔnnen. Dièse Blâtterzahl ist aber ohne Frage yiel zu gross. Man
lat sodann zur Umstellung seine Zuflucht genommen, und dièse wie
.ocli die Yoraufgebenden Worte bei Z. 3 eingesetzt, so dass sie
[unicht Yon den plagulae der Rolle gèmeint sein wûrden. Da die
t>raufgehenden Worte proxumanim demmuUone eqs. sich uns indess
oeben innerbalb ibrer ûberlieferten Umgebung vollstândig erklârt
laben, so yérliert dadurcb aucb fur die vorliegenden die Annabme
iner Yerstellung an Wahrscheinlicbkeit Dieser fraglicbe Satz muss,
0 gut wie der Torige, Bezug auf die Bucb rolle haben; dies in-
icirt sein Zusammenbang mit ibm. Nun ware etwa môglicb, scapus
3 den TJmbilicus der Rolle zu ûbersetzen: ,,an einen Rollenstab
erden nie mehr als zwanzig Blâtter befestigt*'; nur ist dièse Wort-
nleutang leider nicht belegbar. Entscheidend scheint dagegen, dass
18 die Interpretamenta der Handscbrifb von Montpellier in ibrem
■pitel ûber die Bucbterminologie die Gleichung rofAOÇ ;(cr^rot;
apus darbieten ^). Icb glaube, es ist nicbt zu kûbn hier, in einem
Apitel iiber Buchwesen, solcbem Fingerzeige zu folgen und scapus
oradezu als „Rolle^ zu Tersteben. Scheut man sicb, einen an-
beinend so singulâren Wortsinn unterzulegen, so denke man an
iiffula, an sckida zurûck, die Plinius ja nicbt minder singular ge-
mucht. Weitere glossariscbe Zeugnisse aber erweisen sogar, dass
.eser Rollenname durcbaus tecbniscb gebrâucblicb war. Durcb die
seondere Gûte des Herm Dr. L5we erbalte icb folgende sebr er-
&nscbte und lebrreicbe Zusammenstellung, die icb bier einfûge:
1. y^scapus: tôfAOç fitfiUcùv, x^Q'^Çy Pbilox. p. 193, 1 éd. B. Vulc.
2. êcapi: xavoveç ysçâtaxol xal x^içtov vé/AOêj ders. p. 192, 59.
3. scapus: certus numéros glossae *aa*'). Letztere Glosse ist
srstûmmelt, voUstandiger liegt sie Yor in:
4. scapus i certus numéros tomorum scriptorum, Casin. 218. Yatic.
169^'). Die ursprunglichste Fassung aber scheint
') Notices et extraits XXIII S. 448 rofioç j(aQToç scafas.
*) CasiDensis 401, ein Vatic. certis,
*) Beide scapkus.
240 — ^î® Bachseite. —
5. scapus: certus numerus tamarum cartae êcrq>tae, Leidensu
67 F' ^), gl. Isidori p. 694, 56. Von hieraus fallt Licht auf die Glosse
6. scapus: tumtdus, Casin. 90. Yat. 1469 ^ Cas: 218*). Dièse
ist 80 zu yervolistandigeD :
7. scapus*): tutnulus*) chariarum, Cas. 218 m*. Cas. 90. Vat 1469>
glossae 'aa', cod. Yat. 1468. — Wir haben hier das neue tumudus s
tomulus anzuerkennen^). — Der Yat. 1468 bietet noch
8. scapus: certus numerus, tumulus, in ersichUicher Contami-
nation.'^
Yier dieser Nummem (1, 2, 6 und 7) yersichem uns fur seapiu
der Bedeutung Tomos, das ist RoUe*), derselben, die wir fûrPlinins
yerlangt haben; das Deminutiy Tomulus steht mit TOfkdqtov gleidi;
iibrigens aber taucht hier daneben noch eine zweite, meines Wissess
sonst nicht zu belegende Wortbedeutimg auf ; scapus ist in No. 3,4,5
auch das Buchrollenbûndel oder doch eine bestiomite Summe tob
BuchroUen; das sind ohne Frage jene fasces Uhrorum und dieBack-
pentaden und -dekaden, ûber die oben S. 33 fif. gesprochen ist h
No. 8 sind beide Bedeutimgen contaminirt^).
^) sciaphus und tumorum,
^) In letzterem c add. m'.
^) „Âlle Handâchriften scasus^ wo s entweder direkt aus p verderbt oder
• — was mir wahrscheinlicher — aus / geworden; vgl. oben dreimaliges scaphu.'
^) tumultos cartaruin Cas. 90; tumultus Vat. 1469^, gla88.*aa' (cod. Vat).
^) n^«\' oben N. 5 dieselbe rulg&re Verdumpfung in ttanarum: dock
kann tumulus wie tumorum aucb reine Verwechselung sein.^
6) Vgl. oben S. 25 ff.
^) In einem Fragment aus Varro's Bimarcus (Bûcbeler Menipp. 58), du
freilich zum Theil verderbt ist, scheint vielmehr die Bedeutung des SchaftM
anzuerkcnnen. Nonius 168, 13 giebt: Varro Vimarco: mihique cUvi dttm ttik
nostro papiri nolevii scapos capitio novo partu poetico, Both's Conjektor iÛê
nostro inlevi acapos ist scbwerlich ricbtig, da mit einem GrifFel nicht gescbmiert,
sondern nur gekratzt werden kann. Auf Papyrus wird meines Wissen» BV
mit dem caîamus geschriebcn. Ich glaube mit Ribbeck, dass der Vergiflkà
der Âtbenegeburt von Varro weiter durcbgeftlhrt war: „die Musen woUen, diM
ich Gedicbte erzeuge; sie spalten mir den Kopf, wie Hcph&st dem Zeot, nd
bedienen sich dazu nicbt des Beils, sondern meines Qriffels oder aber «ses
Papyrusrohres" resp. einer Papyrus rolle : mihique dividunt stilo nostro papyiMM
scapo capitium^ twvo partu poetico, — Dass sich der stilits «um Spalten eignott»
— Die leeren RoUen, fiifiUa ayça<pa, — 241
Ist nun aber scapus die Rolle selbst, so ist mit den zwanzig
lâttem, die Plinius nennt, nichts anzufangen. Dass Rollen mit ûber
mdert Yorkamen, ist S. 159 f. gezeigt. Die Zabi kann nicbt ricbtig
in, und es stellt sicb uns somit die Aufgabe, die sacbgemâsseste
ibl durch môglicbst leichte Correktur einzusetzen. Dieselbe ist
n bochster Bedeutung und wird sicb erst in dem Eapitel ûber
.8 Maximalmass des Bucbes berstellen lassen.
JedenfsJls lebrt ims aber Plinius biermit die wicbtige Tbatsacbe,
as es ein solcbes Maximalmass der Rolle gab, ûber das der Fabii-
nt nicbt binausging, der Autor nicbt binausgeben konnte.
Denn fur den Yerbraucb der Librarii und Bibliopolen sind die
9X£a ayqaq^a, welcben Terminus man z. B. beim Pollux YII 211
er im Etym. Magn. p. 260, 41 findet, die ïzbri nondum perscripH, wie
pian sie nennt (S. 88), nunmebr fertig gestellt. Dass aber daneben
.ch die unverbundenen plagulae in den Verkauf kamen, ist scbon
tryorgehoben worden. Leicbt wird man nun ergânzend yermutben,
e Anfertigung Ton Rollen, die bier von Plinius allein den Fabriken
indicirt ist, babe daneben aucb Yon jedwedem Scbreiblustigen nacb
•eiieben ausgefobrt werden konnen. Dass, was Plinius Yoraussetzt,
Uerdings die Regel war, bestatigt uns, abgeseben Yon dem Terminus
*^Uor aYQaq>ov selber, das Beispiel des Seneca und seiner nocb
îcht Yollen Suasorienrolle ; man woUe das S. 154 f. bierzu Bemerkte
>]Sleicben und sicb zugleicb jener Rollen beim Cassiodor erinnem,
^ der Autor ôf&iet und Yollscbreibt (S. 103); ebensolcbes leeres Bucb
^eint aucb beim Hero^) yorausgesetzt. Zu priYaten Zwecken,
fi. bei einem langeren Briefe oder âbnlicbem Anlasse, war der
^lir; er kommt als Stichwaffe Tor nicbt nur bei Câsar's Ermordang Sueton.
^.82, sondern aucb SuetOD. Calig. 28; Seneca de clem. I 14; Pradentins
î^teph. 9, 44. Der scapus aber w&re als Buchrolle hierza weniger sa
^chen denn als Pflanzenschafi, der, von der Dicke eines Stockes, scbon als
viager dienen konnte.
') Hero nèqî avro/nar, S. 269 redet von einer vollstftndigen mit ofàtpaXôç
^«kenen PapjTusroUe (xaç'njç), die bei einem Ëzperiment auf eine Tafel
*^aS) anfgeklebt werden soll nacb Wegscbneidong des ofAfpaXôç, Es ist
^akrscbeinlich, dass hier an eine bescbriebene Belle gedacht werde. VgL
18.
BIrt, BachweMn. 16
242 — ^^® Buchseite. —
Schreibende dagegen selbst ein Blatt an das andere zu kleben ge^^
nôthigt. Geschah dies nun auch bel litterarîschen Editâonen? Weo^^^
wir beîm Lukian 58, 16 den Bibliomanen in seiner Bibliothek thât^;;:;;^
und unter anderem auch mit Eleben beschaftigt sehen (â$axoXlài^^^ï
80 ist nur an Bucbreparatur (s. iinten Eap. YII), vielleicht etwa ai^^A
das Aufkleben der tituli gedacht. Bei Cicero ad Att. lY 4 b sollen ^j^
zwei glutinatores jedenfalls nur die aiXXvfioê befestigen^). Wichtlg^j.
ist, dass Ulpian (Big. 32, 52, 5) nach Erwâhnung der leeren Buc^.
roUen auch von libri perscripti nondum ccmglutxnati vel emendati redet,
womit gleichstehen membranae (perscriptae) nondum consutae. Wâs
Mrir hiermit hinzulemen, kann indess nur als Ausnahme gelten; das
zwingt ailes sonst Angefûhrte anzunehmen und wird von Ulpian selbst
dadurch angedeutet, dass er dies unter den Specialfallen bei einem
Légat Yon libri an letzte Stelle stellt. Ich glaube also nicbt, dass
wir etwa annehmen dûrften, in den grossen Werkstâtten der Librarii,
in denen die Yervielfâltigung vor sich ging, sei wirklich jedes Exem-
plar erst Seite fiir Seite geschrieben und dann zusammengeklebt
worden. Gegen solches Yerfahren zeugen mit Eyidenz ja auch die
vielen erhaltenen, âgyptischen wie griechischen, Papyri, in weichen
die Zeilen ûber die Klebungen hinweggehen (vgl. unten). Dagegen
yerdanken jene ungleichen Blâtter, die wir Nr. 121 des vorigen
Kapitels anfuhrten, gewiss erst einem der Schreibenden selbst ihre
Einheit; sie gchôren eben keiner Edition an. Nur fabrikmâssige
Hand konnte so schône und ebenmâssige Klebungen ausfuhren, wie
sie ein Litteraturbuch beanspruchte und wie sie uns vielfach vor-
liegen. Der Autor empfing sein Buch vom Fabrikanten.
Môge nun noch der Pliniustext selbst folgen. Die Aenderungen,
die ich hie und da vorgenommen, sehen ihren Hauptzweck ino Ne-
gativen, d. h. darin, das Anstôssige in der ùberlieferten Lesung
^) Hier bat Tyrannio einen Katalog der Bûcher Cicero's gemacht; Cicero
bittet nun: etiam velim mihi mtttas de tui^ librariolis duos aliquo» quihva
Tyrannio utatur glutinatoribus^ ad cetera administris iisque imperes ut mmant
fnembranulam ex qua indices fiant quos vos Oraeci ut opinor atXXvfiovç appel-
lotis. An den scbon katalogisirten Bûchern ist nicbta mebr zu kleben als
eben der Titel, der mit dem Katalog sUmmen muas. Dies wird bestâtigt im
folgenden Brief IV 5 fin.
— Plinîus XIII § 74—76. — 243
bSrfer hervorzuheben und bei schwieriger Sachlage den Bereich
r Môglichkeiten zu erweitern.
(74) Praeparatur ex eo (se. papyro) charta diviso acu in prae-
ues sed quam latissimas fibras. Principatus medio atque inde scissurae
Une,
(Prima) hieratica appellabatur, antiquitus reîigiosis tantum volu-
mbus dicata, quae adulutione Augusti nomen accepit sic ut secunda 5
m<ie a coniuge eius, Ita descendit hieratica in tertium nomen.
3) Proximum amphitheatricae datum fuerat a confecturae loco: excepit
ne jRomae Fanni sagax officina tenuatamque curiosa interpolatione
mcipalem fedt e plebeia et nomen ei dédit; quae non esset ita recu-
la, in sua mansit amphitheatrica, (76) Post hanc Saitica ah oppido lo
i maxima fertilitas, ex vilionbus ramentis propiorqv^e etiamnum cortici
teneotica a vicino loco, pondère iam haec non bonitate venalis. Nam
poritica inutiUs scribendo involucris chartarum segestriumque mer-
>U8 usum praebet, ideo a mercatoribus cognominata, Post hanc
pyrum est exiremumque eius scirpo simile ac ne funibus quidem nisi i5
umore utile.
Noten Kum Pliniustext. Zu Z. 2: Das ûberlieferte philyras ist wohl aus
r irrigen Lesung filtras heryorgegangen, die wiederum aus fibras hervorging.
nm der Biccardianus von erster Hand philitras hat, so darf uns dies viel-
eht die Entstehung der Corruptel illustriren. Zu verstehen sind „Fasern*'
noe, womit genau das lateinisch wiedergegeben ist, was man griechisch inae
unie (oben S. 230).
4. Prima^ welches ich hinzugefûgt habe, halte ich allerdings nicht itkr
Dntbehrlich, aber fdr sehr wQnschenswerth; denn Plinius geht hernach durch-
g in der Form der Âufz&hlung Tor, mit einem secunda.^ dann tertium nomen,
an proximum^ dann excepit hanc, dann post hanc, endlich wieder post hanc;
raso macht er es k. B. XIII 59 fF. bei der Abschatzung der Weinsorten.
mer wird auch die adulatio gegen den Âugustus durch prima mehr ver-
atlicht. Vor IIIEBA konnte der Ausfall des PBIMA am leichtesten
kttfinden.
14. ideo a hat Cod. Vat. D m'; et ideo a Paris. E.; Biccardianus und
meus ideo: bieraus und aus dem idea der ersten Hand des Vat. liesse sich
eh inde a herstellen.
15. Das namenlose papyrum am Schiuss lâsst eine n&here Bezeichnung
ie etwa syriacum) nicht vermissen; man verstehe „hierauf folgt das papyruwi
ilechtweg**, das ist vielleicht die wildwachsende Pflanze im Gegensatz zn
16*
244 — ^*® Buchaeite. —
(77) Texitur ornnis madente tabula NiU aqua. Turbiduê Uquor tr^
glutinis praestat In rectum primo supma tabulae schida adtmtur^
longitudine papyri quae potuit esse resegmmUms utrmque amputati^
80 traversa postea crates peragit, Premitur demde preUs; (82) post^^
malleo tenuatur et gluiino percurritur, iterumque concrispata erugaCy^
atque extenditur malleo. (77) Dein siccantur sole plagulae atque tf^^
se iunguntur, proxmarum semper bonitatis demimUione ad deterrim^^,
numquam phires scapo quam vicenae, (78) Magna m latitudine
25 earum differentia: XIII digitorum optmis, duo detrahuntur hieraticae,
Fanniana denos Jiabet et uno minus (smphiiheatrica , paudores Saitica
der in befltimmten PflansuDgen gesogeneo; ihr extremum — das sind vohl
die beim Theophrast eigentlich sogenannten nânvQOè, die sich Ton der ^
erst ûber dem Wasser absweigen — Bieht binsenartig aoa und dieot nor
su Seilen.
17. Man liest gewOhnlich: Turbidus liquor vim ghUinis praebet. Bi«
UeberlieferuDg giebt allerdings praebet^ im Uebrigen aber haben If und B
liquor um glutinis,, die ûbrigen Codd. dagegen liquor in glutinis. I^ar die
sweite Hand ron D belâsst zwar auch das m, fQgt aber Tor in aucb noch on
vim ein. Dies maobt viel mehr den Eindruck des Emendationsversuchs ali
der Tradition. Die Vnlgate ist oben S. 231 f. besproeben. Meine Schreibnnf
besagt: f,denn das Nilwasser, weil trflb und scblammig, wird bei der Bereitong
des Kleisters oder bei der Kleisterung vorgesogen''. Fflr praestat w&re aock
praefertur mOglicb oder praeminet.
21. conscripta erugatur die Handscbr.; die Vulgate constricta b^
seicbnet nicht ein Zusammenpressen — woUte man dies berstellen, wùrde
compressa oder compressu zu scbreiben sein — , son dem ein Zusammen-
b in den; auch beiust so scbwerlich das, was sich ron selbst zusammengesogen
bat (Blfimner). Meine Lesung besagt: falls das Blatt durch die Feucbtigkeit
ron Neuem kraus geworden ist, wird es von den Falten noch einmal mit dem
Hammer befreit und ^ausgedehnt**. So erst gewinnt auch das extenditvf'
denn der Hammer kann die Charta an und fûr sich nicht ausdehnen, woU
aber die krausgewordene. Es wird also flberflflssig sein, extenuatur za Ter-
muthen.
22. et siccantur die Handschr. Das dein oder eine andere Partîkel
ist durch die Textverstellung eliminirt worden und an seiner Stelle ein
et eingesetzt, welches et sich vielieicht mit siccantur zu exsiccaniur rerbin-
den liesse.
24. vieenat die Handschrifîten. Dièse Zabi ist unmOglicb, Ygl. S. 241;
wahrscbeinlich ist ducenae herzustellen ; vgl. Kap. VI Ende.
— Plinius XIII § 77—80. — 245
te maerocoUio mfficit; nom emporiiicae bremtas sex digitos non ex-
dit, Praeterea spectatur in chartis tenuitas, densitas, candor, îevor.
'9) Primatum mutavit Claudius Caesar, Nimia qtdppe Augtistae te-
ttt€ts tolerandis non su/ficiebat calands; ad hoc tratmttens Utteras liiurae 30
etum afferebaty ex averm, et aUas indecoro visu per traîucida. Igitur
secundo corio starnma facta sunt, e primo mbtemma, Auxit et lati-
idinem pedaU mensura. (80) Erat et cubitalis macrocolUs, sed ratio
iprehendit vitium unius sckidae revidsione plures inf estante paginas;
> haec praelata omnibus Claudia, Augustae in epistuUs auctoritas 35
27. nec mallio M und B; nec malio D m^ nec in alto D m^ uDd der
ir nahe verwandte Paris, d; nec alio Paris. E. Die Vulgadesung nec maUeo
îfficit — d. h. dièse Sorte genflgt dem H a m mer nicht mehr, wflhrend die
>rigeD breiteren ihm genûgen — vermag ich nicht zu verstehen. Sie kann
or bedeuten sollen, dass die Bearbeitang darch den £Ll0ppel bei einer keine
2 Centimeter breiten Flâche sich ausschliesst. Hiergegen spricht aber sweierlei :
rstlich ist hier Plinius nicht mehr bei der Fabrikation, sondern bei der fer-
.gen Charta; die fertige Saitische Charta soll ^dem KlOppel nicht genûgen",
oranter ich mir eben nichts rorstellen kann. Zweitens aber sugegeben, dass
ier anf die Fabrikation surûckgegriffen werde, so setzt die Darstellung, die
linins von ihr gegeben bat, doch die Anwendung des maliens fflr aile und
»de Charta vorau», auch fur die schlechten, wie er denn Z. 23 von den pla-
\Jae deterrimae redet. Wnrden Saitica, Taeniotica, emporetica ohne maliens
mktirt, was trat dann bei ihnen an die Stelle? Man wird aiso geneigt sein,
d eine andere Lesung zu denken. Der Name der Taeniotica, den man hier
srmisst, steckt in der Corruptel schwerlich. Meine Herstellung ina(croco)llio
% formell unbedenklich (macrocollion, wovon Z. 33 der Dativ macrocollis, steht
sben tnacrocollon wie eschatocollion neben protocollon), sachlich liegt sie nicht
m; die macrocolkL, die Cicero (ad Âtt. XIII 25; XVI 3) fÛr seine Schriften
BTwendet, waren doch notbwendig hieratica oder ihres Gleichen, und Plinius
ill Z. 33 nur sagen, dass die macrocolla gelegentlich auch zur Breite eines
ibiftas gesteigert worden seien. Die microcoUia fangen also eigentlich erst
i bei der Saitica und unter den Begriff des Breitblâtterigen fallen aile vier
[maptsorten; d. h. breitbl&tterig ist dasjenige Papier, welches die Hexameter-
aile zu tragen im Stande ist; Qber das Vorkommen dieser Normalzeile auf
m Terschiedenen Blattbreiten vgl. unten. — Noch bleibt aber ein Anstoss
i dem nom (Mayhoff item^ leichter w&re etiam), dem das nam emporetica
|s. Z. 12 nicht ganz analog ist, und ein zweiter in dem Fehlen der einen
ftoiotischen Sorte.
31. ex aversis und per traîucida Bûcheler.
32. statumina die Handschriften statt stamina; Tgl. oben S. 233.
246 — l^i® Buchseite. —
relicta. Lwiana stiam tenmt, cm nihU e prima ercU, sed Ofnnia e se-
cunda,
(81) Scabritia levigatur dente conchave, sed caducae Utterae Jmt:
minus sorbet poUtura charta, magis spîendet. BebéUat saepe umor m-
40 curiose datas primo, m^Ueoque deprehendiiur oui etiam adore, cumfmt
indiUgentior, Deprehenditur et lentigo ocuUs, sed inserta medOs gkti-
namentis taenea fungo papyri bibula vix nisi Uttera fundente se, TmUwn
inest fraudis, Alius igitur iterum texendis labor,
(82) Glutinum vulgare e poUinis flore temperatur fervente aqua,
42. Das ûberlieferte taenea fungo papyri bibula ist aehr schvierig; es
làsst sich nur dahin Terstehen, dass ein faden&hnlicher Streif irgend velcher
Art sich durch das Blatt erstreckt, welcher sich sufâllig bei der ersten Be-
reitung der plag^ula w&hrend des Elebens zwiscben Unterschicht und Ober-
schicht gelegt bat; dieser Streif heisst bibula^ er saugt die Dinte eio; au
fungo papyri gehôrt zusammen (denn papyri bibula gâbe keinen Sinn) ; dieser
Ablativ (nicbt abh&ngig von bibula^ das den Genetiv forderte) ist bossent loae
eingeftigt and mûsste causale Bedeutung baben in dem Sinne tod taenea ortu
fungo papyri; der Schwamm an dem Rohmaterial der Papynisfasem selbii
wûrde es also sein, durch den jene taenea beim Kleben entstand. Ans tou
Schwamm bebafteten Fasem Hess sich indess gar keine Charta mebr bereiten
(vgl. BlQmner S. 316); wir mûssen also annehmen, fungus stehe hier, wie
wohi auch sonst, in weiterem und ûbertragenem Wortsinn, sodass man tA
irgend eine andere minder sch&dliche Abnormit&t des Materials zu denken h.^
(so Bûcheler; bei den Medicinern heisst fungus z. B. ein kleines Geschwûrcheo)*
MOglicherweise dûrfen wir uns hierbei definitiv beruhigen. Die grosse graiD'^
matische Unbestimmtheit des Ablativs fungo neben der sachlicben Schwieri^^
keit l&sst indess den Gedanken an Verschreibung nicbt ganz zur Ruhe komme^
Es wQrden gleich sehr die Construktion und die Sache selbst gewinnen, lies^^
sich der Sinn herstellen: „es versteckt sich in der Charta bisweilen eine taenea
welche, gleich wie Schwamm, jede Feuchtigkeit wegschluckt''. Ich mein^
inserta mediis glutinamentis taenea fungo pariter bibula, Das Adverb parité
bat den Dativ bei Livius 38, 16, 10 sowie bei Statius Theb. Y 121. — Unkl^
bleibt ûbrigens noch^ weshalb im Gegensatz zu allen vorigen Sch&den gerac^
dieser weder durch Geruch noch durch das Auge, sondern erst beim Schreib^
selbst wahrzunehmen war. Jene unsichtbare taenea muss also an Kôrp>^
âusserst winzig gewesen sein; Salmasius (zu Vopiscus Firm. 3) ândert=^
ina € iunco papyri bibulo; ganz vorzQglich wûrde die Winzigkeit der
eignen, dem Holzwurm, der die trocknenden Papyrusstangen beimsuchte
80 mit den schidae in die Charta gerieth.
44. Vgl. hierzu Dioscorid. II 107: xôkka , , . ytyofAÎyij ix r^ç cffAèâvâ
— Plinius XIII § 80—83. — 247
rmmmo aceti aspersu; nain fabrile cumm^que fragilia sunU DUigentior 45
cura molUa panis fermentait colata aqua fervente; minimum hoc intergerwi
€itque etiam poUtnis lenitas superatur.
(83) lia fiunt hngmqua monimenta. Tiberi Gaique Gracchorum manus
4ipud Pomponium Secundum vatem dvemque clarissimum vidi annos fere
post ducentos. lam vero Ciceronis ac divi Auguati Vergilique aaepe- 50
numéro videmus.
Was hiemach von Plinius hinzugefugt wird, um die frube Be-
nntzung der Charta in alten Zeiten zu erweisen (§ 84 — 89), kann an
dieser Stelle fuglich bei Seite gelassen werden.
Wir entnebmen dem vorstebenden Text nun nocb eine fur das
Bucbwesen sebr wichtdge Tbatsacbe. Die Cbarta war weit entfemt
stets sicb gleicb zu bleiben. Es gab von ibr eine Reibe von Sort en,
die sicb nacb Qualitât und Wertb unterscbieden. Die Yerscbieden-
heit der Provenienz und Fabrik war es, wonacb sicb dies bestinmite.
Betracbten wir sie nâber, so erfabren wir aus fruberer Zeit, dass
eine besonders gute, Yor allem durcb Zartbeit und Dûnne {kêTnôxviç)
ausgezeicbnete Sorte die charta regia war, die einmal bei Hero tïsqX
avTOfAat, pag. 269 (xciç'^fl^ XsTvtàxatov t&v fiaaiktxdv xaXovfàéyœy)
erwabnt, bemacb nocb einmal von CatuU (c. 19, 6) aïs beste genannt
wird. Strabo aber kennt sie anscbeinend nicbt mebr, der S. 800
die hieratica als einzige Yorziîglicbe nambaft macbt (^ ikiv XBiqdHV,
f ai fieXtiwv ^ Uçaux^, se. fivfiXoç). Mutbmasslicb war das Papier
dasselbe geblieben, der Name batte gewecbselt. Dieselbe hieratica
nennt nun aucb Plinius als erste; sie war nacb ibm besonders diinn,
ihre Breite betrug 13 digiti oder 0,2403 Meter. Docb wurde
sie alsdann Augusta benannt, zu Ebren des Kaisers, nicbt Yor 27
T. Chr. und wobl erst nacb Âugustus' Tod, da Strabo den Namen
noch nicbt kennt Mutbmasslicb bôrte der Name fiaatJiêX^ erst auf
9 yvçHoç, PliniuB XXII 127 und XVIII 89 farina (m pollinem subacta) qua
chartae glutinantur, Im Index zu Buch XXII cap. 60: farina chartaria,
47. Fflr poUinis geben die meîsten Codd. lini\ M nili\ B verkflrEt dies
^och weiter zu dem einem Buchstaben /. — Cod. M allein ist fllr ^i7t nicht
^ûnreicbende Autorit&t; er bat s. B. aucb Z. 32 amplitudinem fur iatitudmem
^ingescbwftrst.
48. Fflr fiunt die Codd. sint.
248 — ^^ Biieha«îte. —
mit der defiiiitiYen Beseitigung des agyptâschen Eônigthoms; irihiend
der Regienmgszeit des Augustns ersetzte ihn der Name Uçfnuiî,
seit des Augustus Tod endlich der Name yiifyowxva. Der sweite irt
nach Analogie der ehrwûrdigen yQccfifkata IsQauMtt gewâhh, die
schon Herodot und nach ihm Biodor erwahnt^).
Eine zweite Sorte wurde charta lÀcia nach der Kaiserin beiuumt,
vermuthlich gleichzeitig. Sie war minder zart, aber ebenso breit
wie die vorige*).
Auf eine dritte Sorte wurde gleichzeitig der alte Name herth
iica ûbertragen; sie war sonst der Augusta gleich, aber Yon minder
weisser Farbung*) und hatte nur 11 digiti oder 0,2033 Meter
Breite.
Die Fabrik der yierten Sorte war nahe dem Ton Strabo S. 795
bezeugten Amphitheater in Alexandria (denn nur an dièse Stadt
kann gedacht werden) belegen und hiess hiemach €imp1nihMltnM\
sie galt schon als ordinâr {plàbeùi)y ihr Breite betrug 9 digiti oder
0,1663 Meter.
Dieser Sorte bemâchtigte sich nun die stadtromische^) hidor
strie; ein gewisser Fannius*) Yerbesserte sie in Rom in der Weise,
dass er die fertigen Blatter der ampJdtheatrica noch einmal besrbei-
tete und zwar sowohl ihre Dûnnheit steigerte (tenuatam) als aueb
durch weiteres Einfugen Yon Papyrusfasem oder Bdssurae ihre Breite
Yon 9 auf 10 digiti, das ist auf 0,1848 Meter brachte^; so erhob et
') Herod. II 36, Diod. I 81; so redet auch der bilingue Stein t9^
Rosette ron den U^à yçâfiftaTa; Clemens Alex. Strom. V S. 657 P. nnter"
scheidet noch, wie die Modernen, UçoyXvq&xâ und iéçartxâ. VgL Eber^
Aegypten S. 1.
*) Also ist es nicht ganz richtig, wenn Plinius von ihr Z. 36 sag^ sie fr^
in allen Dingen nur zweiter Qûte; die Breite war erster.
*) Dies letztere sagt nur Isidor: gimilis Augusteae^ sed mbcolorata.
^) Die Art, wie Plinius das Wort Romae setzt, l&sst schliessen, d» *
s&mmtliche voranstehenden Sorten nicht in Rom fabricirt wurden.
^) Dieser Fannius bat mit dem Remmius Palaemo, dem Grammatil*^ '
resp. Kleiderfabrikanten, nicbts gemein; denn dieser hiess eben Renunius
nicht Fannius (Christ, Rhein. Mus. XX, 69 f.).
^) Da Plinius das Breitenmass der Fanniana um 1 dig^tus grôsser
— Die neun Sorten der Charta. — 249
îe als Fanniana zu einer Hauptsorte. Die Blâtter aber, die nicht
urch die Fabrik des Fannius hindurchgingen, blieben als amphUheor
iea daneben bestehen.
Hieran schlossen sich geringere und billigere Chartae, erstlich
ie Scdticay aus Sais, zu der man ^werthlosere Abfalle^ yerwendete;
renn hier Yon ^AbfâUen^ in den Saitiscben Fabriken geredet wird,
3 fiabricirte Sais folglich ausserdem aucb noch bessere Sorten, und
a "wir nun fur die drei ersten Sorten den Fabrikationsort nicht er-
ihren und da an Sais gerade die mcLxma /ertiUtas an Papyrusstauden
ervorgehoben wird, dûrfen wir annehmen, dass Augusta, Lma und
itratica zu einem Theil eben hier bereitet wurden. Allein nur die
chlechte Sorte erhielt den Namen Saitica; ihre Breite ging auf
twa 8 digiti oder 0,1478 Meter zuruck*).
Der Preis der Taerdotica (benannt wie der oïvoç vatyuùTtnoç
Ach einer Landzunge (taivia) bei Alexandria, Athen. S. 33 E) wurde,
fie PliniuB sich ausdrûckt, schon ^nicbt mehr nach ihrer Gûte,
ondem nach ihrem Gewicht'^ bestimmt. Dies setzt voraus, dass
>ei Papier besserer Sorte der Preis nicht etwa fur ein bestimmtes
Grewicht und Yolumen fixirt war, sondem ein schwankender; er
modificirte sich nach Priîfung der Waare. Es konnte also das Papier
ans ein und derselben Fabrik bald schlechter, bald besser gerathen
flem. Das Taeniotische dagegen kaufbe man pfundweise und sah
9^icht mehr darauf, wie weiss oder wie dûnn es war.
Endlich an letzter Stelle steht die Charta des Earâmerladens,
iie emporitica, das Diitenpapier, nur 6 digiti oder 0,1109 Meter
''«it, auf dem gamicht geschrieben wurde.
Das Syrische papyrum wurde zur Papierbereitung nicht yer-
Stsdet
Auch der spâte Isidor (origines VI 9) giebt ùber die verschie-
-•■len Chartae eine kurze Ueberschau, wie ReifTerscheid mit Grund
"^ der amphitheatrica angiebt, so kann jeDes interpoUUione nur auf dièse
^rbreiieniDg sich beziehen, die nothwendig durch Einlegen von Fasem ge-
^Uh (Blûmner 8. 322 fin.)
') Ihre Breite liegt nach Plinius swischen 9 und 6 digiti, aber mehr
^<h jener Zabi bm.
250 — ï^*« Buchseite. —
annimmt, nach Sueton (ReifT. Suet S. 131). Dièse Ueberschau stimmt
mit Plinius, sofem sie aïs beste und erste die Augustea regia maim
formae, hierauf die lAviana und hieratica, sodann in umgekehrter imd
jedenfalls verkehrter Ordnimg die TaemoUca als yierte, die Smtka
als funfte, als siebente und letzte die emporetica nennt. Der Doppel-
name Augustea regia bestâtigt uns hier, dass die Augusta wirklich
au s der regia des GatuU hervorging. An die sechste Stelle aber stellt
Isidor den Namen Comeliana, welche Yon Cornélius Gallus als prae-
fectus Aegypti zuerst sei bereitet \vorden. In Anbetracht der son-
stigen Uebereinstimmung darf man wohl Termnthen, dass Isidor auch
hier nur die Ordnung nicht treu bewahrt habe; die einzige Sorte,
die er auslâsst, ist nâmlich die amphitheatrica oder in ihrer zweiten
Gestalt die Fanniana; aiso war es wohl Cornélius Gallus, der jene
Officin am Amphitheater zu Alexandria angelegt hatte; es war dies
die Fabrik eines Romers am Nil ; vielleicht war eben dies der Grund,
dass gerade nur sie weiter nach Rom verpflanzt und in Rom weiter
ausgebildet worden ist. Der Zorn des Kaisers Augustus lag auf
diesem Prâfekten Aegjptens und, wie darum Vergil des Gallus Namen
aus den Georgica tilgen musste, wurde auch die Benennung jener
Charta nach ihm verpônt.
Weitere Sorten sind nicht bekannt *) bis auf die Zeit des Kaiser
Claudius. Dieser war, wie bekannt, Grammatiker und Antiquar; er
war insbesondere auch fiir das Schriftwesen schon vor seiner Thron-
besteigung interessirt gewesen; innerhalb des Buchwesens veranlasste
er die Entstehung der charta Claudia. Sie soUte die Augusta iiber-
bieten und war bestimmt, den Bedûr&issen auch des sensibelstec
Schriftbeflissenen zu genûgen. Die Augusta war dûnn und zart bi*
') Wenn Statius Silv. IV 9, 26 in einer Aufsfthlung von geringfùgi^*^
Saturnaliengeschenken schreibt: Vel mantilia luridaeve mappae^ Chœrtae t^
baicaeve caricaeve^ so sind mit caricae so gut Feigen wie mit thehaicae Datt^
gemeint, und eine Thebanische Charta liegt nicht vor. Bei Theben in 0\>^
ftgypten gedieh wohl ûberhaupt kein Papyrus, vgl. Strabo S. 800. Die
phitica cliarta bei Lucan besagt nach bekanntem Sprachgebrauch nichts
aU Aeg^fptiaca charta; vgl. Cassiodor a. a. 0.: Pulchrum sane apus Mer/m f^^
ingeniosa concepit ut universa scrinia vestiret quod unius loci labor ei^^^^
texuisset.
— Die neun SorteD der Charta. — 251
•
T Durchsichtigkeît : die Folge war, dass die Dinte gelegentlich
irchschlug und dann die etwa auf der entgegengesetzten Seite be-
idliche Schrift unleserlich machte. Dem wurde — nach dem Wort-
at bei Piinius — so abgeholfen, dass aïs obère Schicht die Papyrus-
§em der Augusta beibehalten, zur Unterlage aber etwas grôbere
isem^), Fasem zweiter Sorte, das sind aiso die der charta Lima
rwendet wurden. Die festere Claudia ist somit durch Composition
T Augusta und Livia gewonnen worden. Ausserdem aber wurde
r eine grôssere Breite bis zu 1 rôm. Fuss, das ist 0,2957 Meter,
geben; und so ist sie denn in der Tbat fur Piinius die beste,
Ihrend die Augusta nur fur Briefe in Ansehen blieb.
Die Claudia ist aJso eigens fur Opisthographa erfunden wor*
!n; da mit diesen Opisthographa aber nicht Briefe gemeînt sind,
ird man wohl vorzugsweise an RoUen litterarischen Inhalts denken
[îssen.
Damit war zugleich die grosste Breite, die des Piinius Zeit
mnte, erreicht. Nur eine Torûbergehende Erscheinung, die Piinius
littelst des Imperfektum era() als vergangen bezeichnet, war es
wesen, wenn man dieselbe auf einen cubitus, das ist 0,4436 Meter,
sdehnte; macrocoUa dieser Breite waren versucht worden; sie
wiesen sich aber als zu zerreissbar.
Es £ragt sich nun, was in allen diesen Angaben unter der
reite verstanden ist. Auf diesen Fragpunkt ist bisher keine be-
ndere Achtsamkeit yerwendet worden. Meistens werden die Masse
!S Piinius aber so referirt, als ob darunter die Hôhe der Papyrus-
Ile yerstanden sei.
Der Rômer konnte bei einer Flâche nicht, wie wir, von einer
') Das corium secundum und primum^ womit Piinius leider einen neuen
(iminus einfûhrt, Btatt einen der frûher gegebenen wieder aufzunehmen,
nn unmfiglich mit schida, im § 77 gleichbedeutend sein; donn wenn bei der
audia mit einfacher Umkehrung nur die sonst untenliegende Schicht oben
d die sonst obenliegende Schicht unten gelegt wurde, so war damit die
knnheit der Augusta nicht vermindert. AUo wird corium gemeinbin richtig
f das Papyrusmark selbst gedeutet, auf die inae oder fibrae^ die man in
9aem Fall bei der Unterlage nicht aua erster, sondem ans sweiter Qualit&t
manm.
252 — ^^® BuehMite. —
Hôhe reden; er unterschied nur Umgitudo und kttitudo. Dabei ist
dann latittido regelmâssig die kûrzere beider Dimensionen, so wie am
iugerum der Lange 240, der Breite 120 Fuss gehôren. An der aaf-
geroUten Rolle ist in der Tbat die Hôbe die kiîrzere Dimension.
Allein dièse Auffassung ist ungenau. Minder flûchtige Lektôr»
zeigt, dass Plinius gamicht an die BuchroUe dachte. Er sagt Z. 24:
Magna m latUucHne earum cUferentia. Was ist denn mit dem ruckwei-
senden earum bezeicbnet? Dièses Pronomen nimmt auf das deutlidiste
die Yorerwâbnten plagtdae auf, fur die auch die Zabi tricenae gegeben
wird. Die Grammatik zwingt also, die kUUudo viehnehr auf dièse
j^lagrdae zu bezieben. D. b., Plinius giebt die Breitenmasse
yiehnebr fur die Einzelseiten der Rolle.
Da bieruber ein Zweifel nicbt besteben kann, so fragt sich nur,
welcbe Dimension der plagula als ihre Breite bat gelten mûsseo.
Die Papyrusfunde baben von dem RoUenbucb im Allgemeinen As-
scbauung genug gewâbrt. Auf der Blattflacbe ist die Dimension, in
welcber die Zeilen laufen, fast durcbgângig geringer als die andere,
nacb welcber sie unter einander steben. Die Blattflacbe des antiken
Bucbes entspricbt also far die Anscbauung im Grossen und Ganxen
der Seite des modemen. Breite ist fur uns aber die Ricbtung, in
der die Scbrift lâufb, und muss es aucb fur die Alten gewesen sein.
Ferner stand das Blatt aucb râumlicb zum Lesenden in keinem an-
deren Yerbâltniss aïs beute die Seite; er bielt es zwiscben der linken
imd recbten Hand, indem er in der recbten den noch unaufgeroUten)
in der linken den scbon gelesenen, wieder zusammengerollten Theil
des Bucbes bielt. Es war nur môglicb, die Richtung Yon der einen
Hand zur anderen als laUtudo dieser Seite zu nebmen. Wir sind
angewiesen, eben die Blatt breite im gewôlmlicben Wortsinn unter
der lutitudo plagtdurum zu verstehen und von dieser Yoraussetzung aus-
gebend die Masse erbaltener Papyri zu betracbten, die sicb vorlegen
lassen werden. Sie mûssen zeigen, ob Plinius sicb correkt ausge-
drûckt bat oder nicbt.
Uebrigens wendet PJinius aucb einmal Z. 19 den entgegenge-
setzten Terminus longitudo auf die plagula an. Icb verweise hierfur
auf die oben S. 232 ff. gegebene Darstellung der Blattbereitung. Als
bemerkenswertb erscbien uns dort, dass von den beiden Faser-
— Die Blattbreite ein Voriug. — 253
shichten nur fur eîne, und zwar fur die unten liegende, grosstmog-
che Lange gefordert wird, dass es fur die andere auf die Lange
eDÎger ankam; es folgte daraus, dass die untere Faserschicht in der
ichtung der grôsseren Dimension des Blattes lag; dièse grôssere
imension ist aber, in den meisten Fâllen, die Hôhe. Also die
latthohe gilt fur Plinius hier als longitudo; um so weniger wird er
.e hemach als latitude bezeichnet haben.
Man wird bei nâherer Betrachtung sogar sagen mûssen, dass
linius Z. 24 ff. mit direktem Bezug auf die erwâhnte longitudo und
om Zweck der Ergânzung auf die latitudo zu sprechen komme. Er
âtte den Abschnitt nber die Sorten Z. 24 bis 37 wohl nicht yon
«. 4 bis 16 abgetrennt, wenn er nicht beabsicbtigt hâtte von der
ireite der ploffula eben im Zusammenhang mit der Lange zu reden.
Dièse Breite wechselte. Sie richtete sich nach der Anzahl der
tissurae, die in der unteren Schicht neben einander gelegt wnrden.
fannius yermehrte ihre Anzahl in der charta amphitheatrica nm
tînen Zoll. Und dièse Steigerung der Breite war ein Vorzng; die
iorten rangiren vor allem hiemach; denn damit steigerte sich auch
lie Zeilenlânge, und je langer die Zeilen waren, je weniger brauchte
1er Schreibende abzusetzen, je angenehmer auch las sich das Ge-
lehriebene.
Weil nun aber die schlechten Fabriken nicht dieselbe Breite
lerstellen konnten, wie die guten, so mnss in ihr eine besondere
jechnische Schwierigkeit gelegen haben. Der Grund hierfur wird in
blgendem Umstand zu suchen sein. Bei dem gebundenen Buch oder
[]Sodex brauchen sich die Einzelblâtter nicht gegenseitig zu halten,
M>ndem aile sind gleicherweise an einem Gemeinsamen, das ausser
hnen steht, an dem Buchriicken, befestigt. Bei der Rolle der Alten
iehlte dies und es hing nur immer eine Seite an der andem. Ailes
kam hier also darauf an, dass ein Einzelblatt nicht einriss oder gar
lurchriss: geschah dies, so war damit das ganze Buch im Aus-
sinanderfall ; denn an jedem Blatte zog rechts und links das Gewicht
lUer ûbngen Blâtter. Besonders gefôhrdet musste immer dasjenige
sein, das gerade gelesen wurde; denn das Lesen ging nicht immer
BO ordentlich Yor sich, wie es uns Lukian schildert und bildliche
Monumente Tielfach zeigen, dass das gelesene sorglich wieder auf-
254 — ^^® Buchseite. —
gerollt in der linken Hand ruhte. Es kam auch yor, dass man es
sorglos herabfallen liess^), und alsdann zog die ganze Last an dem
Blatt, das gelesen wurde. Natûrlich waren nun aber lediglich die
zwei Blatt-Rânder oben und unten dem Einreissen ausgesetzt, ôa die
zwei ûbrigen rechts und links durch die angeklebten Nachbarblitto:
sicher gestellt waren. Die Eveotualitâten des Einreissens der Bander
oben und unten mehrten sich aber offenbar in demselben Grade, je
grôssere Breite denselben gegeben wurde, d. h. je mehr Fasern in
der Unterschicht neben einander zu liegen kamen. Je schmaler aiso
die Buchseite, desto iingefahrdeter, aber anch desto uneleganter war
sie. Die hôchste Technik bestand dann, die Gegensàtze zn vereinigen
und das Blatt so fest zu kleben und zu pressen, dass es mit der
grôssten Breite (latitudo) und Dûnne (tenuitas) doch zugleich auch
die grôsste Zâhigkeit und Consistenz (densitcLs) yerband, wozu sich
dann als weitere Nebenvorzûge noch weisser Glanz (condor) lud
Ebenheit (levitas) gesellen konnten (ygl. Z. 28).
Durch dièse Ueberlegungen wird dann auch die Begnindung
annâhernd yerstandlich , die Plinius dafur giebt, dass Biatter en
17 Zoll Breite sich als nicht praktisch erwiesen hatten: ratio depn-
hencUt vitium unius schidae revulsione plures m/estante pugmas (Z. 34).
Als Hauptbegriff tritt hier remUsio heraus; jene ûbertriebene Breite
hatte ein ,,Abgeris8en werden" zur Folge. Das nâhere ist nicht so-
gleich klar, und es gilt zu erwâgen, was hier pagina fur Plinins
bedeutet. Sehr deutlich wird zunâchst schida Yon pagina onter-
schieden — denn anderenfalls lâsen wir einfach entweder unius scMdae
revulsione oder unius paginas revuUione plures infestante — und wir
*) Vgl. die Rolle in der Hand des Schlafenden bei Hieronymas, oben
S. 112 Anm. 4; bes. aber das Epigramm Straton's AnthoL PaL XII 208:
EtfTuxiÇj ov g)d-oyé(o, fi&fikiâ'&ov, 17 ^« a* dyayrovç
Tittlç nç aya&XifiH nçoç rà yévfKt n^fiç,
fiXrjan dçoaëQvjy, œ fÀttxnçKTTOTaroy.
TToAXnx» ffonrianç vnoxôXnioy rj naçà di(f^çovç
fikrjS^éy jokfiijaètç xilya S^tyny àffô^oiç.
nokkà d' ly ^çf/uip nçokaki^aeiç ' âkk' vnèç hf^ôîy,
Xaçràçtoy, déofiai, nvxyôrëQoy u kaket.
— Seite und Schriftcolumne. — 255
haben unter ihr so wie Z. 18 die einzelne scissura z\i verstehen; die
pagina selbst aber war, oach nothwendiger YoraussetzuDg, regelmâssig
mit der plagula identisch (vgl. S. 229). Dass sich nun eine Faser im
Blatt besonders leicht losreisst, wenD die Blattbreite zu gross ist,
begreift man; unvorstellbar wâre dagegeD, wenn dies Losreissen
mehrere, d. h. also auch benachbarte Blâtter mit beschâdigen sollte.
£& folgt hieraus nothwendig, dass pagina fur Plinius hier nicht das
IBlatt selbst, sondern vielmehr die Schriftcolumne bedeutet. Wenn
er sagt: ,,bei schmaleren Blâttern scbadet ein Faserriss nur einer
Seite, bei diesen allzubreiten scbadet er sogar mehreren** (denn
dièse Antithèse ist ja gemeint), so erklârt sich dies einfach genug
dahin: auf schmaleren plagulae wird nur immer in einer Schrift-
columne geschrieben, auf einem 44 Centimeter breiten Blatt stellte
man dagegen mehrere Schriftcolumnen neben eiuander; wurde
das letztere Blatt beschâdigt, so litten darunter dann gleich mehrere
SchriftsâuleD ; dies war der Grund, weshalb man sich lieber bei den
schmaleren plagulae Claudiae, Augustae u. s. f. begnûgte, die nur je
eine pagina tragen.
Dièse Stelle lehrt uns also zweierlei: erstlich, dass sich der
Begriff der „in's Buch eingefugten Seite ** — pagina — damais schon
zu dem der „ Schriftcolumne im Buch" verâusserlicht batte, zweitens
aber, dass es im Litteraturbuch trotzdem die Regel blieb,
auch noch bei den breitesten Sorten, der Claudia und Augusta,
plagula und pagina zu identificiren oder auf jedes Buch-
blatt eine Schriftsâule zu stelleu.
So weit Plinius. An die Nachrichteu, die er fur das Buchblatt
giebt, wûrde sich nunmehr ein Verzeichniss derjenigen Masse
anzuschliessen haben, welche das Papyrusblatt in den vorhan-
denen italienischen und âgyptischen Papyri wirklich auf-
weist.
Indess sind wir sehr weit entfernt, dièse Statistik so, wie wir
es wùnschen, geben zu kônnen. Die Gelehrten, die bis heute Pa-
pyrusfunde beschrieben haben, geben zwar Masse, allein stets nur
die der Hôhe und Gesammtlânge des Papyrus. Kein einziger bat
auf die Composition aus Selides, kein einziger auf die Klebungen
2u achten sich Zeit genommen, welche die Grenzen der Selides be-
256 — ^^® Buchseîte. —
zeîchnen. Das Aeusserste, was wir ûber das Material erfieJireD, sind
so allgemeine Prâdikate, wie, dass der Papyrus schôn oder minder
schon seî, oder eine Bemerkung * ûber die grossere oder geringere
Grobheit seines Grewebes^). Die Mûhe w8re nicht gross ge'vresen,
sich zu ûberzeugen, wo eîn BJattende ûber dem anderen liegt, and
die Abstânde dieser Klebungen auszumessen. Die Erkenntniss des
RoUenbuchs wûrde dadurch wesentlich gewonnen haben.
Wir mûssen an die Stelle des Fehienden indirekte Schlûsse
setzen, die sich ans den Yorhandenen Angaben yielfiu^h mit Sicher-
heit ziehen lassen, wenn sie auch minder exakte Zahlen etgeben.
Hierfur ist Folgendes vorauszubemerken.
Erhalten wir fur einen Papyrus solche Masse, wie 0,26 Meter
Breite, 0,90 Meter Hôhe und laufen die Zeilen in der Dimension 0,26
— so Pap. Paris. 21, Tfl. 24 u. 25 — , so sind die l^iasse in dieser
Weise fur uns nicht benutzbar. Es ist in solchen Fâllen, die be-
sonders Urkunden, Contrakte u. âhnl. betreffen, nicht wirkiich eine
grosse Selis, was uns Torliegt, wie unten folgende Beispiele iliustriren
werden, sondem eine Folge Yon Selides, deren Hôhe 0,26 ist und
deren Breiten zusammen 0,90 ergeben; d. h. in vielen Fâllen der
Privatskriptur wurden die Zeilen mit Yermeidung jeder Colunmen-
theilung den Blattklebungen paraUel gerichtet und ûber sânmithche
Blâtter eine grosse Schriftcolumne hergestellt. Vgl. die Beispiele
fiy £j ^j ^« Hierher gehôren auch manche unter Marini's Paptn
cUplomatici.
Ebenso wenig ist ein Schluss auf die Blattbreite moglich, wenn
wir, wie bei dem von Buttmann edirten Contrakt, als Hôhe 0,312,
als Lange 1,569 finden, wâhrend die Zeilen ohne abzusetzen fut
die ganze Dimension 1,569 entlanglaufen. Hier schneiden die Zeilen
fraglos mehrere Klebungen. Vgl. auch die Papyri des Brit. Mu».
N. 41 u. 42, u. a.
Wenn wir fur den Grundplan des Grabes Eônig Ramses de*
') Dies gilt auch Ton Marini; nar sa N. 94 der Papiri diphmatici t»^
merkt er: rotti in 3 persi, per essersi distaccate le tre tuniche o falde cb^
componeyano, sowie zu N. 74 A mit genauer Massangabe: es seien drei ^^
lumnen zu je 14 Zeilen, ciascuna riempie lo spazio di quattro pezzi, o fa^»
o tuniche di Papiro di dieci pollici Puno.
— Blattbreiten erhaltener PapyrL — 257
▼ierten, Ton welchem der obère Theil abgerissen, 1,746 Meter Lange
iind 0,435 Hôhe erhalten^), wobei an der Kôhe Yieles feblt und
Guich die Lange noch incomplet ist, so mûssen die Selides hier, um
solclie Flâche herzuBtellen, nicht nur in einer, sondem in beiden
DimenBÎonen nebeneinander geklebt sein. So auch werden wir uns
die geographischen Earten der Alten, falls solche auf Papyrus her-
gestellt wurden, zu denken haben.
Aber auch die Facsimilia in Colunmen geschriebener Papyii
lassen nicht immer einen sicheren Schluss zu. Denn freilich mûssen
wir in der Regel yoraussetzen, dass jede Columne in die Grenzen je
einer Selis gestellt und die Elebungen als Intercolumnien gebraucht wur-
den (ygl. S. 229, 255); dies wird Autopsie gewiss hâufig bestâtigen*).
>) Lepsius, Abhdl. d. Berl. Akad. 1867 S. 1 ff. Das Faosimile, in Vs
Terkleinertem Massstab, hat 0,582 M. L&nge, 0,145 M. HOhe. — Ein anderer
Plan bei Lepsias, Auswahl y. Urkunden des &g. Alteribams, 1842, Tfl. XXII.
^ Ueber die 57 scblechten, serschnittenen Papyrasfragmente, Ton Brugsoh
1853 gefunden, die sicb auf der Egl. Bibliotbek zu Berlin befinden und von
Parthej (in Memorie deU' Instituto di corresp. arcbeol. II S. 438 ff.) edirt sind
— ans dem Aktenscbrank eines rOmiscben Beamten, der z. Z. des Serer nnd
Mazimna in Mempbis lebte — , notire icb zur Illnstration Folgendes: Frg. 7:
Kmt sweier Selides; Scbrift auf beiden Terscbieden; in der Elebung liegt
SeL I ûber SeL II. — Frg. 24: links anbebend mit Intercolumnium 0,035 IL;
«in einziger Scbriftzug am Band links zeigt, dass hier eine Columne ausging;
die Columne rechts vom Intercolumnium stebt mit ibren Zeilenanftngen auf
«ner Elebung; nur 1 bis 2 Anfangsbuchstaben steben auf Sel. I, das Uebrige
ftUt Sel. II; SeL I liegt flber II. — Frg. 25: Elebung sicbtbar etwa beim
TÎerten Anfangsbucbstaben der Zeilen. — Frg. 18: zwei Solides, jede besondert
besebrieben; docb feblt leerer Raum an der Elebung. — Frg. 28: grobe
JUebang, docb feblt leeres Spatium ; Sel. I liegt ûber Sel. II ; Scbrifi auf beiden
renchieden. — Frg. 30: recbts am Band Zeilenende und ebenda Elebung;
SeL I ftber Sel. IL — Frg. 32: mit Intercolumnium; zugleicb scheint am Zeilen-
uMàhog Ton Col. II scbmale, fast nicbt wabmebmbare Elebung. — Frg. 35:
BÎ* Intercolumnium; am Anfang Yon CoL II scbeint ganz scbmale Elebung. —
V?- 44: sebr deutlicbe Elebung; Sel. I liegt ûber Sel. II; nur auf II findet
^ Sohrift. — Frg. 45: Elebung recbts am Columnenende sicbtbar. —
V» 48: Riss (mit Elebung 7) zwiscben zwei Columnen. — Frg. 49: Elebong
'■^ «iem Columnenanfang. — Frg. 50: Elebung deutlicb; SeL I liegt ûber SeL II.
^ Xlebung merklicb dicker. — Frg. 51: Elebung am C!olumnenende. —
S'* 12: zwei Columnen, Ton 0)1. II nur die Anfangsbucbstaben; das Inter-
iBIrt, Baebweaen. 17
258 ~~ ^® Buclueite. —
Doch fehlen Ausnahmen Dicht, die erweisen, dass die Regel nicht
eigentlich auf Nothwendigkeit beruhte (s. unten). Die Elebungen
waren doch fest und glatt genug, um Schrift zu tragen, ohne da-
durch die Gleichmâssigkeit der Zeile erheblich zu beeintrachtàgen.
Ein auffallender Beleg fur die Ignoiirung der Selidesgrenzen ist der
Ëpitaph des Hyperides (éd. Babington mit Facsim.); die duich Striche
bezeichneten Greuzen der Colunmen laufen hier schief und unregd-
mâssig und konnen Elebungen nicht entsprechen; so ist denn z. B.
Col. Vn 2 unten 0,095, oben 0,083 Meter breit Dasselbe gilt m
Chrysipp negi ànoifatmtAv (Pap. Paris. N. 2, Tfl. XI), dessen Co-
lunmen windschief stehen. Am bezeichnendsten und lehrreichsten
aber sind die Opisthographa dafûr, dass Columnen ohne Rûcksicht
auf die Selides hergerichtet wurden. Der Eudoxuspapyrus hat von
23 Columnen zu je ca. 0,11, hinten nur 13 Columnen zu ca. 0,16 M.
Breîte; daher entspricht der Rand der unteren Col. I der Mitte
der oberen Col. 22 u. s. f. Dasselbe lehrt der Judenpapyms (Ps^*
Paris. 68, Tfl. 46); hier steht Col. C auf dem Rûcken der CoL A
imd eines Theils der Col. B; ebenso giebt F ein Intercolumnium aof
dem Rûcken der voUen Col. E.
So ist denn auch die Môglichkeit nicht ausgeschlossen, dass man
zwei oder gar mehr Schrifbsâulen auf eine Selis stellte, dass aiso
das Intercolumnium auch insofem nicht zugleich immer den Rand
einer Selis anzeigt. Scheint ein solches Verfahren irrationell, so
wurde es doch seine Analogie schon in den frûhesten Zeiten des
Pergamentbuchwesens finden, welches die Blâtter auch in Colimmen
zu nur 10 Buchstaben p. Z. abtheilt^). Plinius aber bezeugte uns die»
als ein ausnahmsweises Verfahren oben S. 255.
columnium, 0,02 M., noch einmal so dick; Sel. II lieg^ hier (anders als in deo
meisten Beispielen) ftber Sel. I; der Absatz oehr deutlich. Das Intercolomniona
ist quer, von unten nach oben, in 2 Zeilen bescbrieben; ebenso auch das Inter-
columnium in Frg. 25.
ï) Vgl. den Pap. v îm Text. Im Frg. 23 der in vor. Note erw&hnten Frag-
mente, dessen Intercolumnium 0,022 M. breit ist, ist eine Elebung nicht v
kennbar. Môglich ist, dass dies aucb Ton den Intercolumnien in Frg. ^
ungewiss, ob in 33, 40 gilt. Vor Allem aber gehGrt Marini Pap. diplo""
N. 74 A hierher, ûber den Tgl. S. 256 Note.
«'t
— Blattbreîten erhaltener Papyri. — 259
Wir gehen am sichersten, indem wir einige an den Originalen
bst genommene Masse Toranstellen. Sie betreffen âgyptische
1 griechische Papjri, die sich im EôDiglichen Muséum zu Berlin
ne auf der Koniglichen Bibliothek daselbst befinden.
a) Aeg. Pap. des Kgl. Muséums, GV 12, zerschnitten imd
' mehrere Mappen vertheilt. Material schôn und feingearbeitet,
âbungen sehr fein. Mappe a: Hôhe 0,338 M. Die Breitendimension
terbrechen zweî Elebungen ; der Abstand zwischen diesen Klebungen
giebt 0,1745 M. als Selisbreite. — Mappe b: Hôhe 0,338; Breiten-
«tand zwischen zwei Klebungen 0,201. — Mappe c: Hôhe 0,334;
reitenabstand zwischen zwei Klebungen 0,199. — Mappe d: die
5he wie im vorigen; die Breite schneiden drei Klebungen; Abstand
ischen Klebung I u. II: 0,20, zwischen Klebung H u. IH: 0,2075.
Mappe e: Hôhe wie vorhin; Breitenabstand zwischen Klebimg I
II: 0,199, zwischen Klebung II u. DI: 0,1975. — Mappe g: Hôhe
315; Breite zwischen Klebung I u. H: 0,197, zwischen Klebung
u. ni: 0,19. Das Material scheint hier etwas schlechter, die
îbungen minder fein. — Mappe h: Hôhe 0,337; Breite zwischen
^l>ung I u. II: 0,202. — Mappe i: Hôhe 0,34; Breite zwischen
îbang I u. n : 0,20, zwischen Klebung H und dem rechten Rand,
r die Buchrolle abschloss: 0,20.
/?) Pap. des Kgl. Mus. N. 512. Opisthograph, in Glas und
hmen: mehrere Klebungen sichtbar. Breite zwischen je zweien
ebungen durchgângig 0,176; Hôhe 0,363. Die Schrift lâuft in der
mension 0,363.
y) Aeg. Pap. des Kgl. Mus. N. 1558, medicinisch, gefunden
der Nekropolis von Memphis; zerschnitten und auf elf Mappen
rtheilt. In Mappe X ist der Papyrus durchsichtig aufgeklebt.
>le durchgehend 0,20 M. — ErsteMappe: Anfang der Buchrolle;
■^te Yom Rand rechts bis zur ersten Klebung 0,256; von da bis
Di linken Rand 0,30. — Dritte Mappe: Breite zwischen zweien
ebungen 0,2735. — Fûnfte Mappe: Breite zwischen Klebung I
d H: 0,267; von der zweiten Klebimg dieser Mappe bis zur E^ebung
Mappe VI: 0,28 (0,011 dieser Selis steht noch in Mappe V,
•69 zu Anfang der Mappe VI). Die letztgenannte Klebung liegt
"^e zwischen zweien Schriftcolumnen , ebenso die vorletzte; die
17*
260 — ^^® BuchBeite. —
Torvorletzte dagegen liegt mitten in der Colunme, was sich oft wieder-
holt. — Breite tod der einen Elebung in Mappe YI bis znr enten
Klebung in Mappe VH: 0,28 (0,202 in VI, 0,078 in VII). -
Siebente Mappe: Breite zwischen Elebung I und H: 0,282. Von
da bis zur ersten Klebung in Mappe VIII: 0,282 (0,163 in VII,
0,119 in Vlll). — Achte Mappe: zwiscben Elebung I und II: 0,265.
Von da bis zur Elebung in Mappe EK: 0,2725 (0,0535 in Vm, 0,219
in IX). Die letztgenannte Elebung fallt zufâllig wieder zwiscben
zwei Scbriftsâulen. — Von da bis zur ersten Elebung in Mappe X:
0,2765 (0,2455 in IX, 0,031 in X). — Zehnte Mappe: zwischen
Elebung I und U : 0,279. — Von da bis zur Elebung in Mappe H:
0,2785 (0,1535 in X, 0,125 in XI). — Von da bis zum linken Rand,
d. h. zum Ende der Buchrolle: 0,2015. Also die Scblussselis ist
schmâler oder incomplet.
â) Demot. Pap. des Egl. Mus., Inv. S. 26 N. 21. Linge
des Ganzen 0,754, Breite des Ganzen 0,273. Die Schrift lâdt pi-
rallel der Dimension 0,754 und fuUt yom oberen Rand ab 0,153 M.;
darunter leerer Raum 0,12 M. Scblechter Papyrus; so fein die Ele-
bungen in den vorigen Beispielen, so grob erscheinen sie hier; die-
selben laufen parallel der Dimension 0,273; dies ist also die Blatt-
hôhe. — Breite Tom linken Rand zur Elebung I: 0,115; auf dieaer
Elebung endet die von rechts nach links laufende Schrift — Breite
von Elebung I zu II: 0,085. — Von Elebung II zu HI: 0,103. -
Von m zu IV: 0,105. — Von IV zu V: 0,106. — Von V zu VI:
0,099; auf dieser Selis beginnen die Zeilen. — Von Elebiing VI w
Vil: 0,098. — Ueber dieser siebenten Selis ist dann noch der An-
fang einer acbten geklebt, dessen Breite nur 0,02 M. betrâgt
s) Pap. des Egl. Mus. AX. 5. Eaufcontrakt, datirt Tom
19. Mesori des 29. Jahres der Regierung des Ptolemaeos EuergetesII
(10. September 141 v. Chr.). G^sammtlânge 0,875; dazu Breite 0,305.
Secbs demotische Schriftzeilen und das Achtel einer siebenten laufen
in der ganzen Lange der Dimension 0,875 bis zum Rand. Leerer
Raum ûber der Schrift 0,061, unter ihr 0,185. Die Elebungen lanlen
in der Dimension 0,305; dies ist also die Blatthôhe. — Breite Tom
Rand links bis Elebung I: 0,145. Die Elebung selbst, in dér die
zwei Nachbarblâtter aufeinander liegen, scheint 0,021 breit — Breite
— Blattbreiten erhaltener Papyri. — 261
Ton Elebung I zu II: 0,141, Yom Ende, oder 0,1625 vom Anfang
der Elebung I ab gemessen. — Breite von Klebung II zu lU: 0,171.
Die Elebung war hier an ihrem unteren Theil offenbar beschâdigt;
daselbst ist ein schmaler Papyrusstreif zur Sicherung ûbergeklebt,
der Scbrift trâgt und 0,145 Hôhe, 0,036 Breite hat. — Breite von
Klebung m zu lY: 0,164. Die Fasem der oberen Lage der vierten
Selis sind z. Th. abgesprungen, darum findet sich hier am oberen
Theil der Elebung lY ein Papyrusflicken aufgesetzt. — Yon Elebung
IV zu Y: 0,17. — Der Rest bis zum rechten Rand ist 0,088 M.
l>reit, also eine halbe Selis.
Q Hierat. Pap. des Egl. Mus. N. 1559. Feinster, zartester,
dichtester Papyrus, den ich gesehen. Gesammthôhe 0,755; dazu
Breite 0,206. Die Schrift, in der Dimension 0,206 laufend, lâsst
oben und unten sehr breiten Rand. Die Elebungen sind durch Yer-
folgung der Einzelfasem nur mit grosser Mûhe aufzufinden ; auch sie
laofen in der Dimension 0,206; dies ist also die Blatthohe. — Die
erste Elebung steht vom unteren Rand 0,176, die zweite 0,468 M.
ab; von da bleiben 0,285 M. bis zum oberen Rand. Also' zwei
Selides zu 0,285 und 0,292 Breite, an die y^ Selis unten angefûgt ist.
Il) Pap. der Kgl. Bibliothek. MS. Graec. Fol. 34. Drei
sich fortsetzende Blâtter. Erstes Blatt: Gesammthôhe 0,456;
Majdmalbreite 0,315; die Rânder sind imeben. 44 Zeilen grosser
Schrift laufen in der Dimension 0,315; in derselben laufen die sehr
deutlichen Elebungen; sie ist also die Selishôhe. — Breite bis zur
ersten Elebung vom oberen Rand 0,135; die Zeilen 14 imd 15 sind
tmbekummert ûber dièse Elebung weggeschrieben. — Breite zwischen
Elebimg I und II: 0,191. Dièse Selis ist un ter die vorige geklebt;
Elebung II lâuft anfangs unter Zeile 33, hemach unter Zeile 32. —
Yon da bis zum unteren Rand: 0,1185. — Die erste Selis liegt viel-
leicht, wie die dritte, nicht in ganzer Breite vor.
Derselbe. Zweites Blatt. Gesammthôhe 0,514; dazu Breite
0,317. Fortsetzung des vorigen; Schrift imd Elebungen laufen also
in der letzteren Dimension, die die Selishôhe ist. Yom oberen Rand
nir ersten Elebung 0,045 M., dies ist Rest der letzten Selb des
vorigen Blattes, haltend die Zeilen 45 bis 49. — Breite von dieser
Elebung I bis Elebung II: 0,226. Dièse Selis trâgt Zeile 50—71.
262 — I>ie BachBeite. —
Anfangs liegen die Enden der Blattfasern unter Zeile 71, hernacb
unter Zeile 70. Die Auslâufer der Fasem liegen hier ûber der
nâchsten Selis unordentlich hin und her gebogen; der glutinator bat
flûchtig gearbeitet. — Breite zwischen Elebung II und ni: 0,236
(Zeile 72 — 96). Auch dièse Selis liegt ûber der folgenden, Ton der
indess nur der Rand 0,005 breit erhalten ist.
Derselbe. Drittes Blatt. Gesammthohe 0,296, dazu Breite
(oben gemessen) 0,307. Fortsetzung des yorigen; Zeilen und £3e-
bungen laufen wie dort; 0,307 ist also Selishôbe. Breite Yom oberen
Rand bis Elebung I: 0,191. Auf dieser Selis steht der nur 0,122 M.
Yon oben fûllende Rest des Textes, Z. 97 — 106, auf den aber nach
leerem Raum noch Reste Ton 2 Zeilen folgen. — Ueber dem Ënde
dieser Selis beginnt die folgende; sie trâgt abschliessende figuiiite
Omamente und ist 0,1 14 breit bis zur nâchsten Klebung, unter der
der Anfang einer weiteren Selis ansetzt, nur 0,009 Breite erreicheni
Es scheint, dass dieser Papyrus wie die Nummem y, d, «, f, ^ in
der Fabrik grôsser gefertigt war, ab er vorliegt, und Yom Schreiber
nach Abschluss des Textes abgeschnitten wurde; daher am Ënde
der Rest einer Selis.
d) Pap. der Kgl. Bibl. Fol. 21. Vier Blâtter, enthaltend
einen Text Yon 111 Zeilen; aile Yier haben die Breite 0,20, lângs
der sowohl Schriftzeilen wie Klebungen laufen. Sie ist also die
SeUshôhe. Gesammthohe, Blatt I: 0,459; II: 0,45; III: 0,464; IV:
0,396. Erstes Blatt. Drei Klebungen, zwischen Zeile 7 und 8,
bei Zeile 15, auf Zeile 24 (dagegen Zeile 25 hat nur Bruch); also
Selisbreite Yom oberen Rand bis Klebung I: 0,127, bis Klebung II:
0,127, bis Klebung III: 0,133. — Breite Yon der letzten Klebung
auf Blatt I bis zur ersten auf Blatt II: 0,13 (auf Blatt I 0,07 mit
Zeile 25 — 28; auf Blatt II 0,06 mit Zeile 29—32). — Zweites
Blatt: Breite zwischen Klebung I und II (Zeile 32—41): 0,132. -
Breite zwischen Klebung U und III (Zeile 42— 50): 0,138. — Breite
zwischen Klebung III und IV (Zeile 51—59): 0,13. — Breite von
dieser Klebung lY bis zur ersten Klebung des dritten Blattes: 0,132
(Blatt II: 0,072 mit Zeile 60— 63 ; Blatt III: 0,06 mit Zeile 64-67).
— Drittes Blatt: Breite zwischen Klebung I und II (Zeile 67—75):
0,128. — Zwischen Klebung II und UI (Zeile 76—83): 0,135. -
— Blattbreiten erhaltener Papyri. — 263
Zwischen Klebung m und IV (Zeile 84—93) : 0,132. — Breite von
dieser Klebung IV bis zur ersten Klebung des vierten Blattes: 0,13
(Blatt m: 0,007 mit Zeile 94; Blatt IV: 0,123 mit Zeile 95—104).
— Viertes Blatt: Breite zwischen Klebung I und II: 0,136. Von
dieser Selis tragt nur der erste Theil noch Text, der mit Zeile 111
Bchliesst, 0,20 M. vom oberen Gesammtblattrand. — Breite zwischen
Klebung II und lU: 0,132; leer, doch mit Resten von zwei Zeilen.
— Folgt endlich noch ein schmaler untergeklebter Streif, 0,005 breit.
#) Pap. der Kgl. Bibl. N. 7. 8. Zwei griechische Urkunden*).
In Glas imd Rahmen. N. I ist eine Selis ohne Klebungen. Hohe
0,341 M., Breite 0,144 bis 0,15. Sie ist, wie es scheint, in Anlass
von Faltung kreuzweise durchgerissen. Der Theil oberhalb des hori-
zontalen Risses hat 0,178, der unterhalb 0,163 Hohe. Der vertikale
Riss liegt 0,013 vom rechten Rand. Die Zeilen stehen in der Di-
mension 0,15.
x) Ders. N. Il ist eine Selis ohne Klebungen. Hohe 0,353,
Breite 0,111. Das Blatt ist auf 0,063 M. von unten fast unbeschrieben.
A) Pap. der Kgl. Bibl. 57 Fragmente, éd. Parthey (vgl.
oben S. 257 Note 2). Die H5he ist ûberall incomplet. Frg. 37, eine
Selis anscheinend compléter Breite, 0,097 M. — Fur Frg. 6 habe
ich 0,107 Breite, fur Frg. I hat Parthey a. a. 0. 0,095 M. Breite notirt,
doch bin ich ungewiss, ob die Breite dieser Fragmente gerade Selis-
breite ist. Sehr schlechtes Material.
ju) Arab. Pap. des Kgl. Mus. 151a. Sammlung kleiner
Fragmente. Darunter eine selbstandige Selis, anscheinend voll-
stândig (?), 0,266 hoch, 0,08 breit Sehr schlechtes Material.
y) Griech. Pap. des Kgl. Mus. 142. Sammlung kleiner Frag-
mente. Schlechtes Material. Frg. 142 K., Hohe 0,212 ist incomplet,
Breite 0,251 M. Nach der Klebung (0,079 M. vom linken Rande)
folgt eine 0,102 breite Schriftsâule , auf dièse ohne nachweisbare
Klebung ein mit Zeilenanfangen beschriebener Fetzen, 0,067 breit.
Ob Beides zusammengehôrt, ist ungewiss. — Daselbst ist Frg. 142 m.
bei incompleter Hohe 0,21 breit; grobe Klebung steht vom Rand
0 VgL W. A. Schmidt, Forschungen auf dem Gebiete des Alterthums L
Berl. 1842.
254 — ^® Buohsaîte. —
links 0,013. Bas ûbrige scheint eine 0,20 breite Selis, anf der
leerer Baum, Schriftcolumne, leerer Raum, Schrifty leerer Rauin,
Schiift sîcli abwechseln.
Fassen wir die so gefundenen Selidesmasse zusammen and stelleo
9ie mit den Ton Plinius gegebenen in Yergleichung. Die Selis hat im
Breite H8te
Mêler Meter
1. Papyrus C 0,285—0,292 0^
2. , y 0,266—0,282 0,20
3. „ fi (Tgl. •') 0,191—0,236 0,315
4. „ a 0,174-0,207 0,3S5
6. „ fi 0,176 0,863
6. „ e 0,162-0,171 0,305
7. „ * 0,144—0,15 0,3él
8. „ & 0,127—0,138 0,20
9. „ jy, Blattin 0,114 0,307
10. „ d 0,085—0,115 0,278
11. „ X 0,111 0,358
12. „ X (vgl. y) ♦0,097
18. „ fA ♦0,08 0,266.
Die Hohe schwankt also zwischen 0,20 und 0,36, ihr Minimalmass
Yerhâlt sich zu ihrem Maximalmass wie 4 zu 7. Die Breite hat die
yiel erheblichere Schwankung zwischen •OjOS und 0,292; ihr Minimum
verhâlt sich zu ihrem Maximum yielmehr wie 4 zu 14^1^ Die Mannig-
faltigkeit der Breite entspricht derjenigen, Ton der Plinius meldet
Wir ûnden fast fur aile Sorten bei Plinius hier Vertreter. Zur
charta Augusta (0,2403), der einstigen hieratica und regia, dem Papier
der âg3^tischen Priester und Kônige, gehoren die Yorzûglichen N. 1, 2
imd auch noch 3, z. Th. sogar der Claudia (0,296) sehr nahe kommend;
zu der spâter sogenannten hieratica (0,2033) die N. 4; zur Fanniana
(0,185) K 5, 6 und z. Th. N. 4; zur amphitheatrica (0,166) z. Tb.
N. 5; zur Saitica (0,148) N. 7; zur emporetica (0,11) die leUteû
Nummem 9 — 13; N. 8 exemplificirt uns die dazwischen stehende
Taeniotica.
Hierauf môge ein Verzeichniss von Massen sich anschliessen, ^*
ich den Publikationen ûber Pap3nru8fande entnehme, insbesond^"^
jaber die zu Paris („Pap. Paris.", Notices et extraits, XVIIX, 2, '^'*
Brunet de Presle, mit Facsim. in Folio), zu London („Pap. Brit
— Blattbreiten erhaltener PapyrL — 265
sscription of the Greek Papyri in the British Muséum, Part I,
mdon 1839), zu Turin („Pap. Ttirin.", vgl. Peyron, Pap. graeci,
irin 1826), zu Berlin (N. 19 und 47, Zauberpapyri éd. Parthey,
i)handl. d. Berl. Akadem. 1865 S. 109 S.), zu Leyden („Pap. Leyd.«,
semans, Pap. graeci Mus. Lugduni-BataYi, Leyden 1843) aufbewahrten.
anderen Publikationen wie von Leemans, Lettre à M. François
dTolini sur les monuments Egyptiens etc Leide 1833 S. 96, wo etwa
Q Dutzend hieratischer Papyri besprochen werden, oder A. Mai,
Le âgypt. Papyri der Yaticanischen Bibliothek, ûbersetzt Ton Bach-
ann, Leipz. 1827, erhalten wir gar keine Masse oder doch keine
reitenmasse. — Bis auf wenige Ausnahmen sind von unserem Yer-
ichniss principiell Papyri mit Columnentheilung ausgeschlossen
orden. Nur bei Opisthographen , wo auf Rûck- und Vorderseite
e Golunmen sich genau deckten (N. 45, 58), durfte solche Coiumne
r die Selis seibst genommen werden. Masse, die auf indirektem
^uss beruhen, sowie die nur approximativ richtigen kennzeichnet
a Asteriscus.
Brelte HQbe
Meter Meter
14. Pap. Paris. 25, Tfl. 27 (1 Col.; HObe incomplet) . 0,27 tïberO,28
16. Pap. Leyd. B (^pnlcberrimus"; 3 Coll.; Breite 0,73,
ursprûnglicb wohl 0,8) ♦0,27 0,33
16. Pap. Brit. M. XI (deaptb 13 i., breadtb lOVJ . . 0,26 0,33
17. Pmp. Paris. 20, Tfl. 23 (1 Coiumne, 43 lange ZeUen) 0,25 0,35
18. Pap. Hercul. (lai. £pos; éd. Neap. !P) . . . . 0,238 —
19. Pap. Beri. éd. Parthey N. II (lang 2 P. 11 Z., 4 Coll.) *0,228 0,31
20. Pap. Paris. 23, Tfl. 26 (BrouiUon sa Pap. Par. 22) 0,22 0,33
21. Pap. Brit. M. VI (deaptb 13 i., widtb l?»/*; in
2 Coll., also nnsicber) *0,22 0,33
22. Pap. Mariette (Egger. Rev. arcbéol. 23 S. 137) i) , «0,22 «0,20
23. Pap. Paris. 29, Tfl. 28 (1 Col.) 0,21 0,33
24. Pap. Paris. 4, Tfl. 12, Fragment, Masse des Facsim. *0,202 *0,215
^) Eins der drei Fragmente, die Egger 1869 Yon Mariette Bey erbielt
ri* Egger, Comple-renda de l'acad. des inscr. et belles lettres 1869 S. 141);
ift«lbe ist ein Brnchstûck in Form eines Vierecks von ca. 0,20 M. , zeig^
•<»11., Yon denen die linke durcb Tertikalen Riss balb lerstOrt, die recbte
r^^en mindestens zu swei Dritteln der Breite erbalten ist: 0,16 M.; ibre
^«te Zeile v. 3 bat incomplet 37 Bucbstaben, erg&nst 52; wenn 37 Bncb-
aof 0,16, so standen deren 52 auf 0,225 Breite.
266 — ^ie Buchseite. —
Breite HSbe
Mflter
25. Pap. Paris. 22, Tfl. 26 (Bittschrift; 1 Col. in langen
ZeUen) 0,20 0,82
26. Pap. Paris. 64, Tfl. 52 (2 Coll.; Klebang swîsehen
beiden im Facsim. aichtbar) 0,20 0,31
27. Pap. Paris. 42, Tfl. 32 (1 Col., Schrift l&uft paraUel
der Hôhe) 0,20 0,32
28. Pap. Paris. 17, Tfl. 21 (1 Col.; HOhe incomplet;
Schrift parallel der Hôhe) 0,20 *0,30
29. Pap. Paris. 19 bis, Tfl. 19 (1 Col; HOhe incomplet) 0,20 -
30-. Pap. Paris. 39, Tfl. 32 (1 Col.) 0,19 0,38
30»». Pap. Brit. M. XII (length I2V3 l, breadth 7»/,) . 0,19 0,318
31. Pap. Turin. I (10 CoU., je 0,196 breit?) .... — 0,315
32. Pap. Paris. 13, Tfl. 17 (Brief; 1 CoL) 0,18 0,80
33. Pap. Harris (Homer; vgl. S. 128; L&nge 3 engL Foss;
7 Coll.) . . '. «0,18 0,258
34. Pap. Brit. M. XllI (13 i. 1., 7 br.) 0,176 0,828
35. Pap. Leyd. D („8ati8 integer**; 1 CoL) .... 0,175 0,88
36. Pap. Paris. 28, Tfl. 28 (1 Col.; Hfihe incomplet 0,21) 0,17 -
37. Pap. Paris. 27, Tfl. 28 (1 Col. mit wachsenden ZeUen) 0,17 0,82
38. Pap. Leyd. K (crassior; structura rudior; color fuscus;
1 Col.) 0,17 0,38
39. Pap. Leyd. 0 (Jabricae rudioris''; 1 CoL; war gefaltet) 0,17 0,81
40. Pap. Brit. M. X (9 Z. br., 6V4 tief; Schrift l&uft l&ngs
der Hôhe) 0,17 0,228
41. Pap. Leyd. C („satis integer**; 1 Col.) 0,165 0,37
42. Pap. Brit. M. V (123/^ Z. lang, ô»/, breit) . . . 0,162 0,322
43. Pap. Paris. 65, Tfl. 43 (Brief, 1 Col.) 0,16 0,31
44. Pap. Turin. VII (1 CoL) 0,16 0,30
45. Pap. Paris. 56, Tfl. 37 (verso demotisch Col. III =
recto griechisch CoL I) 0,16 0,17 (?)
46. Pap. Paris. 12, Tfl. 17 (Brief; 1 CoL, Hôhe 0,22
unten incomplet) 0,16 —
47. Pap. Berl. éd. Parthey N. I (lang 2 F. 7 Z., 6 ColL) ♦0,16 0,34
48. Pap. Leyd. Ë (satis pulcher et tenuis; 2 folia, alterum
alteri affixum; zus. 0,31 breit) ♦0,155 0,33
49. Pap. Brit. M. XIV (13 Z. L, 6V2 br.) 0,154 0,328
50. Pap. Bankes. (Homer; L&nge „fero 8 ped. anglicos^,
in 16 Coll.) ^0,152 0,253
51. Pap. Paris. 59, Tfl. 36 (1 CoL; Hôhe incomplet 0,14) 0,15 -
52. Pap. Paris. 18, Tfl. 22 (Brief; 1 CoL; Hôhe incom-
plet; Schrift paraUel der Hôhe) 0,15 •0,21
— Blattbreiten erhaltener Papyri. — 267
Brdte Hdhe
Meter Meter
ip. Paris. Il, Tfl. 18 (OpÎBthogr.; l Col.; Breite
0,14 incomplet) — 0,31
ip. Brit, M. XVIII (I2V3 i. lang, 5% br.) . . . 0,145 0,316
ip. Paris. 65 bis. Tfl. 43 (1 Col.; HObe 0,26 in-
complet) 0,142 —
ip. Paris. 10, Tfl. 18 (1 Col; im Pacsim. 0,16 breit) 0,14 0,31
ip. Paris. 30, Tfl. 29 (1 Col.) 0,14 0,33
&p. Paris. 54 a. 52, Tfl. 35 (Opistbogr. Becto
Col. III = Verso Col. II) 0,137 0,20
ip. Turin. XI (1 Col.; HOhe incomplet) . , . . 0,137 *0,23
tp. Leyd. T (Notizen des Ptolemàos; structura satis
bona; 3 Coll., laufend l&ngs der HObe) . . . *0,135 *0,24
ip. Paris. 3 (Ilias B. XVIII), 1 Col *0,135 —
ip. Paris. 9, Tfl. 12 (1 Col.; Hôhe 0,26 incomplet) 0,13 —
&p. Turin. II (1 Col. Hôbe unten incomplet) . . 0,13 *0,32
ip. Turin. XII (1 Col.?) 0,126 0,32
ip. Turin. III (l Col.) 0,124 0,32
ip. Brit. M. (lengtb 12% i., breadth 4%) . . . 0,12 0,322
àp. Paris. 14, Tfl. 19 (1 Col.; Hôbe nicbt ganz
ToUstândig) 0,12 *0,30
»p. Paris. 46, Tfl. 34 (Brief; 1 Col.) 0,12 0,31
»p. Paris. 47, Tfl. 34 (Brief; 1 Col.) 0,12 0,33
»p. Paris. 7, Tfl. 17 (1 Col.) 0,12 0,23
»p. Paris. 49, Tfl. 34 (Brief; 1 Col.) 0,12 0,32
àp. Paris. 8, Tfl. 17 (1 Col.; HObe incomplet, Breite
fast complet) *0,12 —
àp. Leyd. A (1 Col.; Breite nicbt ganz complet) . 0,113 0,33
ip. Brit. M. (deaptb I2V3 i., breadtb 47,) . . . 0,112 0,315
ftp. Leyd. F (structura rudior ; textura crassier ; l Col.) 0,1 1 0,31
ip. Paris. 32, Tfl. 30 (1 Col.) 0,11 0,29
»p. Brit. M. XX (7 Va i. L, 4 br.; 3 CoU. zu je
etwa 4 BuchsUben) 0,10 0,19
ip. Brit. M. XIX (8Va i. L, 4 br.) 0,10 0,214
ip. Paris. 18 bis, Tfl. 22 (1 Col., im Facsim. 0,15 br.,
0,21 b.) 0,10 0,20
!ip. Turin. V ( 1 Col.) 0,10 0,32
ftp. Paris. 40, Tfl. 32 (Brief; 156 v. Cbr.; 1 Col.;
Hôbe 0,60; 2 Solides ûber einander?) . . . 0,09 (0,30?)
ap. Turin. VI (1 Col.) 0,09 0,32
ap. Leyd. D (folium secundum, fîiniculo maiori
alligatum) 0,09 0,33
»?
Bnto HSbfl
Mècer
Pkk. 3u n. ao <i gj.) o,06 0^4
ââ. P19W Pnt. 4S. TL s 1 Cd.; 5 ZailMi pwaU
4v Hlfe 0,06 0,30
SSl Pafw Pa». 4ft. n. » (1 GbL; Brirf; ZailMi Hags
éff Hlfe 0,06 0^
ST. Pa^L Pa». 4», n. » (1 GbL: Bmf; ZmImi Hags
éir Hïfe 0,06 0,33
8e. PafL Para. 4d. 11. M (Brirf; 1 GoL; îb FbeaÔB.
0.09 Ww 0,06 0,26
89. Pa^ BriL U. XXQ (i Cd.; 7l^ L wide, 3 deep;
Scfeift Uaft Iteft év H6W) 0,075 0,183
90. Pa^ Brk. M. XYD «9 L L, 3 W.) 0,075 0^
91. Pa^ Para. 58, TL 37 (1 CoL; HsW 0,14 ineomplet) 0,07
Hîem môgen Doch emîge Hôheninasse hinziigefagt weidea
solcher Papyri, derai Selîsbieîte far uns nichit eonstatirbar ist
Papyri der Yadcanischen Bibliothek (Nach Mu-BachmaDii; Schiift
meist hientisch), Tfl. I, H: 0,284 >); Rahmen I: 0,335; Rahmen H:
0,335; m: 0,335; VO D: 0,372; THI: 0,335; XI D: 0,242; ÏIB
(demotisch): 0,242; XH F: 0,35; XIV(hieroglyplii8ch): 0,298; XV C:
0,335. — Ang. Pap. sus der Mûratolischen Sammhing zu Berlin (Bott-
nuum, Abhdl. d. Berl. Akad. 1824 S. 89 £.): 0,3135. — Papyrus Musei
Borgiani (éd. Schow, Rom 1788 S. XXI): 0,2233. — Papyrus domus
Alterianae (Schow a. a. O. S. XXIV): 0,335. — Eaîserreskript (Vgl.
Massmann, libell. anrarios Lpz. 1840; de Wailly, Mém. de Tacad. d.
inscr. et b. 1. XV 1842 S. 399 f. Mommsen, Ztschr. f. deutsches
Eecht Bd. VI 404 f.): 0,303. — Pap. Leyd. S („8tructurae satds bonae»):
0,20. — Epitaph des Hyperides (éd. Babington) : 0,232. — Hyperides
(Demosth. Lycophr. Euxen.): 0,312. — Chrysipp nsgl àjfOfpafêxif
(Pap. Paris. N. 2): 0,206. — Pap. Paris. 69 (Tfl. 46): 0,318. — Marini,
Pap. diplomatici, N. 87 (S. 287): 0,33. — Ebenda N. 92: 0,31 (^
Facsim.). — Ebenda N. 102: 0,328 (im Facsim.). — In sâmmtliclien
Herculanensiscben Rollen griechischen Textes hâlt sich die HÔiie
constant zwischen 0,20 (Philodem éd. Oxon. Il S. 46 ff. Tfl. LVl) ond
^) Hieratisch. Beginnend mit drei ungleichen Schrifts&ulen sa 0,13; 0,10;
0,13 M. Breite, es folgen links Zeichnangen, die ganze Hôhe fïlllend, derea
Breite 0,515 M. betr>.
— Blattbreiten erhaltener Papyri. — 269
0,245 M. (adespot. éd. Neap. VIIP Tfl. 42—52; vgl. Demetrios, ibid.
YI*)^); darûber hinaus gingen anscheinend diejenigen mit lateinischem
Texte, wie die Fragmente yerrathen'); das gemeinsame Mass aber
veist auf die Herkunft jener RoUen aus einer Fabrik.
Die Begrûndung ist schon vorhin dafur gegeben worden, dass
nnser Yerzeichniss sicb der Papyri mit mehreren Golumnen princi-
piell enthâlt, mit Ausnahme solcher Fâlle, wo besondere Indizien
(N. 26, 45, 48, 58, 83) oder ûbrigens Wahrscheinlichkeit (N. 15, 19,
21, 22, 33, 47, 50, 60) dafur spricht, dass Columne und Selis zu-
sammenfalle. Dièse Enthaltung ist somit von den Hyperides- und
Endoxospapyri auch auf aile âhnlichen, insbesondere auch auf die
Hercolanensischen Rollen ausgedebnt Zur Ërgânzung und Contrôle
môgen hier einige Masse fur Colunmenbreite angereiht werden. Pap.
Paris. 62 (Tfl. 39—42), in 8 CoU. Hôhe 0,30, Breite Col. I (incomplet)
0,15, n 0,238, m 0,238, IV 0,249, V 0,241, VI 0,205 (incomplet),
Vn incomplet, Vm 0,25. — Pap. Paris. 15 (Tfl. 19 u. 10) in 3 Coll.,
Breite im Facsim.: I 0,23 M., Il 0,245, III 0,256. — Pap. Paris. 16
CM. 21) 2 Coll., I ^0,203, H 0,157 Breite im Facsim. — Pap. Paris. 26
^fl. 29) Hôhe im Facsim. 0,30, Breite Col. I 0,255, Il 0,14. —
Pap. Paris. 33 (Tfl. 30) Hôhe im Facsim. 0,31, Breite Col. I 0,217,
n 0,115. — Pap. Paris. 37 (Tfl. 31) Hôhe im Facsim. 0,31, Breite
Col. I 0,21, II 0,131. — Pap. Paris. 55 bis (Tfl. 38) Hôhe im Facsim.
0,30, Breite Col. I 0,255, H (incomplet) 0,16. — Pap. Paris. 60 bis
(Tfl. 38) Hôhe im Facsim. 0,33, Br. Col. I 0,155, Col. H 0,12, m
incomplet. — Pap. Paris. 61 (Tfl. 39) Hôhe 0,30, Br. im Facsim.
Cîol. I 0,24, n 0,18. — Pap. Paris. 67 (Tfl. 43) Br. im Facsim. Col. H
0,215, Col. I u. ffl incomplet. — Pap. Leyd. L, breit 0,28, in 2 Coll.,
jede etwa 0,14. — Pap. Paris. 66 (Tfl. 44) Hôhe 0,33, Br. im Facsim.
CîoL I incomplet, H 0,155, m 0,148, IV 0,167. — Pap. Par. 19 (Tfl. 22)
1) Bel £pikur, éd. Neap. VP S. 37 f. und abermals ibid. S. 82 f. iat die
Hôhe (0,175 n. 0,163) incomplet. Nach den photolithographiachen Tafeln ron
OomperU, HercoL Studien II (Leips. 1866) bat Pbilod. mçi iwfffitktç nnr
0,185 (Titelblatt) oder 0,17 M. (Tfl. 8); dieselbe BoUe bat éd. Neap. U^TfLlt
0,203 Hfibe.
*) Pap. Herc. N. 1475 fr. 5 bat, obscbon Fragment, 0,202 HObe, rgl.
ZangemeÎBter vu Wattenbacb Tfl. I.
270 — ^® Bnchseîte. —
2 Coll., jede im Facsim. 0,11. — Endlich hat der Papyrus des Alhnan
zu Paris (Tfl. 50) im Facsimile bei seinen kurzen Yerszeilen nor
0,098 Br. (Col. H, ebenso III).
Die Facsimilia der Herculanensisclien RoUen griechischen Textes,
Tor allem in der Neapler Ausgabe, fûhren die schmalen Schriftsâden
jede einzeln Yor mit zugehorigem Rande. Dass hier die natûiiiche
Grosse gegeben wird, ist nach der Anlage des Werkes Toraasznsetzen;
differîren davon die Oxforder Facsimilia, wie beim Demetrios m^
Tïïotfjfmtœv (Breite 0,095 M. éd. Oxon., 0,1005 éd. Neap.), so ist wohl
der Neapler Ausgabe zu folgen. Die Breite der SchriftsaiileD mit
leerem Rande, wie sie in ihr Torliegen, ist nun im Maximum sur
0,13 M. (einmal Vil» 81 £., fr. IX adespot.); darauf folgt 0,1265 (V*
176 f. Titel; Philodem), 0,121 (I« Tfl. 71 f. PhUodem; Titel), 0,1165
(VI» Titel; Demetrios), 0,116 (VI* Tfl. 1 f., Philodem), 0,112 (H*
S. 3; adespot. VIU^ Philodem), 0,11 (IX» Tfl. 1, PhUodem; V«S.156£
Col. XI). Viele halten sich zwischen 0,106 bis 0,90 *), viele «wischen
0,089 und 0,80 «), viele zwischen 0,079 und 0,70»). Noch schmâler
sind n* (Epikur Ttsgl (pva, B) 0,066; Pap. Ercol. inedito, pubL d*
Comparetti (Philodem) 0,0625 (Col. I— IV), oder 0,06 (Col. V-VM).
Bisweilen erscheint das Titel tragende EschatokoU breiter (I' Tfl. 71,
Philod. 0,121 gegen 0,098; H» 1 f. Philod. 0,094 gegen 0,081; VI*
») XI*, Philod.; V Tfl. 71 f. Col. VI, Philod.; ibid. S. 109 f., PhUod.;
IV 198 f., Philod.; V> 1 f.; VHP S. 121 — 126; X» S. 97; IV» S. 109 f.;
V> S. 36 ff., Philod.; VP 65 f., Col. VI, Epikur; ibid. S. 69 f., Col. IX, Epikorj
ibid. S. 92 f., Epikur; ibid. 8. 112 f., Kolot.; V» S. 22 f., Col. II, Chrysipp?
ibid. 182, Karneiskos; VIP 2f.; ibid. 41 f.; ibid. 140 f.; VIII 1—6; ibid. 42-52^
ibid. 63—67; ibid. 134—141; éd. Oxon. II, Philod. Rhetorik B. IV.
3) P 1 f. Philod.; ibid. Tfl. 16 f. Philod.; ibid. Tfl. 162 f. Col. VI; H^
Tfl. 1 ff., bes. Tfl. 101—122, Philod.; ibid. Tfl. 148 f.. Col. VI; IV» 1 f., TiteU=
Philod.; ibid. 42 f., Philod.; VP 1 f., Epikur; ibid. S. 8 f., Epikur; ibid. S.24I: .
Epikur; S. 106 f., Philod.; ibid. 127, Col. I; ibid. 150 f.; ibid. 189 f., CoLVfl
V» S. 196, Philo3trat; VIP 124; ibid. 157; ibid. 161; ibid. 186; ibid. 197
VHP 7f.; ibid. 26; ibid. 36; ibid. 58; ibid. 63; ibid. 76; ibid. 101; ibid. 108 -
ibid. 119; ibid. 127; ibid. 142 f.. Col. XIV; ibid. 179.
3) P, PhUod.; P Tfl. 93 f., Philod.; ibid. Tfl. 84; ibid. Tfl. 145 CoL K
Philod.; H> Tfl. 169, Philod.; HP 72 f., Philod.; ibid. 1 16 ff.; VP 67 f., Epikoc=«
ibid. 82 f., Epikur; V» 26 f.. Col. VH, Philod.; ibid. 77 f. Col. L, Philoc
Vn» 191—196; VHP 82—100; éd. Oxon. II S. 46f., CoL LVI.
— BUttbreiten erhaltener Papyri. — 271
>emetrios 0,116 gegen 0,094; V» 176 f., Phnod. 0,126 gegen 0,088;
V* 1 f. Philod. 0,085 gegen 0,078), bisweilen auch schmâler als die
brigen Columnen (V« 156 f. Philod. 0,098 gegen 0,11 Col. XI, 0,101
JoLXXU).
Betreffs der Herculanensischen RoUen mit lateinischem Prosatext
9t anzumerken, dass ihre Columnenbreite grôsser gewesen zu sein
cheint; facsimilirte Fragmente geben fur die nicht complète Breite
las MasB 0,144 und 0,15^).
Nocb sei der Casatiscbe Papyrus angefuhrt, Pap. Paris. 5 (Tfl.
13 — 16), bei dem die Nicbtachtung der Blattgrenzen in der Colum-
aenTertheilung am augenfalligsten ist. Seine Masse giebt St. Martin
[Joum. d. Sav. 1822 S. 555); er ist 8 Zoll = 0,205 M. hoch, 16 Va Fuss
= 5Meter lang; das Facsimile, erbeblich verkleinemd ') , zeigt non
Col. I 0,48 M. breit. Col. H 0,245, m 0,125, IV 0,08, V 0,07 u. s. f.
Blicken wir auf unser Yerzeichniss selbst zurûck. Was in diesen
Zahlen gesetzmâssig ist, ist nicht zu verkennen und bat unser Urtheil
principiell zu beeinflussen ^.
1) Zangemeister-Wattenbach Tfl. II N. 1 (Pap. N. 1067 fr. Il) und Tfl. I
Pap. y. 1475 fr. 5). Ëin anderes lateinisches Fragment, facsimilirt bei Humphry
Philos, transactions of the royal soc. of London 1871 S. 191 ff., Tfl. 16) ist
lyllô breit.
') Es verh< sich in der HOhe wie — zur natûrlichen Grosse.
' 17
') Besonders f&r folgende Masse w&re eine PrUfung des betr. Papyrus
fcii£ seine etwaige Composition hin ervQnscht; vorl&ufig sehen wir uns darauf
P^^^Uirt, eine solche fÛr ihn yorauszusetzen : Pap. Paris. 15 bis Tfl. 49, L&nge im
• «côm. 0,537, Breite 0,125. Vier Langzeilen laufen parallel der LAnge. Hier
^ ^tweder das Facsimile wie bei Pap. Paris. 5 verkleinert, oder es kann dies
**«k ans Bwei Solides bestehen, hoch 0,268, breit 0,125. — Pap. Leyd. H,
■*"^ctDrae multo rudioris", breit 0,305, hoch 0,32; Brief; 1 Col. mit langen
**^«H; kann Ewei Solides halten, hoch 0,32, breit 0,15. — Pap. Leyd. G,
^^t«irae pulcherrimae et satis tenuis^, breit 0,45, hoch 0,47; kônigliches Be-
''^Pt; 1 Col. mit sehr langen Zeilen; kônnen vier Solides sein, hoch 0,225,
•H 0,236 (Tgl. z. B. N. 1, 2, 22). — Pap. Paris. 51, Tfl. 35; 1 grosse Col.;
^*^ 0,31, hoch 0,38; kann zwei Solides halten, hoch 0,31, breit 0,19. —
't^* Paris. 21 bis Tfl. 47; 1 Col. mit sehr langen Zeilen: breit 0,41, hoch 0,35;
■^«^ zwei Solides halten, hoch 0,35, breit 0,205. — Pap. Paris. 21 ter Tfl. 48
**^o 599 p. Chr.), breit 0,35, hoch 0,58; 1 Col. Schrift lâuft lângs 0,36;
*^ scheint hier die Hôhe mehrerer yerbundener Selides (vgl. fi, Ç, 9f, ^). —
272 ~ ^® Bachaeite. —
Was zunachst die Seitenhôhe anbetrifft, so ist ihre Constanz
und ËinfÔrmigkeit augenHUlig; es giebt nur zwei yerschiedene
Hohenmasse; das eine hâlt sich zwischen 0,20 iind 0,25 (meist
zwischen 0,20 und 0,23), das andere zwischen 0,30 und 0,35 Meter
(meist zwischen 0,30 und 0,33). Je einmal erhalten wir abweichend
0,17; 0,18; 0,19; 0,26; 0,273; 0,28; 0,284; 0,29 Hôhe. So wenigc
Abweichungen dienen nur zur Yerdeutlichung der Regel ^).
Wâre nun dièse Dimension jene UUUudo, fur welche Plinins seine
Masse yerzeichnet, so wûrden wir Ton ail den geringeren Soiten
dièses Zeugen gar keine Reste erhalten haben, vielmehr wûrden lOe
0,20 — 0,25 hohen Papyri charta hieratica, Augusta oder Livia sein,
die Mehrzahl aber, die 0,30 — 0,35 hoch bt, wûrde sogar die ehaiti
Claudia noch ûberbieten I Dièse Claudia trat in ihrer Zeit aber ab
Neuerung auf, w&hrend sich nicht wenige unserer Beispiele weit tôt
des Claudius Zeit datiren.
Umgekehrt ergiebt sich f&r die Blattbreite eine grosse Yaiietit
Ihre Masse steigen Ton 0,07 bis 0,27 au^ und aile Uebergangsgrôssea
zwischen diesem Minimum und Maximum sind yertreten. Die UUUudo
beim Plinius hat aber das namliche Maximum und hat die nâmlichen
Uebergânge. Wir konnen unsere Beispiele auf die Plinianîschen
Papynissorten nach Massgabe der Blattbreite folgendermassen Te^
theilen :
Pap. Tarin. IV (éd. Peyron), hoch 0,30, breit 0,32; 1 CoL mit langen Zeilea;
kann swei Solides haltOD, hoch 0,32, breit 0,16. — Pap. Tarin. Xlil (^
Peyron), hoch 0,31, breit 0,29; 1 Col. mit langen Zeilen; kann swei SelidM
halten, hoch 0,31, breit 0,145. — Pap. Brit. M. XV, hoch 0,403, breit 0,213
(long 16, broad 87s ^Oî 1 ^<>1*> Opisthograph; kann awei Solides halten, hodi
0,201, breit 0,213. — Wenn in Weil's agyptischem Ânthologion (Blasa, Bk
Mas. 35, 74) die Hôhe nur 0,165 betr>, die L&nge des Oansen 1,08 in
7 Ck>lamnen, deren eine schm&ler als die ftbrigen, so kônnen dies etwa siebn
Solides halber Hôhe sein, jede durohschnittlich 0,154 breit; Weil's photogijrp*
tische Wiedergabe ist mir leider nicht sug&nglich. — Dem entsprechen solebe
Lappen wie Pap. Brit. M. VII, hoch 0,135, breit 0,08; ibid. VUI, hoch 0,12.
breit 0,12; ibid. XVI hoch 0,10, breit 0,05; ibid. XXX hoch 0,05, hreH0,04^
dies mftssen abgesohnittene Theile einer Selis sein.
^) Die Hôhenangabe f&r einen der Vaticanischen Papyri XII E bei
Bachmann: 0,149 mnss wohl vielmehr als Selisbreite gefaast werden. V
sonst noch S. 271 Note 3.
— BUttbreiten erbaltener Papyri. — 273
Charta hieratica (Augusta nebst Liyia), 0,2403 M.: N. 1. 2. 3.
14—21.
Charta tertu loci (hieratica), 0,2033 M.: N. 4. 22—29.
FanniaDa, 0,185 M.: N. 5. 6. 4 (z. Th.). 30—33.
amphitheatrica, 0,166 M.: N. 5 (z. Th.). 34—42.
Saitica, 0,148 M.: N. 7. 43—57.
Taeniotica, schmâler als die Torige, also etwa bis 0,12 M. herab-
gehend: N. 8. 58—72.
Die emporetica wird als letzte von Plinius auf 6 digiti oder 0,11
Breite angesetzt mit dem Hinzufûgen, auf ihr werde nicht mehr
geschrieben. Die Nummem 73 — 80 unseres Yerzeichnisses wiîrden
ihr indess in der That entsprechen, ja, N. 9 — 13. 81 — 91 eine Sorte
noch geringerer Breite als dièse schlechteste des Plinius reprâsen-
tîren. Hat Plinius betreffs der Unbrauchbarkeit der emporetica
ûbertrieben? Hat er ausserdem eine noch geringere Sorte ignorirt?
DieB wâre wohl denkbar. £s liegt aber nicht fem als zweite Môg-
hchkeit hier die Zuflucht zu einer leichten Correktur nehmen.
Yielleicht, dass Plinius fur die emporetica Z. 27 nicht sex, sondem
quattuor digiti (nicht YI, sondem lY) notirt hatte ; alsdann wâren zu
ihr Dur unsere letzten Beispiele N. 13. 84 — 91 zu rechnen, fur die
Taeniotica aber als durchschnittliche Breite 0,10 Meter anzusetzen,
80 dass wir auf dièse letztere auch noch die Nummem 9 — 12, 73 — 83
za beziehen hâtten.
Wie inmier man sich aber auch betreffs des Minimums der
SeHsbreite entscheide, der Hauptsatz muss in jedem Fall gelten
Ueiben, dass sich in den erhaltenen Papyri eben an ihr die Yer-
lehiedenheit der Qualitat des Schreibmaterials erkennen lasst, d. h.
dtts wir mit Plinius eine Mehrheit von Sorten an der latitudo plagu-
lonim zu unterscheiden haben.
So viel von der Blattbreite, mit der die Columnenbreite oft,
^^xin schon nicht immer nothwendig identisch war. Es erûbrigt uns
^'^ Bestimmung der Zeilengrossen und ihrer Schwankungen im
^p^rnisbuchwesen, welche von der Colunmenbreite beeinflusst sind.
Birt, BnehwMen. 18
274 — ^*® Bnchseito. —
Sollte nicbt etwa ûber Ellebungen hinweggeschrîeben werden, so
benStbigte fur Langzeilen eine Selis bester Sorte oder Makrokoll.
Allerdings liess sicb aucb in scbmalen Columnen durcb Yerengong
der Scbrift eine ^iel Bucbstaben baltende Zeile berstellen, wie dies
die griecbische Papyruscursive und aucb selbst die Unciale zu leisten
durcbaus im Stande war, und daber scbwankt bier oft auch bei
gleicber Breite die Bucbstabenzabl nicbt wenig; docb verlor dorch
80 enge Scbrift das Bucb notbwendig an Scbônbeit und Werth; es
wurde Gegenstand des 2U>ms und Aergers, wie wir ausdrûcklich im
Seneca lesen De ira II 26: (trasdmur tis quaé) sine sensu smtf u/
liber quem mmutiorilmê Uteris ecripiwm saepe proiecmus, So wûrde
Seneca die Herculanensischen RoUen fortgescbleudert baben. Die
lateiniscbe Bucbscbrift ersdieint in den Torliegenden Beispielen Her-
culaneum's als grosse sorgsam gemahe Majuakel und fullt breitspoiig
die ^ilen, wodureb die CohuBBcnbreite gesteigert wurde ^).
Dass Werke wiiklicli in der Hezameterzeile zu 32 — 41 Buch-
staben gf$cbrieben woniett. tst vit einigen Beispielen am Scbluss des
T\\n^n Kapitels sicber |!!iK«efiB wordcn. Im Folgenden soUen non
ia ^T(!v«$ep^r Anxabl Tersdwi&iitf Zetl^ngrôssen in ibrem Yerbaltiiiss
iu d^n Terscbiedenen Colxannmbreitai nsammengestellt werden,
wwraus sieb diejenige Blattbreâe- -«nCniebBieii lassen wird, die fur di&
Normalzeile àttn f Jtt^ratnii>T>cât^ nôdug war. Wir stellen dabei
iViTatskripturen vrimii, cl. b. sokàie Bei&pîele, die mit dem Scbreiber^
wesen der Litt4!rut,ijr nirJit» zu tbiïi bobea: dabei wird von solchei»^
Langzeilen ab^o»»«*li«tri, cjio ûber Ti«l^ Klebongen laufen, wie im Ca- —
satiscben Contraki, ïlo»»cn erste Zeil^ 137 Bucbstaben bâlt; docl^
konnten solclnt FHIIi, riiitbonutzt weid». wo die Zeilen lângs de^
Selisbôbo lauf.Mi (win l'ap. Paris. XYII). Bei der Zâblung der Bucb—
staben sind b<*H()iMJ<trM Zoilen mit Wortbrecbung am Ende gewâbl ^
worden, bei i\i>\m\ din Nothwendigkeit des Zeilenscblusses am deut=^-
licbsten ist.
*) Vgl. dio angofnhrton Rente lat. BoUen aas Hercalaneum bei Zangenm -
Wattenb. and boi Humphry.
- TerhftltoiaB der ZeQenljLiige i
1. Fap. Paria. XVII t. 17 u. 18 (ZeUen lADgi der Hflhe) lOS 0,30
S. Pap. Paria. XXI r. 6 (llDgB der Hshe) 91 0,26
5. Pip. Paria. XZ t. 2 u. 1 1 79 0,35
4. Pap. Paris. XXXXV t. 3 74 0,33
fi. Pap. TnriD. XIH t. 10 6» 0,29
6. Pap. Paris. XXXXIV t. 2 (Ungs der HShe) .... 67 0,38
7. Pap. Paris. XXI Ut, t. 24 (lings der HSbe) ... 63 0,3S
8. Pap. Lejd. 0, t. 4 (tod t. 9 ab kOnare Zeilea id 31—36) 61 0, 17
». Pap. greco-egis. éd. Pejron 1828 I t. 16 ... , 60 "0,26
10. Pap. ParU. XXXV t. 7 67 0,28
11. Pap. Paria. IXII T. 3 67 0,20
12. Pap, Paris. XV Col. I 1 (69), I 24 (5fl), U 34 (66),
III 69 (61) 65—69 0,23
18. Pap. Parie. LXl t. 2 56 0,42
14. Pap. Paria. XXVI Col. I, ». 1 o. 2 60—58 0,26
15. Pap. Leyd. B CoL II T. 10 u. 1 61—64 —
16. P^. Uariette éd. Egger 52 ■0,226
17. Kuaerreakripl v> Leyden-Paris (éd. do WaUly PL U);
Uaiimom 61 0,42
18. P*p. Paria. XXXXUl t. 2 (Iftogs der Hohe); ebeiuo
Pap. Paria. XXIXII 53 0,30
1». Pap. Paria. XXXIX ». 2 o. 14 46—60 0,19
90. Pap. Parii. XVIII t. 1 o. 8. 48—66 0,21
81. Pap. Paris. XVI Col. I 50 0,20
33. Pap. Paria. ÏXIX r. 14 n. 1 42—60 0,21
3S. Pap. Brit H. I r. 23 n. 9; ebeoao Brit. U. II Col. I . 40-56 0,205
84. Pap. PaH». Vil ». 2 46 0,12
SS. Pap. Paria. LXIl CoL II 4, lU 5 40—49 0,24
88. Pap. Paris. XXXIII CdL I t. 16 43 0,217
87. Pap. Torin, VII t. 1 ff. 43 0,16
S8. Pap. Brit. M. V T. 6 41 0,16
3». Pap. ParÎ8. XXv ». Il (aosserdem 4 Zenen am Band
«D 20 Bqcbst. (t. 2) 40 0,27
sa Pap. Brit. M. XlV T. 6 u. 3 u. s. £ (dut T. 1 hat 28) 36—44 0,164
81. Pap. Paris. XXVU t. 18 — 25 (t. 1 — 17 ùnd «twas
kftner) 37—43 0,17
32. Pap. Paris. XXUI t. 28 d. 12 (t. T bat 38 mit Wort-
brechnag) 3T— 43 0,32
88. Pap. Lejd. B Col. UI t. 4 o. l 38—40 —
84. Pap. Paris. XXXVII CoL I t. U n. 19 38—40 0,21
35. Pap. Paru. XI ». 12 u. s. f. 39 0,14
18*
276 ~ ^î® Baehsette. —
Boehgt.
_ « CoL-Br.
pro Zefle
36. Pap. Paris. XXXIV t. 1 n. 17 38—39 0^
37. Pap. Pari». XLVI t. 11—23 (t. 1—10 etwas kûrier) . 37—38 0,12
38. Pap. Turin. II t. 27—43 (t. 1—26 etwas kûrier) . . 36—39 0,13
39. Pap. Brit. M. XII t. 2 n. 4 a. s. f. 35—39 0,19
40. Pap. Brit. M. XIII t. 1 n. 9 n. s. f. 35—38 0,176
41. Pap. Paris. X t. 4 u. 3 (t. 1: 35; 9: 35; 8: 33; 7: 37) 31—42 0,14
42. Pap. Paris. XIX bis, t. 1 u. 1 1 (M. 19) 35—40 0;20
43. Pap. Paris. LI t. 5 u. 25 (breiter Rand reehta) Trsnm
des Ptolemaeos, 160 t. Cbr 31—43 0,31
44. Pap. Beri. éd. W. A. Scbmidt N. I (oben S. 263) . . 33—38 0,15
45. Pap.Brit.M.XVIIIy.21u.f.(y.l— 20sindetwa8kaner) 32—38 0,145
46. Pap. Paris. LXV v. 9 u. 15 29—43 0,16
47. Pap. Paris. LXIV CoL II v. 40 o. 35 (rgL I t. 6: 87;
17: 34; n27: 38Budi8t.) 29—41 0,202
48. Pap. Brit. M. XV t. 3 u. 4 u. s. f. (nur t. 1 bat 29) . 33—37 0,213
49. Pap. Paris. LXIX CoL Ul, nicbt tmter 35 Bucbst.;
Breitenmass incomplet *35 *0,09
50. Pap. Tarin. III t. 41 (Maximum) 37 0,125
61. Pap. Leyd. C T. 8u. U 32—34 0,165
52. Pap. Paris. XIV t. 3 u. 1 u. s. f. 30—36 0,12
53. Pap. Brit. M. XI v. 2 u. 1 29—35 0,26
54. Pap. Paris.XIIIy. 18u. 29(aucb30, 32, 33,36Bueh8t.) 28—37 0,18
55. Pap. Paris. LIX t. 2 u. 4 u. s. f. 30—34 0,16
56. Pap. Leyd. E foL II v. 5 u. 23 27—36 *0,155
57. Pap. Paris. XIX (Tfl. 22) 2 Ck>lL y. 4 (Maximum) . . 32 0,11
58. Pap. Paris. XXVI Col. II v. 4 u. 2 28—32 0,14
69. Pap. Paris. IL t. 13 u. 18 28—31 0,12
60. Pap. Paris. XII t. 7 u. 3 28—31 0,16
61. Pap. Paris. XXX v. 1 u. 6 26—31 0,14
62. Pap. Paria. IX v. 17 u. 9 (ygl. Pap. Leyd. A, der oben
0,113 breit 26—29 0,18
63. Pap. Paris. VIII v. 3 u. 19 26—28 0,12
64. Pap. Paris. LV Col. I t. 7 29 0,255
65. Pap. Paris. LV Col. II v. 27 27 0,16
66. Pap. Paris. LXVI Col. Il v. 23, IV v. 62 25—30 0,16
67. Pap. Beri. éd. Scbmidt K. II (oben S. 263) .... 24—29 0,11
68. Pap. Paris. XXXVII Col. II v. 40 u. 43 21—28 0,131
69. Pap. Turin. VI t. 9 23 0,09
70. Pap. Paris. LUI Col. lU 36, I 14 20—24 0,10
71. Pap. Paris. LX bis Col. I v. 16 u. 13 22—24 0,155
72. Pap. Turin. V t. 8 21 0,10
— VerhAltikiss der Zeilenl&ng^ sur Blattbreite. — 277
„ „ OoU-Br.
pro Zeile
78. Pap. Paris. XL VII t. 2 19 0,12
74. Pap. Paris. XVIII bis v. 1 u. 9 19 0,10
75. Pap. Leyd. Q t. 2 u. 3 17 0.075
76. Pap. Brit. Mus. IX t. 10 17 0,10
77. Pap. Paris. XLVHI v. 6 u. 8 16—18 0,08
78. Pap. Paris. XXXI v. 1 u. 6 14—17 0,08
79. Pap. Paris. XL V. 1, 16 u. 48 11 — 18 0,09
80. Pap. Paris. XXXII y. 13 u. 17 (t. 2 etwas grOsser) 13 0,11
81. Pap. Brit. Mus. XVI 11—14 0,06
82. Pap. Paris. LVIII v. 4 12 0,07
83. Pap. Turin. XII 11 0,126 (!)
Unter 83 Beispielen sind es also etwa 23, welche sich in den
Grenzen der Normalzeile bewegen: N. 28 — 50. Die dafor benôthigte
Columnenbreite erstreckt sich von dem Minimum 0,12 (N. 37) bis
m 0,27 (N. 29), ja 0,31 (N. 43), und zwar entfallen sieben Beispiele
anf eine Breite ûber 0,199 M., sieben auf eine Breite zwischen 0,149
bis 0,199, sieben auf die Breite zwischen 0,125 und 0,149, wâhrend
N. 33 und 49 ungewisser Breite sind.
Oefters weist ein und derselbe Papyrus Colunmen verschiedener
Breite auf (s. N. 14; 58. 15; 33. 34; 68. 64; 65). Dafôr ist Pap.
Leyd. S ein weiteres bemerkenswertbes Beispiel, in welchem die
2eilen der CoL I 46 Buchstaben erreichen (v. 13), Col. Il v. 4 da-
^egen 24 hâlt. Col. UI v. 32 vielmehr 37, womit CoL IV ûberein-
itimmt, CoL V v. 13 mit 43, CoL VI v. 13 u. 17 mit 25 Buchstaben er-
icheint. In CoL I, III, IV, V herrscht also wenigstens die Normabeile.
Was Yfir bisher zusammenstellten, gehôrt keiner Vervielfaltigung
ind Edition an; es sind Priyatskripturen, Briefe, kônigliche Re-
ikripte, Eaufcontrakte, Bittschriften, Contos, Circulare. Sie stammen
sntweder von der Hand desjenigen, in dessen Grabe sie gefunden
nnd, oder sind doch mit Bezug auf ihn allein aufgesetzt; iyg, ôh'
ilàov finden wir ausdrucklich subskribirt Pap. Paris. 21. Doch ist
anch Anderes zu den Todten in's Grab gelegt worden, was littera-
nschem Inhalt sehr yiel nâher kommt. Dahin gehoren Traum-
erzâhlungen wie die in N. 43 imserer Tabelle; so wie dieser
Papyrus hat auch der Traum des Nektanebos, Pap. Leyd. U (ge-
funden in Memphis) die Normalzeile: CoL II mit 31 (v. 9) bis 40 (y. 3)
278 — ^"« Buchseito. —
Buchstaben, Col. UI mit 32 (v. 5) Col. IV mit 31 (v. 8) bis 38 (t. 17),
Col. y entspricht der Col. lY. Indess sind auch dièse Somnia noch
nicbt Gegenstânde der Edition gewesen. Hieran reihen ^wir die Ber-
liner Zauberpapyri (éd. Parthey). Der erste derselben hatduich-
scbnittlicb 43 — 49 Bucbstaben p. Z. (Col. I u. IV), docb nachdem
die Prosa Col. IV fin. durcb Poésie unterbrocben ist, yerringert sich
die Prosazeile gleicbfalls auf Hexameterlânge Ton 29 — 36 Buchst,
welcbe in Col. V berrscbt. Der zweite dieser Papyri bat Col. I u. H
(bis zum y. 80) sogar 57 — 64 Bucbst. p. Z. ; dagegen ist Col. IT
(von V. 161 ab) in der Normalzeile von 35 — 44 Bucbst (v. 163
u. 122) gesebrieben, vielleicbt -wiederum in Anlass der auf Col Q
eingesebobenen Poésie ; die Zeilen der Col. IV sind also balb se laog
als die auf Col. I u. Il und lassen recbts betrâcbtlicbes Spatiom.
Besonders auffallig ist ein Fragment rbetoriscben Inbalts, edirt
von Egger (Mém. d'bistoire anc. et de pbilol. S. 175 £), dessen Masse
nicbt vorliegen, das aber Langzeilen von 71 (Col. Il v. 20) oder 75
(v. 25) oder gar 96 (v. 5 ff.) Bucbst aufweist. Auf jeder Seiie
steben 44 Zeilen. Es scbeint dies das Scblussstûck eines Volumens^).
Entweder ist es ein Autograpb oder Brouillon, nacb Egger S. 176,
oder ein nacblâssig gefertigtes Apograpbum *). Das Stûck giebt
also wiederum scbwerlicb von dem Bucb des Bucbbandels eine As*
scbauung.
') Ygl. den viel breiteren Band rechts der letzten Col., y. 4 — 11; Eggw
S. 187 N. 1.
') Egger's Indizien sind: 1. die Abkûrsungen der Participia auf fiér9Ç
und des xai; 2. eine Correktur durch Tilgen and Ueberschreiben (t. 19);
3. zweimalige Nachtragungen ftber der Linie. — L'écriture est d'ane ampkv
inégale et pleine d'abréviations capricieuses (S. 181 N.), daher schwer lesbtf.
Acconte und Interpunktion fehlen; von t. 5 ab andere Schrifi (oder andere
Feder). ▼. 42 ist xai dittographirt. Die Orthographie illustirt fù t fit
ixiy(ûy, ïnmirov, fÀfvqofÀtvovç» — DaftLr, dass dies eine Abschrift sei» sprielit
dagegen die Corruptel v. 22 ^v t^ aça ^y statt ^y nç âça ^i. Egger ver-
muthet, es sei dies eine eingelegte Kede in einem Historiker, abgefasst lùx^^
lange vor der augusteischen Zeit. Der attische Flottenf&hrer heisst correkt
noch OTça'njyôç und nicht yavoQ^oç, — Auf den Hiat ist gar nicht Acht g«-
geben, v. 14 avTJ Inofjtiyoç, v. 36 kôyoè tvTvx<àç< ▼• 9 ist oï /«»^mjto* hi^
Tivûfiiyoà verschrieben oder verlesen ftïr icTçanvfÀéyoi,
— Yerh<niss der Zeilenl&nge zur Blattbreite. — 279
Betrachten wir, was sonst sicli an litterarîschem Gut in âgyp-
chen Grâbem geborgen hat. Yoranstehen hier die Homerpapyri;
! weisen die Normalzeile selbstyerstândlich au^ und zwar auf einer
«ite Yon etwa 0,18 und 0,152 M. (vgl. N. 33 u. 50 unseres ersten
^gisters).
Die Prosa bietet meist kûrzere Zeilen. Drei Seiten aus dem
9Ç JSsxovvdov ifiXoaôifOV anf einem Petersburger Fetzen (publicirt
n Tischendorf, traktirt von Sauppe, Philol. XVU S. 150), haben
—26 Buchst. p. Z. (Col. m sogar nur 18—20).
Besonders kurzzeilig ist des Hyperides Lycophronea und £u-
nippea, zu nur 12 (Col. XVm) bis 17 (Col. III) Buchst. p. Z. auf
ler Breite, die bei den Herculanensischen Rollen deren 24 trâgt.
er ist Papier verschwendet, der Eindruck ist ein gefalliger.
Macht schon dies den Eindruck des Willkûrlichen, so gilt dies
ch mehr von dem Epitaphios desselben Hyperides. Er ist un-
ientlich geschrieben, mit moglichster Ausnutzung des Raums. Um
t dem Raum auszureichen, stellte der Schreiber erstlich die Zeilen
mer enger (erst sind es je 33, hemach mehren sie sich zu 38,
, 39, 43, 40, 44, 42, 44, 44 per Col.), zweitens mehrt sich der
ichstabengehalt der Zeile bis Col. X: so hat Col. Il hôchstens
Buchst. (v. 15), Col. m bis 19 (v. 11), IV u. V bis 20, YI bis 24
35 f.), ja 26 (v. 33), Col. VH! u. IX bis 27, X bis 30 u. 31 (v. 26
34); dann werden Col. XI — XI Y wieder viel schmâler; aber auf
I. XI selbst vergrossem sich die Zeilen wieder so, dass v. 1 — 33
18 Buchst. halten, worauf 20 (v. 35), 25 (v. 38), 24 (v. 41), 22
43) folgen.
Die Schrift ûber die Juden (Pap. Paris. 68) hat 30 (A v. 8)
er 23 (E y. 8) Buchst. p. Z., die Eudoxosschrift (Pap. Paris. 1
ïto) zwischen 22 und 31 (y. 274 u. 52; aile Colunmen sind gleich-
irk; y. 44 mit 19 ist Satzschluss) , Chrysipp Tuql àno(pauxAv
ap. Paris. Il, S. 80)^) sogar nur 16 — 20. Hierbei ist wichtig, dass
i breiteren Colunmen auf der Rûckseite des Eudoxos (Pap. Paris. 63)
merkenswerther Weise wirklich Normalzeilen tragen: Col. I 8:
. Col. II 10: 34. m 4: 36. IV 6: 35. V 8: 37. YI 2: 42. VE 4: 37.
n 8: 34 (andere Schrift). IX 3: 34 (dito); Col. X Senare (ûber sie
1) Ygl. Bergk De Chr. libris n, ânotpar, Caasel 184h
280 — ^î« Bodueite. —
TgL S. 161), XI 7 : 38 ; yielleicht entsprechen hier die Grenzen nicht der
oberen, sondem yielmehr dieser unteren Golumnen den Selides derRoUe.
Wen haben wir uns als Yerfertiger dieser âgyptischen Ezemplare
zu denken? Die Antwort wird wo môglich zugleich mit erklâren
mûssen, wanim die Bûcher eben bei dem Todten im Grab zu liegen
f&r wûrdig gefunden wurden. Es ist zweierlei denkbar. Ëntwedor
es war nur immer der Lieblingsautor, Ton welchem den Todten ein
im Buchhandel erworbenes Exemplar, aUenfalls sein Handexemplsr
begleiten musste. Oder aber die Exemplare sind yiehnehr als yon
ihm selbst geschrieben zu denken, and um dieser EntBtehuDg
willen, auf die der Todte Liebe und Eunst yerwendet hatte, Ter-
dienten sie ihm das Geleit zur Unterwelt zu geben. War letzteres
der Fall, so liesse sich damit sehr wohl in Zusammenhang bringen,
dass auch ein Schrifbsteller wie Properz, dièse Gewohnheit gewisser-
massen steigemd und ûberbietend, bei seiner Bestattung Tor Proser-
pina mit seinen selbst yerfassten Bûchem hintritt (ygl. Kap. YIII).
Nicht Aegypten, sondem Herculaneum liefert uns fur das Prosft-
buch in Normalzeilen ein Beispiel. Dièses Beispiel ist am Schioss
des Yorigen Eapitels im Zusammenhang mit anderen Zeugnissen for
dièse Schriftzeile aufgefuhrt worden (S. 216). Die Zeile steht daselbst
auf der geringen Breite 0,1 16. Das lateinische Epos (erstes Yerz. N. 18)
zeigt den Hexameter (der hier bis zu 46 Buchst. anwâchst) dagegen
in schoner Majuskel auf 0,234 Breite.
Die ûbrigen Rollen desselben Fundortes halten sich meist zwiscben
20 u. 26 Buchst. p. Z., selten sich steigemd bis zu 32 (Philod. m^
&Bâv, éd. Neap. V« S. 153 ff. Col. XII) auf 0,11 M. Breite.
Es stellt sich abermals betreffs dieser Herculanensischen Buch-
sammlimg die Frage: entstammt sie dem Buchiaden? Oder sind
es Privât abschriften, die der Besitzer selbst oder mit Hûlfe der
Sklaven anfertigte?
So viel steht fest und ist schon frûher gesagt (oben S. 191)^
dass dièse Abschriften als solche geringwerthig sind. Wir fugen>
hinzu, dass sie z. Th. auch augenscheinlich nicht einer Originaledition^
angehôren; dies wird durch den Doppeltitel des Polystratos erwiesen^
(vgl. éd. Neap. FV*)'): noXvfSxqàxov Ilsql àXôyov xatafpQoy^tremç'"
1) VgL Gompertz, Hermès XI 399 ff.
— Privatabschriften litterarischer Werke. — 281
è i7ayQd(pov(r&y' IIqoç tovç àXôycûç xava&QaavvofJtévovç xâv
loJJioïç do^a^Ofkéycûy. Es gab also schon zwei yerscbiedene
^aben, mit deren beider Eenntniss dièses erhaltene Exemplar
tigt WTirde.
Eines der Exemplare giebt sicb nun sicber als Privatabscbrift.
Bolle der Pbilodemiscben Rbetorik verbindet mit der Angabe
Blattzahl, wie S. 190 bemerkt wurde, die Subskription noastôûv
»ç %ov Blrooyoç. Dass sicb der Scbreiber nennt, war sonst erst
dem Mittelalter zu belegen (zuerst im Bodleianus des Plato).
avtoç ist nun sebr erwâgenswertb; es bedeutet ^eigenbândig^,
; also offenbar dièse Rolle zu anderen in Gegensatz, die durcb
3nde Hânde bescbafFt wurden. Man ist also darauf gefubrt unter
on Poséidon den Besitzer aucb der ûbrigen Bûcber und also der
en Bibliothek zu vermuthen. Man wolle dafiir das avroç der
hmten Subskription des Pamphilos unter dem Titusbrief ver-
ben, welcbe sicb in den Pariser Fragmenten der Paulusbriefe
Atbos befindet: ro iv KauSaqia àvtiyQaqiOV t^ç ^t^hod-rpcfiç
ayiov Uafi^iXoVj X^^Q^^ yeygafjbfjbévov ai toi. Das x^^Q^
w bedeutet so yiel wie das tiq ifjblq X^^Q^^ ^® ^^ Paulus selbst
seine Briefe notirte 1 Cor. 16, 20; Coloss. 4, 18; 2 Tbessal. 2, 2.
t, 6, IP). Die Liebhaberei reicber Leute, Bûcher „selbst" zu
siben, ist nicht unbekannt; das bedeutendste Beispiel ist bierfîir
eicbt der Kaiser Theodosius fiipXtoyQccfpoç. Hatte nun der
iotheksbesitzer Pampbilos das Bibelexemplar selbst geschrieben,
ird man auf die Mutbmassung gefubrt werden, dass jener selbst-
eibende Iloceidùùv zov Bltoùyoç aucb der Bibliotbeksbesitzer zu
snlaneum gewesen sei — und also dann gar aucb der Hausbe-
T jener reicben Villa*). Oder giebt es einen anderen Weg, dièse
ïcription zu erklâren*)?
1) VgL Gardthausen, 6r. Palaeogr. S. 298, 374, 305.
*) Der Ëigenname Jloanâœy ist bekannt JfQr Vasenmaler (R. Bochette
); Canin. Vas. N. 1614); ein Ephebe ^lovltavoç UoCHâdv ans Berrhoea
leint Inscr. gr. II 1957, 6 (add.), nach Bôckh im Jahre 65 n. Chr. Der
inlanenser Poséidon mûsste ein Grieche, vielleicht ein wohlhabender Liberté
Men sein.
') Es liesse sicb sonst etwa annebmen, ein Bibliopole dièses JSamens
282 — I^î® Bachseite. —
Hier sei erionert, dass die Privatabschrift im Alterthum der
Buchverbreitung durch Untemehmer yiel mehr als heutzutage Con-
currenz machte. So wie sich ein solcher Untemehmer schreibfertige
Sklaven in Masse bîelt, konnte dies in geringerem Unifang auck
jedweder Wohlhabende. Derselbe brauchte sich alsdann nur leihweise
eine Yorlage zu verschaffen, um selbst, wo nicht durch eigene Hand,
mit Hûlfe des Copisten in den Besitz des Werkes zu kommeD.
Wenn hemach im Codexbuchwesen die Buchyerbreitung h&t aus-
schliesslich der Privatabschrift zufiel, so hat dies hierin seine Yor-
bereitung. Câsar hielt sich mindestens sieben librarii, denen er
gleichzeitig diktirte (Gic. pro Sulla 14 f.). Cicero scheint anfuigs
wie Atticus deren viele besessen zu haben; denn sein Bruder Quintos
konnte sich im Jahre 58 y. Chr. mit der Bitte an ihn wenden, die
Emendation und die Edition seiner Annales zu ûbernebmeo (ad
Att. II 16, 4). Spâter ist Cicero indess zu ediren nicht mehr im
Stande; seine eigenen Concepte mûssen zum Atticus wandern; er
lâsst 44 Y. Chr. nicht einmal zwei Abschriften, sondem nur ein Hand-
exemplar des Werkes De finibus durch die eigenen librarii ll«^
stellen {tantam obérât ut binos scriberent, vix singuloa con/ecerunt ad
Att. Xm 21, 5).
Lehrreich ist femer, dass Cicero^s Sohn sich 44 y. Chr. griechische
Hjpomnemata eigenhandig abschreibt; doch kostet ihn dies zu
Yiel Zeit und Miihe und er erbittet sich darum einen griechischen
Schreiber Yon Tiro : ^96fo a te ut quam celerrime mihi Ubrarius TwWafttf",
maxime quidem graecus : muUum miM enim eripitùr operae in exêcribenàù
hyjwmnemaUs (ad fam. XVI 21 fin.).
Cicero selbst lâsst sich Yom Atticus Biïcher kommen, nimint
Abschrift Yon ihnen und schickt sie dann nach erreichtem Zweck
zuriick, describo et remitto (ad Att. II 20 fin.).
So bringt femer Cicero in Erfahrung, dass sich Balbus das
fûnfte Buch De finibus nach einem Atticianischen Exemplar ab-
schreibe; Cicero ermahnt den Atticus, wenigstens die ûbrigen îier
Bûcher des Werkes noch nicht herzugeben; denn es sei noch keine
habe so durch Unterschrifl kundgegeben, dass dies Exemplar ausnahmsireiM
Dicht durch seine Sklayenschaft, sondern durch ihn selbst angefertigt worden seL
— PriTatabschriften litterarùchei Werke. — 283
>rrektar gelesen, und Brutus dûrfe das Werk, das ihm dedicîrt
arden soll, nicht schon vorher (durch Balbus) kennen lemen: tu
mmode feceris si rdiquos retinueris ne et àô^ÔQ&oava habeat BcUbtts et
»2a Brutus (ad Att. Xm 21^4 f.)^).
Endlich komint Cicero betreffs des Caerellia auf den Verdacht,
8chreibe sich das Werk De finihus nach Ezemplaren des Atticus
: describit a tuis. Jedenfalls befinde sich Caerellia im Besitz des
erkes, und Ton seinen eigenen librarii constatirt Cicero, sie kônnten
m dazu nicht verholfen haben; aiso thaten es die des Atticus (ad
t. xm 21, 5; bestatigt Xm 22, 2 f.).
In welchen Grenzen sich die Concurrenz der hiermit in einigen
sispielen nachgewiesenen Privatabschrift mit dem Buchhandel ge-
Iten habe, lâsst sich nicht mehr bestimmen. Fur die Herculanen-
ichen Rollen ist als Môglichkeit geltend zu machen, dass auch sie
XVL gehôren.
Fassen wir unsere Beobachtungen endlich zusammen. Die Nor-
dzeile wurde oft wirklich geschrieben, sehr oft vertraten sie andere
tilengrôssen. Wir werden yielleicht annehmen dûrfen, dass die
>rmalzeile fur solche Originalausgaben, wie es die Atticianischen
s Cicero waren, meistens in Anwendung kam. Fiir Cicero^s Yon
(conius benutzte Reden steht dies jedenfalls sicher (oben S. 212).
Fur solche Zeile genûgten aber allenfalls Selides Yon 0,12 M.
'eite, doch erscheint bei ihnen die Breite meistens nicht unter
149 M.
Nach unserer Vermuthung sagte nun Plinius Yon der 0,148
eiten charta Saitica ans, dass sie fur das sogenannte MakrokoU
ûït mehr genûge (nec macrocolUo sufficit Z. 26). Ist dies richtig,
galten fur Plinius aile Yoraufliegenden Sorten, die Claudia, Augusta,
Yia, Fanniana und amphitheatrica als MakrokoU, imd der Begriff
8 MakrokoU hub bei 0,166 M. Breite an. Das heisst: die Normal-
ité war besonders dem MakrokoU Yorbehalten oder der
urne MakrokoU denjenigen Selides, die Normalzeile zu
agen im Stande waren.
/?
>) Vgl. XIII 22, 3: tantum nolebam aut obsoktum Bruto aut Balbo m-
Xitum dari-
284 — ^^® Buchseite. —
Wurde bel RoUen aus Makrokoll trotzdem in abweichenden
Zeilenlângen geschrieben, so Hess sich die Summe der Normalzeilen
der Rolle auch dann sehr gut berechnen, namlich nach der Zahl der
Solides selbst, deren jede ja in ihr eine stândige Somme von Normal-
zeilen zu tragen pflegte.
Es stimmt also sehr gut zu einander, wenn wir einerseits beim
Asconius Cicero^s Reden in Normalzeilen geschrieben finden imd
wenn andererseits folgende Stellen aus dem Briefwechsel mit seioem
Yerleger Atticus ausdrûcklich lehren, dass Cicero seine SchrifteD auf
Makrokoll ediren liess. So schreibt er XTTT 25 betreffis seiner
Academica ad Yarronem: „ich bleibe dabei, dass Yarro der Adressât
dièses Werkes sein soll, wenngleich er vielleicht mit der Partie, die
er selbst in diesem Dialog spielt, nicht zufirieden sein wird. Aber
dennoch yerzweifle ich nicht daran, dass das Werk ibm gefalle. Und
weil wir (Atticus und Cicero) die Auslage fur das Makrokoll einmal
gemacht haben, so wurde ich sehr zufrieden sein, wenn daran auch
Yon dir festgehalten wird^^). Also die Rollen mit breiten Selides
sind schon zum Theil in derjenigen Fassung des Dialogs beschrieben,
in der Yarro Mitunterredner ist, und wollte Cicero Yarro's Unter-
rednerschaft jetzt noch an den Brutus iîbertragen, mûsste nenes
Makrokoll gekauft werden.
Aber auch noch von einer anderen Schrift Cicero's lesen ^,
dass Atticus das zugesandte Archetypon derselben auf Makrokoll
umschreiben lassen soll: ad Att. XYI 3.
Der àoidiihoç ^AtTêxôç besorgte die YervielfiLltigung aifv im-
fifsXeiqc zfi noi(Sfi\ Lukian weiss nur noch den Kalligraphen Eailinos
daneben zu nennen (adv. indoct. 1 u. 24). Seine Abschriffcen zeich-
neten sich, wie Schneidewin ') richtig gesagt hat, garuicht als Textes-
recensionen aus, sondern lediglich durch die Treue und Sauber-
keit, mit der die (gute oder schlechte) Yorlage copirt wurde*),
*) Die Worte sind schwer: sed tamen ego non despero probatm ^
Varroni: et id^ quoniam impensam fecimus in macrocolkUf facile patior teneni
man construire und erg^nze zugleich : facile patior vel gaudebo id a te teneffi
qtiod dixi probatum iri Varroni,
2) Schneidewin Philol. III S. 126.
') Harpokration 79, 24 giebt eine dirri yçatfji aus den Atticiana àet
— Normalezemplare. — 285
NÎT fugen hinzu, durch die ansehnlichen Lettern und die Giite des
Papiers.
Wir sind hiemit zu dem Begriff des Normalexemplares ge-
angt. Als Normalexemplare erschienen im Buchhaudel, wie Cicero's
^erke, so wohl auch aile ûbrigen Texteseditionen, die des Atticus
)ffîcin lieferte, die ^AttêXMvà àptiyçafpa eises Plato (angefuhrt Yon
Salen^)), eines Demosthenes ^ u. a. m. Nicht anders ist der Thuky-
[ides, den Dionys benutzte, zu denken, und von jedem berûhmten
lutor, auf den das Alterthum Werth legte, werden solcbe beste
losgaben unbedingt bestanden haben.
Sie hatten Normalzeilengrôsse und MakrokoU und beherrschten
Js massgebend das ganze Prosabuchwesen, so dass, indem der
ttichometrische Usus durch die langen Zeiten unyerândert in Uebung
»lieb, auch der Begriff des Stichos selbst sich in ihnen trotz aller
ifannigfaltigkeit der Schreibgewohnheit unyerândert bewahren konnte.
Dièse normalen oder besten Ausgaben waren bei neuen Autoren,
«ie Cicero, mit der Origlnalausgabe, bei alten begehrten, aber yer-
priffenen Autoren dagegen mit der Neuausgabe identisch, welcher
lich ein Grammatiker oder sonstiger litterarischer Entrepreneur unter-
sog. Wâhrend Mancher sich geringere Abschriften durch seine Haus-
(klaven herstellen liess, werden wir uns gewiss Mânner wie Pomponius
Secundus, Litteraten von Fach wie Valerius Probus oder endlich
iedweden B«ichen, der auf die Schônheit seiner Bibliothek Werth
legte, als Kaufer der besten Exemplare denken dûrfen (ygl. unten
Cap. VU), y or allem wurden solche ohne Frage in den offentlichen
Bibliotheken angeschafiPt.
Und auf solche Exemplare gehen endlich, wie wir mit Grenug-
dmung werden schliessen konnen, auch unsere mittelalterlichen
lextesabschriften selbst zurûck, welche den buchhândlerischen Yer-
merk der Normalzeilensumme treu erhalten haben.
Demosthenes. Die des Aeschines scheinen einen minder guten Tezt wieder-
gegeben zu haben, Schneidewin a. a. O.
') Daremberg, Fragm. du commentaire de Galien sur le Timée, 1848, S. 12.
>} Sauppe, Epist. crit. S. 49 f. Cobet Var. Lect. S. 94.
SECHSTES KAPITEL.
Die Bnchgr&sse.
Uer Begriff der Normalzeile fur die Rollenbûcher der gesammten
alten Litteratur bat sich uns festgestellt; der ^Stichos^ auch des
Prosabuches war und blieb der Hexameter. Aucb das RoUenbuch
selbst haben wir uns zur hinlânglicben Anscbauung gebracbt; es stekt
uns fest, dass die Rollengrôsse in ibrem Maximum, an das so Autor
wie Librarius sicb zu balten genôtbigt waren, schon in den âgyp-
tiscben Papierfabriken bestimmt wurde; qualitativ unterscbieden sich
mebrere Sorten des Papjrusbucbes durcb die Blattbreite; von dieser
Blattbreite wàr — wenn nicbt ûber die Elebungen binweggescbrieben
werden soUte — die Schreibung der Normalzeile abbângig; dieselbe
fand sich in Normalexemplaren wirklich gescbrieben. Wir gelangen
erst nimmebr zu dem eigentlicben Endziel und Ëndpunkt unserer
Untersuchungen. Wir wollen nunmehr auch die Buch grosse selbcr
bestimmen. Wir fragen: welches smd die Grenzen des Môglichen,
durch welche der Raumbegriff des antiken Buchs seit alexandrinischer
Zeit abgegrenzt und definirt wurde?
Der Fabrikationsbericht des Plinius ûber die Charta selbst ver-
sâumt nicht, wie wir sahen, auch ûber das RoUenmaximum eine
Angabe zu machen (Z. 24); und zwar wird dasselbe hier selbstver-
stândlich bestimmt nach der Anzahl der Blâtter {plagvlae); es heisst,
ein TOfAOç xdqxov halte niemals mehr als eine gewisse Anzahl solcher
Blâtter; die Zahl selbst ist verderbt. Weil wir die Blâtter der
Bûcher nicht mehr nachzâhlen kônnen, so muss von uns die Grôssen-
bestimmung vielmehr mit HûKe der Normalzeile gemacht werden.
— Die BuchgrÔBse, Maximum und Minimum. — 287
Hemach werden wir befahigt sein, aus den gewonnenen Zeilensummen
auf die Anzahl der Blâtter einen Riickschluss zu thun und jenes
hochwichtige Pliniuszeugniss demgemâss zu behandeln.
Wir haben auf das im vierten Abschnitt Gesagte an dieser
Stelle zuriîckzugreifen. Aeusserungen der Schrifbsteller selbst zeigten
uns dort erstlich, dass der Raumzwang des Buch maximum s den-
sdben Yollstandig bewusst war, zweitens, dass es neben dem Maxi-
malmass auch ein Minimalmass gab, jenseits dessen das fi^fiXiop kein
Hop fi^filiov war, und endlich drittens, dass bei grôsseren Werken
Gleichmâssigkeit der Rollenumfânge erwiinscht war. Ailes drei er-
kl&rt sich aus der Natur der Sache.
RoUen Ton 150 Fuss Lange, welche die ganze Odyssée tragen
konnten, hâtten sich freilich fabriciren lassen; ja, sie sind, wie wir
ip&ter sehen werden, in Yoralexandrinischer Zeit in der That oft Yor-
lekomtnen. Allein ein so grosses PapiercouYolut abrollend zu lesen
nusste mehr Anstrengung als Erbauung scheinen; die gerollten, aber
>8eii Papiermassen in jeder Hand waren zu gross und drohten aus-
ÛDUUiderzufallen; sie mussten mit Kraft und doch ohne schâdigende
re^walt gehalten werden; die Sorge fur das Buch stôrte die Recep-
;on des Buchinhalts. Ein Buch war um so benutzbarer, je leichter
8 in den Hânden lag; wer Yollends nicht durchlesen, sondem nur
achschlagen woUte, musste sein Suchen durch die RoUeneinheit so
rosser Werke im hôchsten Grade gehemmt sehen, wogegen ihre
ielfaltîge Yertheilung das Finden mit Hûlfe der aiXkvfiot bedeutend
rleicbterte. Darum fixirte sich — wann imd durch wen? bleibt
ier Yorerst imerôrtert — die nsQiyqaipii avrdçxfjÇy der modus vo-
ttmmis oder wie sonst das MotiY fur den Buchschluss Yon den
Lutoren definirt wird.
Aber auch eine ûbermâssige Kiirze der Bûcher, etwa zu nur
.00 Zeilen oder zu 3 plagulae, musste als zwecklos Yermieden werden,
Tenn man ein Werk in mehrere Bûcher zu zerlegen sich entschlossen
uttte. Drei plagulae waren des sorglichen Aufrollens um einen Stab
ind des besonderen Einbandes noch kaum werth, ein Werk zu
.0 000 Zeilen in 100 Bûcher zu zerlegen, wâre ebenso lâcherlich
^ewesen, wie das unzerlegte unpraktisch war. Nur wer ûber-
laapt nicht theilte, sondem eine Monobiblos edirte, konnte durch
288 ~ ^î® BucligrftBS*. —
einen gerîngfugigen Stoff zu solchem Miniaturbuch eyentaell ge-
nôthigt sein.
Dass endlich Gleichmâssigkeit der Einzelbuchgrôssen erwQnscht
schien, war Sache des guten Geschmacks iind eines selbstyentand-
lichen Concinnitâtsgefuhles.
Maximum und Minimum lassen sich nun aber nicht einfach
unterschiedslos aus der Gesanmitheit der Litteratur abnehmen. Es
gilt gleich hier zu unterscheiden. Nicht nur, dass keine uniforme
Schablone aile Buchgrôssen gestaltete — schon die Fassung der Be-
merkung des Plinius, dass eine Rolle nicht mehr als 100 oder als
200 Blâtter halten diirfe, stellt augenscheinlich diesseits des Maxi-
mums die Mannigfaltigkeit der Blâtterzahl vollkommen in das Belieben
des Fabrikanten — ; sondern es sind sogar in feiner und bewusster
Weise yerschiedene Litteraturgattungen durch die Bucbgrôsse anter-
schieden worden. Fur yerschiedene Litteraturgattungen wa-
ren yerschiedene Buchmaxima oder Formate ûblich oder
obligat.
Dies zu erweisen, brauchen wir nicht Ton den eigenen Wahr-
nehmungen auszugehen. Das Alterthum selbst bat dafur eine tech-
nische Yorschrift formulirt; und in einer spâten Encjclopâdie ailes
Wissenswûrdigen des antiken Culturlebens bat sich uns dièse Yor-
schrift in unzweideutiger Fassimg erhalten. Isidor ist es, der in
sein en Origines VI 12 im Zusammenhang einer umfassenden, wenn
schon excerptartig notizenhaften Geschichte des Buchwesens hierfïir
kurz Folgendes lehrt:
Qtuiedam gênera Ubrorum certis moduUs conficiébantur ; hremri
forma carmina atque epistul^xe; at vero historiée maiori modulo scrUbe-
bantur,
Dieser Abschnitt des Isidor ist wie viele andere von Reififerscheid
auf Sueton zuruckgefiihrt (Suet. ReifP. S. 133)*).
Zu carmina und epistulae gelten in ihm historiae als alleiniger
^) Vgl. Reififerscheid a. a. O. S. 420 f. Dass manches Sp&tere mit ein-
fliesst, nimmt Reifferscheid mit Recht an: ^multa ut solet laidonis modo de
suo modo ab aliis auctoribus petita inmiscuit"; dazu rechne ich aber Allée,
was hier ûber Codex (multorum Ubrorum est) und folia im Unterachied tob
paginae gesagt wird (vgl. oben Kap. I S. 44).
— Unterscheidung der Formate. — 289
Gegensatz; wir haben darunter offenbar aile ^wissenschafdicheii
^erke", deren natûrliche Sprachform die Prosa ist, zu verstehen.
Die Einzelbûcher oderRollen (librt) der wissenschaftlichen
Werke in Prosa waren also constant in grôsserem Format,
nudori modulo, die der poetischen waren constant in klei-
nerem, bremori forma, gehalten. Die epistolographische
Xiitteratur aber ahmte in seinem Format die poetische
nach.
Sueton unterscheidet somit zwei RoUenmaxima nach den zwei
Hauptklassen der Litteratur. Dass dièse Maxima in beiden Elassen
immer erreicht werden sollen, ist nicht gefordert; sie kônnen nur
nicht nberschritten werden. Es war das Maximum des Poesie-
buchs ein wesentlich kleineres als das des Prosabuchs.
Nach dieser Anleitung theilt sich xmsere Aufgabe naturgemâss,
and wir werden die Gledichtrolle nnd die ProsoroUe gesondert zu
betrachten haben.
Weil aber den Monobibla, wie angedeutet, ein kleineres Minimal-
mass zngestanden sein musste, so sind dabei aile monobiblischen
Werke fur sich zu gruppiren.
A. Das Poesiebuch.
Des Eallimachos Gleichung fiéya fitfiUov (â4ya xanoy ist be-
kannt; dass sie auf die Rollengrosse Bezug hatte, wird spater erwiesen
werden; ob Eallimachos dabei aber speciell das Poesiebuch im Auge
gehabt bat, ist sehr zweifelhaft. Cicero betrachtet es als einen
Vorzug seiner Academica posteriora, dass deren Einzelbûcher kûrzer
als die der priera sind (unten Eap. YU). War dièse Eûrze wirklich
ein Yorzug schon des Prosabuchs, so musste man yor allem die
lesenswerthesten Werke der Litteratur, die poetischen, durch ihn
aoszeichnen; denn ihre Anspruche an die Theilnahme und an das
Wohlgefallen des Publikums waren die weitgehendsten; sie mussten
auch âusserlich moglichst dem Behagen des Lesers entgegenkommen.
Der purpurnen Paenula entkleidet — die iîberhaupt meines Wissens
nur als Huile der Poesiebûcher nachweisbar ist — lag die Rolle in der
Tkat leicht imd anmuthig in der spielenden Hand ; ihr Ende ist ab-
Blrt, Boehwesen. 19
290 — ^^® BuchgrOsse. —
zusehen; sie yerspricht Grenuss, doch ohne Uebermass. Den besten
Wein trinken wir aus den leichtesten Glâsem; so darf der Eranz,
den der Zecher trâgt, nicht pfundschwer lasten: Eros muss damit
spielen kônnen; auch eine grosse, lastende Rolle hâtte an £rd-
schwere gemahnt : nur wenn sie leicht war, konnte sie ein Gescbenk
der Muse sein, die im Aether wandelt. Hat sie der Léser dann zu
En de gelesen, so ruht seine Seele in einem wohligen Zwiegefûhl,
zufrieden der Gesâttigtheit^) im Genuss und doch yoII Bedauein,
dass der Kelch leer getrunken, bis das Bedauem ihn weiter zmn
nâchsten treibt.
Besonders Martial preist den Lesem seine Bûcher wiederholt
um ihrer Enrze willen an: brevior quod nUhi charta petit (H 1); ottay
Prisce, brevi poteris donare libeUo (XII 1); ho$ eme quos artat breciim
membrana tabeîlis (I 2); das Rôllchen ist nicht corpulenter als der
Stab, um den es gewickelt ist (tam macer Ubellus, nuUo crasmr vt
sit umbiHco U. 6; vgl. auch z. B. X 1 ; XVlii 29), imd doch ist Ge&hr,
dass der Léser schon gâhne bei der zweiten Seite. Parve Uber,
brèves libelli sind darum hâufige empfehlende Anreden, die Martial
an seine Werke richtet (z. B. I, 3; 45; Xn 11; Xm 3; vgl. U 1).
Ganz die nâmlichen Wûnsche haben auch wir noch heut, wenn wir
Gedichte in die Hand nehmen. Willkommen jede Taschenausgabe
und jede, in der das Gedicht, das ist Rythmus und Gedanke, môg-
lichst wenig Kôrper kat. Wohlweislich lieben die Dichter sich uns
in schon geschmûcktem Einbande auf Seiten in Kleinoktay zu zeigen;
jede Seite nur halb gefuUt; der Bogen womôglich nicht mehr als
zwanzig. Schon Grossoktav schreckt uns ab; Quart wiirde unerhÔrt
sein. Der Goethe des Cotta'schen Verlages in drei Riesenbânden ist
nicht zum lesen, hôchstens zum nachschlagen geeignet. Mirza Schafiy
schlich sich durch seine leichten Reime in unser Gedâchtniss, dorch
sein zierliches Format in unsere Taschen; dasselbe Werkchen in
seiner Riescnprachtausgabe aber wird jedem Liebhaber geschmacklos
scheinen.
^) Das Bild Yom Ges&ttigtsein brauchte der Deipnosophîst Âthenaeos als
Grund ftir den Buchschluss VU fin.: i/utfoçrjd-iiç ovv xai Tovriay iaffoy ifiài
xai Tov ffûD/uariov irtê/uékêtay noiiicaffd-a&, l'y a âvyrjd-jç r« /nerà nevra ivloy^tç
fftTêlad-ca.
— Das Poesiebuch. Maximum. — 291
Das antike Gredichtbuch hîelt sich innerhalb seines Maximums
Dun noch yiel stândiger und getreuer als das moderne.
Die Rolle des Dichters ist der Thrânenkrug der Poésie, wenn
es erlaubt ist zu diesem Bilde zu greifen. Wenn er ûberlâuft, so stirbt
sie. Noch keine Phantasie aber hat je Thranen auf Passer gezogen.
Im Durchschnitt genommen war das Gedichtbuch halb so gros s
als das Prosabuch. Es hait sich meistens zwischen 700 und
1100 Zeilen; nur ausnahmsweise geht es bis 500 hcrab. Sein Maxi-
mum Ton 1100 Zeilen ist unyerletzlich. Der Zahl Tausend wurde
darum typische Geltung zu Theil, und Martial meint nichts als ein
olov fiêfiXioy, wenn er sagt ut ndUe versibus Baias laudem (XI 80);
ebendaher wâhlte noch Tzetzes den Titel XtXuiâsç; aber schon
Euphorion dichtete funf Bûcher desselben Titels XêkêââsÇj und dieser
ist von Meineke mit Wahrscheinlichkeit eben auf die Verszahl ge-
deutet worden*). Rechnen wir nach dem Vorbild des Bankesiani-
schen Homer 43 Zeilen auf die Columne, so hielt also das Poesie-
buch 26 Seiten im Maximum. Sehr beliebt waren aber die Bûcher
zu nur 700 Versen; sie hielten sogar nur 16 Seiten. Daher heisst
das Poesiebuch im Gegensatz zum Prosabuch Yorzugsweise UbeUus
(S. 22 f.).
Bei dem hiemàchst folgenden Yerzeichniss der Buchgrôssen gilt
es Yor allem auch auf die grôssere oder geringere Gleichmâssigkeit
der Buchgrôssen zu achten. Starke Abweichungen mûssen immer in
besonderen Umstânden ihre Erklârung flnden.
ApoUoniiu Rhodius, Argonautica I 1362 II 1288 UI 1406 IV 1779.
KaUimachos, Âitia, 4 Bûcher, je *966*).
Eaphorion, Ghiliades, 5 Bûcher, je *1000.
1) Memeke, Anal. Alex. S. 13 f. Bemliardy im Suidas hat Meineke's
Erklftrung nicht adoptirt. Die Worte intyçâtfiTaê de ^ néfAniti ^^Itàç xtX,
•eheinen Zusatz. Um so leichter iat dann aber Meineke's Correktur awâyi^
âià /*iU(ii»' intay (st. iTvjy) xçtja/Liovç dnoTêkêff&épraç.
') Der Kallimachos des Marianos in Senaren hatte 6810 Verse (oben
8. 1G6 N. 23 ff.) und enthielt 1 Buch Hymnen, 1 Buch Ëpigramme, 1 Buch
Hekale, 4 Bûcher Aitia. Nun pflegte Marianos an Verszahl dem Original
lîemlich gleich zu bleiben. Des Apollonios 5835 Verse werden bei ihm zu 5608;
des Arat 1154 zu 1140; der jetzt beinahe ca. 3200 Verse betragende Nachlass
Theokriteischen Namens (vgl. Kap. VIII) zu 3150; betreffs Nikander's ist daram
19*
292
— Die BuchgrOsse. —
Lncretias, De remm natan
Vergilins, Âeneis
Horatius, Sermones
TiboIloB
Propertius
Horatias, Carmina
Oridius, Amores
Oridius, Ârs amatoria
Ovidias, Métamorphoses
Ovidins, Tristia
OridiaSf Fasti
Ovidins, Epist ex Ponto
Manilius, Astronomica
Lacanus, Pharsalia
Valerins Flacons, Argonantica
Silius Italicus, Ponica
I
n
I
n
m
IV
I
I
m
I
I
I
I
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IV
V
I
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I
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II
I
II
m
IV
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1174
756
804
718
706
lOSO
820
1008
876
778
772
779
875
784
803
678
7S8
578
724
864
m
IV
V
VI
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vm
n
IV
II
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m
IV
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II 762
926
970
695
786
762
m
IV
IV
V
VI
1092
1279
871
901
817
781
1083
990
572
812
746
721
865
884
797
739
788
678
884
954
m 736
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935
824
814
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vn 871
vm 8TÎ
IX 1106
695
760
(aoscheinend incomplet^: X 546)
851 m 740 V
664 IV 762 VI
VII 653 (incomplet: VIU 467}
694 vn 750 Xm 895
707 vm 678 XIV 689
714 IX 657 XV 825
831 X 659 XVI 701
678 XI 614 XVn 655
716 xn 752
mit Recht vermuthet, dass bei Suidas die Nennung der Alexipharmmka ausgefallen
ist; beide Nikandergedichte mit 1788 Hexametem erscheinen bei Marianos in
1370 Senaren. Subtrahiren wir ftlr den Kallimachos nun von der Gesanunt-
summe 6810 die erhaltenen Hymnen (1084), so fàllt auf jedes der ûbrigeo
6 Bûcher (Ëpigr., Hecale, 4 Bb. Aitia) je OôéVs Senar; das wfirde fÛr Kalli-
machos selbst, nach dem Zahlenverh<niss bei Arat berechnet, je 966 Hexâ-
meter ergeben.
^) Horaz III 12 ist den Handschriften gemàss als 12 Vv. gez&hlt.
^ Vgl. Teuffel, R5m. Litt-Gesch. 298, 7.
— Bas Poesiebuch. Maximum. —
293
Statins, Thebais
I
720
V
758
IX
907
n
743
VI
946
X
939
m
721
vn
824
XI
761
IV
843
Vin
767
xn
719
StatioB, AcbiUeia
I
674
(incomplet: II 453)
Statins, SUrae*)
I
887
m
800
V
858
n
814
rv
776
Javenalis, Satnrae
I
990
u
661
m
668
IV
706
(incomplet: V 680)
Oppianos, Halientica
I
797
m
648
V
680
n
688
rv
698
Manetho, Âpotelesmatica
II
502
m 428
IV 626
VI 1
m*).
Was nim zunâchst das Maximum betrifiPt, so sind unter den
iTzeichneten hundeitimdachtundyierzig Rollen acht, die es ûber-
hreiten; dièse acht gehôren aber den beiden âltesten Gedicht-
srken an, welche uns Yorliegen, dem Apollonius und Lukrez;
e Rollen des ersteren halten sich zwischen 1288 und 1779; die
» letzteren steigen einmal um 74, einmal um 179, einmal um 184,
unal um 355 Verse ûber 1100 hinaus. Es ist gewiss nicht zufallig,
188 dies eben die âltesten erhaltenen Biicher sind. Apollonios'
leilung fallt vielleicht noch Tor des Kallimachos Einfluss (doch vgl.
ip. IX); Lukrez aber ist seinerseits Yertreter der alten Schule in
)m und jener alexandrinischen Bichtung in Rom noch fremd, in der
xnach nâchst Catull und seinen Freunden auch Yergil und seines-
eichen weiter gegangen sind. Wenn daher Vahlen*) betreffs der
lirbiîcher des Ennius urtheilt: „amplissimos fuisse libres materiae
»erta8 indicat: . . . unius libri mille et quingentos Tel sescentos Tel
leo octingentos versus fuisse adsumam^, so ist dies môghcherweise
i hoch taxirt, aber ein Analogieschluss von Lukrez auf Ennius wird
lerdings yielleicht gestattet sein.
Bei allen ûbrigen Dichtem herrscht aber die Zahl Tausend als
aximum (ausser Lucan IX); die beliebteste Grosse liegt zwischen
K) und 799 Yersen (44 Rollen); ihr steht die zwischen 800 und
)9 am nâchsten (33 Rollen).
') Hier ist die praefatio in I auf 46 Hezameter angesetzt, in II auf 42,
III auf 37, in IV auf 52, in V auf 17. Die Ueberschriften sind nicht als
nlen gez&hlt.
*) Buch VI scheint ausserdem iQckenhaft, lûckenhaft auch Buch I und V.
') Vahlen, Enni reliquiae S. XIX.
294 — ^^® Buchgrôsse. —
Die Betrachtung des Minimums ist mit der der Gleich-
mâssigkeit der Buchgrôssen zu verbinden. Dièse Gleichmâssigkeit
ist Yon den meisten Dichtem, wie leicht zu sehen, mit Sorglichkeit
gewahrt; die Aeneis steigert sich in den Schlussbûchem um 100
und 150 Verse. Die grôsste Sorgfalt verrathen die vielen Bûcher
Ovid's: das zweite Buch seiner Tristien ist nur deshalb geringer,
Y^reil es als Brief an Augustus séparât steht und eigentlicb als Mono-
biblos entstanden ist, wenngleich es schon Ovid selbst in die Sanun-
lung mit eingerechnet hat '). Buch XII und XTTT der Metamorphosen
hâtten jedes richtig 794 aufaehmen kônnen; aber der Inhalt nothigte,
schon an einer frûheren Stelle einzuschneiden ') ; so erhalten wir
denn einmalig das Minimum 628. Besonders imgeschickt ist dagegen
offenbar Horaz mit seinen Oden verfahren, die er gleichzeitîg in drei
Bûchem herausgab; die 2462 Verse vertheilte er so, dass das erste
und dritte Buch normal ausfielen, das mittlere dagegen auf 572 zn-
ruckgeht. Das Ganze ist vom Dichter als Einheit gekennzeichnet
durch die sich entsprechenden rein asklepiadeischen Gedichte 1 1
xmd m 30. Nicht das erste, aber das zweite Buch erhielt noch
einen besonderen Buchabschluss; als die sachliche Einheit in dem
letzteren kann vielleicht, wenn sie ûberhaupt besteht, der vorheir-
schende sentenzios didaktische Charakter seiner Oden gelten; lâsst
sich seine Kûrze etwa eben hieraus erklâren ? Als Horaz dann spâter
das vierte Odenbuch hinzuthat mit 582 Versen, gab er ihm zum
dritten alsdann dieselbe Proportion, in der das zweite zum ersten steht.
Ungleich sind auch die Rollen Juvenal's, mehr noch die des
Manetho ausgefallen, der bis 502, ja 428 hinabgeht. Hier ist nun
zu bemerken, dass einige Dichter das didaktische Gedichtbuch
planvoU auf die Hâlfte des Maximums angelegt haben. Man wâhlte
Rôllchen von 13 Seiten. Was den Anlass gab, ist leicht zu errathen:
der Inhalt stellte hier an die Achtsamkeit des Lesers grôssere An-
forderungen als bei Epos und Elégie; wer seinen Léser nicht ermùden
woUte, that weise, frûh zu schliessen. Vergil's Georgica sind vier
solcher Rôllchen; es halten
I 514, II 542, III 566, lY gleichfaUs 566 Verse.
») Vgl. Trist. V 1, 1.
3) Vgl. Rhein. Mus. XXXII 393 Note.
— Des Poesiebuch. Gleichm&ssigkeit. Didazifl; Boman. 7— 295
Die Absicht ist um so klarer, als das Eclogenbuch mit 829 der
Aeneis gleichsteht. Dazu stimmen die Oppianischen Cynegetica,
woselbst
I 5S6, II 628, m 525, IV 453
Verse halten. Columella schrankt sein Gedicht Yon der Gârtnerei
auf 414 Verse ein, obschon so das Buch als zehntes des Gesammt-
werks Tom Landbau hinter den Prosabûchem weit zurûckbleibt.
Auch an Monobibla wie den Aetna mit 644 sei hier erinnert, welcher
Ton dem incompleten Jagdbuch des Grattius^) mit 540 wohl nicht
ûbertroffen worden ist. Ovid's Medicamina formae waren gewiss
gleichfalls so kurz'); wenn Ovid dies Jugendwerk ausdrûcklich als
p€avu8 libellus bezeichnet (Ars am. DI 205), so ist dies in Vergleich
zum gewôhnlichen Format gesagt, das Ovid sonst benutzte, und es
ist uns eben biemit der recbte Terminus fur die GeorgicaroUen des
Vergîl gegeben. Ganz ebenso heisst dem Ovid sein Bûchlein Ibis
Ton 642 Versen ein libellus ejnguus (Ib. 451). Ein solcher partms
Hbdlus war aber auch des Horaz zweites Odenbuch.
Die Vermuthung'), Vergil habe ursprûnglich beabsichtigt, seine
Aeneis in Nachahmung Homer's auf 24 Bûcher, gleich gross denen
der Greorgica, zu yertheilen, ist hiemach nicht glaublich; auch zeugt
die Vergil vita Douâtes dagegen (Suet. Reiff. S. 59 f.).
Die Poésie hat sich aber schon im Alterthum gelegentlich auch
der prosaischen Rede bedient. Dies geschah im Roman. Auch der
Roman erschien im Format des Gedichtbuchs. Lukian ist
weit entfernt, beispielsweise seinen Hermotimos mit 2102 Versen
oder seine Todtengesprâche mit 1859 (s. xmten) in Bûcher zu zer-
legen; dièse Schriften sind so gut Prosa wie die ^ùuxqawiol Xôyoè
der Platonischen Zeit Den Roman oder die Travestie des Romans
in seiner ^AX^&^ç îatoçia, mit nur 1600, liess Lukian dagegen nicht
ungetheilt und sonderte das Werk dadurch schon fur das Auge
^) Dass dies der Xame des Dichters, lehrte Bûcheler Rhein. Mus. XXXV
8. 407.
') Wie das Oridgedicht weiter verlief, habe ich angedeutet De Hali-
eaticis S. 41.
') L. Lersch, Sûddeatsche Schalzeitang IV 88; Muséum der rhein.-west-
ph&lischen Schulen III.
296 — ^® BuehgrOsse. —
sichtlich Yon allen ûbrigen: dasselbe wurde in zwei Rollen heians-
gegeben zu 811 imd zu 826 Yersen.
Ebenso trug z. B. Apuleius seine Metamorphosen in diesdben
Rollen ein, die auch Orid benutzt batte. Die AnzabI der Yerae ist
bier in den elf Bûcbem:
I
694
IV
962
VU
722
X
1003 y,
u
892
V
807
VIU
892
XI
849V, 0
m
722
VI
807
IX
1181
und nicbt anders bot Longos dem Publikum sein zartes Scbiferidyll
yon Dapbnis und Cbloe in yier gleicb zierlicben Rollen dur (vgL
unten).
Statius bat die fûnf Rollen seiner Silvae nacbeinander erscheina
lassen; sie sind also als Monobibla entstanden; docb vereinigte er
sie selbst durcb Titel und Bucbzâblung zu einem Werk, wie die
Yorreden zeigen. Genau dasselbe gilt aber aucb von den zwôlf
Epigrammenbûcbem Martiales; sie erscbienen nacb einander; jedes vA
inbaltUcb selbstândig; aucb waren sie einzeln kauflicb, obschon
Martial selbst die Bucbzâblung einfubrte, der wir uns bedienen.
Wâbrend nun aber Statius sorgfaltig die normale Bucbfûlle eingebalten
bat, yerratben MartiaPs Bûcber dagegen ôfters scbon in ibrem Um-
fang, dass sie als Monobibla abgefasst waren und gekauit wurden;
denn zwar giebt Bucb I die Zabi 859, IX 832, X 848, XI 792,
XU 748, YH 731, docb YIH nur 663, ffl 662, lY 660, Y 639,
YI 599, II 596*). Martial ist, wie wir scbon friiber bervorhoben,
auf môglicbste Eûrze erpicbt; Bucb XI cbarakterisirt er selbst zum
Scbluss als tam longus; dagegen rûbmt er gerade dem kûrzesten,
dem zweiten nacb, es sei so mager, dass es keinen Umbilicus an
Dicke ûbertrefife (s. S. 290).
Fligen wir nun bieran die sonstigen monobibliscben Werke.
Bas Maximum wabren aucb sie, eine obligate Minimalgrenze ist bei
ibnen dagegen ans angefubrtem Grunde nicbt wabrzimebmen; auch
1) éd. Eyssenhardt Berlin 1869.
*) Die Verssummen bei Martial beanspruchen nicht genan zu sein; Dor
Buch I ist durchgezâhlt; in II bis XII ist die Seitenzahl des kleinen Schneide-
win'schen Textes genommen und die Seite za 29^7 Versen veranschUgt. Di^
praefationes sind mitberechnet.
— Bas Poeaiebnch. Boman. Monobibla. — 297
k&rzere Gedichte gingen in den Rollen gelegentlich fur sicb, falls ihr
Urheber eben nicbt mebr als sie edirte.
Am Anfang stebt wieder aus der âltesten Zeit ein Werk, das das
Maximum ûberschreitet, des Lykophron Alexandra mit HTéVersen^).
Dieser Fall ist obne Frage nacb Analogie des Apollonios imd Lukrez
zn beurtbeilen (S. 294; ygl. Kap. IX). Im Uebrigen erhalten wir
zonâchst folgende Normalbûcber:
KaUimachos, Hymnen 1084 Vergilins, Bucolica 829
Epigramme .... * 966 Horatius, Epistulae I 1006^
Hekale ^966*) Ovidias, R«media amoris . . . 814
Nikander, Theriaca 958 Galparnins, Eclogae 769
Aratos, Phaenomena 7S2') Homeras Latinus 1070
GermaniciiB, Phaenomena. . . . 726 Dionysios, oîxovfi. mçnf/fjc^ç . 1186
Die Mehrzahl der folgenden Gedicbte reicbte dagegen nicht aus
eine Rolle zu fullen:
llartialis, Âpophoreta 681") Âratos, Diosemeia 422
Persios, Satorae 650 Gulex 414
Oridios, Ibis 642 Gatnllas, Naptiae 409
Aetna 644 Martialis, Xenia 898
Nikander, Alexiphannaca . . . .680 (Lakian) Tragodopodagra . . . .881
HoratiaB, Epodi 625 Panegyricos in Pisonem 261
Oridins, Tristia II 578 - Messalam .... 211
Priapea 578*) Dirae nnd Lydia 183
Giris 541 Nox elegia 182
Horatioa, Epistulae II 486 (Lakian) *£lxv7iovç 178
Ars poetica 476 Elegia in Maecenatem I 142
Bpicedion Drnsi 474 Moretum 124
Fur die ersten neunzebn oder achtzebn dieser 24 Beispiele kann
separate Edition als sicber gelten^, fur die funf letzten als wabr-
1) Von der Yermutbung einer grOsseren Interpolation im Texte kann
Mer abgeseben werden, da dièse jedenfalls selbst in die Altère Zeit fallen
wUrde.
») Vgl. oben S. 291 Note 2.
') Phaenomena und Diosemeia waren zwei getrennte Bûcher; dies be-
seogt ausdrûcklich das Schol. Theonis za y. 733: iç^fraê inl aXXo fitfiliov S
^) Das Buch erschien zun&chst aïs Monobiblos, und der Dichter dachte
aimais noch gar nicht an ein zweites.
^) Die Ueberschriften sind mitgez&hlt.
*) Ungerechnet die Stûcke des Tibull.
^) Ueber Catull's Nuptiae und den Panegyricus in Messalam Tgl. Kap. VIII.
298 — I^i® BuchgrOsse. —
scheinlich, wenngleich bei ilmen nicht vollstândig garantirt ist, ob
sie nicht ihre Isolîrung vielleicht erst einer spâteren Ausiese yer-
danken. Mit der Maecenaselegie waren die ultima yerba Maecenatis
zu 34 Zeilen wohl schon ursprûnglich verbunden. Wenn es in der
Vergilvita des Servius heisst: scripsit etiam aeptem swe octo Ubros hos:
Cirin Aetnam Culicem Priapeia Catcdepton Epigrammata Copam DrraSj
so scheint der Terminus libros zu besagen, dass jedes dieser kleinen
Werke als Monobiblos fur sich gegangen war; doch kann auf die
Terminologie dièses spâten Zeugen allzuviel Gewicht nicht wohl ge-
legt werden; besonders die 38 Verse der Copa wâren in dieser Fora
schwer vorstellbar. Jedenfalls aber ist die Lydia zu den Dirae schon
in den âltesten Exemplaren hinzugefugt gewesen; deshalb finden wir
beide zu einem Stûck yerwachsen, und deshalb fuhrt schon Donat,
d. h. yielleicht schon Sueton selbst, beide Stûcke nur als Dirae auf. —
Noch aber ist das Carmen saeculare des Horaz hinzuzufugen, das
nachweislich niemals in eines der Odenbûcher mit eingetragen worden
ist (eben so wenig, wie je die Ars poetica mit dem zweiten Buch
der Episteln verbimden war^)); die Tradition stellt es hinter dk
Epoden und giebt ihm nach dem expUcit eine selbstândige Inskrip-
tion. Es muss mit seinen 76 Zeilen in einer Rolle fur sich tradirt
worden sein, die kleinste Monobiblos, die wir kennen, eine gewin
durchaus exceptionelle Erscheinimg.
Die pseudoovidischen Halieutica mit 137 oder vielmehr 143
Versen*) sind als Fragment nicht nur ùberliefert, sondem von ihrem
^) Sie wird stets als Ars poet. citirt; ûber eine Ausnahme vgL De Ha*
lieuticis S. 199.
^) Zu den nachgewiesenen Lûcken kommt noch eine weitere hinzu. Aadi
zwischen den Versen 131 f. :
Et nigrum niveo portans in corpore virus
Loin go dnrique sues sinuosaque caris
ist in der Wiener Handschrift fur eine Zeile leerer Raum; dass hier virklieh
etwas fehlt, erhellt daraus, dass das nigrum virus nicht der loUigo eignet;
ihr virus ist rubrum und nigrum das der sepia (vgl. De Halieut. S. 122). E»
ist hier also ein Vers ausgefallen, der mit dem Namen sepia begann und dinn
noch einen Fiachnamen (polypusl) brachte. — Ich halte hier an der Unecht-
heit dieser Halieutica fest; sie ist in Recensionen, die meine Schrill De Hf
lieuticis gefunden, bestritten worden. Da dieselben meinen Unechtheitsbeweis
— Das Poesiebuch. Monobibla. — 299
Urheber concipirt und untergeschoben worden, wie denn schon
Plinius nur das nâmliche Fragment las wie wir. Dasselbe trat in
den Buchhandel ein in einer Rolle, die nur auf ihren ersten drei
Seiten beschrieben war; hiernach brach die Schrift ab und erzeugte
den tâuschenden Eindruck eines unfertig hinterlassenen Werks.
ndess nicht einmal susammenb&ngend referiren, geschweige denn die entschei-
tenden Argumente irgend besprechen, so bleibt das Résultat roeiner Schrift
malterirt. Ich nehme von diesem Tadel zum Theil aus die Becension von
S. Babrens in Jen. Litt.-Z. 1879 S. 252 f., der wenigstens einsiebt, dass die
«hlreichen anstOssigen, von mir besprochenen Spracberscbeinungen den Ovid
uin Autor nicbt baben kOnnen. Bâbrens will aie wegemendiren und wundert
iéh, dass icb es nicbt selbst getban w&brend ich docb sachliche Anstôsse
ielfach durch Correktur beseitigte. Docb wird man bei mebr Ueberlegung
nriseben sacblicben und spracblichen Anstôssen princîpiell unterscheiden; es
■t unglaublicb , dass Jemand sachlicb UnTorstellbares scbreiben kOnne (wie
wenn sich der Fiscb lupus durcb die Mascben des Neizes mittelst eines
Sprunges dr&ngen soll t. 26, oder wenn es die Netze sein sollen, die
1er Poljp durch Yer&nderung seiner Farbe t&uscht y. 32) ; sachlicher Nonsens
irûrde Mangel an gemeinem Menschenverstand voraussetzen, sprachlich Falsches
la^^gen nur Mangel an Sprachsinn oder Sprachfibung; es ist daher ebenso
mechodisch geboten, fÛr den sacblicben Nonsens nach Abhilfe zu suchen, als
lieh flber die sprachlich e Qualitât des Autors erst durch Prûfung s&mmtlioher
BigenthQmlichkeiten zu ûberzeugen. Findet sich, wie in unserem Fall, eine
g^rOssere Anzahl von solchen Eigenthûmlichkeiten, so schfitzt eine die andere,
und es ist eine Fftlschung der Thatsachen, Textesverânderungen Torzunehmen.
Oder will B&hrens z. B. auch aus dem Bellum Hispaniense ailes undassische
Latein wegcorrigiren ? Weit entfernt aber, s&mmtliche Ërscbeinungen der Ha-
lîeutica in Betracht zu ziehen, greift B&hrens auf Gluck ein paar heraus,
IQ denen ihm Conjekturen eingefallen sind. Von diesen ist aber kaum
eine ansprechend , die roeisten sind unbrauchbar. Falscb w&re es, t. 3 vom
vihUus zu sagen: qui nondum gerit in tenera sua comua f route; denn sua
eomua w&ren vituli camua; der vituîus aber wird docb nie HOmer haben.
Wir mOssten lesen: qui nondum gerit tauri comua in tenera fronte, — Das
dédit arma per omnes bat seine Analogie beim sp&ten Luxorius (Anth. lat.
Bies. 287, 14) dare versus per sodales. — In dem sui t. 2 gipfelt sich der
philosophische Gedanke {pîxiiov navrl C^^ ij avtov cwrrachç xai 17 ravnjç
9WHânCiç, TgL De Halieut. S. 89 u. 100 f.); auch ist von mir (S. 13) nur
behanptet, dass es hart und unbeholfen, keineswegs, dass es falscb und un-
mdglich sei; es wird geschûtzt durch den absoluten Gebrauch bei Substantiven
wie conservatio sui u. a. (Eûhner, Lat. Gramm. II S. 439). — Hûbsch ist die
CoDJektur y. 2: vitulus sic magna mifiatur; dennoch weist die Comiptel
300 — IWe BuchgrGsse. —
AnbaDgsweise seien noch einige Buchmasse Spâterer angefûgt,
bei deren Formirung allmâhlich der Ëinfluss des Codex mit einge-
wirkt baben kann, die also fur uds weniger Wertb baben. Auch in
ibnen bâlt Bicb aber das Maximum fast durcbweg, dagegen sinkt das
manuque vielmehr auf namqtie. — Dass Tor t. 57 ein Yen aiugefaUen lei,
gestehe ioh aU mOglich sa, obgleich es nicht leicht sein mOchte ihn aachnnr
in Prosa mit einem hoc magxB so zu erg&nsen, dass die Ersftblung nalflriidi
fortschreitet. Vielmehr scheint der Aator hier einfach ans der ConstraktioB
gefallen, und daftir ist ein dentliches Indiz, dass schon bei den Verben adiMt \
iras und concussit toros die Comparation des magis nnd mbloHor sichtlich \
Tergessen wird. — Im t. 70 fûr vendUet ein verUilet einsusetsen, smd wir i(
nicht berechtigt; das se aurait vulgi vendUare ist offenbar nach Analogie dei ;
geUufigen se alicui vendere^ d. h. ^preisgeben", gesagt und, fûr sich betrachtet,
Tollkommen correkt. — Anderes flflchtig Conjicirte ûbergebe ich ftg^;
auch werden die meisten und die gp'avirendsten Unechtheitsindicien des Ksp. D,
Bowie die S. 43 f. nnd S. 55 f. Torgetragenen davon nicht tangirt. — Wemi
Orid nach dem Beispiel aller anderen augusteischen Diohter die Form ei ^^-
lich yermeidet (S. 32), sie sich dagegen Torfindet in den Halieutica und in
Germanictts, und zwar als Jambus, so bat Orid ebensowenig die Halientitt
geschrieben wie die Pbaenomena; mehr als sonderbar ist, dass B&hreos
den Germanicus als Beweis braucht fûr die Oridische Autorschaft. — Die
Halieutica sind geschrieben erst nach Persius, dies ergiebt sich ans dcm
grammatischen Indicium S. 55 f. und wird durch sachliche Momente bestltigt
(S. 66 — 185). — Der Dichter scheint Nachahmer des Seneca (S. 55); es iat
hinzuzufûgen, dass das exemploque nocens ▼. 30 aus Seneca Hercules 740 n
stammen scheint {elatis naribus v. 77 aus Vergil XH 115, indirekt aus EnniTis
T. 588). — Biese bat seine Recension zweimal gebracht, im Litter. Centr.-BL
und in Bursian's Jahrbb. Am bedeutsamsten in ihr ist die Bemerkung: ,Be-
sonderen Werth legt der Verfasser auf eine metrische Obseryation, wontch
der vierte Fuss des Verses als Daktylus non ipse incisus, sed cuius fine finiator
Tocabulum (S. 186) bei Ond sich in durchschnittlich schon je 8 bis 17, in den
Halieutica aber in nur je 33 Versen einmal finde. Hierauf (denn was er sonst
Torbringt, ergiebt keine wesentliche Discrepanzen Yor Ovid [ich habe sieben
wesentliche Discrepanzen nachgewiesen]) ist erstens zu erwidem, dass solehe
Verse nicht 4 mal , wie Birt fôlschlich angiebt (in dieser Cardinalfirage ist ein
solcher Mangel an Akribie entschieden tadelnswerth), sondem 5 mal (V. 9, 34,
46, 56, 66) in den Halieuticis vorkommen*^ etc. Aber der Herr Recensent luU
gar nicht begriffen, was die Cardinalfrage ist, um die es sich hier hand^
Es handelt sich um die vier Verse 34, 56, 58 u. 66. Auf die Verse 9 n. 46
passt doch wohl die Définition „non ipse incisus^ nicht. Akribie dOrfie man
wohl auch von dem verlangen, der von ihr redet. Der Herr Recensent ftlirt
— Das Poesiebuch. Sp&tere Beispiele. — 301
m auch bei den mehrbûcherigen Werken, die wir voraDstellen,
01 Grade, den die gute Zeit nicht kennt:
ij orae maritimae
708
tins, contra Symmachum
747
n
1197
s Namantianas (i. J. 416)
644
n Raptas Proserpinae
800
II
428
ni(
[Jeep) 881
ji, in Rofinnm
405
U
547
n, in Entropium
518
n
602
a, de Gons. Stilichonis
885
II
476
os, Gommonitoriam
618
n
418
De Mo8. hist. gestis (5 Monobibla]
» I
825
m
425
V
719
428
IV
658
Phrygios De bello Troi.
541
m
472
V
580
618
rv
478
VI
967
18, c. paschale
868
m
889
V
487
800
IV
808
18 Petrocorias, Tita Martini
885
m
456
V
871
717
IV
627
VI
502
tins, De deo
754
n
808
m
682
De act apostol.
1076
II
1250
Victor, comm. in genesim
528
II
460
ni
741
ins Fort. De Tita S. Martini
518
II 491 m
529
IV 7ia
?&re uns etwa von den Fasti zufâUig nur VI 1 — 260 erlutlten, 80
wir in 130 Hexametem sogar nur 4 seiche Verse finden; bei Metam.
unter 147 Hexametern nur 6, bei Ex Ponto III 6 — 9 unter 119 Hexa-
nur 6 Verse derart u. s. w. Was lâsst sich dann daraus irgend folgem?**
gs gar nicbts; denn aile dièse Zahlen sind falsch; Fasti VI 1 — 260
eispiele (v. 57, 61, 65, 69, 137, 251; v. 263 steht das siebente), Met.
135 hat 10 (28, 62, 78, 92. 110, 123, 126, 127, 132, 134), ex Ponto
-9 hat 11 (5, 3. 25. 6, 21. 27. 31. 41. 7, 33. 39. 8, 11. 9, 1. 9).
mdlich derselbe meine Worte (S. 39) ^componere potuisse OTidiom
ca praefracte negare nolo" zu einem Zugestftndniss, dass unser Gedicht
n kOnne, missdeutet, so will ich sie ihm ûbersetzen. Sie gestehen su,
^Tid ein Gedicht rom Fischfang habe schreiben, d. h. sich Halieutiea
genstand habe w&hlen kOnnen.^ Hat Herr Riese dies wirklich nicht
m kônnen ? — £in anderes meiner sieben metrischen Argumente glaubt
t (Ztschr. f. ôsterr. Gjmnas. 1879 S. 179) dem Zufall zuschreiben su
; leider hat er vermieden die Analogien aus dem Ovid anzufùhren, die
kzu ûberreden kônnten; mir sind sie nicht bekannt. Das illa cruorem^
derselbe S. 182 als sein Ëigenthum reklamirt, ist von mir S. 5 als
I bekannt aufgeftihrt; es ist aber viel ftlter als er; ûbrigens habe erst
Sachbeweis ftLr seine Richtigkeit gebracht. — Eine Aufttellung, die
}hme, ist, beil&ufig, die Lesung Ton Bàhrens v. 1 1 : decidit adsumptaque
mdem pavet esca.
302 — I^iô Buchgrôsse. —
Gorippus, Johannis I 581 m 460 Y 778 YII 658
II 488 IV 1171 VI 542
Egidias Ck)rbolieiisU, IV, de physionomiis (éd. V. Rose, Anecd. gr. Ut. I 177) : 957
Qamtns Smymaeas I 880 VI 651 XI 501
II 666 Vn 784 Xn 585
m 787 Vin 554 xm ses
rv 595 IX 546 XIV 658
V 668 X 488
So wie Claudian und Sedulius, ist aucb Nonnos zu aaffallend
niedrîgen Zahlen gelangt; doch war bel letzterem das Streben 48
Bûcber wie Homer berzustellen sicbtlicb bierauf von Ëinfluss. Fol-
gende Zablen ergeben seine Dionysiaca:
I 584 Xni 568 XXV 571 XXXVÏÏ 778
H 712 XIV 487 XXVI 878 XXXVIH 434
m 444 XV 421 XXVII 841 XXXIX 407
rv 463 XVI 405 XXVIU 880 TYTT 580
V 621 XVn 897 XXIX 881 XXXXI 427
VI 888 XVIU 868 XXX 826 XXXXn 534
vn 868 XIX 846 XXXI 282 TTTTm 449
Vin 418 XX 404 XXXn 299 XXXXIV 318
IX 821 XXI 844 XXXm 387 XXXXV 858
X 480 XXII 400 XXXIV 858 XXXXVI 869
XI 521 XXm 820 XXXV 891 XXXXVn 741
xn 897 XXrV 848 XXXVI 480 XXXXVm 978
Dièse niedrigen Zablen kebren aucb spater wieder, wie in der
nokjaiç des mittelalterlicben Niketas Eugenianus mit 8 Bûcbern za
357, 384, 410, 411, 626, 328, 306, 271 Senaren oder in des Tzeties'
Antbomerica mit 406, Homerica mit 489, Postbomerica mit 780 Versen.
Von den Romanen môge bier endlicb wenigstens das eine Bei-
spiel des Longos angescblossen werdea. Seine Hoifisvixcc, im Ganzen
nicbt grôsser als ein Liviusbucb mittlerer Grosse, werden uns in 'fier
Bùcblein dargeboten von 529, 7I6V2, 684, 735 Zeilen.
An monobibliscben Werken verzeicbnen wir folgende. Zu den
Eclogen des Calpumius wurden spater nocb vier weitere binzugefSgt
und so das Mass des Rollenbucbs completirt vom
Nemesianns 1069 Paalinns, in S. Felicem, c. Xm . 805
Gommodian, carmen apolog. . . . 1053 - in S. Felicem XI ... 730
Serenns Sammon., De medicina .1115 - Epistola ad Cytheriam . 94S
Optanianas, ad Gonstantinnm, circa 800 Avienus, descr. orbis terrae . . . 1^
ÂQSonius, epigrammatam 1. . . . 946 Ânacreonteorum liber 10^
epistolanim 1 1263 Orpheus, Lithica 77*
Proba Faltonia, cento Vergil. . . 720 - Argonantica 1876
— Das Poesiebuch. Sp&tere Beispiele. — 303
radentins, Apotheosis .... 1084 Priscian, periegesis, e Dionysio . 1087
Hamartigenia .... 966 Luxorius, epigr. L . . . . circa 750
Psychomachia. . . . 917 Orestis tragoedia 971
. Prosper, cannen de ingratis . . 800 Gesta Âpollonii Tyrii 792
Es kommen noch folgende Monobibla hinzu, deren Masse z. Th.
ieder sehr gering ausfallen:
ryphiodor, ahofftç 'lliov . . .691 Paolinns, in S. Felicem c. VU . . 886
landian in sezt cons. Honor. . . 686 - de Johanne 830
laodian de bello Getico .... 665 - in g. Felicem c. X . . . 825
landian*) de quarto cons. Honorii . 656 Symphosins, Âenigmata 317
anUnns, in S. Felicem, c. IX . . 647 Dracontins, Satisfactio 816
de morte Gelsi .... 680 Paolinns, in S. Felicem c. Y^) . . 299
anlinos t. PeUa, Eacharisticon . . 616 «Sacrilegas capite puniatar* eqs. . 285
[azimnsphilosophaBTrfÇfxaraçgifaii' 610 Glaudian in Probini et Olybr. cons. 279
▼ianos, fabnlae*) 588 Garmina de Sodoma et de Jona'), fiber 271
landian, bellnm Gildonicnm . . . 526 Paulinns Epithalaminm 240
nsonins, Mosella 483 Glaudian de tertio cons. Honor. . . 229
Parentalia 458 Remns Favinns (Priscianns) de pond.
ioridius Geta, Medea 461 et mens 208
iolinns, in S. Felicem, c. XII . . 440 Reposianas, De concnbitn Martis et
in S. Felicem, c. VIII . . 427 Yeneris 182
ictorinns, De fratribns septem Mac- Rusticus Elpidins, de Ghristi beneficiis 149
chabaeis*) 898 Lactantins, de ave Phoenice . . ca. 147*)
olnthos, raptns Helenae .... 885 Glaudian, epithal. dictum Palladio . 153
anlinns, in S. Felicem c. lY . . .361 Phocas, vita Yergilii (incomplet) fiber 131
ludian in Hallii cons 860 Endelechius, c. bucolicum . . . .132
[luaeos, rà xa&' *'Hçù} . . . .841 (Pervigilium Yeneris 93)
mlinus, cannen ad Nicetam . . . 340 (Yespae iudic. coci et pistoris . . 99)
Ycm Nachlass des Ausonîus lassen sich zunachst noch anfugen
18 Eclogarium mit 324 Zeilen, der Cento Nuptialîs mit 270 (incl.
"Osa), das Technopaignion mit 227 (incl. Prosa). Denn nothwendig
*) Die prftefationes des Glaudian sind stets zu den Bûcbem hinzuge-
ehnet. Claudian's Laus Serenae (236 Yv.) ist Fragment. Sein Gedicht De nuptiis
'. IX) h< 363 Yt. ; doch werden wobi die Fescennini zu demselben Bâche
hOren (giebt 498 Yy.). Die Gigantomacbie (170 Yv.) ist incomplet; dasselbe
It wohl Yon seiner Epigrammensammlung (301 Yy. bis N. XLIY, 394 bis N. L).
') Ohne die Yerdâcbtigen Yerse sind es nur 554.
*) Wohl aus dem 4. Jhd.; Ygl. Ebert I S. 119.
*) Yielleicbt bildeten die ersten drei Gedichte auf Félix mit 39 und 36
ià 135 Yy. ein Buch.
^) Beide Gedichte scheinen zusanmien edirt; das zweite mit 105 Yy. ist
iTollst&ndig (Ebert I S. 117).
^ Es fehien einige Yerse, Ygl. Bhein. Mus. 34 S. 9.
304 " ^^® BuchgrOsse. —
scheint es auf die verschiedenen Idyllien des Ausonius die antike Bncb-
form aDzuwenden (s. S. 101 f.); fur yiele derselben, die sicb zwisclien
60 bis 20 Yersen halten, ist gesonderte Edition indess nicht denkbar,
iind so wissen wir denn in der Tliat, dass jedenfalls Id. I und II
zusammen edirt wurden (ygl. praef. Il), zugleich aber anch vohl
Id. m. Wichtiger nocb ist, dass Ausonius seine Professores Ton
572 Yersen fur nicbt ausreichend erklârt und zum Zweck der Axa-
fullung Epîgramme verwandten Inbalts, die Epitapbia beroum, hinten
anhângt (vgl. die praef.; oben S. 156), so dass nun ein Bach yod
715 Yersen erzielt ist. Andrerseits traten die Bissulagedicbte (Id. YD)
als „dûnnes Bucb^ selbstândig vor das Publikum^); das Granze bietet
aber nur 41 Zeilen (incl. Prosa); muthmasslicb fehlt uns die Melu^
zahl seiner Epigramme. Die spâtere Codificirung des Ausonius bat
bewirkt, dass wir die ursprûnglicbe Gruppirung yieler Stûcke ine
des Gripbus (90 Yerse), der Caesares u. a. nicbt mebr zu erkenneo
vermôgen.
Das Buchmaximum finden wir nun wiederum in allen ange-
fubrten Beispîelen der spâteren Zeit bis in's secbste Jabrbundert 80
gut wie unyerletzt. Unerhôrt scbeint nocb damab ein Bucbum&ng
gewesen zu sein wie des Pbiles 2015 (frixot tkqï ^œv M»Offi*Ç
oder wie ibn die Bjzantiner in der Palatinischen Anthologie berge-
stellt baben, woselbst sicb das Bucb der àyaS^fianxà auf 2361,
das der iQtûuxd auf 2056, das der (WfAnonxà xal axùHTmxà aof
2358, das der imvviA^Mx gar auf 4600 Yerse berecbnet, nicht weniger
unerhôrt als ein solches Minimum bei mehrbùcherigen Werkeu da-
mais nocb war, wie es Tzetzes in seiner imod-sdiç *0(aiJqov àUf-
yoQfld-sXaa herstellte, der fur jedes Homerbuch etwa 100 Verse
braucht, gelegentlich zu 200, einmal zu 372 und zu 447 aufsteigend,
einmal herabsinkend zu nur 78 {S)\ so theilt sicb z. B. die Ecloge
des Naso aus der Zeit KarPs des Grossen in zwei libeUi, deren
erster aus 93, der andere aus 121 Hexametem besteht*). Unerhôrt
gross scheint aber femer auch nocb die Zahl 1476 des Waltharius,
^) Es heisst ad lectorem : tenuem lecture libellum. Bissula in hoc êckedio
cantabitur,
») Vgl. Ebert II S. 65.
— Das Poesiebnch. Sp&tere Beispiele. — 305
1894 (Senare) des Georgios Pisides aus dem siebenten Jahrhundert in
seinem él^âfMQOV Ç xo(SfAoyQa(pia, 1400 der Bearbeitung des corpus
Justin, des Psellus. Doch giebt es wenigstens einige Fâlle, in denen
eine so grosse Zabi allerdings weiter in das spâtere Alterthnm selbst
hinaufrareicben scbeint: die 1537 Verse in des Synesius Hymnen-
buch sind freilicb in dem Grade kurzzeilig, dass sie, bei doppelt so
viel Colimmen, nicht mebr Raum einzunehmen braucbten als ein
Bach der Aeneide; nnd vrenn die unter des Juvencus Namen Yor-
liegende Genesis ebensoyiel Zeilen bat, so bleibt fraglicb, wie sp&t
dies Gedicbt entstanden sei^). Doch ist ausserdem des Straton
Moikfa natdixij hier anzufuhren mit 1540, zweitens aber auch Pru-
dentiusy dessen Cathemennon liber 1792, dessen Ttsgl (Stêq>dv<»v
liber sogar 3693 Verse aufweist.
Vielleicht sind dièse alleinstehenden Fâlle aïs erste Wirknng
des Codexbuchwesens hinzunehmen. Sehen wir indess auf die Ueber-
lieferung, so lôst sich tïsqï (nëîpdvwv jedenfalls in mehrere Ein-
heiten aoseinander. Vor allem das grôsste Stuck, der Hymnus anf
Somanus N. X mit 1140 Versen, ist fur sich ûberliefert, er war also
jedenfEdls ein Buch fur sich. Aber auch fur die ûbrigen dreizehn
Hynmen ist die ursprûngliche Anordnung ganz ungewiss'); vor allem
das Epigramm N. ViU scheint in die Sammlung nur ^Yerirrt^*).
Femer liegt betreffs des Cathemerinon auf der Hand, dass der Titel,
Hynmen „fur den t&glichen Grebrauch^ anzeigend, sich nur auf die
ezsten sechs Hymnen bezieht. Ebert vermuthet mit Recht^), dass
^) Vgl. Ebert I S. 114; die sagehôrige Exodas hat 1392, der Josua
686 Verse.
*} Wie Prndentias anordnete, l&sst sich ans der Ueberliefenmg nicht
nehr erschliessen, and also bleibt die Môglichkeit offen, dass der Mgenannte
FeriiiefanKm Uber ûberhaupt erst von Sp&teren ad libitum aus den Original-
bAèhem bald so, bald so snsammengestellt wurde. Weitz edirte naeh einem
Cod. fibnerianus saec. X in der Beihenfolge 1. 6. 2. 11. 13. 12. 4. 14. 3. 6.
7. 8. 9. 10; der Cod. Alexandrinus 321 saec. X ordnet: Bomanus (10), dann
Peristef. 1. 2. 3. 5. 4. 14. 6. 7. 9. 8. 11. 12. 13; derVaticanus 3859 saec X:
I. 5. 4. 6. 7. 8. 9. 11. 12. 13. 14. 10; der Vaticanus 3860 saec X: 1. 6. 2.
II. 13. 12. 4. 14. 3. 6. 7. 9. 8. 10.
*) Ebert I S. 258.
«) Ebert I S. 245.
Birt, BnchweMii. 20
306 — ^® BuchgrOsse. —
PrudentiuB aie allein unter diesem Titel publicirt batte; es ist
80 ein Buch Yon Tageliedem, das vom Morgen anhebt und mit
dem Abend scbliesst, in 837 Yersen; die secbs ûbrigen Stâcke,
mit 910 Yersen, sind ein Hymnenbucb anderer Art gewesen:
bymnus ieiunantium , post ieiunium, bymnus omnis borae, ad
exequias defuncti, b. YIII cal. ianuarias (Cbristi Geburt), L epi-
pbaniae.
Straton bat keinesfalls nach dem yierten Jabrbundert, math-
masslicb nocb erbeblicb firûber gelebt. Man nimmt gewôbnlicb an, dft88
er der Urbeber des vorliegenden Sammelbucbs sei. Docb branckt
dies auB dem Titel Stqcctwvoç fàovtfa Tuxkôix^ nocb nicbt gescblossen
zu werden, der aucb a potiore gesetzt sein kann, sofem Straton's
Gredicbte der Hauptbestand des Bucbes sind. Dass sicb ein Dichter
entscblossen baben sollte, seine neuen Gedicbte gleicb in YerluB-
dung mit mindestens eben so vielen alten bekannten zu ediren,
scbeint wenig glaublicb; die Stratonica dûrften wobl yieknebr an&ngi
selbstândig erscbienen sein; ob dann wirklicb Straton selbst ne
bernacb mit anderem yereinigte, stebt dabin; jedenfidls Terfîilir,
der es tbat, sebr âusserlicb; er liess Straton's Bucb beisamme&
nnd tbat fast nicbts als zu Anfang die N. 22 — 174 aus flterai
Autoren einzuscbieben. Die Stratonica fur sicb macben ein Bnck
von 692 Yersen aus.
Das stârkste Bucb, dessen wir aus den letzten Jabrbunderten
des Altertbums vollkommen sicber sind, ist also der yon Ayienas
in's Breitere ûbersetzte Dionysios, womit die Orphiscben Argonautics
îibereinkommen .
Sidonius ApoUinaris aber scbeint seine 24 Carmina des ye^
scbiedensten Umfangs scbon gar nicbt mebr in verscbiedene Bûcher
gruppirt zu baben; die Gesammtmasse betrâgt 3674 Yerse; die
grôssten Stûcke, N. II, Y, Yïï, EX, XY, XXH, XXm, yon 201 bU
zu 603 Yersen, wûrden im Sinne des antiken Bucbwesens Monobibla
darstellen konnen und sind daber mit Recht nicbt weiter zu Bûchern
yereinigt; das nâmlicbe gilt von den carmina minora des Dracontius;
docb scbeint Sidonius eine solche Yereinigung aucb fur die klei-
neren Stûcke, die bis zu 30, zu 10, ja zu 4 Yersen (N. XXI)
binabgehen, nicbt mebr notbig gefunden zu baben. Nacb dieser
— Das Prosabuch. Sammelrollen. — 307
analogie wird z. B. das Entstehen der Ausoniussammlung zu beur-
theilen sein^).
B. Das Prosabucli.
Weil sich — nach Isidor — das Prosabuch principiell in
[;r58seren Dimensionen bewegte, so sind auch die Schwankimgen
liesseits des Maximums bei ihm deshalb bedeutendere als beim Ge-
lichtbucli. Dièses Maximum selbst aber wird mittelst Zâhlungen zu
l^winnen sein. Dass andererseits ein zu kleiner Rolleninhalt ver-
mieden wurde, das lehren uns yor allem die prosaischen Sammel-
rollen. Eben sie sind uns die Durchschnittsgrôsse der Prosarolle
eu exemplificiren ganz besonders geeignet. Es wurden aise gege-
)enen Falls nach Analogie der Gedichtbûcher auch kûrzere Prosa-
rt&cke gesammelt: und zwar, wenn die Brief bûcher etwa den
Bpignunmen, so entsprechen einem Horazischen Satiren- oder dem
Fergilischen Eclogenbuche diejenigen RoUen, in denen mehrere Reden
nsammenstanden. Dièse Reden waren also zu klein, um
kUein zu gehen. Eine solche Sanmielrolle ist die in Aegypten
^efondene des Hyperides, in wçlcher eine Rede vjïiQ Avxôipqovoç
ind eine imkq Evl^svinnov zusammenstehen, femer aber noch diesen
roran die xaxà Jtukotsd'évovç, wie Bôckh, Sauppe und Babington
lOgleich erkannten, wobei ûberdies ungewiss bleibt, ob der letzteren
licht ursprunglich noch andere Reden voraufgingen.
Cicero's Traktat De optime génère oratorum ist Proôm zu seiner
Jebersetzung der beiden Ktesiphonteen des Aeschines und des De-
Qosthenes; auf dièses Proôm folgte nach den Worten Sed de nobis
cMêy aliquando emm Aesckmem ipsum latine dicentem audiamas erst
lie Rede gegen, hemach ohne Frage auch die fur Etesiphon in der-
lelben RoUe.
1) Peiper's gelehrte und verdienstliche Unteraachungen (Die hand-
dirifU. Ueberlieferung des Auson. 1879) setzen einen einsigen Sammelcodez
ik Ansgaxig der Ueberlieferung an (S. 314), verlegen ihn aber Torschnell and
•bne swingenden Grand schon in die Zeit des Todes des Diohters. FOr ganz
woblematisch halte ich, wenn derselbe aaf die „Familienbibliothek'' zarftckgeht
B. 320) ^bei der bescbr&nkten Anzabl von Ezemplaren, die in alter Zeit nach-
reUbar*" (S. 318).
20'
308 — ^^ Buehgrdtse. —
Der altère Senecs stellte ebenso mehrere SuasorieD, mehrere
•
ControYersien in seinen Bûchem zusammen.
Und nicht anders waren folglich auch die kûrzeren der Reden
Cicero^s angeordnet. Dies Postulat bestâtigt uns fur die Philippica
JuTenal in erwûnschter Weise. In derselben Rolle folgte auf die
erste Rede Cicero's gegen Antonius die zweite, muthmasslich aber
noch mehr, wenn Juyenal die zweite folgendermassen. anruit: te con-
spicuae, dwma Philippica, fanuie, Voheris a prima quae prosxma
(X 126).
In dem Hexaemeron des Ambrosius zu sechs Bûcbem besteht
das erste, dritte und funfte Buch aus je zwei Sermonen ûber die
Genesis.
Der Kaiserbiograpb Sueton bebandelt in seinen sechs ersten
Rollen je eine Persônlicbkeit; Stoff und Bucbform kamen hier selir
glûcklich ûberein; in der siebenten jedoch zaussten sich die diei
selbstândigen Yiten des Galba, Otho und Yitellius, in der achten
die drei des Yespasian, Titus und Domitian zusammenfinden; âe
waren eben wiederum zu kurz und hatten nicht vollen BucbweitL
Nicht anders aber waren endlich auch die Demosthenesrede&
angeordnet. Unsere yortre£Qiche handschriMiche Ueberlieferung lâsst
ihre Yertheilung auf Rollen noch mit Sicherheit erkennen. Jede der
Reden hat freilich, wie wir ûrûher sahen, ihren besonderen sticho-
metrischen Yermerk. Doch wâre es voreilig daraus zu folgem, jede
sei darum auch eine Rolle fiir sich gewesen, so wie auch aus den
(Piixoi unter des Moschos Europa keineswegs folgt, dass dièse Mono-
biblos war. Der Parisinus 2 des Demosthenes addirt yielmehr sechs
Reden wieder zu einer stichometrischen Ëinheit. Denn nachdem Ton
jûngerer Hand der Olynth. I die Zahl HHRAn^ der Olynth. H
HHFIAAAAn, der Olynth. m HHHAAn, der ersten Phi-
lippica HHHHPHA^ fûnftens der mgï XeQaov^tfov fîV^AAAA
subskribirt ist, so finden wir an sechster Stelle unter der Rede mç*
''AXovvi^aov (folio 28*") von der ersten Hand folgende Unterschrifk:
HHHAAAAn
TÔMOC A
OiXtnTuteol Xôfot s'
xxHHrziziAn
— Dm Prosabuch. Minimam, Mazimiun. — 309
Das heisst also: Demosthenes zerfiel in mehrere téfAOi zu mehreren
Eteden; der erste xéfAOç war betitelt (ptJUnmxol Xoyot ^ und ent-
hielt jene sechs aufgezâhlten Reden; ausser den Einzelreden war
auch der Gesammttomos sticbometrisch subskribirt; die ToUe Sub-^
skription des Gresammttomos bat die erste Hand des Codex zu
ûbemehmen fur nôthig gebalten, wâbrend sie die Sonderzablen weg-
Hess. Man formirte also einen Demostbenesband zu 2275
Normalzeilen^). Die Subskriptionen der folgenden rd/tioft bat der-
selbe Scbreiber indess weggelassen und die jûngere Hand bat sie
nicbt nacbgetragen. Wir kônnen mutbmassen, dass TOMOC B
die fûnf nocb iibrigen ffihTiniXoi Xoyok^ entbielt in 1906 Zeilen.
Solcbe Sammelrollen sind nun desbalb offenbar die Normalgrôsse
anzuzeigen am geeignetsten, da bei ibnen mebr als sonst die An-
setzung des Endes in dem Belieben des Sammlers stand. Wir
erkennen also biernacb Yorlâufig 2000 Hexameter oder,
weiter ge&sst, deren 1500 bis 2500 als Durcbscbnittsgrôsse
des Prosabucbes an. Aber die Grenzen des Môglicben waren
hier docb yiel weiter gesteckt.
Fur das Minimum desselben baben wir Torlâufig bis zum
Maximum des Gedicbtbucbs, also zu etwa 1100 Hexameter
hinabzugeben.
Fur das Maximum endlicb aber giebt uns einen erwûnscbten
lingerzeig das Werk des Pausanias. Jede der neun griechiscben
Landschaften behandelt dieser Perieget in je einem Bucbe: trotzdem
war er gezwungen sein Werk zu zebn Bùcbem zu erweitem. Die
Laconica (III) ergaben ein Bucb von 2685 Zeilen, die Acbaica (Vil)
dnes von 2760, die Boeotica (IX) eioes von 3125, die Messenica (TV),
Corinthiaca (H), Pbocica (X), Attica (I) aufsteigend deren 3268,
8394, 3800, 3868. Die Arcadica geben in dem Bucb Vm zu der
Zabi 4172 binauf. Wâbrend der Autor nun aucb nocb diesen letz-
teren ibre Bucbeinheit beliess, legte er dagegen die 5184 Verse seiner
1) VgL Graaz a. a. O. S. 140. Die Zahl ist natfirlich io XXHHFIAAfl
la corrigiren. Addirt man fibrigens die Einzelsummen , se ergeben sich TÎel-
mehr 2280 Zeilen fùr den tôfjioç,
*) Friede, PhUippica II, III, IV, and Brief. Vgl. Granz S. 141.
310 — ^î® Bnehgrôsse. —
Eliaca in zwei Bûcher zu 2684 (V) und 2499*/» (VI) VereeD aus-
einander^). Die Disposition war hiemit zerstôrt: nur der RanmzwBog
kann biezu genôthigt haben. £ine Prosarolle konnte somit
noch 4172, sie konnte nicht mehr 5184 Yerse fassen.
Nâhere Betrachtung aber ermôglicht uns weiter eine Reihe ron
Formaten zu unterscheiden. Die Rollen der alten Litteratur ordneB
sich danacb in der folgenden Weise auseinander:
I. mittlere Grosse.
a) 2000 Zeilen (d. b. 1900—2100):
Enklides, «rroig^éia XI.
Cicero, de finibus IL
Cîcero, Tusculanen I.
Livius, XXIX. XXXIII. XXXVI.
Caesar, Bellum civile I.
Strabo III. VI.
Plinius, hist. natur. VII. X. XXXV. XXXVn.
Quintilian VIL VIIL XH.
Tacitus, Ânnalen I. n.
Arrian, Anabasis I.
Symmachus, Briefe IX.
HieronymuB, comment, in Jesaiam Vin. XL XV.
Orosius n. III.
b) 1700 Zeilen (d. b. 1500—1900):
Euklides, crrojg^éMr VI. XII.
Cicero, de officiis III.
Cicero, de natnra deorum 1.
Cicero, de finibus V.
Cicero, Tusculanen V.
Varro, de lingua lat. V.
^) Paasanias ist berechnet nach der Ausgabe Yon Schubart. — Hier sa
ein ftlr aile Mal betreffs der folgenden Zeilensummen gesag^: der Gesammt-
buchstabeninhalt oines jeden Bûches wurde festgestellt durch môglichst gentoe
Bestimmung der Anzahl seiner Druckzeilen, wonach dièse Anzahl mit dem
Dnrchschnittsbuchstabeninhalt einer Druckzeile in dem betr. Druck mnlUplicirt
wurde; fur den Buchstabeninhalt der Druckzeile aber wurde aus 10 — 20 ZeQen
ein Durchschnitt bestimmt. Die Summe der antiken Normalzeilen ergab sià
endlicb mittelst Division der Gesammtbucbstabensumme durch 35 (bisweileo,
wenn schon selten, auch durch 34, was ich nicht mehr in jedem Fall besonders
anzugeben im Stande bin). Die Ausgaben, nach denen gerechnet ist, irerdeD
jedesmal angefùhrt werden.
— Das Prosabuch. Formate mittlerer GrGsae. — 311
Livius XXXn.
Strabo IV.
ApoUodoros, Bibliothek III.
Curtiua Rufus VII. VIII.
Plinius, historia naturalis III. V. IX. XV. XIX. XXL XXII.
xxni. XXIV. XXV. xxxin. xxxiv. xxxvi.
Quintilian IV. VI. X.
Tacitus, Annalen III. IV. XIII. XV.
Aman, Anabasis H. IH. IV. V. VI. VU.
Dio Cassius XLI. XLn. XLIV. XLVI. XLVH. XLVHI.
TertuUian, adversus Marcionem I. II. III.
Origenes, in cantica canticornm (iuterpr. Hieronymo).
Ensebins, praeparatio evangelica I. lU.
Symmachus, Briefe IV. V. Vil.
Ammianus Marcellinus XIV. XXn. XXIX. XXXI.
Hieronymns, comment in Jesaiam IV. X.
Orosins I.
Caelius Aarelianns, morborum chronicorum IV. V.
c) 2300 Zeilen (d. h. 2100—2500):
Demostbenes, tôfjioç A,
Cornificius, ad Herenninm IV.
Cicero, de divinatione I. II.
Oicero, de officiis I.
Livius VI. VIL VIH. XXHI. XXIV. XXV. XXX. XXXI.
XXXV. XXXIX. XL. XLIV. XLV.
Diodor P und P. XVm.
Strabo V. X. XI. XII.
Cnrtius Rofus FV.
Plinius, historia naturalis I. n. VI. VIII. XVI. XVII. XX.
Quintilian H. III. XL
Tacitus, Historien I. IL m. IV.
Athenaeos Vin. XV.
Pausanias, Eliaca H.
Hieronymus, comment, in Jesaiam IL IIL VI. IX. XTTÏ.
XIV. XVI.
Orosius IV. V. VI.
Diomedes IL III.
Caelius Aurelianus, morb. chronicorum ni.
grÔBseres Format.
d) 2700 Zeilen (d. h. zwischen 2500—2900) :
Philodem, mçi oçy^ç (Kap. IV S. 188 Nr. 112).
Gicero, de inventione 1. IL
312 — ^^ BaehgrOiM. —
Cicero, de natora deonim n.
Cioero, de oratore m.
Cioero, academica priora II.
Caesar, bellum civile III.
Livius IV. V. IX. X. XXI. XXXIV. XXXVH.
Diodor XII. XVIP.
Strabo IX. XIII. XIV. XV. XVI. XVn.
Plinins, hist. natar. n. XL XXVm.
Qointilian I. V.
Hermogenes m^i îâ^&y tofioç B.
AthenaeoB IX. XI. XII.
Dioskorides, Tuçi tXtfç laTQuajç V.
Pansanias, Laconica, Achaica, Eliaca I.
Tertnllian, adversus Marcionem V.
HieronymuB, comment in Jesaiam I. VU. XVII.
Angnstinns, de ciyitate dei X.
Oroflins VII.
Caelins Aurelianns, passionom I.
Caelins Aurelianns, morb. chronicomm I.
e) 3000 ZeUen (d. h. 2900—3100) :
Philodem nt^i xaxê£y xtL (Kap. IV, S. 188 Nr. 111).
Cicero, de oratore I.
Livius I. IL XXII. XXVL XXVH. XXVIH. XXXVm. XLIL
Diodor IL V.
Strabo VIH.
Plinins, hist. natnr. XVIII.
Qnintilian IX.
AthenaeoB X.
Dioskorides niçt tâltiç îarq. I.
Herodian, fi xa^Xov nqoçt^ia (Eap. IV, S. 170 Nr. 78).
Origenes, contra Celsum VIL
Hieronymus, comment, in Jesaiam XVm.
f) 3450 Zeilen (d. h. 3100—3800):
Epikur, mçl frwraoç XV (Kap. IV, S. 187 f. Nr. 105 nnd 120).
Polybios n.
Philodem mQi ^rjroçêx^ tmofâvnifiatutôy (Kap. IV, S. 188 Nr. lU)-
Karneiskos, Phiiista (Kap. IV, 8. 189 Nr. 117).
Livius m.
Diodor III. XL XVIII.
Strabo I. IL
Hermogenes nt^l l&t(av rôfjioç A,
Plutarch, Nikias und Crassns (Kap. IV, S. 203 Nr. 229).
— Db8 Prosabueh. Grosse Formate. — 313
Athenaeos VI. Vil. XIII. XIV.
Dioskorides, nêçi ^l9iç Uxxq, II. ni. IV.
Pansanias, Boeotica, Messenica» Corinthiaca, Phocica.
Origenes, contra Gelsom V. Vliï.
Symmachns, Briefe X.
Charisias II.
Hieronyinns, comment, in Jesaiam V.
Caelios Aarelianns» morb. chronicomm II.
Caelins Aorelianas, passionnm III.
g) 4000 Zeilen (d. h. 3800—4200) :
Pulybios I. IV.
Cicero, de oratore n.
Diodor IV. XV. XVI.
Velleins II.
Pansanias, Attica, Arcadica.
Caelins Anrelianns, passionnm II.
Origenes, contra Celsnm VI.
!. grossies Format (d. h. zwischen den Arcadica und den
Eliaca des Pansanias, zwischen 4172 und 5184 Zeilen):
h) 4500 Zeilen (d. h. 4200-4800):
Philodem, mQÏ ^tjroQuciç (Eap. IV, S. 186 Nr. 103).
Cornélius Nepos, vitae exceUentium imperatorum.
Diodor Xm. XIV.
Origenes, contra Celsnm IV.
i) 4800—5184 Zeilen:
Polybios V.
(Diodor I. und XVII., beide von ihm selbst halbirt).
Tertnliian, adversus Marcionem IV.
Charisius I.
\ abnorme Grosse, iîber 5184 Zeilen:
Polyb ni. mit 5327 Zeilen.
Diomedes I. mit 5698 Zeilen.
. geringeres Format.
k) 1400—1500 Zeilen:
Enklides, (rroA/éKT I.
Cicero, de officiis II.
Cicero Tnsculanen III. IV.
Curtins Rnfns IX.
Plinius, hist. nat. IV. XXVI.
Tacitus, Annalen XIV.
314 — ^^® BachgrQMO. —
Cassiua Dio, XXXVm. XLIX.
Porphyrins, de abstinentia II.
Symmachns, Briefe II. III.
Ammianns Marcellinns XXVIII.
Easebins, praeparatio eyangelica H.
1) 1300—1400 Zeilen:
Enklides, <rn>i/«Mr III.
Cicero, de natnra deornm IIL
Cicero de finibns IV.
ApoUodoros, Bîbliotbek H.
Cnrtins Rnfas III.
Plinius, hist. natur. Xm. XIV. XXVII. XXIX. XXX. XXXH.
Tacitns, Annalen XII.
Cassius Dio XXXVn. XL. XLIH. XLV. LU LVL
PorpJiyrinSy de abstinentia I.
Ammianns Marcellinns XVI. XVn. XXI. XXV.
Symmachns, Briefe VI.
m) 1200—1300 Zeilen:
Gornificins, ad Herenninm H.
Cicero de legibns II.
Cicero de finibns ni.
Plinins, hist. natnr. XXXI.
Hermogenes, nsçi êlçéifêtiiç ni. IV.
Cassius Dio XXXIX. L. LIV. LIX. LX.
Porpbynns de abstinentia m.
Ammianns Marcellinns XV. XX. XXm. XXVI. XXVII.
n) 1100—1200 Zeilen:
Caesar, bellnm civile II.
Cicero, Tnscnlanen II.
Cicero de finibns I.
Apollodoros, Bibliothek I.
Cassins Dio LUI. LV.
Porpbyrios, de abstinentia IV.
Ammianns Marcellinns XXX.
Nach diesem Ueberblick iîber die Formate, wie 8ie vorliegisn,
gilt es zunâchst das Buchmaximum nâher zu betrachten.
Plinius beabsichtigte ein Paradoxon, wenn er schrieb, ein gâtes
Buch sel desto besser je dicker es sel: bonus liber meUor est qvù-
que quo maior (epist. I 20). Denn er selbst kennt den Vorzug der
brevitas voluminis sehr gut, den wir schon Cicero hervorheben sshea
— Das Prosabuch. Geringere Formate. Rûckbilek. — 315
\, 289); er bedauert die Lange einer Rede, die er publiciren will
dd die er per hiduum yorgelesen bat (epist IV ô); yon einer an-
eren meldet er (H 5,3): Uber crevit und fordert vom Lupercus:
iseca ; denn das fasHdium legentium yerlange mecUocritatem Ubri, d. h.
in en mâssigen U m fan g. Aile gescbickten Stilisten sehen wir
iher nicht yergebens bestrebt, das mittlere Format nicht zu ûber-
ihreiten. Nur Autoren der alten Schule, yor allem Polyb, nach
im Diodor, oder aber die Yerfasser yon Lehrbûchem, die einen
Dspruch auf schônheitliche Wirkung nicht erheben, wie Strabo und
ioskorides, bauschen ihre RoUen zu grossen Formaten auf. Poljbios,
sr alteste, zeigte sicb zugleich als den ungeschicktesten; es ist ein
îlistisches Yerdienst, dass ihn Liyius und dass den Liyius weiter
icitus, den Tacitus endlich Cassius Dio und Ammianus in der
andlichkeit der Bûcher ûberbot. Tertullian hat sich nur einmal
t einer fast abnormen Grosse yerleiten lassen; ihm war die Bis-
«ition hier muthmasslich durch seinen Gegner gegeben und er
itschloss sich darum nicht das Buch IV zu theilen.
Ungeschickt erscheint auch die Biographiensammlung des Nepos
id dièse ihre Buchbescha£fenheit iâsst ihren geringen Charakter
n 80 deutlicher erkennen. Ich kann eben darum auch yon der
ypothese absehen, wonach, was ims yorliegt, nur ein Excerpt aus
epos sein soll; das Original der Feldhermyiten batte alsdann jeden-
Us nicht in einem Bûche Platz gefunden. Schon jetzt hat der
ator allen Grund, seine praefatio abzubrechen und die Stârke
er Rolle dafur als Grund geltend zu machen (rnagniiudo volundms
rohibet). Das Werk tritt yor das Publikum als nicht mehr denn
n Conyersationslexikon in sachlicher Gruppirung und in Riesen-
>lien, und seine Wortkargheit und das Notizenhafte seiner Erz&h-
ing ist diesem Zweck durchaus angepasst
Proklos, im funften Jahrhundert, fallt dagegen o£fenbar schon
us dem Papyrusbuchwesen heraus, wenn er das erste seiner sieben
tûcher zum Parmenides zu 6760 Zeilen ausdehnte^); das sechste
eht zu 3654 herab'); das siebente hat S. 253 éd. Cousin einen ersten
>) Cousin Bd. IV aaf 221 V, Seiten.
>} Cousin Bd. TI auf 113 '/s Seiten.
316 — ^>® BuehgrOsse. —
Schluss nach etwa 4360 Zeilen; hieran schliesst sich aber ûoch eis
«finis libri septimi ab altero, fort. Damascîo suppletus* S. 255. So
immôglicli jene Zabi scbeint, so wird sie doch nocb ûbertroffen
durch den Commentar eines Anonymus zum Job^), der, wie die des
Origenes, in Bûcber zer^t und dessen erstes sich anf nicht weniger
als 8349 Zeilen berechnet, wozu das zweite (5211 Z.) nnd dritte
(nur 1703 Z.) in grôsstem Missverhaltniss steben. Ein Bach im
Antbologion des Stobaeus (III) greift dann weiter zu etwa 13000Z.
ans. So konnte die Bucbtheilung erst ausarten, als die Rollenfoim
selbst yergessen war.
Innerhalb des classiscben Bucbwesens konnte es non aber vm-
kommen, dass ein Antor eine bestimmte Bucbdisposition getroffen
batte, nacb welcber er sein Material zu gruppiren gedacbte, ohne
docb scbon den Umfang and die FûUe desselben sogleicb hinieichend
abzoscbâtzen ; alsdann konnte der Stoff wobl noch nacb getroffener
Disposition ein einzelnes Bucb ûberfullen and sprengen: die Belle
reicbte nicbt, es aofzanebmen. Das natûrlicbste war alsdann, die
Bacbzablen auf dem Titel dementsprechend abzaândem; so hit
Paasanias die balbirten Eliaca als zwei seibstândige Rollen Y and YI
in Zâhiang gebracbt. Ebenso kann yermnthet werden (unten
Eap. VU), dass die Naturgeschicbte des Plinias orsprûnglicb in nnr
18 Bûchem concipirt war, nach deren durchgângiger Halbirang aber
yielmebr bis zu 36 durcbnumerirt wurde. Doch bat solche Aende-
rang der Buchzahlen in einigen Fâllen nicht mehr moglich oder
nicbt opportun geschienen, wofur sich der Grund nocb meistens er-
kennen lâsst. Alsdann wurden die Buchhâlften als „Tbeile^ Ter-
selbstândigt und ausgegeben. Das Buchwesen wurde dadurch corn-
plicirter; Bucb undRoUe erschienen hier ausnahmsweise nicbt identisch.
Selbstyerstandlich mussten solcbe Fâlle darum durcb besonderen
Vermerk auf dem Index notificLrt werden.
Plinius ist hierfar wiederum das bekannteste Beispiel, Ton
welcbem nach seines Neffen Bericht (epist. III 5) studiosi libri tm
edirt wurden m sex volumina propter ampUtudinem dwisi, Erscheiot
bier der Raumbegriff des Buchs zur Rollenzweiheit abstrahirt, so
') Abgedniekt im Origenes éd. LommaUach Ed. XVI init.
— Das Prosabueh. Ueberschreitung des Maximums und Theilung. — 317
ir dies das Résultat des Eigensinns jenes Sammelsurienschreibers,
r Yon 1 bis 6 zu numenren sich nicht entschliessen wollte.
Nicht anders aber ist es dem Diodor ergangen; er zerlegt, wie
inius, gleich sein erstes Buch ûber Aegypten von 4859 Zeilen in
rei f^Q^ (nicht fitfiXià) yon etwa gleicher Grosse, unterlâsst aber
cht, dies ausfuhrlich anzuzeigen und zu motiviren mit dem Raum-
range I 41 : aQTCsa^aofis&a totç sî^ijdvoiç %va fi^ Tfjy il^ ciçx^
iXy nQOXstfAéyijv avvroïkiav vnsQfiaiycofisv. irtsi âè %^y fiifiXov
iVTip^ âtà %6 fiéyê^oç êlç âvo âêfiQi^xafisy fAéQtj, (rro%aCof*«vo*
ç cvfifAêTçlaç j Tfjy nçaitiiy fAsglâa tAv îifzoQOVfiévùùv avtoi
}QêyQeii/joiA€v , Ta âè cvvsxfi tâv xatà t^y ^fyvmov linoçoth-
h^wy iv %^ âêvréQtf xatatci^ofisy (nâmlich fAêçlâi), Zu derselben
asaregel nôthigte den Diodor abermals sein ITtes Buch ûber
lezander den Grossen mit 4976 Zeilen. Weshalb er nicht yorzog
e Buchzâhlung abzuândem, ist leicht einzusehen ; seiner Disposition
tmâss sollte eben jedes Buch einen Sachtheil erschôpfen und so ein
Ibstândiges Greschichtsbild geben (oben S. 135). Aber auch des
ristides Uyoç ngcoTOç tkqI ^roçix^ç schien seinen Lesem zu
nfimgreich; man zerlegte ihn gewaltsam bei pag. 39 Jebb. xaï %i
3 %àç aXXaç H^evàl^eêv xàxvaç in deren zwei. Der ganze Xôyoç
Ut ungefahr 3500 Verse; nun zerfiel er in zwei RoUen zu 1400
id 2100. Im Schol. Aristides III S. 401 lesen wir hierûber: l(ùç
tavô-a to ^fA^av uv€ç VTiéXa^ov .... xax&ç àytavâ-a ôtatQOWfè
iy Xoyop' ov yàg ôvvaxov fkijncù zijç xatacfxevijç TKQaKû&sUfiiç
\Xoç iTudé'jijBfSd'at xov Xôyov .... ànoôêtxvvvxoç yàg dtè %o
vox^i^^ct^ Ti^XVi/ç xaï ovâéncù tovtov TtsQatœô'évtoç ijtstç^veyxsp
layov TOfA^ ta X6y(a' îtstiov âè ot« âvo slai (jboyot VTièç çi/to-
uffç Xôyot ' dXXa âtà to /a^xoç aètâv âtfigé^^aav œç al
^avxvâiâov linoçUtt. Ueber Thukydides wird erst in anderem
osammenhang zu handeln sein.
Sehr einladend mûssen zu solcher Zerlegung propter ampUtudmem,
\à TO fJ^xoç oder (léysâ'oç die Parallelbiographien des Plutarch
swesen sein. Jede der Parallelen bildete fur den Autor nur ein
•ach, das in der Yergleichung der Helden seinen Abschluss findet^);
') Es smd 19 Paar Parallelen mit Vergleichang, 4 Paare ohne Ver-
leiehimg, anaammen 23. Das Leben des Demosthenes stand in Buch T, des
318 — ^îo Buchgrtete. —
ein solches Buch eireichte aber beispielsweise einen Umûuig Ton
3318 Yersen. Es musBte gerade liier nahe liegen, dafem dies Werk
gem und yiel gelesen wurde, durch Halbirung die ente Vite xa
yerselbstândigen. Dass dies — nicht ohne Yermerk im Titel —
wirklich geschah, glaube ich schliessen zu dûrfen aus der eigenthûm-
lichen, oben S. 203 mitgetheilten stichometrischen Doppelnotiz einer
Madrider Plutarchhandschrift: denn wenn hier zuerst unter dem
Nikias (fwâ(jb<pœ ,$£Vj ^^^ n^^^ unter dem Crassus ebenso fSvvaikffiê
,^SV geschrieben ist, so geht die Zeilensumme offenbar beidemil
auf beide Stûcke; die Gresammtsximme unter der ersten Bachhâlfte
erklârt sich, wenn einestheils beide Yiten buchh&ndlerisch als ein
Buch galten, anderentheils aber die erste nachtrâglich r¨ich nb-
getrennt war und einer besonderen Subskription bedurfte.
Dasselbe ist im Alterthum aber auch mit Gicero's BrutoB ge-
schehen, ohne dass unsere handschriftliche Tradition dadurch beeb-
flusst worden wâre, so wie man auch noch bei den Schriften des
Hieronymus nachtrâglich zu theilen nÔthig fand, wohl einer der stich-
haltigsten Heweise dafur, dass des Hieronymus Schriften auch noch
in Rollenform mûssen edirt worden sein. Eben aus Hieronymni
entnehmen wir Folgendes^): derselbe hat den Paralipomenon Uber
ûbersetzt und hebt hervor, das Werk sei im hebraischen Oiigmil
nur ein Buch und gehe als solches imter dem Titel Dabre Jamin;
er selbst (Hieronymus) ziehe es yor ihn um seiner Grosse willen
in der Uebersetzung in mehrere Bûcher zu zerlegen; dies lasse sieh
rechtfertigen durch die Analogie eines Cicerobuches : denn ^Einige
thun dasselbe ja auch bei dem Ciceronischen Dialog Brutus, dass
sie ihn in drei Theile zerschneiden, wâhrend er yom Yerfasser
doch als ein Buch edirt war*)". Das ^Zerschneiden" (secare) illn-
Perikles und Fabius Maximus in X, des Dio in XII dieser fiiot TUxçàlJjil»'
Unsere Handschriften haben demnach nicht die richtige Reihenfolge der Viteo;
Tgl. Weâtermann, de Plut, rita et scriptis S. XXI. Volkmann, Leben oo^
Schriften Plut. I S. 100.
^) Zweite praefatio in librum Paralipomenon iuxta septnaginta interprètes
an Domnio und Rogatianus, éd. Martianay I S. 1418.
^) Hoc primum sciendum quod apud Hehraeos Par, Uber unut fit ^
apud illos vocetur Dabre Jamin (id est Verba dierum): qui propier magnir
— Das Prosabaeh. Nachtr&gliche Theilung. — 319
rirt uns den grîechischen Terminus zofAOç auf das beste. Bies ist
K> fur den o£fenbar yiel gelesenen Brutus eine Massnahme in Rûck-
îbt der Bequemlicbkeit gewesen, die keineswegs yom Autor, sondem
9t in spâteren Wiederauflagen und auch da nur in einigen beliebt
irde.
Nicht anders ist es aber einer Schrift des Hieronymus selbst
gaogen, seinem Dialogus adversus Pelagianos in drei Bûchem: aucb
88 war vielmehr nur ein Buch in drei partes^).
Beispiele solcber Theilung des Buchs in fJ^é^ oder partes giebt
m auch die Herculanensische Rollensammiung selber. Yom vierten
icb der Pbilodemiscben Rhetorik erscheint hier die erste Halfte
} besondere RoUe unter dem ausdrûcklichen Yermerk : nsQÏ ^xoqi-
fç âi, %âv $iç âvo ro nçoreçov^), Und ganz ebenso war man
dm funften Bûche einer anderen Philodemschrift yerfahren: tkqI
Htifàdtœy Tov s twy sic âvo to fi'^, Wenn dagegen auf der
igehôrigen ersten Halfte dièses Buchs O^Xod^/MW tisqï TïOMfHkdxfov
^) der Zusatz t&v sic âvo to a fehlt, so braucht uns dies nicht
(rade zu Terwundem: denn solche Notiz war fur den Léser nothig
ir bei der zweiten fortsetzenden Halfte; unter einem Titel ohne sie
Qsste jeder von selbst den Anfang des Bûches s Termuthen. Es
I8t sich nach dem S. 190 f., 281 Bemerkten annehmen, dass erst die
ercolanensischen Abschreiber die Theilung hier Tomahmen, die in
m Originalausgaben gefehlt batte. Eine conforme Notiz in den
ichtiteln ist nun auch fur Plinius und fur die sonstigen Fâlle
trauszusetzen.
Hier sei zu der Formation dieser Sondertitel noch angemerkt,
Unem apud no8 divisus est'^ quod nonnulti etiam in Bruto OiceronU diaiogo
ekaU iU eum in très partes secent citm unus a sno auctore sit editus.
') Hieronymus selbst im Prologus nennt die Schrift nur ein en liber:
? Uber quem nunc cudere nitimur, Dazu stimmt, waa bei Vallarsi I fin. an-
merkt wirkt: Duo Vaticani Mss, „Finit superioris libri pars prima, Incipit
iêdem pars aUera** , sowie auch II fin. : In Mss. „Finit libri pars secunda,
\cipit pars tertia",
^ Herc. vol. catal. éd. Ozon. N. 1423.
*) Ëbenda N. 1538; rgl. VoL Herc. éd. Neap.> II S. 198.
*) VoL Herc. Neap.» H S. 169.
320 -— ^i® BuehgrOMe. —
dass dieselbe auch auf die gewôhnliche Buditheilung Anwendnng ge-
funden hat und dann also yielleicht nur hiervon entlehnt ist. Die Buch-
titel des Dîogenes Laertius lanten eîgenthûmlicher Weise : fiUap ttd
ypùifAùùv tûv èv (p^XoGotpiq evôoxtfkfjadvrœv %év sic âéxa n
TtQ&toVy to âêVTSQOP xtX. Das Nâmliche kehrt ebenso bei der
Chrestomathie des Proklos wieder: ju^tnaïkad-siaç twy êlç if âtfQf-
fjbévùûP TO a, und scheint auch auf Aristotelesschriften ange^^andt
worden zu sein*).
Besonders steht es dagegen mit dem doppelten ersten Buch der
Aristotelischen Metaphjsik, ro fisTl^ov A, %b iXaCCov A, wie gchon
Alexander Aphrodisiensis sie unterscheidet; beide Stûcke scheinoi
nie zusammen eine Buchrolle ausgemacht zu haben; sie sind inhalt*
lich ohne Zusammenhang, und das kleinere ist wahrscheinlich erst
naclitrâglich in die avvxal^hÇ der Metaphjsik aufgenommen worden,
als deren ûbrige Bûcherfolge schon feststand (ygl. unten Eap. IX).
Doch auch hier finden "wir jene Titelfonnation angewandt; denn der
Commentar des Alexander wird (im Parisinus) ûberschrieben: àhr
^ccvÔQOV àtpQOÔkaUiaç sic %à ftetà %à (pvctxà àQitnatéXovç fAf
sic ÔVO %0 TtQCÛTOy^).
Noch ein weiteres lehrreiches Beispiel fOr nachtrâgliche ye^
theilung eines ûbergrossen Rolleninhalts auf zwei Rollen besitzen ^
endiich in dem Geschichtscompendium des Yelleius Paterculus. Es
wiurde yom Yerfasser nur als eine Rolle geschrieben, wie es denn
inhaltlich voUkommen einheitlich ist Yelleius bezeugt dies zweimal,
erstlich am Werkschluss: voto fimendum volumen ait*), zweitens I U,
1) In der Aristotelesausgabe ron 1597 lauten die Titel: itêçl ytvicm
Xtti (fSaçàç TÔHy iîç dùo t6 A und ro B, sowie M^niaqoïaytrXwiy wv iiç d' nA,
ro B, TO r, TO J.
^ Siehe Schol. Arist. Metaphys. éd. Bonitz S. 1.
') Hier wird man bei unbefangener Betrachtnng unter volumen nieht
blo8 Buch II verstehen kônnen. Velleius ist in schnellstem , einheitliehston
Zuge der Damtellung von den âltesten sagenhaften Anfàngen Latiums bis sv
Gegenwart unter Tiber hindurchgegangen; die Ërz&hlnng ist am Ende, und
er fûgt nur noch, unvermittelt, ein Schlussgebet ftïr Kaiser und Beieh as;
was dies Gebet ^abschliesst'^, ist das ganze Werk {volumen): „die dorch eo
lange Zeitlâufle und so viel Kampf aufgethûrmte moles imperi woUet nnn, ikr
GOtter, erhalten."
— Das Prosabnch, Nachtrâgliehe Theilung. — 321
wo er oicht zwei volumina, sondem nur zwei partes htàus volurmms
imterscheidet, die noch nicht raumlich gedacht sind'), aber bei der
oachtraglichen Theilung die passendste Stelle fur den Einsclmitt be-
seichneten. Bas ganze Compendium mag • etwa 8000 Yerse betxagen
liabeii, da sich das yollstandige Buch II auf deren 4039 belâuft.
Bei diesem starken Umfang bleibt wohl nichts ûbrig als anzunehmen,
dass das Werk in der Originalausgabe als Opisthographum erschienen
nrar d. h. in KoUen, die einseitig 4000 Verse trugen. Dièse Annahme
)etzt nichts Unmogliches yoraus. Ueber Opistographa vgL S. 2ôL
^esonders sei erinnert, dass auch die Yulgatexemplare der Cicero-
'eden in Asconius' Zeit muthmasslich Opisthographa waren (ygl.
3. 177). Ich glanbe hierin nur eine Wirkung jener Thatsache er-
kennen zu dûrfen, die uns Plinius meldet (XIII 89), dass nâmlich
iben in der Zeit des Tiberius die Papyrusfabrikation bedeutend
Eiirûckgegangen war; es herrschte inopia chartae ut e senatu darentur
trbitri dispenscmdae; aUas in tumultu vita erat (s. S. 226). Ueberdîes îst
klar, dass sich des Yelleius populâr geschriebenes Werk an ein grosses
Ehiblikum wendete, das nur billig kaufte. Nachtrâglich ist es dann
in zwei bequemere Rollen umgeschrieben worden; nnd in dieser
Porm liegt es uns nnd lag es schon dem Alterthum yor (ygl. Priscian
3. 248, 4 H.).
Achten ynr nnnmehr auf das Buch minimum. Autoren, me
Cicero, die einen Stoff betrâchtlicher Breite zu bewâltigen haben,
lînd schon froh, wenn sie das mittlere Format nicht zu iïberschreiten
') Velleias ftkg^ 1 14 seinen Elzenre ttber die rOmischen Colonien an die£m-
lalune Carthago's and Corinth's mit folgenden Worten an: cumfcunlius ctdusque
rei in unum contracta spedes quam divisa temporibus oculis anmisque inhaereaty
Uaiui priorem huius voluminis posterioremque partem non inuUli
rerum notitia in artum contracta distinguere atque hmc loco ntserere quae
qmoque tempore post Romam a Oallis captam deducta sit cohnia. Die swei
oarUê scheinen hier nar sachlich, noch nicht r¨ich gedacht; Rom's 6e-
Mshîehte ist es, die bei dem Jahr 608 a. u. fftr den Autor in zwei Theile ser-
E&llt. H&tte er die zwei partes schon als zwei BoUen vorgestellt, so konnte
nr nicht ron einem distinguere reden: denn wie kann der Sachezonm die
Rollen trennen sollen, da er doch selbst in einer von beiden Bollen stenen
wird? Er trennt nothwendig nur die Sachtheile, nnd also ist hier volumen
genan als „Bolle" zu ttbersetzen, wie es denn auch nichts anderes heisst.
Blrt, Bnchwesen. 21
322 — ^*® BuchgrOsse. —
brauchen. Dièses mittlere Format war das natûrliche Résultat eines
Compromisses zwischen dem Streben nach Handlichkeit der Rolle
und der Schwierigkeit, die einheitlichen Stoffmassen ohoe Stônmg
des Contextes durch Einschnitte yielfaltig zu gliedem, und daher
gehôren diesem Format die meisten Prosarollen an. Trotzdem
konnten aber auch geringere Masse angewandt werden; man gelangte
entweder durch Zufalligkeit zu ihnen, falls ein auf ein Buch dispo-
nirter Sachtheil sich als zu mager herausstellte (Tgl. Comificius I;
Caesar, bell. civ. II ; Plinius, hist. nat. XII), und alsdann mochte der
Rest des Yolumens leer stehen; oder aber das geringere Mass wnrde
auch mit Plan angestrebt. Dies Streben lâsst sich bei Autoren wie
Porphyrios, Apollodor, Ammianus Marcellinus u. a. nicht Terkennen
und muss ihnen vom Standpunkte des antiken Buchkâufers und
Lesers aus entschieden als praktisches Yerdienst, es kann ihnen aber
in den meisten Fâllen auch yom absoluten Standpunkte aus als ein
kiinstlerisches Yerdienst angerechnet werden.
Wir ersehen aber schon hieraus: der Trieb stand dahin, das
Prosabuch womoglich bis auf das Mass des Gedichtbuchs zu redn-
ciren. Auch der Prosaiker wiU die Yorzûge der kleinen Bollen, die
dem Martial so wichtig scheinen, sich zu Nutzen machen. Indem
Ammianus Marcellinus noch den Tacitus ûberbietet, gelangt er bie
und da zu dem Minimum 1054 (B. XIX) oder 898 (B. XYm). Hier
ist nun merkwûrdig wahrzunehmen, dass es gerade Bear bei ter des
trockensten Lehrstoffes sind, die dies durchzufuhren wissen, gerade
so wie wir die Didaktiker auch auf dem Gebiet der Poésie selbst in
ein noch kleineres Format sich flûchten sahen (S. 295). Der Gnind
ist hier wie dort die pathologische Rûcksichtnahme auf den Léser:
je schwerer die Kost, desto kleîner die Rationen, in denen sie ge-
reicht wird. Dahin gehôrt nun schon die Lehrschrîft des YitruTius^):
sein zehntes imd letztes Buch hait freilich 1516 Yerse, sein erstes
1230 und diesem ersten stehen Buch II, Y, VUi, IX etwa gleich;
dagegen erschôpfb sich das dritte in 731Y9> das nâmliche gilt vom
vierten imd sechsten und YII hait etwa 900. Was der Baukuost
zu Gute kam, sollte der Greographie nicht abgehen: Pomponius Mêla*)
1) Ed. Rose u. Mûller-Strflbing.
') Ed. TEschackio.
— Das Prosabuch. Gedichtbuchgrdsse f&r Didaxis, Lexika. — 323
t sie în drei Gedichtbûchem dargestellt zu 942, 947 und 801 Yersen.
emach wird man sicli nîcht wundeni, wenn der Fabulist Aelian,
ssen Didaxis sich noch in viel hoherem Grade mit G^falligkeit zu
rbinden strebt, seinen wissenschaftlichen Stoff âhnlich trangirt:
[ne Tbiergeschichten stehen in siebenzehn Gedicbtbûchern, deren
Ssstes, das sechste, 110372 Zeilen, deren kleinstes, das achte, 600
It; zwiscben 600 und 1100 Zeilen bewegen sich sâmmtliche ûbrigen
ofzehn Bûcher. Aber auch auf die drei Bûcher der medicma des
inius Secundus^) sehen wir denselben Kunstgriff angewandt: I bat
3, n 612, III 836 Zeilen. Und schon Comificius ad Herennium
rrâth dieselbe Neigung, bei dem sich das letzte Buch lY mit 2263
n I mit 620, II mit 1277 und UI mit 984 Zeilen ungeschickt
Dug abhebt.
Gharakteristisch ist schon dies. Wichtiger aber scheint noch
wissen, wie die Lexikographen in der Wahl des Buchformats
ih yerhalten haben. Denn es fâllt auf, dass wir wohl bei keiner
>rte von Autoren so grosse Gesammtbuchzahlen als bei ihnen er-
Iten. £ine Buchtheilung liegt uns nim noch wirklich unbeschâdigt
r beim Festus De verborum significatione. Sehen wir zu, wie sich
8 Werk yertheilt. Im codex Farnesianus nimmt (oder aber nahm,
r die Theile, die jetzt verloren sind) das Buch XIII 30, XIV 32,
V 30, XVI 30, XVn 29, XVIH 48, XIX 30, XX 30 Columnen
i; dagegen fassten die verlorenen Quatemionen I bis Vm 29 die
sten zwôlf Bûcher ; abo kamen auf jedes der ersten zwôlf Bûcher
irchschnittlich nur 21 Golumnen. Da nun im Farnesianus jede
»liimne durchschnittlich 1353 Buchstaben fasst'), so ergeben sich fur
d ersten zwôlf Bûcher des Festus nur etwa je 812 Hexameter, fur
s Bûcher XIV, XV, XVI, XIX und XX dagegen deren 1160, fur
VU 1121, und nur fur Buch XVm die hôhere Summe 1856.
ich diesen geringen Umfangen haben wir nun unser Erstaunen
»er die ungeheure Bûcheranzahl herabzustimmen, wie sie andere
dkalische Werke, insbesondere das des Verrius Flaccus und des
lOpyrion-) Pamphilus aufwiesen. Eine Materialsanmilung ist ûber-
>) Ed. Val. Rose.
>) Berechnet nach S. 169 a Millier.
21 •
324 — ^*® BuchgrOsse. —
haupt nicht zum Lesen da, sondem zum Nachschlagen. Sogar
Plinîus sagt ja betre£f8 seines Sammelwerkes (praef. 33): ne perîeganty
sed ut quisque desiderabit aliquid, id tantum quaerat und componîrt m
diesem Zweck nach dem Yorgang des Yalerîus Soranus das InTentur
des ersten Bûches. Von nichts musste dies so wie von xatà tnoh
XéXoy geordneten Sammlungen gelten. Wer suchend der alphabeti-
schen Wortfolge nachging, hatte ohne Frage eine yiel schnellere
Uebersicht, falls die RoIIe klein, schnell ganz aufgerollt und sofort
zu ûbérblicken war als bei einem dicken Conyolut massenhalten
Inhaltes; besonders bequem wird die RoUenkleinbeit und -yielheit
noch unter der Yoraussetzung erscheinen mûssen, dass auf den
alXXvfiot âhnlich wie auf dem Rûcken unserer Lexikabânde bei jedem
Yolumen das Anfangs- und Endwort notirt stand. Man suchte eben
zu yermeiden, was Gellius (praef. 11) an gewissen Sammelwerken
tadelt: m qiuis res cumque inciderant alba, ut dicitur, Unea sine cura
discriminis solam copiant sectati convertebant, quitus in legendis a%U
animus senio ac taedio languescit quam unum alterumve reppererit
quod sit aut voluptati légère aut cultui legisse aut usui meminisse,
Nicht grosser als bei Festus dûrften auch die Bûcher des
Stephanos yon Byzanz gewesen sein. Contrôle zu ûben yermogen
-wir yielleicht fur die èxXoyil ^(AciTCûV xai ovofidtœv àmxSv des
Phrynichos. Nach Suidas zerfiel dies Werk unter dem Titel àm-
xiCTfjç oder tkqï àvtkxAv oPOfACctœy in zwei fitfiXia, und dies
bestâtigt der Codex Mediceus (Bandini codd. Laur. gr. I S. 147)^);
Yon dem, was erhalten ist, lâsst sich das erste t/jbrjfia etwa auf 1000,
das zweite auf 725 Zeilen taxiren.
Dass die Roman schriftsteller sich der Gedichtbucher bedienteD,
sahen wir yorhin. Dasselbe gilt nun aber auch, wenigstens zum Theil,
^) Das erste Buch erstreckt sich in dieser Handschrift ron ixorT^y bis
CTvntéïvov (pag. 171 — 181), das zweite (identisch mit der 'Entro/nij der Aus-
gaben, mit der Ueberschrift nv avrov Tf^^fta âivTêqov und der SubskriptioD
fièTéyçdfffjaay xttl rà nttçôyra t^ç ^qvvix^v hXoyijç xiX,) erstreckt sich ton
ieynçç9jc&v bis nix/LtaXcûnad-^yai (p. 182 — 190); in den Ausgaben (Lobeck
S. 443) folgen mit der Ueberschrift àçx'l "^ov y noch einige wenige Artikel
die aber z. Th. schon im Voraufgehenden enthalten sind, ûbrigens rersprengt
scheinen; ein drittes Buch wird nicht bestanden haben.
— Db8 Prosabach. Gedîchtbuchgrdsse in der Ëpistolographie. — 325
Yon den Epistolographen, und gerade in Bezug auf sie wird uns
dies Yon Isidor (oben S. 288 f.) als Regel ausdrucklich ûberliefert.
Bei nâherer Betrachtung sind hier aber die Grelegenheitsbriefe Yon
den Kunstbriefen zu sondern, und auch bei den letzteren bat jene
Regel nicht durcbaus geberrscht. Yor allem wird sie durch den
Husterbriefschreiber Plinius bestâtigt, dessen neun Bûcher folgende
stichometriscben Summen liefem^): I 1116, II llH^/s, III llôiy^,
rV 1117, V 1067%, VI 1232, Vn 1090Va, Vm 1062, IX 1118. Die
Aequabilitât der Buchgrôssen ist hier peinlich gewahrt; die Biicher
bewegen sich in einer Differenz von nur 170 Zeilen; I, II, IV und IX
scheinen fast genau auf gleiche Grosse hin abgezâhlt. Das nâmliche
Maximum scheut sich aber auch Seneca^) zu Yerletzen: das erste
Buch seiner Briefe hat 1010 Zeilen und ihm stehen Buch II, V,
IX, Xin, XVIII ganz gleich; unter den ûbrigen fallen einige um-
fangreicher aus: VI hat 1072, Vn 1217, XX 1264, XIV 1295,
XIX 1409, XV 1434, andere sinken dagegen tiefer; IV 932%, m 886,
Xn und XVI 735, X und Vm aber nur 586. Buch XVU mit nur
444 Versen scheint incomplet nach dem ersten Briefe. Buch X bis
Xm bestehen nur aus je drei Briefen, Buch VIU nur aus deren zwei.
Gedichtbiîcher sind ebenso noch die Monobibla der Aeschinei-
schen (672 Zeilen), der Demosthenischen (950), der Isokrateischen
(1113) Briefsammlung ').
Dagegen hat, obschon Nachahmer des Plinius, Symmachus in
seinen entsprechenden neun Bûchem die Norm verletzt ; nur fur VM
lautet die Summe 943, ûbrigens aber fur VI 1340, II und m 1470,
IV 1530, V 1563, VII 1750, I und IX 2086. Ueber andere Brief-
sammlungen ist das Urtheil erschwert; denn wenn die Phalarisbriefe
2705, die des Julian 3389, die des Synesius gar 6055 Verse dar-
bieten, so kann hier die BuchtheUung verloren gegangen sein (Ygl. unten
Kap. vm). Die Briefe des Aristenât (Buch I: 1513, H: 2124 Verse)
fidlen schon ausserhalb der Zeit, ûber die wir hier handeln. Im
^) Ed. Weise. Abs&tze sind bei der Berechnung in Rflcksicht gezogen
wie in allen folgenden Fâllen.
*) Ed. Uaase.
') Xach Hercher, Epistolographi graeci.
326 — ^*® Buchgrôsse. —
Alkiphron ist die urspnmgliche Buchtheilung und Buchgeslalt an-
erkanntermassen yerloren gegangen; die Handschriften der Byzan-
tiner ûberliefem nur yerschiedene Auswahlen in wechsclnder An-
ordnung*).
Dièse bis hieher betrachtete Brieflitteratur ist Kunstprosa, ge-
hôrt der BeUetristik an und ahmt den gewohnlichen Brief nur nach,
oder yerfolgt ûberdies rhetorische, philosophische, mimetische Zwecke.
Auf anderem Gebiet liegen die Sammlungen wirklicber Correspon-
denzen, und diesen brauchte begreiflicherweise das Gedichtbuchformat
nicht aufgezwângt zu werden, wenngleich dasselbe auch hier noch
vorzuwiegen scheint. Dies beweist vor allem wieder Plinius, dessen
Briefwechsel mit Trajan (Buch X) zu 1648 Zeilen aufsteigt, sowie
das entsprechende zehnte Buch des Nachahmers Sjmmachus zn
3426. Nicht anders wird es mit den multae epistulae des Sinnius
Capito gestanden haben, die zu Gellius' Zeit uno in libro sich toi-
fanden m templo Pacis*). Eben dahin gehôren aber auch die Samm-
lungen der Cicerobriefe , die nicht ohne die besondere Fiirsorge der
Empfanger entstehen konnten'). Die Briefe ad Terentiam stehen
gleichsam als Monobiblos fur sich mit ôlSy, Versen (ad &m. XIV),
daran schliesst sich ad Tironem mit 713 (ad fam. XYI); des weiteren
halten :
ad Qaint. fr. III 834 ad fam. XI 1052
ad Qaint. fr. II 863 ad Attic. XVI 1058*;
ad fam. II 883 ad Attic. XV 1060
ad Attic. III 892 ad Attic. XIV 1088
ad fam. IV 966 ad fam. VII 1111
ad fam. VIII 1019 ad fam. XV 1124
ad Attic. VI 1020 ad Attic V 1124
*) Sachlich sind vicr Arten von Briefen zu scheiden, tcXuvnxM (22 Stûck),
yivjçyixcU (38), naQaaiT&xai (40) und hai^çtxai (16). Man wird annehmen
dûrfen, dass jede Art etwa ein Buch ausmachte, nach Analogie des Melesermoi,
dessen Brief bûcher uns Suidas nennt: iTnaroXoHy hctiQUcdùv fiifikia kà' xtii
àyço&xix(oy tr, /uayéiç&xœy intaroXôjy ?y.
*'') Gellius V 21, 10; das uno steht zu multae offenbar in emphatischem
Gegensatz.
*^) Dazu vgl. bes. das Tolumen epistularum des Atticus, das Cicero (Ȉ
Att. IX 10, 4) erwâhnt; Cicero hat sàmmtliche zugehôrigen Briefe zosammeo-
gerollt und sub signo.
— Das Prosabuch. Epistolographen. — 327
ad Attic. IV 1141 ad Attic. Vffl 1269
ad Attic. XI 1126 ad fam. V 1827
ad fam. m 1134 ad Attic. Vn 1868
ad Attic. X 1137 ad Attic. XII 1368
ad iam. 1 1155 ad Attic. II 1380
ad fam. YI 1168 ad Attic. XIII 1892
ad Bnitum I 1185 ad Attic. IX 1461
ad Qoint fratr. I 1220 ad Attic. I 1460
ad fam. XII 1237 ad fam. X 1664
ad Iam. IX 1248 ad fam. XIH 2024
Es bleibt uns noch die Frage nach der Gleichmâssigkeit
der Buchgrossen ûbrig, die in den verschiedenen iJvvtd^stç ver-
schieden ausfiel. Die Differenzen mussten minder erheblich inner-
balb des geringeren Formates bleiben, sie konnten sich yergrôbem,
wo sich der Autor im mittleren oder gar im grôsseren Formate hielt.
Wem es nicht Missvergniigen gemacht bat in den alten Rollenhaufen
mit uns zu kramen, den môge auch die Mîîbe nicbt yerdriessen die
vorhin unter die verschiedenen Formate geordneten Biicher noch ein-
mal nmzuordnen in der Weise, dass ans ihren sâmmtlichen Rollen
jede (fvyva^tç wieder zusammengesetzt werde, um sich nimmebr
auch aïs solche ûberblicken zu lassen.
Es giebt uns dies Gelegenheit die Zahlen der Biicher genauer
zu yerzeichnen. Dièse Zahlen nehmen den Grad der Genauigkeit
fur sich in Anspruch, der nach der Art, wie sie berechnet sind^),
môglich ist. Der Urtheile ûber die Einzelautoren, in wie weit die-
selben den Yorzug gleichmâssiger Buchgrossen mehr oder minder
erreicht haben, glaube ich mich enthalten zu kônnen; schârfer, als
es allgemeine Wûrdigungen vermôgen, wird das Auge selbst, welches
die nachstehend catalogisirten Zahlen unter sich vergleicht, zum
Urtheil gelangen. Yon diesen Zahlen sind hier die Beispiele fur
Gedichtbuchformat ausgeschlossen worden, yor allem also ein Plinius,
Festus, Aelian, Pomponius Mêla, Vitruyius, iiber welche schon yorhin
die genauen Angaben mitgetheilt wurden, unter denen sich aber
gerade fiîr das Gleichmass der Bûcher die rîihmens'werthesten Bei-
spiele befinden. Hier sei nur noch erinnert, dass die Autoren gerade
da, wo sie dies Gleichmass am augenfâlligsten yerletzen, Bemerkimgen
1) S. S. 310 Note 1.
328 "^ ^>® BnchgrOsse. —
ûber den Buchumfang zu machen lieben, 80 Cornificius am Schloss
des ersten {satis huma voîumims magrUtudo cremt)^ Athenaeos am
Schluss des achten (zéXoç ovx àvàqikOCtov), Quintilian am Schluss
des neunten; entsprechend hebt Hieronymus im Proômium des
f&nften (s. S. 331) entschuldigend hervor, dass dies Buch sclion vorlier
monographisch erschienen war {(pd quondam solus editus).
Bel den Yoranstehenden lâuft die Gedichtrolle mit imter; ihre
Disposition scheint besonders ungleichmâssig:
Format a, b und k, daneben Gedichtbuch:
Euklides, crroi/CMiiv fi^filia^)-.
I
i486
. nr
684
XI 2018y,
n
661
V
1000
Xn 1771
m
1366
VI
1660
Format m und c, daneben Gedichtbuch:
Gornificias^, ad Herennimn: I 620 H 1277 IH 984 IV 326S
Format m, daneben Gedichtbuch:
Eermogenes y nêQÎ êvçéciiûç^: rôfioç A HO B 464 T 1288 ^ 1S04
Format f und i (I), daneben Gedichtbuch:
GharisiasO: I ûber 6102 II 3731 lU 9»
Format b, k, 1, m, n, daneben noch zweimal Gedichtbuch:
Cassius Dio»): (XXXVI 910) XLV 1339 LUI 1109
XXXVII 1302
XLVI
1701
LIV
1318
XXXVIII 1476
XLVn
1695
LV
118S
XXXIX 1260
XLVIU 1822
LVI
1372
XL 1385
XLIX
1487
Lvn
896
XLI 1629
L
1202
LVIU
924
XLII 1523
LI
1008
LIX
1241
XLIII 1399
LU
1400
LX
1285
XLIV 1505
^) Ed. Neîde. Die Seite hat hier so yiele Absâtze, dass aie sutt auf 38
auf 31 Druckzeilen taxirt ist.
^) Ed. Baiter-£ay8er.
') In Walz' Rhetores graeci I.
^) Grammatici lat. éd. Putsch. Buch IV und V sind incomplet; du
erste ist am Anfang etwas defekt; es fehlen die swei Anfangskapitel de gram-
matica und de voce, sowie die ersten Zeilen des Eap. III de litteris, aiso wohl
100, hôchstens 200 Zeilen.
^) Buch XXXVI bis XXXX sind nach éd. Tauchnitz 1829 bereehnet.
Buch XLI bis L nach éd. Dindorf Bd. II, Buch LI ff, wiederum nach éd. Tauch-
nitz. Buch XXXVI ist am Anfang incomplet, Buch LXI — LXXX sind Excerpte.
— Dm Prosabnch. OrOssere oder geringere Gleichm&ssigkeit. — 329
Format b, k, 1, m, n, dazu zweimal Gredichtbuch:
mmianns Marcellinas*):
XIV 1634%
XX 1296
XXVI 1223
XV 1276
XXI 1316
XXVn 1210
XVI 1867
XXII 1654
XXVIU 1415
XVII 1316
XXni 1263
XXÎX 1514
XVIII 898
XXIV 1074
XXX 1170
XIX 1054
XXV 1800
XXXI 1840
kt n, m, 1, k:
I 1389 n
1435 m
1200 IV 1128
I 1142
II 1380
m 1546
orphyrios, de abstinentia'):
ipollodoros, Bibliothek*):
Format n neben a imd d (I):
laesar, beUam drile^): I 1913 n 1116 m 2710
Format b, einmal daneben a:
Lrrian, Anabasis*): I 1911 IV 1867 VI 1615
n 1591 V 1590 Vn 1594
m 1734
^arro, de lingaa latina: V 1687 (VI etwa 1050)«).
Format 1, k; b, a; c:
:aeitQS, Ânnalen (and Historien)'): I 2009 Xn 1374 (Hist) I 2167
n 1903 XUI 1506 n 2312
ra 1771 XIV 1480 m 2149
IV 1876 XV 1692 IV 2380
)er zweite Theil der Amialen ging augenscheinlich in kleineren
tollen als der erste; die Historien hatten wieder um 2 — 3 Seiten
prôssere Rollen.
Format b, a und c:
Irosins*): I 1739 IV 2286 VI 2413
II 1952 V 2413 VII 2839
III 1916
^) Ed. Gardthausen.
*) Ed. Hercher, im Aelian t. Didot am Ende.
») Ed. Hercber.
*) Ed. Eraner.
4 Ed. Abicht.
^ VI bat nacbweislich nur S. 76 eine LQcke; VIII mit nnr 743 Zeilen
BÎcber incomplet; V ist nacb Mûller's Text berechnet mit genauem Z&blen
' Druckxeilen jeder Seite.
^ Ed. Ualm. Von Buch VI, XI und XVI fehlt der Anfang.
^ Aller Drucky Bernard Aubri. Die Tbeilung zwischen Buch V und VI
nnmotÎTirty Tgl. Ebert I S. 329 2^ote.
330
— Die BuchgrOsse. —
Format b, daneben aber d und sogar i:
Tertallian^adTenasMarcionem'): I 1686 III 1812
n 1779 IV 6049')
2776
Cicero') gebraucht besonders oft Format
auch geschickt k, 1 und m, ja n zu benutzen,
seits auch zu d und e, ja zu g auf :
c, b, d, weiss aber
steigt aber anderer-
de divinatione:
I
2226
U
2469
de natara deomm:
I
1812
II 2588
m 1398 (incomplet?)
de officiis:
I
2430
II
1450
m 1864
Academica priora:
n
2886
de inventioiie:
I
2562
II
2864
de oratore:
I
2908
n
4199
m 2770
de legibas:
I
1000
n
1250
m m
de finibos:
I
1176
ra
1255
V 1768
u
2045
IV
1325
Tascnlanae qaaest.:
I
2054
m
1482
V 1820
u
1149
IV
1485
Bis zu c geht hinauf :
Âagastinas, de civitate dei^) im Bach X mit 2589.
Format 1, b, a, c, d, selten auch m, k lud e, einmal auch
abirrend zum Gedichtbucb (XII):
Pli nia 8, historia nataralis*):
II
2853
XIV 1386
XXVI U97
m
1602
XV 1500
XXVn 1289
IV
1402
XVI 2285
XXVÏU 250S
V
1652
XVII 2377
XXTX 1327
VI
2277
XVIII 3083 Vi
XXy 1877
VII
2092
XIX 1602
XXXÏ 1219
VIII
2339
XX 2202
XXXII 1S85
IX
1851
XXI 1707'/.
XXXm 1502
X
1933
XXn 1547
XXXIV 1652
XI
2650
XXin 1519
XXXV 1908
XII
900 (!)
XXIV 1677
XXXVI 1856
XUI
1333
XXV 1577
XXXVII 1901
ï) Ed. Semler, HaUe 1767 Bd. I.
^) Auf 186 Druckseiten, jede zu 950 Buchstaben tuzirt; nach anderer
Taxe h&tte jede Seite deren 1007; alsdann resultiren 5351 Va Hexaineter f&r
daa Buch.
') Ed. Baiter-Eayser. Die Ciceroseile ist nach Anleitung der MilonianA
des Ascon eu 34 Buchstaben berechnet.
^) Ed. Strange I.
*) Ed. Jan; Buch VII bis XV waren nach dem Text von Mayhoff be-
sonders schwierig zu berechnen.
— Des Prosabuch. GrOssere oder geringere Gleichm&ssigkeit. — 331
«
Format c, d, e, daneben auch ab und zu a, b und f.:
, ib nrbe condita*): I 8043% XXII 8000 XXXIII 1979
II 2994 XXIU 2474 XXXIV 2610
m 8865 XXIV 2400 XXXY 2104
IV 2672 XXV 2474 XXXVI 1906
V 2622 XXVI 2951 XXXVH 2746
VI 2227 XXVII 8029% XXXVin2968
VU 2203 XXV1II2913 XXXIX 2474
Vm 2163% XXIX 2072 XXXX 2812
IX 2688 XXX 2300 XXXXU 8012
X 2523% XXXI 2165 XXXXIV2116
XXI 2622% XXXII 1825 XXXXV 2227
) Gleichmass in dem RieseDwerke des Livius erscheint als be-
rs bewunderungswûrdig.
Format b, a, c, daneben d und e:
lUn"): I
2748
V 2724
IX
8013
II
2217
VI 1882
X
1880
III
2334
VII 2026
XI
2384
IV
1880
VIII 2097
xn
2078
Format c, d, a, b, daneben auch e und f.:
ly mus '), Gomment, in Jesaiam : I
2806
VII 2606
xni
2164
II
2164
VIII 2084
XIV
2284
III
2324
IX 2284
XV
2003
IV
1563
X 1728
XVI
2446
V
8207
XI 2048
XVII
2566
VI
2204
XII 2048
XVIII 8046
Format c, daneben aber eîn Buch abnormer Grosse:
des^): I 5698 U 2263 III 2469
Format d, c, f, a, daneben auch e und b:
I
3242
vm
2939
xni
2504
n
3515
IX
2762
XIV
2678
m
2084
X
2306
XV
2669
IV
1748
XI
2251
XVI
2567
V
2232
XII
2455
xvn
2888
VI
1900
) Ed. M. HerU. Von Buch XXXXI fehlt der Anfang, XXXXIII ist
m Kap. 3 und 4 iQckenhaft. Die Zabi fûr V ist etwas su niedrig ans-
i; seine letzten 6 Seiten bei Herts stehen enger gedruckt, was nicht in
.Dg gezogen wurde.
) Ed. Bonnell.
) Ed. Martianay, Bd. III.
I Grammatici lat. éd. Putsch.
I Ed. Meineke.
332 — ^*® Buchgrftsse. —
ond Âthenaecs*): YI 3168 X 2923 Xm 3464
YII 8376 XI 2708 XIV 8316'/;
Vin 2117 XU 2747 XV 2851
IX 2786
Format f, e, auch d:
DioskoriàeB Tiêçi vhjç iaTQèx^ç^: I 8090 HI 8128 V 2708
U 8242 IV 8471
Format d, f, g, auch c:
Pau8anit8>): I 8868 V 2684 Vffl 4172
n 3394 VI 2499V» IX 8125
ni 2685 Vn 2760 X 8800
IV 3268
Format b, d, f, auch g und c:
Gaelias Ânrelianas Methodicns^), celemm passionam:
I 2520 n 3852 m 8152
Derselbe, morbomm chronicomm : I 2592 m 2282 V 1777
n 3140 IV 1825
Format f, auch g, e, h:
Origenes, contra Celsum»): IV 4526 VI 8886 Vffl 8m
V 8606 vn 3008
Format e, f, g, h, daneben auch d, c:
Diodoros»): I T/uJ/icif «' ca. 2480 V 8081 XV 8897Ï
'1 T^ti^a fi' ca. 2430 XI 3463'/. XVI S988
n 2904 XII 2890 XVn Tfiifjux a 2621*/»
III 8624 Xin 4682 XVII Tf^^fM ff 2855
IV 4166 XIV 4562 XVin 8167
Format g, daneben f, h, sowie eîn Buch abnormer Grosse:
Polybios'): I 4170 IH 5327 V 4841
n 3255 IV 8960
Man wird es fur bedeutungsvoll halten dûrfen, dass am Schluss
dièses Yerzeîchnisses mit den grôssten Rollen der âlteste Autor
^) Ed. Meineke.
*) Ed. Sprengel.
^) Ed. Scbubart.
*) Ed. Ammanny Amsterdam 1755.
^) Ed. Lommatzscb Bd. XIX.
6) Ed. Eicbstâdt; Bd. I h< Bucb I— IV; hier ist jede Dnickseite tuf
950 Buchstaben taxirt; in Bd. II dagegen nur auf 836; nach 950 berechoec,
h&tte Buch V 3501, XI 3936, XII 3284 Zeilen. Buch XV bis XVIII siod
nach éd. Dindorf berecbnet.
^) Ed. Hultsch.
— Dm Prosabach. GrSssere oder geringere Gleichm&ssigkeit. ~ 333
teht. Er steht der yoralexandriiiischen Période des Buchwesens am
lâchsten. Fur Euklides, des Eallimachos Zeitgenossen, mit seinen
inTerhaltnissmâssig kleinen Zahlen lâsst sich yermuthen, dass die
Pheilung erst nachtrâglich gemacht sei; hierfur wird das letzte
[apitel die Analogien verzeichnen.
Fur des Plinius Naturgeschichte aber sei nocb angemerkt, dass
n iDhaltsYerzeichnisse auch von Plinius selbst (oder seiDem Neffen)
ahlen mitgetbeilt werden; dièse seltsamen Zahlen geben vor, die
lunmen der behandelten ^Gegenstande^ zu sein; sie stimmen aber
i einigen F&Uen, wo sie yen Curruptel frei scheinen, mit den obigen
eilensummen ûberein und erregen so den Yerdacbt, nichts weiter
Is Stichensumme zu sein^ entstanden, indem man sebr bequem je
înen ^Gegenstand'' auf eine Zeile taxirte^).
^) Es sind zunftchst nur swei Fftlle, wo die Zahlen stimmen, und dies
sheint allerdings ein sehr geringfûgiger Anhaltspunkt fÛr unseren Verdacht.
\néh VI hat summa, res^ et kistoriae et observationes MMCCXIV oder II milia
VXLIII (Riccard. nach Sillîg), ich rechne 2277 Stichen; Bach XI hat nach
'ahracheinlicher Emendation Detlefsen's summa eqs. MMDCG^ ich rechne
660 Stichen. Viele der anderen Zahlen weichen dagegen um Hunderte, om
'ansende ab.
Dièse Abweichungen sind indess in Tielen F&llen sicher auf Corruptelen
BrflcksuftLhren ; die Abschreiber haben dièse Zahlen mit der grOssten Nach-
kasigkeit behandelt; man betrachte nur die Ueberlieferung fftr B. XI, wo die
esten Codd. CCC DCC bieten, Toletan. MMCCLXX, Paris, d aber zwei Zahlen:
IfCCC . DCC aJiUr H CCLXX; fûr B. III hat sich die Zahl nur in einem
^ArisÎDUs {b Jan, e Detl.) su uns gerettet! — Nun firage ich, wie sollte es
lommen, dass Buch Vil nur ein Drittel so Tiel Obsenrationen (747) ent-
ûUe als VI (2214), da doch beide gleich gross sind? ebenso Buch VIII
787), das sogar noch grdsser als VI ist? Auch das Référât ans Buch VIII
•Ibst ist grCsser als das aus VI, und die Zahlen unter diesen Referaten
oUten dem ChrOsseuTerh<niss so wenig entsprechen? B. XXXVI ist ebenso
ùt XXXVII Ton gleicher GrOsse und soU doch nur ein Drittel so Tiel Dînge
:eben (434 gegen 1300) u. s. f.! Dies ist undenkbar; die kleineren Zahlen
ma offenbar Terkûrzt, ein M oder sonst eine grOssere Zahl ist Tome weg*
pe&Uen.
Uebrigens l&sst ein anderer Umstand errathen, dass Plinius selbst seine
,G^^st&nde'' nicht auf dièse Zahlen Teranschlagt batte. Wenigstens sagt
'linius praef. 17, er habe susammengestellt rerum viffinti milia. Die Zahlen
.ber geben schon, wie wir sie heut in den Texten lesen, TÎelmehr 34 144 als
334 — I>ie BnchgrOsse. —
Auffallig erscheinen miter den Autoren des spâten Alterthoms
die enormen ersten Bûcher der beiden Grammatiker Charisios und
Diomedes; angesichts ihrer und der geradezu barbaiischen Aeqofr-
bilitâtsYerletzung, deren Ursache sie sind, tiitt uns der Gedanke
nahe, ob nicht yielleicht schon hier das Codexbuchwesen seinen
Einfluss verrath. Denn wer fur Codices componirte, brauchte auf die
Summe. Da also Plinius anders gerechnet su haben scheint (denn bei eber
nar ungefiUiren Taxe h&tte es in seinem Zweck gelegen, die Zabi ra Ter-
gprdssem statt zu yerkleinem), se k5nnen die Zahlen nicht wohl Ton ilun and
werden vielmehr Ton seinem Neffen herstammen. Benntste dieser hier énbià
die stichometrischen Sommen, so machte er sich die Sache allerdings lelir
bequem. — Einige weitere seiner Zahlen kommen diesen stichometriieha
Summen aber in der That sehrnahe, s. Th. nachdem aie im Interesse der
oben geforderten Gleichm&ssigkeit completirt sind.
Bach XII Tulgo 468, ego 900; hier îst mit Parisinns d DOOOCLIXIV
eu lesen.
Bach XVII Tulgo 1380, ego 2377. Im Cod. Bioc. 1381. Aend»
(M)M0CCLXX2[I.
Buch XXII Tulgo 906, ego 1547. Vosaianus hat DOOOCVI M
MCCCCVI; man lèse mit alibi 1406.
Bach XXIII Tulgo 1418, ego 1519; man lasse die Zabi.
Bach XXI Tulgo 730, ego 1707; &ndere {M)DCCXXX.
Bach XXXUI Tolgo 288 (!), ego 1502. So (oder 278, SiUig) bai M
Bamb., weiter Terkflrzend Voss. u. Paris, d: CCLXVII, T. CCLXj Cod. Biec.
CXXV. Dagegen Paris, a: MCXXV. Man lèse MCdjOC^LXXXVIIL
Bach XXIV Tulgo 1176, ego 1677; man &ndere M(D)CLXXVL
Buch XVIU Tulgo 2060, ego 3083; &ndere MM{M)LX.
Stûtzt sich die Identificirung in diesen F&Ilen auf Ueberlieferung oto
sebr leicbte Aenderung, so kann ftlr die ûbrigen cun&chst nur negatÎT geiagt
werden, dass die Tradition sicher oder wahrscheinlich oorrupt ist; doeh ist aiiek
hier noch z. Th. die Ëmendation leicht. Buch IX Tulgo 650, ego 1851; m*
&ndere {M)DCiC)L. — Buch XXXVII Tulgo 1300, ego 1901; &ndere M{P)ÇCC
— Buch XXXV Tulgo 956, ego 1908; &ndere {M)DCCCCLVL — Budi XII
Tulgo 1144, ego 1602; &ndere M(D)CXLIIIL — Buch XXV rulgo 1293, sg»
1577; ândere MDXCIL — Buch XXVI Tulgo 1119 oder 1109, ego 1497;
Codd. TVd: MXIX, Ricc œXVIJI; ândere M(D)XIX. — Buch XXVU
Tulgo 602, ego 1289; &ndere MCJL — Buch XXVIII Tulgo 1682 (SiQ«,
DeU.), ego 2503; àndere {M)MDCLXXXIL — Buch XXIX rulgo 621,
ego 1327; Cod. Voss.: DCCCLIV; Jlndere MCCCLIV. — Bach XXXn Td|o
990, ego 1395; Ra hat DCCCCXC, dagegen Bamberg.: CCCCLXXXXIIy Vow.:
DCœCXCV; man lèse (M)CCCCXCII. — Buch II Tulgo 417, ego 2853;
— Dm Prosabnch. GrSssere oder geringere Gleichm&ssigkeit. — 335
Gienzen des RoUenmasses, er brauchte auf die Aequabilitât der Rollen
nicht mehr Acht zu haben. So wenig zuyersichtlich ich dièse Yer-
nmthung aussprecbe, so wiU ich doch hieran zwei weitere Beispiele
fSat In&quabilitat aus der spâteren Zeit, in der das Codexbucbwesen
herrschte, anknûpfen. Die funfzig Bûcher der Digesten Justinian's, ob-
sehon sie das Bestreben nach râumlichem Ebenmass doch noch erken-
nen lassen (ygl. S. 153), zeigen trotzdem neben einander das Minimum
1127 (Buch XXY) und das Maximum 5480 auf (Buch L); und diesem
Maximum steht ausserdem Buch YIII und XL, dem Minimum steht
Buch YI, sodann XYI und XI ganz nahe ; ûberhaupt aber ist wahr-
«miehmen, dass die letzten 25 Bûcher der Digesten durchschnittlich
am ein erhebliches breiter als die ersten 25 angelegt sind.
Rûcksichtsloser noch yerfuhr zum Theil Priscian in seiner Gram-
cnatik; das Buch ist fur ihn schon zum Sachkapitel geworden und,
•vie klein dies ausfallt, ist ihm gleichgûltig; sieben Bûcher, handelnd
d^ nomine^), halten sich zwischen 2415 (VII) und 870 (IV), drei de
9erbo steigen auf zu 2630 Zeilen (VIII); dann folgen Monobibla,
nnteT denen XVI de contunctione auf 326 sinkt; an dies Bûchlein
reîht Priscian dann die zwei Riesenbûcher von der Sjmtax nach
Apollonius zu 3505 und 4227 Zeilen an. Schon in diesen Umfuigen
doeomentirt sich die relative Selbstândigkeit der beiden Syntaxbûcher,
welche die handschrifbliche Tradition bestatigt.
Indere (MMD)CCCCXVII, — Buch III Tulgo 326 (nnr in einer Hdschr.), ego
1602; ftndere {MC)CCCXXVL — Buch X Tulgo 794; &ndere {M)DCC{G)XCI1IL
— Baeh VUI Tulgo 787; ândere {M)MCCLXXXVIL — Buch VII Tulgo 747;
ladera (A[)DCC(CC)XLVIL — Buch XV Cod. Ricc 525; ândere iM)DXXV.
Bach XVI Tulgo 1136; &ndere M(M)C(C)LXXXV. — Buch XX rulgo MDCVI;
•go 2202; Undere MMCVL — Buch XXX ivlgoDCœLIIII; ego 1377; &ndere
MOCCUIIL — Buch XIII 468, ego 1333; ândere {M)CCOCLXVIIL —
BoA XXXVI Tulgo 434, ego 1856; ftodere (MD)CCCCXXXII1L — Buch XXXIV
BTVd: DCC(X!XXV\ ego 1652; &ndere MCCCCXXV, — Die meisten
Comkturen beruhen auf der einfachen Annahme des AusfaUs und der
T«rkflnang» oder auch der Verwecbselung ron D und M, — Nur zwei F&lle
Ueiben naeh, Buch XXXI (yulgo DCCCCXXIIII, ego 121 9; ob MCCXXIIII
so lesen?) und Buch XIV, wo mit der Zahl DX nichts anzufangen ist; denn
(M)DX wûrde ûber die Stichenzahl 1386 wohl zu weit hinausgehen.
^) l de litteris^ sowie der Anfang Ton II de syllabis leitet ein.
336 — ^^® BnchgrOssft. —
Hiemit hat sich uns die Yarîetât der antiken Buclimasse er-
scbôpit, und weitere Heranziehung von Werken, die in nnserem
Conspekt fehlen, wird zuin Buchgebrauch der antiken Antoren noch
viele Nûancen hinzutragen, schwerlich aber die beobachteten Hanpt-
masse vermehren, erweîtern und yon der Frequenz ihrer Anwendung
sowie Yon den Litteraturgattungen, die die verschiedenen yorzû^idi
in Anwendung brîngen, eine wesentlich abweichende Anschauiing er-
zeugen kônnen. Noch wird man indess in diesem Conspekt die pro-
saischen Monobibla yennisscn. Die Monographien fehlen nocL
Es entspricht unserem Zweck sie hier wiederum fur sich zu stellen;
erst wenn wir auch an ihnen die yorhin bestimmten Masse aufgesacht
haben, ist mit ihrem Gegenstand unsere Ërôrterung ûber das Bnch
der Alten erschôpft.
Wir machen bei der Prosa die nâmlichen Wahmehmungen ine
bei der Poésie. Die Rollengrôssen konnen sich auch fur Werke, die
ungetheilt edirt werden sollen, nicht ândem und erweitem; dœh
kann der Autor einer Monobiblos die Rolle nach Belieben halb leer
stehen lassen.
Oft genug mag es yorgekommen sein, dass zwei- oder gar dië-
bûcherig edirte Werke urspriînglich als Bucheinheit concipirt wareo,
Werke wie des Harpokration Xél^êtç UXccnovoç in zwei Bûchen
oder wie der ParaUpomenon liber, zu dessen Dreitheilung sich Hie-
ronymus entschliessen musste. Gelegentlich scheint solche Theihing
auch wider Wissen des Autors geschehen, wie bei Hieronymos aà-
versus Pelagianos oder der rômischen Geschichte des Velleius.
Gicero^s Brutus dagegen, der, obschon sein Schluss yerioren,
nicht weniger als 3973 Verse zâhlt — tôt miUa versuum, sagt Qain-
tilian — hat seinem Yerfasser den Zwang einer Theilung nicht nf-
gelegt, und nur Einige waren es, wie wir sahen, die ihn dreibûdierig
lasen. Ebenso wenig war auch fiîr Sallust^) ein Gnmd yorhandeOr
die 3676 Verse seines Jugurtha imd noch yiel weniger die 1847 des
Catilina ihrer Einheit zu entkleiden, die fur die kunsUerische Wirlnog
dieser beiden Stûcke ganz gewiss ein nicht unwesentliches Moment
ist. Ebenso sind bei den Wiederauflagen, wie sie Atticus und nod
^) Gerechnet nach dem Text, Mannheim 1779»
— Das Prosaboch. Monobibla. — 337
Tyrannio unternahmen , der Platonische Gorgias mit 3734 und
Hmaeos mit 3434 Yersen je ein Buch verblieben; wie denn Cicero
den Gorgias als einen liber liest De or. I 47. Weiter konnte auch
Tertullian seine Scbrift De resurrectione camis^) beisammen lassen
mit 3547 Zeilen, Dionys der Halicarnasseer seine Monographie De
admirabili yi dicendi in Demosthene mit deren 3371, woneben des-
selbigen Judicium de Thucydide mit 2720 an Grosse zurûcksteht.
Wenn dagegen Galen von der Schrift eines gewissen Lykos aussagt,
sie sei zu 5000 Stichen ausgedehnt gewesen (oben S. 170 N. 77), so
fehlt ein hinlânglicher Anhalt um zu supponiren, dass dieselbe der
Bochtheilung entbehrt habe').
Cicero, noch in seinem Orator zu 3272 Versen von beschwer-
licher Breite, geht in den Dialogen iiber Freundschafb und Greisen-
alter auf 1534 und 1404 zurûck; daneben stehen De partitione ora-
toria mit 1611 und die Topica mit 1091. Den Catilina Sallust^s
ahmt das Bellum Alexandrinum nach im Corpus der Câsarischen
Eriegshistorie mit 1855, woruber das Bellum Africanum mit 2253
hinausgeht. Dazu yergleiche man des Tacitus Dialog De oratoribus
mit 1643, die keinesfalls erhebliche Lûcke bei Eap. 35 ungerechnet;
desselben Agricola aber yerkûrzt sich zu 1219, desselben Germania
sogar zu 827 Zeilen.
Denn naturlich ist, dass auch hier wie in der Poésie die Mono-
bibla beliebig klein ausfallen konnten; der Stoff konnte oftmals fruher
als das Yolumen zu £nde gehen. So reihen sich denn hier des
M. Cicero Paradoxa, des Q. Cicero De petitione consulatus liber mit
TSSy^ und mit 708 Yersen an; hoc parvum opusculum nennen sich
die Paradoxa selbst (§ 8). Lukian kannte ein Weltgeschichtscompen-
dium zu kaum 500 Yersen (S. 170 N. 75). Das Claudiuspamphlet
Seneca's hait (ohne die Lûcke bei Eap. 7) nur 397 Prosazeilen, in
welche sich ausserdem 101 poetische eingestreut finden. Chairephon's
evyjrçafAfka unter dem Titel JeînvoVj eine Gelegenheitsschrift, wie
die Anfangsworte errathen lassen, war mit 375 Stichen zu Ende, die
Kallimachos verzeichnete (S. 168 N. 54), der véfAOç (WHdixixbç der
1) Ed. Semler HaHe 1757 Vol. III.
^) Dies Bupponirt Ritschl Opuscl. I S. 118 ohne Grand.
Birt, Bochwesen. 22
338 ~~ ^^® BnchgrOsse. —
Hetâre Gnatbaina, ein philosophischer Eatechismus yod Tafelregeln,
mit deren 323, die Eallimachos gleichfalls unter den yéfAOê verzeich-
nete (S. 168 N. 55). Dièse Miniatur bat aber Tertullian noch ûber-
boten, dessen liber Ad scapulam (Tertullian selbst nenot ibn lib^m)
sicb in 253 Yersen erscbôpft; genau ibm gleich kommt aach der
LibeU Ad martyres desselben Autors.
Durcbgângig trâgt den Cbarakter der Monograpbie die Schrift-
stelierei des Lukian; seine Erfindungsgabe wies diesen Autor nie
ûber das Mass einer bequemen Rolle binaus; ja, er scbeint hierbei,
xrenn wir der Fonn, in der sein Nacblass Yorliegt, Yertrauen schenkeo,
in der Miniatur am aller weitesten gegangen zu sein; leicbt im Woit
und leicbt an Bucbgewicbt in's Publikum flattemd scbeinen dièse
Scbriftcben gewirkt zu baben wie ein Epigramm, das an Unmittd-
barkeit immer yerliert, wenn es mit anderen in den Hafen eines
Bucbes eingesammelt wird. Freilicb nocb nicbt bemerkenswertb sind
die folgenden Grôssen: Hermotimos (2102 Verse); Toxaris (1416);
Hetârcngesprâcbe (1320); Alexandros (1056), ein Umfang, der beim
Timon und Zevç vQajrmâoç wiederkebrt; Tïeçi OQXfjcewç (1018),
womit neçl tùûv irû (jutr&A avvôvxfav gleicbstebt, der ^aXuvç &st
gleicbHtobt; n&ç deî Unoçiav CVYYQdq>€iv (1084); nêql jux^dutts
(1001 y^), dcm Anacbarsis und Pbilopseudes fast gleicbkommen. Dièse
Umfânge werden auch im Aovxioç tj ''Ovoç (1366) und in den
^Eq(iût€Ç (1180) nacbgeahmt. Leicbter fallen scbon folgende Bûcher
aus: "OpéiQoç (890); Jîç xatffroQOVfAsyoç (837)^); JlkoToy § Evxai
(808); Ikaromenippos (726); ^Anox^QVTTOfiëPOç (682), gleicb gross
wie der KaxànXovç\ fast so gross sind aucb Nigrinos und ^i»v
iXQadiç und tuqï t^ç IlëQêYqivov têXêVtijç, Leicbter noch der
Charon (623); inèç slxévbùv (609), vgl. aucb ^ijtOQoç dtdciaxab;
und nçoç tov ànaldsviov und nsql toi oïxov] slxovsç (587), vgl.
aucb Menippos und Cbaridemos und nêçl dutpokijç; Pseudologistes
und Pbilopatris (550); Demonax (565), den die MaxQofiMê m
weniges ûbertreffen; TvQavvoxzévoç (409); Lexipbanes (398); Kyni-
kos (354); Pseudosopbista (310); ""Anoloria (etwa 300). Aber noch
*) An unechten Schriften seien angeftkgt De dea Syria (945), Demosthenis
encomium (764), Néron (148).
— Des Prosabuch. Monobibla. — 339
kôrperloser werden dièse Bûcher gelegentlich : da sind noch tkqï
iffrQoXoyiaç (288), womit gleicbsteht die ^Gôtterversammlung^ sowie
UQOfi^&êvç îj Kavxaaoç] tisqI Tfév&ovç und tuqï tov iyvTiplov
[266); Skythes (259); OâJiaQiç TiQâxoç und imèq tov iv tfj nqoça--
^QÇ€VCé$ TtrccUffuCTOç (244); Zeuxis (222); Eunuchos (199); fjtviaç
}yxêifjuov (178); Hippias (148); auf die Zahl 133 yereinigen sich:
PiiXaQtç dcvtSQOÇ'^ Herodotos; Harmonides ; TtsQÏ %ûv âil/jccyœy;
lêdXs^iç JiQOç ^Hqédoxov,
Zugegeben aber, dass dièse kleinsten Stûcke zuerst selbstandig
snchienen, so scbeint docb nicht leicht vorstellbar, dass, da so yiele
^eicbartige neben einander bestanden, sich nicht im Lauf der Zeit
nelirere in einer Rolle soUten zusammen gefunden haben; Horaz
EEOid sogar seine Damasippsatire, die an Unifeuig zwischen dem
Eynikos und dem Pseudosophista steht, fur DÔthig mit anderen in
ain Buch einzustellen; besonders fur die letzten sechs bis acht
Lnkianstûcke môchte man vermuthen, dass auch sie Theile von
Bûchem wurden, so wie in der That die drei von Kronos handeln-
ien Stûcke, zà nqoç Kqovop, KQOvoa6X(av und vier iTUcroXal
KQOyixcU zusammen tradirt und eine Einheit zu sein scheinen (zu-
lammen 768 Verse). Auch die beiden ngoXaUatj Dionysos und
%ëçi ^léxvQOVj scheinen in demselben Sinne zusanmiengehorig; die
âne hat etwa 150, die andere sogar nur 91 Zeilen^). Jedenfalls
iber erschien der Nigrinos als selbstandiges Buch (fiifiUoy nennt es
1er Einleitungsbrief), ebenso auch tisqI zùêv ijû fjua&œ (fvvoyvfay,
lach der ausdrûcklichen Bezeichnung XYIII 1.
Abschliessend môchten wir endiich noch an Caesar^s bellum
3ftllicum erinnert haben. Dies Werk, dessen letztes Buch Hirtius
linzufûgte, ergiebt folgende stichometrische Summen:
I
1431
Tîl
638
V
1299
VU 2073
II
707
IV
813
VI
903
(VUl 1246) ■).
!Iach allem von uns Yorgetragenen und im Yergleich mit Tielen
^) Wenn es ûbrigens zu Anfang des Dionysos heisst: „ich meine, mich
lindeit nichts, Euch auch eine bakcbische Erz&hlung zum besten eu geben",
10 scheint mit diesem ^^auch'' auf andere nahestehende Ërcfthlnngen yerwiesen.
^ Der Schluss îst yerloren.
22*
340 — ^® Buchgprôsse. —
aDderen Autoren wûrde das classische Werk des grossen Feldheirn
und Stilîsten hiemach âusserlicb betrachtet erheblîchen Tadel her-
Yormfen ; dasselbe prâsentirt sich in sehr ungleicben Grossen ; oit ist
dabei zum poetischeu Buchformat gegriffen, vras geschickte Âutoren
doch nur zu thun pflegen, wenn sie es in allen Bûchem durchfuhren
wollen. Zur Rechtfertigung des Geschmacks oder des Compositions-
vermogens des Autors mûssen wir uns erinnem, dass dièse sieben
Bûcher als ^Memoiren^ (commentarii, VTWfAV^fAata) abgefasst sind
und sich diesen bescheidenen Charakter durch ihren Titel seibst
yindicirten; jedes der sieben Bûcher ist ein Jahresbericht fur sich;
dass ûber aUe sieben Jahre nicht gleich viel, dass dreimal so Yiel
ûber das Jahr des Kampfes gegen Yercingetorix zu yerzeîehnen war
als ûber das Jahr 56, war Sache des Zufalls; die Bûcher traten,
wenn schon gleichzeitig^), doch gewissermassen als Monobibla tôt
das Publikum, und die schwankende, monobiblische Buchfonn diente
eben zur Bestatigung jenes Charakters, den das schnell*) und in
einem Zuge gegen Ende des gaUischen Eriegs abgefasste Werk diiich
seinen Titel affektirte : Denkwûrdigkeiten, Ephemeriden zu sein, die
Jahr fur Jahr und mit den Ereignissen gleichzeitig au&otixt
worden. Das Bellum civile, das ûber ein Jahr in zwei Bûchern
referirt, gab diesen Charakter auf ; aber auch der Autor der achten
Supplementrolle vom Gallischen Krieg sah von ihm ab, freilich nicht
ohne ausdrûckliche Rechtfertigung, indem er bei Eap. 48 zu den
Ereignissen des Jahres 51 noch die des folgenden hinzufûgt.
Wir haben die Reihe der antiken BuchgrÔssen bestimmt, indem
wir sie aus den Litteraturresten seibst abstrahirten. Wir gruppirten
die Werke unter verschiedene Buchformate; doch war uns, dièse
Formate zu versinnlichen , kein Mittel gegeben als Zeilensummeo.
Zur Anschauung wird indess erst gelangen, wer sich endlich dièse
Zeilensummen in Seitensummen ûbersetzt, die den Bestand der
Rolle seibst direkter anzeigen und fur das Format ein unmittelbarerer
Ausdruck sind. Dies Uebersetzen ist ausfûhrbar unter der allerdings
fur viele Fàlle zutreffenden Voraussetzung, dass die antike Schrift-
*) Vgl. Mommsen, Rôm. Geschichte III S. 600 Note.
') celeriter sagt Hirtius, ep. ad Balbum.
— Das Prosabuch. Seitenzahl der Bûcher. — 34}
coliinme sich mit dem antiken Buchblatt gedeckt bat. Rechnen wir
demgemâss nach Anleitung des Papyrus Bankesianus, der Normal-
zeilen trâgt, 43 Zeilen auf ein Buchblatt, so wûrde die Gedicbtrolle
nur aus 12 bis 25 Blâttem bestanden haben; unter den Prosabuch-
formaten wûrdeu auf n 28, auf m 31, auf 1 33, auf k 35, auf b
36—45, auf a 49, auf c 59, auf d 68, auf e 73, auf f 89, auf g 98,
auf h 112, auf i 121, endlich auf eine Rolle wie die dritte des
Polybios 126 Blâtter verfallen.
Dièse Schâtzung wird nach der Art, wie sie gewonnen ist, aïs
approximatiyer Ausdruck des Thatsâchlichen gelten konnen. Auch
bestâtigt sie uns Martial (VIII 44), wenn er einmal ein besonders
starkes Buch als „hundertseitig^ bezeichnet (ygl. oben S. 160). Bas
wirkliche Maximum haben wir indess hiermit doch noch nicht ge-
wonnen; sehen wir uns unter den Herculanensischen Rollen um, so
hielt hier eine 118 Selides (Kap. lY N. 109), eine andere aber sogar
deren 147 (S. 159; vgl. N. 113), um von minder sicheren Zahlen
(Kap. rV N. 115; 119) abzusehen. Da nun die Polybiosbûcher die
Bûcher eines Philodem noch an Grosse iibertreffen , so muss auch
f&r sie eine noch hôhere Selisanzahl als die zuletzt genannte als
m5glich angesetzt werden.
Und hiemach erst kann nun auch, endlich, iîber die yorangestellte
Aeusserung des Plinius betreffs des Umfanges, welchen ein zôfjkoç
Xtiç'fov in den Fabriken erhielt, abschliessend eine Entscheidung yer-
sncht werden. Der Fabrikationsbericht beim Plinius bestimmt das
Maximalmass dièses tôfjtoç eben nach der Zahl der Blatter, der
plagulae; wenn daselbst die betreffenden Worte lauten nunquam plurea
êcapo quam vicenae, so werden wir jetzt fur das corrupte VICENAE
yielmehr DVCENAE yermuthen dùrfen. Der Glutinator der âgyp-
tischen Fabriken, dem es zufiel, die fertig gepressten und getrock-
neten Blâtter zu componiren, gab den Schrifbstellem yon Hellas und
Hom die erfreulichste Auswahl, Rollen yon iiber zweihundert Seiten
aber fertigte er nicht mehr, so wie schon die ûber hundert Seiten
onbeliebt waren und nur seiten genommen wurden.
SIEBENTES KAPITEL.
Die Edition.
Wir sind im Begriff nnninehr das Schlussglied einzufugen in
eine Eette von Untersuchungen, die eine die andere benôthigten nnd
in einander hingen. Fur ihre Haltbarkeit wird zukûnftige detaillirtere
Forschung die Probe geben mûssen. Yorlâufig aber scheint 8ie bis-
dend genug, und wir sehen uns durch sie eînes sehr conkreten mid
einheitlicben Buchbegriffs fur das Alterthum yersichert, dessen leben-
digere Ërkenotniss zur Wûrdigung der alten Autoren selbst dienen
miiss. Dieser Buchbegriff ergiebt, dass kein classischer Scbriftsteller
zu componiren yermocht bat obne zu disponiren.
Wer ediren wollte, kaufte sicb die leeren Rollen, wie sie die
Papierfabrik lieferte, oder er wandte sicb an einen Untemebmer, der
solcbe auf Lager hîelt und die Eintragung besorgte. Dièse RoUen
waren aber von verscbiedenem Umfang, und der Autor batte ziun
Zweck der Edition jedesmal vor allem die wicbtigste Entscbeidang
ûber das Format zu treffen, das er anwenden wollte. Denn nur das
geringe Mass der poetiscben war eigentlicb obligat; bei den aygatfa
lii^Xia fur Prosa liess die Fabrik dem Autor die Wabl. Da gab es
wobl mancberlei in UeberJegung zu zieben, und die grossere Rûck-
sicbt auf sicb oder auf den Léser konnte zu entgegengesetzten
Entscbeidungen fiibren. Das Publikum verlangte nacb kleinem, be-
quemem Yolumen, und es war unumgânglicb auf dies Publikum
Rûcksicht zu nehmen, sofem das Buch docb Gegenstand des Yer-
kaufes werden sollte. Die eigene Bequemlicbkeit zog den Autor
dagegen zu den grossen Rollen bin; denn in je mebr Rollen er seinen
— Wahl des Formats. — 343
toff vertheilte, in desto mehr Sachtheile musste er ihn aufzulosen
ichen uad desto subtiler und schwieriger wurde fur ihn also die
rbeit des Disponirens. Fur Untersuchungen oder CoUektaneen
hilosophisch-wissenschaftlicher Art, fur Commentare zu anderen
.utoren und was dem Aehnliches Yorkam, konnte er immerhin seiner
•equemlichkeit nachgeben; denn es handelte sich hier nicht um
'nterhaltungszweck und schonheitliche Wirkung, und wer ûberhaupt
in derartiges Buch in die Hand nahm, war yiel mehr Mitarbeiter
la Léser und zu emsthaft interessirt, um sich durch das unge-
chickte Aeussere desselben storen zu lassen. So wird ja auch
och in unserer Studirstube ein Foliant oder Grossquartband nicht
ngem gesehen. Anders bei Werken, welche gefallen sollten.
chon wer Geschichte schrieb, hatte sich Yorzusehen, dass man sein
luch nicht mit einem nXéov ^fu(fv navxôç bei Seite schob. Lehr-
&cher selbst grififen oftmals, wenn sie auf grosses Publikum rech-
eten, wohlweislich zu den geschmackvollen kleinen Formaten. Nicht
aders der Roman, die Epistolographie. Solcher geringeren Formate
ab es yiele, und aus ihnen fand sich endlich unschwer dasjenige
eraus, das jedesmal der Dispositionsfâhigkeit der Werke am besten
atgegenkam.
Anfang und Ende seiner Meditationen ûber die Sanfbmuth, den
cm oder die Wohlthâtigkeit richtete ein Seneca also getreu nach
en Raumgrenzen ein, die ihm ein alexandrinischer Glutinator ge-
;eckt. Derselbe Handarbeiter war es, durch den ein Plutarch sich
i seinen Tischgesprachen zur Erfindimg jener arithmetisch spielenden
dsposition anregen liess, die ihm so viel Freude macht. Dem
rebot des Glutinators dankt so gut Columella seine einfach schone
toffvertheilung wie Yarro seine mûhsam ausgedachten spitzfindigen
abdistinktionen. Derselbe aber war es auch, der eben dem Yarro sein
ilumen non patietur abnôthigte (s. S. 149), derselbe, der den Diodor
irang seinen einheitlichen Alexander-Bios zu zerschneiden, derselbe
ielleicht auch, auf den in letzter Linie die Anregung zur Ëinfuhrung
nés 80 geschmacklosen Notizenstiles in die Litteratur zurûckgeht,
ie ihn Plinius in seiner Encyclopâdie ausgeûbt hat : denn n\ir dièse
ige Schreibweise ermôglichte hier die Absolvirung so riesiger Sach-
apitel innerhalb einer RoUe; allein dièse Notizen, so geschickt sie
344 — ^i® Edition. —
als solche gearbeitet sein mogen, bedeuteten doch einen Yerzicht anf
jede Lesbarkeit.
Wenn nun aber die ConTenienz eine so bestimmte Buchfonn
vorschrieb, welcher sich jeder Schriftsteller, der ediren wollte, unter-
werfen musste, so erhellt schon hieraus zur Grenûge, dass das Publi-
kationsverfahren ûberhaupt im Alterthum dem Belieben des Einzelneo
durch eine feste Gewohnheit entzogen gewesen sein muss nnd dass
Yor allem das erstmalige Niederschreiben ein Werk noch keineswegs
zur litterarischen Erscheinung machte. Yergegenwartigen wir uns
demnach genauer, was von den Alten unter Edition yerstanden wurde.
Das Schrifbstellem war zunâchst fur Viele nichts als eine ange-
nehme AusfûUung des otium, unschâdlich wenn nicht fur die Neben-
menschen, so doch fur die Nachwelt. Gedichtchen wie die Priapeen
oder wie die Catull's, die von Dilettanten wie Plinius spîelend nach-
geahmt werden, warf man auf ein Papyrusblâttchen hin oder kritzelte
sie auf die Tafel; man schrieb Epigramme und Epyllien wie der
Eumolpus beim Petron auf der stets bereit gehaltenen Membrane;
man dichtete ganze Tragôdien wie Cicero's Bruder vier Stûck in
sechszehn Tagen; man schrieb philosophische Essays wie Epiktei
und Numenius. Weder Numenius noch Epiktet public irt en, was
sie geschrieben, und nur ihre nâchsten Schûler wurden damit be-
kannt. Catull las aus dem Codicill wohl der Freundin seine leichten
Verschen vor, liess ihr auch wohl das Geschriebene, bis er es zûmend
zuriickfordem muss: redde codicillos; aber erst spât, nachdem sein
Verhàltniss zur Clodia lângst vorùber war, hat er die Stiickchen ïu
einer Edition gesammelt. Der tragische Dilettant beschrânkte sich
gleichfalls yielfach auf das Vorlesen, zur Kaiserzeit YOr grossem
Publikum ^), und nicht jeder unter ihnen machte hemach auch Edi-
tionen, so wie es Seneca und Pomponius gethan. Bei einem Versifex
wie Eumolpus scheint der Erzâhler, der ihn uns schildert, gleichfalls
eine buchhândlerische Yerbreitung seiner lâstigen Improvisationen
nicht Yorauszusetzen.
Erst dem Entschluss des Seneca oder des Catull zu ediren
verdankt die Nachwelt die Erhaltung ihrer Produktionen; erst die
') VgL M. Hertz, SchrifUteller und Pablikam in Rom, 1853.
— Unedirte Manuskripte. — 345
durch Arrian und durch Plotin unternommene Edition hat den
Nachlass ihrer Lehrer fiir die Folgezeit gerettet; die Priapeen
horto carmina digna, non Ubello wâren yerflogen, hâtten sie nicht
einen congenialen Sammler und einen Yerleger gefunden. Die neiin
Jahre hindiirch, in denen Cinna seine Zmyrna auf der Membrane im
Pult liegen liess, immer ândemd und nachbessernd, war sie auch
Tor der Missgunst des Publikums so sicher, 'wie das Publikum vor
ihr; der Augenblick der Herausgabe (édita nonam post hiemem Catull 95)
machte jede weitere Aenderung unmôglich, und so knûpft sich
eben an dièses Beispiel des Horaz Rathschlag nonum prematur in
annum: jedes Wort, einmal yerôfifentlicht, hat unwiderruflich dein
eigen zu sein aufgehôrt, du kannst es nicht mehr zurucknehmen -r-
80 damais wie heut. Schon vor Horaz aber kennt Lucilius (y. 1116 L.)
solche poemata, die, ohne Eunstwerth, avTO(fx^d$d(f(Aata sind und
bleiben werden, wenn er yen Leuten spricht, qui schedium /aciunt
inconditum (ygl. Petron c. 4). Plinius lâsst sich bei der Nachbesse-
nmg seiner schedulae yon seinem Freund Satuminus helfen, aber er
yerwahrt sich yorsichtig dabei : erit enim et post emendationem Uberum
nohiê vel publicare vel coniinere (epist. I 8, 3).
Daher kam es yor, dass ein Autor ein misslungenes Werk nicht
zuruckgehalten zu haben bereuen konnte, wie dies Cicero betreffs
seiner Schrift De inventione thut: pueris aut aduUscentulis nobis ex
commentarioUs nostris (d. h. aus dem Brouillon) incohata oc radia
exdderunt vix hac aetate digna et hoc usu (de or. I 5). Genau die-
selbe Aeusserung lâsst Cicero auch schon den Redner Antonius thun
betreffs seines Bûchleins De ratione dicendi: me imprudente et invito
excidit et pervenit m manus hominum (de or. I 94). Fronto hat eine
Rede gegen Asclepiodotus in den Buchhandel gegeben; er erfahrt zu
sp&ty dass Yerus dem Angegriffenen wohl will, und bedauert nun,
die Herausgabe nicht mehr zurucknehmen zu kônnen : curavi quidem
abolere arationem, sed iam pervaserat in manus plurium quam ut aboleri
posset^); es waren schon der Exemplare zu yiel in Hânden des
Publikums.
^) Fronto epist. ad Verum II 9 S. 137 Nab.; ygl. epist. ad M. Anton. II 8,
8. 111.
346 ~* ^'® Edition. —
Wer sich vor solchem Aerger wahren woUte, entschloss sicli
darum lieber sein Werk zurQckzuhalten. So besonnen Terfiihr der-
selbe Fronto in einem anderen Falle mit einer Recension des Ciceio
(derReden?), die er ausgearbeitet batte (emencUwit, cHstinxit, odnofarit);
er sendet mebrere so bearbeitete Cicerobûcber an seinen Freimd
Yolumnius Quadratus; er allein soUe sie lesen: verôffentlicben will er
sie nicbt: Uges ipse: in voîgus enim eos exire quare nolim scribam ad
te diligentius'^): âhnlich wie jener Proculus, der sich strâubt seine
Gedichte zu ediren, wofur Auson ihn straft Epigr. 34: Q^i sua rm
edit carmma, nostra légat Vom Persius kannte das Publikum, ait
er starb, noch nichts; Comutus yerfugte ûber den Nachlass und
bestimmte, dass eine Prâtextate, ein liber odomoçtxéiy und noch
einige andere Verse unedirt blieben; n\ir das Buch Satiren gab er
an Bassus, der die Herausgabe bewerkstelligte ').
So hielt auch Galen seine Schrifben keiner sxâo(f$ç werth, tind
es -waren vielmehr seine Yerehrer, die eine solche hinter seinem
Riicken nach Priyatabschrifken Yomahmen (nsçi t^ç Tci^swç fiv
îôUûv p&pUav, XIX S. 51 f. E.): oèx âqéx^fiv ovâsminou liv
ifMSy ino[AVfi[AàT(ûv (d. i. commentarioU) ovôiv iv àvd'Qdinotç êhou'
ôiadod'éyTùùy (T eiç noXXovç avxùiv Sxovtoç iftov, xa&ccTteQ ofaH,
TVQOç %6 âidôvai t» tov Xoitwv toîç q>iXo&ç v7r6[AVfifjba Uav ojrrf-
Qwç saxoVy und iyvwxs&v fAfjdèp ixdidovai fiifiXiov * aXXà râv p
TOÎÇ cpiXoiç dod'évTfûv ixTuaôvTfav sic noXXoifç xtX,, und noch
einmal (S. 56 K.) betreffs dreier kleiner Schriften: Ta tQla vaita
fitpXla (flXotç à^miaaaiy inayoQêvd'évTa (das sind Priyatabschriften)
xansn ixôod-évTa nqoç ixsivfûv^),
Jener Afrikareisende dagegen, der auf einer Inschrift verheisst
1) Fronto ad amicos II 2, S. 190 Nab.
2) Suet. S. 74 Reiff.
^) Die Mittheilung von Priratabschriften im Gegensatz zu Editionsexem-
plaren wird auch XIX S. 10 £. erwâhnt: qiXotç rj fia&fjTaïç lâiâoio /tf^'V
inyyQttfftjç ijç àv ovât tiqoç ixdoa^y, crJU' avtoiç ixiiyo&ç yiyoyôra, ditj^Hd^*'
(oy ijxovaay ^x^^y vnofuytjtia. Ueber derartige axokixà vnofAytiutcra TgL Lehr*
Aristarch S. 25 ; Sauppe Philodemi de yitiis liber X S. II, der auch rer-
achiedene der Herculanensischen Philodemexemplare fÙr solche primat mitg^'
theilte hnofiyrj/uanafioi zu halten geneigt ist.
— UnterUssen der Edition. — 347
ûber die Wonder Aegyptens zu handeln iv ifji^& fivfiloiç (C. J. 6.
m 4744 Add. Eaibel N. 1005), bat dabei obne Frage beabsicbtigt
mit einer wirklicben Publikation ûber diesen Gegenstand die Welt
sa beglûcken, die davon indess, soweit die litterariscbe Tradition
erkennen lâsst, keine Notiz genommen bat.
Besonders berûbmt aber ist des Yergil Yerfûgung, fur den Fall
seines Todes nicbts aus seinen unedirten Manuskripten zu ediren
imd das Manuskript seiner Aeneide zu yerbrennen, da er nocb nicbt
die letzte Hand an sie gelegt habe; ja, Yergil yersuchte sein Epos
mit eigener Hand zu yerbrennen; die Yergilvita des Donat erzâblt:
egerat cum Vario priusquam ItaHa décéder et y ut si quid ipsi accidisset
Aeneida combureret; ... m extrema valetudine assidue scrima desideravit
erenuUurus ipse . . . ceterum eidem Vario ac simul Tuccae scripta sua
sub ea condidone legavit ne quid ederent quod non a se editum
esse t. Der ausdrûcklicbe Wille des Kaisers war nothig um der
Znkunft dies fur sie so unyergleicblicb bedeutsame Werk durcb
die Edition zu retten. Dass dies nicbt erst spâtere litterariscbe
Anekdote ist, erweist der nacbabmende Oyid. Es macbt einen
nabezu komiscben Eindruck zu sehen, wie aucb Oyid in einer Trauer-
degie aus Tomi (I, 7) so tbut, als sei er garnicbt Schuld daran,
dass seine Metamorpbosen in Aller Hânden sind; er fluukert sebr
naiy: er babe nocb nicbt die letzte Hand an das Werk gelegt; ja,
er babe sein Manuskript, da er in die Yerbannung zog, yer-
brannt; allerdings sei das Werk Docb yorbauden; es mûssten
demnacb wobl, wie er yermutbe, nocb andere Abscbriften ausser
seinem Autograpbmn existirt baben:
Carmina mutatas hominum dicentia formas
Infelix domini quod fuga rupit opus.
Haec ego discedens sicut bene multa meorum
Ipse mea posui maestus in igné manu ....
Sic ego non mérites mecum peritura libellos
Imposai rapidis viscera nostra rogis: ...
Quae quoniam non sunt penitus sublata, sed extant,
Pluribus exemplis scripta fuisse reor.
Oyid empfieblt scbliesslicb sein Opus dem Publikum, bei dem er fur
jene „anderen Abscbriften^ wobl wenig Glauben gefunden baben wird.
Uebrigens gab es nocb eine angenebme Auskunft, um sicb zur
348 — ^»® Edition. —
Publikation zu ermuthigen: man wâlzte die Yerantwoitung tod sich
ab. Bevor Synesios sein ^EyxùifAtov (paXtixQaç edirt, ûbermittelt er
es erst zur Prufung an zwei Freunde, Nikander und Polyaemenes.
Auch Plinius liess derartige Consultadonen regelmâssig der Edition
Yorangehen, wie sein Neffe berichtet; denn er hielt es for etwas
Grosses, in die Hânde der Menschen hinaus zu geben, was maa ge-
schrieben (Plin. ep. Vil 7; 20; VIII 7; 19). Es entspricht dem,
wenn Luxorius dem Gutachten seines Freondes Faustus, anscheinend
auch seines Verlegers, die Herausgabe seiner Gedichtchen ûberlâsst
(oben S. 118, 1), es entspricht dem vor allem auch das berathende
Verhâltniss, in dem zum Cicero sein Verleger Atticus steht Ber
erhaltene ausfuhrliche Briefwechsel bringt ims in yielen Beispielen
zur lebendigsten Anschauung, welchen Einfluss Cicero dem Gutachten
dièses Freundes und Verlegers tâglich auf aile seine Arbeiten ein-
râumte. So heisst Atticus der Aristarch fur Cicero^s Reden (I 14).
— Gelegentlich ist es auch erst Sache des Bibliopolen, dem unhistigen
Autor die Edition Yorzuschlagen; so ûberredet Tryphon den Quintilian.
Der Entschluss zu ediren ist endlich gefasst. Echter Trieb und
Beruf oder n\ir modische Eitelkeit oder der Beifall eines Freundes
hat ihn gezeitigt oder endlich das Z\ireden des Verlegers selbst, da
sich davon ein gutes Geschâft yerspricht. Wie yerhalf man dem
Brouillon mm zu seinem Wunsche, aus dem bescheidenen Dunkel
seines Fuites lesbar fîir viele an's Licht der Welt zu treten?
Die Art, wie eine Edition vor sich geht, imd das Verhâltniss
zwischen Autor und Verleger veranschaulicht der genannte Brief-
wechsel des Cicero an den Atticus auf das Beste. Unter der grossen
Sklavenschaft des Atticus befanden sich yiele litterarisch hochge-
bildete Sklaven, sehr gute Vorleser und sehr viele Buchschreiber,
librarii^). Von den letzteren erbittet sich Cicero gelegentlich leih-
^) Wer eine romanhafte Ausschmûckung dieser Dinge lesen will, lèse
A. Schmidt Gesch. der Denk- und Glaubensfreiheit S. 120 ff., wo gleich an&ngs
aus ^epos rit. Att c. 13 referirt wird: Er besch&ftigte seine s&mmtlicheo (!)
Sklaven mit Schreibereien. Man môchte fragen, ob auch den ostiarios» àa
cubicularii etc.? Nepos sagt nur: in ea (ne, familia) erani pueri litteratissitih
anagnostae optimi et plurimi librarii ut ne pedisequus quidem qmsquam esiet
qui non utrumque harum pulckre facere posset; pa^modo artifice» ceteriç^
— Zareden der Frennde. Das Autographum geht an die Abschreiber. — 349
eise den eioen und aDderen aïs Gehûlfen fur die Ordnung seîner
ibliothek (oben S. 242); wir erhalten for sie grossentheils griechîsche
amen : Dionysios, Memophilos (TV 8 a), Phamaces, Antaeus, Salvius
on 44). Eben dièse sind es, denen auch Ciceïo's Werke selbst
ar Abschrift ûbermittelt wurden. VieUeicht zum Unterschied von
>lchen yervielfaltigenden librarii hiess der Ausfertiger eines Akten-
;ûcke8 fjLOv6yQa(poç^),
Das Verfahren bei der Publikation selbst ist nun sehr einfach und
icbgemâss. Das avxôyqaifov des Autors befindet sich bald auf Mem-
rane (ôupd'éQat, ad Att. XTTf 24; ygl. oben S. 57 fif.), bald auch in Pa-
yrusrollen'). Dies ahtôyqafpov gelangt nicht an die Oeffent-
ichkeit, es gebort nicht mit zur Edition. Nicht einmal dem Autor
3lbst dient es, falls auf Membrane, als Handexemplar. Cicero bat
Uerdings auch seine eigenen librarii in Rom, aber wenige. An sie
shickt er das Autographum zuerst zu einmaliger oder zwei-
laliger Abschrift. Dièse ersten Abschriften dienen als Dedikations-
uAitf domestUms d^siderat adprime boni. In dieser Weise ûbertreibend, au8-
shmûckend und flûcbtig, ist die ganse Darstellung bei Schmidt. Oleichwohl
ebûhrt ibr das Lob, eine Beibe von Fragen angeregt zu baben. Besser zu
ennuen ist Fr. Scbmitz, De bibliopolis Bomanorum, Saarbrûcken 1857 Progr.
*) So auf den griecbiscben Papjri (J. Erall, Demotiscbe n. AsByriscbe
loDirakte, Wien 1881 S. 10); ygl. fioyoya/noç,
*) So binterliess Plinius seinem Neffén (ep. III 5, 17) die 160 unedirten
ommentarii electoram als opiêthograpki libri und zwar minuHmme scripti;
er Neffe ftgt binzu : qua ratione mnltiplicatur kic numerus. D. b., w&re eine
idition gemacbt mit einseitig bescbriebenem Papier, so w&re eine andere
Inebtbeilung notbwendig geworden, und zwar b&tten sicb just noob einmal
o TÎely 320 Bûcber, ergeben. Hier sei an eine Scbwierigkeit erinnert, fQr
ie icb bisber vergebens uacb einer Erkl&rung gesucbt babe (ygl. De Halieuticis
'. 162): Plinius yerweist in seiner Naturgescbicbte Tom Bucb XIV (§ 121) auf
CVI mit proximo dicetur volumine; ebenso weist er XXX 12 zurûck auf
[XVIII 17 mit priore volumine exposut, Beidemal einen lapsus memoriae
nionebmen, ist keine befriedigende Erkl&rung. Dièse Citate werden aber auf
inmal begreiflicb, wenn wir fQr das nocb unedirte Manuskript der naturalis
istoria des Plinius denselben Zustand wie f^r jene commentarii Toraussetzen,
Mêê es n&mlicb Opistbograpbum in nur 18 Bflcbem war, die er oder der Neffe
ni bei der Edition zu 36 zerlegte, obne aber jene beiden Citate danacb ab-
o&ndem.
350 — ^»® Edition. —
exemplar an Varro oder an Brutus, sowie als Handexemplar Cicero's*);
hiernach stellt er dasselbige avtoyQtKfOV auf Membrane erst dem Yer-
leger Atticus zu'), und zwar, indem er seine Schreîber ermâchtigt,
es den Schreibem des Atticus auszuhândigen'); doch ûbersendet er
es gelegentJich auch persônlich^).
Die Autographa zu conserviren, batte denmach gar keinen Zweck,
es sel denn bel beriibmten Mânnem als eine yerehrenswûrdige Reliquie.
Wenn Grammatiker yor Gellius Yergil's îôiiyQaîpov der Georgica
eingesehen hatten (GelL IX 14, 7), so spricht sich damit ans, das»
sicb an Yergil's Person fiiihzeitig ein ungewohnlicher Cultus knûpfte;
und in der That erfahren wir, dass seine Credichte familienweise bis
zu Hygin's Zeit weiter tradirt wurden , der sich auf einen Uber der
Georgica berief qidfuerit ex domo atque exfcm^ia VergiU (Gell. I 21)').
') Ueber die einmalige Abschrift dnrch Cicero's librarii TgL S. 282. Si»
icheint dai Handexemplar. Ansserdem ist es nun aber Cicero, nieht Atticnir
der dem Varro die Academica, dem Brutus De officix» zascbickt, TgL 2LIII 22, 3:
^an Varro will ich abschicken, wenn ich dioh gesprochen habe, falls danichu
einzuwenden haben wirst"; alsdann XIII 23, 2: „die Bûcher an Varro hibea
keine Zôgerung erfahren ; aie sind fertig {effecH scheint richtig hergestellt), wie
da selbst gesehen hast (u^ vidùH; inzwisohen hat Cicero also den Atticos ge-
sprochen und ihm die Bûcher gezeigt) : es wird nor noch Correktur gemseht",
tarUum librariorum menda toUuntur. Cicero fûgt hinzu, auch das Dedikations-
exemplar fÙr Brutus sei jetzt unter den H&nden seiner Schreiber: item ^ttOf
BnUo mittimus in manibm habent librarii.
^) Im folgenden Brief ist Atticus dies avrôyQaq^ov auf Membrane selbst
zugegangen: XIII 24: Quid tibi ego de Varrone rescribamf gucMuor âi<f^éQta
8unt in tua potestate; quod egeris^ id probabo.
') XIII 21, 4: ' Varroni quidem quae scripsi te auctore ita propero mitterti
ut iam Romam miserim describenda: ea si voles statim habebis; scripsi enim
ad librarios, ut fieret tuis, si tu velles^ describendi potestas.
*) XVI 3, 1 : idem avvrayfAa misi ad te retractatius^ et quidem àç/érviMr
ipsum crebris locis inculcatam et re/ectum; hune tu tralatum in macrocolk»
lege eqs.
^) Wenn Plinius XIII 83 als Beweis fur die DauerhafUgkeit des Papjros-
bûches sagt: Tiberi Gaique Qracchorum manus apud Pomponium Secundum,"
vidi . . ; iam vero Œceronis ac divi Augusti Vergilique saepenumero videmui,
80 mdchte hier, trotz des manus, weniger an Autogramm als an Apogrspbs
aus jener Zeit gedacht sein; anderenfalls wûrde dies nach Analogie des in
Text Angef&hrten zu beurtheilen sein.
— Aatographa nicht conservirt. Nachtr&gliche Correkturen. — 351
Correkturen, die der Autor im letzten Augenblick als nothwendig
erkennt, kônnen noch wâbrend der YervielfaltiguDg selbst ausgefulirt
werden, doch ist es alsdann die hochste Zeit. Noch rechtzeitig
scheint Cicero's Ordre betreffs des Proômium zu De gloria eingetroffea
zu sein (oben S. 143), ebenso eine Correktur in der Rede pro Ligario,
die Atticus ausfuhren lassen soll; for die Tilgung eines Namens „ex
omnibus libris^ benôthigen hier drei librarii (XUI 44). Dagegen
entdeckte Cicero die Yerwechselung des Aristophanes mit dem Eupolis
in seinem Orator § 29, wie er glaubte, zu spât; es waren schon
Exemplare yerkauft; er bittet Atticus, wenigstens in den Exemplaren,
die er noch auf Lager hat, die Aenderung Yorzunehmen, womôglich
aber seine Schreiber zu gleichem Zweck auch noch zu den Eâufem
selbst zu schicken^). Der Schaden ist Yon Atticus in der That
nachtrâglich ausgemerzt worden').
In wie viel Exemplaren erschien nun dieser Orator, erschien ûber-
haupt jedes Werk im Alterthum? WoUen wir diviniren, so wurde
in Anbetracht des yiel lesenden Publikums jener Zeiten die Zahl 100
jedenfaUs noch yiel zu winzig scheinen; man mûsste sogleich zu 500
hinaofgehen und wurde sogar zu der Annahme*) Zutrauen fassen
kônnen, dass bei Werken, die auf Léser rechnen durften, Auflagen
zu tausend Exemplaren yorkamen. Uebrigens brauchte aber die Zahl
nicht, wie heut, yon yomherein bestimmt zu werden; kamen der
Eâofer mehr, so konnte mit Abschreiben fortgefahren werden, blieben
ûe ans, so hôrte man bei einem usuellen Minimum auf. Plinius ist
nun der einzige, der eine Zahl giebt, indem er yom M. Aquilius
Regulus erzâhlt, er habe ein Buch ûber das Leben seines yerstor-
benen Sohnes, der noch Knabe war, yerfasst, tausendmal ab-
•1 ^
^) XII 6, 8: mihi qtddem gratum (est) et erit gratiuè si non modo in
Ubris tuis sed etiam in aliorum per librarios tuos Aristophanem reposueris
pro Ejupoli,
^ A. Schmidt a. a. 0.
*) Anch XIII 21, 3 bat Cicero in den Academica das Wort irûdbere anf
des Atticus Rath flUschlich in den Text genommen; er heisst es tilgen; Varro
hal indess sein Dedikationsexemplar schon erhalten und muss es selbst tilgen:
dices hoc idem Vctrrani nisi forte mutavit, Varro erh< das Ëxemplar laut
Brief XIII 35 u. 44. Ist Brief 21 nach dlesen letzteren geschrieben?
352 — J^>® Edition. —
schreiben lassen und durch Italien und die Proyinzen yerschlckt
(Plin. ep. rV 7), anscheinend in Selbstverlag. Fur Plinios ist dies
eine abs\irde Uebertreibung; doch liegt das Absurde wohl nur darin,
dass Regulus das bei lesenswerthen Werken Uebliche aufjene
Ausgeburt seiner Pietât und Eitelkeit ûbertxug. Jedenfalls bezeugen
uns Horaz, Properz, Ovid, Martial an yielen Stellen, dass das Ver-
schicken einesWerkes durch Italien und in die femsten Provinzen
durchaus dem Buchhândlerusus entspricbt; ein solcher Yersand bis
nach Gallien, Germanien, Britannien und zum Borysthenes in aile
bedeutenderen Stadte war aber mit einer geringeren Anzahl tod
Exemplaren als tausend gewiss nicht zu realisiren. Dasselbe ist
vielfach auch sonst, so z. B. von Sulpicius Severus, dem Yielgelesenen,
mit Sicberheit vorauszusetzen (oben S. 103). Fur die Yervielfaitiguiig
des Tacitus sorgte in spâterer Zeit der Kaiser gleichen Namens,
indem er ihn in allen Bibliotheken anschaffen liess, ferner aber,
ne lectorum incuria dépérir et, îibrum per armas singulos dedes serûi
publicitus et in cunctis archivis iussit et in hybUotheds pont (Yopisc. c. 10).
So liest man hier seit Casaubonus z. Th. gegen die Handschriften;
Yom ûbrigen Inhalt ganz abgeseben, erweist sich allein schon der
Singular Iibrum als sachlich unmôglich. Wir sind also leider niclit
in der Lage, fur unsere Frage yon dieser Tacitusnachricht Gebnmch
zu machen — woUen wir nicht etwa einer Conjektur Gehôr schenken.
Die erste Hand des Bambergensis giebt : Ubrum per annos libros deàet
scribi publicitus in evicos archis iussit eqs.; seine zweite Hand hat
singulos fur libros hergestellt. Es ist klar, dass hier Ubrum nur
Genitiv des Plural sein kônnte; geht man aber hiervon aus, so steht
es wohl nicht fem zu vermuthen : libr{pr)um per annos singulos deâes
scribi publicitus vicenos archOs iussit^), Hiemach wurde dann jedes
Tacitusbuch damais durch kaiserlicheYerfugung alljâhrlich in 200 Exem-
plaren aufgelegt worden sein, das macht 1000 fur ein Lustrom^.
Gewiss lag hierin eine Uebertreibimg; doch sei hier neben Tacitas
^) archiis heisst dann „fûr die Archire''; dedes ^^^ zehn Schreiberstellen'-
') Denn es wâre doch wohl nicht wahrscheinlich , 200 TaâtQsbQcber ni
verstehen, d. h. von jedem der 30 Bficher des Historikers nnr je 6 bis 7 Ab-
Bchriften ; dann wQrde man von jedem 7 , d. h. im Ganzen genaner 210 er-
warten.
— SUrke der AnfUgen. — 353
an ein anderes gewiss sehr kostspieliges Werk yod zugleich gelehrtem
und unterhaltendem Charakter erinnert, die 15 Bûcher Imagines des
Vairo, die ausserdem in einer verkûrzten Ausgabe zu nur 4 Bûchem
Yorlagen; sie waren noch in Plinius^ Zeit in aller Hânden, und
wollen wir zugleich ûber Zweck und Verbreitung des Werkes eine
Vorstellung gewinnen, so yerlohnt es, auf die merkwûrdigen Worte
des Plinius zu achten, die ihm Allgegenwart nach Art der Gotter
nisprachen (XXXV 11): ^Yarro litt nicht, dass die Grestalt der be-
rûhmten Mânner untergehe, noch dass das AJter Macht ûber den
Menschen gewinne, indem er in die zahlreichen Rollen seines Werks
siebenhundert Bildnisse einfûgte yon Mânnem, die in irgend einer
Art sich ausgezeichnet haben, eine Erfindung, die den Neid der
Gôtter erregen muss, da sie den Bildem nicht nur Unsterblichkeit
Terlieh, sondem sie auch in aile Lânder ansschickte, so dass
sie wie Gôtter ûberall anwesend sein kônnen.^
Die zu yerkaufenden Exemplare sind selbstyerstSndlich Ëigen-
thum des Bibliopolen ^). Gleichwohl scheinen die betrâchtlichen Un-
kosten an Papier yon ihm und dem Autor gemeinsam getragen
irorden zu sein; jedenfalls theilten sich Atticus und Cicero hienn*).
BÎ8 fr> sich demnach, ob der Autor nicht auch Grewinn yon der
Bidition hatte. Dies ist zunâchst fur Cicero mit WahrscheinL'chkeit
EU bejahen; denn der Umstand, dass Atticus mit der Rede pro
^ Ligario bedeutenden Absatz gefunden hat, ist ihm Motiy, hinfort
ille seine Schriften bei Atticus zu yerlegen: lÀgarianam praeclaré
ffendidisti; posthac qtiidquid acripsero, tibi praeconium defertan (XHL 12),
ooid abermals : scripta nostra nusqitam malo esse quam apud te (XTTT 22).
Verlust erleidet Atticus mit den Academica priera, welche durch die
posteriora ersetzt und entwerthet werden; yon den ersteren lag
>fienbar die Mehrzahl der Exemplare noch unyerkauft; Cicero trostet:
fu Ukan iacturam /ères aequo animo, quod iUa quae hàbes de Academiciêf
fhutra descripta suiU'y vnulta tamen haec (nSmlich posteriora) enmt
1) Vgl. ad Attic. XII 6, 3: libri tut; XIU 13: illa quae hahes de Aca-
demicis,
*) Vgl. oben S. 284 nmch ad Att. XIII 25, 3: qu/omam impensam fecmui
(d. h. Dothwendig ego et tu) in macrocoUa^ facUe paHor (d. h. nur ego) tenerû
BIrt, BoehweiexL 28
îlfS4 — Dw Edition. — h
spîendidiora , breviora, tneHora (XJH 13). Die Darstellung iat
in der zweiten Fassung ^glaozender^, die Einzelbûcher sind
^kûrzer^ und handlicher^), darum ist das Ganze ^besser^ lud
yerkâuflicher und wird den Yerlust wieder einbringen. Yon seinem
eigenen Antheil am Erfolg redet hier Cicero nicht; er kann auf aile
Fâlle kein sehr bedeutender gewesen sein.
Es ist nun hinreichender Grand, yon Cicero ans yreiter n
folgem, dass die Autoren auch sonst in irgend einer Form yon den
Biblîopolen Bezahlung erhielten; und in der That kann dies jetzt
wohl wenigstens fur Martial als hinlânglicb erwiesen gelten^. Es
yerbindet sich damit der weitere Fragepunkt nach der Fonn dieser
Bezahlung. Cicero ist, wie wir sahen, offenbar interessirt an dem
starken Absatz seiner Werke; man darf also wohl schliessen, dass
er gewisse Procente yom Gewinn erhielt. Martial ist dagegen
keinesfalls in dieser Form bezahlt worden. Denn Martial gesteht
X 74, 7 allerdings zu, dass er ein praemium UbeUorum einnimmt'),
das freilich zu gering ist, um ihn glûcklich zu machen; dagegen
sagt er in Bezug auf die Léser seiner Gedichte auf das bestinunteste,
es sei fur ihn pekuniâr einerlei, ob er yon Yielen oder Wenigen ge-
lesen wûrde (XI 3, 6): Quid prodest? nescit sacculus ista meus. H&tte
Martial so, wie wir fur Cicero annahmen, Procente yom Gewinn er-
^) UnmOglich richtig ist dagegen, was wir eu Anfang dièses Briefes leseo:
Cicero habe die Academica aus eweien in yier Bûcher ûbertragen : die letiterea
seien grôsser als die ersteren, und doc h sei vieles weggefallen: ex duohuê
libris contali in quattuor: grandiores mnt omnino quam erarU illi, sed tan^
muUa detracta, Nicht die vier Einzelbûcher kônnen jedes grôsser sein ih
jedes der zwei Einzelbûcher; das liegt in der Sache, wird zum Ueberfluss darch
das angefûhrte breviora ausdrûcklich bezeugt und durch die erhaltenen Bflcber
nicht widerlegt; yielmehr warcn die vier Einzelbûcher jedes kl einer; Cicero
konnte nur sagen: das Werk als Gesammtheit ist nunmehr grôsser gewordeo
als Yorher und doch ist violes weggefallen (weil anderes an die Stella trat
oder die Ausfiûhrung splendidior war). Es ergiebt sich, dass Cicero geschrieben
haben muss: totam Academiam .... ex duobus libris contuli in quattuori
grandior est sunt{axis) omnino çuam erant illi, sed tamen multa detra^-
Auch XIII 16, 1 nennt Cicero dasselbe Werk 'Axaârj/uaïxrf trvyta^^.
2) Vgl. vorzûglich Fr. Schmitz a. a. 0. S. 10—12.
') Darum betrûbt es ihn auch, wenn er l&ngere Zeit nichts produdrt bat
XI 25, obgleich er es vielmehr als damnum fur das Publikum hinitellt.
— HoDorar. Correkturlesen. — 355
halten, so war ja die grossere Anzahl der Kâufer fur seinen Geld-
beutel hochlichst vortheilhaft. Darum wird ihm sein Bibliopole viel-
mehr ein bestimmtes Honorar gezahlt haben. In dem Ëpigramm
y 16, 10 beschwert Martial sich daruber, dass ihm keiner seiner
Léser zum Dank fur den bereiteten Genuss ein Geschenk mâche,
wie es Yergil yon Maecenas erhieit: tantum gratis pagina nostra pkujet;
auch dies bestatigt, dass er weder direkt noch indirekt den Buch-
preis vom Léser bezahlt erhieit oder auch nur erwartete.
Die wahrscheinlichste Form aber, in der nun dièses bestimmte
Honorar gegeben wurde, mochte die gewesen sein, dass der Bibliopole
dem Autor sein Autographum abkaufte. Fur jeden neuen Libell,
den Martial im Brouillon fertig stellte, konnte er alsdann nach dem
meistbietenden Kâufer suchen und dies war dann etwa der Grund,
weshalb wir ihn mit den Bibliopolen wechseln sehen. Uns sind
jedenfalls zwei Fâlle bekannt, in denen der Werth von unedirtem
Manuskript auf eine bestimmte Geldsumme vertaxirt wird; als hoch-
gegriffener Preis fur ein Einzelbuch erscheint dabei die énorme Sunune
von ungefiLhr 2500 Sesterz (543,80 Mark)»).
Môglich ist, wenn schon nicht erweislich, dass der Autor auch
Freiexemplare von seinem Yerleger zu erhalten pflegte^).
War die Vervielfaltigung besorgt, so konnte der Verkauf be-
ginnen. Allerdings wurde zuvor auch noch Correktur gelesen;
wir sahen (oben S. 283), dass Atticus keine Exemplare von De officiis
abgeben darf, welche noch àdtOQ&ùûTa sind. Wer die Correktur las
und Diorthot war, bleibt ungewiss. Jedenfalls musste dies fur jedes
Apographum besonders geschehen, und es erhellt, wie sehr das alte
Buchwesen vor allem in diesem Punkte vor dem modernen Buch-
wesen im Nachtheil war. Martial corrigirt nur ausnahmsweise ein
Exemplar (VII 11 und 17). Dem Autor selbst war dies nicht zuzu-
') PompiliuH Androniouâ verkauft sein Ânnalenmmnuskript aus Noth nm
16000 Sesterz (Suet. de gramm. 8). Pllnius konnte seine gegen 160 com-
menurii electorum, die unvervielfUtigt blieben, fOr 400 000 Sestera rerkaufen
(Plin. ep. III 5, 17), also jedes Buch etwa fQr 2500.
') Vgl. Schmidt S. 143, der als Indiz dafûr geltend macht, dass Martial
h&ufig selbst als Scbenker soiner Gedicbte erscbeint, Vil 17 und ôfter. Indess
kann ein sicberer Scblass hieraus docb nicbt gezogen werden; ygl. Cicero S. 349 1
23^
356 "^ ^*® Edition. —
muthen. Daher sind denn die E^lagen ûber libri mendosi, wie bei
Cicero ad Quintum fr. III 5-,^80 sehr hâufig und so ait (vgl. oben
S. 222 die Elagen z. Z. Zenon's). Und die Schreiber arbeiteten zudem
sehr rapide; Martial giebt, offenbar ûbertreibend , eine Stunde als
Zeit an fur Herstellung eines Bûches zu etwa 540 Zeilen*).
Der Ladenpreis der neuen Bûcher scheint von den Buchhândlein
schon ziemlich hoch angesetzt worden zu sein ; ûber dièse Bucbpreise
ist in anderem Zusammenhang geredet worden (S. 83; 209, 2). Fur alte
und vergrifFene Werke wurden dagegen die hôchsten Summen ge-
zahlt (vgl. ebenda), falls sie nâmlîch keine Wiederauflage
gefunden hatten. Cicero benutzt noch Ëxemplare aus der Original-
ausgabe des Ennius'), dagegen ist Ennius zu Gellius^ Zeit nicht mehr
kâuflich gewesen; man lieh sich damais fur vieles Geld eines seiner
Bûcher zum Nachschlagen (Gell. 18, 5, 11). Eine Schrift des Aelius
Stilo muss lange gesucht werden, bis sich endlich ein Exemplar im
templum Pacis findet (Grell. 16, 8, 2). So sucht Hieronymus ver-
gebens nach Tertullian's Schrift De Aaron vestilms^), Bieten Buch-
hândler seiche Antiquitaten feil, so zieht der Elaufer zur Prûfiing
und Contrôle den Kenner und Grammaticus zu Rathe (Grell. V 4)<^
So war zu des GeUius Zeit Nigidius Figilus schon Antiquit&t, Vano
dagegen nicht, und Gellius erklârt dies ausdrûcklich daraus, dass
eben nur Varro noch edirt werde (m vulgus exit^)),
Weniger wichtig fur uns sind die Buchhândler selber. Die
âlteste Buchtaberne, die fur Rom erwâhnt wird, ist wohl jene, in
^) Martial II 1, 5: hœc una peragit librartus hora nec tantum mgii
serviet ille meis. Es ist unstatthaft anzunehmeny dass Martiales Bûcher in
Notenschrift geschrieben seien. Dies ist fflr ein Litteraturbuch weder denkbtf
noch nachweisbar. Zwei Stunden genfigten jedenfalls, um Martiales zweitM
Buch nach Diktat zu schreiben. Nach einer selbst gemachten Probe taxire ich
450 Hexameter auf zwei Stunden.
*) Cic. Orator 48 : ^Burrum" semper Ennius . . . ipsius antiqui déclarant
libri; vielleicht waren sie aus der Diorthose des Lampadis (Gell. 18, 5, 11).
') Ilieron. Ep. ad Fabiolam de veste saoerd. fin. : intérim usgue ad ht»c
diem a me non est repertus.
*) Gell. 19, 14, 1 : Varronis quidem monumenta rerum ac discipUnanm
quœ per litteras condidxt in prcpatulo frequentique usu fenmtur^ Nigidiamt
autem commentationes non proinde in volgus exeunt.
— PreiierhOhung yergriffener Werke. Tabernen. Bibllopolen. — 357
welche Glodius sich rettete (Cic. Philipp. Il 9). Die Tabernen wurden
von den Bibliopolen an den frequentirtesten Plâtzen aufgeschlagen,
beim Janusdurchgang am Forum, beim templum Pacîs, auf dem
Argiletum im Yicus Sandalarius und den Sigillaria '), în den eigeut-
lichen Geschâftsquartieren der Stadt. An der Aussenseite der Buden
wurden z\ir Reklame die Titel der Bûcher als Ai&chen angebracht,
ja anscheinend sogar Easten voll Bûcher selbst auf die Strasse ge-
stellt (Mart. 1 107; Horat. Sat. I 4, 71; Ars poet 373); wer dadurch
angelockt war und kaufen woUte, trat in den Laden selbst ein.
Atticus ist der erste Name eines Buchhândlers, den wir fur
Rom und den wir ûberhaupt mit Sicherheit nennen konnen. Dass
auch er schon mittelst tabernarii seinen Detailyerkauf besorgte, scheint
nothwendig anzunehmen. £r kann sein grossartiges Geschâfb in Rom
nicht Yor dem Jahre 65 begonnen haben (Nepos Att. 4, 5), doch aber
Tor 59, in welchem Jahr Cicero yon ihm ein Buch des Serapion
kauft gegen sofortige Baarzahlung (ad Att. Il 4). Man sieht, der
Verlag des Atticus beschrânkte sich keineswegs auf Cicero's Werke
allein; auch des Hirtius Buch ûber Cato soll Yon ihm diyulgirt
werden (ad Att XII 41 ; I 45); eine Reihe guter Ausgaben griechischer ^/'
Glassiker scheinen auf ihn zurûckzugehen (S. 284 f.). £s wâre nun
aber ein yerkehrter Schluss ex silentio, anzunehmen, dass Atticus etwa
der einzige damalige und dass er der erste Bibliopole in Rom war.
Von des Atticus Thâtigkeit selbst wûssten wir ja nichts ohne Cicero's
Brîefe; da uns nun aus der âlteren Litteratur Roms entsprechende
Denkmâler priyater Natur nicht Yorliegen, sondem nur ein Plautus,
Terenz, Lukrez und Comi£cius, so ist das silentium sehr begreiflich imd
berechtigt zu keinem negatiyen Schluss. Die litterarische Herrschaft
Alexandria's in den drei yoraugusteischen Jahrhunderten ist ohne Buch-
handel undenkbar; nachweisbar ist der Buchhandel aber sogar schon
f&r das Athen des Plato und Sokrates (s. Kap. IX) : es wâre sonderbar,
wenn die Nachahmung desselben in Rom nicht frûher als mit Atticus
begonnen hâtte. Dass aber in Wirklichkeit auch andere concurrirende
Bibliopolen und Yerleger neben ihm bestanden haben, bezeugt Cicero
1) VgL SchmiU a. a. O. S. 3, Schmidt a. a. 0. S. 123. Becker, Oalloa II*
8. 887. Von einem Laden bel der Curie bt abzuiehen (Tgl. oben S. 96).
358 — ^»« Edition. —
auf das klarste, wenn er sich entscheîdet, seine Werke hinfort nur
mehr dem Atticus in Verlag zu geben (XIII 12; 22; vgl. oben S. 353)
und bestâtigt Strabo, welcher S. 609 ûber die Bibliopolen zu Rom
und zu Alexandria in Tyrannio's Zeit Elage fuhrt, die sich bisweilen
schlechter Scbreiber (yQatfsïç (fatfJiot) bedîenten: Ton ihnen stamme
z. B. der ûble Zustand des Aristotelestextes, aber aucb andere nach-
lâssig gescbriebene Bûcher, die fiir den Yerkauf (stç ngâc^v) herge-
stellt waren.
Als bedeutende Verleger und Verkâufer zur Zeit der axigusteischen
Dichter kennen wir die Sosii fratres (Horat. Epist. I 20, 2, Ars poet
Y. 345); Tiyphon fallt in die Zeit Domitian^s, gleichfalls ein Mami
Ton Bedeutung; er edirte das erhaltene grosse Werk QuintUian^
dessen Einleitungsbrief eben den Tryphon als den moralischen Ur-
heber des Werks anredet. Bei demselben Tryphon war auch Martial
zu haben (4, 72) und zwar erscheint er als Martiales Verleger we-
nigstens fur die Xenien (13, 3); ûbrigens lag dieser Dichter in ver-
schiedenen Tabemen Roms zum Yerkauf aus; sein erstes Buch ist
zu haben beim Atrectus (I 117) und Secundus (I 2), sowie auch
beim Q. Polius Valerianus, der der eigentliche Verleger dièses Bûches
scheint^). Athenaeos (S. 673 ^ findet eine Abhandlung des H©-
phaestion bei einem gewissen Demetrius Anticottyras (antiquarnuTj.
Merkwiirdiger ist jener Dorus librarius, der, anscheinend Zeitgencsse
Seneca's, den Livius und Cicero verkauft, und dabei als Kâufer der
Ciceroschriften bezeicbnet wird *). Vicier Bibliopolen Namen werden
uns verschwiegen; es gab eben nicht wenige ungebildete Buchkrâmer
unter ibnen (oben S. 81 f.) und der Stand galt im Grossen und Ganîen
betrachtet als verâchtlicb. Inscbriftlich lernen wir kennen einen
M, Ulpius Aug, lih. Dionysius hïbliopola^). Aus spâter Zeit lâsst sich
*) 1 103, 6: per quem perire non licet meis nugis.
^) Seneca De bencf. VII 6, 1: alter rei dominus est, alter usus. Ubros
dicimus esse Ciceronis; eosdem Dorus librarius siios vocat'^ et utrumque verum
est: alter illos tamquam auctor sibi^ alter tamquam etnptor adserit . . . «c
potest T, Livius a Doro accipere aut emere Ubros suos. Es scheint, Dorus hat
den Erben des Atticus und des Cicero das Verlagsrecht und die restirenden
Exemplare abgekauft.
^) Fabretti X 386. Ungewiss ist, ob Tettienus Félix scriba librarias
(Oruter S. 94) Buchh&ndler war.
— Bibliopolen. — 359
jener bibUàpôîa hinzufugen, der in Rom die von Boetius ûbersetzten
Schriften des Aristoteles vertrieb (Antbol. lat. Ries. 764):
Quas ab Âthenaeis rapuit bîbliopola gazis
Ne Romana famés epulas nesciret Âchiras.
Ob auch jener Ilocfstâœv %ov Bltœvoç ans Herculaneum zu diesen
Uânnem gestellt werden muss, wage ich nicht zu beurtbeilen ^).
Dièse vielen Buchbândler nun, Ton Stand meist Libérien, er-
warben sich, wie wir uns denken dûrfen, als gewandte Geschafts-
ieute gewiss oft genug ein bedeutendes Yermogen: von wie yielen
Artikeln mocbte nicbt das praeclare venum ire der Ciceroreden gelten!
£fic dabit aéra liber SosOs, ist die vielleicbt nicbt gerade sebr be-
^Qckende Ueberzeugung der guten Autoren, deren Werke zogen.
Weiter scbeinen dièse Gescbâftsleute in ibrem Yerbâltniss unter
minauder notbwendig als Concurrenten gedacbt werden zu mûssen.
Welcbe Sicberung der eine vor dem anderen fur seine Verlagsartikel
:>e8as8, ist dabei vollstândig unklar. Die Gefabr des Nacbdrucks,
lem die Pressgesetze der Gegenwart steuem, der aber nocb blûhte
Lin Zeitalter unserer deutscben Classiker, war in den alten Buch-
rerhâltnissen ganz die nâmlicbe. Scbâdigten scbon Privatabscbriften
den Yerleger (oben S. 281 £f.), so war dies gegen die Beeintrâchtigung
gering, die ibm seine Berufsgenossen durcb Massencopie bereiten
konnten. Wir baben keine Andeutung bei dem Hauptzeugen Martial
weder dafur, dass ein Eigentbumsansprucb des Yerlegers, wie der
des Tryphon auf den Quintilian, rechtlicb gescbûtzt war, noch aber
sacb dafur, dass Bibliopolen etwa ûber Beeintrâchtigung durcb solche
Massencopie Elagen fûbrten. Es diîrfte zur Erklârung hiervon')
yieUeicht angenommen werden, dass eine Buchbândlerconyention,
eine Art collegium librariorum, in Rom bestand, in welchem eine
Contrôle gefûbrt und ûber neue Artikel Yerabredimgen getroffen
wurden. Jedenfalls muss, wenn Martial in seinem ersten Buch seinen
^) VgL oben S. 281. Dafîlr, dass der Besitser dieser Bibliothek bueh-
h&ndlerische Zwecke Terfolgte, liesse sich etwa anfUhren, dass mehrere Rollen
in Duplikaten, ja, dreifach gefunden sind (vgL Gomperiz, HercoL Stad. I
Vonrort; Sitsungsber. d. Wiener Ak. 83 S. 88).
') Die £rOrterang Schmidt's S. 127 ff. giebt keine Erkl&ning f&r diesen
Fragepunkt.
360 — ^»® Edition. —
Eâufer an drei yerschiedene Handlungen, sowold an den AtrectoB
wie an den Secundus wie an den Yalerianus yerweist, jede dieser
Handlungen recbtmâssig im Besitz der Ezemplare sein, die sie
yerkauft; entweder nur Einer, Yalerianus, war der Yervielfaltiger und
gab das Buch nach Yereinbarung an Sortimentshandlungen ab, oder
die Yeryielfâltigung war von den dreien auf gemeinsazne Eosten
ausgefubrt worden. Durcbaus ungewiss ist, ob eine Notiz ûber die
Mstoria eines Hermogenes yon Tarsos dabin yerstanden werden kann,
dass mebrere librarii sie edirt batten^).
Fur den Absatz der Unterbaltungslektûre fand sich gewiss ein
ûberaus grosses Publikum, ebenso gewiss fur solcbe Werke, die ihe-
toriscben Zwecken dienten. Aber aucb fur die scbwereren, aoch
fur die wissenscbaftlicben Werke wîrd die Zabi der Abnebmer ge-
wiss nicbt yerâcbtlicb gewesen sein. Als Eaufer kommen an enter
Stelle die ôffentlicben Bibliotbeken in Betracht, deren in Bom allem
seit Augustus bis Hadrian neunundzwanzig eingericbtet waiden.
Dieselbe Institution besassen aber aucb die kleineren Stâdte, wie
Tibur, in HercuUs templo scOis commode mstructa Ubris (GreU. 19, 5,4;
9, 14, 3) wo wir einen Aristoteles, aber aucb einen Claudius Qaadii-
garius yorfinden. Der Stadt Comum sebenkt Plinius eine Bibliothek
(Epist. I 8, 2). Atben batte eine solcbe im Gymnasium des Ptole-
maeos; ausserdem baute Hadrian Stoen in dieser Stadt und fogte
eine Bibliotbek hinzu '). Smjma's Bibliotbek erwâbnt Strabo (S. 646).
Aber aucb unter den Priyaten gab es reicbe Mânner genug, die
es sicb zur Pflicbt machten, gelebrte Werke zu kaufen, oft aus
Interesse, oft nur aus bomirter Eitelkeit und obne jedes SachTer-
standniss. Die Figur des ungebildeten Bibliomanen batte Lukian
^) Sueton Domitian. c. 10 erz&hit: Hermogenem Tarsensem (ocddU) projpter
quasdam in historia figurns^ libraris etiam qui eam descripserant cnci
fixis» Der Verleger tr> die Verantwortung und wird gestrafi; liess non
Domitian dessen Sklavenschaft sugleich mit ihm krensigen, die etwa kan-
dert Sklaren, deren er sich bedient batte? Vielleicbt ist die im Text rer-
sucbte Erklftrung vorsusieben. Docb ist immer offen su balten, dass die librarii
aucb die Sklaven des Autors selbst sein konnten, falls dieaer das Werk im
Selbstverlag edirte.
') Bursian, Geograpbie Griecbenlands, S. 290 u. 291 f.
— Baehk&afer. Oeffentliche und private Bibliotheken. — 361
nieht so, wie er es gethan, zum Typus erheben kônnen, wâren der
Beispiele dafur nicht viele gewesen. Auch stimmt mît ihm Seneca
▼oUkommen ûberein (dial. IX 9, 4 f.): er redet Ton unzâhligen
Bûchem und Bûchersammlungen in Privatbesîtz ; der Besitzer bat in
seinem ganzen Leben kaum das Titelverzeichniss ganz durcbgelesen (4).
Man findet Haufen yon Reden und Yon Gescbichts bûchem (wobl
besonders den grossen Livius), die die Wânde bis oben fullen; sogar
in den Bâdem und Thermen wird eine Bibliothek angebracbt (7).
Ausserdem benôthigten aber auch die Landbâuser einer solcben (Cic.
de fin.^ 7); keine der Villen des Italiens entbehrte ihrer (Plin.
ep. m 7); Trimalchio besitzt deren drei (Petron 48, 4). Eine bei
Bom gefundene Herme trâgt ein Epigramm, welcbes yon §v§Xok im
Hflin der Musen redet und gewiss in einen solchen lândlichen Lèse-
Bial einzufûbren bestimmt war^). Als Bibliophilen in scboner Weise
itanden Mânner da wie Pomponius Secundus oder Plinius der altère.
Beim Suidas wird Hilarius yon Antioebia als fiifiXlœv navxoôan&v
ëVfwoQoiraTOç besonders bezeichnet. Aucb Plutarcb besass eine er-
lesene Hausbibliotbek (Sympos. V 2, 8) ; eine grôssere (ôffentlicbe)
Bibliothek fehlte dagegen in Chaeronea (Plut. Demosth. 2; nsQÏ toi
S, 1). Wer dagegen yerarmt ist, wie jene Bûcherfreunde beim
PaUadas (Anth. Pal. IX 171 und 175), yerkauft dièse seine Sch&tze,
darunter einen Pindar und Kallimachos.
WoDen wir endlich Zahlen nennen, so hinterliess Persius, ob-
achon noch jung, 700 Bûcher (Sueton S. 74 Reiff.); ein Grammatiker
\ne Epaphroditos besass dagegen deren 30 000 (Suid. s. n.), Serenus
Sammonicus gegen 62 000 (Capitol. Gord. 18, 2).
Andererseits fasste die Bibliothek eines Unyermogenden wie
Martial nicht J120 Rollen (Martial 14, 190).
Wer sich an diesen Beispielen mm den Buchbedarf der da-
maligen gebildeten Gesellschaft zu yergegenwârtigen sucht, dem belebt
sich nothwendig das Getriebe des antiken Buchmarkts imd der
Bttchbereitung in's Wunderbare. Die Papierfabriken Aegyptens werfen
monatlich, wôchentlich Tausende fertiger Rollen in^s Ausland, ins-
besondere nach Rom. Die Bibliopolen kaufen sie per Ladung und
1) C. J. G. 6186. Kaibel epigr. gr. N. 829.
362 — ï^»® Edition. —
lagem aie in Speichem. Die Werkstâtten der Vervielfaltigung ver-
sammeln grosse Sklayenschaaren , iind aile geûbten Hânde folga
gemeinsam dem gescbwînden Diktat, in welcbem ein Autor den
andern ablost. Andere lesen Correktur, die Glutinatoren sorgen fôr
Ëinband und Titel. In der Tabeme aber liegt das fertige Buch neu
und den Neugierigen lockend, und es findet sicb bier lèse- und
plauderlustig die scbôngeistige Welt, mit Litteraten, Gelebrten und
Bucbkennem die blasirten Mûssiggânger des Higblife. Entbusiaa-
mus fubrt bierher oder Neugierde oder blosser Sport. Hier wird
ein Yergilbucb fur den Scbulbedarf um ein Paar Pfennige erhandelt^
dort die neueste der Novitâten angelesen, gekauft oder weggeworfen
(Ubrum, si malus est, nequeo laudare et poscere, Juvenal III 41), hier
Unsummen verscbleudert fur die vorgeblicbe Originalrolle eines Cato,
Lucilius, Demostbenes oder Tbukydides (Lukian 58, 4), dort eine
Massenbestellung gemacbt von Biicbem zur Dekoration der neuen
Yilla. Grosse Massen aucb giebt das romiscbe Gescbaft an die
kleinen Stadte und an die Provinzen in Yersand und yersorgt die
Bucbtabernen Brundisium's ') oder Lyon's*), Vienne's*) und wie die
Orte sonst biessen, regelmâssig nacb Bedarf; yor allen von den
Bûcbern, die in der Hauptstadt aus der Mode waren, wanderten die
ùberschûssigen Exemplare in die Provinzen*).
So knûpfte sicb rege Geschâftigkeit und ein gewaltiger Geld-
umsatz damais, wie beut, aucb an die geistigsten Produkte des
Volkslebens.
Um durcb das Cbaos der Rollen imd Titel den bildungsbedùrf-
tigen Kauflustigen bindurcbzubelfen , verfasste in Hadrianiscber Zeit
Herennius Pbilon aus Byblos seinen Fùbrer durcb den Bùcbermarkt
nsQÏ xT^cfeœç xai ixXoy^ç fiifikioiVj der zwôlf Biicber fullte, scbrieb
in Concurrenz damit etwa zur nâmlicben Zeit aucb Telepbos Ton
Pergamum fiifiX^axl^ç ifjbTKiçUxç fiifiUa y , iv oîç âiôâ(fx€t %à
XTfiasdùç a^ia fitfiUa (Suid. s. n.). Aber scbon vor diesen Minnem
batte sicb Artemon von Kasandria mit zwei âbnlicben Werken nùtz-
*) Gell. 9, 4, 1 : fasces Itbrorum venalium exposUos mdmus au Brnndi!«iam.
«) Plin. Ep. 9, 11.
3) Martial 7, 88.
^) Horat. Ep. 20, 13: AtU fugies Uticam aut vinctus mitteris Ilerdam,
Ausdehnang des Buchhandels. BOmisches Buchwesen minder entwickelt. 363
ich gemacht, die sîch ergânzten, ûber die Anschaffung und ûber die
)enutzuDg von Bûchem, nsgl cfvvayœyl^ç PifiUùdVj tkqï §i^U(ûv
'jffticeùoç (Athen. S. 515 u. 694).
Wer studiren wollte, aber die Mittel nicht besass, die gelehrten
^erke der Vorzeit sich zu verschaffen, befand sich allerdings in
chwieriger Lage. Als Leihinstitute mochten die ofFentlichen Biblio-
heken zumal ausserhalb Rom's nicbt ausreichen. Es ist natûrlich,
lass Commentare wie des Didymos, Lexika wie des Pampbilos in
Lemselben Grade theurer waren, als sich fur dieselben der Kreis der
Quifer verengte. Dass der Reiche den Armen beim Buchkauf ûber-
âetet, sehen wir bei Lukian LVECT 4. Fur den armen Philologen,
L
&r den néyfjç Tunatdsvfiéyoç Lukian's, verfasste darum zur selben
îadrianischen Zeit Diogenian seine TiSQ^egyoTiévijTeç y ein Werk,
lessen glûcklicber Besitzer jedes anderen grammatischen Hûlfsmittels
ioUte entbehren konnen.
Aile dièse Beispiele sind nur der Kaiserzeit entlebnt, in der
las Buchwesen ohne Frage erst zu seiner hôchsten Entwickelung
fl;elangte. Aber scbon ein LucuUus (Plutarch Luc. 42), schon ein
àemilius Paulus (Isidor aus Sueton S. 130 Rei£f.) batten mit der
Pontischen, mit der Macedoniscben Beute grosse Biîchermassen mit
DAch Rom gebracht. Aemilius Paulus erscheint in dem Ueberblick
Iber die rômischen Bibliotbeken beim Isidor als erster Name. In
i>eiden genannten Fâilen ist nun lediglich an griechische Werke
m denken. Lucull vermebrte die Beute noch durch Ankâufe in
ithen, wobei er auf Yorzilglichkeit der Exemplare sah (ysyça/Afiéva
talSç). Es bedeutete etwas, dass die erste ôffentliche Bibliothek,
lie dem Pollio verdankt wurde, neben den griechischen auch rômische
PT'erke aufwies (graecas simul atque latmas), Das rômische Buch-
wesen batte mit Ennius' und Accius* und Lucilius' litterariscber Tha-
igkeit und den Arbeiten jener Recensoren, die von Krates yon Mallos
iogeregt wurden (Sueton S. 100 f.), nur Ansâtze gemacht, aus denen
» sich erst entwickeln musste. Zur Zeit Cicero^s, der den regsten
Bifer hat, seine Bûcherschâtze zu yermehren, konnte man griechische
ichriften immer haben, lateinische waren rar und ofb gar nicht auf-
ratreiben. So erkiârt sich, dass Cicero schreibt an Quintus ÇH 4):
«Du willst deine griechische Bibliothek erweitem, willst Exemplare
364 — ^î® Edition. —
luntauscben , willst lateiniscbe hinzu anschaffen; daTon Ter-
spreche ich mir selbst Vortheil; indess nur ein geschâftseifEdirener
Mann kann dièse An8cha£Pangen besorgen : denn das, woran mir ge-
legen ist, liegt nicbt im Eaufladen aus^).^ Wenn dem Cicero eme
Bibliothek zum Gescbenk gemacbt wird (ad Att. U 1 fin.), so ist ihm
der imbescbâdigende Transport der lateiniscben Rollen wicbtiger ab
der griecbiscben. Und wenn nocb der arme Cordus beim Javensl
(m 206) nnr wenige und nur griecbiscbe Bûcber bat, so scheint
nicbt nur ibre geringe Anzabl bier als ein Zeicben der Armuth ni
gelten. Besonders auffallend aber ist, was Sueton ûber die Resti-
tution der ôffentlicben Bibliotbéken durcb Domitian, die durch den
Neroniscben Brand vernicbtet waren, bericbtet: er babe von ailes
Seiten Exemplare bescbafit und dieselben dann nacb Alexandria ge-
scbickt, woselbst danacb Abscbriften angefertigt und emendirt wurden
(Suet. Domit. 20). Warum wurden die Abscbriften nicbt in Rom
gemacbt? Es scbeint, dass es fur die Unzabl yen Apograpba, die
bier auf einmal bergesteilt werden soUten, in Rom nicbt genng
griecbiscb redender Sklaven gab. An lateiniscbe Werke wird hier
aber augenscbeinlicb gamicbt gedacbt.
Das 80 fertiggesteUte und in Bibliotbéken gesammelte Litterator-
bucb war leicbt zerstôrbar. Es konnte sicb mit den pergamentnen
pugillares an Dauerbaftigkcit nicbt entfemt messen, und auch das
minder solide moderne Papierbucb wûrde ibm obne Frage in diesem
Punkt voranstehen. Nicbt nur Brandscbaden war es, der, wie in
dem zuletzt angefubrten Beispiel, Emeuerung der Werke nôthig
macbte. Der vomebmste Feind der Cbarta war wobl der Léser selbst;
das yiele Anfassen bei hâuûger Benutzung musste den aus dûrren
Pflanzenfasem zusammengeklebten Sto£f in bobem Grade scbâdigen;
mebr nocb das yiele Auf- und Zurollen; Zerfaserung war die grossie
Gefabr; war aucb nur erst eine Faser ausgerissen, so drohte ein
^) neque enim venalia sunt quae qtUdem placeant^ et cor^ici mn fff
hominem et peritum et diligeniem non possunt. Hier wird ab zweite Mdglich-
keit die Privatabschrift berûcksichtigt. Daselbst III 6, 6 beklag^ sich Ciœro
nicbt Qber die Scblechtigkeit der griechiscben , sondera nor der Uteinisckea
Bûcber : De latinis vero quo me vertam nescio , tam mendose et icribunhff et
veneunt.
— Geringe Dauerhaftîgkeit der Papyrusrolle. — 365
;anze8 Blatt zu zerfallen. Dem vorzubeugen, wurden Rauheiten und
]>erliâDgende Faserendchen am Buchschnitt (frons) stets sorgfaltig
littelst Scheere und Bimstein {pumex) weggenommen und ge-
l&ttet^); ûbrigens half man dem eîngetretenen Schaden durch Flicken
b, die man ûberklebte'). Die erbaltenen Papyri geben ims hiervon
sbendige Anschauung^). Ein zweiter Feind des Papyrusbucbes war
odann die zebrende Feucbtigkeit der Lufb; in den Lândem feucb-
Bren Elima^s nordlicb der Alpen wâre es darum gamicbt zu Ter-
renden gewesen*). Es Terfiel sehr leicbt der Faubiiss (caries)^
forâber wir so bâufige Elagen Temebmen, und eben dièse Fâulniss
it gemeint, wenn man von der chartae senecius redete (vgl. Sym-
Dftcbus oben S. 101)*). Der vielgefûrcbtete Bûcberwurm, Motten
md Schaben balfen weiter das Zerstôrungswerk vollenden; quam
ïïuki tmeas pascunt bkutasç^ diserti ruft Martial; scbon Aristoteles
kber kennt diesen Bûcberwurm und classificirt ibn besonders als
li iv TOÏç fiifiUoêç yevôfiêyov (fxoQTuœdeç i»*). Endlicb werden
tns aucb die zemagenden Mâuse nicbt yergessen (Antb. Pal. YI 303).
7m 80 Motten als Feucbtigkeit nach Moglicbkeit abzuwebren, be-
•trich man das neue Bucb bei seinem Erscbeinen mit Cedrusôl^;
irahrsebeinlicb wurde dies aucb spâter nocb wiederbolt^); ausserdem
1) Vgl. ».B. Ovid Triât UI 1, 13; Mart I 67; ll6; VIII 72; Catull 22,8;* '
Rbull III l, )£f. Isidor sagt Orig. VI 12: circumcidi Ubros SicUiae primum
mareèruity nom initio pwnicabantur.
*) So Terstehe ich am liebsten Lukian ngoç tov ànaid. 7: àviliTtitç àii
itd âêoxoXiÇç xai niQ*x6nTHç.
*) Zerfasening sehen wir unendlich h&ufig; aufgeklebte Flicken s. oben
L 261.
*) In Sicilien gefertig^te Charta, Tom Herrn Prof. Zinke hierselbst nach
)eiit8chland gebracht nnd im Schrank aufbewahrt, wurde in wenigen Jahren
cnuu nnd nneben und Tenog sich so, dass sie sum Scbreiben Tollst&ndig nntaug-
ioh wurde, die Schrift oder Zeichnung, die aie trug, erblasste bis sur Un-
[flnntlichkeit.
*) Martial verbindet so VI 49 caries Umgae senectae; ebenso XIII 29.
•) Arist. S. 632 ^ 20; 567 B 9.
') VitruT II 9, 13 : ex cedro oleum . . . nascitur quo reliquae res unctae
Ui Ubri a Hneis et a carie non laeduntur; Tgl. Lukian a. a. 0.; Martial III 2;
>fid Triai. I l, 7.
*) Der Bibliomane bei Lukian a. a. O. fflhrt jedenfalls in seiner Samm-
ttng fertiger Bûcher das àlêi<f>ëty tf xçôxip xai jp Tcidç^ aus.
366 — ^ie Edition. —
aber war es dringend nothig, wie Seneca hervorhebt, die Bâcher
nicht lange unaufgerollt liegen zu lassen: anderenfalls klebten sie
zusammen; man musste sie periodisch ôffben und ansschûtten: rà»
cohaerent; subinde excuH debent^).
So erklârt sicb denn, dass die Rollenbûcber der Alten ûberhaapt
nur ein sebr geringes Alter zu erreicben pflegten, und dass, Ton
unserer Gewobnheit aus beurtbeilt, unyerballiiissmâssig oft ihre &
neuerung nôtbig wurde. Wir haben ein ûberraschendes aber ujout-
tastbares und hochwichtiges Zeugniss ûber das Alter, das ein Baeh
erreicben kônne, in den Worten des Plinius (oben S. 247): ita pat
longinqua monimenta; Tiberi Gcàque Gracchomm manm apud Ptm-
ponium Secundum vatem cwemque clarissimum vidi armoê /en post
ducentos; iam vero Ciceroms ac divi Augusti VergiUque êaepemtmm
videmus, Also die Bûcber erreicbten sebr gut ein Alter von hnndert
Jabren; Bûcber von zweibundert Jabren dagegen waren fôr
Plinius scbon etwas Ausserordentlicbes, zâblten zu den Mirabilien ma
kônnen also in den Bûcbersamndungen nur selten vorgekommen sein.
Hierdurcb wird begreiflicb, dass sicb uns Ton den vielenBacii-
roUen, die nacbweislicb nocb im vierten Jabrbundert bestanden, to
gamicbts erbalten bat. Zugleicb wolle man aber biemacb ennessen,
wie viele Wiederabscbrifben oder Neuauflagen im Laufe des Alte^
thums wobl ausgefiïbrt worden sein mûssen, damit sicb der Text
eines Aescbylos oder Demosthenes oder Terenz oder nur eines Cicero
bis in das Zeitalter der Codices retten konnte.
So viel von den Betriebsformen des classiscben Bucbwesens,
Sie anticipiren das moderne in vielen Punkten vollkonmien. Dem
Autor war vor allen Diugen aucb damais scbon .eine Wirkung in
die weitestenKreise ermôglicbt, er konnte das Bewusstsein tragen,
fur die Welt geschrieben, Weltlitteratur gemacbt zu baben. Wenn
auffallender Weise Firmicus Maternus im vierten Jabrbundert die
acbt Biicher seiner astrologischen Matbesis ^edirt^, aber dabei die
beiden Scblussbiicber ûber die Apotelesmata den profanen Lesen
entzogen wissen will, so erfordert dieser eigentbûndicbe Fall eine
besondere Erklârung*). Uebrigens bat aber die starke Vervielfalti-
^) Seneca epist. 72, 1.
^) Das Werk, dessen Léser s. B. Sidonius Âpollinaris war (carm. 22 prae£)i
— Geringe Haltbarkeit der Bolle. Confiscationen. — 367
gung nicht yerhindert, dass es dem Staat môglich war, solche
Schriften, die Ton gemeinschâdliclier WirkuDg oder aus irgend einem
Grand sonst missliebig schienen, auch noch nach ihrer Edition auf-
heben zu lassen, zu confisciren.
Das âlteste Beispiel, das uns fiir Conôscationen yorliegt, fallt in
die classische Zeit Attica^s. Des Philosophen Protagoras Schriften
8oUen im Jahr 411 auf der Agora zu Athen verbrannt worden sein,
wahrend ihm selbst der Process gemacht wurde (Diog. La. IX 52);
ein Herold sammelte, heisst es, von allen Besitzern die Exemplare ^).
Indess haben die Schriften noch Spâtere gelesen; ihre Yerbrennung
war deninach nur eine theilweise; vor allem konnten die ausserhalb
Athen's Terkauften Exemplare ja nicht mit eingezogen werden.
Uebrigens aber ist es rathsam dièse wie âhnliche Nachrichten aus
jenem Zeitalter mit Reserve aufzunehmen.
wnrde edirt wie aile anderen nnd dem MaTortius Lollianus dedicirt; es heisst
m der praefatio: olim tibi hos libellos, Mavorti^ ...me editurum esse promi-
êeram und abermals ut promitterem me tibi editurum; endlich promissa reddimus,
Der Autor denkt sich nicht nur den Mavortius als Léser, sondern das grosse
rOmische Publikum, TgL peroratio VIII 33: Romanis hominibus navi operis
tradidimus disciplinam. Die beiden letzten BQcher sollen aber nur Ton dem
gelesen werden, der ein heiliges, priesterliches Leben ftïhrt (II 33); und
praef. VII ist es nun Marortius, den Firmicus beschwôrt, ne haec veneranda
communia profanis vel imperitis auribus intimentur, sed iis tantum quos animus
incorruptus ad rectum vivendi ordinem instituit. £s scheint also» MaTortiud
bat die Verfhgung ftber die Exemplare und kann sie den Lesem enUiehen;
dies wird noch deutlicher VIII 33, wo Mavortius ermahnt wird, sun&chst nur
seinen eigenen S6hnen das Buch in die Hftnde su geben : ha£c filiis tuis tantum
trade^ quos a prima aetate ad omne vtriutis offidum instituisti. Firmicus selbst
gab das Werk an den Mavortius offenbar nur in einem Ezemplar; daher lesen
wir nicht einfach edere^ sondern tibi edere; Mavortius ist es, der auf das Zu-
•tandekommen des Works immer wieder gedrungen batte, fthnlich wie Tryphon
beiiii Quintilian (praef. I: trepidationem meam hortatio sermonis tui erexit
coegitque adgredi quod fréquenter ex desperatione deserui eqs.) ; derselbe Pro-
eonsol und Consul ordinarius ist es auch, der die VenrielflLltigung des Works
abemommen batte und ausftihrte; er war also, um den Terminus auch hier
beixabehalten, der Verleger.
*) âw tavTtjy di rijy àq^^riv rov cvyyqâfXfAaioç (se. ntql d-ttàv) i^ifiliid^
nçoç 'ASTjyaitay' xai rà fitfilia avTov xaTÎxavaay iy i^ àyoçà vno xi^qwc^
ftyaX^âfuyot naç* ixccarov nay xéXTtjfiéytoy. Fftlschlich wird dies so verstanden,
ab sei nur das avyy^afÀfxa ntçi d-ftay verbrannt worden.
368 — I>i® Edition. —
Yiele Beispiele liefem dagegen die romischen Kaiser, deren
Motiy dabei bald das Staatsinteresse, bald auch nur persônlicher
Hass, bald blosse Laune war. Yoran steht Augustus, der zweitauseod
Exemplare Pseudosibjllinisclier Schriften^) Terbrennen liess. d&
kaiserliche Wille griff in diesem Fall muthmasslich nicht nur in die
Tabemen, sondem aucb in die Privatbibliotbeken ein. In welcher
Form dachte aber Caligula yorzugehen, wenn er Homer^s Gedichte
^vernichten" wollte*)? Wie giog Tiber vor, wenn er die Schrift
eines Historikers aus Augustus' Zeit ^vemicbtete"*)? Vielleicht war
in solcben Fâllen nur die Entfemung des Autor^s aus allen ôffent-
lichen Bibliotheken beabsicbtigt; Sueton fâhrt betrefEis des Caligala
unmittelbar fort: fast batte er aucb des Vergii und des Livius
Scbriften und Bûsten ^aus allen Bibliotheken^ entfemt: doch aber
nnmôglich aus allen priyaten. Naheres erfahren wir beim Domitian;
er liess die librarii kreuzigen, welche Hermogenis Tarsensis historiam
descripserant; das Buch war anstossig propter qiuudam figuras (Saei
Dom. 10). Junius Arulenus Rusticus und Herennius Senecio hatten
Laudationen auf Paetus Thrasea und HelTidius Priscus edirt; die
Schrift de vita Hdvidi hielt mehrere Bûcher; Domitian liess beider
Mânner Bûcher „nach Senatusconsult vemichten^; die Yerbrenniug
geschah auf dem Forum durch die Trium-viri capitales*); trotzdem
aber war es dem Senecio môglich wenigstens sein eigenes ExempUr
in's Exil zu retten*).
*) Sueton Oct. 3 1 ; es sind dies nicht etwa 2000 Exemplare ein und der-
selben Schrift, wie Schmidt S. 118 annimmt, um darauf Scblflsse Qber des
Umfang einer Auflage zu bauen; es heisst: quidguid /cUidicontm Hbrorum ond
zwar graeci latinique generis.
^) Suet. Calig. 34: cogitavit de Homeri carminibus abolendis.
2) Suet. Tiber. 61: abolita scripta,
^) Tacit. Agric. 2. Nacb Sueton c. 10 batte Busticus sowobl die Laudatioo
auf Paetus wie auf Helvidius edirt und beide sanctissimos riroa genannt; Dio
Cass. 67, 13 weiss nur von dem filoç lïçicxov des Senecio, Tom Busticus nor,
dass er den Thrasea Uqoç nannte. M. Aquilius Begulus edirte ein Buch gegeo
beide Verurtheilte (Plin. ep. I 5, 2 f.).
') Illos ipsos libros qvumquam ex necessitaie et metu temporum aboUtoè
senatm comuJto, publicatis bonis servavit habuit tulUque in exiHum exUU caaw»
(PUn. ep. VII 19, 6).
— Confiflcationen. — 369
Wenn noch nicbt in diesem Fall, so ist man sicher in den nun
folgenden bis zur Haussuchung weiter gegangen. Diocletian Hess in
Aegypten die alten Scbriften, die negi xf^ybêiaç agyvçov xaï XQVtfov
handelten, ^zusammensuchen und verbrennen^^); die Anstifter des
Manicbâismus in Afirika befabl er mitsaninit ibren Bîîcbem zu ver-
brennen^); in seinem Edikt ûber die Cbristenverfolgung (Euseb bist.
ecd. 8, 6) wird aucb die Yerbrennung der beiligen Scbriften ange-
oidnet; viele Cbristen erklârten damais absicbtlicb, Exemplare der-
selben zu besitzen, weigerten die Auslieferung und erlitten danun
den Tod*). Constantin liess den Arius zwar unbebelligt leben, seine
Bûcber aber yerfielen gleicbfalls dem Feuer, und wer eines verbeblte,
sollte getôdtet werden^). Wie die letztere Massregel, so waren aucb
die der cbristlicben Kircbe gegen die cbristenfeindlicben Publikationen
Yon Yollkommenstem Erfolge. Das kaiserlicbe Edikt des Tbeodosius
▼cm Jabre 448, das ibre Yerbrennung befabl, ricbtete sicb insbesondere
gegen Porpbyrios, dessen Verlust wir beute beklagen*). Inopportune
Scbriften ans den ortbodoxen Ereisen versucbte man auf Medlicbere
Art zu beseitigen : so zog Pammacbius die Hieronymusscbrift adversus
JoTianum gleicb nacb ibrer Edition wieder ein*), indess obne Erfolg.
Hieronymus scbreibt darûber''): nihil pro/uit ista dHigentia, cum aU-
quanti ex Urbe venientes mihi eadem îectitarent quae se Eomae excepisse
ferebant; in hoc quoque provrncia iam libri fuerant divulgcUi: et ut ipse
legisti: nescit vox missa reverti,
Das Codexbucbwesen, das aus der PriTatabscbrifb bervorging
and mit Yerlag und Edition ursprûnglicb nicbts zu tbun batte, loste
das classiscbe Bucbwesen, wie ims unser zweites Eapitel zeigte, um
das vierte Jabrbundert ab und vemicbtete es, allmâblicb siegend.
^) Said. 8. n. Burckhardt, Ck>n8taDtin S. 151.
*) Borckhardt a. a. O. S. 240.
*) Burckhardt a. a. O. S. 341.
«) Sokrates I 8.
') Vgl. Acta coDcilii Ephesini (sacr. conc éd. Mansi V 417), danaeh lu
réktîfidren Cod. Justin. 1 1, 3 (Tgl. Neumann, Julian S. 8).
*) Exemplaria iam de foro, iam de publico sitbtraxisti^ Rufin S. 452 b. Hier.
•d. liardan.
0 Hieron. epist. 49, 2 Vall.
Birt, Baebwesm. 24
370 — I^*® Edition. —
insbesoodere im Dienste der cbristlichen Eirche iind des Monchthums.
Die Unzahl reicher Papyrusrollenbibliotlieken , die die drei ersten
Jahrhunderte hindurch bestanden und in unzahligen Exemplaren
immer sich emeueten, sie sind zerstoben und yerweht; wir wûrden
nicht einmal ahnen, dass sie existirt haben, batte nicht einigen
Schriftstellem des Alterthuins ihre Laune eingegeben, ûber so âusser-
liche Dinge wie Papier und Bûcberbort Andeutungen hinzuwerfen.
Jenen Litteraturbeflissenen vom Beginn des vierten Jahrhunderts ab,
die die Papyrusbibliotbeken in die Codices eintrugen, war damit das
Schicksal der Classiker ausschliesslich anheimgegeben : und ihre Ënt-
scheidung ist in Tielen Fâllen nicht weniger vemichtend als die Cod-
ôscationen der romischen Imperatoren geworden.
ACHTES KAPITEL.
Stôrimgen der antiken Bnchform.
Uie Betrachtung des antiken Bucbwesens in seînem Yerhaltniss
znr Litteratur ist, in Absehung der voralexandrinîschen Zeiten, hiemit
zum Abschluss gefûhrt.
Nicht nur der Form und des Materials des antiken Buchs sind
wir nunmehr gewiss, sondem auch des Kanons seiner zulâssigen
Grôssenimifange, welche vom Fabrikanten durcb die Blâtterzabl fixirt,
fur Autor und Editor durcb die Zeilenzabl zum Ausdruck gelangte.
Dies Bucbwesen berrschte einfôrmig. Eben die Bucbfabriken
sorgten bierfûr, und es war desbalb keine Môglicbkeit gegeben, sicb
ibm zu entzieben und wiUkûrlicb aus ibm berauszutreten. Bietet
uns der Nacblass der antiken Publikationen nun gleicbwobl Texte
dar, welcbe den Yoraussetzungen dièses Bucbwesens widerstreiten,
80 Terfallen sie dem unabweislicben Yerdacbte, dass sie uns in ent-
stellter und unoriginaler Form vorliegen.
Uns erubrigt zur Ergânzung ailes Yorgetragenen die Pflicbt, die
"wicbtigsten und cbarakteristiscbsten Beispiele, in denen die Litteratur
gegen die Regel yerstôsst und so gleicbsam aus der Rolle fallt, nicbt
unerôrtert zu lassen. In der Tbat scbeinen eben sie als Ausnahmen
nur Bestatigungen der Regel abzugeben. Denn fast ûberall seben
wir bei ibnen anderweitige Merkmale binzukommen, welcbe den um-
gestaltenden Einfluss deutlicb yerraiben, den bier der lange Gang
der Textgescbicbte ausgeûbt.
Das bedeutsamste Ereigniss ist fur die classiscben Autoren obne
Frage ibre définitive Uebertragung aus der Rollenbucbform in den
24»
372 — Stfirungen der antiken Buchform. —
Codex gewesen. Es konnte nicht ausbleiben, dass dièse Codification
der classiscben Litteratur auf die Texte selbst und im be-
sonderen auf die Bucbtbeilung der Texte beeintrâchtigende
und stôrende Einflûsse ûbte. Denn in den meisten Fâllen war
ja die Bucbtbeilung nunmebr zwecklos geworden; und wenn num
Ton Protokoll und Escbatokoll jeder Rolle gleicbwobl getreulich die
Bucbinskriptionen und -subskriptionen mit ûbemabm, so war dies
lobenswertbe Sorgfalt, fur die indess ein praktiscber Anlass zu fehlen
scbeint.
In leicbter und anscbmiegender Gewandung, die aile Glieder
zeigte, war die Litteratur durcb das Altertbum gegangen. Nun fiel
sie in die Hand der Môncbe. Die kleideten sie aus und warfen ihr
— ein guter Scbutz in rauberen Zeiten — die pergamentene Kutte
ûber, weit und scbwer, unter der ibre feinen Gliederungen dem Auge
fur immer verloren gingen. Was aber yerlobnte es da nocb, die
einzelnen Rollentitel, Reste der abgeibanen Einkleidung, auÊEube-
wabren?
In der Tbat, wâre der Uebergang zum Codex Sacbe eines be-
stinimten Planes gewesen und demgemâss auf einmal zur Durch-
fûbrung gelangt, so batte sebr nabe liegen mûssen, den Text einfach
aus den Rollen, in denen er zertbeilt stand, zusammenzutragen UBd
den Vortbeil der neuen Bucbform vor der alten wirkUcb zu be-
nutzen, welcber die Sacbeinbeit zur râumlicben zu macben gestattete.
Allein in Wirklicbkeit war der Uebergang viebnebr ein sehr
allmâblicber. Lange Zeit bestand neben dem in Codices eingetra-
genen Text der Text auf Rollen fort. Lange nocb yerband sicb mit
jenen volumina des Ulpian qiuxe in cocUcibus sunt die Anscbaumig
wirklicber Rollen, die nur in einen Codex ausgescbrieben worden.
Die sorglicbe Rûcksicbtnabme auf die Bucbtbeilung war somit dem
Codexscbreiber in den ersten Zeiten aufgenôtbigt, damit sicb die
Texte in beiden Bucbformen identificiren lassen konnten; und es
bildete sicb mit Notbwendigkeit jene conservatiye Grewobnbeit aus,
zu deren Wirkungen wir uns begliickwimscben, wenn sie aucb den
Begriff des Bucbs und der Bucbtbeilung YoUkommen und bis zur
Sinnlosigkeit entstellte. Yielleicbt supponirte man der letzteren auch
sogleicb in bewusster Weise den Nebenzweck, obligate Rubepunkte
— Ëintrsg^ng in Codices im 4. u. 5. Jshrhundert. — 733
iind Uebersichtlichkeit im Codex zu gewâhren, sowie das Finden
citirter Stellen zu erleichtern, was dann in allen folgenden Zeiten ihr
Hauptzweck geblieben îst.
Als die Zeit, in welcher dièse Codificirungen hâufig wurden und
Einfluss gewannen, betrachten wir das vierte nnd fiinfte Jabrbundert
(ygl. Kap. n). Auf eben dièse Jahrhunderte werden wir uns aucb
in der nachfolgenden Betrachtung mehrfacb yerwiesen seben. Es ist
dies die Zeit, in der so viele Corpora yon Scbriftwerken sicb nacb
Anordnung und Inbalt erst definitiyirten, wie z. B. die Tragôdien
Seneca's damais neu recensirt, lun eine yermebrt imd umgeordnet
wurden^). Besonders sei hier der zeitgenossiscben Poeten Ausonius,
Prudentius imd Claudian gedacbt. Yon allen dreien stebt fest,
dass sie ibre yielen Werke geringen Umfanges einzeln ausgaben.
Erst nacb ibrem Ableben kônnen dièse Werke zu bestimmt geord-
neten Corpora gesammelt worden sein. Waren sie nun einzeln nocb
in der alten RoUenform erscbienen, was jedenfalls fur Ausonius wird
angenommen werden mûssen^), so wurden sie als Sammlung nunmebr
im Codex zusammengestellt. Dabei wurde dann aber aucb Un-
recbtes binzugetban, wie beim Claudian, anderes wurde yerkûrzt, wie
des Ausonius Biss\ila, mebrere Bûcber zu einem contrabirt, wie im
Catbemerinon^) oder im Raptus Proserpinae Bucb III und IV, endlicb
aucb die Ordnung yerstellt, wie im Peristepbanon oder bei den
Claudianpraefationen. Die Entstebung der Claudiansammlimg aber
fâllt in das fûnffce Jabrbundert^), und es scbeint nicbt nôtbig, die
des Ausonius imd Prudentius fur âlter zu balten.
Wir kônnen eine ganze Reibe yon Irrungen der yerscbiedensten
Art imterscbeiden^ welcbe die Codificirung damais direkt beryorrief
oder die sonst mit ibr in einem Zusammenbang steben. Unglûck-
licber Zufall und bewusste Absicbt wirkten zusammen, um die
herrscbende conseryatiye Gewobnbeit bei ibnen ausser Wirkung zu
setzen.
Zunâcbst konnte es yorkommen, dass der Scbreiber das Werk
1) Vgl. Rhein. Mus. 34 S. 657.
^ VgL oben S. 101 f., 156, 303 f., 307.
») Vgl. oben S. 305 f.
*) Vgl. Jeep, Rhein. Mus. XXVIII S. 291 ff.
374 — Stdnmgen der antiken fiuchform. —
in Rollen unyollstândig yorfand. Bûcher fehlten. Bieser gewiss
hâufige Fall hat schon in fruher Zeit seine Analogie, da schon Diodor
von Theopomp die Rollen VI, Vil, XXIX, XXX vermisste*); durch
die Eintragung in den Codex wurde niin solcher Verlnst sehr leicht
zum de&nitiyen. So erklâren sich die Verluste der vielen LiTios-
bûcher, die doch noch Symmachus yollstandig hatte*), so der der
Bûcher des Tacitus, des Curtius Rufus, Diodor, Varro und so yieler
anderer. Von den zehn Controyersienrollen Seneca's fanden sich am
Beginn des Mittelalters nur noch die Nummem I, U, Vil, IX ùnd X
yor; die yorliegenden Excerpte ans den yerlorenen werden firûh, im
yierten oder fûnften Jahrhundert, angefertigt sein. Es ist in diesem
Zusammenhang beachtenswerth , wenn Euseb') es fur besonders er-
wâhnenswerth hait, dass er die (TtQœfMxtëïç des Clemens noch
„sâmmtlich" besitze.
Die Buchrollen selbst aber konnten auch àxé(paXok sein, nu
bisweilen erwâhnt wird; d. h. es konnten die ersten aussen lie-
genden Seiten derselben, wie bei dem erhaltenen Homerpapjrus von
Bankes, abgerissen sein. Ob es indess Falle giebt, wo fehlende Back-
anfange wirklich auf solche Schâden, die der erste Codezschreiber
yorfand, zurûckzufûhren sind, ist schwer auszumachen^).
Als eine begreif liche Irrung des unaufmerksamen Schreibeis er-
scheint sodann die Verstellung yonBûchern. Es brauchten, um
sie zu yeranlassen, die Rollen nur mit incorrekten alXXvfio& yersehen
*) Und wohl auch XII. Auch Menophanes Termisste die zwdlfle, w&hrend
Photios die letztere doch noch las; Tgl. Diodor XVI 3, Phot. cod. 17G p. 120Bk.
2) Oben S. 101.
') Hist. écoles. VI 13: ol nàvrtç naç' tifùv coi^oyrai,
^) So fehlt der Buchanfang bei Varro de lingna lat. VU; bei Velleius I;
Sueton Caesar; Dionys de adm. vi die. in Dem. Bei Cicero de fato fehlt so
Schluss als Anfang; dies kônnte also etwa ein Opisthograph gewesen sein,
80 wie Hieronymus Ton einem itxéffttkoy xal èréksoroy volumen des Origenes
redet (praef. comm. Osée). Allein Cicero De re publ. I ist àxéff<tXov durch
Bl&tterausfall im Codex; und nicht anders wird sich Tacitus Annal. XI erkl&ren
(Anfang des Cod. Medic. II). Bei Plautus ging^n der Schluss der AulolariA
und der Anfang der Bacchides offenbar durch einen Bl&tterausfall gleichseitig
Terloren; die Handschrift, die die Bacchides noch nach dem Alphabet stellte,
war also Codex und ist hiemach zu datiren.
— Yerluat Ton Bûehern u. BuchanfïUigen. Verstellung der fiûcher. — 375
sein^). Bas charakteristischste Beispîel sind hîerfur yielleicht
8 Seneca Naturales quaestiones. Ber Yerfasser hatte die yon
8 z. Th. ganz falsch nummerirten Yolumina wahrscheinlîch in dieser
tihenfolge edirt»): 1) U, 2) m, 3) IVa, 4) IV b, 5) V, 6) YI,
Yn, 8) !•); ihre Codification wurde zweimal ausgefuhrt nnd
idemal wurde geirrt; die beste Handschrift zu Bamberg nummerirt
en wie iinsere Anagaben; daneben stellte, gleich&lls yerkehrt, eine
reite Tradition, die dem Vincent yon Beauyais yorlag und sich in
ler Leydener Handschrift wiederfindet, die Bûcher mit anderen
ichzahlen: 1) IV b, 2) V, 3) VI, 4) Vn, 5) I, 6) II, 7) ni,
rVa^). Granz âhnlich ging es auch z. B. in der Thiergeschichte
is Aristoteles, wo schon firûh die Rolle VUI zur siebenten ge-
BLcht ist, auf welche VII, IX, X in unbestinimter Ordnnng folgten,
>durch selbst der Text beeinflusst worden ist'). Bes Columella
rôlf Rollen De re rustica ûbernahm der Codex zwar complet
id in richtiger Folge; allein yon einem zweiten Werk gleichen
halts fand sich eine yersprengte Rolle hinzu, handelnd De arbo-
)ub; sie wurde falschlich hinter das zweite Buch als drittes ein-
ifugt und danach dann die Buchzahl des echten dritten in IV ab-
iândert^.
Man beachte wohl, dass in aUen diesen Fâllen, nachdem das
'} So sehen wir noch bei Prudentius, wie zu einem Werk in Tielen Bollen
r ordo voluminum hinzugefQgt werden muas (oben S. 102); Hieronymus
breibt seine Praefationen susdrûcklich ne voluminum ordo vitietur (S. 112
>te 2).
*) VgL hierûber Schultess, De L. Ann. Senecae qu. natur. et epistulis
(nn 1872.
') Dièse Stellung des Bachs wird durch das dictum est l 16 erwiesen.
«) Im Cod. Berol. steht IV* hinter VIL
*) Bekker merkt an : „plurimi codices sexto libre subiungunt octaTum ita
liber septimus in noni locum deprimatar. Liber VIII finitur Terbo açj^oyrat;
inde addnnt codd. F A* C* verba nço'iovatjç dii t^ç ^hxktç id quod est initium
ri decimi! Pro i in libre IX codex £ exhibet 9, cod. D* ^, cod. F ôydàov,"^
Der Cod. G % der das Buch VU als nenntes hat, merkt an : im lateinischen
ixt ezistire auch noch ein sehntes Bnch, das im griechischen fehle: dazu
^t eine jûngere Hand hinzu, jetzt habe sich auch das griechische gefunden.
*) Vgl. die Ton Schneider citirten Handschriften und <esten Ausgaben.
376 — Stôrungen der antiken Buehform. —
Versehen begangen war, die Ueberliefening nicht angestanden hst,
auch die Buchzahlen selbst anzatasten iind abzuândem der Ter-
schobenen Bucbfolge gemâss. Dafûr kommen ab weiterer einlench-
tenderBeleg die Controyersien Seneca's hinzu, yon deren Buch-
ausfallen schon gesprochen wurde; nachdem dièse Ausfalle eingetreten
waren, ist die Monobiblos der Suasorien falschlich in die Sjntaiis
mit aufgenommeQ worden, iind die Handschriften zu Brûssel und
Antwerpen zahlen demnach die letztere als Buch I, sodann geben
aie dem ersten Controyersienbuch die Zabi LE, dem zweiten m, dem
siebenten IV, dem neimten V, dem zehnten VL Wer wûrde hier,
ohne die sonstigen Indicien, die uns der Zufall darbietet, ans den
Handschriften den ursprûnglichen Zustand dièses Werkes zu errathen
vermôgen?
Allein der Process der Codification wirkte noch yiel schadlicher,
imd die Buchaufschriften wurden nicht nur in der besprochenen
Weise interpolirt, sondem oft geradezu ausgetilgt.
Zunâchst nur in kleinerem Massstab. Zwei benachbarte Bûcher
yereioigte man imter einem Titel, das yierte Buch des Claudia-
nischen Raptus Proserpinae mit dem dritten ^) oder yon Seneca's
Naturales quaestiones das dritte mit dem yierten, wobei die
ûbrigen Bûcher unbeschâdigt blieben. Allein auch zur gânzlichen
Tiigung aller Buchaufschriften wurde yorgeschritten, so dass sich
nunmehr eine neue grôssere Bucheinheit herausstellte, die mit dem
Umfang des Codex zusammenfiel.
Seneca's Briefe haben in einigen Handschriften die Buch-
theilung allerdings getreu gewahrt; andere dagegen haben die Buch-
zahlen nur noch bei einigen Bûchem belassen, aber auch seiche
Handschriften fehlen nicht, in welchen sie sâmmtlich fortgefallen
sind ^).
Beim Juyenal sind wir gemâss den âlteren Ausgaben die Sa-
tiren yon der ersten zur sechzehnten durchzuzâhlen gewohnt. Dies
geschieht nach Anleitung der Ueberlieferung selbst; denn nur der
^) Jeep in Bitschl's Acta Lips. I S. 361.
^ Fickert I S. XI, der fdr letzteres etwa ein Dutzend CJodices nam-
haft macht.
— Yerlust der Bachtheilung b. JuTonal, Demosthenes, Plutarch u. a. — 377
\te Codex Fithoeanus ^) hat uns die Bezeichnung der ursprûnglichen
chgrenzen aufbewahrt
Scheint der Yerlust hier nicht sofort und nur theilweise eînge-
ten, so geht er in anderen Fâllen fraglos auf das Ende des Alter-
uns selbst zuruck.
Des Bemosthenes Nachlass wurde von den Alten in Bûchem
etwa je sechs Reden gelesen ; wir mûssten dies selbst erschliessen,
nu es uns nicht einmalig ausdrucklich bezeugt wâre*). Aile Buch-
bchriften aber sind in den Handschriften eliminirt.
Ebenso yertheilten sich auch Cicero's kleinere Reden in Bûcher
je mehreren'); allein keine einzige Buchaufschrift hat sich erhalten.
Des Flutarch fiiot naçdXX^Xot werden von den Alten mit
ichzahlen citirt; ihre RoUen waren so gut nummerirt wie die jedes
deren Werks; die Handschriften dagegen wissen davon nichts mehr
d inskribiren jedem Bios nur den Namen seines Helden. Die
dtere Folge war, dass sich in ihnen ûberdies die Reihenfolge yer-
rrt hat*).
Leicht ist das den meisten dieser Beispiele Gemeinsame zu
kennen. Besonders dann hat man die Inskriptionen getilgt, wenn
6 Einzelbuch selbst schon ein Sammelbuch war. Hier schienen sie
sonders ûberflûssig. Jede der sechzehn Juvenalsatiren war inskri-
rt: was soUten dazwischen noch weitere Buchzahlen ? sie steigerten
e TJebersichtlichkeit nicht und konnten hôchstens storen. Jede
tr Ciceroreden nahm im Codex schon hinlânglich breiten Raum
a: welchen Sinn konnte es haben das expUcit nur hinter jede dritte
1er vierte oder fûnfte zu malen? Die Veruntreuung der Buchthei-
Dg lag hier besonders nahe.
Davon scheinen nun die epistolographischen Sammelbûcher be-
•nders hâufig betroffen zu sein, so wie die eben aufgefûhrten des
meca. An den yollstandig aufgelôsten Zustand der Briefbûcher
^) Ausserdem seigt ein Laurentianus a einmal beim ersten Buchschluss
B Subskription.
») Oben S. 308 f.
») Oben S. 308.
*) Westermsnn , de Plut, rite et scriptis S. XXI ; Volkmann, Plutareh I
100; Tgl. oben S. 317f.
378 — Stdrangen der antiken Bnehform. —
des Alkiphron ist schoii frûher erinnert worden; gleichzeitîg notirten
wîr auch andere Briefsammlungen grossten IJinfangeSy welche der
gewohnten Gliederung entbehren^). "Wir werden ûber solche Falle
nunmehr bestiinmter urtheîlen konnen. Ein hervorragendes Beispiel
des yierten Jahrhmiderts weîst uns den Weg. Die hundertund-
fQnfzig Briefhummem des Hieronymus, grosse iind kleine, lesen
wir nach sachlicher oder chronologischer Ordnimg als eine iinge-
theilte und ungefuge Masse. Hat mm etwa wirklich die kirchliche
Litteratur schon jener Zeit yon der classischen Editâonsform abge-
sehen? Wir mûssten, wie ungem immer, die MogUcbkeit hienron
zugestehen, belehrte Hieronymus selbst uns nicht eines Besseren.
Er berichtet, dass er einerseits seine grosseren Briefe, die zn yoU-
stândigen Traktaten angeschwoUen waren, als selbstândige Ubri fur
sich'), andererseits dagegen die kleinen in verschiedene Ubri gesam-
melt ausgab: so edirte er denn bis zum Jahr 392 yon kûrzeren
Briefen erstlich Epistolarum ad dwersoa Ubrum unum, daneben Ad
Marcdlam epistolarum Ubrum unum (de yir. ill. 135).
Dass Hieronymus dieselbe Buchform nim auch nach dem ge-
nannten Jahr 392 auf seine Briefe anwandte, werden wir nicht
zweifeln; wir werden auch noch fur die zweihundertundsiebenzig
Briefe Augustin's dasselbe annehmen, so wie denn noch yon Enno-
dius neun Briefbùcher und eben so viele yom Sidonius ApoUinaris
publicirt wurden. Vor allem muss uns fur die neunzig echten Briefe
des doch âlteren Ambrosius imd die sonstigen gleichartigen âlteren
Briefcomplexe der Yerlust der classischen Buchform feststehen.
Als altestes und wichtigstes Beispiel hierfur seien die Heroiden-
briefe des Oyid noch besonders namhaft gemacht. Die Ueber-
lieferung giebt sie uns ungetheilt mit 3900 Versen. Die ersten
bestimmt echten Nummem (die yerlorene Sappho an funfzehnter
Stelle mit eingerechnet) ergeben sehr leicht drei RoUen normaler
Grosse zu je funf Briefen:
I mit 762, II mit 798, III mit etwa 788 Versen.
1) Vgl. oben S. 325 f.
^ So die £p. 39 consolatoria de morte filiae ad Paulam (De rir. ill. 135):
80 £p. 66 (super obitu PauUnae parvulum KbeUum edidmus; ep. 108 c 4).
Dahin gehOrt auch Ep. 106 (35 Seiten in Migne's Patrol.) u. a.
— Yerlost der fiuchtheilung bei firiefen; Oyid's Heroiden. — 379
Das8 dies die ursprungliche Editionsform wirklich war, ist anderen
Ortes empfohlen worden^).
Es kommen sodann sechs weitere Briefe dazu, die dièses Corpus
abschliessen. Sie tragen wesentlich anderen Charakter; gaben die
Torigen drei Rollen Briefe von Frauen, so erhalten wir hier Werbe-
briefe yon drei Liebhabern mit zugehôrigen Antworten. Sie kônnen
nicht fur echt gehalten werden^), doch sind sie schwerlich nach der
Neronischen Zeit edirt worden. Fragen wir nun, wie sie der Buch-
rolle angepasst waren, so empfiehlt sich wohl am meisten anzunehmen,
dass es drei Briefwechsel in drei Rollen waren: die erste (Paris,
Helena) hielt dann 644, die zweite (Leander, Hero) 428, die dritte
(A.contius, Cydippe) etwa 492 Verse').
Dièse letzten sechs Stilcke sind aber erst in spâter Zeit an die
Oridsanimlung angehângt worden. Dies lâsst sich mit Wahrschein-
lichkeit aus der Betrachtung des Gresammtwerktitels erschliessen.
Der Titel Epistukte, mit dem misère besten Handschrifben inskri-
biren^), ist nicht der urspriingliche. Das Alterthum yor Priscian
kennt die Ovidbriefe yielmehr unter dem Titel Heroides; denn so
ibeniimmt Priscian ein Citât X S. 544 E. und dieser Titel ist auch
tas don Handschriffcen keineswegs yerschwunden, in denen er ge-
1) Rhein. Mus. XXXII S. 393 f.
*) Paris und Helena sind in der Metrik unovidisch (rgl. s. a. 0. S. 391);
àlso werden auch die folgenden nicht fôr echt gelten kOnnen. Dies best&tigt
ror allem die inhaltliche Verschiedenheit. Nur Liebhaber des Unwahrschein-
lichen kOnnen dièse Stûcke dem s en ex Ovidius zuschreiben. Orid, um seiner
Imscinrenden Jugendgedichte wiUen im Exil und wiederholt und angelegent-
lichat deprecirend, sollte gleichzeitig den Paris und die Helena edirt haben,
die an lasciria seine Ars womôglich noch ûberbieten ! Aber selbst angenommen,
der alte Ovid sei der Urheber, so w&ren die ersten 14 (resp. 15) firiefe Ton
ihm doch jedenfalls ohne sie edirt gewesen; die Frage nach deren Buchform
blaîbt also ron dieser Hypothèse rollst&ndig untangirt.
>) Die Frage nach der Echtheit der Verse XX 12ff. und XV 40—141
nehme ich hier nicht auf; N. XX muss doch ursprûnglich Ton entsprechender
hknge gewesen sein. Sedknayer entscheidet sich fQr die Echtheit Prolegom.
crit. (1878) S. 33ff., dagegen im ^Kritischen CommenUr'' (1881) S. 75 f. und
Wiener Studien III S. 158.
*) Biese, éd. Ot. I S. IX; vgl. Sedknayer, Prolegg. crit., der freilich
nieht in allen F&llen die Inskriptionen mittheilt.
330 ~ Stdmiigen der sntiken Bachform. —
legentlich auch zu Heroidum eptstulae combinirt wîrd. Sollte der
jûngere Titel Epistulae nun zufaUig, sollte er ohne Zweck entstanden
sein? Man wird das um so weniger glauben, je zweckmSssiger er
erscheint. Wer eine Buchaufschrift macht „dîe Heldinnen^, der will
damît klarlich anzeigen, dass Mânner oder ^Helden^ yon seinem
Werk ausgeschlosseD sind. Eine so eigenartige Wahl konnte nur in
exclusiver Absicht getroffen werden; ebenso waren yon den Kaioi
des Phanokles nothwendig schone Frauen ausgeschlossen. Baraos
folgt aber, dass sich die antîken Exemplare deshalb als nHeroîden*^
charakterisirten, weil sie wirklich eine Zusammenstellung ansschliess-
lich weiblicher Gestalten gaben, nnd dass man erst, aïs die Briefe
yon Mânnem hinzukamen, sich gezwungen sah, das geschlechtsloee
Epistulae an die Stelle zu setzen. Deninach ist also die Hinzafugang
der letzten sechs Nummem zum Heroidencorpus gleichzeitig mit der
Titelyerânderung und erst am Ende des Alterthums geschehen, eu
ist also wabrscbeinlich bei Gelegenheit ihrer Codificirung im yieiten
oder fiïnften Jahrhundert. Sie bewirkte zugleich die Tilgung der
Buchzahlung der echten Stucke.
Es giebt fireilich auch Heroidenhandschriften mit Buchtheiliing.
Allein sie sind sânmitlich jung und zeigen ims nur nachtra^che
tastende Restitutionsyersuche des Yerlorenen^). In dieser Beziehung
ist es lohnend die Ueberlieferung der Caesares des Sue ton in Ver-
gleichung zu ziehen, fur die Yeruntreuung der classischen Buchformen
ein besonders instruktives Beispiel. Dass Sueton sein Werk auf
acht Bûcher yertheilte, wissen wir aus Suidas. Es fielen also auf
Buch Vn die drei Viten des Galba, Otho, ViteUius, auf Vm die
drei des Yespasian, Titus und Diocletian. Die Handschriften haben
hieryon nun keine Spur erhalten. Der âlteste Codex Memmianus
inskribirt aUerdings wirklich noch die ersten funf Yiten bis Claudius
^) Mit Unrecht habe ich mich a. a. 0. auf eine solche Handschrift be*
rufen zu dûrfen geglaubt. Dass solche Theilungen nicht selten sind, ist m
Leutsch bei Ersch u. Gruber s. t. ÛTidius sowie bes. aus Sedlmayer's Prolegg'
S. 104 zu ersehen. Vier Eintheilungen gehen neben einander her, nnd keioe
kann daher Autorit&t beanspruchen. Die Theilung im Tierten Cod. Guelferb.
kâme unserer Âufstellung am nâchsten: seine Vorlage scheint 1) I — Y, 2) VI— X,
3) XI— XV, 4) XVI— XX getheUt zu haben.
— Verlast der fiuchtheilung b. Sueton, Terentianus, Nonius. — 381
mit Uber prinms, liber secundua, L tertius, L quartus, L qumttis; von
da an giebt er aber die Zâhiung auf. Andere Handschriften zâhlen
eben so wenig als die Plutarch^s; einige aber haben sogar nachtrag-
iich, und zwar schon vor Vincent von Beauvais, eine falsche Buch-
s&hlong eingeschwârzt zu zwôlf Bûchern, indem sie auch die klei-
neren Viten von Gralba ab for je ein Bucb rechneten^).
Wir sind noch nicht am Ende. Es gilt noch auf die Ars
metrica*) des Terentianus Maurus mit ihren 2981 Yersen hinzn-
weisen. Dass wir aucb dièses Werk weder complet noch in seiner
echten Fassimg besitzen, dies négative Résultat der Lachmannischen
Analyse ist voUkommen gesichert, und wir sehen also auch hier
tmsere Fostulate durch innere Merkmaie auf das glûcklichste besta-
tigt*). Zweifelhafter bleibt in diesem Fall dagegen die Restituirung^).
Hiemach erubrigen zwei Werke gleichfalls der spâteren Zeit,
bel denen jede Spur einer Buchtheilung verloren scheint, die Com-
pendiosa doctrma per litteras des Nonius und die Trogusepitome des
Justin. Bei diesen werden wir, so viel ich sehe, durch keine so
ûcheren inneren Indicien in unserer Aufstellung unterstiîtzt, dass
inch sie sich ursprunglich dem alten Theilungszwange gefugt haben
QQiûssen.
Man bedenke, dass Nonius Marcellus mit seinem Werk noch
îtwa hundert Jahre dem Hieronymus vorausliegt. Wird man sich
1er Annahme entziehen, dass seine neunzehn an Grosse so imgleichen
B[apitel, von denen einige bei Priscian selbstandig citirt werden*),
I) VgL Roth, éd. Suet. p. XII.
*) So lautete der Titel (Mar. Victorin. p. 2529 P.).
*) Lachmann selbst sagt S. VIII , das Werk sei „non in libres sues
distmctnm".
^) Ânscheinend gingen die Sachtheile selbst&ndig fQr sich; Priscian citirt
■• B. Ter. de litteris. Ter. de syllabis (S. 10 und 305 H). Und in der That
hai de gyUabU jnst 1021 Verse, und der Dichter bricht in der Form des Buch-
eèhlusses ab ForsUan hune aliquis verbomm dicere librum non dubitet eqs.
Hiersu gehOrt ausserdem das Vorwort in Glykoneen. Dagegen scheint de litteriê
mit 194 Versen su kurs; Marins Victorinus las wobl mehr als wir (Keil praef.
8. 320) ; de metris aber, ûberdies unTollst&ndig, kommt mindestens zwei Bûchern
l^leieh; ich Termuthe drei Bûcher De metris, I r. 1300—2180, II t. 2181—2914,
m 2915 ff. nnTollst&ndig.
*) Nimlich das sehnte nnd swOlfte.
3g 2 — Stôrungeii der antiken fiuchform. —
wiederum erst in spâterer Zeit zusammengestellt worden sind? Man
beachte, dass der Zusatz des Werktitels per Utteras in Wirklichkeit
ja nur auf drei dieser Kapitel, LE, LU und lY passt. Die alphsr
betischen Xi^SiÇ dieser Eapitel, z. Th. sehr grossen Umfangs'), machen
jedenfalis den Gnmdbestand des ganzen Corpus ans. Dieselben
mûssen doch ursprûnglich so âusserlich auf Rollen yertheilt gewesen
sein wie die verwandten Xé^etç des Festus und anderer '). Und eist
bei Gelegenheit ihrer Codificirung sind dann wohl die ûbrigen Eapitel
anderen Charakters hinzugestellt. Dieser Annahme kann zur Bt-
statigung dienen, dass z. B. das erste Kapitel de proprietate sermomim
im Grunde durch das vierte de varia signif. sermonum sachlich va-
geschlossen wird*).
Und Justin? Mit ihm rûcken wir nach wahrscheinlicher An-
nahme^) gar bis in die Zeit der Antonine hinauf. Sein Werk hat,
einer Epitome gemâss, die Theiiung des Trogus in vierundyienig
Bûcher beibehalten. Die also verkurzten Bûcher entsprechen indess
dem Rollenbuchwesen nicht mehr; das erste hSlt nur 500 Zeiloi;
y ist das grôsste mit 770; m geht dagegen auf 325, lY auf 180,
X sogar auf 108 Zeilen zurûck, vgl. VI. Vil. Vffl. IX. XV u. s. w.
Die gesammte Epitome hait deren ûber 1 1 000. Die unter dem Tltel
PSndarus Thebanus bekannte Epitome der Ilias hat gleichfalls aile
Tierundzwanzig Buchinskriptionen conservirt, sie hat aber zugleich das
Gesammtwerk geschickt in den obligaten Umfang einer einzigen RoUe
zusanmiengedrangt (s. S. 297), wobei dann auch hier z. B. Buch XXm
auf 11 Zeilen, XIII auf 7, XVII gar auf deren 3 reducirt sind*).
Ganz ebenso muss auch Justin, faUs er nicht schon ausserhalb
des antiken Buchwesens stand, seine Epitome unter Beibehaltung
der Buchinskriptionen des Trogus ûberdies noch auf Bûcher
1) Kap. II tazire ich auf gegen 4000 (etwa 4 Rollen), III auf 1500
(1 Bolle), IV auf 6000 Stichen (etwa 5 BoUen).
>) Vgl. oben S. 323 f.
') Ebenso scheint Kap. III ohne BQcksicht auf Kap. VIII abg^asst.
*) Vgl. BQhl, Verbreitung des Just. im Mittelalter.
^) Wenn die Handschriften dièse Bûcher mit explicit subskribiren, so ist
dies unursprûnglich, sowie ja z. B. auch die einzelnen Ovidheroiden dften in
den Hss. ihr explicit haben. ,
— Verlaat der fiaohtheilimg bei Justin. — 383
rertheilt haben, die das herrschende Mînimalmass nicht yerletzten.
Dies erweisen die sonst bekannten Epitomen aus classischer Zeit^).
Es liesse sich demgemâss etwa annehmen, dass der Trogus des
Fustin in vier Volumina*) ging, deren erstes die Bûcher I — VU, das
5weite die Bûcher VIII— XVI, das dritte XVn— XXX, das vierte
ÏXXÎ — XLIV umfasste'). Dass dièse Viertheilung hemach im Codex
^) Man rergleiche folgende Beispiele. Diogenian's Excerpt aus Pampliilos
lielt ô fiQcher. Marc Aurel schreibt bei Fronto (ad M. Caes. 2, 13): feci
xcerpta ex libris sexaginta in quinque tamis, Theopomp machte eine Epitome
.er néon fiQcher des Herodot in zweien (Suid. s. Siônoftnoç) ; Theophrast eine
Spitome aus don vôfiot in 10 Bb., aus der Politie in zweien (Diog. Laert.).
lieopomp's 58 Bûcher wurden eu 16 ezcerpirt (PhoL S. 120 B.). Pamphila
ixeerpirt des Ktesias 23 Bb. nsçatxtiv eu drei Bûchem (Suid. s. nafnpHfj;
mch anderen that dies Soteridas; MQller fr. hist. III 520). Der Metriker
lephaestion schrieb zuerst 48 Bûcher, dann aber inére/uey avrà flç tv&txa,
laiin fîç Tçia, dann ëiç ty (Hephaest. iyxt^Q' schoL Saibant. S. 147. 35. 77).
lermogenian rerfasste imTofiâiy fiifiXUt l| (Index der Florentina). Der Par-
^miograph Zenobios epitomirte den Didymos und Lnkios Tarrhaeos eu mindestens
Irei Bûchem. Varro contrahirte 15 Bûcher seiner 25 Bûcher De ling^a latina
m 9, derselbe seine 41 Bb. Antiquitatum gleichfalls zu 9 (Bitschl Op. III
S. 424). Nach diesen Analogien muss nun auch der ein Buchmass ûber-
lehreitende Justin seine Trogusepitome in mehreren Bûchem placirt haben.
Brgftnzend sei etwa erinnert, dass Agatharchides ron Knidos Auszûge aus
«înen eigenen Werken, sowie aus der Lyde des Antimachos machte, dass
Sopater von Alezandrien irmofÀÙç nlsicTCDy schrieb (Suid.), dass M. Bratus
lie Annalen des Fannius in eine Epitome brachte (Cic ad Att. XII 5, 3), dass
ron JaTolenus existirten Labeonis libri posteriorum epitomatiy dass Lactanz die
[nstitntiones in einem rolumen epitomirte, u. s. f.)
') Ich will nicht unangefûhrt lassen, dass 6. J. Voss De histor. lat. I
laeh Th. James Ton einer Oxforder Justinhandschrift redet in der Bibliothek
les Colleg^um NoTum mit der Aufschrift Epitome historiarum per Trogwn
f)nttpeitim lib, IV, Bei Bûhl finde ich hierûber nichts. — Dass Justin
Bach I im Excerpt schliesst mit quod sequenti volumine refertur wûrde uns
lieht zu beirren brauchen, da dies treu aus Trogus ûbemommen sein wird.
7gl. XLIII fin. : In postremo libro Trogus eqs.
') In Anknûpfung an Justin sei auch an das r&thselhafte Werk des
Bu trop erinnert. Das BroTiarium des Eutrop berechnet sich auf 3325 Zeilen,
irflrde also eine Monobiblos fttllen nicht grOsser als Sallust's Jugurtha« Es
cerfiLllt nun aber in 10 Bûcher! Dièse Bûcher haben im Durchschnitt den
anantiken Umfang Ton wenig ûber 300 Zeilen. Eutrop ist aber Zeitgenosse
des Hieronymus. Ist nun anzunehmen, dass Eutrop, anders als ein Hiero-
384 — StOruDgen der antiken Bachform. —
neben den 44 Buchtiteln besonders leicht wegMlen miisste, wird
man gewiss zugestehen.
Die Arten der Entstellung der classischen Buchform, velche
der Uebergang in das Mittelalter mit sich brachte, sind hiermit
nun aber noch keineswegs erschopffc. Es kommt jene excerpirende
Thâtigkeit hinzu, die zwar die Buchtheilungen bestehen Hess, aber
die Einzelbûcher zu minimalen Umfangen yerkûrzte. Es ist wohl
denkbar, dass auch dies wiederum in manchem Falle eben bei Ge-
legenheit der Codificirung geschehen ist. Ein paar der wichtigsten
Beispiele mogen hier genûgen. Wer sich des P. Rutilius Lupus
geringen rethorischen Nachlass ansieht, wird sich wundem, warnm
dièse Schemata dianoeas ex Graeco vorsa Gorgia in zwei Bùchern
Yorliegen, da sie kaum eines zu fûllen ausreichen. Die Handschriften
selbst aber sagen uns, dass, was sie geben, nur Excerpt sei^).
Ebenso verrathen sich die Variae historiae Aelian^s, deren 14 Bûcher
zusammen nur 5793 Zeilen halten (das funfte z. B. nur 160), dem
nymus, ron den traditionellen Fordeningen des RoUeDbuchwesens sbsah, aem
Werk nur ftir den Codex componirte nnd nur &usserlich und spielend eioe
Buchtheilung hinzathat, die der wirklichen BachgrOsse, wie aie auch danili
noch herrschte, gar nicht entsprach? Ein Blick auf die zeitgenOisische Litte-
ratur macht dies geradezu unglaublich. Aber wie sonst erki&ren? Die Matb-
massung drângt sich auf, dass ein Werk ûber rSmische Geschichte in zehn
Tollen Bûchern bestanden hatte, zu dem sich unser Eutrop so rerh&It wie
Justin zum Trogus; es wurde gekQrzt zu einer Monobiblos» aber die teho
Buchanfschriften beibehalten. In dem so postulirten Werke mûssten LÎTias.
Sueton, Dio Cassius, die Scriptores hist. aug. n. a. schon benutzt worden sein;
als Verfasser desselben liesse sich wohl nur Eutrop selbst denken. Und ftbrt
zu solcher Yermuthung nicht auch der Titel Breviarium^ Epitome (Suid.) selbst?
Eine Zusammenarbeitung aus mehreren Werken heisst doch nie so; „ Epitome
ist immer die Kûrzung nur eines Werkes. — Die erhaltene Epitome mûsste
dann aber sehr frûh, vielleicht vom Eutrop selbst, gemacht sein; man fsnd
in ihr nicht angegeben, wer epitomirt sei: daher ist das imTifJiôyToç JifiM*
bei Suidas (s. r. Kccnirtay) nichts als unzntreffende Yermuthung. Dièse unsere
Annahme findet nun endlich die beste Best&tigung in dem, was K5cber (De Joh.
Antioch. 1871 S. 17 ff.) ans anderen OrOnden erschloss: Johannes Antiocheniu
benutzte ein ursprûnglicheres unTerktLrztes Eutropwerk.
^) Bei Buch 1 fehlt die Subskription; bei II bieten die Medicei stitt
liber secunckts deutlich genng de libro secundo^ ebenso der Vindobonensis.
— Excerpirte Bûcher; Butilius Lupus, Aelian, Apicius. — 385
Lesenden sofort als Auszug. Das nâmliche ist zu urtheilen ûber des
Caelîus Apicius Lehrbuch de coqtûnaria; von seinen zelm Bûchem
ist TI mit 500 Zeilen am stârksten, die anderen sinken betrâchtlich,
BO I, n und m zu je 200, IX zu 130, X gar zu 98. Reichlich zwei
Dritttheile dieser Kûchenweisheit ist uns yorenthalten ; nirgends
waren ja auch Weglassungen so leicht als eben bei solchen Recept-
Bammlungen. Der Codex Salmasianus bestatigt dies zur Genûge,
welcher Apici .excerpta a Vinidario vir intut erhalten hat'); sie sind
von Schuch yersuchsweise in die Bûcher IV, VI, Vil und VIQ ein-
gestellt. DasB damit aber das Fehlende erschôpft sei, wird niemand
glauben.
£in renommirteres Beispiel sind die Fabeln des Phaedrus. Es
enthalten die funf Biicher derselben folgende Verssummen:
I 861 II 178 m 408 IV 423 V 174 •).
Jedenfalls edirte Phaedrus zuerst nur zwei Bûcher; dann folgte
Buch m ad Eutychum allein fur sich (ygl. UI 10), erst danach
Bach IV ad Particulonem ; endlich als der Dichter ait ist (V, 10),
fûgte er das funfte hinzu. Dass er nun nicht mit diesen Buchlappen
auftrat, ist klar genug. Es fehlt etwa die Halfbe. Und auch hier
sind es Excerpte, die uns dies bestâtigen. Die sogenannte Appendix
Phaedri der Perottischen Fabeln, im 15. Jahrhundert bekannt ge-
vrorden, fugt ûber 400 Verse ohne Buchform hinzu. Dièse Appendix
ist sicher fur Eigenthum des Phaedrus zu halten'). Aber auch sie
1) Vgl. éd. Schueh S. 21.
>) Ohne die Ueberschriften, deren I 32, II 10, III 20, IV 26, Y 1 1 hat.
*) Sie gleicht in Sprsche und Versform (Elision, Auflôsungen; Beinheit
des sweiten Fusses Buch IV 248 Mal, Appendix 231 Mal) dem Phaedrus wie
ein Ei dem andern. Nicht in Betracht kommt dagegen, dass A pp. 2 wie eine
matte Beplik ron III 18 aussieht, noch der Tadel der griechischen Sprache
App. 23, w&hrend Phaedrus doch Graeciae litteratae propior war (III praef. 53).
Ansserdem kOnnte der Ton in der Appendix strenger scheinen: ygl. maligna
l, 3. fallax 4, 5. vitia 6. corruptus u. impudens 13, 18. turpUudo 13, 31*
mal^kunijperfidia 17. stievum 18. scelesium 19. pessime 21» odio8au,pe8sma24c,
neguam 26. perfidie 26, 14. perfida 27, 1. improbae 30, 3. Uebrigens braueht
Phaedrus improbua in elf Fabeln: I 1, 5. 16. 22. 31. II 3. IH 11. IV 8.
rV 19. V 1. 3. Ist er deshalb Ton Martial Phaedrus improbus genannt worden
(m 20)?
Birt, Buebweseii. 25
386 — StOrungen der antiken Buchform. —
ersetzt noch keineswegs ailes; denn wenn Avian in der Inhaltsangabe
seiner Monobiblos unter anderem erwâhnt, auch Baume fuhre er
redend ein (loqui arbores), so fuhrt er die8 Verspreclien "wirldich ans
(N. 16 und 19); wenn Fhaedrus im ersten Prologus dasselbe ankûndigt
(quod arbores loquantur, non tanium ferae), so sucht man unter allen
Gedichten vergebens nach Eiche, Fichte, Scbilf oder DornstraucL
£benso, wenn wir von argen Verfolgungen hôren, die der Dichter
um seiner Fabeln willen von Sejan erfuhr (III praef. 33 £F.), so reicht,
sie zu erklâren, doch gewiss nicht die Fabel von den Froschen ans,
die einen Eônig wollten (I 2), auch nicht vom Adler und der Erâhe
(II 6), wenn hier auch der consiUator maUficus allerdîngs an Sejan
gemahnen musste.
Ein besonders merkwûrdiges Beispiel ist aber die lateinische
Anthologie des berûhmten Codex Salmasianus Parisinus aus dem
siebenten bis achten Jahrhundert: ein einschnittloses Corpus Yon
Gedichten, durch Auslese aus einer Yielheit von Einzelbûchem zn-
sammengestellt. Es ist anerkannt und leicht anzuerkennen, dass der
Zustand, in dem dasselbe vorliegt, erst mittelalterlicher Zeit verdankt
wird. Von der ursprûnglichen Buchtheilung der excerpirten Voilage
sind aber noch genûgende Spuren erhalten; denn jene in derHand-
schrift den Gredichten gelegentlich beigefugten, bis 21 aufisteigend^
Zahlen sind mit Sicherheit als Buchzahlen erklârt worden*). Wie
immer iiber den Process der Verkûrzung und die Beschaffenheit des
Original werks im Einzelnen zu urtheilen sein wird, dies ist jedenfalls
als wichtigste Thatsache voranzustellen , dass in der genannten Ge-
dichtsammlung eine Summe von allermindestens einundzwanzig
Biichem zu einer Masse im Umfang von etwa nur sechs Bûchera
zusammengezogen worden ist, so zwar, dass die Benutzung der Ori*
giualbucher eîne hôchst ungleichmâssige war imd dass von jedem
Theilungsprincip abgesehen wurde.
Wâhrend fast aile jene Zahlen nur in margine nackt und ohne
Buchtitel erscheinen, erhalten wir doch wenigstens einmal^) auch
eine vollstândige Subskription; sie lautet: lÀber gramaton expUcit XVL
ï) Vgl. Riese Anthol. lat. I p. XX f. II p. LV.
') Auf S. 108 der Hsndschrift, nach N. 199 Biese.
— Ezcerpirte BQcher; Phaedrus, lateinische Anthologie. — 387
Hier steht somit der Werktitel vor uns; er lautete nicht carmina,
nicht poemata, sondera grammuta. Es wird nicht wohl anders môg-
lich sein, als ihn zu Epigrammata zu ergânzcn^).
Es existirte demnach am Ausgang des Alterthums eîne grosse
Sammlung y on Epigrammen verschiedener, vielfach nngenannter
Lutoren zu ùber zwanzig Bûchera, die den Martialbûchera àhnlich
[esehen haben mûssen. Aus ihnen ist dann das Excerpt mit sehr
»edeutender Verkùrzung und fast gânzlicher Tilgung der Inscriptionen
ergestellt, gleichzeitig aber in dies Excerpt eine Reihe selbstândiger
nd nicht epigrammatischer Dichtungen eingestreut (vor allem N. 21.
3. 200. 253; hôchst wahrscheinlich auch die zusammengehôrige
fasse 7 bis 18; vielleicht auch 198, 199). Dièse letzteren Stùcke
ind se eingeordnet, dass sie sich entweder sicher (N. 200; so auch
98, 199) oder wahrscheinlich (83. 253. 21) zwischen zwei Buch-
prenzen befinden ^). Ferner wurde erst damais das yoUstandige
[jiixoriusbuch^), erst damais auch das Rathselbûchlein des Symphosius^)
mgefugt.
Uebrigens erhebt sich die doppelte Frage, erstlich wann jene
ibri (epi)grammaton selbst und zweitens wann aus ihnen die uns
rorliegende Anthologie entstanden sei. Denn Beides ist nicht gleich-
^tig zu denken. Das spâteste Datum der libri weist gegen die
^tte des sechsten Jahrhunderts (N. 203). Sind dieselben also erst
lamals und nicht frûher gesammelt worden, so gelangen wir fur die
Serrichtung unserer Anthologie ihrerseits in eine noch spâtere
Période, schon in das eigentlichste Mittelalter und in die Nâhe der
Lèit des Cod. Salmasianus selbst. Dièse Ajinahme aber ist die allein
^) fiei den Griechen steht fur fiifiXkt allerdingé bisweilen yQÛ/nficera
Plotarch Caes. 60. Galen vol. I p. 79 ro dfùnQoy ygrififia; Tgl. aach ËusUth
IL p. 6, 4; oben S. 79, 1). Indess dass ein Werktitel bei ihnen so gelautet
kabe, ist nicht wahrscheinlich zu machen, wie viel weniger bei den Bômern.
'} Bei den Summirungen der Gedichte (Riese I p. XXIII) kamen die-
lelben natûrlich mit in Z&hlung.
') Dasselbe fûhrt sich nicht ein als liber {ep%)grcanmaUm XXIIl^ sondem
Ub Uber, epigrammatofi, trâgt also deudich den Charakter der Monobiblos.
*) Ë8 ist wiederum nicht subskribirt: expL liber XXII epigr,^ also ge-
bOite es nicht zur Sammlang; eben deshalb geht es in vielen anderen Hand-
lehriften isolirt.
25*
388 — StGraogen der antiken Buchform. —
inôgliche. Denn woUte man die EpigrammensammluDg firûher uud
etwa echon in das vierte Jahrhundert, die Epitome dagegen in die
Zeit des Luxorius verlegen, so mûsste man das ganze Bnch XX
ausécheiden (vor allem N. 223, 226, 228), ebenso das Buch Vm
(einziger Vertreter N. 20), ebenso das muthmassliche Buch XVII
(N. 201 — 215), femer aber noch einzelne Nummern wie 37, 254,
285 und andere. Fur die Annahme endlich, dass jene grosse Epi-
grammensamndung des sechsten Jahrhunderts etwa nacb Art der
Palatinischen Anthologie ein allmâhliches Entstehen gehabt, feblt
jedes Indicium. Eine vorbereitende und Torbildliche Sammlung nach
Art des Agathias, Philippos oder Meleager lâsst sich hier nicht e^
schliessen. Sowie man im sechsten Jahrhimdert die Werke der
verschiedensten Rechtsgelehrten excerpirt und sodann dîes Exceipl
in den Digesta sorglich auf Bûcher vertheilt bat, so scheint num
gleichzeitig auch im Ereise der schôneu Litteratur den Dichtern
gegenûber ein âhnliches Bedûrfniss empfunden und es auf die gleiche
Weise befriedigt zu haben: man entschloss sich damais ganz ebenso
auch aus Gedichtbùchem der verschiedensten Autoren Gedichte in
epigrammatischer Form massenhaft zu excerpiren und yertheilte dies
Excerpt nicht minder sorgfâltig auf eine Yielheit einzelner Bûcher
des solennen Umfanges, eine fur die Zeit immerhin hochverdienst-
liche Arbeit, die leider spâtere Benutzer fur immer und bis zur
Unkenntlichkeit entstellt haben ^).
Der Gedanke liegt nahe, zu der gleichfalls mittelalterlichen
Pfâlzer Anthologie desKephalas vergleichend hiniiberzublicken.
Auch sie stellt aus den Bûchern ihrer Vorlagen grosse gliederlosc
Massen^) her, Massen, die an Fùlle âltesten und edelsten Materials
die so dûrftige und glanzlose romische Sammlung weit hinter sich
lassen. Gleichwohl lâsst dies breite Material die Buchtheilung, der
es einst verfallen, in keiner Spur mehr erkennen. Es ist ein beson-
ders glûcklicher Zufall, dass uns ein einziges Mal hier dennoch ein
^) Die n&here Begrfmdung fQr das Vorgetragene , soweit es Ton Riese
abweicht, wûrde grôssercn Baum erfordem, als uns hier offen steht. Viele
der Aufstellungen von Peipers (Rhein. Mus. 31 S. 183 ff.; Tgl. B&hrens eheaii
S. 254 ff.) werden durch meine Âuffaasung ausgeschlossen.
3) Vgl. oben S. 304.
— EIzeerpirte Bûcher; Uteinische a. griechische Anthologie. — 389
Tielleicht nahezu Yollstândiges Buch aus ihm herauszuschâlen ver-
gônnt ist, welches so, wie es Torliegt, ein Glied jenes cfdifAa tioXv-
pêfiXop gewesen sein muss, das einst Philippos als ^Kranz^ heraus-
gegeben batte. £s ist ein alphabetisch geordnetes Buch von 694
Zeilen^) nnd stebt in den Epideictica N. 215 bis 312.
So viel genûge ûber die yerschiedenen Moglicbkeiten der Ent-
stelliug der classiscben Buchgestalt. Es muss uns nun Pflicht sein,
hiermit im Zusammenhang und auf Grand unserer Eenntniss des
antiken Rollenbucbes textgescbichtliche Problème zu erôrtern, die
sich an bis hieher iibergangene vielgenannte Namen knûpfen. Es
obliegt uns die Fragestellung nacb der urspriinglichen Textgestalt des
Theokrît, des Catull und des Properz. Die ersten beiden zeigen
schon dem âûchtigen Betracbter sogleich ihre XJnyereinbarkeit mit
dem Buchgesetz, dem Aufmerksamen werden sie aber auch die
Merkmale nicht verhehlen, mit deren Hûlfe sich dieser Widerstreit
erklâren und auflosen lâsst.
Theokrit»).
Dass der Nachlass des Theokrit uns nicht in der Form vorliegt,
darin er edirt wurde, wird heutzutage wohl niemand bezweifeln.
Die Wichtigkeit der Sache wird die Kûhnheit dessen entschuldigen,
der aus dem anscheinend chaotisch XJeberlieferten die ursprungliche
Form versuchsweise zu reconstruiren unternimmt. Betrachten wir
xonâchst, was uns die Handschriften der Byzantiner unter dem
Bochtitel OsoxQitov BovxoJUxcc ûberliefern. Ahrens bat in einer
gmndlegenden Abhandlung') aus dem Inhalt der besten Handschriften
eine bjzantinische Sammlung Yon 26 Nummern wiederhergestellt.
In ihr standen die bukolischen Idyllien folgendermassen Torangeordnet:
^) Ohne die Ueberschriften 596.
') Dieser Abschnitt mOge als Ërg&nzung dessen dienen, was Ton mir
kûnlich in meiner Schrift Ëlpides (Marburg 1881) aphoristiscb vorgetragen
worden ist. Za S. llOf. dieser Schrift bemerke ich berichdgend, dass bei
Thaokrit XXl, 14 f. Bficheler allerdings mit mir hinter ovtoç 6 nkovtoç su
interpungiren geneigt, ûbrigens an der von Hiller aufgenommenen Emendation
oh Tckéiâ*, ov/i &vçau tî)^, où xwa festh<.
«) PhUol. XXXÏII S. 386ff. 577 ff.; vgl. bes. S. 581.
390 — Stôrungen der antiken BQchform. —
I. VIL UL IV. V. VI. VIII. IX. X. XI; es folgten Aïtes (XII) und
Hylas (XIII); darauf Pharmakeutriai (II), Kyniskas Eros (XIY),
Adoniazusen (XV); dann die Lobgedichte auf Ptolemaeos und Hieron
(XVII. XVI); hiemach 'HçaxUoitoç (XXIV), J^oxorçot (XXE),
'Elépfjç im&aXccfnoç (XVIII), yil^pat (XXVT); sodann ^Hlaxâtn
(XXVIII), Uaiâixà A\ Haiâixà J5'; endlich "OaçKnvç (XXVII) und
^EniyçdfAfiata, [Meyâça und ^HçaxX^ç ksovxotpôvoç (XXV)]. Dies
ergiebt eine Gesammtsumme von 2359 oder, mit den zwei letzten
accessorischen Nummern, von 2765 Versen.
Ausserdem stehen aber in anderen Handschrifben als Theckiitisch
noch die folgenden Gedichte: BovxoXUsxoç (XX), Wii^rç (XXI),
KfjQioxXéTrrrjç (XIX); ^ETUTCcfpiOç ^Adoiviôoçy Etç V€xqov ^Aimw,
^EçaCTijç (XXJH), ^ETU&alâfAioç ^AxiXXécùç^); ferner aber anch der
^Ennd(fioç Bitùvoç, Hierdurch steigert sich die Gesammtmasse za
3262 Versen.
In dieser Summe fehlt noch die Berenike, von deren Existeoz
wir durch Athenaeos S. 284 erfahren, die aber von unserer Hand-
schriftentradition ausgeschlossen worden ist.
In jenem Complex von 26 Nummern ist eine sachliche Grup-
pirung nicht zu verkennen. Wir unterscheiden :
1. Bukolische Idyllien: I. lU — XI.
2. Erotische (pâderastische) Idyllien: XII. XIII.
3. Stâdtische Idyllien mimischen Inhalts: IL XIV. XV.
4. Enkomiastische Gedichte a) fur Kônige: XVII. XVI. b) fur
Heroen: XXIV. XXIL c) fur Heroinen: XVHI.
5. Arivat ^ Bà^xai, Epyllion kleinsten Stiles.
6. AeolischeMele: XXVIII und beide Uaidixa*
7. Nachtrag zu den Bucolica: XXVIP).
8. Epigramme.
^) Ahrens S. 595. Nur beim "Eçtaç âçccmniç und bel der Europa findet
sich in den Codd. der Name des Moschos; aile anderen sind aho &eit dem
Ausgang des Altertbums als Tbeokritiach ûberliefert.
^) Die Unechtbeit dièses Stûckes ist kein hinreichender Orund, es ans
dieser Sammlung auszuscbeiden. Der Sammler kann es scbon als Theokritiseh
vorgefunden baben; er stellte es nicht zu I, III — IX, weil dièse traditionell ils
Monobiblos eine Einbeit bildeten; s. darûber unten.
— Theokrit. — 391
Als Urheber dîeser Sammlung yermuthet Ahrens sehr ansprechend
den Eratosthenes scholasticus, den Verfasser derTheokrithypothesen^),
der uns aus der Anthologie bekannt ist. Denmach aber fallt die
Ëntstehung der Sammlung nicht vor das vierte Jahrhundert.
Dass Theokrit in der Zeit der Buchrollen nicht in der vor-
liegenden Form tradirt war, beweist eben der XJmfang der Samm-
lung; Yollauf bestatigt wird dies durch den buntscheckigen Charakter
ihres Inhalts selbst. Vor aUem ist ihre sechste Gruppe, der ^OaçKfTVç,
sicher nachtheokriteisch imd also erst nachtrâglich hinzugekommen.
Ist, was uns yorliegt, nun aber keine Bucheinheit in antikem Sinn,
80 muss sie aus mehreren Bucheinheiten hervorgegangen sein. Da
nun fur eine solche die meisten der obigen acht gesonderten Gruppen
nicht umfangreich genug siod, so folgt, dass dièse Sammlung
grôsstentheils durch Auslese aus verschiedenen Buchein-
heiten entstanden ist. In welcher Form hat nun Theokrit den
Alten selbst vorgelegen?
Hesych von Milet iibernahm im sechsten Jahrhundert folgenden
bel Suidas erhaltenen Eatalog: ovroç syçalps %à xaXovfiêPa Bov-
stoJUxà sn^ JùHQidi d^aXéxxui ' Ttvèç âè àpatpéQOvatv sic ahxov xal
tavta' UqonidaÇy ^EXitidaç, ^'Yfipovç, ^Hçiatpaç, *Entxijd€ka, MéXfjj
'EXsyBiaÇj ^Icc/a^ovç^ ^EnêyçdfAfiaTa.
Man besass also vom Theokrit viel mehr als wir. Dièses Ver-
zeichniss, das nicht einmal fur vollstandig zu gelten braucht, nennt
zehn verschiedene Titel ; imd es sondert dabei vor allem die Werke
noch sauber nach den Bucheinheiten; denn da ja die Einzeltitel einer
MischroUe nicht catalogisirt zu werden pflegten*), so ist unter jedem
Titel nothwendig ein oXov fii^Uov zu denken; das bedeutet aber,
monobiblisch, ca. 500 bis 1000 Verse. Dièses Verzeichniss bezeugt uns
mithin einen Nachlass von circa 5000 bis 10 000 Versen. Neun
unter diesen zehn Bûchern galten ûbrigens nur bei „Manchen" fiîr
Theokriteisch.
Tragt nun, was uns erhalten ist, den Charakter der Auslese,
') Vgl. Hypoth. XII. Ahrens sieht in ihm auch den Bedaktor der alten
Bcholien (éd. Bue. II S. XLVII).
^ Ans diesem Grunde dûrfen wir e. B. im Folgenden die JlQonidêç nicht
fur einen Theil der Heroinen nehmen.
392 — StGniDgen der antiken Bocliform. —
80 haben wir nachztisehen, ob nicht dièse Auslese, wie zu erwaiten,
eben aus diesen Bûchern, wie sie der Eatalog uns kennen lehrt,
geschôpft worden ist. Dièse Frage ist partiell zu yemeinen, partiell
mit Sicherheit zu bejahen.
Aus den fiûchem ^EJisyeïaê und ''Ia(*fioê hat sich sicher nichts
zu uns gerettet; eben so wenig aus den Uqonidsç^ die monobibliscbes
Epyllion gewesen zu sein scheinen. Dahingegen sind nun aber
1. die 16 erhaltenen Epigramme mit 94 Yersen nebst den
6 lyrischen, die die Anthologie darbietet, sicher aus dem Buch Esor
}^Qd(à(JbaTa ausgehoben (Gruppe 8);
2. aus dem Buch MéXtj sicher die sechste Gruppe mit 97 Verseu*);
3. aus dem Buch ^HqiùXvay wahrscheinlich die Jt^vcu (Gruppe ô)*)
mit 38 Yersen, gewiss nicht die Helena^);
4. aus dem Buch 'Kfwo* von der vierten Gruppe sicher der
'Yfàvoç elç JtocxovQOVç, doch wohl auch femer Xciq^Têç ^ *Hqw
und ^EyxùifMOV €Îç IlzoXsitaXov XYI, XYII. Dièse beiden Enkomien
besingen freilich Sterbliche und entsprechen dem strengsten Wort*
sinn des ^Hymnus^ allerdings nicht ^); doch ist ja auch Eastor sterb-
lich und also strenggenommen kein Gregenstand des Hjmnus, andere^
seits wird Ptolemaeos XVJl 5 £F. ausdrûcklich mit den Herooi
identificirt:
rJQtûiç toi nçôa&ev à(f>* ^fÀt&écjv iyiyoyro
^é^aynç xaUè éçya, coqtàv ixvQtjcay àoiduiy.
alrrùç iytà JlroXf/uaîov inicjûfitvoç xakà iintîy
vfAyfiaa^fÀ'" vfivot ât xai à&ayaTtay yfQttç avrûiy,
Femer braucht hier Theokrit selbst, wie wir sehen, von seinem
Enkomion auf den „Heros der Gegenwart" den Terminus vfivoç. Dem
entspricht im Hieron genau, wenn er es daselbst seine Aufgabe nennt
^) Ich nehme Ilatdêxà B' mit Bûcheler u. a. f^r echt.
^) So auch Ahrens. V. 36 wird das Wort ffçtoîyitt gebraucht. Enko-
miastischen Charakter erkennt Ahrens S. 582 mit Unrecht: der Schlass laatet
ja vielmehr: fifjdilç rà &f(x)y oyôcîaro,
^) Dies ist ein episch eingefQhrter Hymenaeus.
*) Vgl. die BchulmUssigen Definitionen bei Proklos (Phot. S. 319): ilç
&iovç tiya(féçéa&ai vfiyoy, Tiçoçodioy . ,, eiç de ày&çiônovç iyxtô^ta, intr
yixovç xtX.
— Theokrit. — 393
vikvsïv àd-avàxovç, VfAVSÎv àyad-âv xXéa àv&q&v^). Kalli-
machos hatte in seinem Hymneabuch allerdings zu den hoheren
Gottheiten gegriffen, und wenn dagegen Theokrit dièse Aufgabe ab-
lehnend bescheiden sagt: Movcay fièy d^sai iviiy d-sovç d-sal
àêtdovai, 80 wird man darin zugleich ein starkes Compliment eben
fur den Eallimachos erkennen mûssen: gleichwohl bat aber doch auch
Kalli machos in seinem Deloshymnus das Lob des Gottes Ptolemaeos
mit eingefugt. Hat nun Theokrit ofFenbar das iyxoifitoy mit dem
Vfipoç gleichgesetzt') , so mûssen wir auch noch die verlorene Bere-
nike hieherstellen, und von diesem Bûche sind uns somit 474 Verse
erhalten. Ohne Frage wurde dasselbe von N. XVII mit den Worten
*& ^*oç aQXùifj^ad'a erofFnet; dann folgte wohl XVI, dann etwa
die Berenike, dann die Dioskuren.
Fur die noch ûbrigen Gedichte giebt uns Suidas keinen Titel,
und wir werden schliessen miissen, dass sein E^atalog unvollstandig
ist. Vielleicht stammt die zweite Gruppe aus einem Bûche ^Eçtûnxâ,
die jedenfalls von Haus aus zusammengehôrige dritte Gruppe mit
385 Versen aus einem Buch Mtfiot^). Es erubrigen die Gedichte
enkomiastischen Stils auf den Herakliskos und auf Helena. Ersteres
war muthmasslich, wie die UQoniÔBÇ, ein monobiblisches Epyllion^);
woher das letztere genommen sei, lâsst sich vor der Hand nicht
errathen *).
Das Hauptwerk Tollkommen unbezweifelter Echtheit, das den
Namen des Theokrit zum Symbol einer besonderen Stilgattung er-
') Vgl. damit die Dioskuren t. 1: vfAvéofiëç jifiâaç n xtL, und t. 26:
àft<fOTiç(o v/uvioty; v. 135: xat au /nty v^vtjaai /uok, âvaÇ. Der Sohluss dièses
Hymnas ist persdnlich gehalten und den Ënkomien sehr yerwsndt; Tgl. ytQatay
di &iolç xâlXtCToy aotâai mit XVI 19; toç i/uoç oîxoç vnâçxét erinnert an
XVI 6: der Uymnus gilt als Geschenk des Dichters.
>) Vgl. Ëlpides Note 1 18.
') Vgl. EHpides S. 39 u. Note 119; schwerlich mdchte sich ein passenderer
Tîtel als MifAoi finden lassen.
^) Eeinenfalls ist dies ein Hymnas, wie der rein episohe Anfang seigt;
Tgl. die Lenai. Vielleicht ist die H&lfte des Ganzen yerloren.
^) Aus einem Bach 'Enk&aXâ/LiHx oder *Y/i<VaM>«? oder aus dem Bach
*Eçù»uxâ1 Eeinenfalla passt das Gedicht zu XVI und XVII; die inscriptio
lyntifÂtoy 'Eléyijç ist ohne Verlass.
394 — StOningen der antiken Buchform. —
hoben hat, war sein Buch BovxoXtxà snti JwQiôê âêaXéxrm. Bas-
selbe war sîcher Monobiblos, da die Citate niemals Buchzahlen nenneD.
Wollen wir dièses Buch, so wie es Vergil Yorfand, herstellen, 80
bietet sich uns dazu nur die noch unbesprochene erste Gruppe unserer
Theokritsammlung dar mit zehn Gedichten^). Ist uns damit wirkiich
jene alte bukolische Buchrolle complet gegeben, welche mit einer
entsprechenden gleichen Titels von Vergil imitirt wurde? Oder
ist sie damit noch unTollstandig? Oder haben wir gar der Stûcke
zu viel?
Ganz sicher befanden sich in ihr die acht rein pastoralen Idjilien
I, m, IV, V, VI, Vn, Vm*), IX»); welter aber auch ohne jeden
') Sicher gehOrte nicht eu den Bucolica der Altes, weil jonisch and der
obligaten bukolischen ËinfÛhrung entbehrend; dièse bakolische ËinftLhmog fehlt
aber auch dem Hylas (XIII) und den Pharmakeutriai (II); die besten Hand-
schriflen stellen das StQck II alao richtig eu XIV, XV. Wie Vergil (rgL
Ëlpides Note 111)» so beobachten auch Calpumius und Nemesianus in allen
ihren Nummern den bukolischen Buchcbarakter , und es folgt weiter danu,
dass auch die Bovxohxâ des Moschos und die des Bien in diesem Pankt nicht
minder ezakt geweaen sein mfissen; in der That, keines ihrer bei Stobaeoi
erhaltenen Fragmente widerlegt, viele best&tigen dièse Voraussetzung; diejenigen
allgemeinen Inhalts wie bei Stob. Flor. 64, 21. 58, 11. 63, 28. 64, 22 kônneo
sehr wohl bukolisch eingefdhrt gewesen sein; der Charakter dieser Gedichte
-war aber jedenfalls viel weniger episcb-dramatiscb, riel mehr elegisch-sentenziôa
aïs der der Theokriteischon. — Dass Vergil's Bucolica das Id. II nachahmen,
beweist natûrlich nichts; denn dieselben abmen auch (V 33 u. VII 65) die
doch sicher unbukolische N. XVIII (v. 29 f.) nach. — Die ^Eweite*^ Theokrit-
Bammlung, die Ahrens statuirt, bestehend aus N. I. III — XIII, ist in dieser
Form von ihm nur fQr die byzantinische Zeit nachgewiesen ; dass er sie ror
Servius datirt, ist falsch; Servius beseugt nur die 10 Nummern ohne XII, XIII;
die Anordnung der Gedichte nach dem ainoXoç, fiovxôkoç, not/uijr hat mm
gewiss erst in Byzanz hergestellt.
^) Das achte Idyll ist frei von grOsseren Interpolationen, wie Kôchly und
Bdcheler dargethan haben.
^) An die von Ahrens statuirte erste „Sammlung" lâsst sich durchaiu
nicht glauben. Sie soU auf Theon im 1. Jhd. zurAckgehen und nur die Nom-
mern I. IL III. IV. V. VI. VII. VIII. IX in der uns gelaufigen Reihenfolge,
mit Ausschluss ailes Folgenden, enthalten haben. Dièse Hypothèse ist von
jeder handscbriftlichen Gewâbr vcrlassen; denn nur in wenigen, dabei jungen,
werthlosen Codd. finden sich die 9 Stûck so isolirt und in dieser Folge; zabl-
reicher sind die Codd. mit Id. I — VIII; aber auch sie sind durchg&ngig jang.
— Theokrit. — 395
Zweifel der mythologische ^Hirt" Polyphem, N. XI; denn dieser
Figur ist der bukolische Charakter doch gewiss nîcht ohne Zweck
verliehen; Vergil ûbersetzt ihn Ecl. IX 39 f.; beweisender ist, dass
auch Bion in seinen Bucolica denselben Polyphem am Grestade von
Und doch sollen wir glauben, dass dies die âl teste Sammlung war, ^dass
die jungen Byzantiner noch Exemplare jener alten Sammlung hatten*^. Aile
besseren und besten Codd. zeugen dagegen. Und was soll uns nun zu solcher
Annahme Qberreden? Die so geordneten 9 Stûcke baben gemeinsam die
grôBsere H&ufigkeit der bukolischen C&sur; sie sind ferner planyoU nacb Monodie
oder Wechselgesang gruppirt; endlicb finden sie einen Buchabschluss im Epilog
Ton Id. IX. Und nacb diesen Rtlcksichten soUten nicht aucb die Byzantiner
der Renaissancezcit eine Auslese baben treifen kdnnen? Warum nicbt? Dièse
kursen ^Sammlungen*' sind die sp&testen; sie sind obne Frage nur aus Verkflrzung
des grossen Tbeokritcorpns bervorgegangen, die nicbt obne Gescbmack ausge-
f&hrt wurde. Man begn>e sicb mit den 7 (oder 8) ersten Bukolika und
Btellte Ton dem Qbrigen Nacblass nur die Pbarmakeutriai vorne ein. Dièse
Auslese wird als unantik erwicsen eben durcb dièse Pbarmakeutriai. Wenn
ein solcbes StQck in einem Bucb ^ Bucolica*^ h&tte steben kOnnen (Delphinus
Bilris adpictus), so konnte aucb Horaz seine Ëpoden in die Satiren stellen u. s. f.
Und wir soUten die scblecbtere Ueberlieferung fQr die <ere nebmen, w&hrend
weder die ratio dafûr spricbt, noch auch irgend welcbe Analogie (vgl. S. 394
Kote 1)? — Die „erste Sammlung" soll endlicb nicht von Theokrit, sondem
Tom Theon herrahren. In welcher Form Theon aber den Theokrit Torfand,
dies bleibt unerOrtert. Wir fragen nothwendig: Fand er Id. X, XI in dem-
aelben Biicbe vor und liess sie weg? Oder in welchem Bûche standen dièse
beiden Stûcke sonst? Ferner, Theon ^sammelte**: gingen die Idyllien denn
also etwa ror seiner Zeit nur einzeln um? Dies ist, wie das Buchwesen
lehrt, unmGglicb. Schon vor Theon muss eine Mehrbeit derselben ein ^Buch*'
gebildet baben. Was war aber alsdann noch zu „sammeln"? Man siebt, wir
gelangen durch Abrens' Hypothèse auf nichts als Fragen, f^r die die Antwort
ausbleibt. Ueberhaupt sind Umibrmungen von Bûchern in den Zeiten der
Buchrollen viel schwerer und seltener vorgekommen als hernach; jede Hypo-
thèse ist faiscb oder unwahrscheinlicb, fur die eine unmdgliche oder ungewOhn-
liche Buchform vorausgesetzt wird. — In der That wurde aber im Altertbum
auch eine ^Sammlung'' gemacht (nicht freilicb von Artemidor; vgL Vablen, Ind.
lect. Berol. 1876); von ibr meldet das bekannte Epigramm Bovxohxai Molaat
CTïoçââtç nôxa, vvv â* a/ua nâata hxl fxiaç fiâydçaç, ivri (uaç àyélaç'^
und zwar sagt es aus, dass frQher getrennte bukolische Dichtungen nunmehr
in Eins zusammengefûgt worden seien. Wie ist dies zu denken? Abrens
hat dies mutbig auf seine „erste Sammlung'' gedeutet (&hnlich Fritzsche).
Das ist aber unbaltbar, weil ja die acht Theokritidyllien , wie gesagt, auch
396 — StAraDgen der aotiken Bachform« —
seiner Galateia singen liess (Stob. Flor. 110, 17). So bliebe denn
nur noch das eine zebnte Idyll ûbrig: es zeigt stattHirten yielmehr
Landbauer bei der Emte; Ton und Anlage aber sind allerdings den
ûbrigen Stûcken hôchst verwandt; -wenn sein erster Vers den Pflûger
als fiovxaîoç anredet, so scheint dies an den Werktitel zweckmâssig
anzukiingen; seine Zugehôrigkeit darf uns nicht fur sicher, aber doch
iur wahrscheinlich gelten. Die Nachahmungen Yergil^s (X 28 und
n 63) sind kein zuTerlâssiger Beweisgrund.
Hiernach batte das Alterthum vom Theokrit ein Buch
Bucolica mit zebn Gedichten, und dasselbe besass den
obligaten Umfang von 896 Zeilen.
Fur dies erwûnschte Résultat fehlt es nicht an weiterer Bestâti-
gung. Ërstlich hebt Servius hervor, Yergil habe zwar das Theokrit-
buch nachgeahmt, allein wâhrend dièses zehn Gedicfate wirklich
landlichen Inhaltes aufweise, habe Yergil deren dagegen nur
Bchon Torher nicht anoçââiç, sondem buchweise afia nàca$ fÂtaç fiâydçaç
mngegangen sein mfissen. Man kann nur auf swei Weisen erkl&ren : entweder
Tereinigte jener Sammler mehrere Torhandene monobiblische Idylliensammlnngen
yerschiedener Verfasser einfach zq einer aùytu^tç ohne die Bucheinheiten m
tangiren, oder zweiteos er traf aua eben diesen Sanimlungen eine Âuslese ond
stellte aus der einen und anderen antbologisch die besten EUslogen su einem
oder auch zu mehreren BQchern zusammen: keine dieser Mdgiichkeiten passt
indess auf Id. I — IX, die weder vielbQcherig noch aber auch eine Âuslese aas
mehreren Sammlungen gewesen sein kdnnen. Die Verse IX 28 — 36 aber, deren
Ëchtheit Bflcheler gewiss mit Becht vertheidigt hat (s. S. 398), jenem Sammler ta
vindiciren, ist somit schon sachlich ausgeschlossen. — Anhangdweise noch ein
Wort ûber den spondeiâchen vierten Fuss in VIII 13. 31. X 38. 58. XI 1. 39.
40. 52. 59; durch dièse Ërscbeinung sollen die betreffenden Passagen ans den
Bucolica des Theon (nicht des Theokrit) ausgeschlossen sein, weil sie in den
anderen Oedichten sich nicht finde; yielmehr werden wir auf Grund dieser
Stellen an dem xQijç I 6 nicht rQhren dûrfen; in dieser Weise kônnte man
auch z. B. folgern, dass Id. I. V. VII. VIII. X in einer anderen Sammlang
standen, als III. IV. VI. IX. XI; denn dièse vermeiden den von jenen znge-
lassenen spondeischen zweiten Fuss mit Câsur am Ende, wie
iy&' ù xaXà nàîç èn^vicattak' ai d' àv àçéçnri.
vgl. I 13. 40. VII 24. VIII 43 (?). 91. X 13; in Id. V aber hâuft sich dies:
V 21 (wenn nicht aîx' ay zu lesen), 58, 86, (92), 101. So kônnte man aoch
Id. IV ausscheiden wollen, weil es allein v. 52 die zwei ersten Fusse mit einem
Worte fftUt: xàxqaTvkkiâtç (vgl. den unechten Vers IX 1).
— Theokrit. — 397
sieben und ausserdem drei abweichenden Inhalts aufgeDommen^).
Auch Seryius rechnete aiso Id. X mit ein; ihm bedeutet hucolicus so
viel wie rusticus.
Eine zweite Bestâtigung ist eben Vergil selbst. Vergil fullte sein
Buch von 829 Versen gleichfalls mit zehn Nummern. Wir haben
diesen Umstand gewiss hocb anzuschlagen. Vergil hat sein Streben,
der rômische Theokrit zu sein, eben auch auf das Aeusserliche des
Buchumfangs und der Buch composition ausgedehnt.
Drittens darf aber wohl auch an jenes Technopaignion ûber den
Simichidas erinnert sein, in welchem die bukolische Dichtkunst
Theokrit's als Syrinx dargestellt ist, nun aber nicht wirklich als
iTnccqxûPOç oder ivvsâfpœvoç nach dem Gebrauch^), sondem viel-
mehr aïs dêxcctpcùvoç: man hat in dieser Abnormitat gewiss mit
Recht eine Anspielung auf die Einheit der zehn Eclogen des Dichters
gefunden^.
In BetrefF der Anordnung dieser zehn Gedichte endlich wird
man sich an die beste Tradition halten miissen. Nur dûrfte anzu-
nehmen sein, dass das neunte Idyll ursprunglich an letzter Stelle
stand, so dass sein Schlusstheil, ein Preislied auf die bukolischen
Musen, wirkungSToll mit dem Buchschluss zusammenfiel. Dièses
^) Sane sciendum septem eclogas esse meras rus tic as quas Theocritus
decem habet; hic in tribus a hucolico carminé sed cum excusatùme discessit
ut in genethliaco Salonini et in Sileni theoîogia (Qber das cum excusatione
Tgl. ïUpides Note 111). Aus diesen Worten hat Vahlen (Ind. lect. Berol. 1876
8. 4) schliessen eu mûssen geglaubt, aucb das Tbeokritbuch habe nicbtbuko-
lische Nummern enthalten: „in Theocriti volumine multo scilicet ampliore
decem fuisse quas meras rusticas vocare liceat^. Viel grOsser konnte jenes
Volumen indess nicht sein; fibrigens ist dièse Auslegung nicht zwingend, ja
wohl auch unrichtig. Gewicht liegt auf dem hic. WoUte Senrius verstanden
wîssen, Vergil habe drei, Theokrit aber gleichfalls so und so yiele nicht Iftndliche
Idyllien eingeschoben , so hfttte er auf den Satz mit kic einen sweiten, wie
etwa ille vero in dualms discessit ut in Pharmaceutriis folgen lassen mûssen.
8o, wie sie dasteht, scheint die Stelle vielmehr Torauszusetzen Theocritum non
diseessisse. Eben deshalb war f^r Vergil die excusatio ndthig.
«) Vgl. J. H. Voss, VirgU's Ecl. I S. 72.
') Schlauer war freilich Bergk; er meint, das zehnte Zeilenpaar sel in
Kreisform geschrieben worden und bedeute den Bing, an dem die Syrinx auf-
geh&ngt wurde!
398 — StOningen der antiken Buchfonn. —
Stûck scheint als letztes im Bûche dem Unbill der Ueberliefenmg
am meisten ausgesetzt gewesen zu seîn^).
^) Fur die Unechtheit der Verse IX 28 — 36 ist bis jetzt ein wirklieher
Nachweis nicht gefdhrt; d&ss der Dichter die Mosen fiovxolucai neimt (rgL
Fritzsche), ist doch nichts Unsprachgemàsses. Die Unechtheit Ton IX 1—6
wird durcb sprachliche und formale AnstOsse erwiesen; da solche am Schlasa
fehlen, ist von der Voraussetzung seiner Echtbeit auszugehen, und auf die
unerwiesene Hypothèse seiner Unechtheit kOnnen sich keine weiteren Hjpo-
thesen grfinden. Von den bisherigen Behandiangen des Gedichtes erklirt die
von Bûcheler (Fleckeis. Ibb. 1860 S. 342 ff.) das Ganze wie die Ëinzelheiten
am zureichendsten, doch mit der Annahme von Ansf&llen und Umatellungen.
Sicher war der Anfang frûh verloren; die Vergleichung unserer 36 Verse mit
den sonstigen bukoliscben Nummern, welche nur einmal 46 Vv., Bonat swischeo
54 und 157 halten, Iftsst mir als nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass ausser
der Ëinleitung auch noch die ersten Strophen des Wechselgesangs wegge-
fallen sind; dies wird dadurch best&tigt, dass ein so kurzer und einmaliger
Wechselgesang von sieben Versen auf jeder Seite allzu unbedeutend and
garnicht des Anhebens werth war noch gar einen Richterspruch verdiente.
Ich mOchte femer glauhen, dass dies Idyll von etwa 60 — 70 Versen bei den
Worten 6 cT (yxayax^icato x6j(^^ abschloss (v. 25). Dies war aber, wie wir
annehmen, das letzte StQck im Bûche, und Theokrit fûgte nun als Buchschluss
ohne jeden Zusammenhang mit jenem Idyll noch ein Epigramm von 9 Hexa-
metem hinzu, das von den Musen der Bukolik Abschied nahm:
Bovxohxai Moïffai, /nâka jjfff^çén^ (faivctt cT ^âaç xtL
Dies Epigramm besagt: „Bukolische Musen, nun lebet wohl und lasst die
Lieder nunmehr an die Oeffentlichkeit treten {ifaivuv heisst ^ediren^; vgL
Anthol. Pal. VII 42, 3 roia yàç a/u/mi^ i*ftjyaç), die ich einst von jenen Hirten
gehôrt (ttxovaa, Bûcheler, ist leichtere Aenderung, als die Tilg^ng des fol-
genden Verses, die âitaa nothwendig macht), und zwar wahr und g^treu, so
dass mir kein Zeichen der Lfige {oXofvyyoiv) anhafte. Ich liebe den Gesang
fiber ailes: von ihm sei mein Haus voU. Ich liebe die Musen: ihr Auge bat
freundlich auf mir gerubt.** Es scheint, dass schon Horaz dièse schône Stelle
las und sie der Nachahmung werth fand (Carm. IV 3, 1). Ahrens (S. 389)
nennt diesen Epilog mit Recht als Buchschluss ^ganz angemessen*^, ja sogar
„auf das beste'' geeignet; ein solcher sei indess nur fUr einen Redaktor
(Theon), nicht f&r den edirenden Dichter selbst passend. Einen Grund fur
dièses Urtheil erhalten wir nicht. Er ist auch nicht zu geben. Theon oder
Artemidor konnten einen Epilog als Buchschluss passend finden, Theokrit aber
nicht: warum nicht? Was wissen wir denn ûberhaupt von jenen Alezan-
drinern, um solche Môglichkeiten so bestimmt vemeinen zu kônnen? Wir
haben ja doch nur ein einziges Sanmielbuch in der Originalform erhalten, des
Kallimachos Hvmnen.
— Theokrit. — 399
Wir sind fur Theokrit zu dem Résultat gelangt, dass ein Re-
daktor des yierten Jahrhunderts, muthmasslich Eratosthenes , die
Dodificirung des Theokritnachlasses in der Weise vollzog, dass er in
sinem revxoç das Buch Bovxohxà complet Yoranstellte, ausserdem
iber keines der Bûcher des Dichters yollstândig zu ûbernehmen sich
sntschloss, sondern zufrieden war einzelne Gedichte aus diesen aus-
Euheben, die er in sein revxoç hinter jene yollstândigen Bucolica
sinstellte. Er nahm zunâchst zwei Stiîcke aus einem erotischen
Buch, hieran fugte er drei Mimen, hieran dreî Stiicke aus dem
Buch 'YfAPOt, des weiteren das Epyllion vom jungen Herakles und
3tûcke aus Epithalamien und Heroinen; endlich auch Eîniges aus
ien Mêle, noch ein hûbsches, obschon fremdes, bukolisches Stuck
and einen geringen Theil der Epigrammensammlung.
Hiemit ist nim aber, was wir unter Theokrit's Namen besitzen,
aoch nicht erschôpft. Es fehlen noch zehn Gedichte, welche, nicht
in derselben Handschrifbenklasse mit den vorigen ûberliefert, darum
7on Ahrens Yon der Sammlung jenes Eratosthenes ausgenonunen
w^erden. Die meisten Stûcke dièses Suppléments sind sicher unecht,
ioch wissen wir nicht, wie firiih sie dem Namen unseres Dichters
imterstellt worden sind. Jedenfalls sind auch sie aus yollstândigen
Bûchern ausgelesen, wie denn der Nachweis ihrer Herkunft bei
einigen noch moglich scheint. ^HçaxXijç lsopToq>6poç betrachten
wir als Monobiblos ^) ; die Megara stellt sich, wie die Europa, Ton
selbst zu den Heroinen'); die ^AXêstç werden den ^EXnidsç^), der
Epitaph auf Adonis den ^Ejux^dêta *) entlehnt sein. Fur den Rest,
^) Das Stfick ist ohne Anfang; es hat jedenfalls nichts mit den Hymnen
IVL thon.
') Ich wftsste in der That nicht, was sich hiegegen einwenden liesse.
Dft nun nach sicherem Zeugniss die Europa von Moschos stammt, se also auch
Lenai und Megara.
') Hierûber ygl. insbes. meine Schrift gleichen Titels. Da die UXUiç
aus einem anderen Buch excerpirt sind aïs BovxoXiaxoç, Epitaph u. a., so
ist der Umstand, dass sie in den Codd. mit letzteren sicher unecbten Stûcken
nahe zusammen stehen, kein sicheres Argument gegen ihre Ekshtheit, die y or
allem aus inneren Grflnden darzuthun ist,
*) Auch hiegegen wûsste ich kein Bedenken. Das Buch ^Entjciidëêa war
aber demnach nicht Theokriteisch, sondern Bionisch.
400 — StOningen der antiken Bachform. —
der seiner Entstehung nach z. Th. sicher jûnger aïs Bion und Moschos
ist, sind Yermuthungen nicht mehr môglich^).
Wann ist nun die zuletzt besprochene Auslese hiDzugekommen?
Urtheilt Ahrens mit Recht, dass die Sammlung des Ëratosthenes
dièse Gedichte ausgeschlossen hat, so kann ihre Nachtragung docb
aber keinesfalls viel spâter erfolgt sein. Fur dies schon an sich
WahrscheiDliche fehlt es nicht an einem thatsâchlichen Beweise.
Yon Marianos scholasticus wurden im Anfang des funfteD Jahr-
hunderts sowohl andere Daktyliker, als auch Theokrit in Jamben
umgedichtet. Da Suidas s. t. MaQiavôç keine Sondertitel nennt, so
betraf dièse Bearbeitung ohne Frage das ganze damais vorliegende
Theokritcorpus. Dieselbe hielt aber 3150 Verse. Nun sind wir in
der Lage, controliren zu kônnen, wie sich dièse Transskriptionen im
XJmfange zu ihren Yorlagen zu yerhalten pflegten: Marianos kam
beim Apollonios, beim Arat und beim Nikander den Yerszahlen der
Originale ungefâhr gleich, mit geringen Differenzen'). Barausfolgt
zunâchst dies, dass Marianos in seiner Zeit vom Theokrit weniger
besass, ^s der doch noch unvollstandige Schriftenkatalog des Theokrit
beim Suidas voraussetzt (5000 — 10 000 Verse), andererseits aber, dass
er Ton ihm mehr besass, als jene Sammlung des Ëratosthenes betrâgt
(2359 Verse). Rechnen -wir zu dieser nim aber das Supplément der
zehn letzten Idyllien hinzu, d. h. nehmen wir die Gesammtsumme
aller uns erhaltenen ^Theokrit" gedichte von 3262 Versen, so stimmt
dièse Zahl mit der des Marianos auf das genaueste').
*) ^EnnâfMç Bitovoç ist natûrlich jûnger als das Epikedienbach Bion'^
Bovxokiaxoç ist wie 'Ouqictvç zvl beurtheilen , *ETJkd^alttfjnoç 'Ax^UÀioç âlmlich
wie 'EniS^al. ^Ektt^tjç. 'Eçaai^ç ist spat. Stand der Ktjçtoxkfnnjç etwa mit dem
dganiniç des Moschos zusammen? Standen die katalektischen Dimeter Ek
véx^ov "Aâiaviv in dem Buch "lafifioi'î Letzteres ist wohl schwer glaublich. d»
dieser Buchtitel wie beim Kallimachos von Trimetern, resp. Hipponacteen rer-
standen werden muss.
2) Vgl. oben S. 291, 2.
2) Hauler de vita Theocriti forderte also mit Recbt 3200 bis 3300 Verse
fur die TbeokritTorlage des Marianos. Der Versuch von Ahrens (S. 686) des
Marianos Thâtigkeit einzuschrânken stûtzt sich anf nicbts; so soU er die Epi-
gramme ausgeschlossen haben ; aber er schloss doch des Kallimachos Epigranune
nicht aus. £r hat metaphrasirt, was er Torfand.
— Theokrit. Catull. — 401
Sicher hat man also schon im fuDften Jahrhundert unter Tbeo-
krit's Namen dieselben unechten Stucke gelesen, wie heute*). Sicher
hatte man aber damais auch Yom Theokrit nicht mehr, als was
uns erhalten yorlicgt.
Und die Hofifriung auf reichere Theokritfunde wûrde sich somit
nnr an die noch verborgenen Schâtze Herculaneum's oder der âgyp-
tischen Grabern richten dûrfen, die uns das classische Papyrusbuch-
wesen unbeeintrâchtigt darzustellen pflegen.
Catnll.
Schon von zvei Seiten sind in letzter Zeit Einwânde und Be-
denken gegen die Einheitlichkeit der Catullsammlung geâussert Sûss'}
hat sich um des Umfangs willen anzunehmen ^yersucht gefûhlt, Catull's
Gedichte hâtten im Alterthum drei Bûcher gebildet**, sich aber dann
bei der Vergleicbung der Lukrezbiicher oder gar von Prosabûchem
grôssten Um fanges beruhigt. Sorgsamer hat der letzte englische
Gommentator unseres Dichters R. Ellis die Frage abgehandelt. An-
knûpfend an ihn, aber manches gemâss den Feststellungen unserer
Gesammtuntersuchung rectificirend haben wir Folgendes in Erwâgung
zu ziehen.
An erster Stelle muss einem jeden aufPallen, dass im ganzen
Bereich der antiken Schriftstellerei kein „Buch^ angetrofPen wird,
das aus so ungleichartigen Bestandtheilen zusammengesetzt wâre wie
unser GatuU. Yielmehr ist fur die Sammelbûcher in Prosa oder
Poésie immer in erster Linic dafur gesorgt worden, dass seine Einzel-
stûcke der Art nach unter einander irgend wie verwandt erscheinen,
') Wir gelangen su der Summe 3200 nicht, ohne Epitaph. Bionis, Eiç
vfxçoy "Aâ. a. a. Unechtes hinxuz&hlen, was unsere Handschrifien, wie geaagt,
anadrûcklich mit des Theokrit Namen belegen. Uns fehlt sonst ein Eriteriam,
su entscheiden, wann dem Theokrit dies falsche Gut sugeschoben wnrde; die
Verssumme des Marianos zeigt ans, dass es scbon damais gescbehen war.
Weiter aber seigt der Eatalog beim Suidas, dass auch scbon in frûherer Zeit
die noch completen Bûcher wie Heroinen und Epikedeia Tom Moecbos oder
Bien auf den Theokrit ûbertragen worden waren.
>) Catnlliana. I. ËrUngen. 1876 S. 15 ff.
Birt, BuGhwesen. 26
402 — Stôningen der antiken Buchform. —
80 dass der Léser îhre ZusammeQordnimg fur nicht zufallig, sondera
fur motivirt erkennt, so dass eine begriffliche Einheit nicht fehlt^
dièse sei so âusserlich wie sie woUe. Dièse Einheit kann vor allem
eine metrisch-formale sein (Oden, Elegien, Briefe, Eclogen) oder vor
allem eine sachliche (Epigramme , Hymnen) oder es wird, mtcbd
sowohl Inbalt als Yersform wechseln, doch jedenfalls auf den
gleichmâssigen Umfang der Stûcke gehalten, wie dies in Statins'
Silven geschehen ist. Fur eine gleichmâssige Grosse der Bestandtheile
ist ûberhaupt und in ail en Fâllen gesorgt worden. Dass Catull also
lamben und Sapphische Verse zwischen die Hendecasyllabi stellt,
wundert uns nicht; eine Atthis, die Hymenaeen und gar ein ganzes
Epyllion inmitten solcher kÔrperlosen Gredichtchen sind fur die antike
Buchgewohnheit etwas Unerhortes.
Dies anormale Sammeibncfa ergiebt nim weiter die anormale
stichometrische Summe 2276.
Die Bedenken steigem sich aber noch, wenn wir wahmehmen,
dass das zweifach anormale „Buch^ obendarein incomplet ist.
Kleinere Lilcken im Text sind sicber anznsetzen 34, 3. 61, 9
und 107. 62, 32. 65, 9. 68B 6 (ein Vers). 95, 4 (ein Vers); muth-
massHch bei 61, 78. 62, 41. 64, 390. 77, 6; vieUeicht bei 68 B 101;
64, 323 £F. Fragment sind ausserdem 14, 24 £f. (Si qui forte eqs.)
und 54 1).
Citate der Grammatiker bezeugen nun weiter, dass auch ganze
Stûcke in unserer Sammlung fehlen. Erstlich fehlt ein Carmen
auf den Priap in Priapeen, von welchem Terentianus Maurus v. 2754
die vier Anfangszeilen erhalten hat: cecimt quoque carmen taie CatuUus:
Hune lucum tibi dedico consecroque Priape,
Qua domus tua Lampsaci est quaque lege Priapi^).
Nam te praecipue in suis urbibus colit ora
Uellespontia ceteris ostriosior oris.
Dies ist gewiss nur der Anfang. Weil die Metriker unter ihren Bei-
spielen dies Gedicht und nicht N. 17 anfiihren, so stand es wahr-
scheinlich vor N. 17').
^) Hierûber weiter unten.
2) So Bûcheler, Bonner Ind. lect. 1878/79 S. 25.
^) Sfiss S. 17. Die anderen Metriker bringen nur den ersten Vers.
— Catull. — 403
Zweitens fuhrt Nonius S. 134 M. unter Ugurfire an: Catullus
priopo de meo Ugurrire libido est. Irrig hat Lachmaim hierm den
Rest eines prîapeischen Verses und einen Titel CatuUus Priapeo er-
kennen wollen^). Der Dativ Priapo passt sowohl metriscli als
Yersanfang wie auch grammatîsch zu libido est vortrefflich. Man
erganze. etwa:
Lactid muDera candidi
Priapo grege de meo
Ligurrire libido est.
und vergleiche hierzu formel! N. 34.
Weiter giebt uns die Horaziiberlieferung^) als Beleg der iambi
aptissimi ad maledicendum das Catullbeispiel
At non effîigies meos iambos').
Als Ort, an welchem dieser feindselige Vers stand, bîetet sîch mit
einiger Wahrscheinlichkeit die N. 54 unserer Sammlung^).
^) Oder gar Catullus Brictpo. Die zweite H&lfte des yersas Priapeus
fiLngt bei den Rômem stets mit einem Troch&us und nicht mit einem Jambus
an; somit war dies ein glyconeisch-pherakrateisches System. Schon L. Mûller
Bhein. Mus. 27, S. 183 f. zog Priapo zum Fragment; denn es gab gar keine
8ammlung Priapea des Catall.
^ Porph. zu Od. I 16, 20; vgl. Comm. Cruq.
') SQbs s. 17 ist nicht der erste, der dies fQr entnommen h< ans 40, 3:
quaenam te mala mens .... agit praecipitem in meos iambos^ eine Annahme,
die dureh die Un&hnlichkeit der Worte nicht eben empfohien wird, aber gegen-
Ikber den sonstigen sicheren AusfUlen unserer Sammlung nicht einmal metbodisch
berechtigt ist.
^) Dièse Vermutbung ist von Ëllis oomm. S. 147 anticipirt. Die Hand-
•chriften geben hier folgende Verse:
Di magni galapatlam disertnm
Otonis caput oppido est piuillam
[Hoc iocunde tibi poema feci
Ex quo perspicerefl meam dolorem]
S Et (h)eri rnstice semiiauta cmra
Subtile et levé peditum Libonia
Si non omnia diiiplioere rellem
Tibi et snfficio 8eni[o] recocto
Irasoere iterum meis iambis
10 Inmerentibiu onice imperator.
Bicher hebt bei t. 2 ein Gedicht an. t. 3 u. 4 sind ans N. 50 eingednmgen.
Im T. 9f. wird Caesar spôttisch mit unice angeredet: Catull will ihn „noch
einmal** mit seinen Jamben erzûrnen; und doch sollen dièse Jamben den Zom
26 •
404 — Stôrungen der antiken Buchform. —
Viertens abcrr erfahren wir durch Plinius noch von einer grosseren
Diclitung des Catull. Indem Plinius hist. nat. XXVIII 19 von Wunder,
Aberglauben und Zauber verschiedenster Art handelt, bringt er in
diesem Zusammenhange die Notiz: hinc Theocriti apud Graetoi Ca-
tuUi apud nos proxumeque Vergili incantamentorum amatoria imtaik.
Es handelt sich hier also um ein erotisches Gedicht, dieZauber-
beschwôrungen eines Liebenden enthaltend, ohne Frage eine Nach-
dichtung eben jener Pharmakeutriai Theokrit's, die Plinius mit ihm
zusammenstellt Kannte Yergil dies Stiick, wie er musste, so empfing
er also vielleicht von dieser Seite die erste Anregung, das nicM-
bukolische Motiv Theokrit's in seinen Bucolica zu benutzen (Ed. Vlll)^).
Caesar's nicht yerschaldet haben. Aach die Toraufgehenden Zeilen, in welcben
drei Mânner geschmâht werden, wenden sich dabei anredend an eine bestimntte
vierte Person. Dass hier C&sar nebst Farteig&ngem gemeint sein kônne,
ist zuzugeben, mehr aber aach nicht; da ein direkter Connex mit t. 9 f. nidit
besteht und also jedenfalls etwas aasgefallen sein mûsste, bo kann t. 9 f. ebea
80 wohl einem anderen Gedioht angehôren. Der Vocativ Rustioe t. 5 i^t
dann nicht zu entbehren; doch darf vielleicht an seinerStelle ein bezeichnenderer
Name yennuthet werden:
UV A Otonis caput oppido est patellom,
Neri, Stercuto, semiianta cmra,
Subtile et levé peditum Llbonis.
Si non omnia: dlsplicere vellem
Tlbl et Puflcio sent recocto.
Statt pumllum musste, dem Folgenden analog, nothwendig etwas Widrigei,
Schmutziges stehen, also ètwa putellum fQr putre (so sind auch satullm aod
dextella ana^ fiçrjiuéya); denn auch der fiegriff des Widerw&rtigen konote
deminutiv formirt weiden; vgl. putidulus^ puditiusculus^ rancidulum u. a. Der
Umfang dièses Gedîchtcheus ist der voraufgehenden Nummer 53 gleichbemesseii*
Die Anrede an den DQngergott giebt dem unsauberen Référât Mittelpunkt uid
Pointe. Der Kame Fuficio wird Haupt, Neri L. M&ller verdankt. Si non mnid
ist elliptisch gesprochen fûr si non omnia ita essent, — Das Gedicht an C&stf
begann dann wohl mit v. 10; es ist Fragment und dûrfte vielleicht in dieser
Weise zu erg&nzen sein:
LIY B Irascere iteram meis iambia
Inmerentibtu, nnice imperator?
Irascaro licet, faros mineris
Bellus fulmine Juppiter crepanti:
Ât non efhigies meos iambos.
^) Nur auf Flûchtigkeit kann ich die Aufstellung Peiper's zurûckftlbreD,
(Q. Val. Catullus, Breslau 1875), Plinius bezeichne hier das Parzenlied der
Nuptiae und er habe nur an die drei Refrain verse gedacht, "ivy^, ikxi rr
— CatuU. — 405
Man folgt der Probabilitat, wenn man fur dies verlorene Stûck nach
seinem Yorbild etwa 166 Verse ansetzt. Damit reiht sich dasselbe
dann von selbst zu den Dichtungen âhnlicher Entstehung und âhn-
licheu Umfangs, N. 61, 62, 63.
Von dreien dieser Ausfalle haben wir nur durch einmalige Er-
wahnung Kunde erhalten. Die M5glichkeit ist also ofFen zu lassen,
dass uns auch sonst noch das eine und andere Gatullgedicht fehle ^).
Wâre in den Handschriften beispielsweise auch das Hochzeitsgedicht
auf Manlius fortgefallen , so wurde kein Grammatiker uns seine
Existenz Ycrrathen.
Erwiesen ist hiemit nun aber nicbt blos ein grôsserer XJmfang
von mindestens 2400 Versen; es resultirt vor allem die Gewissheit,
dass uns Gatull nicht in seiner urspriinglichen Fassung erhalten ist.
Jene Ausfalle mag man au s Nachlâssigkeit, man wird sie mit mehr
Wahrscheinlichkeit aus absichtlicher Weglassung erklâren; dies gilt
ganz besonders von einem so grossen Gedicht wie das Incantamentum.
Das Gatullbuch ist abnorm nach Volumen und nach Inhalt;
dièse Thatsache lâsst sich fur uns wiederum nur aus Gontraktion
mehrerer normaler Catullbûcher erklâren. Suchen wir nach
deren Spuren.
rÇi'ov ifÀOv noii âîàfjLa rov itvâqn des Theokrit, Du cite ab urhe damum
mea carmina^ ducite Daphnim des Vergil, Currite ducerUes subtegmna^
cwrrUe fusi des Catall. Bel PliniuR steht amataria; was aber enthâlt der
letzte Vers von Liebe? wo ist in ihm das dem Daphnim ducite^ ^kxf roy
àvâfia Entsprechende? Incantamentum amat. kann bei Plinius nichts heissen
aïs die durch Be^prechung herbeigefûhrte Bezaaberung des Geliebten zur
Liebesempfindung; dies erh&rtet zudem der Texisusammenhang bei Plinias:
defigi quidetn diris precationibus nemo non metuit; hue pertinet ....; hinc
Theocriti eqs. Was singen die Parzen CatulPs dagegen ? Sie singen bei einer
Hochzeit Ton der zukûnftigen Geburt des Helden, der ans ihr herTorgehen
8oU. Sie singen kein incantamentum, sondem ein veridiewn oraclum (v. 326);
die Spindel wird im Refrain deahalb angeredet, weil sie es ist, die das Orakel
erfUllen wird. Incantamenta amatoria sind ftberhaupt nur im Munde des rer-
BchmAhten Liebenden mOgUch.
') Icb sehe von dem droUigen Fr. 2 bei B&hrens ab, sowie von jenen
nnklaren Citaten, die Bfthrens (fr. 6; 7) auf Prosaschriften Catull's, Peter viel-
mehr auf Luctatius Catulus zurQckfQhren woUte. Fr. 12 u. 11 sind ohne hin-
Iftngliche Fides.
406 — StOriingen der antiken Buchform. —
Die Einheitlichkeit dés Ërhaltenen wird durch Inskription und
SubBkription der beiden âltesten Textquellen schlecht garantirt. In-
dem der Oxforder GatuU von etwas jûngerer Hand den NominatiT
Catullus Veronensis poeta, der von Saint Grermaîn CaiulU Veronenm
liber incipit inskribiren, fehlt hier also der das Aller des Titds
sichernde Consensus. Die zweite Fassung wie auch die entsprechende
Unterschrift ExpU/nt Catulli Veronenm liheUus^) ist correkter. Alleio
Hbellus im Titel ist unantik und sichtlich dem ersten Catullverse
entlehnt, ebenfalls unantik aber der Zusatz des Greburtsortes im
Titel; er entstammt spâtem gelehrten Einfluss^).
Wie citirtén die Alten ihren Gatull? Sie nannten nie Buch-
zahlen. Stand der Dichter also in mehreren RoUen, se mûssen dies,
wie beim Theokrit, Monobibla gewesen sein; und Monobibla cime
Zahlung mussten bei der Codification den Gedanken an Contraktion
in der Tbat besonders nahe legen. Doch erhalten wir auch Special-
titel; eine Einzelnummer im Buch*) wurde herausgegrifPen, wie N. 17
(fiatàlluB ad Colaniam Fest S. 307), die Atthis (Terent. Maur. v. 2899),
das ^Epithalamium'' N. 62 (Quintil. IX 3, 16). CatuUus in anacreoiUeo
citirt Caesius Bassus (S. 262, 19 K) wohl aus N. G3 v. 91«). So
wenig wie dièse Gitate gewâhrt das nach dem Metrum m hende-
casyllabis (Seneca contr. 7, 19; Charisius S. 97) einen Schluss auf
eine ursprûngliche Bucheinheit*).
^) Oxon. subskribirt nur: Finito libro referamus gracia spo.
') Vgl. Sûss S. 22. Denn in der That erâcheint der ZosaU Veronentii
bei den gelehrten Schriftstellern fast tjpisch: so bei Nonius S. 546; Prismn 16 H;
Plin. 36,48; Auson praef. III; so setzt Macrob Veronensis poeta ohne Namen
II 1, 8.
') Cat. in galHambis (aus N. 63) bei Fest. S. 273 ist un^icher, uneebt
Apaleîus de orthographia mit seinen Citaten. — Die N. 4 wird mit einem
aiunt angeftlhrt beim Schol. Bernensis su Verg. Georg. IV 289 (S. 971 Hag«B)f
welche Stelie so su lesen ist: phaselis genus ruxviutn pictarum. sicut phaseliu
ilU quem aiunt cunctarum (Codd.: auctorem) esse naviwn celerrimum; unrichtig
behandelt B&hrens dièse Stelie.
*) Vgl. Keil s. St.
^) Dieser Titel, weil in Bezug auf Gedichte im Hendecasyllabos gebraaeht,
kann uns die Bucheinheit von C. 1 — 60, mit Jamben u. a. Metren, nicht be-
zeugen.
— Catull. — 407
Dagegen gewâhrt einen solchen Schluss der Titel Passer CatulH,
dessen sich Martial zweimal bedient. Martial schenkt lY 14 dem
Silius an den Satumalien Exemplare seiner eigenen Epigrammen-
bûcher (UbeUos)^), und hierzu gilt ibm als Analogie der passer,
welchen sich vielleicht auch einst Catull dem grossen Yergil zu
schenken erkûhnt habe. Catull sendet hier dem Yergil nicht etwa
nur die beiden Lieder N. 2 und 3 fur sich allein; denn alsdann wâre
dies keine hinreichende Analogie zu den ^Bûchem*', die Silius vom
Martial erhâlt; scheint man doch ûberhaupt nur complète Bûcher
geschenkt zu haben'); sondem Martial hat hier offenbar eine Buch-
einheit des Catull nach den beiden ersten Nummern der-
selben benannt, ganz so wie z. B. Ovid das ganze Buch der
Heroenbriefe des Sabinus nach dem ersten Briefe als Pénélope citirt
oder wie die Bûcher der Cicerobriefe nach dem Adressaten des
ersten Briefes hiessen^. Und dies bestâtigt Martial selbst XI 6;
denn auch hier soll wieder der passer CatuUi verschenkt werden, es
wird aber zugleich auf die N. 5 des Catull in einer Weise angespielt,
dass dies Liedchen hier ohne Frage mit als Buchinhalt gedacht ist
Einzeln konnten die Lieder Catull's damais ja ûberhaupt nicht mehr
lungehen. Nun fragen wir: wie weit hat sich dièse von Martial
geschenkte und nach dem Sperlingsliedchen betitelte Bucheinheit
damais erstreckt? Konnten Eunstwerke emsten und grossen Stiles
wie die Nuptiae, die Atthis mit in ihr enthalten sein? Wir mûssen
dies ganz bestimmt vemeinen; denn Martial yfndicirt lY 14 dem
betreffenden Bûche den nâmlichen Charakter wie seinen Epigrammen ;
man las es seposita severitate, es war madtdus iods kucims und so
dem Satumalienfest angemessen. Dies passt nur auf die Gedichte
1 bis 60 (oder 61), 67, 69 — 116. Ebendaher giebt Martial denn hier
anch dem Catull das Pradicat tener; Zartheit der Poi^sie eignet in
charakteristischer Weise gerade den winzigen Tândeleien N. 1 — 60.
Wir folgem also, dass Martial ein Catullbuch verschenkte, welches
0 Ueber libelli rgl oben S. 23.
') HieinAch ist aoch wohl daa oben 8. 79 Note 1 ûber Leonidju Oeiigta
uiders sa beortheiJen.
>) Orid ex PoDto IV 16, 13 (rgL Bhein. Uns. 33, 394); Oeero in libre
ad Planenm ist ^eich ad fiunîL X n. •• fl
408 — Stôrungen der antiken Buchform. —
mit unseren Anfangsnuinineni 1, 2 und 3 allerdings begaoD, in
welchem sîch aber N. 64 und die sonstigen Dichtungen yerwandten
Tones jedenfalls nicht befonden haben.
Diesen Schluss bestatigt aber Gatull selber. Seinen Nachkss
erôffhet ein Widmimgsgedicht an Nepos. Geben wir genau Acht^
was denn eigentlich darin angekûndigt wird. GatuU fragt: Quoi dono
lepidum novum Uhelluml um sîch fur Nepos zu entscheiden; der Grood
dieser Ëntscheidung ist: namque tu solehcts Meas esse aUqmd putare
nugas. Wir erinnem uns erstlich, dass libellus, „da8 Bûchlein'',
specieli die Gedichtrolle zu nicht iiber 1000 Zeilen bedeutet^); doch
soll dies noch nicht zu sehr urgirt werden. Zweitens aber heisst
der Libell Gatull's l^dus „nett, drollig, liebenswûrdig**. Wer den
Sprachgebrauch kennt, weiss, dass dies Prâdikat^ ausschliesslich der
cotidiana locutio angehôrig, auf dem G^biet des Stils den geradeo
Gegensatz zu Gredichten wie N. 64 ausdruckt. Wer glaubt, so kônnten
auch die Nuptiae, der Plakomos pradicirt sein, yersâumt sich das
Kunstbewusstsein der Alexandriner Rom's und ihre ScbâtzuDg des
doctum poema bewusst zu halten. Wohl aber war der Hendecasyi-
labus Gatull's ein versus lepidus (vgl. 6, 17). Drittens aber sind es
gar nugae, sind es ineptiae (14, 24), die dem Nepos gewidmet werden.
Dass man fur „Possen^ und „Bagatell^ auch die Elaborate seines
sauersten Dichterfleisses nehmen wûrde, dies hat Gatull sich gewiss
nicht traumen lassen. Das Proôm GatulPs ignorirt, wie jeder sieht,
jedenfalls die Nummern 62 bis 68 sowie die Pharmakeutriai. So
hochbedeutsame Buchbestandtheile konnte es aber in Wirklichkeit
immôglich ignoriren ; also haben sich dieselben in dem libellus lepidus
nugarum des Dichters nicht mit befunden.
Es hat sich ergeben, dass Gatull mehrere Rollen publicirt batte.
Wanu deren Inhalte contrahirt wurden, ist nach der Analogie der
ûbrigen Fâlle gleichen Gharakters, die wir in diesem Kapitel ver-
zeichnet haben, zu entscheiden^). Die Gruppirung ist nicht ohne
») Oben S. 22, 291.
^) HierfÛr ist zu wissen wûnschenswertb , wie lange die Alten nach
Martial CatuU lasen und nacbalunten. Wicbtig ist das Epigramm des Co<L
Vossianus (Antb. lat. Ries. 412; vgl. Sûss S. 12) mit CatuUiâchen Wendangeo
{beUm Itomo es u. per iocum vinumque^ Cat. 24 u. 50); doch ftllt dies riel-
— CatuU. — 409
Greschick und Ueberlegung gemacht, doch lâsst sie die ursprûnglichen*
BucbgreDzen gleichwohl zum Theil noch wiedererkennen. Am ge-
wissesten ist, dass die Nuptiae als Epyllion in einer Rolle fiir sich
leicht nicht viel spâter als Martial. Weiter las Apuleius ihn noch, Tgl.
Âpolog. S. 10 Kr. (Cat. 39), Metam. VI 17 (Cat. 3, 12) und De deo Socr. 12,
wo er YOD den Bewegungen der Planeten handelnd fortfSLhrt: çuos probe callet
qui gignorum ortus et obitus comperit (vgl. Cat. 66, 2: Qui stellarum ortus
camperii atque obitus, mir yon Niese nachgewiesen). Sp&ter parodirt A u s o n i u s
sweimal das ProOm des Catull (im Griphus und praef. ad Pacatum mit einem
Veronensis ait poeta quondam), Das Catullbuch hat er also gewiss noch ge-
sehen. Hieronymus (Epist. ad Paul. IV S. 573 Mart.) stellt als Lyriker dem
Dayid entgegen Flaccus, Catullus und Serenus. Martianus Capella kannte ihn
nicht roehr (III 229 Catullus quidam), doch aber wohl Macrob (II init. ohne
Xamen citirend ut ait Veronensis poeta)» Luxorius ahmt ihn nicht nach. Ob
Claudian? Hierfar spricht das Khein. Mus. 34 S. 8 AngefQhrte. Wahr-
acheinlich referirt aber Claudian auch De nupt. Honorii praef. in freier Weise
die CatuUischen Nuptiae (statt der Parzen singt hier Apoll vom Achill), vrie
denn die st&ndige Hinweisung auf Peleus und Thetis bei Hochzeiten durch
die Existenz des Catullgedichts mitbeeinflusst sein mag; so z. B. Dracontius
Spithalam. VII 17, besonders aber Sidonius Apollinaris praef. Epithalam.
in Polemium et Âraneolam. Dass Sidonius hier nicht nur dem Claudian foigte,
Bcheint der Inhalt des Ëpithalam's zu verrathen. Seine Erfindung ist ganz
eigenartig; sie beschr&nkt sich auf die Schilderung eines Gewandes, das
Araoeola stiokt, durch ûber hundert Verse. Wie kam Sidonius auf den 6e-
daoken, so descriptif zu verfahreu? In Catull's Nuptiae bestand ein Vorbild,
dfts sich gleichfalls in der Description einer Stickerei fast erschôpfU Wort-
ankl&nge hat Sidonius nicht gesucht; auch erw&hnt er Catull, wo er Dichter
aofa&hlt, nur sehr flQchtîg (IX 256 ff. Ennius Catullus Stella et Septimius;
XXIII 145 ff. fehlt Catull). Doch scheint ein Anklang unzweifelhaft. Man
weiss, das socer generque der CatuUhandschriften (29, 24) wird bei Vergil
C»tal. 3 80 citirt: gêner socerque perdidistis omnia. Die natûrlichere Verbindung
war socer generque*, Catull stellte aber trotzdem wohl gêner voran (ygl. B&hrens
prsef.) um etwa anzudeuten, dass er Pompeius an Wûrde ûber C&sar setze.
Fur socer generque bei Catull sprâche hOchstens Verg. Aen. VI 829 f., dagegen
ItLr gêner socerque eine anscheinende Nachahmung Martial's IX 70 Cum gêner
atque socer eqs.; ebenso Minutius Félix 18, 6 generi et soceri bella (Claudian
Fescenn. 3, 8: Qener Augusti pridem fueras, nunc rursus eris socer Augusti
und Ofter). Eeine dieser Stellen stimmt aber so getreu mit Vergil- Catull wie
die des Apollinaris, welcher, die aus Corduba stammenden zwei Seneca nebst
Lacan erw&hnend, die Pharsalia des letzteren so oharakterisirt (IX 236 f.):
I\ignam tertius ille Oallicani Dixit Caesaris ut gêner socerque Cognata im-
410 — Stdrangen der antiken Buchform. —
ausgegeben wurden^), wîe die Hekale, die Ciris, der Golex a. s. £
Ein 80 grosses Gedicht findet sich nie als Buchtheil*). Auch als
Monobiblos sind die Nuptiae das Yorbild gewesen fîir die Ciris; and
fiicht anders ist die Smyma des Ginna, nicht anders werden der
Glaukos des Gornificius, die lo des Galvus erschienen sein').
Der Titel des Buchs ad Nepotem konnte wie bei CalTns
poemata lauten. Das Buch enthielt sicher die Nummern 1 bis 60.
Die Anordnung yieler seiner Gedichte ist noch die ursprûngliche*).
Ein Schlusswort fehlt, doch dûrfen wir uns hier wohl jenes hioter
N. 14 tradirten Bruchstûcks erinnem:
Si qui forte mearum ineptiarum
Lectores eritis manusqae yestras
Non horrebitis admovere nobis . . •
Dièse von dem zukûnftigen Léser handelnden Worte sind sicher
yersprengt; sie konnten nur entweder am Schluss oder am Anlaog
des Bûches stehen. Die erstere Annahme ist nun nicht eben kûlmer;
pulerint in arma Romain. Dies stammt nicht ans Luean; es kann anch nicht
dem Catalepton entlehnt sein; man muss also auf direkte Benutzung CatoQ's
Hchliessen.
») Oben S. 297.
3) Ausser in Prosabûchern, wie Petron'a Bellnm civile.
') Die Metriker fûhren fï\r den Hendecasyllabus die erste Nummer Caiull's
an (c. 1 oder 2), ftir den Senar c. 4, 1, fOr den Hipponacteus unerwartet 37, 1
sUtt 8, 1. Warum citiren sie fÛr den Hexameter 64, 1 und nicht 62, 1? Weil
N. 64 als hexametrisches Bach fur sich ging.
*) Vgl. Ellis Comm. S. XXXIX nach Vorlânder und Westphal. Eichtig
stehen die ersten Stûcke, nur dass vor 17 das Priapeum ausfiel; N. 37 stand
vielleicht vor N. 8 (rgl. vorige Note). Gegenst&nde sind Aurelius nnd Furioa
N. 11. 15. 16. 21. 23. 24. 26; Veranius und PabuUus 9. 12. 13; Egnatius
37. 39; Ammiana 41. 42. 43; Vatinius 52. 53. Fur N. 51 mnss 4enen Becht
gegeben werden, die das Otium Catulle eqs. von der SapphoObersetzung trennen;
nunmehr dûrfen wir wohl annehmen, dass CatuU die Sappho ursprfinglich
complet vierstrophig gab, womit der Bearbeiter die Strophe eines anderen
Liedes zusammenschweisste; dièse Strophe vom otium war aber wohl eine An-
fangsstrophe ; denn Horaz imitirt sie am Anfang der Ode II 16 (dreimaliges
Otium, in gleichem Versmass). Die spâteste Nummer 52 steht sehr verloren;
ihr bester Platz wâre am Buchschluss. Da dièse Partie also nicht in Ordnuog
scheint, so mag hier auch das zweite Gedicht auf den Priap (rgL S. 408)
ausgefalien sein. Als Fragment erkannten wir oben N. 54 B.
— Catull. — 411
ichlich scheint sîe sich besonders zu empfehlen. So wie Horaz in
siner ersten Epistel sich an den Maecenas, im Schlussbrief an das
nch und seine Léser wendet, so galten auch Catull^s letzte Verse
em Publikum, die ersten dem speciellen Adressaten Nepos^).
Ungewisser bleiben die Vermuthungen fur den Rest der Catull-
unnilung. Doch ûberlege man Folgendes.
Die Nummem 69 — 116 bilden eine augenfallige metrische £in-
eit; man wird sie darum also nicfat mit N. 1 — 60 combiniren dûrfen.
>arf man dies nicht, so resultirt hier eine neue Bucheinheit.
Betrachten wir sodann die Gredichte grossen Stiles. N. 61 wird
3n dem liber ad Nepotem durch seinen Umfang ausgeschlossen.
och undenkbarer scheint andererseits die Combination dièses und
er folgenden Stûcke mit den distichischen Epigrammen. Wir haben
)mit die Wahl, entweder jedes von ihnen fur eine Monobiblos zu
ehmen oder aber sie zu yerbinden zu einer vierten Bucheinheit.
Dass nun das Epithalamium, der Hymenaeos, die Atthis u. s. f.
Kies in einer Rolle fur sich stand, ist sehr schwer vorstelibar');
') Ë8 war ein unglûcklicher Ëinfall, dièse Worte als zweites ProOm mit
9m Finale des ersten Passer zu verbinden:
Si qui forte meanun ineptiarom eqs.
Tarn gratom est mihi qaam forant paellae
Pemici aareolom fuisse malum
Qnod zonam soluit diu ligatam.
rstlich wûrde Tarn gratum erit zu fordem sein. Zweitens nennt zwar Martial
n nnbeschriebenes Blatt charta virgo; absurd aber ist, dass der Dichter da-
irch, dass man sein Buch liest, sich selbst fùr so entjungfert erkl&rt, wie
triante durch den goldenen Apfel. So carrikirt man den Catull! Drittens
Lre die Stellung dieser Widmung an den Léser eine falsche; sie mtisste nicht
kch dem j^asser, sondern vor ihm und hinter dem Neposgedicht stehen; TgL
. 1 u. 2 der Priapea und die geh&ufteren Erôffnungsgedichte bei Martial
[I 3 ist unecht; Y 5 ist keine Zueignung; VII 1— d, VIII 2 tragen einleitenden
larakter). Was die Verse von der Atalante bezwecken, kommt hier nicht
Frage.
') Dass Quintilian N. 62 mit Specialtitel citirt, beweist nichta; denn dies
Mchah auch mit N. 17 (oben S. 406). Jedes Gedicht im Buch trug eben
aen Specialtitel, und bei N. 66 war Eallimachos' Name hinzugef> so nor
kl&rt sich die Citirweise des Hyg^n. Terent. Maurus t. 2899 ist ipse liber
M Catullbuch, worin u. a. auch die Atthis stand. — Wie flber dieae Ge-
412 — Stôrungen der antiken Buchform. —
gânzlich unannehmbar ist dies vor allem fur die Janua (67) und die
Absage an Mallius (68 A) ^). Wie dann aber disponirte Catull?
WoUen wir eine Hypothèse wagen, so ist von N. 76 und N. 67
auszugehen. Ersteres Gedicht, das letzte Scheidewort an die Lesbia,
beweist, dass die Epîgramme, nicht Yollkommen exclusiv gedacht,
auch kûrzere Elegien nnter sich duldeten. Andererseits will der
Schniutz und Skandal, der in der Janua (67) abgehandelt wird, zu den
Kunstdichtungen edelsten Stils schlechterdings nicht passen; yielmelir
gehort die Janua ihrem Ton und Charakter nach durchaus zu den
Epigrammen. Durch sie ist uns ein Fingerzeig gegeben, wo in
dem Yorhandenen Material die verlorene Buchgrenze einschnitt Ich
glaube sonach, dass von Catull yier Monobibla verschiedenen In-
haltes ausgingen:
1. ein poematorum liber ad Nepotefn mit ûber 738 Versen;
2. das Epyllion JSuptiae Pelei et Thetidis mit 407 Versen;
3. ein Canninum liber als Miscellanbuch von Gredichten hôherer
Gattung, in der Sache an des Properz letztes Buch, in seiner metri-
schen Mannigfaltigkeit besonders an die Silvae des Statius erinnemd,
enthaltend unter Separattiteln zwei Hymenaeen, den Plokamos nebst
Dedikationsgedicht, die Atthis, die Nachahmung der Pharmakeatriai,
wahrscheinlich aber auch die Laodamiastudie, die grosse Glorificirung
Lesbia's (68 B)^), zusammen etwa 790 Verse;
4. ein Epigrammatum liber N. 67 — 116, excl. 68 B, in welchem
sich einige Stucke zu dem Umfang kùrzerer Elegien ausdehnten, mit
398 Versen; von diesem Bûche kann manches weggefallen sein, etwa
auch ein Proômium. Die Reihenfolge seiner Gedichte scheint ûbri-
gens vielfach die ursprungliche^).
dichte, werden wir dann weiter auch ûber des Calvas Ëpîthalamium, ûber den
Hymenaeos des Ticidas urtheilen.
') Die AusfûhruDgen tod Magnas und Eiessling ûber N. 68 haben mieh
nicht ûberzeugt.
') In das folgende Buch will dies Stûck nicht wohl passen. Der Urheber
unserer Sammlung, der die Nuptiae in den carminum liber als ihren Omphalos
einschob, hat ausserdem 68 B hinter 68 Â geordnet, gewiss nur wegen der
Namens&hnlichkeit der Adressaten Mallius und Allius.
^) Vgl. Ëllis, comm. S. XXXIX; von Geliius handein 88—91, ausserdea
— CatuU. Properz. — 413
Die BuchzâhluDg ist es, die zugleich den Zusammenhalt der
Bûcher zu einem Corpus und ihre Sonderung unter einander garantirte.
In der Artungleichheit der vier Catullbùcher, welche eine Buchzâh-
lung verschmâlite, erkennen wir darum die Hauptursache ihrer
ËntstelluDg. Im Gegensatz hierzu beschrânkte sich die Poésie des
Properz auf eine einzige Stilgattung und ihre Bûcher liessen sich
zâhlen. Die Properzbûcher haben darum auch in weit geringerem
Masse Schaden genommen.
Properz ^).
Fur den Properz giebt uns seine handschriftliche Ueberlieferung
vier Bûcher, mit den Versinhalten : I (Monobiblos) 678. II 1362
m 990. IV 952.
Betreffs des ersten Bûches ist aljgemein anerkannt, dass das-
selbe den ûbrigen Bûchern gegenûber voUkommen isolirt stand, so
wie es vor ihnen erschien. Weder Maecenas noch eine sonstige
Persônlichkeit des augusteischen Hof- und Dichterkreises noch gar
den Kaiser selbst kennt hier Properz ; er widmet seine Cynthia einem
gewissen Tullus, der eine Ôffentliche Person nicht war und spâter
nur noch einmal als ein Italienmûder Weltreisender angeredet wird.
Mit dem Anfang des zweiten Bûches dagegen hebt der Connex mit
Maecenas an, der hinfort auch fur diesen Dichter das praesidium
und dulce decus wurde'). Die Selbstândigkeit jenes Bûches doku-
mentirt femer sein Schluss, an den der Dichter dieselben Personal-
notizen stellt, die Ovid an das Ende des dritten Bûches seiner
74; 80; 116; yod Mentula 114; 115; 94; 105; Ton Aufilena 110; 111 u. 101.
Das schlechteste und Mteste Gedicht ist gewiss mit Absicht an den Schluss
gerQckt {rgL Ad hexam. hist. symb. S. 24 Note 3).
^) Auf die letzte, haltlose Hypothèse zar Lôsung der Properzfrage von
B. B&hrens kann ich mich hier nicht einlassen, gedenke aber anderswo anf
rie surflckzukommen. Mit solchen Aeusseningen wie Ton Fr. Plessis (Berne
erîtique 1880 S. 470) „la détestable division en cinq lirres^ ist nichts ge-
wonnen. Die Gesetze des Buchwesens mûssen hier entscheiden.
*) VgL II 1, 73: Maecenas nostrae spes invidiosa tuventoCy Et vitae et
morti ghria iusta meae.
414 — StGningen der antiken BQchform. —
Amores. Dass sich auch in der metrischen Technik aile naclifol-
genden Bûcher vom ersten eigenthûmlicli scharf abheben, habe ich
anderenorts gezeîgt^). Eben das erste Bucb wird nun in den Hand-
schriften nicht etwa als liber primus inskribirt, sondem mit dem
ganz singulâren Titel: Incipit monobiblos propertn aureln nauU ad
Ttdlum oder Propertn .... monobiblos incipit, Dass dièse Benennang
monobiblos Propertii, so auffallend an sicb, nicht etwa onursprÛDg-
lich, sondem fîir die eigenartige Fassung der Werke des
Properz im Alterthum selbst ein getreuer Zeuge sei, liesse sich
schon um der Seltenheit des Titels willen mit Zuversicht erwarten;
wir haben aber in diesem Falle das Gliick, dass von Martial unter
den als Satumaliengeschenke registrirten Werken neben Lucan, Tibull
imd anderen nicht etwa Propertius, sondem monobiblos Properti
verzeichnet wird (vgl. oben S. 80. 84). Es kann kein Zweifel bestehen,
dass auch Martial keines der ûbrigen Biicher, sondem mir das erste
yerstand. Weil dièses aber Monobiblos war, war fur dasselbe der
geringere Yersgehalt 678 imanstôssig.
Fassen wir die bibliothekarische Bedeutung nun aber so genao,
wie wir es miissen, so entsteht sofort die grôsste sachliche Schwieiig-
keit, welche nur Nichtachtung der classischen Buchterminologie hat
ûbersehen kônnen. Die iibrigen Properzbiicher sind nicht Mono-
bibla; denn das erste fuhrt seinen Sondemamen offenbar zum Unter-
schied von den iibrigen, und dièse iibrigen bilden somit fur
sich eine mehrbiicherige avvta^tç (vgl. S. 35 und 43). Ge-
hôrte nun die Monobiblos nicht mit zu der (JvyTa^tç — und das
war nicht môglich, so lange sie eben Monobiblos war; sie hôrte ihren
Namen mit Recht zu tragen in dem Moment auf, wo sie mit anderen eine
Verbindung einging — , so konnte sie also im Alterthum auch
nicht mit in Zâhlung kommen; und wir stehen also vor dem
Dilemma, entweder die Buchzahlen II III IT fur unecht
zu halten, an deren Stelle von I bis III hâtte gezâhlt
"werden miissen, oder aber anzunehmen, das ganzeBuchI
dieser Syntaxis des Properz sei verloren gegangen.
Priifen wir nun die Biicher der Syntaxis selbst nâher, so îiber-
>) Ad hist. hexam. lat. S. 26 ff.
— Properz. — 415
tteigt das erste unter ihnen um 300 Zeilen den normalen Buch-
unfang.
Man weiss nun aber, dass es eben dièses erste war, \¥elches
^jachmann mit scharfer und sicherer Krisis aus inneren Grûnden in
:wei fiucher zu zerlegen fur nôthig fand. Seitdem zâhlen beste
lenner des Dichters gegen die handschrifUiche Autoritât vielmehr
unf Properzbûcher. Doch hat es auch nicht an Zweiflern gefehlt,
¥elche sich vor allem auf ein Zeugniss des Nouius mit Recht be-
îefen, das den gewichtigen Argumenten Lachmann^s die Wage zu
lalten schien. Wir werden uns, um obigem Dilemma zu entrinnen,
siner Neuerorterung dieser von Lachmann angeregten Frage nicht
mtziehen kônnen.
Betrachten wir zunâchst jene Elégie genauer, der die XJeber-
ieferung im ersten Bûche der Syntaxis die zehnte Stelle einrâumt,
lachdem neun rein erotische Stûcke Yoraufgegangen. Dies so wich-
ige und yiel traktirte Gedicbt scheint mir nach Zweck und Com-
position Ton Yielen nicht richtig aufgefasst zu sein^). Der Dichter
ichlâgt Yolleren Ton an ; er wendet sich an den Kaiser Rom^s selbst.
E^operz war wohl ein Dichter unter vielen, von welchen der Hof ein
Epos auf den aktischen Krieg erhoffte. £r fuhlt sich gedrângt
vrenigstens das Yersprechen zu geben ; er affektirt beim ersten Ein-
Mktz schon Sangesbereitschaft; die Muse ist schon im Begriff ihn auf
ier Leyer des Epikers zu unterrichten (docet v. 10); es drangt ihn
etnzuheben (nunc volo, Ubet, und sonst lauter Futura der nâchsten
Kokunft); er ruft seine Seele auf: ,,erhebe dich, jetzt soll das grosse
Werk gelingen (v. 11)". Sodann kommt von dem verheissenen Ge-
sang nur eine schwache Probe: nur ein Versuch, die Grosse Augustes
EU schildem, in sechs Zeilen; diesem schliesst sich sodann in zwei
^ilen der Wunsch an: ^môchte ich den Tag noch erleben, wo ich
^) Nicht aufgefasst ist Composition und Zweck desselben ron denjenigen,
iralche, wie Heimreich (Quaest. Prop. 1863) und Faltin (Zur Properzkritik S. 18)
larin die emsthafle Ankûndigung eines Panegyricus auf den Kaiser erblicken,
to dass dies Gedicht ungeeignet sei, als Ëinleitung eines erotischen Bûches
m dienen. Dies fûhrte dann zur vollst&ndigen Rathloaigkeit und wir sollen
gUnben, dasselbe gehOre durch seinen Charakter in das letzte Buch der
Syntaxis.
416 — StSraDgen der antiken Buchform. —
ein solches Epos wirklich werde machen kônnen (v. 20)". Man
woUe nun beachten, wie sehr von der vorher affektirten Sangesbereit-
schaft auf einmal dîeser Wunscb absticht; die ersten zwolf ZeUen
thaten so, als ob das Epos eben jetzt kommen solle; es resultirte
dann nicht mehr als sechs dûrftîge Zeilen. Jetzt schliesst sich daran
ein Wunscb, der offenbar besagt: „îm Moment kann icb es ûberhaupt
noch nicht, ja ich bin nicbt einmal sicber, ob ich es je dermaleiust
kônnen werde". Das ist eine Verschiebung in's ungewisse Zukimf-
tige. — Hat man den Gegensatz dieser Worte zum Eingang i^ahr-
genommen, so acbte man nunmehr auf die zwei Zeilen des Ëingangs
V. 7 f : Aetas prima canat Vénères y extrema tumttlius; Bella canm
quando dicta puelia mea est. Dièse Worte passen, wie man wohl
bemerkt bat, schlecbterdings nicbt in ihre XJmgebung. Sammtliche
umgebenden Verse reden so, als solle das Epos jetzt gleich er-
folgen; hier heisst es dagegen: „die Jugend singe von Liebe, das
Greisenalter von Krieg". Da nun aber Properz selbst zur Jugend
gehôrt^), so wird durch diesen Ausspruch der Impuis, die laudatio
unmittelbar vorzutragen, wie ihn die umgebenden Zeilen einmûthig
kimdgeben, vielmehr vertagt auf kûnffcige Jahrzehnte. Aber Ptopen
fugt sogar noch hinzu; ^Krieg werde ich dann singen, wann ich
meine Geliebte zu Ende gesungen habe" (es steht qtumdo da, nicht
etwa quoniam). Mit diesen Worten wird abermals und ebenso deutlich
das versprochene Epos auf eine ferne Zukunft hinausgeschoben, wann
nâmlich dem Erotiker die Jugend fehlen und die Geliebte ausge-
sungen sein wird. Hieraus folgt mit Nothwendigkeit, dass die
Verse 7 f. nicht am rechten Orte stehen. Durch leichte Umstellung*)
wird sich die Elégie folgendermassen berichtigen lassen:
^) Die prima aetas vindicirt er sich auch I 8, 17. Oder glaubt jemand
wirklich, Properz schreibe dièse Elégie als Greis? Aber er ist und bleibt j»
iuvenis ûberall (vgl. s. 6. II 1, 73: nosira inventas u. coepta inventas III 8, 57),
80 lange er liebt und dichtet, und also wQrde dann dièse Ëlegie noch spàter zn
fallen haben als das allerletzte Buch des Properz, wo er noch Liebbaber ist.
IV 8 und IV 1, 135 — 146 und ebenso IV 7, 6 quererer lecti frigida régna mei-
^) Die Hypothèse der Umstellung liegt fdr die Behandiung solcher Fille
wie des vorliegenden weit nâher als die der Interpolation, wie sie fUr t. 7f.
augenommen worden ist (E. Weber, Quaest. Prop. 1876 S. 28 f.). Der Plartl
Vénères ist nicht das eînzige cma^ iiçrjfiivov des Properz.
— Properz. — 417
Sed tempus lustrare aliis Helicona choreis
Et oampum Haemonio iam dare tempus equo.
lam libet et fortes mémo rare ad proelia turmas
Et Romana mei dicere castra dacis.
5 Quod si deficiant rires, audacia oerte
Laus erit. Id magnis et Toluisse sat est.
9 Nanc toIo subducto g^ayior procedere Tultu;
Nunc (oder namqtie) aliam citharam me mea Musa do cet.
Surge anima ex humili iam carminé. Samite Tires
Piérides. Magni nunc erit oris opus:
„Iam negat Euphrates equitem post t«rga tueri
^Parthonim et Crasses se tenuisse dolet.
15 ^India quis (vielleicht Indica visi gensf), Auguste, tuo dat colla triumpho
^Et domus intactae te tremit Arabiae.
„Ët si qua extremis tellus se subtrahit oris,
„Sentiat illa tuas postmodo capta manus.'^
Haec ego castra sequar. Vates tua castra canendo
20 Magnus ero. Serrent hune mihi fata diem.
7 Aetas prima canat Vénères, extrema tumultus:
Bella canam quando dicta puella mea est.
21 Ut, caput in magnis ubi non est tangere signis,
Ponitur his (Codd. kic oder hoc) imos ante corona pedes.
Sic nos nunc, inopes laudis conscendere culmen,
PauperibuB sacris vilia tura damus.
25 Nondum etiam') Ascraeos norunt mea carmina fontes,
Sed modo Permessi flumine larit Amor.
Also der Brang, den Augustus zu singen, ist nach einem ohnmâch-
tigen Yersuch, der doch wenigstens Gelegenheit gab die Hauptver-
dienste des Herrschers zu formuliren, verflogen, und es folgt das
einschrânkende Yersprechen: in diesem Sinne will ich dermaleinst,
wenn die Liebe mich lâsst, so hoffe ich, dein Homer werden. Mit
ungemeiner Grazie und auf das schonste vermittelt schliesst hieran
weiter der Schluss der Elégie an. £r bezweckt, dem obigen Yer-
sach wenigstens als solchem einen Zweck zu geben: „Was ich dir
jetzt eben (nunc t. 23) gesungen, ist nur billiges Weihrauchopfer
(viUa tura y. 24); aber ich wage es dir dennoch so zu bringen, wie
man ail zu hohen Gôtterbildem ihren Eranz tief unten zu Fûssen
niederlegt. Denn wie gesagt, meine Lieder wollen noch von des
1) Vgl. Vahlen, Ber. der Berliner Ak. d. Wiss. 1881 S. 348.
Birt, BochweMn. 27
418 — StOrungen der antiken Buchform. —
Hesiodos Quellen nichts wissen; vielmebr war es eben nocb, dass
îm Parmess sich Gott Amor badete."
Man verstebt dièses Gedicbt nicbt, wenn man nicbt beachtet,
dass es dramatiscb gearbeitet ist und zeitlich in drei Stationen zer-
fallt: 1. Ankûndigung zum Gesang; 2. Yersucb eines solcben 6e-
sanges; 3. modificirtes Yersprecben eines wirklicben Gesanges fiir
die femere Zukunft. Ganz âbnlicb dramatiscb ist beim Properz Tor
allem die grosse erste Elégie des letzten Bucbes angelegt^). Ëine
besonders instruktive Analogie giebt aber Pbaedrus^ Fabel IV 7; aucli
dies Stûck ist in gleicbem Sinne dramatiscb zn nennen und hat
gleicbfalls Dreitbeilung : 1. Ankûndigung der Absicbt, im tragischen
Ton zu reden, zum Beweise, dass aucb Aesop auf dem Eothum
schreiten konne; 2. die tragiscbe Partie setzt direkt ein'); 3. sie
bricbt ab nacb elf Versen, und der Yersucb wird als misslongen
nacbgewiesen. Ebenso giebt aucb Properz durcb die Dûrftigkeit
seines Yersucbs selbst dem Augustus zu yersteben, dass er der
bôberen Aufgabe nicbt gewacbsen, nur will er ibn aber docb wenig-
stens fur vilia tura und fur ein paupere sacrum gelten lassen.
Durcb dièse Abscblagszablung ist Yorlâufig die Scbuld des Ero-
tikers an seinen Kaiser (dtuc meus v. 4) abgetragen und er kann
^) 1) Periegese v. l — 56, 2) nachtrAgliche Rechtfertigung derselben
(y. 57 — 70), 3) Ërmahnung des Horos, zur Erotik zarûcksukehren (71 — 150).
Aach in diesem Gedicht wird, wer es so betrachtet, eine Lûcke zwischen deo
einzelnen Theilen nicht anzunehmen brauchen.
^) Man woUe beachten, dass Phaedrus in dieaer tragischen Einlage fa.^t
erreicht hat, reine Senare im Sinne der Trag5dien Seneca^s zu dichten:
Utinam necnnqnam Pelii nemorU ingo
Pinos bipenni concidUset Theasala.
Nec ad professae morti« aiadacem viam
Fabricasflet Argus opère Palladio ratem
Inbospltalis prima qnae ponti sinos
Patefecit in perniciem *Graiam et barbanun.
Namque et snperbi Inget Aoetae domos
Et régna Peliao scelere Medeae lacent,
Qnae saevum* ingeniam varll«* Involvens modia
1111c per artns fratris expUcnit ftigam,
Hic caede patrls Peliadnm Infeclt manus.
Die drei widerstrebenden Senkungen kônnten demnach verd&chtig scheineiu
Fur Graium wQrde sich Achivum einsetzen lassen; der drittletzte Y ers wire
freilich schwerer zu &ndem (Q^ae saeva, txxriis ttnimum et involvens modU).
— Properz. — 419
unmittelbar lauter Lîebeslieder folgen lassen. Bald aber kann er
auch verkûndigen (Buch II Ende), dass es nunmehr Vergil sei, der
endgultig die Ausfubrung des £pos ûbernommen habe und schon
damit im Werke sei. Hiemit ist Properz einer solchen Anfordenmg
enthoben (wenn er sich auch noch einmal gegen Maecenas derselben
erwehrt ni 8; aber wie auders, in wie vie] sichererem Tonel) und
braucht dem Aktischen Siège jetzt nur noch die eine und andere
Elégie zu widmen (III 10. IV 6). Wie wenig ernst jenes bella canam
qwmdo eqs. ûbrigens gemeint ist, verrâth der Dichter in einem nach-
folgenden Gedichte (Il 25, 9), wo er der Cynthia gelobt: at me ah
amore tuo diducet ntUla senectus, sive ego Tithonus sive ego Nestor ero.
Unabweislich ist nun der Eindruck, dass das besprochene 6e-
dicht an Augustus mit seinem Inhalte und vor Allem mit dem stark
absetzenden Tone seines ersten Distichons inmitten vieler Liebes-
lieder durchaus planlos und verloren steht. Unabweislich ist Lach-
mann^s Urtheil Yon diesem Gedicht : „hi versus alibi quam in capite
libri [Augusto dedicati] poni non potuerunt". Lachmann war sach-
Lich genôthigt, eben mit ihm sein ^drittes" Properzbuch anzuheben,
das somit aus den Nummern U 10 bis II 34 besteht').
Derselbe Ansatz findet aber in Worten des Properz selbst noch
weitere Bestatigimgen. Haben wir die furstliche Schwelle dièses
Bûches ûberschrîtten und lassen das eigenthiimliche Epigramm un-
beachtet, das die Reihe der nachfolgenden Elegien erôffnet'), so
gewahren wir zunâchst zwei hôchst voUkommene Compositionen, die
sich an Eros richten. Deren erste schliesst und gipfelt in dem
Wunsche, der Gott solle doch mit seinen Pfeilen die Dichterseele
nicht aller Kraft berauben, damit sie singen kônne, wie schon die
Geliebte sei; denn eben dièse Lieder seien ja doch fur den Gott
selbst ein grosser Ruhm (Il 12, 21 — 24). Und im nâchsten Gedicht
heisst es unmittelbar danach noch einmal: „Amor ist es, der mich
zum Dichten treibt. Darum will ich nicht etwa, wie Orpheus einst,
^) Den Grund, weshalb man anders aïs Lachmann geurtheilt bat (S. 415
Note), erweist die gegebene Interprétation des Gedichts ala hinfâllig.
^ Ueber den ursprûnglichen Platz dièses Ëpigramms werde ich anderen
Orts in erg&nsenden Auseinandersetzungen eine Vermuthung geben.
27*
420 — Stônugea der aatiken Bachform. —
Thiere nnd Biume rûhren: mein einzîger Zweck bt, dass Cyntliia
meine Verse bewundere^ (Il 13, 3 £.). Also in zwei Nummem hinter
einander kûndigt hier der Dichter an, erstlich was das Thema seiner
Lieder sei, die Schônheit des Mâdchens: caput et dUgitos et lumma
nigra puellae Et . . ut êoleant moUiter ire pedes ; zweitens, welches das
Publikum sei, fnr das sie gedichtet werden, nâmlich wiederum das
Mâdchen: {eam) me iuvet puris auribus scripta probasse mea. Dièse
nene Themastellung und Zwecksetzung seiner Poésie batte non
wiederum einen rechten Anlass nnr am An£ang eines neuen Bâches,
ein Umstand, der Lachmann^s AafÎBtellung weiter zn empfehlen ge-
eignet ist
Buchstâblicb bewiesen bat sie Lacbmann endlicb ans der nâchst-
folgenden Nummer, deren Inbalt eine Todespbantasie, das so beliebte
Tbema der £legiker. Als Properz sein zweites Bucb begann, bat
er es im dritten Gedicbt (Synt. I 3, 4) selbst deutlicb als Uber alttr
bezeicbnet. Hier nun aber, in der Todespbantasie des Properz II 13
seben wir den Dicbter, da er Yor Persepbone treten musa, jede Gabe
und jeden Scbmuck abweisen; Grabe und Scbmuck genug sind ihm
seine Gedicbte; mit ibnen allein will er Yor die Grôttin treten: âhn-
licb wie jener Ëutycbides ô fA€loyQdq>oÇj ûber den Lucillus spottet
(Antbol. Pal. XI 133):
oi xarà ytday,
qivyiJ* ' f/cuy tàâàç iç^trat EvTvxiàrjç,
xat xi&aQÙç ttirr^ dum^cero avyxaraxavffai
âfââtxa xai xicraç tîxoainfm vôfÂtav,
Properz aber bezeicbnet hier, in dem nacb der Ueberlieferung
zweiten Bucbe, seine Werke nicbt als zwei Bûcber, sondem als drei:
Sat mea, sat magna est si ires sint pompa libelli^),
Quos ego Persephonae maxima dona feram.
^) DasA libellus das Gedichtbuch heisst, ist oben S. 22 (ygL S. 291) ge-
zeigt. Es fehlt jedes Indicium, den Wortgebranch des Properz Ton dem aller
Anderen zu sondem (so Voigt De quarto Prop. libre, Helsingfors 1872, TgL
auch C. Brandt, Quaest. Prop. Berlin 1880). Vielmehr, wenn Properz sagt
Tetrab. III 1, 55: Fortunata meo si qua est celebrata libellOy so kann er aoch
hier nur das complète Litteratarbuch meinen. Denn Ubdlus ist aosser bei
Statius (s. S. 22) stets etwas r¨ich Selbst&ndiges, bedeutet nie eÎD
— Properï. — 421
Also muss Properz, indem er dies sagt, drei Bûcher geschrieben
baben, oder das dritte musste doch wenigstens im Begriff sein,
Tollendet zu werden. Somit konnte dièse Todesphantasie von Pro-
perz nicht in das zweite Buch, das er ans Elegien zusammenstellte,
es konnte erst in das dritte eingestellt werden. Also hub vor
diesem Gedicbte ein drittes Bucb an.
Der Anfang dièses dritten Bucbs aber kann nur bei dem be-
sprochenen Gedicht an Augustus II 10 angesetzt werden. Und gerade
ibm scheint der Schluss dièses Bûches sinnvoli zu entsprechen.
Hier ûberschaut nâmlich Properz die Leistungen seines Collegen
Vergil, und indem er sich selbst ausscbliesslich das Feld der Elégie
Yorbehâlt, verbindet er mit einer Charakteristik der Vergilischen
Hirtengedichte und Georgica die Ankûndigung der schon begonnenen
Aeneide. Man wird das Recht haben zu glauben, dass dies Finale
nicht ohne rûckblickenden Bezug auf die Introduktion an Augustus
geschrieben sei, indem fur die Darstellung der Thaten des Kaisers,
die hier Yom Elegiker kûmmerlich versucht, dann in Frage gestellt
Gedicht aU Bachtheil; wâre hier also eine einzelne Ëlegie gemeint, so
mûssten wir dièse als râumlich selbst&ndig und noch unverbunden mit anderen
denken; das w&re ihr Zustand vor der Edition; ein solcbes unedirtes Gedicht
ist aber nicht im Stande ^berûhmt zu machen*', wie Properz hier vom libellus
aauagt. Dasselbe gilt aber von dem Verse Tetrab. II 25, 3 meis fiet noHssima
forma libellis; Blâtter mit Versen kOnnen vor ihrer Edition in Buchform nichts
^bekanntmachen*'. Fordert endlich Properz den Gegner der Erotik aof,
Monob. 9, 13: / quaeso et tristes istos compone libellas^ so heisst dies: ^schreibe
traurige, das heisst elegiâche Bûcher wie dièses"; Properz bMt hier dem
Gegner allerdings nur seinen ein en libellus tristis als Bei^piel vor; allein er
konnte darum doch unmôglich schreiben: tristem istum compone libellum; dies
w&re Nonsens ; istos steht also tfïr istim similes. — Zu einer voUkommen unnatQr-
lichen Interprétation ist Faltin gedrângt worden (S. 19): Properz giebt hier,
wie der Conjunktiv sint zeigt, nur einen Wunsch; folglich kônne er auch schon
im sweiten Bûche wûnschen: „mOge ich dereinst nur mit drei BQchem Tor
Proserpina treten"! Warum nicht mit zweien? nicht mit vieren? Wer auf
den Sinn Acht giebt, sieht, dass die Zahl der Bûcher hier gar nicht der
Oegenstand des Wunsches sein kann; der Sinn ist: „ich bin zufrieden nichts
anderes zum Geleite zu haben als m eine Bûcher (so viel ihrer immer seien)**;
die HinzufÛgung der fur diesen Wunsch ganz gleichgiltigen Zahl batte nur
Sinn, wenn sie der Wirkiichkeit entsprach.
422 — StOrungen der antiken Bachform. —
und auf seiD spâtes Alter verschoben war, jetzt im Yergil eîn sicherer
und ein brauchbarerer Vertreter nachgewiesen wird. Mag sich dièse
Ëlegie immerhin in ihrer Anrede an den Lynceus wenden, so soll
sich doch gewiss mit dem Qui nunc Aeneae Troiani suscitai arma
und Nescio quid maiu^ nascitur Iliade Augustus selbst an jenes Ter-
gebliche magni nunc erit oris opus vom Dichter nicht ohne ein
Lâcheln der Bescheidenheit zurûckerinnert sehen.
Sind wir nun bis hierhin Lachmann mit Recht gefolgt, so fragt
es sich, was ûber die neun Gedichte zu urtheilen sei, die jenem
Prooemium an Augustus voranstehen.
Lachmann erhob sie zu einem selbstândigen Bûche. Wir er-
halten demnach bei ihm, von der Monobiblos abgesehen, fur den
Properz noch folgende vier stichometrische Summen:
II (1-9): 354 II (10-84): 1008 III: 990 IV: 954 Verse.
Man sieht: jetzt erst stehen sich die drei letzten Bûcher gleich; jetzt
erst halten sie aile den obligaten Umfang des Gredichtbuchs inné.
Das erste dagegen mit 354 Versen wurde sich als so klein ergeben,
dass an die Integritat seiner Ueberlieferung nicht geglaubt werden
kônnte. Es kônnen jene ersten neun Gedichte nicht anders als fur
ein Ëxcerpt gelten. Standen sie, wie nothwendig, in einem ilw
fii^Xloy (oben S. 154 ff.; Eap.YI), so war dièses etwa dreimaJ so stark.
Nehmen wir sie vorerst in diesem Sinne als Stellvertreter eines
Bûches, 80 erhebt sich die Frage: wie sind von den antiken Buch-
hândlern und Bibliothekaren dièse, nunmehr fiinf Bûcher des
Properz numerirt worden? Zâhlten die Indices der Rollen bei
der Herausgabe so, wie Lachmann's Text, von I bis V durch? Dies
kann mit Sicherheit verneint werden. Entweder war fur das erste
Buch ad Tullum, als die folgenden hinzukamen, der Name monohiblas
zu tilgen, was nicht geschehen ist, oder aber dies Buch hat fur die
weitere Syntaxis des Properz gamicht mit in Zâhlung kommen
kônnen. Also j&ng der Bibliopole die Zâhlung mit liber primus erst
bei der ersten dem Maecenas gewidmeten RoUe an (II 1 — 9); die
Augustuselegie (II 10) erôfiîiete bei ihm den alterum librum dieser
Syntaxis, der tertius hub bei ihm mit der Anrufung der Manen des
Kallimachos und Philetas (III 1), der quartus mit der Periegese dnrch
Rom an (IV 1).
— Properz. — 423
•
Dieser Schluss ist einfach. Dass man aber in der That nie f&nf
Properzbûcher zâhlte, wird durch ein, wie man nun sieht, mit Un-
recbt gegen Lachmann^s Hauptthese verwendetes Zeugniss des Nonius
auf das glûcklicbste bestâtigt, das einzige Grammatikerzeugniss, so
yiel ich weiss, fur den Properz, das eine Buchzahl nennt. Nonius
citirt S. 169 s. v. secundare den Vers lam Uqvidum nantis aura secundat
iter als ans dem dritten Bucbe des Propertius; der Vers steht
TTT 21, 14; hâtten die Alten dagegen, wie Lacbmann, Yon I bis V
durchgezâhlt , so wûrde dieser Vers vielmehr im vierten Bûche
stehen. Nonius sah den Dichter nicht selbst ein, sondem ist Zeuge
fur eine betrâchtlich altère grammatiscbe Benutzung. Diesem âlteren
Grammatiker entsprechend besitzen wir also vom Properz eine
Monobiblos elegiarum kleineren Umfanges und eine Tetra-
biblos elegiarum, deren Buchumfânge in drei Fâllen voll-
kommen normal und gleichmâssig vorliegen.
Wir konnen nimmehr auf die Biicherinscriptionen . der Hand-
schrifben zurûckkommen. Wir vermissten in ibnen einen liber primus;
dem Dilemma, das sich uns hieraus ergab, sind wir jetzt enthoben.
Derjenige, der den Properz zuerst codificirte und auf den damit
unsere spâtmittelalterlichen Codices zurûckgehen, hat sich nicht etwa
in den Buchzahlen IV und III geirrt; ebenso wenig in der Buch-
zahl U; ebenso wenig im Titel monobiblos ad Tullum. Weil er da-
gegen vom liber primus nur Excerpte vorfand oder aber weil es ihm
selbst beliebte denselbigen nur im Excerpt zu geben, so erlaubte er
sich die Reste des primus zum Uber secundus hinzuzuschlagen, liess
die vorangestellte monobiblos stillschweigend als primus fungiren,
wagte dabei aber doch noch nicht, ihren so eigenthûmlichen Namen
selbst durch die Zahl 1 zu ersetzen. Dies blieb erst der Inaccura-
tesse der neueren Zeiten yorbehalten^). Andere Beispiele der Con-
traktion zweier Bûcher in eines sind im Voraufgehenden gegeben
(S. 376. 373. 306 f.); yergleichbar ist auch das fûnfte Buch der
Annalen des Tacitus, dessen Fragment mit VI, 1 — 6 zusammenwuchs.
^) Vielleicht setzte schon er aie wenigstens in die eubscriptio, die fireilicb,
wie es scheint, nur in dem schlechten cod. Florentinue saec. XV bei Bàhrens sich
findet: Liber ymus explicit sUtt Monobiblos explicit.
^24 — StdruDgen der antiken Buehform. —
Die hiemit dargelegte Auffassung hat die Spuren der Pïropen-
ûberlieferung selbst so treu wie moglich auszudeuten gesucht. An-
Bcheinende Wîderspruche in ibr haben sich damit anf natôrliche
Weise ausgeglicben^).
^) Nicht im Ernst wird man einwenden woUen, daaa Propen selbatja
Tetrab. I 3, 4 das erste Buch der Tetrabiblos als ein zweites Buch beseicbne, oder
gar, dass, weil er II 14 von den très libelli spricbt, aucb der Titel des Bâches,
in dem dies geschieht, liber terUvs gelaatet baben musse. Allerdings weder
der Dichter, der Persephone mit den Leistungen seines Dicbterlebens bekannt
machen will, kann die Monobiblos ignoriren, noch der Liebbaber, der die Zahl
seiner Liebeagedicbte zu Zeugen nimmt fQr sein Ândauem im Liebesdienat
(Vix unum potes ^ infelix^ requiescere mensem Et hirpis de te iam liber aUar
erit); will er in solcbem Fall also die Anzabl seiner Bûcher bezeicbnen, m
rechnet er sie mit ein. Ëtwas ganz anderes aber ist die bibliothekarischs
Rûcksicht. Wir werden jetzt endlich darauf gefilbrt, zu fragen, wie es kam,
dass sich unter ftlnf Bûchern gleichartigen Inhaltes £ines abgetrennt, sdb-
stândig als Monobiblos erhalten konnte. Als Horaz zu einer Tribiblos carminom
sp&t eine Monobiblos hinzudichtete, wurde sie doch als N. IV gezàhlt; aU er
nach der zuerst edirten monobiblos Ëpistularum noch eine zweite kleinere
schrieb, wurden beide als Buch I und II numerirt; ja es scheint eine Ausgabe
des Horaz gegeben zu haben, in der sogar die Ara poetica als tertius ëpistu-
larum stand (vgl. De Halieuticis S. 199). Orid^s Brief an Augustus war gleich-
falls seiner Natur nach Monobiblos; der Dichter aber liess ihn dennoch selbst
ab zweites Buch seiner Tristien fungiren (s. oben S. 294). Zur Erklârung der
Singularitât, dass auf dem Litteraturmarkt Roms ein Elegiebuch unter fûnfen
desselben Verfassers noch in Martiales Zeiten und sp&ter als selbstàndigea Werk
ausgeboten wurde, genûgt weder der Uinweis auf seine grOssere Kûrze noch
auf den besonderen Adressaten Tullus. Wûrde unsere Kenntniss der Verhilt-
nisse sie zu erklâren nicht ausreichen, so wûrde sie dennoch als etwas durcb
die Ueberlieferung Gegebenes von uns unbeanstandet hinzunehmen sein. Ëine
hinlângliche ËrkIârung ist aber wirklich môglich unter folgender einfacher An-
nahme, dass nâmlich die Monobiblos bei einem anderen Bibliopolen erschienen
war als die Tetrabiblos. Neue Connexionen f&hren einen Autor leicht zu einem
neuen Verleger. Ein bestimmter Bibliopole (etwa die Sosii des Horaz) mag
es gewesen sein, bei welchem Maecenas und der ganze Kreis, der ihn nmgab,
ûberhaupt zu verlegen pflegte. Sobald Properz nach Edition der Monobiblos
in diesen Kreis eingefûhrt war, trat er zugleich auch fiïr seine weiteren Publi-
kationen mit diesem Buchhândler in Verbindung mit Aufgabe des alten. So
blieb die Monobiblos elegiarum ad Tullum fûr ihren Verleger und also (llr den
Bûchermarkt nothwendig, was sie war, ein einbûcheriges Werk. Denn unmdg-
lich konnte der Dichter alsdann von dem anderen, der die Tetrabiblos zu ver-
— Properz. — 425
Properz hinterliess demnach nicht etwa ein Elegîenwerk, das
sich auf funf Rollen vertheilte, er hinterliess zwei Werke, die das
Alterthum stets streng gesondert hielt. Hierfur ist noch beachtens-
werth, dass die Tetrabiblos gelesener und bekannter al s die Mono-
biblos gewesen zu sein scheint. Denn nnmôglich wird man es fur
Zufall halten, dass wir aus jener elf Grammatikeranfuhrungen be-
sitzen, aus dieser dagegen keine einzige. Nur unter den Wand-
kritzeleien Pompeji^s findet sich eine Reminiscenz an das: Donec me
docuit castas odisse puellas (Monob. 1, 5), die daselbst mit einem
Oridvers folgendermassen yermâhlt erscheint: Candida me docuit
mgras odisse puellas. Odero si potero; si non, invitus amabo (G. J. L.
lY 1520). Dieser Umstand dient uns zur Ërlâuterung der Thatsache,
dass Martial, wenn er eine bibliothekarische Raritat nennen will,
nicht die Tetrabiblos, sondem gerade die Monobiblos auswâhlt
(oben S. 80; 84)»).
Wir haben einen liber primus des Properz vermisst. Wir haben
treiben ûbernommen hatte, verlangen, dieselbe mit der Buchzahl II anheben
su lassen.
») Uebrigens scheint die Tetrabiblos so entiitanden zu sein, dass zun&chst
swei Bûcher vom Dichter gleichzeitig edirt und hernacb erst die zwei weiteren
hinsugefQgt wurden. Die gleichzeitige Edition von Tetrabibl. I und II wird
durch II 24 erwieaen, wo als im Publikum befindlich noch nicbts als die eine
Monobiblos vorausgeaetzt wird (Tu loqueris^ cum sis iam nota fabula libro),
Andererseits finden wir am £nde von Buch II den Katalog der Hauptelegiker
Roms, welcher dadurch, dass er den Properz selbst nach Varro, CatuU, Cal vus
und Gallus im letzten Distichon namentlich aufPÛhrt, dem Publikum gegenûber
einen formellen Werkschluss scheint andeuten zu sollen. Die beiden letzten
Bûcher entbehren freilicb eines &hnlichen Schlusses; dennocb wird Properz sie
noch selbst edirt haben; denn die Reihenfolge der Gedichte im letzten ist so
pUnvolly dass man in ihr noch die Hand des Dichters anerkennen muss; so wie
anch Sehluss und Anfang des voraufgehenden Bûches deutlich seine eigene
Intention verrathen. Ferner scheint das dritte frûher als das letzte erschienen
sa sein; dièse Annahme wird durch die rûckblickenden Worte der Cynthia
IV 7, 50 empfohlen: Longa mea in libris régna fuere tuis-, so wie ebenda ihr
Schwur Me servasse Jidem (v. 53) den Abschied III fin. widerlegen zu sollen
scheint. Das sp&teste sichere Datum in den Bûchern Tetrab. I, II ist das
Jahr 28 bis 27 t. Chr. (vgl. II 10, II 31, II 34), in III das Jahr 23 (vgl.
N. 18), in IV das Jahr 16 (vgl. N. 11).
426 — StOrungen der antiken Buchform, —
aus der Uebergrôsse des zweiten Bûches erschlossen, dass in dasselbe
fremde Theile aufgeuominen wurden. Wir haben unter diesen Theilen
das fehlende erste Buch vermuthet. Sein geringer Umfang Hess uns
sodann auf ein Excerpt schliessen. Wirklich fehlt es nun in den
Gedichten II 1 — 9 nicht an einem Indicium dafur, dass hier ein
bedeutender Ausfall stattgehabt. Den Nachweis hiervon hoffe ich
ergânzend anderen Ortes zu geben.
Mit Catull und Properz erscheint fur uns durch den Usas des
modernen Buchwesens Tibull als Dritter wie zu Eins Terwachsen.
So môge hier endiich anhangsweise auch betrefifis seiner antiken
Buchgestalt ein kurzes Monitum nicht fehlen.
Tibnil.
Die Handschriften des Tibull sondern durch Inscription emen
Uber primus, secujidus und tertius. Der Dichter des dritten Bachs
nennt sich selbst Lygdamus und wird seit Yoss gegen das Zeugniss
der Handschriften Yon Tibull unterschieden. Nur das erste und
zweite schliessen mit dem obligaten expUcit Auch folgt auf das
dritte nicht ein viertes, sondern jener Panegyricus Messalaey welcher,
'wie yon Kundigen erkannt ist, wiederum nicht von Tibull herrûhit
Dass dieser Panegyricus ursprûnglich als selbstândiges Buch edirt
wurde, scheint in seinem Schlusswort angedeutet:
Quin etiam mea tune tumalus cum texerit ossa . • .
Inceptis de te subtexam carmina cartis.
Hier sind die beiden Tropen der texiura carrmnis und der textura chartae
(ygl. S. 228; 233) verbunden; waren es die angefangenen chartae
selbst, an welche zukiinftige Gedichte angewebt werden soUen,
so waren dieselben klârlich eine Rolle mit 211 Zeilen fur sich, es
folgte nichts mehr in dieser Rolle. Unsere Handschriften dagegeo
fugen, wieder ohne expUcity noch weiter dreizehn kleinere Nummern
an, die eines gemeinsamen Titels ganz entbehren und wieder zum
Theil sicher untibullisch sind^). In Scaliger^s Cujacianus standen
') Die EiDzelaberschriften sind offenbar unoriginal. In N. 13 nennt sich
Tibull; N. 1 u. 5 spricht der Dichter, N. 2 u. 4 Sulpicia, N. 3 Cerinth. Die
— TibuU. — 427
cndlich ausserdem noch zwei Priapeen, die eine andere Tradition in
der Yergilappendix ùberliefert.
In welcher Form nun dièse so formlose Appendix Tibulliana im
Alterthum umging, fehlt uns zu beurtheilen ein Anhalt; nur hat der
Snlpiciacyclus gewiss ursprûnglicb ein oXov fiêfiUoy ausgemacht.
Achten wir vielmehr auf die Hauptmasse, die eine Buchzâhlung
ao&eigt.
Martial deutet an (oben S. 81), dass man schon in seiner Zeit
mehrere Tibullbûcher batte ^). Aucb wir besitzen dementsprecbend
ein erstes mit 820 und ein zweites mit nur 428 Versen. Dazu
kommt endlich aber nocb Buch III gar mit nnr 290. Dièse Zahlen
geben Anstoss. Fur das arge MissYerbâltniss von Buch U zu I
wûrden hôchstens Horaz' Oden (S. 274, 275), fur die ungebûbrliche
Kûrze des dritten als eines Sammelbucbes hôchstens die Xenia des
Martialis eine Analogie geben.
Auch die besten unserer TibuUhandschriften sind jung und
datiren sich aus dem 14. und 15. Jahrhimdert; ihr Archetyp braucht
nicht sehr viel âlter zu sein. Eine entschieden altère Ueberlieferung
liegt uns dagegen in den Tibullexcerpten vor, deren gemeinsame
Yorlage dem Ausgange des Alterthums selbst anzugehôren scheint
Sehen wir bei ihnen nach. Die Pariser TibuUexcerpte vom Anfang
des 13. Jahrhuoderts') geben ims erstlich zahlreiche Stûcke aus
Buch I, iiberschrieben TibuUus, wozu in primo fehlt, obwohl dann
die weiteren Stellen mit in eodem eingefûhrt werden; sodann werden
Stellen des Bûches U richtig mit in secundo eingefûhrt und es folgen
neun mit in eodem; daran aber reihen sich weiter funfzehn Citate aus
Buch III; sie aile werden gleichfalls mit m eodem, nirgends aber mit
tn tertio bezcichnet; hiernach in panegyrico Messalae; aus der Appendix
nichts. Es gilt hier somit, wie man sieht, das dritte Buch
TibulPs als Theil des zweiten. Die Excerpte kennen nur
zwei Tibullbûcher. Dies fur Nachl&ssigkeit zu halten hindert
6 kleinsten Stflcke (7 ff.) spricht Sulpicia; sie nennt ttich N. 9; in N. 6 werden
sogar ihre Gedichte erwfthnt (mets Camenig); man vindicirt also N. 6 — 11 ge-
wÎBS mit Recht der Sulpicia.
^) £r fûbrt auf Monobiblos Properti, nicht aber Monobiblos TibuUi,
») VgL PhUol. XVll 342.
428 — StOnmgen der antiken Bachform. —
uns der Consensus des Vincent Yon Beauvais, welcher den Lygdamus
gleichfalls als aus dem zweiten citîrt^). Die Thatsache muss âlter
sein als ihre beiden Zeugen.
Wer dies erkannt hat, wird auch an den Codex Santenianus zo
Berlin des neunten Jahrhunderts*) erinnert werden dûrfen, dessen
von Haupt') mitgetheiltes Autorenverzeicbniss Blatt 218 f. aucb ÂRn
TibuUi hb. II verzeicbnet. Hier wird also gleicbfalls Bucb DI ignonrt
Angesicbts der sonst mebrfacb inexakten Zablen dièses Yerzeicbnisses
ist indess dies Zeugniss mit Yorsicbt zu benutzen.
Greben wir nun aber dem Hinweis jener alten Excerpte Folge,
so bat das Altertbum nur zwei Tibullrollen normaler
Grosse gebabt: Bucb I zu 820, Bucb II zu 718 Versen.
In solcben Fragen der âltesten Tradition zu folgen wâre zum we-
nigsten metbodiscb. Und das gunstige Résultat ist nicbt geeignet uns an
dem, was metbodiscb, irre zu macben. Zwar muss Lygdamus, wie seine
erste Elégie zeigt, der Neaera seine Gedicbte im Dedikationsexemplar
(S. 349 f.) mit scbôner Ausstattung séparât ûberreicbt baben; in den
Bucbbandel indess traten die Gedicbte, wie wir nun erkennen, in
der Weise ein, dass sie Yon den Sosii in die nocb balb leer stebende
zweite Tibullrolle (Ygl. S. 155 f.) binten eingetragen wurden und so zu
einem Bestandtbeil des zweiten TibuUbucbs berabsanken. Hierdurch
findet aber zugleicb nocb ein anderer Umstand eine ùberrascbend
giinstige Erklârung. Nicbts war natûrlicher, als dass auf dièse Weise
aucb die Autorscbaft des Lygdamus auf den Tibull ûberging, dessen
Name auf dem ProtokoU stand. Und dièse Eigentbumsûbertragung
ist gewiss scbon sebr frûb eingetreten; denn Ovid zwar, der Ton
dieser zweiten Relie beide Tbeile nacbgeabmt bat, weiss allerdings,
dass nicbt Neaera, sondem nur Délia und Nemesis die Gefeierten
seines Freundes waren; die Tbatsacbe aber, dass das ganze weitere
Altertbum einen Dicbter Lygdamus garnicbt kennt, lâsst sicb doch
wobl nur aus einer so firiiben Uebertragung zureicbend erklâren.
Derselbe Anlass macbte spàter Nemesianus' Eclogen zum Eigeothum
des Calpumius (S. 302).
ï) Vgl. Protzen, De excerptis Tib. Greifswald 1869 S. 34.
2) Vgl. Keil, Gramm. lat. IV S. XXXIl.
3) Haupt, Hermeâ III S. 221.
- Tibull. ~ 429
Stîmmt dies Ailes gat zusammen, so gilt es noch, nach der
Entstehung der Dreitheîlung in den spâteren Handschriften zu fragen.
Sie iDskribiren Aîbii TibuUi liber secundus féliciter expUcit, Incipit
tertius ad Neaeram Amasiam suam (Vat. ; sehr âlmlich Ambros.), oder
AJbU. TibuUi. poetae. lib. III, incipit, de Amoribvs neerae (Guelf.).
Bas dritte Buch wird also erst hier ausdriicklich als TibuUisch
gestempelt. Ist dièse BuchabtheiluDg die des Alterthums gewesen, so
mûssen wir auf die soeben gewonnene Erklaxung jener Eigenthums-
ûbertragiing yerzichten. Allein es hindert nichts hierin nur einen von
den vielen Fâllen anzuerkennen, in welchen das Mittelalter falsche
Buchtitel eingeschwârzt bat (vgl. S. 375 f., 380 f., 423). Der Guel-
ferbitanus des Tibull bat hinter dem Panegyricus willkûrlich von
zweiter Hand den Titel Liber de amoribus Svlpiciae et CerintM ein-
gefuhrt; ebenso mag auch der in Frage stehende dritte Buchtitel
durch einen Codexschreiber hînzugekommen sein, welcher wahmahm,
dass ja das erste Lygdamusgedicht den Charakter der Bucherôffiiung
tarage. Yielleicht ist dies schon bei der ersten Codification Tibull*s
geschehen, doch blieb der erste Tibullexcerptor hiervon zum Gluck
noch unberûhrt: er benutzte Tibull in der originalen Buchgestalt,
auf die uns ohne sein Zeugniss nur schûchteme Divination gefuhrt
baben wiîrde.
NEDNTES KAPITEL.
Das Yoralexandrinische Bnchwesen.
Viele Titel sind genannt, yiele Bûcher gemessen. Wir glauben
in den Buchtabemen des Câsarischen Rom^s yollkommen zu Hause
zu sein. Nur ein Haufen Rollen liegt noch anbesehen, imd hier
fioden sich gerade jene vomehmen Namen, nach denen wir bisher
zu fragen Yersâumt, ein Plato und Epicharm, Homer und Thuk^dides.
Wir schieben sie zur Seite. Ihr Buch scheint ja doch eben das des
Martial und Eallimachos. Was sollen wir, des Suchens mûde, bei
ihnen verweilen?
Besinnen wir uns. Die Thukydidesrollen, die hier fur den Rômer
zu Eauf liegen, sind jung, sind in Rom oder Alexandria frisch ge-
fertigt. Sie zeugen nicht fur die Zeit, nicht fur den Heimatsort
ihres Autors. Forschen wir nach dem Einfluss des Buchwesens auf
die litterarische Produktion und wollen wirklich das Buch des
Thukydides kennen lernen, so kônnten uns nur etwa aus âlteren
Jahrhunderten vereinzelt gerettete antiquarische Exemplare Aufklâ-
rung geben.
Begeben wir uns unter dièse Antiquaria. Nur ein flûchtiger
Blick und wir gewahren alsbald Riesenvolumina ganz imerhôrten
Umfangs. Wir sehen hier gegen 30 000 Verse in einem Bûche con-
tinuo beisammen stehen: ein voUstandiger Homer mit allen achtund-
vierzig Gesângen. Es ist eben der Homer, von dem Ulpian redete.
Wir fûhlen uns ûberrascht: wie ein Gigant der Vorzeit muthet er
uns an unter dem zwerghaften Rollengeschlecht der Kaiserzeiten.
Wird uns unser Staunen aber in den bis hieher erworbenen Buch-
kenntnissen beirren dûrfen?
— Perioden des Buchwesens. — 431
Wir thaten gut, die Zeiten zu sondem. Die classische Litteratur
bat sich in* zwei grossen Perioden entwickelt, die innerlich durch
ihreii Charakter, âusserlich dem Orte nach, an den sie geknûpfb
waren, merklich auseinanderfallen. Centren der zweiten waren Ale-
xandria und Rom. Die erste war wetteifernd an vielen Plâtzen der
ilthellenischen Welt entstanden; sie culminirte in Athen, das uns
als ibr Yorort gelten muss. Beide Perioden trennt das Aufblûhen
^exandria's. Die erste Période ist kurz die der eigentlichen Classiker
ies Griecbenthums mit ihren grossen Originalschopfungen, die zweite
ist die ihrer nach- und weiterbildenden Ëpigonen so griecbiscber
me lateiniscber Zunge.
Reges iitterariscbes Leben bedingt regen Bucbyerkebr. Atben
muss einst Yorort des einen wie des anderen gewesen sein. Merk-
vmrdigerweise seben wir es dagegen aus dem Bucbverkebr bernacb
^ollst&ndig eliminirt. Das Bucbwesen von den Ptolemâern bis auf
Constantin den Grossen ist einbeitlich in seiner ôrtlicben Tradition,
indem es Atben ausscbliesst. Scbon zur Zeit des Tyrannio existirten
Qur in Alexandria und Rom grosse Bucbscbreibereien (Strabo S. 609).
Zur selben Zeit seben wir darum den Pomponius Atticus, als er seine
berûbmte Bûcberei begrûnden will, Atben yerlassen und nacb Rom
a;eben. Yon Herodes Atticus, von Hadrian muss sicb Atben gar
3ine Bibliotbek scbenken lassen. So baben wir denn dièse littera-
riscbste aller Stadte in dem ganzen Yerlauf unserer Erôrterungen
i)i8ber niemals zu nennen gebabt^). Yon Hieronymus rûckwârts
»cbreitend constatiren wir bis zu Eallimacbos Continuitat im Bucb-
vresen; Rom tbut sicb nâcbst Alexandria als sein Trager auf und
3eide Stâdte wirken so lange Zeiten neben einander; die Formen
ies Bucbwesens waren an diesen beiden Plâtzen notbwendig die
lamlicben; Rom bat sie von Alexandria empfangen. Bei den An-
*&ngen Alexandria's scbeint jene Continuitat dagegen aufzubôren;
^) Ausser S. 363. — Wo fand ein Mann wie Plutarch seinen Verlag? Gewiss
ireder in Chaeronea noch in Athen, sondera in Rom. — Erst am Ende der Eaiser-
leit hoben eich neben Rom auch andere St&dte, die Uauptst&dte des getheilten
Eleiches, wie Constantinopel; seitdem mehren sicb die Centren des Bachver-
iriebes; rgl. Libanius I S. 78 R., wo zehn Bachb&ndler in den Tornebmsten
3t&dten des Reichs sur Verbreitung einer Rede in Bewegung gesetzt werden.
432 — ^^ ToraleraBdrinîscbe Bnchweseiu —
d^s Tonuifliegende Buchwesen Atheo's kennen wir nicht, wir wissen
anch nicht, ob AlexaDdria seine Bachform aoB Athen oder Ton den
Priestem Aegyptens empfuigen oder ob es sicb dieselbe viebnehr
selber geschaffen bat.
Baben wir nnn auf die Keniitniss des Bucbs der Epigoneo
Mûbe Terwandt, so werden wir mit nocb weit grôsserem Intéresse
nacb dem jener Grossen fragen, die das Weltreicb der litterarischen
Kunstformen zuerst erobert und gegrûndet baben. Sammdn wir
denn das Wenige mit Sorgsamkeit, was uns die Andentongen der
Tradition bierûber aufbebalten ^).
Zunâcbst zeigt das Bild, das wir gewinnen, wie es die weit
Torgescbrittene Coltur Atben's erwarten lâsst, keinen erheblichen
Unterscbied von den spâteren Zeiten.
Scbon die classiscbe Période benutzte das Papyrusbacb, das
aus Aegypten importirt wurde (s. S. 47 f.; vgl. S, 224 flF.); sie bat
das Wort fivfiXoç, fivfiUar fur den BucbbegrifT ausgebildet (s. S. 12 f.).
Eennt scbon die Odyssée Seile aus fiv^ioç, so kann aucb die £in-
fubrung dièses Bucbs gewiss im acbten Jabrbundert begonnen baben;
in Eleinasien wurde es vorûbergebend durcb Lederrollen abgelost,
die dann auf die Terminologie daselbst Ëinfluss ausûbten'). Diee
Papyrusbucb war aucb damais Rolle (s. S. 18; 48)') und wurde
durcb Zusammenkleben der Seiten hergestellt: xoXXfi yfv«raf fi
fitfiXioy*). Der unbescbriebene Scbreibstoff biess scbon damais
^) Vgl. W. Schmîtz, Schriflsteller u. Buchh&ndler in Athen, Darmstodt 1876.
Wenn ich yod dieser Schrift in meiner Auffassung z. Th. abweiche, so moss
meine Darstellung selbst dies rechtfertigen. Im Allgemeinen bemerke ich, dêss
ich SchlQsse ex silentio auf die geringe Entwicklung des Buchwesens f^
principiell unberechtigt halte. Erw&hnungen Ton Bibliothek, Buchkaaf a. s. £
sind seiten, aber nicht seltener als die Gelegenheiten , die fûr Edrw&hnung so
ftasserlicher Dinge bei diesen âlteren Autoren eintraten.
') Vgl. S. 47. Wattenbach S. 92 beanstandet die Darstellung Herodot't
V 58 und meint, die lonier hâtten anfangs nur d&qd^sQai gekannt and daber
diesen Namen hernach auch auf die PapyrusroUe ûbertragen. Dièse Kritik
ist nicht zwingend.
^) Auch in Aristoteles' Problemen S. 914 A 25 werden bei emem Experi-
ment Bûcher in Cylinderform vorausgesetzt.
*) Aristot. S. 1042 B 18; vgl. Antiphanes bei Meineke corn. III 88: fi^filtdiot
xôlXrifÂa.
— Papvnisrollen. Bibliopolen. — 433
o X^Q'^V^ (S. 48). Eine werthvolle Inschrift des Jahres 407 belehrt
uns ùber den Preis desselben*); nach den Worten: xàgiat icov^-
^(Sav âvo iç â(ç) xà àvxiyqaffa iyeyQcitpafiev wird fur jeden
X^Q^Ç der Preis auf 1 Drachme und 2 Obolen angesetzt (das ist
£ast 10 Groschen oder im Yerhaltniss zu unserem modemen Greld-
werth vielmehr deren 38)*). Da "wir indess nicht wissen, wie viele
Meter Papier damais unter einem x^Q'^Ç begriffen wurden, so lâsst
sich ein Vergleich mit einer Preisangabe aus jûngerer Zeit (S. 209)
nicht ausfûhren. Auf diesem Material wurden also, wie die Inschrift
sagt, Abschriften oder Reinschriften gefertigt, wâhrend fur das
Brouillon zwei entsprechende aapiâsç dienten. Es handelte sich um
die Aufzeichnimg von Rechnungen. — Wir werden im Verfolg auch
hier wieder von solchen Privatskripturen, von Briefen u. dgl. m. ab-
sehen und uns ausschliesslich an die Litteraturbûcher, die eigentlichen
fivfiXot halten^).
Die Texte der Die h ter jener Zeiten wurden viel weniger fixirt
um als Lektûre zu dienen, als um memorirt zu werden. Der Prosaist
bingegen schrieb nur fur Léser; wo er auftritt, ist nothwendig ein
geregeltes Buchwesen vorausgesetzt; nur durch das Bue h kann er
sich an sein Publikum wenden. Der Léser sodann erwirbt sich das
Buch durch Eauf. Zwischen ihm und dem Autor ist der Biblio-
pole der nothwendige Zwischentrager, und dieser wird fur die
Jahre 432 bis 425 zuerst bezeugt. Sofem er fur die Anfertigung
der Exemplare sorgt, heisst er auch fiifihoyQcctpoç*). So Buch ver-
^) Rechnungsablage ûber den Ban des Erechtheion's , Eangabé Antiqu.
heU. 56 ff., C. I. A. I S. 324.
*) S. Egger, Mémoires d'histoire anc. S. 136 f.
') Ueber fitfilkt als Briefe auf Charta s. S. 20 f. Dass die Wachstafel
âinrvxoy dékriov, nv^iot', myâxkoy, schon damais der Priratskriptar diente, ist
bekannt; juvaxut mit Rechnungeii werden C. I. A. I 32 genannt. Eine
lUustration giebt hierzu eine athenische Statuette mit Diptychon (so erkl&rt
Ton Furtw&ngler, Mittheil. d. deutsch. arcb. InstiL VI 1881 S. 174 ff.).
^) fitfil&on(6lf]ç xuerst bei Aristomenes (II 2, 732 Mem.; Olymp. 87,
1^88, 4), Tbeopomp (ibid. 821), Nikophon (ibid. 852), fitfiltoyçâtpoç bei
Kratinos (Pollux VII 211), Antiphanes (Poil. VII 21). Es war ein bestimmter
Ort Atbens, wo dièse Verkâufer stationirten: ov Ta fitfiXkt ^vut, wie Eupolis
sagte (II 1, 550 Mein.). Die Anekdote rom Bucbb&ndler bei Diog. La. VII 2
ist selbstrerstândlich unhistorisch ; sie setxt Buchtheilung im Xenophon Toraos*
Birt, Bachweaen. 28
434 — ^'^ Toralexandriniflche Buchwesen. —
Tielfâltigung durch Abschrift wie'Buchkauf fand Athen aber schon
im alten Aegypten vorgebildet (s. S. 49). Yor 400 begegnen wir
ferner schon der Bibliothek. Mogen die Bibliotheken des Pisi-
stratos iind Polykrates auf historischer Construction beruhen, so
bleiben doch die eines Euripides, Euklides, Nikokratos ûbrig, die
Athenaeos aufzuzâhlen "weiss^). Eine so reiche Privatbibliothek, wie
sie sich Euthydem bei Xenophon (Mem. IV 2, 8 f.) durch Eauf
sammelt, gilt aïs nicht gewôhnlicher Lnxus: sie enthâlt neben Homer
arztliche Schriften, solche ûber Baukunst, Géométrie und Astronomie.
Auch die Schulmeister Athènes aber waren nicht ûbel assortirt; sie
konnten dem Schûler Orpheus Yorlegen, Hesiod, Choerilos, Homer,
Epicharm, Tragodien, aber auch des Simos oifjaQtvcia^ die etwa der
des Philoxenos glich').
Das Publikum des Autors ist unbegrenzt gross gedacht und geht
weit ûber Athen hinaus^). Den Inhalt der Schriften eines Anaxi-
goras kennt Jedermann^): das Bûcherlesen war also in Athen etwis
ganz Gewôhnliches. Wir finden die Bibliopolen geschâftig, Bûndel
{âétffAai) Yon Isokratesreden in Umlauf zu setzen'). Niemand ak
sie kann auch den ausgedehnten Yersand besorgt haben. Neben
1) Athen. S. 3 A. Ueber Earipides' Bflcher rgl. Aristoph. FrOsche 1409.
Nikratratos heisst Kyprier; Euklid wird der Archont d. J. 403 sein.
3) Vgl. den Lehrer Linos bei Alexis, III S. 444 Mein. Jedes Bach bai
ciXXvfiot, die hier imyQÛfjifÂaTa beissen.
') Isokrates kann sich darum beschweren Panath. 250 f., dass so Weoige
in Sparta seine Reden besitzen (f/ovrfç). Vgl. auch S. 435, 1 a. 2.
^) Jeder, der ihren Inhalt nicht kennt, heisst b. Plato Apol. 26 D ttnu^
yça/ufÂUTioy. — An Verkauf dieser Schriften iy itj oQ^iiarQ^ wird hier woU
nicht gedacht; dagegen spricht das h'ion\ und mit xai d^ xai wird za des
fitfilia etwas and ères hinzugeftigt, was man f&r eine Drachme kaoft, &1m
nicht fitfilia, Darum folge man hier Egger a. a. 0. 8. 139. Von Buchpreiseï
dieser Zeit wissen wir nichts; aile Angaben Sp&terer sind sichtlich schwindel-
haft; die 300 Talente fùr Demokrit's Diakosmos (Philo De prorid. II 50), die
3 Talente nicht ftlr edirte BQcher, sondern fÛr Autographa Speusipp's (Diog. IVô;
Gell. III 17); das Autographum des Philolaos sollte, nach Timon, Plato ge-
kauft haben; die verschiedenen Buchpreise und sonstigen Fiktionen Spâterer
hierQber s. bei Steinhardt, Leben Plato's S. 150. 315.
^) Aristotel. fr. 134 Rose bei Dion. Hal. De Isocr. 18: âittfjiaç tort
nokXàç dtxavixdHy Xôyfav ^laoxçanicDy mçtrfiçfa^at vno rm»^ fitfiXM7itiX»y.
— Bibliotheken. Buchhandel. Edition. — 435
Binken, Kâstchen und anderen ge'wôhnlichen Dingen gehôren Lese-
bûcher nach Xenophon zur, gewiss regelmâssigen, Schiffsladimg der
Kanffahrer, die damit weit in den Pontus hinaufgehen^).
Das Manuskript des Autors erfuhr also schon damais regel-
missige YerrielfaltiguDg; der Gegensatz von Abschrift und Auto-
graphum muss mithin derselbe wie in spâterer Zeit gewesen sein;
der BegrifF der Edition (s. Kap. VII) war in Athen vollkommen
Torgebildet. Dies exemplificirt sehr schon Isokrates, wenn er an-
stebt seinen Panathenaicus zu ^publiciren^ {(pavsqàv notijtfai, dia~
âêâoyaty)^ Fur Plato scheint Hermodoros') das Technische der
Publikation, d. h. den Yerlag ûbernommen zu haben. Nach dieser
PubHcitat und ihrem Gregentheile schied sich die ganze Schiiftstellerei
des Aristoteles. Nur seine Schriften in Eunstprosa gab er in den
Buchhandel; sie hiessen darum ^ausserhalb des Peripatos befindliche*^
oder ^herausgegebene^ , i^aTSQucoi oder ixâsdofàéyot Xdyot; ihr
Gregensatz sind die Schulschriften oder àxQOciffetç ohne Kunstsprache
Mixtà (piXotSOifiaVy die, zunâchst nur einmal niedergeschrieben und also
unedirt, innerhalb des Peripatos den Grundtext der Lehre bildeten und
nur unter den Mitgliedem der Schule durch eigenhândige Abschrift
') Xenophon Anab. VII 6, 14: fiifilot ye/Qafifiévat, Dnrch solch ûber-
•eeiachen Buchhandel, nicht darch persOnliche Uebermittelung scheint anch
iBokrates des Polykrates Schriften flber Busiris und ûber Sokrates erhalten m
haben (Isokr. XI 1).
^ Das Werk ist begonnen von dem 94 j&hrigen (§ 3), wegen Krankheit
fiegen gelassen (267) und drei Jahre sp&ter fortgesetzt (270) ; da die Yerlesnng
des Manoskripts einen Freund nicht ganz fiberseugt (230) « schwankt Isokr.,
ob er es ediren soll, nôrtqov àfpavkCtàoç navjànttciv icnv Ç dêadonoç toïç
fopXofiévo$ç lafdfiâyity (233); der Freund entscheidet sodann, er solle nicht
éêoXayd^ayiw, sondem àç mxnna çavêçay no^cat u. iw. toîç r* aXlotç anaat
xoê niç jéaxtdatfdoyiotç (249).
*) Hermodor heisst bei Suidas âxçoar^ç Plato's. Ihn denkt sxch Geero
jeden&Us sn Plato in gans demselben Verh<niss, wie es Atticus zn Ciœro
bmtte, wenn er Atticus firagt: placetne tibi Hbros De finibus edere miusnt meof
Hoc ne Hertnodorus quidem faciebat m, ^t PkUonis lièros solitus est divolgare
(ad Att. XIII 20, 4). Der Vers JoyokCiy 'EQfAoâoiQoç èfmoQêvêjat (Snid.)
scheint an Terrathen, dass dies VerlagsTerh<niss in der KomOdie besprochen
warde. Der Mann batte vielleicht Ton dem Handel grosse Einnahme, ohne
doch Plato daTon absugeben.
28*
^gg — Das Toralexandrinische Buchvesen. —
Yerbreitung fanden*). In jenem Sinn stehen die loyot ixdsôofiiyiH
gleichfalls beim Isokrates (XV 9). Auch die Bûchervermâchtiiisse der
^) Ueber dièse yielerûrterte Thatsache Tgl. bos. Zeller, Philos, d. Griechen
II 2' S. 112 u. 119ff. Die Interprétation der ^atnçtxoi lôyot als Schriften
einer ^Ausserlichen^ Metbode {ix nt&ayov) ist nicbt mGglich; Xôyoç bebst hier
an den meisten Stellen «Scbriftwerk*' , und die genannte Bedeutung wfirde
griechisch nur Xôyoi ix TÙy i^tangixcUy (ÙQ/urj/uéyoè lauten kOnnen. Der sonstige
Spracbgebrauch lebrt, dass i^vunQixâ Dinge heissen, die sich fQr das lo-
giscbe Subjekt der Rede aussen befinden, rà f|a» (die Kreter habes
keine àçx^ i^atr., die ausserhalb Kreta's Iftge, S. 1272 B 19; Hand, Fass and
Zunge sind Aussenglieder, i^tor. ^oçia, S. 786 A 26; daber Tir i^ùiT. anch die
âusseren GlQcksgnter im Gegensats zur innoren Seligkeit, S. 1323 B 25;
nçtt^nç i^toT, sind Geschâfte, die rà é|ai betreffen, im Gegensatz zn prirateOf
oîxilat, S. 1325 B 22 u. 29; analog aucb S. 817 A 20). Dièse Worthedentmig
ergiebt, dass Xôyoi i^iûT, fQr Aristoteles oi fÇta^fy (so S. 1264 B 39 Ton Plato*s
Staat) sind, Schriften, welcbe fQr den Akroasenschreiber wie ftir den ge-
scblossenen ZubOrerkreis, an den er sich wendet, sich draussen befinden, ansscr-
balb des Peripatos, auf dem Bucbmarkt, im grossen Publikum. Acbtmal rer-
weist Arist. in dieser Form ; zweimal aber aucb geradezn und fùr uns deutlicber
mit ixdédo/uiyot kôyot S. 1454 B 16 und jlo^o» iy xoty^ ytyyofifyot S. 407 B 37
(vgl. Bemays Dial. Arist. S. 138, 164; gemeint sind hier Eudem und m^
nottjToiy), Galen, welcber unterscbeidet (IV' S. 758E.) rà /nèy toîç tioIJIoîç
yfyçatfÔTCDy, raç ai ctxçoâaitç toîç haiçoiç, kennt die ricbtige Bedeutung nocb,
und erst Sp&tere deuteten irrthûmlicb. Dièse Edita sind aber die Dialoge
dés Aristoteles (Cic. ad Ait. IV 16; Plutarch adr. Colot. 14). Es lag in ibrea
publicistischen Zweck, dass sie, von scbôner Spracbe und gemeinverst&ndlidi,
zu den Akroasen zugleicb aucb cinen inncrlicben, methodischen Gegensatz
bildeten (Bernays S. 30 ff., Heitz, D. verl. Scbr. des Ar. S. 122 ff.); daher
nennt sie Cicero popularitcr scriptum (De fin. V 12); sie begnQgten sieb zock
mit der Darstellung der Vulgatansicht (vgl. Etb. Nik, 1098 B 10 rà Xêyôufrt
mit Etb. Eud. 1218 B 33; Zeller S. 119 Anm. 1); daraus erkl&rt sich iber,
wie Ar. in der Politik abbricbt (1254 A 31): cckkà rttvTa /uty îaoDç i^eançtxvn^
icTi cxéipfùjç; d. b. die Analogie (der Natur mit der Musik) auszufûhren
gebôrt nicbt in dièse Akroase, sondern dem Stil meiner Pnblicistik an; àet
Analogiescbluss eignet ja aucb Plato's Dialogen ganz besonders (BerosTi
S. 165). Zu unserer Auffassung stimmt nur nicbt Phjs. 217 B 30. Ed vâre
unmetbodiscb, gegen ein aus vielen Momenten erscblossenes einbeitlicbes Ré-
sultat aus einer Ausnabme einen Gegenscbluss zu zieben; dieselbe wird riel-
mebr ron jenem Résultat aus zu beurtbeilen sein; es sind an jener Stelle
betreffs des j(o6yoç offenbar mit ^|a>r. koyot die ebcnda gleicb folgenden S&ue
S. 217 B 19 bis 218 A 30 gemeint (s. Bernays S. 93, Heitz S. 131). Doch
— ixdido/uiyoi^ kôyoi. i^cjTfQixa, àvixâora, — 437
griechischen Philosophent) stellen Unterscheidungen au, die sich nur
im nâmlichen Sinne verstehen lassen: die gekauften Lesebûcher %à
àyëyytùiSikiva sondem sich in ihrem Nachlasse principiell Yon den
àyéxâova^), £in solches àvèndoxov ist es, das im Theaetet des
Plato (S. 143 B) aus einem ^ifikiop vorgelesen wird.
Wir wundem uns nicht die Grundzûge des spâteren Buchwesens
8chon in dem Rahmen des altgriechischen Culturlebens genau vor-
gezeichnet zu finden, da sie in sachlicher Nothwendigkeit begrûndet
Bind (s. S. 1). Lenken wir im Folgenden unser Augenmerk von dem,
iras nothwendig, vielmehr auf das hin, was der Zufalligkeit angehôrt.
Ich meine die Buchbeschaffenheit. Die Prosazeile ist wàhr-
bleibt hier nicht die ErklJlning xnôglich, dass dièse S&tze, ron on fiiv ovv $ oXxaç
ovx iai$y bis locavi ïcroi ifnpioqtifiéva, deren methodischeVerschieden*
heit Bemays herrorhebt, ein eingefûgtes Excerpt aus einer exoterischen Schrift
ûnd? 80, wie Arist. in Polit. IV init. gleichfalls eine Partie ans seinen eigenen
Exoterica ebgefQgt zu haben scheint (Bernays S. 73 ff., dagegen Vahlen, Arist.
Aufs. II). Ueber den j^çôyoç als seiend oder nicht seiend konnte Ar. z. B.
im SoffèOT^ç handeln; das Résultat ist die dem Dialog eigenthQmliche Aporie
(rgL ttTtoçia i^toTëçtxij, Eudem fr. 6).
') Vgl. Bruns, Die Testamente der gr. Philosophen, Zeitschr. d. Sayigny-
Stifîtung I R5m. Abth. S. 1 ff. Zweifel gegen die Ëchtheit sind unbegrûndet;
Brans S. 3; Zeller II 2, S. 41.
^ Plato's VermôgensTerzeichniss beg^eift die fitfiUa gewLss unter die
cxiétj, woTon Demetrios besondcre Inrentare habe. Aristoteles vermacht keine
Bûcher, weil er sie lebend an Theophrast ftlr die Schule ûberliess (Bruns S. 23).
Theophrast giebt rà fitfiXia nréyra an Neleus, Ëpikur rà fièfikia rà vnixçj(oyTtt
ilfûy nâyra an Hermarchos. Strato sodann yermacht dem Lyko gleichfalls rà
fiêftXia nâyra, jedoch nltfy tjy abroi yiyçâ(fia/A(y, Dem Lyko, dem Fortsetzer
des Peripatos, kam wie der Garten und sonstiger Apparat des Instituts so
ftoch die Bibliothek der Schule zu ; Autographa aber gehOren zu dieser Bibliothek
nicht und fallen darum an Lampyrio und Arkesilaos, weil sie unter die Prirat-
aachen, rà oîxtt nayra, fallen (Bruns S. 39). Dem analog ist offenbar die
terminologisch intéressante Sonderung Lyko*s: dem Sklayen Chares soUen lu-
fidlen in if^à fitfiXia rà àyiyytDO^éya' rà d* àyixdora KakXiy(i> oTuaç in^fAtXmç
ahtct Ixdçï. Die „Anekdota'' sind klar: es sind unedirte Manuskripte Lyko's
wissenschafUichen Inhaltes; dem Sch filer Kallinos werden sie zur Edition an-
Tertraut. Der Gegensatz nOthigt also, dass die „gelesenen Bûcher'* eben
htâfdofAiya sind, die gekauft wurden um als Lektûre zu dienen. Chares war
wohl àyayytâcTfiç , dem jetzt gehôrt, womit er seinen Herrn bisher unter-
halten bat.
438 — ^^ Toralexandrinische Baehwesen. —
scheînlich schon damais als festes Mass beliandelt und der gelinfigen
Hexameterzeile gleichgesetzt worden, iind dieBuchseite sah schon
damais der spâteren gleich; dies hat sicb uns bereits in anderem
Zusammenhange ergeben (s. S. 205). Es ist Tielmehr der End- und
Zielpimkt unserer Erorterungen ûber das Buchwesen, die Buch-
grosse, "welche auch hier unser Intéresse 'wieder Yomehmlich zu
beschâftigen hat.
Dass auch schon der fit^ltoyçâyioç des damaligen Athen die
BuchroUen aus Aegypten fertîg bezog, ist mit Nothwendigkeit yoraos-
zusetzen. Die Lange dieser RoUen ûberschritt, wie wir sahen, in
spàterer Zeit das Maximum Yon 12 Metem (S. 130) oder hundert
Seiten (Martial YUI 44; vgl. S. 341) nicht leicht. Fand nun schon
ein Thukydides dies selbige so geringe Buchmass yor? und haben
schon jene altgriechischen Autoren, wâhrend sie Ifast
sâmmtliche grossen Litteraturformen erfanden und aus-
bildeten, bei dem schopferischen Akt ihrer Gonceptionen
unter demselben so beengenden Raumzwang des Buch-
masses gestanden, welchem die spâtere Schriftstellerei
einen Hauptcharakterzug verdankt?
Wir haben fur die Wûrdigung der letzteren als erstes Erforder-
niss erkannt, den Arbeitsaufwand nachzu'weisen, den sie an die
Disponirung ihres Stoffes nach der Rollenform wendete (Eap. III).
Wie viel dringender muss dièse Pflicht gegenùber jenen Mânnem
scheinen, die die Vortragsform des Epos, der Historié, der wissen-
schaftlichen Untersuchung zum ersten Maie fixirt haben?
Eine Anfrage bei ihnen selbst bleibt erfolglos. Sie befleissigen
sich betreffs ihrer Buchtheilung eines hartnâckigen Stillschweigens.
Aeusserungen ùber den Buchanfang oder Buchschluss oder gar Moti-
Yirungen des letzteren, die uns spâter doch so hâufig begegnen und
mit denen gerade der Aelteste, Poljbios, am wenigsten sparte
(s. Kap. ni), sind hier nirgends anzutreffen. Greniigt es hierîn eine
Vornehmheit des Classikers zu erkennen, der, von der Grosse seines
Stoffes hingenommen, fur jene Aeusserlichkeiten kein Wort ùbrig
hatte und auch ohne dies auf Verstândniss rechnete?
Jeder Liebhaber dieser Classiker weiss aber femer: in ihrer
Stoffanordnung ist nirgends eine rechte Beziehung zu ihrer Buch-
— Die Buchtheilung ôfiers unsachgem&ss. L&nge der Bollen. — 439
theilung zu spûren; ja, Beides will uns sogar oftmals in Widerstreit
zu stehen scheinen. Wâhrend als ein Hauptcharakterzug der spâteren
Werke die Disposition nach der Buchtheilung und somit die Zweck-
mâssigkeit der letzteren erkannt ist, so muss uns im Gegentheil wo
nicht die Unzweckmâssigkeit, so doch die Gleichgultigkeit ihrer
Buchtheilung als ein besonderes Merkmal der âlteren gelten.
Dièse Autoren hatten nun aber, wie man weiss, eine lange
ereignissreiche Textgeschichte. Eaum dass sich Einer Ton ihnen
grammatischer Recension entzogen hâtte; jedenfalls haben sie aile
mehrfach Erneuerung durch den Bibliographes oder Wiederauflagen
erfahren mûssen (s. S. 366). Denmach lâsst sich als moglich denken,
dass ihre Buchtheilungen erst bei einer spâteren Gelegenheit ein-
gefûhrt worden sind. Eine solche H3rpothe8e geht aber das Buch-
'wesen in erster Linie an. Das Fehlen einer Buchtheilung wurde
ausserordentlich starke BuchroUen Yoraussetzen, die einen Text wie
den Thukydideischen complet aufzunehmen yermochten und yon den
Alexandrinem hemach planmâssig yermieden worden sind.
Das alte Aegypten, von dem ja Athen seine Bûcher bezog, be-
nutzte indess, wie thatsâchlich bekannt ist, BuchroUen von 21, ja
43 Meter Gesammtlânge. Eine solche konnte die ganze Odjssee in
sich au£nehmen^). Im funften Jahrhundert n. Chr. yerbrannte in Byzanz
eine HomerroUe aus einem anderen Materîale, deren Lange auf gut
37 Meter angegeben wird'). Es mag hier, tmi unserer Phantasîe
nachzuhelfen , an jene Vision der Apokalypse 18, 5 erinnert sein,
welche das Sûndenverzeichniss BabePs als ein Buch denkt, das yor
Gott liegt: dièses Buch aber roUt sich auf ohne Ende, immer neue
^) S. S. 130 f. Hier seien einige L&ngenmMse hinzngefùgi. Von einem
reichen Agyptischen Fund, daninter Papyrusrollen Ton 16 Meter L&nge, hat
dieser Sommer bericbtet (KOln. Ztg. 1. Augnst 1881 N. 211). In den Additiona
io the Mss. in the British Muséum t. Jahr 1836 S. 43 ff. finde ich u. a. die
Masse: Hieratische Bolle, in 30 Theilen beschrieben, 0,265 M. boch, 2,592 M.
(8Va engl. F.) lang. Hieroglypbiscb: 1,677 M. (5Vs F.) lang. Hieratiscb, in
49 Columnen: 0,253 M. bocb, 8,235 M. (27 F.) lang. Hieroglypbiscb, in 16 com-
partments: 0,341 M. bocb, 23,637 M. (77V, F.) lang. Ebenda, t. Jahr 1839
S. 17 ff. erbalten wîr Masse bis lu 25 und 327, engL Fusa.
*) S. Zonar. III S. 256 Dind., Kedren. S. 351; rgl unten S. 445.
440 — ^^^ reralexandrinische BnchweseD. —
Seiten werden ^angeklebt^, bis es in den Himmel reicht. Noch enonner
ist die ProphezeiuDg gedacht Yom jihigsten Tage: tots ol oîfQavoi
dç x^Q^^op iv€iXfid'fiaovtat^)\ £in Rouleau yon 43 Meter konnte
schon zur Hypostase des Unendlichen dienen. Ist nun auch das Buch
des Atheners so gross und unbequem ge'wesen?
Nehmen wir die Yorhandene Buchtheîlung in Augenschein. Aof
die Monobibla kommt es hier nicht an, unter denen das stârkste
Plato's Theaetet ist mit 3737 Zeilen'). Wichtiger ist, dass unter den
poetischen die Olympioniken und Pythioniken Pindar's mit 1551 und
1976 Yersen das obligate Maximum bedeutend Terletzen'). Im
Uebrigen ergeben sich folgende Summen:
1) Lambec. Bibl. Caes. Ed. VU S. 578 B.
*) Ich fflge hinza Plato, Gorgias 3734, Timaeos 3434, Philebos 3132,
Foliticus 3034, Phaedon 3002, Sophistes 2998, Kratylos 2932, (Alkidamas)
Bethorik ad Alexandriim 2558; Plato Phaedros 2516; Xenophon Oekon. 2386;
Flato Protagor. 2360, Sjmp. 2356, Alkibiad. I 1985, Parmen. 1862, Eutbjdem
1684, Menon 1656; Aristoteles Categoriae 1460, Plato Hippiaa maior 1332;
Xenophon, Kyneget. 1315; Aristot. Mirab. anscolt. 1269; Plato Apdog.
1254; Xenophon, Sympoa. 1241; Arist. Problem. mechan. 1192; Plato
Charmid. 1073; Aristot. De sensu et sensili 1061; Xenophon Agesil. 1026;
Aristeas 1000 (s. S. 168); Plato Lâches 928; Xenoph. ntqi innue^ 917;
Plato Lysis 912; Aristot, de anim. incessa 877, de respir. 871; Plato
Euthyphr. 851; Aristot. Physiognom. 828; Xenoph. Hieron 795; Hipparchi-
kos 789; Aristot de color. 726; Plat Menez. 722, Hippias minor 720;
Xenoph. civ. Laced. 709; Plat Krito 703; Alkibiad. II 684, Ion 612;
Incerti de Xenoph. Zen. Gorgia 577; Aristot de animal, motione 564;
Plato Theages 540; Xenoph. de vectigal. 530; Aristot de somno 430;
Incerti De civit Athen. 423; Aristot De spiritn 417; Plato Hipparch 408;
Aristot de insectab. lin. 380; Chairephon Jtinvov 375 (s. S. 168);
Aristot. de insomniis 352, de memoria 335; Plato Anterast 323; GnathaiDS
vôfjLOç avGCitutôç 323 (s. S. 168); Xenoph. Apol. 278; Aristot. de iay. et
senect 251, de long, et brer. ritae 246; ntql àç, xat xaxn3v 242; de dim.
per somnum 177.
') Poetische Monobibla sind: Homer Batrachomyomachie 319; Hesiod
Théogonie 1022; Erga 828; Aspis 480; Pseudo-Phokylidea 230. Aus dem
stichometrischen Eatalog in Kap. IV sind hierher zu ziehen N. 13, 17, 21, 38,
34, 35, 47, 48, welche die Zabi 1000 nicht flberschreiten. Bei Pindar halten
die Olympioniken vulgo 1551, nach Bdckh 1008 Verse, die Pythien rulgo 1976,
nach Bôckh 1203, Nemeen vulgo 1265, n. B. 755, Isthmien Tulgo 703, n. B.
465. BOckh's Versabtheilung, in Summa 3431 Verse, scheint durch Kap. IV
— Stichometrie. —
441
ias V 909
IV 644
XVII 606
XII
463
II 877
VI 629
XIX 604
XIII
440
XI 848
VIII 666
VIII 686
XVI
481
XIII 8.18
X 679
IX 666
XVUI 428
XVI 867
XIV 622
X 674
XXI
434
XXIII 897
XX 603
XIV 633
VI
831
XXIV 804
XXII 616
XV 667
VU
347
IX 718
III 461
XXII 601
XX
886
XV 746
VII 482
XXnr 648
xxn
: 372
XVII 761
XII 471
I 444
Panyasis,
14 Bb. j
je 643 ')
I 611
XIX 424
II 434
Timotheofi
i,18Bb.
je 444*}
XVIII 617
Odyssée IV 847
III 497
Theognis
I
1220
XXI 611
XI 640
V 493
II
IV
(1680?)»)
odot*)
II 2866 Xenoph. Kyrop.
1197
I 4250
III 2733
I 1646
V
1113
II 3687
IV 3182
II 1069
VI
941
III 3133
V 2448
III 1090
vn
1662
rV 8269
VI 2733
IV 1197
Hellenika
I
1118
V 2200
VII 2611
V 1639
n
1118
VI 2322
VIII 3162
VI 1069
m
1218
VU 3996
Hippokrates, De
VII 1283
IV
1626
VIII 2322
TictQS rat.
VIII 1924*)
V
1496
IX 2261
I 1088 Ânab. I 1304
VI
1639
kyd.
II 1090
II 941
VII
1600
I 3419
m 799
III 984
2 (oçél TéTçaxtçxiXiot best&tigt; dass indess ein antikes Lesebach in so
oten Langzeilen wie bei BQckh geschrieben wurde, ist sehr zu bezweifeln;
téçti TfTçaxiçxi^^ wurde vielleicht gewonnen, indem man jedes der vier
lier flachtig auf die ûbliche Zabi 1000 tazirte (b. S. 291). Fraglich ist,
BÎch Homer's Hymnen mit 2214 Vv. auf Rollen rertheilten; die 30 kleinen,
N. VI an, standen etwa in einer beisammen (310 Vt.), N. III in einer ftkr
(580), die zasammengewachsenen I u. II in einer znsammen (546) und
LfO dann anch IV mit V (788).
1) S. Kap. IV N. 18 n. 20.
^ Bei ▼. 1231 hebt im Cod. Matin, ein zweites Buch an, das nur
Verse hat, also incomplet sein muss. Nach Kap. IV N, 19 wûrden auf
elbe 1580 Vr. der Gesammtsnmme fallen. Die St&rke des Bûches w&re
I Pindar, Apollonius Bhodius, Lykophron zu beurtheilen, worûber unten.
>) Hier ist, gem&ss S. 194, die Zeile lu je 37 Buchstaben gerechnet.
ntzt sind flbrigens bei den folgenden Bechnungen Plato éd. Hermann, Xen.
Sauppe, Herod. u. Thukyd. éd. Bekker, Theophr. éd. Wimmer; Aristoteles
lach éd. Julius Pacius (1597) berechnet, deren Druckzeile gerade 36 Buch-
<en liait (nur histor. anim. nach éd. Schneider, Ëthic Nicom. nach éd. Jelf,
ic Sud. nach éd. Fritschius).
*) Interpolationen sind hier wie ûberall mit in Bechnung gestellu
442
— Dm Toralezandriniiche BachweBen, —
Memor.
IV (t) 853
De
gêner.
et corr.
IV
792
' I 1118
V Ij) 1148
I
1850
V
828
II 1240
VI (É) 2 8 7Va
n
892
VI
558
m 1288
VU (i5) 1188
Meteorol.
VU
861
IV 1240
VIII (H) 8 58
I
1491
VUl
774
PUto, Repabl.
IX (e) 554
U
1505
IX
720
I 1279
X (1) 654
ni
709
X
828
II 1147
XI (K) 982
IV
1057
Eth.
Endem.
I
643
III 1893
XII (A) 687
de part animal.
n
835
IV 1147
XIII Im) 1087
I
648
m
582
V 1871
XIV(AO 577
n
1489
IV
587
VI 1166
de pUntis
m
1857
V
785
VII 1128
I 718
IV
1887
VI
877
Vin 1128
II 823
de
gêner, i
inim*
vn
1038
IX 941
Anal, priera
I
1484
vm
889
X 1147
I 3075
n
1661
Theophra
it, hisipL
Leges I 1316
U 1960
in
1358
I
1237
II 1110
Anal. post.
IV
1847
u
688
III 1868
I 1911
V
1081
m
1650
IV 689
II 1076
de
anima
IV
1734
V 978
Topical 859
I
846
V
758
VI 1570
II • 715
II
1074
VI
794
VII 1844
m 516
m
895
vn
712
VIII 1078
IV 786
histor. anim.
vni
1504
IX 1408
V 1052
I
946
IX
1441
X 1871
VI 1886
n
1016
cans. pi.
I
1686
XI 1184
vn 87 7
m
1263
II
1614
XII 1863
VIU 910
rv
1265
m
1650
Epinomis 866
Soph. elenchi
V
1602
IV
1301
Âristoteles Polit.
I 1059
VI
1851
V
1535
I 777
n 1031
vu
628
VI
1864
II 1438
Phys. anscult.
VIU 1552
Theophrast sonst norjd
m 1425
I 781
IX
2208
597(?)')
IV 1330
11 776
X
532
Theopomp je
2586
V 1615
m 716
Rhetorik
Oder 2143')
VI 6 4 5'/,
IV 1416
I
2325
Xenokrati
es ^<<rcK
Vn 1429
V 679
n
2464
je
1500
VIII 5 9 1
VI 973
III
1667
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650
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ders.
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I 1401
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I (A) 1096
n 1324
I
774
II («)14 7'/,
m 838
n
539
III (B) 671
IV 53 7
m
804
1) s. s. 169 (Usener, Bhein. Mus. XIII 315); vgL ebenda fiber Xeno-
krates, Speusipp.
') Entweder die 12 Bb. HeUenica xnitgerechnet oder nicht; b. S. 163 Note.
— Sdchometrie. Kleinheit n. Inconstans der Bachumfîloge. — 443
Diesen Theil der Litteratur las die Kaîserzeit somit in 774 RoUen,
woYon uns 234 erhalten sind. Zweierlei ist an ihren Umfangen
aufiallig. Erstlich ihre Kleinheit. Vom Homer stehen 36 RoUen
mit nnr 617 bis zu 372 Versen weit iinter dem Minimum. In der
Prosa haben nur 118 (nur 48 der erhaltenen) das spâter vorherr-
schende mittlere oder grôssere Format erreicht; 532 (137 der er-
haltenen) RoUen stehen un ter 1500 Yersen, 441 (mit Xenokr. â-éifetç
gar 461; 66 der erhaltenen) stehen unter 1000 und sinken dabei
haufig zu 700, zu 500 und weiter bis zu 358, 339, 237, ja 147 Versen
herab. Kleinheit der Rollen eignet den vielgelesenen Autoren (s.
S. 322; 325 f.); nirgends sehen vrir sie aber so conséquent durch-
gefuhrt, nirgends so utrirt wie hier. Man beachte noch, dass aile
Rollen unter 1500 Versen den Philosophen angehôren^).
Zweitens erregt die Inconstanz derGrossen innerhalb jedes
Werkes Anstoss. Man vergleiche die Verssummen Homer's unter
sich, sowie weiter besonders die durch den Druck ausgezeichneten
Zahlen. £in Herabsinken von 33 Buchseiten bis auf 16, also auf
die Hâlfte wie im Buch IV der Gesetze war mindestens ungeschickt.
Ein Buch von 9 oder 6 Seiten neben anderen yon 23 und 28 wie
in den Metaphysica scheint die grôsste Verlegenheit des Theilenden
zu yerrathen.
Vor aUem dièse eigenthumliche und tadelnswerthe Inconstanz
-wiirde nun durch die yorerwâhnte Hypothèse, dass die Buchtheilung
erst nachtrâglich eingefûhrt wurde, besonders einleuchtend erklârt
sein ; denn wenn die geeigneten Sinnpausen fur die Buchgrenzen erst
nachtrâglich gesucht werden mussten, war man damit fur die Buch-
grosse offenbar ToUstandig dem Zufall preisgegeben.
In der That lâsst sich dièse Buchtheilung fur yiele Autoren nun
aïs wirklich unecht erweisen; wirklich hat sich Athen noch
eines sehr viel unbeholfeneren Grossrollensystems be-
dient, das spâter Rom und Alexandria schlechthin beseitigten.
Das Buchwesen, mit ihm aber auch die Schriftstellerei der Autoren
selbst, war dadurch ohne Vergleich einfacher; Buch und Werk-
ganzes konnte noch zusammenfallen; man brauchte noch
nicht nach Bîîchern zu disponiren.
^) Auch der ganse Xenophon s&hlte aU philosophischer Autor.
444 — ^^ Tondexandriniache Bachwesen. —
Indem wir die Belege hierfur zusammenstellen, treten wir zih
gleich in die Untersuchung ein, 'wann das Princip der Buch-
theilung aufgekommen ist.
Erstlich edirte Thukydides seine (fvyyQatp^ nsQÏ tov Twliftw
%&v UëijOTïOVVfiaUùv xai ^AduivaUùV in einem einzigen Conyolut
Yon 23 144 Zeilen. Dies bezeugt der Scholiast dièses Antors; nnd
der des Aristides bestatigt es^). Dies war somit eine ungeheure
RoUe Yon et'wa 578 Seiten oder 81 Meter Lange.
Betreffs H orner' s steht wohl die Annahme besonders fem, dass
seine Epen so bnchweise, wie sie Yorliegen, geschaffen worden seien.
Wieder belehrt uns ein Grammatiker, dass ^die Alten^ yielmehr aile
Homerrhapsodiën zusammenzuschreiben pflegten and durch nichts
als durch das Zeichen der Koronis sonderten*). Entweder standea
die Epen also jedes fur sich oder beide in einer Rolie, und alsdaui
hielt das Buch somit 27 800 Verse. Die Grenzen der Rhapsodien
aber "waren zu Yerschiedenen Zeiten Yerschiedene*). Mnthmasslich
ist die sog. noXfianxoç (sxdofftç oder fiifiXoç?) ein derartiges Homer-
ezemplar ge'wesen, welches noch dem Seleukos um 100 y. Chr.
Yorlag^); so ^war aber auch die lateinische OduMa des Livius
*) Schol. Thuk. IV fin.: Sovxvdidtjç ov dulltv tîç UnoQiaç, àXXà ftier
cvvfyqàipttTo, Schol. Aristid. III s. 402 Dind. îajkov di on dvo tlci fiônt
(se. TOV l4çêauidovç) vnèQ ^ffToçtx^ç Xoyot' àkXà ai à t6 fÀ^xoç avimv d*^
^i^ficav (oç ai Sovxvâiâov laroçiair; Tgl. S. 317. Dies vird durch den
Umstand rollkommen best&tigt, dass es drei verschiedene Buchtheilungen gab.
Darûber s. unten. Mao sieht, was es mit der Selbst&ndigkeit des letzta
Haches aaf sich hat.
') Anecd. Venet. bei Dindorf Schol. I p. XIV (Reifférscheid Saet. rel
S. 143 f.) sich einf&hrend mit ravra ivçtjTat ïv nvt naXaif fitfiXi^, dann h
âXXtt) ovnoç, lehrt: iariov on ai ^atpt^diat 'OfÂ^çov naqà rùy naloMi^ sens
cvvâqfutv tjyavTo (Osann; tjvdœvro cod. Ven.; ^fiœyro cod. Rom.) xoçttri^
fnoyfi diaCTèXXôfiii'at, a 11^ di ohdfvL Auch die Vorlage des Tzetses (Exeg.
II. p. 45, 17) hielt die fiblichen Buchsahlen der Ilias jedenfaUs fftr jûnger als
die des Aristoteles, wenn es hier heisst, ihre Bficher wflrden nach den 24 Bndi-
staben ,zum Unterschied von den Schriften des Aristoteles** beseichnet
') S. Bergk, Griech. Lltter. I S. 497 Anm.; die Jêo/utjdopç oçêCïm
umfasste frûher Ilias V bis TI v. 311; UXxwov ànôloyoç IX (oder VUI) bii
XII u. s. f.
*) Schol. J 335 scheint Aristarch selbst auf sie eu Terweiseo, SchoL A 358
%
— Buchtheilung unecht bei Thukydides, Homer. — 445
Andronicus augenscheinlich nur ein ungetheiltes grosses Buch^).
Uod solche Homerexemplare scheinen sogar nie ganz abhanden ge-
kommen zu sein. £& ist hôchst bemerkenswerth und schon frûher
hervorgehoben, dass noch Ulpian eine RoUe Homer's mit allen 48
Rhapsodien kannte^). Im funften Jahrhundert existîrte zu Byzanz
eine solche HomerroUe, die seltsamerweise aus âçccxopioç svtsqov
bestanden haben soU und 120 Fuss lang war'). So konnen beim
Proklos und abermals in einem Gedicht des Antiphilos Ilias und
Odyssée als je ein Buch gerechnet werden*). Endlich aber erklârt
sich hierdurch noch die Ëigenthiimlichkeit, dass Epaphroditos zur
Zeit des Nero die Rhapsodien der Odyssée xsîfdXaia benennen
konnte^); xsifàXaiOV kennen wir nur als Buchtheil (s. S. 157 f.);
Buchtheil also "war die Rhapsodie auch fur diesen Grammatiker.
îhre Lesung adoptirt zu haben; wenn es Schol. A 340 hei^st: àntjyéoç' Sélivxoç
iy T^ nolv<nij(tp yçiicfn nyatdéoç (wober M. Schmidt des Seleukos Namen aucb
SchoL A 258 einfûgen vr'iW), so ist dieser Aristarcbeer nicbt etwa ihr Editor,
sondern er benatzte sie, wie Schol. a 381 JSiXivxôç qrjaêy iy tJj KvnQtç xtI,
Man bat die noXvcitxoç mit Kecbt fûr sebr ait erkl&rt (Lehrs Ari«t, S. 29;
Schmidt im Philol. III 454). Wie aber will man ihren Namen erkl&ren ? Dass
der Text hier so interpolirt war, um eine so wesentlicbe Zeilendifferenz zu
ergeben, ist doch nicbt zu glauben ; vielmebr war es eine fnoyofitfikoç nokvanxoç
im Gegensatz zu den 48 fitfiXkt 6Uy6<ntx<^.
^) Buchzablen werden nie genannt; Gellius aber sagt ausdrûcklicb
XVIII 9, 5 : offendi in bibliotheca Patrensi îibrum (nicbt libros) . . . Livi Andronici
qui inscriptus est ^QâvaaHu.
*) Ulpian, Dig. XXXII, 52: beim Légat ron îibri wird der Fall erôrtert:
ut puta cum haberet Homerum totum in uno volumine, non quadraginta ovto
libros computamus, sed unum Homeri voîumen pro libro accipiendum est, Dass
hier volumen fùr codex stebe, w&re eine ûberkabne Annahme, die durch
Ulpian's Spracbgebraucb selbst widerlegt wird (s. S. 98. 100).
>) Malcbns bei Zonaras Bd. III S. 256 Dind.; rgl. Eedren. S. 351 C;
Tielleicbt veranlasste nur die Schlangenform der aufgerollton Rolle die aben-
teuerlicbe Bezeicbnung des Materials.
^) Proklos (Gaisford, Poet. gr. min. II S. 7) avyiyçatparo *Haioâoç fiifikovç
ixxaidixa, "Of^fiçoç dt o nakutoç ty\ — Antiphilos Byz. (Anth. Pal. IX 192):
ai fiipXot tivtç icré; ... a /nia fAtv firjyéS-fioy Uf/«JUlioç fçya rc j|f<»çoç
*SxTOQéaç, âixérovç a^Xa Xiyii noXé/nov' à â* iréça /ÂÔ^d^y roy ^Oduacioç
xtX. Die fiipXoç 'O/uijqov bei Julian (Anth. Planud. IY 88) wage icb dagegen
nicbt zu benutzen.
^) Etym. Magn. p. 166 e. cod. Parisino: ^Enaffç. iy vnofÀyijffH (iç
446 — ^'^ Toralexandrinische Bachwesen. —
Dieselbe HomerroUe entdecken wir aber schon in dem Bûcher-
apparat jenes Schullehrers, welchen Alexis in seiner Komôdie Linos
darstellte. Linos befiehlt, der Schûler Herakles soUe sicli aus den
Tielen vorhandenen Bûchem eines aussuchen: fit^Xlop ivtàvd'ev
ô Tt fiovXêt nçoçeld-àp, naî, Xâfie; was in jedem Bûche steht,
erkennt er an den Aufschriften : âtatfxonœy àno %Av ènhyQaïkikàtmv.
Aus diesen Aufschriften aber ergiebt sich: ^Oçtpevç sp€(fTtPj ^Halo-
âoçj TQaytoâlaj ^Enix^Qf^^ç'OfAtjQOç XoêçiXoç, cvyYQ^'^lh
(Aata navxodand^). Darauf versetzt dann Herakles: xovxl Xaihfidvm,
nâmlich xovxi %o fiy^Xiov. Es ist klar, jeder Name bedeutet hier je
ein fiifiXiov. Darum steht eben der Singular TQaymdla; die Tra-
godien wurden einzeln edirt. Genauere Interprétation erweitert unsere
Buchkenntniss also dahin, dass wie Homer, so auch Hesiod, Orphens,
Choerilos, Epicharm') je ein Buch waren.
Gehen wir zum Herodot "weiter, so verlasst uns hier die Tra-
dition. Wer auf den Plan des Werks und seine Bucheinschnitte
Acht giebt, wird allerdings sehr bereit sein, den Satz EirehhoflTs
zu unterschreiben „dass die jetzige Gliederung in neun Bûcher mit
diesem Plan nichts zu thun hat und unmoglich yon Herodot selbst
herruhren kann')**. Ohne Vorwissen ihres Gûnstlings haben hier die
Musen Gevatter gestanden. Was aber vom Herodot, wird gewiss
auch von den anderen âlteren Historikern anzunehmen sein*).
xti^âkatoy f 'Odvoaiiaç; Tgl. Lûnzner, Epaphr. quae supersunt (1866) S, 41 fr. 47.
Apion war so schlau, die Buchzahl 48 in dem MH {y^v âcKfé) zu entdecken
und fûhrte dies natQrlich auf Homer zurQck. Solche Spielerei wird niemanden
beirren.
^) Athen. S. 164 B. C. Die Leaung der Worte lasse ich hier auf sich
beruhen.
^ Epicharm wurde damais schon lange nicht mehr aufgefÛhrt; er wir
Tollkommen zum Buchdramatiker, zum Lesebuch geworden; man scheint seinen
ganzen Nachlass in ein Buch gesiellt zu haben. Ueber ihn rgl. onten.
3) Abhandl. d. Berl. Akad. 1868 S. 3.
♦) Vgl. Mûller, fragm. histor. graec. I S. XXVII betxeffii des Hellanikos:
^distinctiones et difisiones operum librorumque ut in omnibus fere hnins aeCatii
scriptis a seriore quodam homine factae esse videntur**. Des Pherekydes
Heptamjchos batte nicht von der Siebentheilung seinen Namen (MfiUer a. a. 0.
S. XXXV).
— Buchtheilnng unecht bei Herodoi, Plato. — 447
Aehnlich steht es beim Plato. Schleiermacher strâubte sich
Tom Staat anzunehmen, dass „eine so ganz mechanische gar nîcht
gliedermâssîge Zerstûckeluog, die jeder ganz bei Seite stellen muss,
wenn er nicht soll in Yerwirrung gerathen^ von Plato herrûhre^).
Und Yon den Gesetzen heisst es nicht gûnstigçr, ihre Eintheilung
in Bûcher sei „bei ihrer rein eine gewisse Symmetrie des Umfangs
der einzelnen berûcksichtigenden Willkûr, gewiss ebenso "wenig
platonisch als die des Staats^)^. Zur Unterstûtzung dieser An-
nahmen darf erinnert werden, dass Aristophanes von Bjzanz in
Wirklichkeit so Staat als Gesetze fur je einen X6/0Çy d. h. „Buch^
in Rechnung brachte^).
Sehr deutlich redet die Tradition aber in anderen Fâllen. Es
sei hier zuYor hervorgehoben, dass Thukydides dem Alterthum nicht
nur wie dem Dionys von Halicamass und wie uns heute in der
achtgliederigen Buchtheilung Yorlag, sondem Diodor las ihn auf
ne un, der Thukydidesscholiast sogar auf dreizehn RoUen Yertheilt^);
dièse Abweichungen haben eben nur deshalb eintreten konnen, weil
1) Plato, Staat Einl. S. 4 f.; nur I fin. und IX fin. setzen sUrk ab; sonst
noch IV fin. u. YII fin.
^ Steinhardt bei Plato, fibersetst t. H. Mflller VII S. 359.
') Aristophanes ordnete immer 3 Xôyot zu Triaden oder rçdoyiat lu-
tammen, womit man z. B. Varro's Buchtriaden vergleiche (oben S. 133; vgL
S. 34 f.); in der ersten Trias standen Staat, Timaeos, Kritias, in der dritten
Gesetze, Minos, Epinomis (Diog. La. III 61). Dies Verfahren scheint tIoI be-
greiflicber, wenn hier noch Buchtheilung fehlte; und dafem nicht etwa loyoç
im Singular von einem xnehrbflcherigen Work nachgewiesen wird, so kOnnen
jene 3 Xôyot der tQdoyia sprachlich nur 3 fiifiXia bedeuten (s. S. 29). Thrasyll
imitirte und modificirte sodann dièse Trilogien, steUte Tetralogien her nach
Art der Tragiker und &usserte sich darQber wie folgt (Diog. III 57): „Es
giebt im Ganzen 56 echte Dialoge Plato's; darunter ist der Staat in 10, die
Gesetze in 12 Bflcher getheilt; Tetralogien aber smd es 9, wobei sowohl Staat
wie Gesetze je einBuch yertreten*' (iyoç fièfikiov jjfcuçai' Ivi^owniç), Also
Thrasyll war gozwungen, Xôyoç f^r eine Bucheinheit zu interpretiren; er musa
damm die Paradozie, dass er 10 Bb. ftïr einen Hyoç setzt, entschuldigen!
Was bei Thrasyll unsachgem&ss war, wird bei Aristophanes in der Saéhe be-
grftndet gewesen sein.
*) Schol. Thuc. IV fin. Diodor XII 37. XIII 42. Vgl Osaan, PhUoL
IX S. 543 f. KrQger, hUt. phU. Stud. I S. 259.
448 — ^'^^ voralexandrinUche Baehweseo. —
der originale Thukydides gar nicht getheilt hatte. Es wird dies nun
fiir uns zu einem bedeutsamen Fingerzeig. Wir sind im Verfolg
nicht nur berechtigt, sondem methodisch angehalten, bei den vielen
sonstigen alten Autoren, deren Buchtheilungen so wie beim Thoky-
dides differiren, darauf zu schliessen, dass auch ihr Original gamicht
getheilt war.
Dies trifft zuerst den Xenophon. Seine Hellenica sind, neben
der Siebentheilung, auch in 9 Bûchem umgegangen '}. Xenophon
edirte also nur ein Geschichtsbuch von gegen 10 000 Versen. Dio-
gènes Laertius (II 57) bestatigt dies und erweitert es, wenn er sagt,
Xenophon schrieb ,,ungefahr*' (f^QOç) 40 Bûcher (es sind 37) und
zur Ërklârung dièses ,,ungefâhr^ hinzusetzt: ,,denn die Einen theilen
anders ab als andere^)*'. Hiermit weist Diogenes keineswegs blos
auf die Hellenica: vielmehr nennt er danach aufzâhlend erst Anabasis
und Kyropâdie, dann erst Hellenica und Memorabilien. Ueberali
schwankte somit die Buchtheilung. Ueberali ist sie gleich verdâchtig.
Die Hellenica selber aber sichern unsere obige Folgerung, welche
sich YI 4, 37 singularisch als einen Xoyoç bezeichnen ').
Hochst lehrreich sind andere Sokratiker. Von Aristipp besass
man 25 ,,Dialoge^ verschiedenen Dialekts, jeder besonderen Titeis,
keineswegs aile wirklich in dialogischer Form. Dièse bildeten aber
eine Rolle*). Hatte jeder Dialog nur etwa den Umfang der V/vff-
qaaxaij so bielt dieselbe 8000 Yerse.
Vom K ri ton hatte man 17 Dialoge, gleichfalls èv svl ifiqo-
Hévovç fiê^XiiO (Diog. II 121), jeder besonderen Titeis. Analog
bemessen waren dies 5500 Zeilen.
Und femer standen it^ éyi fii^Uip 9 Dialoge des Glaukon
(Diog. II 124), etwa 2880 Verse; ebenso iy évl fi^^Uta 23 Dialoge
^) Vgl. A. Schàfer, Flcckeis. Ibb. 1870 S. 527, nachgewiesen aus Harpo-
kratioD, der s. v. JlèvicrM Hell. II 3, 36 aU Buch III citirt a. s. f. Dass
Stephanos von Byzans s. v. 'OXovqoç Hellen. VII 4, 17 als Buch XVI citirt, er-
kl&rt sich vielleicht so, dass man bei den 7 Bb. der Anabasis zu a&hlen anHob
und dann mit den Hellenica fortfuhr.
*'') àkloiy ukXuiç âtcuQowTioy ; vgl. Wachsmuth, Rhein. Mus. 34 S. 334.
^) «/^» ov bdi 6 koyoç ^yQtéffiTo; vgl. oben S. 29.
*) Diog. La. II 83 f. év ât (^i^Àtor) iv m dtciloyot itévTi xnl Hxoctv ni.
Sehwankende Theilung b. Thukyd., Xenoph. Sammelrollen des Aristipp a. a. 449
des Simmias (ibid.), etwa 7360 Verse; ebenso iy évï fit^Uœ 33
cxvTêxoi âtccXoyoê des Simon (Diog. II 122), etwa 10 500 Verse.
Viel reicher war der echte Nachlass des Antisthenes. Eaum
ist etwas so eigenartîg und unterrichtend als der grosse Katalog
seiner Schriften (Biog. VI 15 f.). Sie yertheilen sich auf zehn rofiotj
d. h. RoUen (s. S. 25 ff.). In jedem Tofioç finden sich melirere
Schriften besonderen Titels, wenn schon meist gleichen Cbarakters
yereinigt. Rhetorisch war die erste Relie mit 6 Schriften, philo-
sophisch die zweite und dritte, jede mit 9 Schriften; die vierte imd
fûnfte fassten nur je 2 Werke offenbar grosseren Umfangs (darunter
zweimal Kvqoç und ein ^HçaxXl^ç f*siZ<ûy)^); die sechste anschei-
nend 7, die siebente 21, die achte 7, die neunte {tïsqI ^Oôv(SCêiaç) 10,
die zehnte wiederum 7').
0 Dass Cicero ad Att. XII 38 {Kvqoç â'f) den Tomos IV a. V citirt.
Ut ToUkommen unsicber; KYPCAC giebt bier der Mediceus; ist dies vîelleicbt
^ Nar Monograpbien seben wir zun&chst in Tomos I, III (bier ist oîxo^
vùfnxôç Ton ntgi rixt^ç zu unterscbeiden), IV, V, VIII, IX. Femer entb<
Tomos II: 1) mçi Çtptoy ffvcftaç, 2) ntqt natâonotiaç 9 ntçl yàfiov içionxoçy
3) niQi Ttày aotfjcxiày; davon Tersebieden 4) tf^^vatoyyta/novixoç , femer fûnf
Protreptici: mçl dtxaMtrvvrjç xat àyâçiiaç nqorqinrixôç 5) nçtàroç, 6) âivnçoç,
7) TQiToç und mçi Siôyyidoç 8) jéxaQToç, 9) néfinroç. Die letsteren waren
offenbar f&nf unzusammenb&ngende Traktate. — VII: znerst f&nf versebiedene
Traktate ntQÏ nanfiiaç 7 èyo/nàrtoy nçàroç divnçoç rqijoç TétaçToç né/Ànioç,
dann 6) TttQÏ oyofjutrtay XQV<f*<^Çf ^) ^^frixog, 8) ntQÏ iqoiXfiatoiç xat ànoxçiaKaç
{rielleicbt sind 6 und 7 oder aucb 7 und 8 Doppeltitel eines Works), femer
nêçt c/o|i7Ç xat iincnj/nfiç 9) nçuiToç, 10) divnçoç, 11) rçiroç, 12) Tiraçroç,
13) nêQt Toî; àno&ayéïy, 14) mçi Çut^ç xai ^avarov (wobl mit 13 identiscb),
15) Ttiqï vày h Çdov, weiter neçi (fvtsttaç 16) Tigmoç, 17) âivriçoç (Cicero
Nat. deor. I 32 kennt nur einen dieser zwei libri physici) , ebenso iqtôvjfjia
niQi ffWTiwç, 18) nçôHroy, 19) âtvrtQov (es ist zu lesen jitql tfwfitoç aff,
içtârtf^tt n€Ql (f>vaiù}ç a^'\ Tgl. Ad. ^fûller. De Ant. vita et scriptis S. 41;
der 8ingular im Nominativ beweîst genugsam, dass içoirt^/na fi' nicbt „zwei
Bflcber Fragen'' bezeicbnen kann). — VI: der Text giebt bier: 'AXii&€$a niçi
tou dtaliynx&at àynXoyixôç JSad-cjy Ij Ttêçî tov àynkéyay ttfly nêçt âucUxTov;
wir kônnen die Zablen a fi' y nur nach Analogie der 5 Protreptici im Tom. II
interpretiren ; ygl. weitere Analogien union beim Hippokrates, sowie aucb beim
Demokrit S. 450, 1. Darum ist Sâ&toy als ibr gemeinsamer Titel unmOglich; wie
soUte innerbalb eines Tomos Bucbtbeilung stattfinden? Sebr unwabrscbeinlich
Blrt, Bacbwesen. 29
450 — ^^ ToralezandrinUcke Bachweseo. —
Dièse zehn Riesenrollen, die zehn festen Grundsaulen der Stoa^
sind dem Thukydides gewiss an Umfang gleichgekommen. Es sind
Sammelrollen, auf die der Gresammtnachlass des Mannes Ton ord-
nender Hand vertheilt wurde, and sie sind somit wobl erst nach
seinem Tode zusammengestellt Sie ergeben aber, dass die Buch-
fabriken auch damais fertige Rollen bestimmter Grosse lieferteo,
die einerseits freilicb den ganzen Antisthenes bei weitem nicht auf-
nebmen konnten, andererseits docb aber so stark waren, dass, bitte
man in jede nur eine Scbrift gestellt, eine Uebermasse leeren Papiers
geblieben wâre.
Der Eatalog des Demokrit sowie der Nachlass des Hippo-
krates tragen fur unsere Frage nicbts aus^); mebr der Dichter
Antimacbos von Eolopbon. Seine Ofifiaîç wird bis zum fonft^
ht femer, dass mçl lov dtaXéyia&at zugleieh dmkoytxôç (statt dêoXMMtinç)
hîesB. Dass der Sathon dagegen àynXoytxôç war, bezeagt Diogenes III 24, 35.
Ich lèse 'AXiiS-tia, Ttiçl tov dhaléyta&m, sodann avuXtyyèXoç, JSaSwy, nt^ nw
àynXéyity, nçtoroç, âivrsQoç, tqîtoç, und glaube, dass nçtmç sieh maf am-
loyixôç, âiVTiçoç anf JEd&ay, Tçiroç aaf mçt tov àvTtXàyièv bexieht.
') Ueber Hippokrates s. unten. Vom Demokrit gab es 9 hypomnematûdie
Schriften zweifelhafter Ecbtbeit, femer sp&tere Umarbeitungen (Diog. 12 49).
Uebrigens stellte Thrasyll ron diesem névrad^Xoç Iv ffikoaof^kt ein Qaioqaertioa
von etwa 58 Scbriften zusammen (ygl. Nietzsche Bcitr. z. Laert. Diog. Basel 1870
S. 22 if.). 54 Schriften erscbeinen ohne Buchtheilang; ron den ûbrigen ist
am auffâlligsten nf^l q-vffêtaç; es stehen neben einander: Iliçl (fécuaç nçênr.
Ilêçi ày&ç(ânov jvaêtoç ^ itfçt aaçxoç /}' (so Laur.; ij Burb.). llêgl yov. Zn
nçiûToy ist ein âevtfQoy zu gewârtigen; ofTenbar haben wir also zn yerstehen: Iltçi
àyd^çvânov (pv(T, § n, ff. âtvrtQov. Dies sind somit zwei Monog^aphien rer-
wandten Inhalts wie die zwei Pronrhetici des Hippokrates u. a.; Tielleielit ist
nach ntql yov noch ein y ausgefallen (eine Psychologie). — Auch der Kanir
nçtàroç devTSQoç rqiroç scheint ebenso aufzufassen; sonst wàre xayoyoç àfly
zn erwarten. Ausserdem notirt Thrasyll Utçl aXôyoiv yçafÀutûy xal yamùy f,
Aîriai mçi Ç^foy y; ob auch hiermit die Prorrhetici zu Tergleichen oder ob
hier damais wirkliche Buchtheilung rorlag, ist nicht auszumachen. Anch die
jiyrtloyujjy âvo, welche an letzter Stelle des monobiblischen Schriftenkataloge?
des Protagoras erscbeinen (Diog. IX 55), betrachte ich als zwei Schriften;
ygl. auch oben Antisthenes Tom. II, VII u. YI. — Thrasyll stellte im Demokrit
Tetralogien her; also muss doch wohl jede der 5 Abtheilungen durch 4 theO-
bar sein; dies trifft auf die Physica zu, wenn man die Kayôyèç ala drei
Schriften z&hlt.
— Sammelrollen de^ Ântisthones. Antimachos. Fhilolaos. — 451
Buch citirt und mocbte in yiel mehr Bûcher zerfaUen*). Oicero
aber tradirt ûber ibn in seinem Brutus (51) folgende Ërzâblung:
{Antinuichus) cum convocaHs aucUtoribus legeret eis magnum illuà
quod novistis volumen et eum îegentem omnes praeter Platonem rtU-
quissent, legam, inquity mhUo minus; Plato enm mhi unus instar est
mUxam. Jene ^aUbekannte grosse Rolle'^ (fitfiXoç fAaxQci) des
Antîmachos ist klârlicb seine Tbebais, und zwar die ganze. £s
ist erfireulicb, dass Cicero hier einem âlteren Erzahler so getreu
nacbgeschrieben.
Ein âbnlicber Schluss betrifift den nocb âlteren Philolaos.
Spâtere lasen von ibm drei Bûcher tkqï (pv(SBiùç^), Der âlteste
Zeuge, Timon von Phlius, indessen kannte das Werk als ein Buch,
und zwar war es im Yergleich zu anderen RiesenroUen noch eine
Wir gehen von der Zeit Plato's um eine Génération weiter und
sehen uns auch hier noch zu den nâmlichen Schliissen herausgefordert.
Es ist wie beim Xenophon die Beobacbtung der Diskrepanzen
in der Buchtheilung, wovon wir hier ausgehen, welche so wie
1) Buch III fr. 14 Klnkel, Bach Y fr. 20. Es soi hier dem Antimachos
ein Werk y das man ihm mit Unrecht geraubt, zurflekgegeben. Horaz sagt
An poet. 146 Tom guten Epiker: Nec recUtum Diomedis ab interitu Meleagri
Nec gemino hélium Troianum orditur ab ovo; su erstemVers notirt Porphyrion
(II 656 Hauth.) den Namen des Antimachos und fiLhrt fort: fuit cyclicus poeta.
Hic adgressus est materiam quam sic extendit ut XXIV volumna impleverit
anteguam septem duces usque ad Thebas perduceret; das betreffende Werk
mag also 48 Bb. gehabt haben; da nun unter diesen Sieben gegen Theben
maéh Diomedes ist, so kann hier keine Thebais, sondern nor ein Epos
*Mniyovoê gemeint sein, das sonst Terschollen bt and also unbeachtet blieb.
Doch hat sich ein Citât ans ihm erhalten, das filr irrig zu erkl&ren kein Grand
Torlîegt. Antimachos nahm, wie sonst so vieles (Porphyr. b. Easeb Praep.
er. X 3: iâ 'OfÀ^çov xlénjwy), seinen Anfang^vers ans dem Homerischen
Çydos herûber. Aristophanes Pax 1270 citirt den Anfang der Homerischen
*Bniyovoi; derselbe steht als Homerisch in Agon S. 19 N. Das Scholion sum
Aristophanes aber adnotirt: açx^ ^^ ^<ûv 'Enkyôvœy *Aynfidxov,
S) BOckh, PhUokos (1819) S. 18 ff.
') OeUius ni 17, 6, von Plato: noXlœv â* àçyvçimy oUyfiv filXà^ato
fiiflovi die Variante ^oJbii^V fllr fiifilop in Prolegg. Plat. c. 5 ist gewiss
452 — ^^' Toralezandrinische Bucbwesen. —
beim Thukydides nur unter der Yoraussetzung hinlânglich begreiflich
werden, dass das einheitliche Originalwerk keine Theilung autorisiite.
Dîes betrifEt zunâchst den Aristoteles und Theophrast, ûber
deren Textgescbiclite das Altertbum mit Nachricbten am wenigsten
karg ist. Wir werden bel ibnen darum aucb lângeren Aufenthalt
nebmen mûssen.
Waren die uns erbaltenen Lehrschriften dieser Fùbrer des Peri-
patos, bevor sie von unberufener Seite in den Bucbbandel gegeben
wnrden, wirklicb nur Akroasen oder Privathefte als Grundlage des
Lebrvortrags und Studiums im engsten Ereise, so wâre die Aeusser-
licbkeit der Bucbtbeilung bei ibnen am entbehrlicbsten gewesen,
wenn nicbt die Bucbgewobnheit selbst etwa scbon damais zu einer
solcben nôtbigte. Die Bucbzablen scbwanken aber gerade bier Tiel
zu hâufig, als dass man aucb nur versucben konnte sie wegzuemen-
diren. Wir notiren vom Aristoteles:
IlQOTQsrmxoç (exoteriscb), gewôbnlicb einbûcberig (Diogenes
Laertius, Anonymus des Ménage), stebt im Yerzeîcbniss des Ptole-
maeus mit 3 Bûcbem; was das Ursprunglicbere war, kann in diesem
-wie allen âbnlicben Fâllen nicbt zweifelbaft sein. — ^Eçomxoç à
giebt Diogenes (exoteriscb), wobl mit Recbt bei Atbenaeos S. 674 B
iy dsvxiqta iQWuxciv wiedererkannt. Der Index des Ptolemaeus
bringt 3, die Anonymi Appendix sogar 6 Bûcber ^Eçœuxci, — DêÇi
TTVsvgJLawç, gewôbnlicb ein Bucb, bei Ptolemaeus drei^), — Ta h
T&v vàgAùoy nkccTCûVOç beim Anonymus 2 Bûcber, bei Diogenes 3. —
Ms&oâtxcc beim Anonymus 7 Bûcber, bei Diogenes 8. — OeoêéxTOV
(Twaycoy^j ein Bucb beim Diogenes, beim Anonymus drei'). —
Qéde^ç iQconxaij beim Ptolemaeus ein Bucb, beim Anonymus und
Diogenes 4. — IIsqï (t^ç) lôéaç ein Bucb (Diog. und Anon.);
») Zeller (Phil. d. Gr. II 2^ S. 96) sagt „zu 3 Bb. erweitort oder ser-
legt'^; gewiss letzteres.
^) Wenn in der Rhctorik ad Alex. S. 1421 6 1 pluralisch auf rip'ai
Yerwiesen wird, so kann damit unmOglich eine einzige Té/ytj in mehreren
Bûchern bezeichnet sein (ZelIer S, 76 Note). Solcbe ars mûsste immer sin-
gulariscb bleîben. Es scheint bier yielmebr auf die sonstigen àhnlicb betitelteo
Werke Bezug genommen, die Diogenes auffûbrt: Tf/yuiy avyayay^ a^' oder
Té/vriç (}f]TOQtxtjç a fi', Tf/r»/ a, âkkrj lï/wj a fi'.
— Aristoteles. — 453
dagegen gîebt Syrian (zur Metaph. 901 A 19. 942 B 21) zwei Bûcher
jkqI iôséiy, Ptolemaeus drei Bûcher De imaginibiùs, und Alexander
Aphrodisiensis citirt sogar eîn viertes tkqI îôêùiv ^). — IIsqI tàyad-ov
ist beim Anonymus fÂoyàfiifiloç, bei Diogenes 3 Bûcher, bei Ptole-
maeus 5. Alexander citirt iy xâ fi' (zu Metaph. s. 218, 10 u. 13). —
HsqI (pviâv citirt Athenaeos als Monobiblos {iv %& tuqI çvtœv
S. 652 A), Diogenes giebt a fi', — 0va$oyy(OfA$xoy à giebt Diogenes,
q>vC$oyv(ûfÂMà fi' Anonymus. — Den &é(fetç nsQÏ tpvx^ç ce' scheinen
unsere 3 Bûcher neçi ipvxijç zu entsprechen. — Die JiaïqitSetç sind
17 Bûcher bei Diog. und Anon., 26 bei Ptolemaeus.
'OçKJfÂoi in 13 Bûchem geben Diog. und Anon., Sqo$ in 16 Bûchern
Ptolemaeus. — UçofiX^fiaTa ix twv J^fjtoxçiTOVj nur 2 Bûcher beim
Anonymus, sind 7 bei Diogenes.
Die Eudemische Ethik geben gute Handschriften in 8 Bûchem,
die auch Ptolemaeus verzeichnet; ein Codex Marcianus zâhlt dagegen
nur 5 (éd. Fritzsche, S. 244), so wie Diogenes ij&Mœv € (oder &)
notirt. Ausserdem besitzen wir die Nikomachische Ethik in 10'),
die grosse Ethik in 2 Bûchem.
^ATroQfjiAcctœy ^OfifjQ^xcùv afi'/d'e^' Diogenes, f Anonymus*). —
Die 0VG$Xfi àxqôaaiç hat 8 Bûcher; wenn der Anonymus if( giebt,
80 liegt es nahe fj[ herzustellen. Das Werk zerfiel in zwei Theile,
nsçii <pvae(oç zu 5 und negï xêpijtTsœç zu 3 Bûchem; Diogenes
aber giebt nsçi (pvaeduç mit 3 imd nsql x^yijaetoç mit nur einem
Buch.
Die Metaphysik steht mit ihren 13 Bûchem (ohne Klein -a)
auch bei Ptolemaeus. Dagegen giebt ihr der Anonymus x und des-
Bclben Appendix *'*). — nqayikatsia téxy^ç noêt/Tixi^ç a fi' Dio-
genes, entsprechend Anonymus, imd pluralisch citiren Ammonius
(De interpret. 99 A 12) und Boethius (De interpret 290) iy toîç
jïïsqI jrotfjTM^ç oder m îU>ri8 quos Aristoteles de arte poeHca scripeit;
1) Za Metaph. 566 B 16; hier will Y. Rose (Arist. pseudep. S. 191) fùr
^ ein ^ emendiren.
') Dièse 10 Bûcher sind wohl beim Anonymus mit ^d'txtày x' gemeint.
*) Hier ist beim Anonymus Tielleicht das $,' nicht mitgesfthlt.
*) £ine Verlesung Torsucht hier Zeller wahrscheinlich su maehen, doch
nicht mit GlQck (S. 80 Note).
454 — ^^ Toralezandrinische Bachwesen. —
entsprechend auch der Scholiast zur Nikomachischen Ethik YI
(f. 96 B Aid.) iv xâ nQftizfù tkqI notfiTixljç^). Dagegen erscHeint
iv t^ TttQÏ TiOêfjnx^ç bel Ps. Alexander zu Soph. elench. S. 299 B 14,
bei Hermias zu Plato's Phaedr. S. 111 Ast und bei Simplicius in
Categ. 43 A 13'). — Aber sogar înnerhalb eines Yerzeichnisses er-
scheint dasselbe Werk in yerschiedener buchhândleiischer Form.
Ptolemaeus hat N. 37 die ûblichen vier Bûcher der Meteorologicây
er bringt N. 76 dies Werk noch einmal in zweien. — Ebenso giebt
Ptolemaeus JIsqI ^(ûcùv ysvétfstoç erst in 5 (N. 44), hemach in
2 Bûchem (N. 77). Jene Theilung ist die herrschende geblieben.
Ueber eine dritte zu drei Buchern belehrt uns die Appendix des
Anonymus. — Dieselbe Appendix bietet fur nêQÏ Çiamy gAOçimif
nicht 5, sondem nur 3 Bûcher. — UeQÏ (Svo^xsUûv y ^^ identisch
mit nB^% y€Pé(fB<ûç xaï (p&OQaç /}''). — Noch sei angefugt, dass
Diogenes auffiUliger Weise zwar betreffs der àvahmxmy wniqmv
IksyàXiûV a fi' mit unserer Ueberlieferung stinmit, denselben aber
Yoraufschickt TiQatéQfay àvaXvxixâv cifi^ySs^Çfi. Es ist zu be-
achten, dass das erste der 2 Bûcher unserer Analytica priora noch
in 3 TfM7f»aTa zerfâUt, deren erstes wiederum weit grôsser aïs die
folgenden ist. Yielleicht haben wir uns das Werk bei Diogenes nach
dieser Analogie in 8 solche Tfjt^fuxta aufgetheilt zu denken. Gregen-
ûber diesen 8 sehr schmâchtigen Bûchlein wûrde dann in der That
der Zusatz fAsyccXœy bei den posteriora erst seinen rechten Sinn
erhalten*). Man beachte noch, dass der Anonymus das Werk erst
mit 9 und hemach noch einmal mit 2 Bûchem verzeichnet (N. 46
und 134). — Zur Verdâchtigung des dritten Bûches unserer Rhe-
torik sind die zwei Bûcher Rhetorik, die Diogenes nennt, ah
Argument verwendet worden*). Nehmen wir nun weiter mit Brandis
an, dass dièses dritte Buch unter dem Titel nsçï Xé^6(ûç a§' des
I) Vgl. Heitz, Die verl. Schriften des Ar. S. 91.
') Hier kann auch angenommen werden, dass die letzteren drei unser
einbûcheriges Poetikexcerpt citiren.
') Nach Alexander Âphr. su De sensu f. 106 B; Tgl. Heitz S. 77.
^) Mit dem Zusatz fdtyala, fÂixça wird die BoUengrôsse unterschieden,
worflber unten.
^) Sauppe, Dionysios und Aristoteles 66ttingen 1863 S. 32ff.
— Aristotelesy Theophrast. — 455
Dlogenes zu erkennen sei, so ist damit eine neue Discrepanz in der
BuchtheiluDg gewonnen ^).
Aber auch beim Theophrast finden wir ganz entsprechende
Yarianten. Die erhaltene Schrift tisqI (pvrœv ItnoQlaç enthSlt
î Bûcher; Diogenes giebt deren 10 an; Schneider (Theophr. opéra V
S. 232 ff.) vermuthet, dass das ûberlieferte vierte als zwei Bûcher
umgegangen sei. Apollonios citirt dagegen in seinen Mirabilia
(33; 41) das achte Buch (8, 4, 5} als ^^ das neunte (9, 18, 2) als
ç' neqï (pvx&v*^ er hatte also eine dritte Theilung, mit noch geringerer
Buchzahl. — Das Theophrastische Yerzeichmss beim Diogenes ist be-
kanntlich ein Conglomérat von vier Katalogen, deren drei nach
alphabetischer Reihenfolge geordnet sind'}. Der zweite Eatalog notirt
hier nun fur die JtatQéaetç des Theophrast zwei Bûcher, der erste
abweichend deren drei. — Ferner giebt der zweite fur das grosse
Werk der çvctxai âô^at 16 Bûcher, der erste dagegen 18 tuqI
qiwfMciv, welcher Titel zweifellos das nâmliche Werk bezeichnet
(Usener S. 15). — Ilegi <pv<f€(oç erscheint als Monobiblos im vierten
Eatalog, der erste giebt drei Bûcher negi (fvdêiûç^), — Der erste
Eatalog bietet endlich neçli Xi&(op a und rtsçl fiSTâXXtov afi\
^) Noch liesse sich erinnern, dass als Gesammtsumme der BQcher ûber
die Thiere Plinias VIII 45 gegen (ferme) 50, Antigonos Karyst. mir. 60
eogar gegen (a/fdoy) 70 giebt; ersteres mag man mit Hinzunahme sp&terer
Ueberarbeitangen erkl&ren (rgl. Urlichs Cbrestom. Plin. zur St.), fUr 70 werden
wir daran sweifeln; ûbrigens sind bierzn die r&thselhaften 40 Bûcber-Categorien su
rergleichen. — Offenbar b&ngen zusammen die oçoê ngo niv rontxœy afi'yd^i^'^
des Diog. und des Anon. oçvoy fiifikioy a, nntxûiy ^, Beim Diog. scbeint
hier der Titel des ersten Bûches zum Titel des Qanzen erhoben, alsdann aber
wûrde der Anon« ein Buch mehr haben« Eine Emendation versucht Zeller
8. 75 Note. — Alexander (sur Metaph. 560 B 25) und Simplicius (de coelo
8. 492 und 505) nennen Ton den Ilv&ayoçtxtx ein zweites Buch, w&hrend
Diogenes nur ein Buch mçê tiov IIv&ayoQikûy yerzeichnet; aber man kann
bei ihm das andere nçoç tovç IIv&ayoQiiovç hinzuziehen. — Endlich nennt
das Verzeichniss Dschemaluddin's 8 BQcher de animalium motu et anatomia
nnd 15 Bûcher de animalium historia.
>) VgL Usener, Analecta Theophr. Lpz. 1858.
') Usener S. 16 nimmt itiçi (pvanaç a als Theil Ton mçi tpvaiùtç afi'y;
ftllein in den F&llen des Tierten Katalogs, die er hierf&r Torgleicht, lautet der
Theiltitel doch nicht mit dem Gesammttitel identisch.
456 — ^'^ Toralezandrinische Baehweten. —
Ersteres Werk schloss sich an das letztere an (ygl. Theophr. nêçl
^i^' § 1)> dagegen wird nun aber tkqÏ fAetâlXuy sonst stets nur
als ein Buch angefiihrt ^), wie auch die dem Aristoteles zugeschrie-
bene fiovô^ifiXoç tkqï fiSTciXXmy (Simplic. Phys. 1, a. 468 B 25.
Damasc. 454 A 22) mit Recht far das nâmliche theophrastisch^
Werk gehalten wird').
Indicien anderer Art werden der Terminologie entnommen. £s
giebt hierfur zwei Beispiele. Im zweiten Bûche der Schrift mç*
(fvi&v, die des Aristoteles Namen trâgt, S. 822 B 32 lesen wirr
ixTS&eixafuy ahtaç èv ta ^futéQtp fiêfiXUo va fuçi luxêm^mv,
Dies ist unter den so zahlreichen Selbstcitaten des Aristoteliscben
Schriftencorpus das einzige, in welchem von dem Terminus fitfiUoy
Gebraucb gemacht wird. Dass die Scbrift De plantis nicht Aristo-
teles selbst zum Autor bat, ist aUgemein anerkannt; danim fblgt ma
der Form des Citâtes nicbt notbwendig, dass es interpolirt seî.
Einerlei aber, ob interpolirt oder nicht, es setzte der Urheber jener
Worte jedenfalls des Aristoteles viertheilige (àetswQoXoyucd als ein
einziges fi^fiJiSoy voraus, auf deren zweites Bach (S. 365 B 1) hier
Terwiesen wird, ein fi$fiXioPj das ûbrigens nicht mehr als 4800 Yeree
hielt»).
Das zweite Beispiel betrifft den Theophrast. Plinius citirt Nat.
hist. m 57 eine Bemerkung desselben ûber das italische Circei:
1) Vgl. Pollux Onom. VII 99. X 149. Alex. Meteor. II 161 Id. (vgl.
Zeller S. 90 Note).
') Usener S. 19 setzt das zweite Buch nêçt ^êraHoiv gleich m^t H^tjr,
Bodass der erste Katalog daa Gesammtwerk und einen Theil desselben neben
einander Terzeichnet haben mûsste. Indess wird JU^ç am Eîogang der er-
baltenen Schrift su fiéraXXov so gegens&tzlich definirt, dass dièse Vermathang
nicht wird gelten kOnnen. Und wenn es ebendaselbst (de lapid. 1) heisst:
ntçt fiiv ovy ttày /uiTakktvofAfytay iv âXXoiç ud-itôqtiTat' nfçi Ji rovivr
(das ist ki^y) yvy kéyœfÀiy, so ist mit dem iy âXkoiç ausdrûcklich auf ein
anderes Werk (die zwei Bûcher mçi fitJuXXiûy) hingewiesen.
') Keinen Gebranch wage ich dagegen zu machen von SehoL Homer C 2:
IdQkCToréXfiç ât iy i^ nêçi ^œtay /LifibtyrjTa& C^pov fxnçyov xrk, (vgl* Rose 311)»
ein Citât, das sich in koinem der Bûcher unserer Thiergeschichte wiederfindet;
auch kônnte Verschreibung sein, wenn Alexander Apbrod. bel Oljmpiodor
(in meteor. I S. 133 Id.) die Schrift itiçi yiyéaiuiç xal ^^çaç als ein Bach
bezeichnet.
— Âristoteles, Theophrast. — 457
Theophrastus qui primus extemorum aliqua de Romanis dih'gentius
scripsit Cerceiorum insulae et mensuram posuit stadia octoginta
in eo twîumine quod scripsit Nicodoro Atheniensium magistratu qui fuit
urbis nostrae CCCCXL anno, Gemeint ist hier die uns vorliegende
Stelle der PflanzeDgeschichte Y 8, 3: r^ç âè yrjtfov to fAd/sd-oç
nsçi oyâo^xopta axadiovç, Weil Theophrast als erster eingehender
ûber rômîsche Dinge gesprochen, so bestimmt Plinius das Abfassungs-
jahr seioer betrefTenden Schrift genau nach dem Ârchonten '). Nehmen
"wir nun, iivie wir mûssen, den Wortlaut des Plinius genau, so ist
das citirte, uns vieltheilig vorliegende Werk zwar schwerlich fur ihn
selbst, gewiss aber fur seine Quelle, deren Worte er beibehâlt, noch
ein einziges volumen gewesen'). Wir haben aber noch weiter vor-
zugeben. Der Name des Nikodoros kommt in der Pflanzengeschichte
des Theophrast garnicht vor. Wie konnte sie also nach ihm datirt
werden? Wir haben das inhaltlich so nah verbundene Werk De
causis plantarum aufzuschlagen; an seinem Anfaug ist wirklich das
Archontat jenes Mannes ganz beilâufig erwâhnt'). Wir gelangen
Bomit zu der Yorstellung, dass das eine volumen des Theophrast,
das Yon Circei handelte und en' aqxovxoç NiXoâùiQov abgefasst
war, die beiden Pflanzenwerke zugleich und zwar muthmasslich so
uxnschloss , dass De causis plantarum voraufging. Dièse Rolle
nâherte sich alsdann mit 19 863 Zeilen dem Umfange der Thukydi-
deischen.
Hatte Aristoteles die exoterischen Schriften wie den Protrepticus
und Eroticus selbst einbûcherig edirt, so wissen wir von seinen wie des
Theophrast Schulschriften dagegen, dass sie imedirt bis auf Neleus
weitererbten (s. S. 458, 2; 437, 2); nur Mitglieder der philosophischen
Gesellschaft, die den Autoren durch gleiches Streben nahe standen,
1) >'ikodor war Archon 01. 116, 8 oder 314 ▼. Chr.; Tgl. Diodor 19, 66.
C. J. G. 105.
^) Yielleicht darf auch Athenaeos S. 61 Sfôqqwnoç Iv i^ mçt tfvxiàv
Unoçkeç so gedeutet werden (fr. 168 Wirniner), welches Citât in dem erhaltenen
Tezt nicht rorliegt.
') 119, 5, wo 68 Ton den Oliven beisst: ixaaQxovyrat yàç xai ànoXXvaat
to ilaioy .... onfQ ijdrj xai nçônçoy nokkâxiç yéyovt xai fo nXivraîoy ^âij
in* açx^^^^^ NtxoâtûQov,
458 — ^^ Toralexandrinische Bnchwesen. —
fertigten sich von ihnen Piivatabscliriften an^). Erst oachdem aie
Neleus aus den Hânden gab, ist eine erste, unYollstandige Edition
derselben von Seiten der alexandrinischen Bibliothek besorgt wor-
den'); eine zweite, vielleicht ergânzende, nnternahm der Bibliophile
Apellikon, der Teier'), eine dritte auf Grund mehrerer Tariiren-
^) Die Lehrschriften wurden gewiss den Yortrftgen aie Leitfaden su
Oninde gelegt (j^xçottfÂtvot angeredet Sopli. elench. 184 B 6), und aie atanden ohae
Frage fiHr Mitglieder der Schule zur Abschriftoahme sur Verfïkgang (ygL Zeller
8. 138). Wenn Ëudem ausserhalb Athens lehrte, so that er dies auf Grand
Bolcher Copien, die er nicht nothwendig von allen, sondem ron beliebigen
Werken des Meisters genommen. Eadem wie Tbeophrast Terfassten aodann
neue Scbulschriften , fûr welche aie nach Belieben aucb die des Aristotelei
wCrtlich za Grunde legten: aucb dièse auff^Uige Tbatsacbe erklârt aich ans
dem blossen Lebrsweck innerbalb der Schule; es schien hier eben eine andere,
lebrbarere Fassung desselben Materials prakti^ch geboten. Instnxktiv iit
hier besonders jene Ânfrago» die Ëudem brieflich beim Theophraat betrefi
einer Lesnng der Aristotelischen Physik gethan bat (Siroplic. zn Arist. phji.
404 B S ff.). Wir folgem : h&tie schon derzeit eine mechanische VerTielfidUgonf
der Akroasen per ecdosin existirt, ans der das Physikexemplar des Tbeophrast
und das des Ëudem stammten, se war zwischen beiden Ëxemplaren eine erheb-
liehe Differenz der Lesung damais ebenso unwabrscbeinlicb, wie aie heutsutage
bei zwei Exemplaren desselben Drucks unmôglich ist. Wir mûssen also entweder
das sohwer Annehmbare annebmen, dass schon damais zwei concnirirende
Editionen der Physik nebeneinander gingen, die dem Ëudem nicht beide zar
Yerfûgung standen, oder vielmehr, dass es nur Privatabschriften gab. Ton dem
einen und andercn Interessenten fbr eigenen Gebrauch ang^fertigt, in denen
▼iel h&ufiger die Subjektivit&t des Schreibenden Textvarianten erzeugen mnsste.
') Die Nachricht bei Asklepios (Schol. Âr. 519 B 38 f.), Arist. habe den
Ëudem mit Edition der Metaphysik beauftragt, ist gewiss so ersonnen, wie jener
Brief Alexander's (Gell. XX 5), worin es heisst: ovx 6ç9^wç inoir^aç ixâoèç
Tovç àxçoanxovç; die Nachricht bei Alexander Aphrod. (zu Metaph. 760 B 11 £),
Ëudem habe die Metaphysik edirt, kann aus der bei Asklepios berrorgegangen
sein. — Dass die Akroasen bis auf Tyrannie unbekannt wareu, ist falsch (vg!.
Zeller S. 146) , somit aucb die ganze Geschichte Tom Keller in Skepsis
(Strabo 608; Plut. Sulla 26); Neleus yerkaufte die Bûcher an Philadelphos
(Athen. S. 3 B). Dass in Alexandrien dann eine Edition gemacht worde,
deren Bestand die Eataloge des Diog. und des Anon. nach Hermippoa dar-
stellen, ist bes. ron Heitz dargethan worden.
^) Strabo wenigstens bezeugt £Ûr ihn S. 608 eine fôrmlicbe Edition: èlç
àyriyQtttftt xatvà /niT^yiyxi T^y YQa(fviv àyanlijçûîy ovx év xal i^iémntP
êtfAaQxàâtay nl*i^fi rà fitfiXia. — WoUte man anekdotenhaft gefîirbte Berichte
— Editionen des Aristot., Zusammensetzung seiner Pragmatien. — 459
der^} altérer Textesrecensionen Tyrannie zur Zeit Cicero's und Androni-
kos. Man ersîeht : dièse se indirekte Traditon ist nicht im Stande iîber
die originale Bucbbeschaffenheit der einstigen Akroasen irgend ein
Zeugniss abzulegen. Ueber die Art, wie jene Editoren wirthschafbeten,
konnte eine genaue Betracbtung des se unordentlichen Zustandes
dieser Schriften selbst belehren. Noch der spâte Porphyrios besass
aber hieriiber eine Yorstellung; derselbe stellte 54 Monograpbien des
Plotin zu 6 Enneaden zusammen ((fws^éQfjda) und vergleicht mit
dieser Anordnung eben dea Aristoteles des Andronikos: Andronikos,
bemerkt er, stellte Pragmatien her durcb Eintheilung (âêsXlê),
indem er in jede Pragmatie Stûcke ebenso verwandten Inhaltes
yereinigte ((fvvayayaiv), wie die Bestandtheile einer Plotinenneade
un ter sich verwandt sind').
Nehmen wir diesen Yergleicb genau, so wâre eine Pragmatie
des Aristoteles also, wie eine Ënneade Plotin's, nach Andronikos'
Anordnung eine Sammlung Yon Monograpbien und zwar ver-
wandten Inhalts. Und bei nâherer Einsicht der Pragmatien bestâtigt
sich dièse Définition in der That in nicht wenigen Fâllen. Sie trifPt
80 zu auf Physik wie Metaphysik wie Politik').
ausgleicheDy so liesse sich annehmen, navra beim Atbenaeos sei UebertreibuDg;
Ptolemaeos kaafte nur einen Theil der Bficher von Neleus, der Rest kam an
ApellikoD.
') £r coUationirie mehrere Texte: h anaat rolç àvnyQÔtfOêÇf Dezipp.
SQ Categ. S. 25 Sp.
^ Porphyr. viu Plotini c. 24 (S. 23 éd. MOller).
>) In der MeUphysik geben Buch I III IV VI VII VIII IX eine su-
sammenh&ngende Untersuchung ; sachlich, aber nicht formell stehen damit
Bttch XIII XIV in Zusammenbang; eingestellt ist femer eine Monographie als
B. V (ron Arist. selbst&ndig citirt aïs rà niqt lov nocaxtiç vaià so nicht im
Katalog des Diog. a. Anon.); eine andere als B. X, eine dritte als XII; das
B. XI f> noch swei weitere unzugehOrige Traktate ein; ein anderer Fetzen
ist Klein -a. So steht in der Physik Bnch VII flUschlich, und Tom sechsten
erfahren wir: on io vvy n^oxfifAtvov fiifilioy rp Ta|é» fÂità ro nt^nny êcri
âtiXoî fiiv xaî 6 Evârj/Lioç ... xal UvdQÔyêXoç dé mùrtiy rijy râ^êy idvtok niç
fièfiXioêç ànodiâtoaty (Simplic. phys. S. 404 B 38). Das leUte der Thierge-
•chîehte ist wiederum eiue Monographie {ImiQ rov fâ^ yiyyày a). Derselbe
dr«ibQcherige Complez ist sowohi der Ëudemischen wie der Nicomachischen
Btbik einrerleibt (Eudem. IV— VI. Nicom. V— Vil). So ist in der Politik
460 — ^'^ Toralexandrinische Buchwesen. —
Und hier eiinnem wir uns des Hippokrates. Das Corpus
Yon Traktateu, das diesen grossen Namen trâgt, bietet fur die Ent-
stehung des Aristotelischen um so nûtzlichere Analogien, je einfacher
sich bei ihm das âtatQsXv und iSvvdystv seines Redaktors erweist;
Porphyrios batte seine Enneaden mit den Hippokratischen Pragmatien
in der That noch weit schlagender vergleicben kônnen. Sie sind
wirklicb grossentbeils Sammlungen von Monobibla, die inbaltlich
unter sich nur verwandt sind und zwar eine Nummerirung erhielten,
sonst aber an Selbstandigkeit nichts verloren; solche Monobibla yer-
schiedener Autoren sind De morbis Buch II, m und lY, wozu Bach I
noch drei verschiedene Traktate (darunter tuqï if^nvtoy) hinzufugt;
bei Galen kommen I und lY noch gar nicht in Zâhlung. Auch die
IlQOQqfjtixoi ngétoç und ôsvtêqoç haben nichts mit einander zu
thun, und so fort*).
Bach YII Ton III darch Einschub von Terechiedenen susammenhingendeD Âb-
handlungen abgetrennt, deren ûberlieferte Beihenfolge jedoch gleich&Us leb-
haft bestritten ist. An f&nfte Stelle ist eine Specialabhandlong ûber die Yer-
ftnderungen der Staatsformen geschobén, die hinter dem Umfang der nm-
Btebenden Bûcher weit zurQckbleibt; endlich steht aacb B. I lose fbr sidi;
seine natûrliche und angekQndigte Fortoetzang ntçl ywa^xoç xal àrd^^ç te*
téxyojy xai narçoç r^ç rc mçi ïxaatoy avvûv ciQiifjç ist rerloren; die letsten
5 Zeilen uîçTt intl xtX. sind sichtlich von der Bedaktion angeftigt, um den
Uebergang £u Buch II zu ermôglichen. Wer die ursprûnglicben Monogrmphien
reconstruiren will, m5ge sich nicht allzustreng an die Qberlieferten Buchgrensen
halten; anders machte es Alexander von Aphrodisias, der von der Météorologie
das vierte Buch und den Schluss des dritten lostrennte, um sie nicht
glQcklicher als drittes (?) Buch der Schrift nêçi yèviattaç xal (f-^oçàç zu rechnen;
ebenso Ammonius; ygl. Heitz S. 78 Note (die Worte tovç ngoirovg Tuiy fumâ^»^
Xàyovç bei Olympiodor erscheinen interpolirt).
^) Man yergleiche hierûber die Praefationen Ton Ennerins, der weiter
Ton den 7 Bb. der Ëpidemien sagt (Prolegg. Vol. I fin.): ^Epidemiarum libri
omnes fortuitam habent divisionem in libres . . ; diTisio illa in librum I, II etc.
recentiore deraum aetate facta esse potest''. Von den Ëpidemien sind I u. III
nach dem Urtheil der Ahen ein Werk; einige inskribirten sie darum ix ni
/nixçov ntyaxidiov (Galen de diff. respir. II c. 8); ihr Inhalt Teranlasste den
Gesammttitely der auf II u. VI nicht zutrifft; dies sind cufoçic/noi (schon Ton
Galen bemerkt); II, lY u. VI soU Thessalos zur Publikation zusammengestellt
haben {avy&éiyai); V u. VII endlich sind zwei um violes jOngere Schriftea.
Nur in De Tictus ratione besitzen wir ein zusammenhângendes, in S Bb. zer-
— Hippokraies. Theopomp. — 461
YerlaDgen wîr endlîch in einem Beispiele mit der Auflosung
einer Rolle zu mehreren auch das Motiy, das sie yeranlasste, in
ausdrûcklicher Yerbindung zu seheii? Hippokrates vermag auch dies
zu geben. Die zwei Schriften nsQÏ àyymv und TtSQÏ aqd'QfùV er-
weisen sicli der neueren Elritik vielmehr als ein Werk^); Galen
aber weiss wirklicH mit einem €V^oi ^a(SêV zu berichten: oiôè
dtfiQ^C&aê TiQOç ^iTiTiOXQccTOVç tù (WyyçccfJtfiaTa , YQatffivai âè
iy ôXov àfHpcû ... ô$atqs9fivai ai varsçoy vno xivoç àlç
évo dtà To ikéysS-oç^), Man theilte wegen der RoUengrôsse!
In der That hielt die Sclirift 5200 Zeilen, vorausgesetzt ûberdies,
dass uns der Text vollstândig vorliegt'). Anstatt mm xa%^ ïfjxqsXov
tt§i herzustellen, sonderte man hier vielmehr zwei an Grosse un-
gleiche Sachtheile (I hat 1768, Il 3434 Verse) unter Separattiteln,
womit des Aristoteles Parva naturalia sich passend vergleichen lassen*).
Eilen wir endlich latreum und Peripatos zu verlassen. Denn
uuser Yorhaben ist noch keineswegs zu Ende gefuhrt. Zeitgenosse
des Aristoteles war der grosse Historiograph Theopomp. Auch bei
diesem hat offenkundig die Buchvertheilimg geschwankt. Diodor
kennt des Theopomp Philippica in 58 (16, 3; vgl. Photios), desselben
Hellenica in 12 BQchern (13, 42). Suidas tradirt dagegen die voll-
kommen correkt gefasste Notiz: syçaipsy inttOfA^y t&v ^Hçodôtov
t<froQtwy iv ^i^Uotç §!, O^hTtruxà iy fitfiUoiç o^', ^EXlfjptxàç
î(ftOQtaç, inovxai ai ratç &ovxvdldov xai Seyo(f£ytoç xai stay
iy fiifiXloêÇ ia\ Die Hellenica erscheinen hier also nur in 11, die
Philippica erscheinen vielmehr in 72 Rollen. Die Analogie dièses
Falls mit Thukydides, Aristoteles u. s. f. wird sich wohl schwerlich
wegdeuten lassen^). Diodor selbst aber scheint die Inconstanz der
legtes Werk; De insomniis (899 Yr.) scheint hier irrthflmlich von B. III ab-
gesprengt, daa dadurch su 1198 Vt. abgerandet wftrde (s. oben S. 441).
') Die Kweite verweist Cap. 120 mit tiçtiruè de xat nçoa&iv ijdtf aaf
Cap. 13 der ersten.
^ Galen, comment, de officina med. p. 323 K.
') Ermerins III S. XXXIII setst îhn ur^prQnglich Tollstândiger roraus.
^) Die Texteinheit von De sensu bis De anim. motione bildet 6 Schriftchen;
nicht anders auch die Gruppe De longit* et brer. vitae, fie inv. et senectute,
De respîr., De san. et morbo.
^) Nothausflucht ist es anzunehmen, die Zabi 72 sei dureh Hinzurechnnng
462 — ^*^ Toralezandrinische Buchwesen. —
Buchtheilimg Theopomp^s zu bestâtigen; denn die Sicilische 6e-
schichte der Bûcher XXXIX bis XLI las er yielmehr in ^ka a^Qi
t^ç fb/ (Diod. 16, 17).
Des Ephoros Buchsumme (30 Bb.) wird uns zweimal ge-
nannt. Es darf vielleicht angefuhrt werden, dass als Platz fur die
Beschreibung der Nilûberschwemmungen in Frgm. 109 das funfle
Buch seiner Historien erwartet wird, wâlirend sie sich aïs iv ti h-
ôexccTi^ citirt findet. Docb kann hierauf kein Grewicht gelegt werden').
Mit Timaeos betreten wir das dritte Jabrhundert. Auch er
scbeint noch auf die nâmliche Annahme zu fubren; Poljb hat ihn
anscheinend in wenigeren und grôsseren Rollen aïs die Spâteren
gelesen. Derselbe las (12, 25; 26) die Reden des Hermokrates
(fr. 97) und des Timoleon (îr. 134) in einem Bucbe und zwar iy f^
/M^ xaï €Ïxo(n^ fi^fi^Vi Mûller (I S. 226) fordert dafûr gemass der
sonst bekannten Buchvertheilung vielmelir die Zabi Tçiaxoct^ und
fur beide Reden Stellung in verschiedenen Bûcbem.
Wir yermeiden annoch Alexandrien und geben aach Rom.
Ennius ist der erste, der in Rom ein Werk in mebrere Bûcher ge-
theilt hat. So wie dagegen des Livius Andronicus Odyssée ein
Uber war (S. 444), so erfahren wir dasselbe auch noch unmittelbar
am Schlusse des dritten Jahrhunderts von dem Bellum Poinicum des
Naevius, welches die Spâteren in sîeben Bûchem lasen; Sueton
(de gramm. 2) meldet hierûber: ut C, Octamus Lcmipadio Naevn
Punicum bellum (se. retractavit) quod uno volurmne et continenti scriptura
expositum divisit in septem Uhros, AIso noch dies Epos stand in
seiner Originalausgabe in einer Rolle, die dem Werth von spâter
sieben Bûchem gleichkam; ihre Satumier waren dabei wie Prosa
geschrieben, womit die erste Scipioneninschrifb und die Satumier der
italischen Dialekte zu vergleichen sind. Wir taxiren dièse Rolle
somit auf ungefahr 7000 Zeilen. Noch in Cicero's Zeit benutzte
Santra Exemplare dièses Umfanges^). Es scheint, dass Rom, mit
der Ëpitome und Hellenica entstanden. Dies widerlegt die Fassung des Suidas-
artikels selber.
*) Auch frg. 9 und 108 wird an der Buchzahl gezweifelt.
^ Santra b. Non. S. 170, 21: quod volumen unum nos lectitammus, id
postea invenimus septifariam divisum.
— Timaeos. Xaevius. Letzte Ausl&ufer des Grossrollensystems. — 463
Ausnahme des Ennius^), an der alten Buchforin bis zur Mitte des
zweitcn Jahrhunderts festhielt. Der Aequale des Naevius, Fabius
Pictor, schrieb seine Ictoqia in griechischer Sprache, bei der von
Buchtheilung nichts verlautet'), wâhrend doch ibre jûngere lateiniscbe
Bearbeitung auf mindestens vier Rollen zerfiel (Gell. Y 4); ebenso
wenig verlautet von einer Tbeilung beim Cincius Alimentus'). Und
auch das ius Aelianum war, wie das Papirianum und Flavianum, ein
einziger liber (Pomp. Dig. I 2, 2, 7), dessen Titel Tripertita den drei-
facb gespaltenen Inhalt anzeigte: le^ XII tabularum, interpretatio und
legis actio (ebenda 38). Sobald wir dagegen zum Cato, Acilius
(Consul 155), Postumius Albinus (Consul 151) weiter geben, bôren
wir von Bucbzablen*).
Wir baben durcb die getbane Ueberscbau ein GrossroUensystem
kennen gelemt, das sicb in Rom erst im zweiten Jabrbundert vor
Chr. auslebte und nocb bis zu Santra, Epapbroditos und Ulpian
Exemplare gelangen liess. Ihm gegeniîber muss das offenbar jûngere
Princip der Bucbtheilung als ein eminenter Fortschritt erscbeinen, der
im Interesse des lesenden Publikums gemacbt worden ist. Wir fragen
nunmebr: wem wird er verdankt? "welcbes Zeitalter bat die Bucb-
theilung erfunden? wo zeigt sicb uns fur sie ein erster sicberer Beleg?
In unserer Exemplifikation feblte von den bedeutenden Autoren
kaum einer, und der Mebrzabl von ibnen wurde die grosse mono-
biblische Form mit Sicberbeit vindicirt. Es liegt nabe unsere Be-
obacbtung zu verallgemeinem und anzunebmen, dass die Sitte der
Bucbtbeilung der Zeit des Tbukydides, Antistbenes und Tbeopbrast
nocb ûberbaupt unbekannt war. Denn bâtten dièse Autoren sie
scbon vorgefunden, so erscbiene unbegreiflicb, dass sie sicb ibre
Yortbeile anzueignen versâumt bâtten. Wir werden demgemâss ge-
neigt sein, von der Bucbtbeilung ebenso auch bei allen zeitgenossischen
Autoren abzuseben, bei welchen dies moglich ist, und stellen unsere
^) Ueber ihn s. untcn.
^ Dion. Hal. Antiqu. l 79 iy i^ nçârfi ist nar Conjektar Kiessling*!,
die er selbst (zur Eritik des Dion. Basel 1868 S. 15) surftcknimmt. — Der
Jnrist Fabius Pictor ist ein anderer.
') Verschieden Tom Juristen Cincias (Hertz, De Cindis, 1842, S. 61 ff.).
*) Lir. 36, 14 : Adlianos liifros; Macrob. III 20, 6 : PostAUfinus armaH primo.
464 — ^'^ Toralexandrinische Buchwesen. —
Frage nâher dahin: giebt es einen âlteren Autor, bei welchem die
ûberlieferte Buchtheilung sich als unentbehrlich und somit ur-
sprÛDglich erweist?
Suchen wir indess erst von der Praxis des grossen RoUenbuchs
selbst eine nâhere ÀDSchauung zu gewinnen; horen wir erst, vie
merkwûrdig einmal Isokrates in dieser Rûcksicht sich ge&ussert bat
Scbon Isokrates batte fur seine rbetoriscben Scbriften den Yorwurf
ûbertriebener Lange, des fuxxQOTêQoy tov âéovzoç zurûckzuweisen;
er tbut dies (XII 136), indem er nur fur solche Zubôrer gescbriebeo
baben will, die an keinem nocb so grossen Umfange der Reden
Anstoss nebmen, ,,ob der Umfang sich aucb auf zebntausend Hexa-
meter belaufe** (ovâ* ^ yLvqUùv in&v ^v %6 /i*^oç); er wolle yiel-
mebr fur dîejenigen scbreîben, ^welcbe immer nur einen Theil
solcber Rede lesen und durcbnebmen^. Die Bestimmung ibrer
Tbeile aber bleibt nocb dem Belieben des Lesers (rsp.
Yorlesers) ûberlassen. Es beisst von diesen Lesem eben: %Av
i(p* avtoTç àlpat voi^^ovvtiûv zodovTOV àpayv&vm fié go ç xcà
âêêXd'éTy onodov av avTol fiovXdûyvai, Hiennit vergleiche
man nocb die ganz entsprecbende Aeusserung desselben (XY 12):
XQfj > > . fiij ifjTsty êv&vç ifcsXd'ôvTaç oXoy airoy (se. Xoyov)
âêsXd'sTp, ttXXà TOCfovTOV fjbégoç odov fjbij Xvnijtfst tovç ftagovraç.
Man ûbersebe erstlicb niebt, dass Isoktates eine Scbrifteinbeit
von 10 000 Versen fur môglich hait, ohne selbst nocb irgend eine
Vertbeilung auf mehrere Bûcher vorzunebmen! Denn batte er an die
Môglichkeit der Rollentbeilung gedacht, so wûrden damit ja eben schon
fiéQtj entstanden sein. Zugleicb aber baben wir dièse „Theile^, die
erst der Léser fur sich herstellen soll, hier als eine unzweideutige
Yorbereitung der spâteren Rollentbeilung zu constatiren.
Nicht ohne Yortheil wird sich das folgende Beispiel hiemit ver-
gleichen lassen.
In Xenophon^s Anabasis scheint die Selbstandigkeit der
Bûcher durch die Proômien garantirt. Die Editoren wie Cobet,
Dindorf, Schenkl baben dièse Proômien indess als unecht getilgt*).
^) Weiske, ebonso Brennecke, de autbentia cynegeU S. 36 berafen 9ich
gcgen Pro5mien auf Lukian De hist. conscr. 23.
— ^Theile'* der BoUe. Isokrates, Xenophon's Anabasis. — 465
Pieselben konnen, da sie ausser allem Textzusammenhang stehen, ja
ibn geradezu storen ^), spâter wohl Dur als ngoyçaipat îm Sinne des
Poljbios gedient haben, welcbe aussen an den Rollen befestigt
wurden (s. S. 142. 144). In dieser Eîgenscbaft aber konnen sie
allerdings nacbtragliche Zutbat sein, obscbon ein stringenter Beweis
hierfur feblt. Nur im funften sind die Worte t^y iv rtS ^Ev^tv(a
unsinnig^. Dass nun Xenophon seine Anabasis nicbt theilte, dies
haben wir scbon vorbin nacb des Diogenes Angabe vermutbet, dass
die Xenophonscbriften in verschiedenen Theilungen umgingen,
T7obei die Anabasis zuerst genannt worde (s. S. 448); letzteres be-
stâtigt die Wahrnehmung, dass wir ja nur funf Proomien baben,
welcbe docb anscbeinend nur ein secbstbeiliges Werk yoraussetzen;
Bucb y und YI, deren uns vorliegende Abgrenzung bekanntlicb sebr
gewaltsam und darum aucb von den Editoren abgeândert worden
ist, waren damais wobl nocb eines; und die Zâblung von sieben
Bûcbem ist dazu eine jiingere Variante^).
Wir steben bier wieder Yor einer ganz singulâren Erscbeinung.
Die Fassung der Proomien bat zwei Eigentbûmlicbkeiten. Spatere
Autoren resûmiren bei Bucbanfangen, wie natiirlicb, stets nur den
Inhalt des einen voraufgebenden Bûches (s. S. 141 f.). Hier wird
dagegen aucb beim dritten Bûche wieder mit auf das Buch I zurûck-
geblickt, beim vierten wieder auf Buch I — III, beim funften auf
I — rV, beim siebenten (resp. sechsten) auf I — VI (V)*); von Buch-
zahlen verlautet dabei nichts. Das letzte ist z. B. so gefasst: '0(fa
(kèv dfi iv t^ àva^ddêt %fi fjbsrà Kvqov . . • xal ôtsa ineï Kvqoç
itslsvTfjtfsv, iv Tfi noQêUf . • . xai oaa ix tov IlévTOV Tts^^ i^&6vv€ç
xal ixnkéov%€ç inoiovv . . ,, iv tm nQÔa&sv Uyta âsôijiMtaê.
') Das ix TovTov ât VU 1, 2 knApft genau an die ^fiéçat Inm VI fin.
an, das rVucr âl TJ vf^éça II 1, 2 genau an r^y yùxra I fin.
') Vgl. Hercher, Fleckeis. Ibb. 83 S. 821 f.
') Das erhaltene Proôm zu VI ist sehr riel jûnger; seine Fassung weicht
ab und es feblt in den besten Codd. Bei Diogenes, der sagt (II 57): xarà
fitfiUov fÀtv inoiijci nçooi/nioy, oktjç di ov, ist also wohl gleicbfalls die seehs-
bûcherige Anabasis ToransgesetzC.
*) Auf diesen Umstand wurde icb durch Ilrn. Prof. Niese aufinerkaam
gemacht. MOchte nun meine Auslegung aucb seine Zustimmnng finden.
BIrt, BocbweMD. 30
466 — Dm Tondexandrinisehe Bnchweseii. —
Dièse Proômien, weit entfernt also, die Bnchtheiliuig zu erweisen,
ignoriren sie vielmebr Tollstândig. Jedes ist unter der Yoranssetziing
der Sach- und RoUeneinheit ailes Yoraufgelienden Textes aogefertigt.
Aus dieser Voraussetziing erklârt sich weiter die Ungenanigkeit derer
zu y und VU, deren Einzelglieder in ihrem Referai nicht etwa tod
Buch zu Buch weiterschreiten, sondem das Ganze obenhin neu ein-
theilen, ab existirten die Buchgrenzen gamicht^).
Zweitens ist nun die stéréotype Schlusswendung dieser ProomieD
wichtig: iy tA nqoiSd^ev Xôytp â€âijX(aTa$. Lag Buchtheiluug Tor,
so wûrden wir an ihrer Stelle Ton Buch m ab yielmehr iv tôt;
TTQÔç&sy Xoyotç ôeô^Xatat lesen mûssen. Mit der singularischen
Form ist wiederum das Ganze als Schrifteinheit voraasgesetzt (rgl.
S. 29)^: ô nqôa&êv loyoç und ô OTWf&sy Xoyoç ergaben zusammeo
den einen ôloç Xoyoç.
Die Proômien scheinen demnach abgefiasst^ aïs die Anabasis noch
eine Bucbeinheit war. Was also bezweckten sie? Nur Isokrates
kann es uns ausreicbend erklâren. Die Léser folgten gegenûber
diesem Xenophontischen Uyoç von 7 — 8000 Yersen eben der tod
Isokrates angedeuteten Gewobnbeit und lasen ihn in ^Theilen*.
Da, wo man einen „Theil^ schloss, wurde zur Wiedereinfuhrung in
die Lektûre eine Ueberschau ûber den Gresammtinhalt des Yorauf-
gehenden an den Rand geschrieben.
Wir zeigten frùher, dass selbst noch die kleine Buchrolle der
jùngeren Zeiten in fiéQtj zerfiel (S. 158 f.; vgl. 321, 317). Dièse
fAéQtj pifiXiov bat offenbar schon Athen gekannt; und es bat tod
ihnen noch Tiel hâufigeren Gebrauch machen mûssen aïs Rom.
Auch im Grossrollensystem konnten die Texte unmogHch ein-
schnittlos bleiben. Sinnpausen, Absâtze, Markirungen des Fortschritts
im Gegenstand stellten sich im Bûche nothwendig ein, Tvie beim
Thukydides nach der grossen Einleitung und nach jedem Sommer
und Winter, oder im Herodot, wo sich Lydiaca, Persica, Aegyptiac&r
^) An der Hand dos siebenten wflrde man auf eine andere ala die vor-
liegende Buchtheilung gefÏÏhrt werden.
''') So nennt Ilerodot sein Gesammtwerk o Xôyoç VI 19 und nùç l Xôyoç
VII 152.
— Werktheile als Vorbereltuog der Buchtheilung. — 467
Scythenkrieg, lonischer Anfstand u. s. f. als ^Theile^ deutlich genug
von einander losen ; nicht anders auch bei den Untersucliuiigen eines
Aristoteles und bei jedwedem anderen Âutor. Wir dûrfen somit
zuversichtlich annehmen, dass man so praktisch -war, den Text in
jenen gewaltigen Rollen zur Erleichterung der Uebersicht mit gewisser
Regelmâssigkeit in sichtbar abgesonderte Theile zu zerlegen.
Und nach der Ânleitung solcher ^Theile^ im Buch haben
sich dann die nachtrâglichen Buchtheilungen mit Leich-
tigkeit ergeben, welche das jûngere Buchwesen vornahm^).
Und dièse Entstehung der Buchtheilung aus den fjbiQfj Xdyov
^) VgUYelleius S. 321, Diodor S. 817. Aristoteles liess sich besonders leicht
in fÀtçij zerlegen; daher schliessen oft aach die Bûcher g^t ab. Stéréotype Wen-
diingen beim Uebergang ron einer Untersuchuogsreihe (jÂé&odoç) zur anderen
finden wir Ofter gerade an den Buchgprenzen Tor: s. B. De anima II init.: là ^iy d^
• . . êÎQiiad'O} ' naXty dé taç7ï€Q /| vnuQXVÇ inayiot/uty xrl, Ethic. Nicom. VU init
(genau wie Ethic. Eudem. Y I init.) : Mêrà di ravra JaxTtoy âkh^y noifianfAivoiÇ
àçx^v, ou xtI. : nachdem von den Ëinzeltugenden and dem fAÎaov gehandelt ist,
das man w&hlen musse, wird jetzt zu den Lastem (rà q>fvxxéa m neçi ta ^&fi)
fibergegangen. VgL Ethic Eudem. II init. : AitTÙ de ravra alXrjy Xafiouaty àçj^viv
ntql TÔiv inofiéytay Xtxréoy, und ibid. VI init. Ebenda IV init. wird auf die
ui^adoç jfàv nçoftçtjfÂéyœy zurûckgeblickt. Physic I fin. : ou (nty ovy . . .,
âêtjçic&iû fifÂiv ovna, nâkty dé aXXfiv àçx^y àç^â^fyoi léyœfÀiy xtL Solche
Ueberleitungen der ^£^17 finden sich indess ebenso h&ufig auch im Buchinnem :
Polit. IV 15 med. (1300 A 10): éÎQ^a&ù}' niçl de , , . ^| àçxvs d^l^eiy. Part,
anim. II 10 (655 B 28): Nvv de ktytjfity oloy an* àçx^ç nàlty, a^ùfiiyoi
nçwny €in6 lœy nçtûioiy. Analyt. poster. II 8 med. (93 A 16): nâhy 4^
açx'is f^iKûfÀty. De gêner, et corrupt. I 2 med. (316 B 18): dêo nàUv l|
àoxhç th^ ànoçiay lêxiiov, Aehnliohe Wendungen wie nahy aUitfy ô^/^v
noêtjcâfâtyoi kéycD/dêy stehen auch Metaph. Z 17 init. (1041 A 7), Physic. O 7
(260 A 20). Ferner lesen wir Polit. IV 14 init. (1297 B 36): Jêà riva /4iy
ovy . . ., tÏQtjjat, nàUv de .,, Xéy(o/4€y niçi Jtày i(f>t^^ la^oviiç ÙQxh^ "^^ nçoç'
^ovcay avniy, Vgl. ooch De caelo I 12 init. (281 B 2): dêaçtad-éyrioy de
tovwy ktxtiov TO iffi^^ç .... àçxi d* (tmo lynv&sy xrl, Meteorol. II 3
med. (357 B 23 vgL ebenda II 4 init): àçxv^ Xafiôynç rrjy avriiy ^ xal iïqo*
nçoy, Wiederholungen eines Buchschiusses am n&chsten Buchanfang, wio
Ethic. Nie VU fin. Xo$noy de xaî mçt tpêXiaç içov^ity = VIII init Mtrà dà
tavm mçi tftliaç tnotr' ay duX&fly (vgL IX fin. n. X init Eth. Eud. I fin.
n. II init,; besonders aber Bhetorik III init, wo dnrch diesen Anfang dies
Buch nêçt ki^€€i>ç mit dem zweiten der Bhetorik rerknûpft werden sollte) fiallen
natûrlich der Bedaktion zur Last; rgL oben S. 145 f.
an»
4gg — Das Tonlezmadrinische Bachwesen. —
bestâtîgt uns in klarster Weise Homer. Auch da er nocb eine
Rolle iKrar, kannte nnd citirte man Ton ilim einzelne Theile, so
Herodot die a^iotske J^ofi^âovç (Il 116), Aristoteles die ïlQidnw
B^oâoç (hist. an. 9, 22) u. s. f., wie sich denn ja der rhapsodische
Tortrag selbst nothwendig immer mit ^Theilen^ begnûgen musste.
Hier erbalten wir non aber ûberdies die ausdrûcklicbe Angabe, dass
scbon in der grossen Gesammt-Homerrolle die Rhapsodien sicbtbar
mittelst Koronis gesondert wurden (S. 444).
Ebenso wie beim Homer blieb nach des Isokrates Andeutung
aucb beî den nbrigen Werken die Herstellung der „Theile* dem
lesenden Publiknm iîberlassen, so wie aucb ibr Motiv nacb demselben
erst in zweiter Linie ein logiscbes und in Wirklicbkeit nur das ganz
âusserlicbe war, der Ermûdung yorzubeugen. Das Publikum aber
musste dann in der Ansetzung der fiég^ oftmals auseinander geben.
Daber denn aucb weiterbin jene grosse Inconstanz der spâteren
Bucbtbeilungen! In mancben Fâllen aber und so vorziiglicb bei den
Rbapsodien der Ilias baben wir zugleicb anzuerkennen, dass aie Tiei-
facb, aus der Gesammtmaterie organiscb abgelost, einbeitlicbe fiilder
geben und aucb den logiscben Anforderungen Yollauf Genûge thun^).
^) Die Theilung der Ilias (ûber <ere Abweichungen s. oben S. 444) rer*
dient als eine That der Intelligens und des Geschmacks bîer gepriesen su werdea.
Nur selten ist ein Buch so uneinheitlicb wie das der fiâ/tj naçanorâfitoç» Nur
selten geht die Handlung durch mehrere Bûcher so ununterbrochen fort vie
in jenen fûnfen, die die Patroklie vorbereiten. Durch das Abbrechen des
Bûches XV gelang es aber, die Patroklie selbst zu iâoliren, anbebend gleich
in ihrem ersten Verse mit der lang ersehnten Nennung des Achill und seines
Freundes, abbrechend sogleich nach des Letzteren Fall und dem Hoknwort
Hektor's ûber dem Todten. Ebenso vollkommene Bilder îm Bahmen je eines
Bûches sind dann die vergeltende Erlegung Hektor's und des Patroklos' Leichea-
feier. So bricht das vierte Buchende die Schlachtbescbreibung wider unser
Erwarten ab: es wird hier aber deshalb in ein neuos Bucb Qbergegangen.
weil die Xennung des Diomedes folgte, dem die ganze n&chste Aristie ange-
hôrt, abschliessend mit der Heilung des verwundeten Ares. Leichter noch l5ste
sich die Episode der Dolonîe aus ihrer Umgebung. Ein einheitliches Troja-
nisches Innenbild, unterbrochen nur durch die Episode des Glaukos und Dio-
medes, ergab sich in Buch VI. In den meisten FftJlen musste es indessen
genûgen, f&r die Buch en den resp. -an fange allein die nothwendigen Rohe-
punkte zu beachten; solche waren tôt allem die Grenzen der Tagesfolge, dts
— Werktheile als Vorbereitung der BuchtheiluDg. — 469
Die drei folgenden Fâlle dûrfen nun nicht ausser Zusammen-
haDg mit dem eben Festgestellten beurtheilt werden.
Der Anabasis Xenophon^s steht die ^Geschichte^ des Ëphoros
am nâchsten. Sie lag dem Diodor in 30 Bûchern Tor (XVI 76,
Eintreten der SchUf und Tr&ume gebenden Nacht (I, VII, VIII, IX), ftlr die
Monomachie des Paris und Menelaos (III) das Beilager des Paris mit der
Helena, die inzwischen noch Agamemnon als Siegespreis einfordert; so erOffnet
Buch XIX der Aufgang der MorgenrOthe. Nicht minder natûrliche Buhepunkte
erg^ben weiter die ausfUhrliche Schildbeschreibung (XVIII) und der noch aus-
fÙhrlichere Schiffskatalog (II). Und wenn durch nichts anderes, so hat der
Zerleger endlich hie und da in feinsinniger Weise durch irgend eine Ëinzel-
Bchônheit den Léser Homer's mit dem Ende der Rolle ausgesOhnt: so wie
VU fin. beim Einsetzen der Nacht das Lodem der Trojanischen Wachtfeuer
durch ein zugefûgtes Gleichniss der Phantasie eingeprftgt wird, so ist der
Einschnitt nach einem Gleichnisse auch XX fin. ausgew&hlt, Buch XIX aber
Terl&sst uns, besonders wirksam, in dem Augenblick, wo Achili, Hektor zu
t5dten, in die Schlacht stûrmt, mit der Vorausverkflndigung seines eigenen
frûhen Todes.
Das Aufsuchen der natQrlichen Theilungspunkte ist die Ursache gewesen
der Ungleichheit der Buchgrôssen, insbesondere der so h&ufigen unschicklichen
Eleinheit derselben. Um das Buch V zu ermôglichen, musste sich das Torauf-
gehende mit fast der H&lfte des Umfangs begnûgen ; und der Vortheil, XXII,
X und XI zu Terselbst&ndigen , wurde durch den Nachtheil ihrer ungebOhr-
lichen Schmilchtigkeit aufgehoben.
Man versuche nun aber einmal, die Ilias auf eine geringere Anzahl Ton
Bûchern gleichm&ssigen Umfanges zu bringen. Die Opération mfisste miss-
lingen; denn es scheint unmôglich, solche Bûcher von doch stets unter
1000 Zeilen durchweg so herzurichten, dass nicht zugleich die sachlich noth-
wendîgen Einschnitte aufgegeben werden; und die uns rorliegende Theilung
erweist sich bei Ausserlichen M&ngeln doch als die ann&hemd allein sachge-
m&sse. Mit Abzug der sachlich nothwendigen Einschnitte (vor Buch XIX,
nach Buch I, III, VII, VIII, IX, sowie auch nach II und XVIII, femer zu-
gleich Tor und nach V, VI, X, XVI, XXII, XXIII) restîren nur drei noch
nngegliederte Versmassen: l) XVII init. bis XVIII fin., 2) XI init. bis XV fin.»
3) XIX init. bis XXI fin. Aile drei ûberschreiten das Zeilenmass eines Buchs.
Die erste Masse musste also mindestens in zwei Bûcher zerfallen, was ge-
Bchehen ist. Fur die zweite kônnte man mit dem Einsatz der Einzelbuch-
sehiûsse unzufrieden sein, so wie beispielsweise die sogenannte Aristie Aga-
memnon's nicht minder passend, ja passender bei XI 596 abschloss, wodurch
dann Buch XII statt 471 yielmehr 723 Zeilen erhielt; da sich nun aber die
langwierige Schlacht, von der dièse fùnf Bûcher erz&hlen» wirklich in fÙnf
470 — ^^ ToralexAndrinisclke Buehwesen. —
ebenso Suidas); jedes Buch enthielt eine xctvà yàvoç abgesonderte
Aktion fur sich, so dass sich Diodor dies geradezu zum Yorbild
nahm (IMod. V 1; s. oben S. 135), jedes war ûberdies mit einem
Proômium eingeleitet (Diod. XYI 76); das letzte wurde auch dem
Stadien entwiekelt (1. FeldsehUeht nnd Vordrmgen Hektor's bis sur MAoer,
2. S^ampf cim die Maner nnd Tordrîogen su den Scbiffen, 3. Ennathigimg der
Griechen durch Poséidon, wodurch die Schlacht soin Stehen kommt, 4. Em-
Bchl&feniDg des Zens nnd Sieg der Griechen, 5. Erwachen des Zens and aber-
maliger Sieg Hektor's), so sehe ich nicht, wie nian eine orgamsehe Zerlegvnf
dieser Masse in rie r Bûcher sum Zweck der Vergrôssemng der Nummem XII
nnd XIV bewerkstelligen woUte. In der dritten Versmasse endlick fillt sof,
dass die Bûcher XIX nnd XX zasammengelesen die Summe Ton 1000 Venen
noch nicht einmal erreichen! Allein wir werden sugestehen mûsaen, dsss
nach der Analogie der bisherigen inhaltlichen TheHong auch bei XX init. ein
neuer Einsatz nôthig wurde, wo der Ert&hler das Schlachtfeld rerULsst, nm ia
die Gôtterrersammlang einzufûhren und damit die bis XXI fin. fortdaaemde
Theomachie zn erOffiien. War aber dieser Einschnitt nOthig, so Uessen sicà
die ûber tausend Verse besagter Theomachie und der fiàx^vi nnQonotâfUôç
nicht wohl mehr in einer RoUe znsammenfitssen : 1114 Vt. h&tten ein Plus
Ton ca. 3 Selides ausgemacht.
Die Vierundzwanzigsahl der Iliasgesftnge kann hiemach wohl nor als das
zufUIige Ergebniss einer Eintheilung nach Sachg^nden gelten, und es wurde
damit die Vierundzwanzigzahl des Alphabetes erst nachtr&glich in Verbindong
gebracht. Der Einfall, das erste Schriftdenkmal der griechischen Sprache nach
dem Alphabet zu disponiren, w&re ja freilich gut alexandrinisch. Allein anch
die Buchzahlen der Cyprien (11), Aethiopis (5), Ilias mikra und Iliupersii
(4 und 2), der Nostoi und Telegonia (5 und 2) entbehren einer solehen spie-
lenden Tendenz. Und was die Odyssée betrifft, so l&sst sich aus der Ueber-
einstimmung beider Hauptepen nicht nothwendig folgem, dass ron vomberein
dasselbe DiTisionsschema fur sie beide întendîrt war. Vielmehr scheiot die
Division der Odyssée erst nach der der Ilias gemacht. Daf&r spricht der eo
h&ufige minimale Umfang ihrer Bûcher, der der Ilias fremd ist (s. S. 441, 443)
und der sich wohl nur aus dem Zwang genûgend erkl&rt, den die Nachahmnng
des Ilias auferlegte; h&tte sich doch der Versgehalt der Odyssée, wie die
Aeneide, in 12 Rollen unterbringen lassen.
Als Schluss der Gesànge dient in ihr oh der Eintritt der Xacht, des
Schlafes (I. II. III. IV. V. Vil. XIV. XVI. XVIII. XIX). Natûrlich fing der
jiXxiyov ànôloyoç mit einem RoUenanfang an (IX) und schloss mit einem
Rollenende (XII). Im Buch IV ist nach t. 619 ein natûrlicher Einschnitt mit
Recht unbenutzt geblieben, um fQr die Erôffnung des fûnflen rielmehr die
GOttérrersammlung zu benutzen; anderenfalls h&tte man die ebenm&ssigerea
— Ephoroâ. — 471
Solin Demophilos zugeschrieben (Diod. XYI 14; Athen. S. 232). War
es nun schon der Schûler des Isokrates selbst, der hier die fjbéQtj zu
Bûchera erhob? Klare âussere Indicien hiergegen fehlen (s. S. 462).
Doch ist die Moglichkeit der Unursprûnglichkeit der Buchtheilung
auch hier offen zu halten: denn es ist denkbar, dass dies Werk
auch als Bucheinheit die Aktionen xatd yéyoç gesondert hatte^).
Buchumftnge IV 619, V 721 erhalten. Gleich die ersten swei Ges&nge der
Odyssée ergeben nun aber erst zasammeDgelesen eioen richtigen Buchumfang;
Uess sich hier durch die Nacht die Theilung moÛTiren, so fehlte solch gOnstiger
Umstand ftr die Buchpaare XIII und XIV, XV und XVI. Die letsten fftnf
Oes&Dge aber und das Buchpaar VI VII sind durch ihre Xleiaheit am auf*
ftlligsten ; das letstere Paar ist ein wohkiisainmenh&ngendes Ganze ron nur
678 Vt.; besonders aber lassen XX bis XXIII organische Abschlftsse rer-
missen; es liessen sioh hier eben so gui Tier Bûcher wie f&nf herrichten, so
s. B. XX. XXI 1 bis XXII 380. XXII 381 bis XXIII fin. XXIV; oder aber
ZX 1 bU XXI 858 (Schlaf). XXI 359 bis XXII 380. XXU 381 bis XXUI fin.
XXIV. Eine andere ebenso passende Theilung za fûnfen war: XX. XXI 1 bis 358
(Schlaf). XXI 359 bis XXII 380. XXII 381 bis XXIII fin. XXIV. Hier gUuben
wir also eine Ëinwirkung iusseren Zwanges zu Terspûren, ohne den uns
wohl eine Odyssée rorliegen wûrde, wenn nicht gerade Ton 12, doch etwa Ton
20 Bûchem. — Dass ûbrigens Koth auch Tugend wirkt, lehrt hier eben der-
jenige Gesang, dessen Kûrze die grOsste Gewaltsamkeit zu Terrathen scheint:
es ist das kleinste Homerbuch VI (331 Vt.), das Ton dem zweitkleinsten VII
gewiss nur aus &us8erlichen Grûnden losgelOst werden konnte bei ihrem so
engen Zusammenhange. Doch erweckt es unser Gefallen, das liebliche Begeg^en
mit der Nansikaa gleich wie ein Epyllion fast alexandrinisch-idyllischen Stiles
aeparirt zu geniessen, ein Vorzug, welcher dem entsprechenden Gespr&ch
Hektor's und der Andromache Ilias VI nicht zu Theil hat werden kOnnen,
Vielleicht, dass eben die Separirung der Bhapsodien in Bûchem erst zu der
Ausbildung der Kunstgattung des Epyllion's die Anregung gegeben hat!
^) Bei Ephoros handelte B. V ûber Asien und Afrïka, VI ûber Lace-
daemon; doch kann das Princip nicht immer gleich scharf herTorgetreten sein,
eowie B. VIII u. IX die Persisch-Medische Geschichte continuirlich, zwei bis
drei Bb. die Thaten des Epaminondas gaben (Plutareh ir. àdoL S. 514 C).
Dass dem, der Ton den Herakliden ab erz&hlte, der Stoff sich naeh Zeit und
naeh Ort in grosse Gruppen theilte, war nothwendig; auch Herodot erzfthlt
flo ja xeern yéyoç] w&hrend aber bei diesem die Theilung in Bûcher zur Ver-
dentliehung der Stoffgruppirung nichts beitrug, so war sie beim Ephoros offenbar
gesehickter und etwa so geschickt gemacht wie in der Ilias (S. 468 Anm.);
wie die Ilias so konnte auch Ephoros anfangs in (niçii zerfallen.
472 — ^^ Toralexandrinische Bnehwesen. —
und nicbt oline Wahrscheinlichkeit d&rfen die Proômien so wie die
Xenophon's als schlichte jtqoYQaipai betrachtet werden ^). Uns bleîbt
unversagt das Werk nacb der Analogie seiner Zeit zu beurtheilen.
Zweitens ist auf die Exoterica des Aristoteles an diesem Orte
zurûckzukommen. Es ist bekannt, dass Cicero's Dialogc sicb mehr
die Dialoge des Aristoteles als die Platonischen zum Yorbîld ge-
nommen baben*). Ein Moment dieser Nacbabmung lag, nacb Cicero's
Angabe, darin, dass er die Einzelbûcber der Dialoge mit besonderes
Proômien einleite: quoniam in smgvlis lihris utor proœmHs ut Aristoteht
in tis quos H^unsqixovç vocat eqs. Dies wird zunâcbst ausgesagt mit
Bezug auf De repubîica; es trifft aber aucb aof De oratore va}).
Die Annabme scbeint fast unumgânglicb: wenn von Aristoteles ein
Dialog wie der nsqi â&xa^otfvp^ç zu yier Bûcbern mit je einexB
Proom Yorlag, so batte Aristoteles die Werkeinbeit als mebrere Rolleo-
einheiten componirt.
Wir mûssen diesen Scbluss aber sofort eioscbrânken: er gilt
jedenfalls nicbt fur aile Dialoge. Wenn der IlQOtQBTmxôç oder der
^EQfùttxoç den Einen in mebreren Bûcbern, den Anderen dagegen
einbucberig vorlag (oben S. 452), so baben dièse Dialoge entweder
einer Mebrbeit von Proômien entbebrt, oder aber ibre einbûcberige
Fassung bat die durch Proômien verselbstandigten Theile
gleicbwohl mit umfasst.
Es ist dies das erste sicher bezeugte Beispiel, welcbes die
antike Litteratur fur die Anwendung mehrerer Proômien auf eine
Werkeinbeit durcb den Autor selbst darbietet, und wir baben es
nothwendig auf das ernsteste in kunstgescbichtlicber Rùcksicbt zu
betracbten. Die Ciceronischen Dialoge mit den Platoniscben Ter-
gleicbend fragen wir: was ist fîir Aristoteles das Motiv gewesen, tod
^) Fur ihre Zusammenhangslosigkeit spricht das nçooifi&oy txdcrti nço^
^éiç bei Diod. XVI 76. Dass Diodor seine Proômien (oben S. 143 f.) etwa
nach des Ëphoros Vorbild schreibe, deutet er nicht an.
^) Aristoteles fQhrte sich selbst als Mitunterredner ein, so auch Cicero
De finibus (vgl. ad Attic. XIII 19, 4). Aber auch, wo dies nicht der Fall war,
war sich Cicero bewusst Aristoteleo more zu schreiben, wie in De oratore (ad
Attic. I 9, 23).
') Dies ûbersieht Heitz Die verlorenen Schr. des Ar. S. 150; vgl. Tor. Note.
— Prooemien in Aristoteles' Dialogen. — 473
der einheitlichen Fonn der Republik Plato^s abzugehen und ver-
schîedene Tbeile durch neue Einleitungen abzusondern? Fûhrte ihn
schon der Einûuss mehrtheiliger Bucbform auf den Gedanken, jede
Rolle neu einzuleiten? oder lag ein Sacbgnind vor, der ihn das
Gesprâch wiederholt abzubrechen und mittelst weiterer Einleitungen
wicderholt neu zu erôffiien genôtbigt bat?
Wir sind in der Lage, das letztere nicbt nur als moglich, sondem
als thatsâcblicb nacbzuweisen.
Eine Yoraussetzung des Dialogs ist immer ein gewisser Grad
dramatischer Mimesis, die eine bestimmte Situation ansetzt und mehr
oder weniger lebbaft durcbzufubren sucht; bierauf baben aucb weder
Aristoteles nocb Cicero verzicbtet. Acbten wir nun auf den bervor-
stecbendsten mimetiscben Unterscbied Cicero's von Plate, so liegt er
darin, dass aucb die umfangreicbsten Gesprâcbe des letzteren stets
ununterbrocben innerbalb einer Situation stattfinden; Cicero^s grôssere
Gesprâcbe lassen dagegen an bestimmten Stellen Pausen mebrerer
Stunden oder eines ganzen Tages eintreten, und das Tbema wird
also innerbalb desselben Werks in anderen Situationen wieder
aufgenommen. Aucb Plato^s Republik bleibt dramatiscb ein ein-
ziger Logos, Cicero's De oratore lôst sicb, dramatiscb betracbtet, zu
einer Trilogia auf.
Dieser Cardinalunterscbied der Composition ist offenbar das
Résultat kûnstleriscber Ueberlegung. Der Umfang der meisten Xôyoê
CùùXQanxoi Plato's bielt sicb nocb in dem natûrlicben Zeitumfang
einer Conversation, wie sie in der menscblicben Gesellscbaft wirklicb
mogHcb ist: aucb der Gorgias nocb etwa in dem Zeitraum von drei
Stunden. Nur zweimal fubrte Plato der breite Gegenstand ûber
diesen Umfang binaus; er entscbloss sicb nocb nicbt die Scène zu
verândern; und das Résultat war, dass die Unterredner in beklagens-
wertber Ausdauer voile zebn oder gar zwolf Stunden bindurcb fort-
sprecben mussen^), wobei sie sicb in dem einen Fall sogar auf der
1) Vgl. Schleiermacher, Plato III 1, S. 3: „Wenn man . . . bedenkt, dass
[der Staat Plato's] doch als ein obne Unterbrechung fortlaufendes Gesprftoh,
und zwar das erst am Abend begonnen habe, wieder erz&blt wird'' — so
moss man des Sokrates Ausdauer bewundem. „Von der grossen Gesellscbaft
474 — ^'^ Toralezandrinische Buchwesen. —
Wanderschaft befuiden^ ohne dass ihnen der rûcksichtslose Dîcbter
ein erhohlendes Silentium gônntel Schon Cicero hat hîeran wirklicb
Anstoss genommen. Er ûberlegte sich, warum Plato den alten
Kephalos nur so k\irz am Gesprâch theilnehmen iind bald unter
einem Yorwande fur immer sich entfemen lâsst, und yennnthet, der
Greis habe nach Platx)*8 Meiniing wobl die Anstrengung dièses so
langen Gesprâches nicbt yertragen kônnen^). Die Gesetze àber
sind einmal naiv genug, dies selbst auszusprechen. Schon am Ende
ihres ersten Drittels (Buch IV S. 722 C) lesen wir die "Wprte des
Atheners : ^Seitdem unser Gesprâch ûber die Gesetze begann, ist es
Yom {ruhen Morgen ab schon Mittag geworden; auch eine gute Zeit
des Mittags ist schon verlaufen; wir haben uns wâhrend dessen ron
nichts als den Gesetzen unterredet und sind doch noch ûber em-
leitende Bemerkungen (nQOoifua) nicht hinausgekommenl^
Nun stehen Ciceronianische Gesprache wie De Finibus und De
oratore diesen beiden grossten Platonischen an Umfang um nichts
nach. Auch sonst aber entspricht es den Yorstellungen, welche wir
Yon des Aristoteles exoterischen Schriften zu hegen berechtîgt sind,
wenn wir sagen: indem Aristoteles die dialogiscbe Scbriftstellerei
Plato^s fortsetzte, sab er sich durcb seine Materie ôfter zu so breiten
Ausfubrungen gezwungen'), wîe Plato in Staat und Gesetzen. SoUte
nun Aristoteles die Unnatur dieser end- und ruhelosen Unterbaltungen
immer wiederholen? Dass sich Plato von der einmal gewohnten
Manier einheitlicher Situationen nicht losmachte, war ebenso natûr-
lich, wie es fur einen neu beginnenden Autor nabe lag, dem Realis-
mus oder der dramatischen Wahrscheinlichkeit eine billige Concession
zu machen. Aristoteles gônnte seinen Unterrednem die notbwendigen
Pausen. Er liess sie statt einmal, wiederholt zusammenkommen.
. . . verliert sich der grossie Theil allm&hlig, man weiss nicht wie. Nar die
beiden Sôhne des Ariston . . . halten tapfer aus.^
*) Cicero ad Attic. IV 16, 3: Credo PUUonem vue potasse satis œnêonum
fore, si honiinem id aetatis in tam longo sermone diutius retinuisset!
^) Dazu nôthigrte vor allem der mos Aristoteleus (Cicero de orai. III 80)
des in utramque partem dicere, d. h. dass Aristoteles sich hier nicht nar, wie
der Platonische Sokrates, auf den Angriff beschr&nkte, sondern daas beide Par-
teien gleich zu Worte kamen.
— Prooemien in Aristoteles' Dialogen. — 475
Und 80 wurden aus einem mehrere Gespr&che, die durch ihre
Materie und durch ihre Personen zusammenhingen.
War dies aber der Fall, so bedurfte weiter jedes der zugehôrigen
Gesprache auch noth'wendig einer neuen EiDfûhrung: es bedurfte
erstlich einer kurzen Orientirung fur die neue Situation, zweitens
einer Rûckbeziehung auf das Gesprâch der voraufgehenden Situation.
Der Anlass zu den Proômien des Aristoteles war somit ein sach-
licher und sie hatten mit Rollenanfangen zunâchst nichts zu thun.
Und dass dem so ist, bestâtigen unzweideutig eben die Nach-
ahmungen Cicero^s. Cicero^s Proômien selbst sind nicht Bucheroff-
nungen, sondem Situationserofhungen ; denn er hat sie nur fur
diejenigen Bûcher angewandt, die eine neue Situation bringen. Aile
fOnf Bûcher der Tusculanen haben ihr Proôm, denn es sind funf
Gesprâche an funf Tagen^); aile drei De oratore, aile beiden De
diyinatione; denn von den letzteren ist das eine auf der ambulatio,
das andere spâter in der Bibliothek gedacht*); und De oratore B. Il
findet einen Tag nach dem yoraufgehenden ^), B. III selbigen Tags
nach einer Ruhepause von etwa zwei Stunden statt^). Dagegen
bleibt die Scène in De natura deorum unverândert, imd eben die-
selbe Schrift entbehrt auch der Proômien fur Buch II und III. Ebenso
steht es mit De legibus*). De finibus endlich bietet in fûnf Rollen
nur drei Scenen: und hier sind deshalb nur die Rollen m und Y,
welche die Scenenverânderung bringen, mit Proômien yersehen,
wâhrend die Anfânge von U und lY das Gesprâch ohne jede Unter-
brechung fortfûhren.
^) Tasc. I 8: Itaque dierum quinqiie scholas ut Qraea appellant in to-
tidem libros contuli; Tgl. IV 7: quartus dies hoc libro concluditur; V l: quintus
dies . . . Jinem faciet Tusculanarum disputationttm (rgl. § 1 1).
') De dÎTÎn. II 8: in bibliotheca assedimus,
') De orat. II 1 1 : postera die quam illa erant acta, hora fere secunda,
*) De orat. III init. : ante meridietn discesserunt ...in silentio duos horas
jere esse consumptas. Deinde cum omnes inclinato iam in promeridianum tempus
die venissent ad Crassum eqs.
^) Auch hier wird das Gespr&ch obne Absatz bis Eum Schlass ron
Bach III fortgesetzt; nair ungeschickt sind dabei die Anfangsworte von II,
die Atticas spricht: Sed vime quoniam et satis iam ambulatum est et tibi aliud
dicendi initium sumendum esty locwn mutemtisf
^1Q — Das Toralexandrinische BuchwMen. —
Also noch eininal: der Zweck der Proômien bei Arîstoteles ist
lediglich die Yerknûpfung mehrerer gleichartiger Gesprâche. Ob er
sie weiter, wie Cicero, zu Digressionen allgemeinen oder persônlicben
Inhalts benutzte, bleibt fraglich, ist aber fur uns ohne Wichtigkeit
So yiel steht fest: ob Grossrollensystem oder ob KleinroUensjstem
zu des Aristoteles Zeit herrschend war, Aristoteles bedurfte neuer
Einleitungen fur die wechselnde Sceneric in beiden Fâllen gleicb
nothwendig. Es kann also aus ihrer Existenz das Eleinrollensjstem
nicht erwiesen werden.
Dièse Einleitungen boten f&r nachtraglicbe Bucheintbeilung einen
selbstyerstândlichen Anhalt. Ob nur bei ibnen oder auch noch sonst
(Tgl. Cicero De finibus) eingeschnitten wurde, bleibt dahingestellt;
Cicero' s angezogene Worte In singuHs tibris tUor prooemns eqs., die
zunâchst nur auf De republica Bezug nehmen, sprechen fur das
Erstere. Wir denken uns also den Dialog nsçi duutuHfvy^ç ak
yier Scenen mit vier Proômien. Sachlich scheint derselbe zu Plato's
Staat, fur den man gleichfalls den Titel juql ôtxaiocvyiiç Yorschlug^),
ein Gegenstuck gewesen zu sein*). Gegenûber der Schmachtigkeit
dieser zehn Bûcher Plato's erfahren wir nun, dass die Aristotelischen
quattuor sane grandes Uhri waren'). Dies berechtigt uns, den Ge-
sammtzeileninhalt der letzteren dem der Platoschrift etwa gleichzu-
setzen, und wir taxiren jedes dieser vier Bûcher also auf 3000 Zeilen.
Dass man die sonst fur die philosophischen Texte durchgehends
beliebte kleine Buchform (s. S. 443) nicht auch hier anwandte, ist
vielleicht nur durch die Vierzahl der Proômien verhindert worden*),
Und die Gesetze Plato's? wird man endlich fragen. Lagen
denn sie nicht etwa schon dem Aristoteles in zwôlf Bûchern vor? Sie
1) Proklos zu Plato's Republ. S. 350 Basil.
2) Vgl. Bernaya, Arist. Dialoge S. 50. Heitz S. 109.
') Cicero De ropubl. III 8.
^) Hernach wurden die neuen aristoteliacben Dialogformen von Theophrast
und Horakiides Ponticus beibehalten. Aucb bei ibnen erfabren wir Ton Proô-
mien, durch die das Gesprâch mehrtheilig wurde, und zwar wurden sie auch
schon von diesen Autoren zu Digressionen benutzt, wie spîiter von Cicero, was
bei den griechischen Lesern Tadel erfâhrt (Proklos zum Parmenides I S. 54
Cousin).
— Aristoteles' Dialoge. Plato's Oesetze. — 477
sind in der That das einzige Werk, dessen Zerleger uns das Alter-
thum wirklich zu nennen weiss. Nach Suidas theilte sie Philipp
der Opuntier, der Schûler Plato's nnd Verfasser der Epinomis, indem
er die Gesetze aus den Brouillon^s herausgab^). Wie haben wîr uns
einer so bestimmten Mittbeilung gegenûber zu verhalten? Es is
gerade ihre Bestimmtheit, die sie uns verdâcbtig macht.
Wer die Litteraturgeschicbte der voralexandrinischen Zeit durcb-
geht, erkennt bald genug, dass sicb, mit Absebung des Drama^s,
fur welcbes die Didaskalien balfen, keine einzige Notiz ûber die
Textgescbicbte der Autoren als wirklicb stichbaltig erweist; was
die Spâteren erzâhlen, trâgt durcbgângig den Charakter der Recon-
struktion, Hypotbese oder Erdicbtung; d. b. ûber Editions- und
Redaktionsyerbâltnisse bat eine Tradition bis zu den Alexan-
drinern gamicbt bestanden; es ist geboten die Nacbricbt von der
Bucbtbeilung durcb Pbilipp mit ganz derselben Skepsis aufzunebmen,
welcbe aile anderen redaktionellen Nacbricbten bei uns finden').
^) Diogenes Laert. III 37: mit einem ivioi g^aaiv berichtet: on 4»iXênnoç
o 'Onovynoç to^ç Nôfiovç avrov ^(réyça^tv oyraç iy XfjQ^' tovtov di nal
T^y 'Eniyofdida tfaaiy tlyaê; und dieselbe Notû zngleich TerkQrzt und erwei*
tert bei Suidas s. ▼. tftXôaoqiOç , woselbst der Name des Philippos ausgefallen
(Tgl. Boeckh in Plat. Minoem S. 73): oç tovç ninxiavoç NôfAovç âitikfv tîç
Pêfikia $fl' 10 yàç ty avroç nçoç&tlya^ léyêrat,
') Wcr glaubt im Ernst daran, dass des Thukydides Geschicbte von
Xenopbon, der sie b&tte Temichten kônnen, publicirt (Diog. La. II 56 mit
liyfTtt&), wer gar, dass Tbukydides' Buch VIII Ton Xenophon, Tbeopomp oder
aeiner Tochter edirt wurde (Markell.)? Und doch sind die Quellen hierfûr
nicht schlechter als die f&r die Buohtheilung Pbilipp's. Man Tergleicbe damit
Dion. Hal. de Thuc 12 ûber Kratipp. Was Galen ûber Edition ron Hippo-
kratesschriften durch den Sohn Thessalos berichtet, glaubt man um so we-
niger, da dièse Schriften fast aile dem Verdacht der Unechtheit rerfallen.
Demselben Schiage gehOrt das HerodotproOm des Plesirrboos an bei Ptol.
Hephaestionis (Phot. S. 148; 150). Am ebesten liesse sich fûr Homer an
<ere Tradition glauben; doch hat kein geringerer als Lehrs (Aristarch'
8. 442 ff., ausftihrlicher Nutzhom, Entstehung d. Hom. Ged. S. 23 ff.) die so
gp&t bezeugte Pisistratosrecension fûr Grammatikerhypothese genommen. Die
Nachricht, dass der Phaedrus Plato's frûhste Schrift sei, beruht auch nach
Usener (Rhein. Mus. XXXV S. 134) nur auf Vermuthung Spftterer; nm nichts
besser ist aber aucb die andere (Gell. XIV 3, 3), dass Plato von seiner Re-
publik anfangs nur y,etyfsi'* C/^^*) ^ Bûcher edirt habe; sie ist so hypothetisch
478 — ^'^ Toralexandrinische Buchwesen. —
Yerlassen wir Athen und Altgriechenland und treten endlicb in
die junge kônigliche Nilstadt ein, die kaum aufblûhend sogleich und
wie die ganze simultas Xenophontis et Platonis, der aie dienen soU; man bat
auf aie bel Analyse des Staato aich zu berufen gewagt; ao deakbar indesa ist,
dass dies Werk in Theilen entotand, ao wenig l&sst sicb doch glaublich macbeo,
dass Plato den Anfang auch wie ein selbst&ndiges Werk edîrt babe. ^Poljkrates
Terfasste nacb Hermipp die Anklagerede gegen Sokrates" (Diog. La. Il 38, QuiotiL
II 17» 4; bei Suidas sind es gar zwet); ^Isokrates eignete aich Sokratische Dialog«
zu*' (Diog. La. II 60; Athen. S. 610); nicht besser beglaubigt ist, dasa Anaximenei
den Trikaranoa unterachob (einziger Zeuge Pausanias; Josephoa hâlt ihn nnr ftr
nichttheepompisch; Lukian a. a. halten Tbeopomp f&r den Autor) a. a. f. Am
meisten weiss die Tradition Qber den Ariatotelesnachlaas zu berichten; aber
alled erweist sicb ja grade auch hier als unbaltbar mit Ausnahme deaaen, wai
in den Testamenten der Pbilosopben stebt. — Giaubhaft sind nnr Nachrîekten,
wie, dass Piato vom Sophron, dass Piato's Bepublik Tom Protagoraa, dass Da-
mastes Tom Uekataeos (Agathemeros II) abh&ngig sei; dies konnte dorch
Textvergleichung constatirt werden ; wenn Eallimaohos des Hekataeoa Periegese
als Nijcttânv inskribirte (Athen. S. 70 A) , so that er dies gewisa auf Grand
einer Titelrariante. Ebenso gewiss war und ist nun Buch ty' der JVo/io»
Philipp's Werk; dies konnte sowohl durch die Buchinskription als dorch daa
Schriftenverzeichniss des Philipp feststehen ; da die Schrift des Mannes in den
gewôhnlichen Ausgaben nun aber als 13. Buch der Gesetze cfthlte, ao ergab
sich die Ck>mbination von selbst, dass, wer das Schlussbuch anflkgte, dis
Voraufgehende also unrollendet fand, also edirte, also nomerirte. Dieaa
Combination kann z. Th. das Richtige treffen (nicht nur ein Editer, aondem ein
sehr gewaltthâtiger Redaktor der Nô/not ist von J. Bruns nachgewiesen : Plato*8
Gesetze, Weimar 1880), doch ist aie nicht mehr als Combination. Dass die
&heaten Schrifcen ûber Plato (ron Speusipp, Hermodor, Xenokrates; vgl. Stein-
hardt, Leben Pl.'s S. 260 f.) eine Tradition Qber redaktionelle Thatsachen
begrûndeten, iat durch nichts indicirt; des Philippos Schrift mçi mârioyoç
(Suidas) ist nachweialich nie geleaen worden. — Noch eine schQchteme Frage.
Aristophanea ron Byzanz atellte bei seiner Gruppirung der Platonischen
Dialoge in einer Trilogie dièse Epinomis als dritten iôyoç neben die Nofioè
und den Minos. Dass die Epinomis als Platoniach mit durchging, moti-
virt aich allein aua ihrem Sachzuaammenhang mit den Geaetzen. Wie kam es
aber, dass aie trotzdem nicht als Buch XIII der Geaetze, aondem ala selb-
atândiger Platoniacher kôyoç neben den Geaetzen gruppirt bat werden kônnen?
W&re aie nur zu zwôlf Rollen des Hauptwerka die dreizehnte gewesen, so bliebe
dies Verfahren fUr uns doch schwer Terst&ndlich ; yerst&ndlich scheint es da-
gegen, falls Alexandria ao Nomoi wie Minoa wie Epinomia gleicherweiae als
je eine Belle, das ist zugleich nach altclaaaiacher Auffassung, ala je eine
Schrifteinheit {lôyoç) aus Athen Qberkommen batte (ygl. oben S. 447,3).
— HersteUung der Buchtheilangen in Alexandria. Septuaginta. — 479
mit einem Maie die Weltherrschaft in der Litteratur an sich riss.
Sie that dies vermoge ihrer Philologen, yermoge ihrer Bibliothekare.
Wer war es, der zuerst definitiv mit dem GrossroUensystem brach?
wer, dem aile bis hieher yerzeichneten Autoren ihre nachtrâgliche
Tbeilung zu danken baben? Notbwendig eben jene Grammatiker,
welcbe in Alexandria und demnâcbst in Pergamum die alte Litteratur
catalogisirt mid neu edirt baben.
Unter dem Besprocbenen sind es Yor allem des Aristoteles
Akroasen, die uus bestimmt mit ibrer ersten Edition an Alexandria
wiesen (s. S. 458). An Alexandria denkt aber aucb Galen, wenn er
eine unursprQnglicbe Buchform beim EUppokrates anf ibren Urbeber
zurûckfubrt^). Und auf Alexandria leitet uns aucb die Betracbtung
der Bucbbescbaffenbeit des Alten Testamentes. Die Ueberlieferung
ist ait, welcbe die erste griecbiscbe Uebersetzung dieser Sammlung
an die Namen des Pbiladelpbos imd Demetrios von Pbaleron knûpfte').
Erst dièse alexandriniscben Uebersetzer baben nun die yier fiifiXoi
fiatftXêiùiy bergestellt, die uns als zwei Bûcber Samuel und zwei der
Kônige vorliegen; die bebrâiscbe Tradition kennt dagegen nur ein
Bucb Samuel, nur eines der Eonige'). Sie kennt aucb nur ein
^) Eine Bolle rereinigte die Schriflen niçt (fvCMç àvd-Qiânov, ntql âutirtiç
vykaèvrfç und noch eine dritte zwischen beiden. Galen erkl&rt, im Uebrigen
gewiss unrichtig (XVI S. ô £.) , in der Zeit der Attaliden und Ptolem&er habe
jemand das Buch so verdickt, um dafûr einen hôheren Kaufpreis zu erzielen. —
Die Bûcher Epidem. I u. III trugen die eigenthûmliche Aufschrift ^x tov fitxçov
Ttàyaxidiov (Gai. de diff. resp. II c. 8). Ist hier ein alexandrinisches Ver-
zeichniss gemeint? Jedenfalls Hillt die Herstellung der Gesammtpragmatie der
Epidemien spâter als dièses nwaxidtoy.
*) VgL den Pseudo-Aristeasbrief, den — um abzusehen von Arbtobulos —
Bchon Philo De viia Mosis II 5 f., Josephus Ant. XII 2 kennen (Bleek, Einleitung
in d. alte Testament S. 755 ff.). Pseudo-Aristeas, Philo, Josephus und Talmud
lassen nur die Uebersetzung des Pentateuch Ton Ptolemaeos und Demetrios
Teranlasst werden. Mag man die Fassung dieser Nachricht f&r fîktiv halten,
80 enth&It sie doch die zuverl&ssige Angabe, wann und wo man den griechi-
schen Text entstanden dachte. Die einzelnen Theile der Sammlung fanden
Terschiedene Uebersetzer ungleicher Begabung; jedenfalls waren auch die
Nebiim und die Ketubim Tor 130 v. Chr. flbersetzt. Bleek, a. a. 0. S. 761.
Ueber Daniel Bleek S. 760.
*) Vgl. Bleek S. 355 f. Seit dem 16. Jahrhundert haben die jfldischen
Drucke die Theilung derselben adoptirt.
430 — ^^ ToralexandrÎDisohe fiuchwesen. —
Bucb Annalen, das die Uebersetzer wiederum in zwei fiifiXoê naça-
Xmofiévtûy gespalten baben, die weiter Hieronymus Cbronica be-
nannte^). Aucb scbeint es, dass der Pentateucb, die „funf FûnftbeUe
des Gesetzes'*, fruber in einer Rolle zosammenstand*). Besondeis
lebrreicb fur uns ist endlicb das Psalterium. Hier konnen wir an
unserer Stelle die Autoritât eines Hieronymus reden lassen. Der
Fsalter tbeilte sicb in funf Bûcber scbon im Text der Septuaginta,
wo jeden Bucbscbluss eine lypiscbe Scblussformel kennzeicbnet (nacb
Fsalm 41. 72. 89 und 106). Hieronymus bebt dièse Tbeilung als
unursprûnglicb auf mit folgender Begrundung *) : Scio quosdam
pu tare Psalterium in quinque libros esse divisum ut vbicunque apud
septuaginta interprètes scriptum est yéyono yivo^to (id est fiât fat)
finis librorum sit: pro quo in Hebraeo legitur amen amen. Nos autem
Hébraeorum auctoritatem secuti et maxime Apostolorum qui semper tn
novo Testamento Psalmorum librum nonUnant, unum volumen as^e-
rvmus. Es werden bier also als Zepgen fur die Ëinbeit des Buchs
erstlicb die Hebrâer genannt, sodann die Apostel; Hieronymxis denkt
bierbei an die Stellen Actor. I 20 nnd Luc. 20, 42, wo einfacb h
1) Vgl. Bleek S. 391 f.. De WeUe, Lehrbacli der histor. krit. Etnleitung
in d. alte Test. S. 181 ff.
') Nur von eincr pifikoç Mtavaéfaç redet Ev. Marc. XII 26^ sicb bezîehend
auf Ëxodus 3, 6 (Fabrîcîus, bibl. graeca I S. 184 éd. Harles, wollte hierau
Bchliessen, ^fii^kov et fitfiUoy etiam dici de opère in plures libros distriboto*') ;
ebenso steht fii^kloy auch Psalm 40, 8, Jeaaias 29, II f., Nehem. 13, 1.
Dass die einzelnen Bûcher Moses, bes. Deoteronomium den Charakter selb-
st&ndiger Scbriften tragen, spricbt oicht dagegen, daas man das fûnfibeilige
^Oesetz'' zusammeQ in einer Rolle tradîrte. — Was die Propbeten angebt, so
Bcheinen die ^groâsen'^ von jeher als je ein Bucb gegangen zu sein; die kleinen
galten wobl von je her zusammen als eines. Wenn die Apostelgeschichte 7, 42
einen Vers ans dem „ Bûche der Propheten" anf&hrt (yéyçaniaê' iy fiifil^ nço-
(ftjKjSy), 80 ist damit selbstverst&ndlich nicht die Oesammtheit aller, sondem
jenes eine Buch gemeint, in welcbem eineMehrbeit von Propbeten ent-
halten war, das Buch der kleinen Propbeten; es bandelt sich um Amos 5,
25 — 27. — Die zwei Bûcher der Makkabâer, nicht vor dem 2. Jabrhnndert
entstanden, sind zwei verschiedene Schriflen.
^) Hieron. praef. Psalm. (I 837 Mart.); vgl. desselben Epîstolae criticae
II S. 706 (ad Marcellam). Auch Origenes in seinem Eanon rechnet nur eine
fiifikoç ipakfibjy (Euscb hist. eccl. 6, 25).
— Heratellung der fiuchtheilungen in Alexandrie u. Pergamum. — 481
fi^i'V tpaXfkùiy citirt wird; und er zieht hier also denselben termino-
logischen Schluss, den wir im Yorigen so oft zu ziehen genôtMgt
waren. £r fugt ausserdem noch das Argument aus dem Worilaut
des Hebrâischen Titels hiozu: nam et titulus ipse Hébraeus Sephar
Thallim quod interpretatur vo lumen hymnorum .... non plures Uhroe,
eed unum volumen ostendiO).
In Rom hat der semigraecus Ennius, der erste von Alexandrien
beeinflusste rômische Dicbter'), zuerst Buchtbeilung. Sonst aber
scheint in Rom erst seit dem Besucb' des Erates ans Pergamum im
Jahr 159 das Eieinrollensystem zur Regel geworden zu sein (s. S. 463)*).
Jedenfalls fiîhrt Sueton die Zerlegung des Bellum Poinicum des
Naeyius (S. 462) auf den Ëinfluss dièses Yertreters der griechi-
scben Philologie und Bibliothekswissenschaft ausdrucklich zurûck*).
^) Dieselbe Wahrnebmung yerleitet den Hieronymus fireîlîch bei Commen-
tirung der sohweren Worte Ëcdesiafli^. 12, 13 rov not^aai fiàfikia ohx fcn ttc-
çao/Lioç xtti fitlirri no)Jji xôntoctç caçxôç su einer grossen Sonderbarkeit. Die
pluralische Wortform fitfilia betonend, erkennt er hier ein Verbot Tielbflcberig
eu Bchreiben ; denn die scblicbte Wahrheit in Christo rede immer nur in einem
Bucbe; quod si diversa et dùcreptanUa disputaveris et curiositate nimia kuc
atque illuc animum adduxerû^ etiam in uno libro muUi libri ntnt! Dasa die
Wabrheit monobiblisch rede, wird dann aua Psalm 39, 9; 69, 28; Jesai. 29, 11
Apokal. 5, 1 erwiesen, sowie daraus, dass man den Pentateuch singolarisch
Lez und die yier Evangelien ^das Evangelium^ su nennen pflege (Ep. ad Bom.
2, 16). Eb sei eben bei den heiligen Schriften Sitte, guamvis plures lihroSj si
inter ^se non discrepent et de eadem re scrihantur^ unum volumen dicere
(Comment. EIccles. fin.)* Uieronymus schreibt hier aber den Origenes aus (ad
eccles. B. I S. 168f. éd. Lomm.), der die Theae Hy fitfiUoy rà navra Syta
êîntlv, noXXà ai rà ï^ta ebenso erweiiit, aber ak eine Parade zie selbsi ein-
fùhrt: naçado^ouQoy içci (S. 167 fin. Lomm.).
') Hierauf weist sein Sota sowie die Anwendung der naqacnx^'
') Von den Origines Cato's ist nicht sicber, dass sie vor lô9 edirt wurden
(an Bucb VU, dem letzten, schrieb er noch in seinem Todesjahr), unsicber auch
die Vermuthung, dass Cato die 3 ersien zuerst herausgab: denn warum &ndert«
er nicht den Titel des Gesammtwerkes, als es fertig war? Man beachte, daas
seine libri ad filium nicht nummerirt wurden, sondem Specialschrifien gewesen
zu sein scheinen.
^) Sueton granmi. 2 erzâhlt: ^Krates wurde der Urheber grammatiseher
Besch&ftigungen in Bom, und in seinerNachahmnng {ac nostris exemplum
fuit ad imitandum hactenus [tamen imitati sicher interpolirt] ut carmina ....
Birt, BnchweMn. SI
4S2 — ^^^ Toralexandrinische Bachwesen. —
Zwar wissen v^lr nicht, ob Einer der alexandrinisclien oder
pergamenischen Gelehrten ûber das . Teclmische des Buchwesens zu-
sammenbângend gescbrieben babe^). Wobl aber entsinnen wîr uns
bier als des einzigen einscblâgigen Zeugnîsses eines Aussprucbs, der
gerade fur den Yomebmsten Namen îm classîscben Bibliolbekswesen,
fur Kallimacbos ûberliefert ist. Die zerstôrende Zeit bat mit der
geistigen Arbeit wobl keiner bedeutenderen Litteraturepocbe so
grûndlicb wie mit den Scbriften jener alexandrin iscben Gelebrten
aufgeraumt. Um so beredter spricbt jedes versprengt erbaltene
Wort; die Abnung des breiteren Zusammenbanges, dem es entstammt,
klingt in uns mit an und steigert den Eindruck des Bedeutsamen
in das unbestimmt Grosse. Wir fûblen die Pflicbt es genau und
moglicbst im Sinne seines Urbebers zu wûrdîgen.
Kallimacbos batte sicb des Aussprucbes bedient: „dass das
grosse Bucb einem grossen Uebel gleicbwertbig sei^. Die
Excerpte des Atbenaeos S. 72 A iiberliefem kurz genug: 7>t» KaXii-
fMxxoç 0 yQafjkfj^auxoç to fjtéya fii^Xlov ïaov hXsyBV €fya& w
fieycclto xaxù).
Diesc Worte sind') in Bezug gesetzt worden zu dem tbeoretiscben
Streit, den Kallimacbos gegen ApoUonios Rbodios fûbrte. Der Dicbter
der Hekale, der Gegner breiter cycliscber Epen {ix&aiq(û t6 noiijfAa
jo xvxXixop xtX.), der sicb selbst die ^QayjvavXka^iti vindicirt
(Epigr. 10) und der nicht dichtet und nicbt gedicbtet wissen wiil
Werke, grenzenlos wie das Meer (pç ovâ' o(Sa nôvxoç àsideii vgL
frg. 481: firj [fiSTQsTp] (^xolvo) Usçaiôi' xiiv aoifiriv)^ so wie im
diligentius tractarent) fing man an, vergesscne Werko neu bekannt zu macheDr
zu Icsen, zu commentiren : so raachte os, an erster Stelle, Lampadio mit
Naovius, dessen Punischen Krieg er in sieben Bûcher zcrlegte,
hernach Vargunteius** u. s. f. Wir gehorchen dem Augenschein, wcnn wir
nicht nur das Neuodiren und Commentiren des Naevius, sondern auch das
Zerlegen in Bûcher als Gegenstand der ,,Nachahmung*' betrachten.
^) Dass Eratosthenes einen Âbschnitt seines Werkes ûber die Komôdi»
auch ûber Gcr&thschaften fûr Bûcher handeln Hess, ist fur uns ohne Belang;
Pollux X GO: nagà fdét'Toi tm 'EçaJoaS-éyft tuçotç àv Tovpofia in» tov cxiùotfç
Tov joîç ^i^Xioiç XQV^i/^ov.
^) Zuerst von Mcrkel, prolusio ad Ibin S. 341; rgl. S. 3CG; so auch noch
£. Kohde, Gesch. d. gricch. Romans.
— Eallimachos Gegner des GrossroUensystems. — 433
Sinn seiner Scbule auch CatuU (95) gegen den tumor des Antimachos
fur die parva monumenta eintritt: derselbe Kallimacbos soll aucb hier
im selbigen Sinn das grosse Epos ein grosses Uebel genannt haben.
Dièse specielle Beziebung wâre jedoch nur znlâssig, wenn wir
wûssten, dass die Argonautica des ApoUonios ohne Buchtheilung
erscbienen. Da dies nicbt der Fall, so mûssten wir yielmehr lesen:
%o noXvfiifiXoy noitj(ia Xaov skaysv slyat t& lAsyccXta xaxta,
Man bat sogar den Yersuch gemacht, die Worte einer poetischen
Yersform anzubequemen^). Die Berecbtigung biezu wird, ganz ab-
gesehen Yon der ungefûgen Natur des bypotaktisch ûberlieferten
Satzes, durch das Epitheton 0 ygafAfianxoç widerlegt, das Athenaeos
zu dem Namen binzusetzte. Denn weder Athenaeos noch sonst ein
Autor bat, wo Verse des Kallimacbos citirt wurden, solchen Zusatz
je gemacbt; wobl aber heisst Kallimachos in solchem Fall 6 nouft^ç,
80 Atben. S. 144 E, Julian Epist. 30, Suidas s. *A(fTvdytiÇj Geliius
lY 11^). Lesen wir dagegen KaXXifAaxoç o yQafkiAat&xoç, wie im
Etymologicum Magnum S. 672, 27, so ist yielmehr von den gram-
matischen Arbeiten des Mannes die Rede, und zwar an der ange-
fuhrten Stelle gerade speciell Yon seiner pinakographischen
Tbâtigkeit (vgl. Schneider Callim. Il S. 305 f.).
Weiter noch fuhrt das Verbum êXsysv. Wir mûssen mit Merkel
(a. a. 0.) ûbersetzen: ^Kallimacbos pflegte zu sagen^)'*. Das Dictum
giebt sich also als ein Apophthegma und beabsichtigt gamicht die
Meinung zu erwecken, als habe es in den Schriften des Kallimachos
gestanden.
1) Uecker Comm. Callim. S. 33. 50 und Schneider Callim. II S. 559,
fr. 359 meinen, aie stammten ans dem Prolog der Aitia, und der eine yersucht:
xax^ fityâltfi fiéya fitfikioy laoy,
der andere gar:
16 [yàç] fiéya fiêfiXiov laoy
T^ fiiyâktp x(KXip [Uff' aç yÙQ i^ol doxiêè],
worauf die Gegner das Pr&dikat ^uUyoç wohl allerdings mit Reeht applicirt
h&tten.
') Dagegen iat bel Stephanos y. Bjzanz S. 634, 4 ans Handschriften der
Name des KaXXiyoç noè^viç hergestellt, TgL Schneider fr. 314.
*) In den Excerpten des Athenaeos wird, wie begreiflieh, kein Schrift*
siellercitat mit solchem fXtyiy eingefUirt.
31*
4g4 — ^'^ Toralexandrinische Bachwesen. —
£s kann nun ein so formulirtes Urtheil, welcbes die grosse
Buchrolle einem grossen Uebel gleichsetzte, lediglich das antike
Rollenbucbwesen im âusserlicb technischen Sinne betroffen haben.
Und Athenaeos selbst giebt hierfûr eine Bestâtigung. Wir finden
den Satz nâmlicb am Anfang der Excerpte seines dritten Bucbes;
er stebt hier obne Zusammenbang mit dem eigentlicben Inhalt des
Bucbs, der unmittelbar nacb ihm einsetzt: zunâcbst ein Katalog
Yon Frûchten, anhebend mit dem Lemma KifiiùQia, der dann die
ersten 29 Eapitel ausfullt. Es ist unyerkennbar : A£henaeos batte
das Eallimacbeiscbe Dictum ûber Rollengrosse am Anfang eines
Buchs eben darauf angewendet, dass er sein voriges Buch hier ab-
brach und zu einem neuen Qberging. Entweder sein Buch II war
kûrzer als die ûbrigen gewesen imd Eallimachos musste dièse Un-
gleichheit entschuldigen helfen, oder es war zu stark ausgefallen^),
und Athenaeos machte sich hieruber Selbstvorwûrfe mit gelehrter
Erinnerung an die nâmliche Autoritât.
Ist dieser Ausspruch des Eallimachos authentisch? Man wird
ohne hinreichende Grûnde daran nicht zweifeln. Wâre er aber Er-
findung, die innerhalb der Grammatikertradition entstand, er wûrde
um nichts weniger bedeutsam bleiben. Jedenfalls ist er gesprochen
oder gesprochen gedacht im Zusammenbang mit den grammatischen
und bibliothekarischen Arbeiten des Mannes. Welche dièse waren,
ist uns hinlânglich bekannt. Er ûbernahm nach Zenodot's Tod die
ordnende Verwaltung der grossen Bûchersammlung des Brucliiunis,
mit der sich die Sorge fur Abschrift und Neuedition verband und
deren wissenschaftiiches Ergebniss jene Ilivaxeç waren, die un ter
anderem von jedem Autor auch die Buchumfange verzeichnetea
(s. S. 164). Wir haben Grund anzunehmen, dass die Erklârung des
Eallimachos gegen grosse Buchrollen von der Beschaffenheit der
âlteren Litteratur, dieerim Bruchium vorfand, veranlasst worden
ist. Dièse Erklârung muss aber alsdann eine eminent praktische
Bedeutung gehabt haben.
Ueber die Beschaffenheit der Bûcher in den Ptolemâischen
^) DafÛr sprichty dass die Excerpte aus B umfangreicher sind als die
aud A erhaltenen.
Kalllmachos Gegner d. Grossrollensystems. Die alexandrinische Bibliothek. 485
BibliothekeD sind wir keineswegs ohne Nachricht, deren Uebermittler
freilîcli der allerspâtesten Zeit angebôrt. Die Scbwierigkeit ibrer
Interprétation kann uns ihre Berûcksîchtigung nicht ersparen, und
wir kehren biemit zu dem ersten Ausgangspunkt unserer ganzen
Betracbtung zurûck (S. 5 f.). Gemeint ist der vielumstrittene Bericbt
des Tzetzes in seinen Prolegomena zum Aristopbanes, der, wie leicbt
ersicbtlicb und anérkannt ist^), einer alten und guten Quelle foigt.
Wir lesen bier: Alexander Aetolos, Ljkopbron und Zenodot bâtten
unter Ptolemaeos Pbiladelphos Diorthosen der Tragodien, der Ko-
môdien, des Homer gemacbt. Dieser Ptolemaeos babe nâmlicb,
Yorzûglicb in Anregung des Demetrios Yon Pbaleron, Yon allen Orten
die Bûcber in Alexandria gesammelt und sie in zweien Bibliotbeken
deponîrt. Auf dièse dûrfbîge Darstellung der grossen Bibliotbeks-
griindung folgt unmittelbar die Anzabl der Bûcber selbst, die sicb
also allem Anscbein nacb nur auf die ersten Ankâufe in der ersten
Période der BibliotbeksYerwaltung beziebt. Es beisst'): aval fiifihih-
^^xa^ç javTaç (tàç filfilovç) àfïi&sto, (Sy tîjç ixzoç ikiv ^y
àçêd'fAoç z€TQax$çfAVQêa& âkçxiXiai oxzax6aia&, tijç â* scoa t&v
avaxtÔQœy xai fiacfilstov fii^Xtay (Aèy avfifuxéiy (sic) aQt&fAOç
tsatsaqdxovta fAVçniâeç, ànX&y âè xal afAtayoiy filfiXwy (jkVQtââsç
iyyia, dç 6 Kakklftaxoç vsayiaxoç tov r^ç avXriç vtszéqiùç
fistà tfjy àpoQ&ùûtîiP tovç nivaxaç avx&v ànsyçdtpato.
Fur die ^âussere'' Bibliotbek erbalten wir also ununterscbiedlicb die
Summe 42 800 , fur die ^innere^ des Brucbiums wird dagegen
^) Eeily Bheio. Mus. VI S. 242 deokt dabei an die Autoren ûber das
Alexandrinische Muséum, ûber die rgl. Klippel De Mus. Alex. S. 11 ff.
*) Icb folge dem Text des Ambrosianus bei Eeil, a. a. 0. S. 117. Der
Text des Parisinus lautet: xai dvai fiêpUod^^xatç raûraç (se ràç fiifiXovç)
àntâito, vjy j^ç ixroç /i«V uçid'^oç TiTçax, cTar/. oxrax,, i^ç dt rtov crra-
xjoQoty iynç av^/niydiy ^iv fiifikœy àçt^fioç uaaaQÙxovja ^uytccdiç, ù^èydîy
âè xat anlœy fivçtâdéç iyyéa' &v tovç niyaxaç wntQoy KaXXifiaxoç imyçâ'
%pato. Der Text des Plautusscbolions ist: duos bibliothecas fecit^ alteram extra
regiam, alteram autem in regia. In exterwre autem fu^runt milia voluminttm
quadraginta duo et octingenta; in regiae autem hihliotheca voluminum quidem
commixtorum volumina quadringenta milia ^ simpliciwn autem et digestorum
milia nonaginta, sicuti re/ert Callimackus aulicus regius bibliothecarius qui
etiam singulis voluminibus titulos inscripsit.
486 — ^^ Toralexandrinîsche Buchwesen. —
zwischen fiifiJiot CV/AfuyêTç und fiifilot afA^yêîç xaï ânlat unter-
schieden, und die ersteren auf 400 000, die letzteren auf 90 000
angesetzt. Was bedeuten dièse neuen und spâter ganz UDÛblicIieii
adjektiyischen Bestimmungen des Buchbegriffs?
Erwâgen wir zunâchst, wem sie angehoren. Jedenfalls hat
Tzetzes sie mit ûbemommen. Sie sind aber nîcht nur ait, sondera,
wenn wir dem Text genau folgen, ist es Eallimacbos selbst gewesen,
der sie aufgestellt. Wie immer die Worte œç KaXXifAaxoç xtL
im Einzelnen aufzufassen seien — wir ûbersetzen: „so wie KaUimachos
spâter nacb der Anortbose von ibnen die Kataloge aufiiotirte^)^ — ,
jedenfalls werden uns durcb sie des Eallimacbos Hivaiuç selbst aïs
das Werk genannt, in dem jene unterscbiedlicben Buchsummen auf-
notirt standen^. Ist dem also, so werden wir uns um so angelegener
sein lassen, die fraglicben, unbekannten Bucbtermini moglichst correkt
zu fassen.
Ritscbl stellte nacb Beseitigung yerscbiedener anderer Erklarungs-
yersucbe scbHesslicb auf: Eallimacbos gebe an erster SteUe die
Gesammtsumme „aller Bûcber obne Unterscbied^, welcbe durch
die Ankâufe des Ftolemaeos zusammengeflossen waren und unter
denen sicb nocb sebr yiele Doubletten befanden; dies also seien
die filfiloi (TVfÂfAiysXç] mit den ânlat oder à/Aiyêtç werde dagegen
die Summe derjenigen abgesondert, welcbe nacb Ausscbeidung
der Doubletten iibrig blieben.
Dièse Erklârung scheint verschiedene âussere Vortbeile zu baben.
Sie macbt begreiflicb, weshalb die Zabi der avfifitysîç so viel grôsser
ist als der àfi^yeîç. Sie scbeint ferner erklaren zu konnen, wesbalb
eine entsprecbende Unter scbeidung nicbt aucb fur die Serapeums-
bibliotbek gemacbt ist: dièse babe eben nur von den Doubletten des
Brucbiums entbalten. Und daraus weiter wird erklârt, dass wir aucb
*) 0. Schneider Callim. II S. 301 will ànoyQÛ(fta&a^ als ^abscbreiben*'
verstehen und glaubt, des Eallimacbos Pinaces hâtten altère Pinaces aïs Grand-
stock berfibergenommen, welcbe von Alexander, Lykophron and Zenodot her«
r&brten. AUein die fiblicbe Wortbedeutung von ànoyQttf^^ttv spricbt dagegen.
3) Vgl. Ritschl. Op. I S. 20; KeU a, a. 0. S. 248. Ganz obne Berechtigung
ist es, mit Bergk (Griecb. Litter.-GeMch. S. 274) den RelativsaU taç KaXU-
fAtt^oç xtL nur auf die letzte Summe der ànkài zu beziehen.
— j9»/3Jloi cv/Li^tyètç u. a/4tytiç (ânkal) der alexandrin. Bibliothek. — 487
von eînem besonderen Bibliothekariat fur dièse Buchsammlung des
Serapeums nlclits erfahren. — Die letzten zwei Sâtze wâren nur be-
rechtigt, wenn wir ansetzen, dass die Summe der fiifiXoi CVfAfAiyeïç,
die Ptolemaeus ankaufte, vielmebr 442 800 war. Allein den Worten
eelbst ist biemit offenbare Gewalt angetban, und wir mûssen auf
eacblicbe Vortbeile einer incorrekten Interprétation verzicbten. Erst-
licb konnte „eine AnzabI Bûcber, obne Unterscbied welcbe^
nîcbt filfiXot (fV[A(Âiy€Tç beissen. Jede (fvfAfkê^^ç bedeutet docb gerade
80 wie die deutscbe ^Miscbung^ nur eine Yerbmdung von Dingen,
sofem dièse Dinge der Art nacb unter einander yerscbieden sind;
dagegen wîlrde aber der Ausdruck des Eallimacbos, wenn er auf
Doubletten unter den Bûcbem binwies, damit gerade besonders
«inen Hinweis auf ibre Artgleicbbeit entbalten sollen; durcb ibre
Artgleicbbeit wûrde die Wabl des Terminus yeranlasst sein mûssen:
und er wâre also in demselben Grade unbezeicbnend und unver-
fitandiicb gewesen, als wenn wir Doubletten als «Miscbbûcber^
bezeicbneten. Das nâmlicbe gilt natûrlicb von dem Gegensatz à/M-
ystç oder àfAKSyetç. Nocb unmôglicber konnten aber zweitens die
doublettenlosen Rollen filfiXoi ànXaX beissen. Ein Einzelexemplar,
das kein zweites gleicbartiges neben sicb bat, beisst einzeln, nicbt
aber einfacb, smgulare, nicbt aber simplex, jca&' îv, nicbt aber
ànXovv. Sondem das Einfacbe ist immer das ^Unzusammenge-
setzte"^).
Môgen also die sacblicben Scbwierigkeiten nocb so gross wer-
den, die Beobacbtung der Wortbedeutung zwingt uns auf den Weg,
den so Bembardy als Schneidewin aïs Eeil') den Grûnden Ritscbl's
zum Trotz einscblugen. Bembardy erklârte: fiifiXoê ânXat (stmplices)
mûssten yielmebr soicbe sein, in welcben nur je eine Scbrift ent-
balten war, avfAfuyêTç {commixtaé) diejenigen, welcbe mebrere
Scbriften in sicb vereinigten. Dabei dacbte er sicb fireilicb
') Vgl. Eeil a. a. 0. S. 247 : ipsa volumina propterea quod singula librorum
quos continebant ezemplaria erant, reliquia in hoc numéro non computatis,
aîmplicia diei nequaquam potuenint.
') Bernhardy, Analecta criU Berol. 1888 S. 821 ff.; Sclineidewin, GOttin-
giBche gelehrte Anzeigen v. Jabr 1840 II S. 952. Eeil a. a. 0. 8. 249.
4gg — Dm Toralexandrinische Buchwesen. —
Codices als Bucbform. Yollkommen kam damit Schneidewin^s Ur-
theil ûberein, der die avfkfi^ysZç als Miscellancodices interpretîiie.
Ritschl konnte in seinem Corollarium die Unmogliclikeit der
Codices fur Kallimachos' Zeit allerdings leiclit darthun; jene drei
Mânner Tertraten dennoch das Richtige^). Wir sind nach aUem, was
wir Yoraufgeschickt, in der That in der Lage, den Miscbrollen
ihre richtige Wortbedeutung zu belassen, ohne docb auf erbebliche
Sacbwidrigkeiten zu stossen. Und die Bemerkung eines Gregners,
welcbe Ritscbl in seinem Corollarium mittheilt*), ist zutrefiTender, als
er selbst abnte: ^Nun sagen Sie, unter den Bûchem im Hercu-
lanum babe man ein Einziges gefunden, worin mebrere Werke eni-
balten seien (dies ist N. 1418, éd. Oxon.). Was aber da sehr selten
ist, kann in Alexandrien sebr hâufig gewesen sein, da solche Dinge
Ton der Mode der Zeit und des Ortes .... abbângen. Wie viel
bâufiger waren sonst die Folianten als jetzt; wem wûrde es z. B.
einfallen, eine Sammlung von Recensionen zu einem Folianten zu
macben, wie dies bei Bayle gescbeben ist?^ Wir antworten im Sinne
des Fragenden: den Bucbbandlem in der voralexandriniscben Zeit.
Uns sind fiifiXoi afA^yêîç von bedeutendem Umfange in Tielen
Fâllen bekannt geworden; die grôsste unter ibnen war etwa die des
Tbukydides zu ca. 20 000 Yersen oder ca. 700 Selides. Es ist évident,
dass dies Grossrollensystem kleineren Scbriften gcgenûber nicbt obne
die entsprechenden Folgen bleiben konnte. Es mussten sicb in den
grossen Rollen hâufig aucb mebrere kleine Scbriften zusammen finden.
Solcber Miscbrollen baben wir bisber wirklich zebn fur den An-
*) £r Dôthigte Eeil damît zu einer nicbt glûcklicheren Hypothèse. Die
falsche Voraussetzung, Buch und RoUe seien nicht identiseh, ergab den Schlosf,
es habe also aucb solche Rollen geben mûssen, in welche ein Buchschluss nnd
ein neuer Buchanfang zusammenfielen ; dièse Rollen enthielten dann also
wenigstens Tbeile aus zweien Bftchern und konnten mit Becht Miscbrollen
beissen. Hierauf fûbrte ibn der incomplète Bankesianus, ûber welcben vgL
S. 128 N. 3. Man yersetze sicb aber ûbrigens einmal in die Notblag^ eines
alexandriniscben Bibliotbekars bineîn, der, wàbrend Buch und Rolle etwas
principiell Verschiedenes waren , dièse Miscbrollen dennoch als fiifilot zu be-
zeicbnen genOtbigt war! Nach welcbem Wort soUte er alsdann greifen, um
die Bûcher selbst zu nennen, die er auf solche fiifikoi rertheilt fand?
3) Op. S. 158.
— fiifiXot oufifitytiç und u^iytiç {anktu), — 489
tisthenes nachgewiesen (S. 449 f.), fûnf fur die sonstigen kleineren
Sokratiker (S. 448 f.), eine fur den Theophrast (S. 457), eine fur
Homer, dessen zwei Hauptepen man verbunden las (S. 444 f.). Dies
fuhrt aber zu eiaein Analogîeschluss auch fur yiele andere Schriftea
kleinen UmfaDgs^).
Wir mussen, so yiel ich sehe, entweder auf eine Wûrdigung der
Elallimacliosnotiz ûberhaupt Yerzicbt leisten oder uns entscbliessen,
die kurzen Worte, so wie sie sich darbieten, in ihrem bucbstâblicben
Sinne zn nehmen. Uns braucben auch unerwartete Consequenzen
nicht zu beirren fur eine Zeit, die uns docb im Grunde so unbe-
kannt ist.
Wenn Ftolemaeos Pbiladelpbos , bevor Kallimachos das Biblio-
thekariat antrat, nicbt weniger als 400 000 Ton der Art der soeben
angefuhrten Mischrollen zusammengekauft batte, so folgt aus dieser
^) la einigea weîteren, sicheren Belegen wurde dies Âolass zu Irrungen ;
die Schriften wuchsen zusammen; es fanden EigenthumsObertragungen statt
wie beim Lygdamus und Tibull (oben S. 428). Ilierher gehOrt rom Hippokrates
das Beisptel oben S. 479, 1, ferner ntqi voùcoty B. I, drei zusammengewachsene
Traktate; de natura ossium fîlnf Fragmente verschiedener Autoren. Am Schlusa
der Rolle III nfQ» vovaiav wurdo die ifaç^iaxirtç, am Schluss Epidem. V ein
Theil von Epidem. VII eingetragen. De TÎctu acutomm hat eine Appendiz von
yod-a {là TiQOçxiififya nach Qalen); ûber solche Appendices in Rollen spricht
Oalen zu Epidem. 111 S. 732 {nQoçyéyQanjal uva hinter dem léloç fitfiliou);
derselbe (zu de vuln. capîtis) erki&rt: weil die Buchanftnge sanktionirt waren,
seien die EinfBgungen stets hinten im Bach gemachu Solche yôd-a h&ngen
auch Xenophon^s Kyropaedie und Kynegeticus an. — Eine Mischrolle ist ferner
Aristotelea' Metaph. XI; eine andere verr3th der Titel Ta ix rov Tk^aiov
xal niy \4qx^*^*' (Heîtz a. a. 0. S. 221); vgl. De Xenoph., Zen., Gorgia;
auch ntQÏ fAytifitjç xni vnyov wnrden als ein Buch gelesen (Gell. VI 6, Ptolem.
N. 4 u. a.). — Vielleicht edirte Xenophon seinen Oekonomikos, der mit einem
dé und ohne Sokrates zu nennen beginnt, als Appendix der Memorabilienrolle. —
Die Pseudepigrapha Xenophon's wie Plato's werden gleicbfalls am natflrlichsten
auf diesem Wege erkl&rt. Die Dialoge Plato's standen zu mehreren in grossea
Rollen vereint; von den Bibliopolen wurden verwandte Stficke wie Eryxias,
Minos u. a. hinten eingestellt; und so konnte schon Aristoteles z. B.' dea
Menexenos als Platonisch lesen. Ftkr Xenophon brauchen wir dann nicht die
kflnstliche Hypothèse eines gleichnamigen Enkels. So wurde vor allem die
herrenlose Schrifi vom Staat der Athener verkflrzt hinter den Staat der Lake-
d&monier eingetragen und mittelst eines dé angeknfipft.
490 — ^^' ToralexandrinUche Buchweaen. —
enormen Summe zunaclist das eine Wicbtigste, dass bis in des
Philadelphos Regierung hinein das altmodische Gross-
rollensystcm noch geherrscht oder doch Yorgeherrscht
haben mus s. Denn das Kleinrollensystem war es offenbar, iras
den Mischrollen ein Ende machte. Sînd aber die 400 000 RoUen
sâmmtlich Zeugen fur die alte Buchform, so ist yon hier ans auch
die Minoritât der ûbrigen 48 000 afiiyetç mit Wahrscbeinlichkeit far
dieseibe alte Buchform in Anspruch zu nebmen ; dièse unvermischten
Bûcber werden nach dem Beispiel der Thukydidesrolle zu beurtheilen
sein. Das Grossrollensjstem reicbte aiso binab bis in die
Zeit des Kallimacbos. Es hâlt angesichts jenes Yerdikts gegen das
f^éya fiifiXloy (S. 482) schwer sich der YorsteUung zu erwehren, dass
die Erfindung oder doch gewiss die erste planmâssige Anwendnng
des Kleînrollensjstems und des Bucbtbeilungsprincîps diesem KaUi-
machos zufallt und dass er selbst es war, der die redaktionelle Ar-
beit der Theilung fur viele der alten Schriftsteller ûbemabm.
Die Litteratur erinnert sich an jene Terminologie, die er in den
Pinakes anwandte, nur noch ein einziges Mal. Und die betreffende
SteUe kann uns fur das bis hieher Gesagte in doppelter HinsichI
eine Bestatîgung sein. Das Ende der grossen pergamenischen Biblio-
thek war ihre Einvcrleibung in die alexandrin ische. Antonius
machte sie der Kleopatra zum Geschenk. Plutarcb, der dies erzahlt
(Anton. 58), giebt zugleich den Buchbestand, folgendermassen : Àa-
Xoviaioç âè Kalaaçoç staXqoç su xal ravta tùSv sîç KXê07idiQ<x¥
iyxXrjficcTCûy ^AvtiAvio} nqoviféQe, xaqitsats&at (lèy aî'r^ tàç h
Ilêçyccfiov pi^Xiod'^xaç èv aîç sïxots^ fAVQicidsç fi^fiXicûv ànhiv
fi(Sav, Dies der letzte Nachklang der alten Terminologie. Perga-
mum batte damais also nur noch ^i^Xia anka. Die Misch-
rollen batten definitiv aufgebôrt. Die Bucbtbeilung berrschte.
Die Anerkennung der Geltung der grossen Rollen bis zu Ealli-
machos involvirt aber zugleich : dass unsere Skepsis gegen die Bucb-
theilung des Ephoros nicht imberecbtigt, dass unsere Auâassung der
Aristotelesproômien zutreffend war und dass wir die Nachricht ùber
Pbilipp den Opuntier unbedenklicb zu den anderen Hypotbesea
stellen durften.
Doch will sich noch ein berechtigtes Bedenken regen. Das
— Das GrossroUeasystem herrschend bis Kallimachos. — 491
Yerhâltniss fireilich, wonach die filfiXoè (fVfAfA^yetç ungefahr zehnmal
60 bâufig waren, als die anXat, nehmen wir noch ohne Anstoss als
lernenswerthe Thatsache hin. Allein jene Zahlen selbst, die KaHi-
machos verzeichnet haben soU, scheinen zu enorm. Die damalige
Litteratur, weit entfernt 1 248 000 Werke anfzuweisen (denn die
ffVfkfAiyéîç mûssen doch im Durchscbnitt wenigstens auf je drei
Werke yeranscblagt werden), war ja docb wobl, aile Dramen mit einge-
recbnet, tbatsâcblicb deren nur 3000, scbwerlicb 4000 zu liefem im
Stande. Eine Ausgleicbung dieser Zablen scbeint undenkbar. Die
eine iiberbietet die andere um das Vierbundertfache.
Seben wir zu, wie und nacb welcbem Princip Ptolemaeos seine
ersten grossen Kâufe macbte, und die Ausgleicbung giebt sicb von
selbst. Ton den planmâssigen Anscbaffungen modemer Bibliotbeks-
Terwaltung mûssen wir dabei grûndlicb abstrabiren. Der Bericbt
des Tzetzes scbon redet deutlicb genug: ôandvaiç fiatîiXixaXç
ànavxoxôd^év ràç filfiXovç sîç ^AXe^dyâçsiav Iqd'qoifSêv. Man
acbte wobl auf den Artikel faç. Von ail en Orten wurden „die
RoUen" oder „die vorbandenen Rollen" aufgekauft, d. b. aile Exemplare,
deren man babbaft wurde. Das Princip selbst ist biermit scbon
ausgesprocben : es kam nur nebenber aucb auf seltene Exemplare
an; es kam an auf unbegrenzt viele Rollen. Wenn Ptole-
maeos an vielen griecbiscben Plâtzen derartige Massenankâufe obne
Wabl ausfubren liess, so war die notbwendige Folge: die einzelnen
Werke mussten sicb in dem alexandriniscben Rollendepot zu Dutzen-
den, ja, zu Hunderten von Exemplaren aufbâufen. Es war, nacb
Tzetzes, ein koniglicber Aufwand : in der Tbat, ein Engrosverfabren,
wie es sicb nur die ûppige Laime eines orientaliscben Despoten ein-
fallen lassen konnte. Auf derselben Yorstellung beruben Bericbte,
die sicb im Détail scbon entstellter erweisen, wie bei Syncellus S. 271
Dale: ôç (se. IlToJiefjkaToç O^Xciâ,) nâvroop 'EXXijvfoy t€ xai XaX-
âalœy AÎYvmitav re xaVPùOfAakay zàç filfiXovç cvXls^dfMyoç xai
(letaifQÛaaç tàç àXXoyXoitîtfovç sîç tijv *EXXccda yXfiifSiSav (AVQtàâaç
fiifiXlœp î ané&sto, Dasselbe bringen in anderer Fassung Cbronic.
Pascb. S. 326. Eedren. S. 165^). Das Aufkaufen der Rbodiscben
^) Vgl. Qbrigens Parthey Das alez. Muséum S. 77.
492 — ^'^ Toralexandrinische Buchweaen. —
Bûcher und der Athen's (ta ^yi&^ytj&êP xai %à àno *P6êov) er-
wâhnt Athenaeos S. 38. Yiel weiter aber gelangen wir nocb durch
den âlteren Zeugen Gellius YII 17; um die Buchsnmme^) zu erklaren,
bericbtet er, mit genauer Unterscbeidung: die Ptolemaeer batten die-
selbe zusammengebracbt , indem sie die Bûcber theils einfubrten,
tbeils aber aucb selbst berstellten: mgens . . . numerus Ubrorvm
a Ptolemaeis regibus vel conqvmtus vel cor^ectus est, Dies Herstellen
der Bûcber ist natûrlicb Ton Abscbriften gesagt; zu ibnen musste
aber die Yorlage gleichfalls in Alexandria Torhanden sein^. Mit-
bin lag es gradezu imPrincip dieser ersten grossen Bibliotbek, ein
und dasselbe Werk in yielen Exemplaren auf Lager zu balten. Und
wir baben biemacb gradezu die Pflicbt, jene grossen Zablen aus Yer-
yielfâltigung der Einzelwerke durcb Abscbriften zu erkiâren, fur
deren Menge wir gar keinen Massstab baben*}, ausser eben in jenen
Zablen selbst. Dass jedes Einzelwerk in der Tbat durcbscbnittlich
yierbundertfacb vertreten sein konnte, ist einestheils durcb den
quaestus, andemtbeils durcb die confectio der Exemplare am Ort bin-
lânglicb erklârt.
Die Wirkung jener Massenkâufe muss eine ungebeure gewesen
sein. Aile Bucbmârkte der griecbiscben Welt baben damais offenbar
ibre Waare unterscbiedslos nacb Alexandria geworfen. Das Angebot
war ein zu gûnstiges. Aucb sollen Fâlscbungen nicbt unterblieben
sein, die der gebotene Preis bervorrief. Wenn nicbt Zweck, so war
es docb die Folge hiervon, dass aile andern Plâtze mit einem Mal
wie ausverkauft waren und dass die jûngste der Stâdte durcb die
flotte kaufmânnische Opération ibres Kônigs im Fluge die Herr-
scbaft im Buchhandel an sicb riss. Fleissige und kundige
Griecben wurden angestellt, den Wust von Rollen, der zunâcbst auf-
gebâuft lag, zu sicbten, zu identificiren. Erst spâter folgten Per-
') Die er auf 700 000 ansetzt, wie auch Ammian. Marccll. XXII, 16.
') Denn es w&re unglaublich und einfach der Textfassuog zuwider, wollten
wir aDnehmen, dièses conficere libros sei in anderen St&dten im Auflrage
der Ptolemaeer ausgeftihrt worden.
^) Auch Ritscbl a. a. 0. S. 29 schliesst aus dieser Oelliusstelle auf Ver-
vielfâltigung durch Abscbriften, „fQr deren Menge wir gar keinen Massstab
haben''.
— Princip der BQcheranBchaffangen der Ptolem&er. — 493
gamum und Antlochien mit gerisgerem Erfolge dem originellen Beî-
spiel der Ptolemaeer nach. Das Résultat war: altère Schriftsteller
konnte in dem nâchsten Zeitraum kaum noch jemand traktiren ausser
auf Grund âgyptischer Exemplare. £s scheint, den ûbrigen Platzen,
insbesondere Athen, fehlten in yielen Fâllen gradezu die Bûcher,
um ibrerseits Wiederauflagen vorzunehmen. Fur die alexandri-
nischen ixâà(fêiç war — bis auf Rom — die Concurrenz wegge-
râumt.
Noch einmal also: uns fehlt jedes Recht, den Grad der Yerviel-
faltigung, in der die Einzelwerke yorhanden waren, in unserer Yor-
aussetzung irgendwie zu beschrânken. Die Tradition giebt uns
freieste Hand. Die Alexandrinische ^Bibliothek^ entsprach nicht
dem, was die Jetztzeit unter dem Namen yersteht: sie war keine
Sammlung von Werken, sondem ein Bûchermagazin grôssten
Stiles. So gewiss sie sich durch yiele Raritâten auszeichnete und
80 gewiss Werth auf Alter der Exemplare gelegt wurde^}, so sicher
stand fur jene Kônige, bei denen die Initiative war, das Streben
nach einer ostentativen Yielheit der Bûcher obenan.
Das Machtwort desjenigen aber, der diesen kôniglichen Bûcher-
lagern yorstand, wirkte unmittelbar: seit dieser Zeit sahen sich die
Papierfabriken des Delta gradezu angewiesen, keine Buchrollen ûber
200 Seiten herzustellen (ygl. S. 341). Das Ereigniss war so ein-
schneidend, dass fur das Bewusstsein eines Mannes wie Yarro, der
doch in den litterarischen Traditionen so wie kein anderer lebte,
das Papyrusbuchwesen ûberhaupt erst von Ptolemaeos Philadelphos
anhob (s. S. 50f.)I
Die Herstellung der neuen Buchform in den alten Texten nâher
zu wûrdigen, liegt jenseits unseres Zwecks. Nur an Weniges moge
hier noch anhangsweise erinnert sein.
Die alte Zeit unterschied Werke gleichen Titels nach dem Um-
fange als das grôssere (grosse) und das kleinere (kleine)*}. So
râumlich gemeint sind der ^AJbufièciâ^ç o fJtsiCùifV Plato's, 'HQaxX^ç
*) Daf&r ist Beleg der Bericht Tom Erwerb des Aiheniachen SUats-
exemplares der Tragiker und der BQcher ix nloitay.
^ VgL VaL Rose, De Aristotelis libr. ord. S. 89 f.
494 — ^'^ Toralexandrinische Bachwesen. —
ô lAsil^tav des Antisthenes, der zweite ngoQQfinxoç o /t*€^c«y des
Hippokrates, nicht anders die ^iXuxç fitXQcc (spâter 4 Bb.), der fèê/àç
und fAixQOÇ âtâxocfioç des Demokrit^}, und auch die Hesiodtitel
^Egycc fjtsydXa und ^Hotat fisydXai kônnen noch aus dieser âlteren
Zeit herrûhren. Die Adjektiye sind ein Hioweis auf die Rollen-
stârke; die jûngere Zeit machte diesen Zusatz darum nicht mehr
zum Werkganzen, sondern nur zu den Einzelbûchem : so Boch a
[léï^ov und elaxTOV der Metaphysik, xo âevregoy tuqI vovctav «•
IkéïCov (2212 Verse) imd xo lAtxQOxsQoy (800 Yv.) des Hippokrates.
Dadurch erklârt sich die scheinbare Paradoxie der ^Hâ-^xà fàiXQà
und ^Hâ'txà (jbêyccXa NixoiAccxBta, Die zwei Bollen der grossen
Ethik waren in der That jede noch einmal so stark als eine der
^ehn der kleinen Ethik. Und weiter waren zwar die Analytica
f ^^
priera doppelt so lang als die posteriora; Diogenes verzeichnet gleich-
wohl: IJçoxéQùùy ayaXvxixœv cc'fi'yâ^s^^Çfj', ^AvaXvxax&v /»«^o-
X(ûv afi'i man sieht: neben den acht xgMJgiaTa der ersteren (s.
S. 454) zu je ca. 400 Zeilen hatten die letzten zwei Roilen es leicht
fur „gro8S^ zu gelten.
Dies fuhrt auf die Theilung in T(Aiî(Mcxa, die sich fast nur bei
Yoralexandrinischen Texten vorfindet. Allemal ist hier x/Â^fMX nicht ein
Buch (xôiioçjj sondem ein Theil eines solchen'). Das Wort ^Aiis-
schnitt" besagt ohne Zweifel, dass man die Relie noch weiter in
kleinere Stûcke zerschnitt®). Der geringe Umfang dieser Rollenaus-
scbnitte kann neben den Parva Naturalia nicht befremden, die doch
gleichfalls zusammen eine Texteinhcit bilden. Es traf dies Zer-
schnelden aber grade nur die gebrauchtesten Bûcher des Aristoteli-
schen Organon^s und des Hippokrates ^) ; das Nachschlagen, Memo-
») Vgl. Diels, Verh. der 35. Philol. Vers, zu Stettin S. 101.
^) Erst die spâteste Zeit scheint T/n^fÀa ftlr rôfioç su setzen; Hesjdi
oben S. 25; vgl. S. 324.
^) Dies besULtigen die xfjififÀara Diodor's, oban S. 332.
*) De interpretatione bat 4 TfA^/naTa zu 141, 261, 141, 226, 110 Tr.
Anal, priera I drei ungleicbe zu 2044, 414, 617 (rgl. abor oben S. 4M)'
Hippokrates' Epidem. I bat drei zu ca. 80, 430, 349, III bat zwei zu 86, 198
und Anbang zu 315; Epidem. II bat secbs zu je ca. 160; IV bat acbt zu je 14&
Dazu kommen nocb die Apborismi mit sieben zu 99, 154, 161, 220, 220, 147,
— fiipXitt fÀfyâla, fnxçâ. TfÂ^ftara, Buchgrôsse des Drama's. — 495
riren uod das Beisichtragen hat dadurch muthmasslich erleichtert
werden soUen').
Im Uebrigen ist anzunelimen, dass sich die spâter gultigen, in
unserm sechsteii Abschnitt zusammengestellteD Buchmasse in der
Elallimacheischen Aéra fbdrt haben; eben damais erst schied sich
das Gedichtbuch principiell Yon dem der Prosa. Dass diese Scheî-
dung auf Reflexion des Geschmackes beruhte, ist kein Zweifel. Doch
wirkte ein âusserer Umstand gewiss mit ein. Ein Normalmass fur
das Gedichtbuch besass ja schon Athen im Drama. Die Dramen
ergaben Einzekollen zu hôchstens 1880 Versen'): Gegen 600 tra-
gischen, mehr aïs 1500 komischen Stils kamen davon nach Alexan-
drien. Ihr Mass war ursprûnglich ein Zeitmass und die Dauer der
Auffuhrungen hatte die Buchgrôsse yerursacht. Sie wurde nun adop-
tirt, dabei aber noch weiter auf 1100 und 1000 Verse zurûckge-
gangen. In des Apollonios Rhodios vier YoUeren Bûchem aber
mit 1362, 1288, 1406, 1779 Versen erblicken wir eme direktere An-
lehne an die Rollen des Drama^s und eine Yorstufe der bald imd
schon beim Kallimachos gûltigen Norm. Dasselbe scheint fur Lyko-
phron noch glaublicher. Denn dieser Ordner der attischen Dramen,
der im Verse des Dramas, mit Glossen des Dramas seine Kassandra
arbeitete, ist gleichfalls zu der sonst nur dem Drama concedirten
Summe von 1474 Versen gelangt. Aehnliche wurden im Pindar her-
gestellt und im Theognis*}.
240 Vt. Die Separattitel der r/iif/iocra zeigen Ofiers garnicht ihren GeBammt-
iohalt an, sondera nur den ihrer ersten Zeilen: so Epîd. II TfAfifAU 4 nfgl
iXificjyf 5 und 6 <fva&oy»'tafnxâ; Gfters ist auch unsachgom&ss cingeschnitten
(Ermerins Hippocr. I S. CX).
^) Wenn man sie auch x€*fâlaia nannte (oben S. 157), so sei dafAr an
die xiifâlata der Odyssée, oben S. 445, erinnert.
') Im Oedipus Coloneus. Dass die Dramen EinzelroUen blieben, zeigt
sehr deutlich der Singular Tfjay^dia bei Alexis oben S. 446. MOglicherweise
schrieb man sie aber ausserdem auch iç grosse Rollen zusammen.
^) Vgl. S. 440 f. Nur des Lukres gprosse Verssummen bleiben hiemach noch
unerkl&rt (s. S. 293). Wir werden nrgiren mQssen, dass der Dichter sie nicht
selbst edirte, dass cr nur die Brouillons f&r jedes Buch hinterliess; die Unordnnng
des Textes best&tigt dios noch vielflUtig. Jene Brouillons hatten nun gewiss
Tiel UeberschQssiges geboten (Entwûrfe Ton Gedichten pflogen zu breit
496 — ^'^^ voralezandrinÎBche Bacbwesen. —
Auch hernach blieb jedes Drama ein Buch'). Wenn gich die
Bûcher des Plautus zwischen 730 und 1437 Yersen, die Seneca^s
zwischen 1012 und 1344 Yersen') bewegen, so folgen sie darin ihren
attischen Yorbildern. Offenbare Sorgfalt yerrath Terenz, der die
Zabi 1100 nicbt Qberochreitet. Doch erzeugten die tragirenden
Dilettanten der Eaiserzeit auch Lesedramen monstrôsen Umfiuigs:
der Oetâische Hercules kommt kaum beim zweitausendsten Verse
zur Ruhe, und seine nachsten Yerwandten sind jener ^^uigeheure*
Telephus und jener Orest beim Juvenal (I 5), der noch nicht za
£nde war, als schon der obère Rand und der Rûcken der Rolle yoII
Yersen stand.
Nur ein Dramatiker des Alterthums differirte Yon der herkômm-
lichen Buchform in eigenthiîmlicher Weise. Es ist Epicharm. In
Athen batte man seine Stûcke Tielleicht zusammen als ein grosses
Buch gelesen'); anders die Spâteren. Apollodor Ton Athen vertheilte
dieselben nach des Porphyrios Zeugniss^} auf zehn TOfWi. Es scheint
in hôchstem Masse fragwiîrdig, warum gerade nur diesen Komôdien
ihre Selbstandigkeit nicht belassen worden ist, und man wird sich
dem Schluss schwerlich entziehen kônnen, dass die Bûhnenspiele
dièses âltesten der Eomôden um vieles kûrzer als die eines
Aristophanes waren. Auch wird eine annâhemde Taxirung des
GrôssenYerhâltnisses nicht zu kûhn scheinen. Um innerhalb der
Analogie zu bleiben, dûrfen jene poetischen %6fio$ nicht stârker als
zu 1500 Yersen angesetzt werden; waren nim 35 Stûcke ihr Inhalt*),
auszufallen; man denke nar an das Beispiel Schiller's), und Cicero, da er nichts
wegwerfen mochte, musste eich schon entscbliessen , eu 6 ProsabnchroUen m
greifen, um den Nachlass complet unterzubringen.
^) Vgl. z. B. Lukian 58, 19 ein Buch des Euripides; fiifikot 'AçtCTo<fây{vç
bel Antipater Anth. Pal. IX 18G; pùfikn des Sophoklcs AnthoL FaL IX 98;
pifikoç Mivâvâqov Ariatides Uq. kôy. I S. 285.
^) Die kûrzeren PhOnissen sind Excerpt; s. Rhein. Mus. XXXIV S. 517 £
») S. oben S. 446.
*) Wenn Porphyrios (rita Plot. 24) hiermit seine Plotinenneaden rer-
gleicht, 80 kann das tertium dièses Vergleiches nur in der Zusammenordnong
mehrerer selbst&ndiger Schriflen zu einer Einheit liegen, einerlei, wie dièse
Einheit beschaffen ist; t6/hoç kann hier wie ûberall nur die Rolle sein.
^) So viel Titel sind Qberliefert. Die ^^ivdémxôçfÀita kommen nicht in
Betracht.
— BuchgrOsse des Drama's. £picharm. — 497
so betnig jedes Stùck besten Falls etwas ûber 400 Zeilen, mÔglicher-
weise noch weniger. Dièse Schâtzung wird vielleicht manchen nicht
befremden. Es ist glaublich, dass der dialogische Schwank des
Dorier's, kurz und kurzweilig, von seinen Nach- und Weiterbildungen
auf der Festbûhne Athènes an Ausdehnung um Wesentliches ûber-
troffen wurde, dass er sehr viel einfacher in der Anlage und dûrf-
tigeren Inhalts war. Yor allem darf man bezweifeln^ dass er schon
den massiven Schmuck des Chorgesangs besessen habe, der die Akte
sondert').
So hat die Litteraturwissenschaft die Eintragung der grossen
Classiker in die von ihr geschaiFene jûngere Buchform durchgefuhrt.
Schon der Zeit eines Varro ist dann wie aller Folgezeit die Erinne-
rung an das ursprungliche Grossrollensystem vollstandig entschwunden.
Die wenigen grossen Homerconvolute , die als einsame Zeugen von
ihm das ganze Alterthum ûberdauerten (S. 444 f.), haben doch an-
scheinend die Achtsamkeit keines Gelehrten zu historischen Schlûssen
ûber das Buchwesen angeregt und auch der Gebildete ûbertrug in
seiner Vorstellung auf jene erste griechische Publicistik unbedenklich
die Gewohnheit der Gegenwart*).
^) Aehnlich wie Epicharm ging es den Arîstotelesbriefen ; Hermipp ver-
zeichnete sie noch mbnobiblisch als 20 Briefe, entsprechend Andronikos als
20 Bficber Briefe (Ptolem. N. 90) ; Ton Artemon aber (Qber den s. Heitz S. 284)
warden sie eu 8 Bûchern zusammengefasst.
') HierfUr ist die Légende von der Homerrecension des Pisistratos wohl
das beste Exempel; der <este Zeuge, Cicero (de or. III 137), sagt Ton ihm
primus Ilomeri lihros confusos antea sic disposuisse dicitur ut nunc liobemus;
also schon ror Pisistratos bestand hiernach unsere Buchtheilung und ihre
Reihenfolge war nur in Unordnung gekommen! Die griechischen Fassungen
der Sache reden minder conkret Ton avyayny, à&QoiÇéiy der tfnanaafÂêya ;
sie aile geben auf das Ëpigramm Anthol. Pal. XI 442 zurQck (s. Welcker Ep.
Oycl. I S. 381» Nutzhorn a. a. O., Volkmann, Qesch. der Wolf'schen Prolego-
mena S. 354); TÎelleicht hat Cicero den Bericht desselben selbst&ndig specialisirt;
Aristarch und die wissenschaflliche Homertraktation ist Ton ihm unberûhrt. —
Vgl. noch oben S. 433, 4. 445, 5.
Birt, Baehwesen. 32
s c 11 1 n s s.
Uie Geschichte des Buchwesons ist ein Theil der Cultairgescbichte.
Einem Ruckblick bis in das dritte Jahrtausend der Vorzeit und auf
die klassischen Anfânge unserer Ciiltur zeigen Beide die gleiche
Continuitat und gemeinsame Wendepunkte.
Den Zeitgeist der Gegenwart scheidet vom Mittelalter die Re-
naissance Italiens und der deutsclie Protest gegen Hiérarchie und
gefôlschtes Dogma. So scheidet der Buchdruck das mittelalterliche
von dem modernen Buchwesen.
Das mittelalterliche Gulturleben wurde zum Gegensatz des antiken
durch die Décentralisation des Reiches kraft junger Nationalitâten,
durch die Umbildung der Gesellschaft kraft christlicher Kirchenform.
So stehen auch der scholastische Codex und die Rolle der Antike in
Gegensatz.
Die classische Cultur selbst aber ist eine zweitheilige und das
Alterthum der kleinen griechischen Republiken geistig ein anderes
als das spâtere der Militarraonarchien. Gleichzeitig hiermit haben
sich innerhalb des classischcn Bucbwesens GrossroIIensystem und
Kleinrollensystem abgelôst.
Dièse Coincidenzen bat nicht blosser Zufall vermitteit, sondera
die buchbedingende Litteratur, die in ihrem Wandel der bedeutendste
und der echteste Ausdruck aller Culturen ist.
Renaissance und Reformation sind Darstellungen des einen
wissenschaftlichen Geistes, der in jenem Zeitalter der Verjûngung
taghell sich entzûndet hatte. Kenntniss der alten Autoren, Lesefleiss
und Bi'icherliebe waren seine Nahrung, die regsamste Publicistik das
Médium seiner Wirksamkeit. Das in allen Schichten betheiligte
Publikum zu befriedigen, half damais die wundervolle Erfindung der
— Scbluss. — 499
eisemen Geschwindschrift, eines mechanischen Copierverfahrens, durch
welcbes der Codex zu etwas wesentlich Neuem wurde und den Typus
des eniinent Modemen erbielt.
Im Alterthum waren die Grenzen der Cultur anfangs mit denen
des hellenisclien Volkes, hernach mit denen der rômischen Staatseinheit
zusammengefallen , und das Buchwesen war fur dièse Centralisation
der Welt wie ein Symbol gewesen: denn allein der Nil lieferte der
TÔlkerreicben ibre Bûcher. Da das Mittelalter anhub, die Cultur
sicb nach Norden zu wenden und um mehrere Centren zu sammeln
begann , fand sicb fur die nun unbraucbbare alexandriniscbe Rolle
ein Ersatz durcb die siegreicbe Tradition der christlicben Kirche und
der Kloster, welcbe vor jener den allerorts fabricirbaren Pergament-
band TOn frûb an bevorzugt batte.
Weilen wir endlich und zum letzten Mal bei Romem und
Griecben. So wie die ganze nacbconstantiniscbe Zeit das Bucb
beftet, kennen beide Perioden des alten Bucbwesens nur ein Bucb-
princip: Plutarcb und Arrian rollten ibre Scbriften nicbt anders als
Plato und Xenopbon.
Jedes Volk in seiner Cultur ist Produkt seines Landes. Nicbt
nur Nabrung, Kleidung und Haus gab Hellas dem Hellenen ; es gab
ibm den Tbon zu Gefâssen, Metalle zu Scbmuck und Gerâtbscbaft,
den scbônsten und bildsamsten Stein, um die Stadte mit Tempeln
und die Tempel mit Bildsâulen scbmùcken zu lemen; es gab ibm
fur seine Musik so Flôte als Saitenspiel. Fiir die Publicistik bat
sicb der Griecbe nicbt an den Fellen der beimiscben Heerden gè-
nûgen lassen. Wie Purpur und Elfenbein kaufte er auch seine Biicher
von dem Fremden. Hierin spricbt sicb aus, dass wenigstens fur
die altère Zeit die Litteratur ein Ausâuss des Luxustriebes , das
Lesebuch eine Kostbarkeit war.
Allein der Mittelpunkt des griecbiscben Lebens verschob sicb
voUstândig, die Fremde selbst wurde griecbiscb und das Bucb verlor
damit den frùberen Wertbcharakter. Eonnte der Hausbedarf, fur
den Aegypten anfangs allein fabricirte, nicbt allzugross sein, so bat
sicb, je mebr Hauptstâtten menscblicber Cultur seit der Adoption
des Bucbs durcb Milet, Syracus, Atben an dem griecbiscben Eunst-
leben betbeiligt wurden, mit dem Ëintritt Yon Alexandria, Pergamum
32*
500 — Schluss. —
und Antiochia, mit dem Eintritt Roin's in die Weltlitteratur auch
der Buchexport Aegyptens nothwendig wunderbar ausgedehnt, bat
sich Nachfrage und Fabrikation zugleich stufenweise bis in das Un-
gemeine gesteigert. Man detaillire sich einmal die Unzahl unterge-
gangener litterarischer Produkte mittelguter und schlechtester Art.
die im Hintergrunde des uns Erhaltenen liegen, die Unzahl von
Editionen, die nur seit der Zeit eines Atticus bis zu den Antoninen
auf romisch-alexandrinischem Bûchermarkt gemacht worden sind;
man verallgemeinere sich den Zufall, der uns in die Privatbibliothek
eines Campanischen Kleinstâdters Einblick gewâhrt und einen Wust
schlechter Biicher philosophischer Branche kenuen gelehrt hat, ver-
gesse dabei vor allem auch nicht der ebenso schlecht wie gem
schreibenden Mediciner ^), and man wird iiber den Riesenumfang der
Papierindustrie staimen mûssen, die, auf die wenigen Plâtze des
Nildelta monopolisirt, jener enorm leselustigen Welt dasselbe lieferte,
was Deutschlands zahlreiche Papierfabriken dem deutschen Bûcher-
markt. Seit dem Auf blûhen Alexandria's hat die Papyrusrolle Kost-
barkeit zu sein definitiv aufgehôrt und ist zu einem der wesentlichcD
Merkmale der alten Cultur geworden.
Zwei Zeitcharaktere erfûUen das Alterthum mit ihrem Gegen-
satz, das Angesicht des einen blûhend und jugendlich, gross und
frei, das des spâteren blasser, feiner und kliiger, doch minder edel.
Aeusserlich ist es der Gegensatz freier bùrgerlicher Selbstverwaltung
und absoluter Monarchie, innerlich das verschiedene Verhâltniss von
Pflicht und Genuss, das im Lebcn des Einzelindividuum statthatte.
Die griechischen Republiken in ihrem Kampfe gegen Persien und
ihrer engen, doch so reichen Entwicklung zeigen den Einzelmeuschen
hingenommen von dem gemeinsamen Staatsgedanken, dessen Trâger
er mit war und aus dem ihm seine Aufgaben tâglich flossen; wie
seine Seele in's Oeffentliche gerichtet war, blieb sein Privatleben
einfach und bei allem Wohlstand in den Grenzen eiuer krâftigen,
schlichteren Natur. Die romische Kaiserzeit benimmt, hiezu im
*) Wie de aqua frigida beim Martial, jenes Eallimorphos (obeo S. 83; 103\
jenes Hermogenes zu Smyrna, von dessen Schriftenkatalog uns zuf^llig eine
Inschrift Kunde giebt (C. J. G. 3311) oder jener anderen â.rztlichen fii^lm,
von denen abermals eine Inschrift meldet (Kaibel N. 853).
— Scbluss. — 501
schroffsten Gegensatz, dem Einzelnen die veredelnde ôffentliche Pflicht
und wirft ihn ganz in's Privatleben zuriick; Energie und Intelligensr
ist nun lediglich auf die Ausbildung des Privatlebens beschrânkt, und
zum Lebensinhalt wird der Genuss, sei es ira gemeinen Sinne oder
geistdg als Selbstvertiefung des Denkenden; jede Aeussening des
Spieltriebes in Sinnlichkeit und Méditation, in Leichtsinn und Tief-
sinn trâgt den Charakter des Behagens und der Selbstpflege. Der
Comfort, einst der bescheidene Rahmen eines grossen Bildes, yer-
breitert sich in dem nâmlichen Grade als das Bild kleiner geworden ist.
Wo liegt die Grenze, an der sich beide Zeitcharaktere beriihren?
Die Anfânge des Geistes der rômischen Kaiserzeit liegen ihr selbst
weit voraus; sie ist nur die lateinische Uebersetzung der Monarchien
zu Alexandria und Antiocbien, der Hof Rom's und Rom's Gesellschaft
in ihren geistigen Grundiagen nur eine modificirte, gesteigerte Wieder-
holung des hellenistischen Residenziebens seit Alexander dem Grossen.
Das Altertbum zerfôllt in Hellenentbum und asiatisch- rômischen
Hellenismus.
Der Litteratur wie der Kunst prâgte dieser Hellenismus einen
leicht kenntlichen, ihm eigenthiimlichen Stempel auf, der sich auch
in der Kaiserzeit bewahrt hat: anmuthige Sinnlichkeit statt starker
Gedanken, ein Sieg des Individuums iiber das Allgemeine, die Vor-
liebe fur kleine Gegenstânde und kleine Formen, kurz was die Poetik
Alexandrinismus zu benennen pflegt.
Den Uebergang des.Hellenenthums zum Hellenismus markirt im
Buchwesen die Abschaffung des GrossroUensystems und die Durch-
fuhrung kleiner Rollen. Dies war Wirkung des Triebes nach Comfort
imd geschah im Interesse des Lesers und Buchbesitzers. Rollen
auch nur mittlerer Lange waren zu schwerfâllig, ihre Handhabung
unbequem und stôrend ; ihr Umfang wurde, wâhrend unser geheftetes
Buch bis tausend Blâtter zu halten vermag, auf zehn bis hôchstens
zweihundert Blâtter herabgesetzt.
Dièse Neuerung war fiir die Schriftstellerei folgenschwer. Ein
Thukydides und Plato, durch irgendwelche Buchgrenzen nicht be-
hindert, hatten die Materie wie die heutigen Schriftsteller frei nach
den ihr immanenten Bedingungen gestaltet. Der ganze Hellenismus
dagegen gehorchte dem Raumzwange der Rollenkleinheit und sah
502 "" Scbluâs. —
sich nicht allein zu schârferer Souderung der Dispositionsglieder,
soudern auch zur râumlichen Ausgleichung ihres UmfaDges angehalten.
Die Buchkleinheit iind die Buchtheilung ist eine der Haupt-
wirkungen de8 Alexandrinismus in der alten Litteratur. Die Grosse
des Eiiiûusses aber, den sie gehabt, muss jeden in Erstauneu setzeu.
Dass auch zufallige Uinstânde oftmals und im besten Sinne auf
die Kunst inliuiren, ist freilich bekannt; Malerei und Skulptur com-
poniren hâufig fur eng und eigenthûmiich umrabmte Flâchen und
sehen sich dadurch zu neuen geistreichen Combiuationen angeregt;
dièse Kiinste, die sich im Raum darstellen, werden der Zufalligkeit
des Raum es mit Recht ausgesetzt. Das Wort dagegen ist so raumlos
wie die Musik und nur in der Zeit bat es seine Ausdehniing. So
lange die Schrift fehlte, batte das Gedâchtniss die bomerischen
Gesânge zu ûberliefern genûgt; als sie binzukam, war sie nichts
weiter als die Kriicke des Gedâcbtnisses. Schrift ist nicht mehr als
im Raum krystallisirter Schall und Gedanke, der sogleich wieder in
die Zeit ausfliesst, wenn ihn das Auge des Lesenden berùhrt.
Eben darum gelten ims Gedichte als tadelnswerthe Ausartiingen
der Poésie, die wie die Technopaignia der Alexandriner vom Raume
ihr Gesetz hemahmen und bald die Gestalt eines Flûgels, bald eines
Altares, einer Syrinx aus Versen zusammensetzten. Doch bat ihr
Princii^ eineii classischen Vorlâufer werthvollster Art in der Dicht-
gattuug des Epigramms gehabt: deun die Râumlichkeit des \Vortes
gehôrt geradezu zum Begriffe des Epigramms, und die Begrenztheit
der Schreibflâche, Gedankenschârfe fordernd in karger Rede, war
hier massgebend fiir die Erlindung des Dichteuden.
Ist nun nach seiucr Analogie die gauze belleuistiscbe Litteratur
beherrscbt wordeu durch die Raumrùcksicht, so verriith uns die Art,
wie der Zwang von ihr in der That bewâltigt wurde, eine ausser-
ordentlicbe Steigeruug des Formsiunes bei den Alten. Pflegeu doch
die wenigsteu ueueren Léser ibrem Texte den Aulass seiuer Buch-
theiluug anzumerken.
Und so bat das Beispiel dieser Buchtheilung, auch missver-
standen, noch auf die nachclassische Publicistik bis zur Gegenwart
in wohlthâtigster Weise fortwirken konneu.
Znsâtze.
S. 18. Man sitzt beim Lesen; Tgl. anter aDderm noch Constitutiones
Apostolorum I 5 (Concil. coll. Bd. I S. 277) xad-tÇo/uéyoç tyâov àyayiyytoaxe
roy yôfAoy.
S. 23. Libellas steht ftlr das Prosabuch auch bei dem 2llteren Seneca,
ControT. II praef. fia.
S. 29. Schon Athenaeos S. 365 £ braucht aùyygafÀfda fûr fitpUoy,
S. 33. Die Rollen wurden auch im Ranzen (n^Qu) mit herumgetragen;
Lukian 14, 9; Philostrat vit. soph. p. 270. Zu Bûndeln wurden aie wobl be-
sondera nur zum Zweck des Verschickens (vgl. S. 352, 362) zusammengebunden;
vgl. Horaz Ep. I 20, 13 ad librum: v indus mitteris lier dam.
S. 43. Ëinen scbônen Beleg dafQr, wie weit man entfernt war, corpus
mit codex identisch zu brauchen, giebt Rufin (bei Origenes éd. Lomm. XXV
S. 395), wenn er sagt: Sancti Cypriani martyris solet omne episiolarum corpus
in uno codice legi.
S. 54. Dass die Membrane zur Zeit Galen's besonders in Pergamum
gebraucht wurde, erkellt vorzûglich aus dem im Zusatz zu S. 60 AngefQhrten.
£& sckeint sich daraus zu ergcben , dass Texte auf Pergament ausser in Per-
gamum damais noch selten vraren.
S. 57. Dièse dtqd-ÎQfa fur Notizen waren auch in den Rhetorenschulen
im Gebrauche; die streitlustigen jungon Leute schleudern sie einander an den
Kopf beim Libanius I S. 238 R.
S. 60 f. Mit der inschriftlichen Stelle und der des Persius lâsst sich
noch die folgende des Galen vergleichen (XVIII 2, S. 630 K): u dt ovxén
To ptfikioy, àkV oi fiéTttyçâffoyitç, !j (lies oï) hoifÂiaç tîç ontQ ày aùrol fiov^
XfjS^waê ôudi^ctyjo lûjy 7içécpvTi()a)y yçaifuç, ^dtj aoi diit/ui. nyèç juty yàç
X€ti Ttayu najixeivjy ^tfikiœy àvtvQtiy icnovdamty tiqo rçutxoaiiûy irîjy ysyQttfd'
fxiytt, rà fiiy fyoyriç iy rolç ^t^kiotç, rù di iy xolç yàçrairÇ, rà di iy
duct^oQotç qêXvQaiç ijiant^ rà naq' tifÀÏv iy Uéçyâ/uw. Der Schluss ist Ton
Cobet (Mnemos. VIII S. 435) évident so yerbessert: iy dK^^éça^ç àitméo rà
xtL, Marquardt (Privatalterth. Il S. 399) will: iy dtff&iQiyaiç (f^Xvçatç. Znm
Verstândniss dieser Stelle ist yéyQtt/ufiira als ^Text** vom fitfiÙoy als Tr&ger
desselben zu sondern. Die neueren Schreiber tragen also, wie es hier heisst,
die Schrift des alten Hippokrates in BQcher ein von jedweder Buchform, die
ihnen beliebt (èlç onsç ây fiovktj&vjai); es wird fortgefahren : ^denn Manche
gaben sich Mûhe, die vor mehr als 300 Jahren geschriebenen Texte sehr alter
Bûcher zu finden, und bewahren dièse Texte auf {^x^ynç) bald in Bachrollen,
504 — Zusâtze. —
bald auf blosser Charta ohne die obligate Rollenform (aUo etwa schedae; vgl.
S. 229, 2) , bald auch auf Membrane , wie die Texte bei uns in Pergamum".
Man bcachte, dass nicbt œaniQ ai, sondem taoTiêQ rù naç' rjfÀlv gclesen wird.
S. 91. FQr Ttvxoç aU ^Buchbehâlter" wird eine weitere Stûtze aus
Xenophon gewonnen, der in der Anabasiâ VII 6, 14 erzâhlt: tvçiaxoi^o . .
nokXat àt fiipkoi yêyçce/ufiét'at xai rakla noXXà oca Iv ^vXivoiç revj^iat
ravxiijçoi ccyovaty.
S. 98. Zur Zeit Uipian'd schrieb auch Serenus Sammonicus f&r Papyrus-
rollen {teneris exporte papyrU v. 10; vgl. imcribù cartae v. 936).
S. 99. Schon in der zweiten HlUfle des zweiten Jahrhunderts spridit
Qalen von Abâchreibenden {pï /jiiTayQtttfoi'Tfç), die Pergament benutzen; dcch
nonnt er dios Material erst nach den ^ifikoi, und yâçiat in dritter Linie ind
scheint seine Anwendung ûberdies noch auf die otadt Pergamum beschrlLokt
zu denken. Vgl. Zusatz zu S. 60 und 54.
S. 106 f. Ein Exemplar der heiligen Schriften aus dem drittcn Jahr-
bundert yéyQtt/uf4tyoy iy Oékici Tçiaaalç erwâhnt bei F. J. Mono, Messen S. 162.
(Wattcnb. 148).
S. 108. Ueber das Alter der Goldschrift vgl. Graux, Revue de phiL V
S. 117 ff. Sie fand Anwendung auch in LcderroIIen (Josephus Ant. 12, 2, 10);
vielleicht war seiche auch der Homer des Maximin , oben S. 113. Fur ibre
Anwendung auf Charta giebt es kein Zeugniss (auch Gaius II 77 beweist sie
nicht sicher: (/uod in chartulis sive nwnbranh aliquis scripserit, licet aurtu
litteris, meum esse^ quia Utterae chartalis sive membraniê cédant). Schol. Pindar.
Olymp. VII und Sueton Nero 10 kOnnen Inschriften gemeint sein.
S. 111 f. Vom Verkauf der Briefe des Cyprian in Codexform erfahreo
wir durch Rufin im Epilogus in Apologet. S. Pamphili (bei Origenes éd. Lomm.
XXV S. 395): man habe unter dièse Briefsammlung des Tertullian h&retischen
libellus de Trinitate gemischt, dann mOglichst viel Exemplare angefertigt
{quampluriinos codices de talibus exentplariis describentes) und sie durch ganz
KonstantiDopel ausgestreut zu billigerem Kaufpreis, damit die Leute, durch
don nicdrigen Prei:^ gelockt, das schâdliche Werk leichter kaufen kônnten".
S. 114. Auch Libanius liest den Thukvdides offenbar schon aU Codex,
wenn er I S. IGOR die cvyyQatfrj desselben nicht ^i^koi, sondern ^i^koç nennt.
Ër liebt dies Exemplar fadt z&rtlich, besonders wegen der kleinen zierlichen
Schrift (yç('(/Ltju((T(( h' /utXQOTfju j^açUvnt) und vreil es so leicht ist, dass er
es selbst tragen kann (ro qoQiior nçiffiç ?î/). Als es ihm gestohlen wird,
giebt er scinen Freunden die GrGssenmasse auf und beschreibt sein Aenssere^
und Inneres.
S. 147 ff. Vgl. auch Treb. Pollio, Valerian. 8, 5: guo7iiam vereor ne
modum voluminis transeam si Gallienum . . . huic libro adiungam^ ad aliud
volumen transeam.
S. 156. Myronianos von Amastris, der Kaiserzeit angehOrend, schrieb
ein mehrbûcheriges Werk des Titels îgtoqixÙ ofioia xé'fâkaia (s. Diog. La.
IV 2 und ôfter).
S. 158. fifçt] fit^kiov werden offenbar auch gezâhlt in den Schol. Oriba?.
(vgl. Zusatz zu S. 175), wenn es dort heisst ^*r« t6 fi', f4€Tct io rçirov tov ^i^kiov.
S. 162 ff. In die Nummern des stichometrischen Eataloges woUe man
noch folgende ergânzend einfQgen:
89 a. Zu Oribasius haben die Scholien sechsmaliges Citât nach der
Verszahl; s. Zusatz zu S. 175.
— Zusiltze. — 505
92 a. Marcellus De nicUicamcDtiâ fin., am Schliiss von 78 liexamctern:
Quoique his sunt versu.'i, tôt agant tua tcmpora Janos.
100a. Mit dom Vcrgilepigramm Ut ein ganz an«iloges zu vergleichen,
das die Metamorphosen Ovid's in den llandâcliriften begleitet:
Bis BOX rnilleuos versas boc codice scriptos,
Sed ter quinqae minus continet Ovldius.
(z. B. cod. Vindob. 149; 207; Endiicher, Catal. S. 77). Der Vulgattext der
Metamorphosen h< indess nicht 11985, Hondern 11996 Verse. OfFenbar
sind eine Reihe interpoHrter Verse hiernach nicht mitgezàhlt; solche finden
sich I 646. IV 446; 768. VII 762. VIII 87 (las schon Priscian); 286;
596-599; 603—608; 652—654; 806—807. IX 729. X 305. XII 434—438;
231—232.
107a. Herc. Papyrus (Vol. Ilerc. éd. Noap. coll. pr. II 148 — 158);
er trâgt in der unedirten Oxforder Absehrift deutlich die Zeilcnzahl 2050
(Gompertz, Z. f. Gsterr. Gymn. 1865 S. 718).
128a. Subskriptioncn der Dracula Sibyllioa (éd. Friedlicb 1852;
vgl. Ritschl Op. I S. 832). Buch II: ix tov divréçov lôyov ari/oir ^P?,
d. i. 758 (cod. Leont. L^ Paris. R, dagegen Laur. F ..in marg. rubr.„ au
i/;^c, d. i. 746). — Buch III: <rT*/o* (dd, d. i. 1034 {RLF), — Buch IV:
«TTf/o* çTia, d. i. 181 (LF, Ç71CU R). — Buch V: aiixot cfkfj, d. i. 538 (LF),
— Buch VI: oT*/o* xtjf d. i. 28 (LF). — Buch VII: arixot ç^a, d. i. 161
(LF). — Buch VIII: GTÎxoh tffi éx tov nçujrov h'iyov (F), ix tou notôrov
lôyov arij^ot q^ (fi)^ an/ot ifp (L), d. i. 502. — Dièse Zahlen stimmen mit
dem ûberlieferten Umfang der Bûcher nur bei B. VI; in VII haben wir ein en
mehr, in IV 10 melir erhalten ; einen weniger in VIII, 8 wenigcr in V, 206
weniger in III. „Von welcher Bcdeutung gerade fur daa dritte Buch, das
wichtigste, . . . dieso Diffbrenz sei, leuchtet von seibst ein. Ganz ausdrûcklich
werden aber cndlich zweierlei Rcdaktionen durch die Stichenangaben fur B. I
u. II, die in den Ilandschriften nur eines bilden, bezeugt: wâhrend es jetzt
748 Verse sind, las mnn schon im Alterthum in einer Kccension 758, in
einer anderen nur 746 Verse"* (Ritschl).
227 a. Im Bodleianus Plato's ^erscheinen . . . bei den Dialogen Kratylos
und Symposion Buchstaben in fortlaufender Reihcnfolge am Rande. Sie gehen
in beiden Dialogen bis i// Sie kônnen nur den Zweck gehabt haben,
die Zeilen zu zâhlen. . . . Zâhlen wir nâmlich die Zeilen , die zwischen zwei
aufeinanderfolgenden Buchstaben liegen, so erhalten wir die Zahlen 68, 69,
70, 71 (dièse am hâuâgsten), 72, 73, 74, 75-, So Schanz, Hermès 1881
S. 309 fF., der dann unter der evidenten Voraussotzung, dass die Vorlage des
Bodleianus je hundcrt Zeilen mit einem Buchstaben notirt hatte, als Grosse
des Stichos in dicser Vorlage fûr den Kratylos 35, 56 Buchstaben , fOr das
Sympoïiion 34, 34 Buchstaben ausrechnet. Also auch die Atticiana des
Plato hatten Hexameterzeilen. Wenu dagegen Galen (V S. 716K)
bei Plato Timaeus S. 70 D die zwischcn (i^ctnwytjy iy rçù xnvfian Tin^f/o*
und 70 dt dri airtav rt xat noTvip stehenden Worte auf „vier Stichen** an-
schlâgt (vgl. Galen, plac. Hipp. et Plat. éd. Mûller praef. S. 17; Schanz a. a. 0.),
80 wftrden hier 49 Buchstaben auf den Stichos ïallen.
S. 165 y. 19. Ueber Theognis zuletzt Ililler in Fleckeij>en's Ibb. 1881
S. 467; dass inixcûç indess nur Hinweis auf die metrischo Form sei, môchte
ich nicht glauben.
S. 175. Fûr das ^iotiren der Verszahlen am Textrande ht ein weiteres
ûberaus wichtiges Beispiel jQngst von Schanz (Hermès 1881 S. 309 ff.) im
506 — Zuàâtze. —
Kratyloâ und Sympo.-ion des Plato entdeckt; vgl. hierûber Zusatz zu S. 162 ff.;
Schanz yfe'ist mit UQlfe dieser Thatsache eine etwa zehnzeilige Partie ixn
Kratylos als unerht nach. — Aus den Scholicn zu Oribasius (éd. Daremberg)
kommen noch folgende Citate nach der Verszahl hinzu (vgl. Ë. Rohde, Rhein.
Mua. 34, 562; Schanz a. a. 0.). 1) lll S. 6â6, 22: àno tou IJéçi ruiy naçà
tfvaèy oyxiav /noroît ^kov nèrà q [tnij^ovç] r^ç «(>/??. — 2) lll S. 689, 12:
«710 jov «' ^t^kiou T^ç avi'6kpiti}ç rm' /éiçovQyovfÂÎycjy /utrà to ^ ^ipiUov
(lies ro fi lov ^tfikhv) xitfnkccKt jov ofÂoiov. — 3) IV S. 532, 24: «no top
^ tÇç SéQcmtvnx^ç loç nço a auxtav tov rékovç, — 4) IV S. 533, 4: àno
Tov ^ irfç (^éQ. wç noo ç/Li aTi)((av rov rikovç. — 5) IV S. 534, 5: icno
TOV a ^i^kiov Ttjç Gvyoipèioç Tiàv X^^' /^*^^ ''^ TQirov rov ^ifikiov, tàç
fÀtm *' ari^ovg tÇç ffQXh^ ^^^ 6/uniov xérfakaiov, — 6) IV S. 538, 1 : àno lov
avTov kôyov fÀtrù a an/ovç xtifùkuM^ *Tijkiff^oç fÂhrtt ro tqItov tov xéfa'
kaiov. — Endlich vgl. noch Galen im Zusatz zu S. 162 ff. N. 227a.
S. 176. Vom Ende ab wird auch in den Schol. Oribas. (vgL Zusatz zu
S. 158) gezâhlt: nQo a GU/iut' tov Tékovç, zweimal.
S. 189 N. 115. Da die Selideâzahl nicht mit dekadischen Zeichen ge-
geben wird (s. S. 160), se war das vorletzte Zeichen wohl nicht J; lesen wir
dafnr ./, 80 erg&ben bich 37 oder 137 Seiten; erstere wUren zu wenig, letztere
wohl zu vicl.
S. 190 Anm. 1. Vielleicht eoll diç als Randvermerk am Schluss der
RoUe nfQi d^ctt^taov auf doppelte Abschrift, auf eine Doublotte verweiâen.
S. 192 N. 123. Der Test des Dionvsios bei Mftller bat 2 Verse mehr;
die Summe 1185 ignorirt jedenf'Hlls den V. 917, ausscrdem noch einen zweiten,
wie 1003, 392, 815, 196.
S. 198 — 202. Die Zeile zu 34 bis 35 Buchstaben ist auch fur die
antiken Platoexemplare nachgewiesen (Zusatz* zu S. 162 ff. N. 227a). Die-
selbe Zeile gilt aber auch fQr Oribasius; von den im Zusatz zu S. 175
mitgetheilten Citaten nach der Verszahl in den Scholien habe ich das dritte
und vierte Beispiel nachgerechnet; ersteres taxirt cinen Absehnitt von 7600
Buchstaben auf 200, leizteres einen Abschnitt von 480O Buchâtaben auf
140 Siichen; jenes ergiebt also 38, dièses 34,7 Buchstaben per
Zeile.
S. 204 f. So wie Theopomp und Lukian, braucht bemerkenawerther
Weiâe auch noch Libanius inrj fàr die Stichometrie der Prosa; ein Schûler
licst ihm eine Rede vor, erst 200 hnrj, hernach noch 50 tnïj (Lib. 1 S. 238 R).
S. 230. Die Ber.eichnung des Papyrusmarks als philyra liesse sich
vielleicht doch vertheidigen durch Vergleichung der S. 14 angefûhrteu Glo$se:
tfikv{)(t ' (fvTvy h^ov qkoioi^ ^v^kio n((nvQ[iy\(x) ouotov, wie denn Plinius das-
selbe Mark auch als liber bezeichnet (s. S. 225).
S. 281. Dass sich der Schreiber nennt, ist schon vor dem Bodleianu^
des Plato (Johannes calligraphus, v. J, 895) mehrfach nachzuweiscn : Johannes
Sergius im Xumeri-Palimpse&t, 5. — 6. Jahrhund. ; Sedulius, Pari»er Psalterium,
ca. 818; Nicolaus, Tetraevangelium, v. J. 835; Theodoros diaconus, Psalterium
V. J. 862; Athanasius, Basilius v. J. 880; Stephanus, Euclid v. J. 888; Ana-
stasius, Viiae SS. v. J. 890. (Vgl. Gardtliausen Palaeogr. S. 375 u. 344.)
S. 321. Opisthographa wurden bei>onders fQr Arme hergestellt; dies
beweist Lukian 14, 9, wonach die Cyniker ihre Lektûre als fit^kia ànic^ô-
yoa'ia im Ranzen mit sich tragen. Auch in der Apokalypse 5, 1 wird das
Buch mit sieben Siegeln, das niemand Offnen kann, als Opisthograph gedacht.
— Zuàatze. — 507
s. 358. Der Verleger des Libanlus scheint Thalassius geweaen zu sein;
vgl. Aeiske zu Lib. II S. 391; er wandte vieles Geld fur zahlreiche £xein-
plare auf.
S. 360. Montfaucon palaeogr. S. 15 f. fûhrt noch eine Bibliothck zu
Apamea auf, mit 20 000 volumiua.
S. 3G2. „Groitâe Sklavenschaaren*^. Dass die Vcrvielfaltigung durch
yiele Abdchreiber geschab, ergiebt sich aU nothwendig aus der Sache selbut,
es wird geradezu ausgesprochen von Liban ius I S. 103 Reiske, wo es hoisst,
des Libanius Ruhm sei so gross aiçr' h^ C<jiî*'^oç (nâmlich lov .h^co'iou), if ^
xai (f^d^ovtiad-M aytr/xt) , lùç iwv ^i^hoyQ('c'fùiy dé^iàç rùç nokkccç oliyaç
ikéy^to^M jf) nXii^éê i(i}y içfeaTm'i fur die Mengo der Liebhabcr des Lib. ist
die grosse Zabi der Abscbreibonden noch zu gering. — Ueber die Art,
vrie ini vierten Jahrhundert die Edition und i3uchrerbreiiung vor sich ging,
unterrichtet uns Libanius I Ô. 78 K. : man beschafft vorlâuâg nur fQr die
grôssten Stâdto Ëxemplare {fiovkrjî^iiç Twr -nôlttav iîç ràç àçiarccç ùffixiad-at
10V lôyov), und setzt dazu eine ganze Anzahl Buchhândler in diesen Stûdten
in Bewegung {rçinét fAtv inl rovio itàv ^i^Xioy^âiftau âix€t)\ von diesen
grosscn Stâdten kamen dann von selbst Ëxemplare in aile ûbrigcn (o'vjvt} yàq
âv xul inl nùauç ik&èly).
S. 366. Dreihundert Jahre fînden ivir bei Galen als hOchstes Alter der
Bûcher (s. Zusatz zu S. GO).
S. 366. Xur theilweiae VerOffentlichung wird, wie bei Firmicus Matemus,
auch bei Clemens angeordnet (Canones apostol. in Concil. coll. I S. 47): ai
âtarayat vfxh' lolç iniaxonoiç J*' i/ÂOV KkijfÀtvToç iv ùxtio ptfikioiç TtQonKftot'tj-
fÀtt'M, uç où âtl dti/uoanvéïy ini TiûvTtûy dm rà iv ctvnelç fjtvartxà,
S. 368. Das erste Beispiel der Confiscation von Bûcheru in Kom gab
uicht Augustus, sondern schon Câsar oder seine Parteigânscr, wie ausdrûcklich
von Seneca Controv. X, praef. 5 hervorgehoben wird. Die edirten Schriften
des Pompejancrs T. Labienus wurdeu sfimmilich nach Senatusconsult vorbraunt,
etwas bis dahin Unerhôrtes: In hoc primum excogitata est nova poena: effectum
etft enim ptr inimicos vt omnes eiu-s libri comburerentur. Res nova et inmitata^
supplkium de studiù ftumi. Hono hercuieif pahlico ùta in poenas inyeni vorsa
(codd. inyeniosà) crudeiitas pont Ciceroncm inventa est; quid enim faturum fuit
si triumviris Ubuisset et ingenium- Ciceronis proscribere u. s. f. Xocli wird
hinzugefûgt (§ 7): Eius qui hanc in scripta Labieni seutentiam dixerat postea
viventis adhuc scripta combusta sunt^ iam non vialo exeinplo^ quia suo; Labienus
aber habe dièse Gewalttbat nichi ûbcrlebt.
S. 378. So heisst es Gcnnad. vir. ill. 44 vom Caelestius (Zeit Augustin's):
scripsit ad parentes suos de monasterio epistoias in modum libellorum très,
S. 399. Couat (Rev. critique 1881 X. 44 S. 315) vermi.^st fOr die Zu-
weisung der 'Altiiç an die Elpides mit Grund einen Beweis in dem Sinno, wie
er auf andcren Gebieten môglich und zu fordern ist. Wer sich mit der In-
haltsbestimmung der vielen vcrlorenen alexandrinischen GedichtbQcher befassen
will, wird in deu mcitten Fâllen auf einen solchen Beweis von vornherein ver-
zichten. Glcichwohl verlohnte es doch, auf diejenige DeutungsmOglichkeit
hinzuweisen, die die mcisten inneren Indicien f&r sich hat (dièse Indicien
BÎnd: 1) Das Motiv der Ukiélç selbst ist die Traumhoffnung des Artemidor.
2) Die Hoffnung pflegte gerade bes. mit dem Fischer verbunden gedacht zu
werden. 3) Das Gedicht ist inhaltlich ganz von der Eomôdie abh&ngig, die
die nâmliche Idée der Iloffoung ausgebildet hatte. 4) Unter den Nachahmern
der Alexandriner findet sich bei Tibull eine Hoffnungspassage , die als Re-
508 — Zusâtzo. —
miniscenz an die Elpides sich gut erkl&rt. Hier sel noch erinnert, dass auch
auf Bildwerken die Hoffnung &hnlich bezogen Torkommt : ein alter Uirt, da-
neben die Elpis, Zoega Âbhandl. Tfl. 3; Jahn archâol. Beitr. S. 152). Ein
Theil der 'Elèyélat konnten dagegen die Elpides nicht sein, wcil jeder Titel
im Katalog aU ein Buch zu nehmen ist. Dass endlich dieser Katalog fingirt
sei, scheint mir nicht nur durch nichts indicirt, sondern mehrere seiner Titel
{imyçf'tfÂiLiaTn, v/nvo^ u. a.), die richtig sind, erweiden ibn vielmehr ala aatben-
tiscb. Bei Kallimachos findcn wir mehrere Tbeokrittitel wioder; es ist sebr
denkbar, dass bcide Dichter, wie apâter Calvus und Catull, in denselben Genres
gearbeitet haben. — Die Beroerkungen Kaibel's (Deutsche Litt.-Ztg. II S. 1774)
habcn meine Auffassung nicht verândert; auf aie einzagebes muss ich hier
verzichten.
S. 435. Ein Fragment des Komikers Anaxandridos (Athen. S. 221 B)
giebt uns auch das Motiv an, weshalb man cdirte. Das Publiciren ist schon
an sich einc Freude: ^dbr^r éyé*, or«r nç tvçjj xtetyoy h'd-vfÀfjtAit r», drjloh'
finctan'. Ferner aber, wer etwas Ncues bat und es nicht dem grossen FabUkam
mitthcilt, dem wird dies verdacht und er findet ûberdies keine Beurtheiler
seiner Kunst, die ihm nûtzen kOnnten: ol â' lavioian' aoffoi ngtoTot' fiiv oèx
é/ovGt T^ç Tf/ytjç XQntjv • *ir« ff&orovyT€(i ' j^Qtj yÙQ êlç ô/Aov qiquy anav^
oa' tty uç xtuvôrrif */**«' cTox,?.
I. Sach- nnd Personenregister.
AbkQrzungen in der Schrift 217, 1.
Abschriftenwesen des Mittelalters 125.
ùâUç^tûta (fiifikia) 283. 355.
Aegjpter, das Buch der 13.
Aegyptisches Buchwesen 48 f. 434. 439.
Aemilius Paulas 363.
àxiffalok ^i^Xoh 374.
ttXQoctCHç 435. 436, 1. 458.
Akrostichon 40, 4. 161.
Alexandria 431. 458. 477, 2. 479 ff.
Alexandrinische Bibliothek 5 f. 485 ff.
Alexandrinismus 501 f.
Alter der Bûcher 82. 366. 507.
ùfÂ^yéîç pifiloi 486 ff.
àyaXoytlov 11» 92.
(tvfyvuiCfjtéva (^ipiia) 437.
ài^ixdoTa 437.
àyfkicaèiy, àyfiXàîy 18.
Antiochia 493.
M. Antonius 490.
Apellikon 458.
Apophoreta 71 ff.
armaria 66.
Asinius Polio 363.
€(TilëffToy volumen 374, 4.
Athen 367. 431. 492. 493.
(id^QoiÇfiv 497.
Atrectus bibliop. 83. 358.
Attaloa 51.
Atticus 284. 348 ff 357. 505.
Augustus 347. 366. 368.
AusschQtten der Bûcher 366.
Autographa 349 ff. 355. 434,4. 436.
Band 11.
Bast 50.
Bezahlung der Schreiber 207 ff.
Bibel im Codez 106 f. 184. 504.
fitfilia âyQa<pa 33, 2. 241.
fiipiiâioy 21, 432,4.
fiifiXioyQtt(poç 433.
fit^kioy, fivfih'oy, pi^loç, fiifiloç 12 f.
47. 225. 432. 481, 1. 488, 1. 503.
^tfikioy Brief 20.
^ifilioy fur Têv/oç 26. 29.
fiùfilok „Seae" 13. 48.
fiifiloy, fiù^loy 496, 1.
^i^Xoç nicht Brief 20.
Bibliomanen 37. 360 f.
^i^Uoffôqioy 92.
Biblippolen 81. 207. 353 ff. 357 ff.
433 f. 507.
bibliotbeca 66. 99.
„bibliothcca'' als Bibel 116.
Bibliothek, erste in Codices 115.
Bibliothek des Pamphilos 100.
Bibliotheken 349. 360 f. 363 f. 434.
475.
Bibliotheken, Buchbestand der dffent-
lichen 5 f.
Bienenstock, Vergleich Tom 94.
Bilderbûcher 353.
blattae 365.
Briefbûcher 288. 507.
Briefe 20. 61 f.
nBuch**, doppelte Bedeutang llf.
Buchbegriff bei Paulus 100.
Bachhandel 103. 357 ff. 433 ff. 504.
Buchpreise 45, 1. 83. 356. 434, 4. 504.
Buchstabenzâhlung 160.
BachUbernen 96. 356 f.
Buchterminologie der Bibel 116. 480 f.
Bachtitel 94; ihre Formation 406.
Buchz&hlang 413.
Bûcher als Oeschenke 79 ff. 407.
Bûcher auf bildlichen Monumenten 18.
122, 1.
Bûcher, unbeschriebene 18.
510
— Sach- uDd Personenregister. —
Bûcherwurm 365.
ByzaDZy Bibliotbek des kaiserl. Col-
legiums 7.
Caesias Bassus 346.
Caligola 368.
carbasina Tolumina 121.
caries 365.
Cascellius 82.
Cedrasôl 121. 365.
Chariten, aU Titel 39.
cbarta, /«piJjç 48. 62. 56. 92. 364 f.
433. 503. 504.
charta ampbitheatrica 248.250, Augusta
62. 247. 250. 251, Oaudia 250, Cor-
neliana 250, emporetica 249, chartae
epistolares 62, Fanniana 248. 250,
hieratica 247 f., Lina 248, regia 247.
250, Saitica 249, Taeniotica 249.
cbarta deleticia 57.
Cbarta, Preia der 83 f. 209.
cbarti 52.
XiÀMTcTcç 291.
cbirograpba debitorum 57.
circumcidere libres 365.
Citate nacb der Verszabl 175. 506 f.
codex, codicillas 95 iF. 504.
Codexbucbwcsen 371 ff.
Codices, âlteste, 119.
codices cbartacei 120.
codices bebraei 106.
commentarium municlpi Caeritum 158.
Confi.^cationen 367 ff. 507.
Constantinopel 7. 431, 1. 504.
Constantinus 369.
convolvere 18.
Cordova, Bibliotbek 7.
cornoa 19. 66.
Cornutus 346.
corpus 36 ff. 503.
Corpus iuris 42.
Correktur 351. 355.
cortex 101.
crates 233.
Crispus Salustius 125.
cudere, procudere 149.
Dekaden 34.
âfkrioy, mroç 92. 433, 3.
Demetrius biblîop. 358.
dia/uM 33. 434.
dMtçiîy 459 f.
diaxoXkâi' 365, 2.
Didaktische Poésie 294 f.
Diocletian 113, 1. 369.
Dionynius bibliopola 358.
âinrvxov 433, 3.
dêq^»êçm47. 61. 64,2. 92. 349. 360.
432. 503.
âirq^fQOifÀn 116.
Domitian 364. 368.
Donis librarius 358.
Dramatiscbe Litteratur 491. 495 ff.
iyxiàfiiov 392 f.
éiktjT(içtoy 25. 65.
iikijTÔy 65.
Einband der Rollen 64.
tlojTov im Titel 494.
£lfenbein, pugillares aus 58.
ivUkfifxn 25.
i^vjTëçixol 16yoi, 435. 436, 1. 452.
intj Prosazeilen 204 f. 464. 506.
imyçttfifia 92. 434, 2.
Epistolograpben 378.
Epitomen mit BucbtbeilaDg 383, 1.
Epyllion, monobibliscb 392. 393. 399.
409 f. 468, 1 fin.
Eu menés 50.
evolrere 18.
explicare, explicit 18 ff.
Familiencbroniken, rômiscbe 63.
fasces librorum 33.
fasciculus 21.
fastigia 67.
Faustus 118,1, bibliop. 348.
Ffjjjûra 55, 3.
Firmus 66.
Flicken der Bûcber 365.
folia 288, 1 .
Freiexemplare 355.
frontes 07. 365.
Gedichtbucb 22. 289 ff.
yéyoïTo yévoiTo ara Bucbschiuss 480.
glutinator 242.
glutinum 231. 235 f. 246,44.
Goldschrift 108. 504.
yQ((f4U(( far ^ifikiov 387, 1.
yqnfÀfj.arfiâiOi' 21.
yçccfféùç 185. 358.
grapbiarium 75.
Hadrian 360.
ankaï fiifiko^ 486 ff.
Ikiaciiy, êikiiy 18. 48.
é^âfii^koç 44.
— Sach- und Personenregister. —
511
è^axovmfitfiloç 44.
Inrâ^iploç 44.
Heptateucbos 117.
Herculanensischo Kollen 128. 186 ff.
21 1 ff. 216 f. 222. 280 f. 319. 359, 1.
488. 50ô f.
Hesychios 106.
Hexameter 204. 505. 506.
okov pi^Uov 155 f.
vfÀVoç 392 f.
vnofÀVt}^(fTa, vno/nytj/Ltana/Lioi 92. 346.
îâwyQttffov 350.
ina 230.
index 6G.
Juden, Buchwesen der 49.
Junianus Trvfonianus 125.
Kaiserliche Hausbibliothek 113.
Kaiserreskripte 21. 181.
Kapitel, kaput 157 f.
K&.Htchen aus Papyrus 226.
Kaufcontrakte auf Papyrus 20.
xfjr'claiov 157 f. 445. 504.
Xffttkîç fiirBXiou 116.
Kloben, xéklfi 231 ff. 246, 44. 432.
Kolometrio 179 ff.
xoi'TKXioy 25.
790VTOffÔQOÇ 24 f.
Koronis 102. 444. 468.
Krates v. Mallos 363. 481.
xvhvdçoç 24.
Lampendocbt aus Papyrus 226.
Lederrollen 432. 504.
Leinenrollen 121.
lentigines 235.
Lescn, das 18. 252. 253 f. 503.
Lexicographie 140. 323.
lé^ixôy 32.
libellus 22 ff. 291. 420,1. 503.
liber, Rolle 13f. 51. 61. 480.
liber nicht Brief 21.
librarii, Buchschreiber , 207 f. 348.
356 ff. 507.
libri mendosi 356. 364, 1.
lignum 101.
linea 210.
lintei Hbri 50. 51,3.
Litteratur der Turditaner u. Tardaler
170.
Litteraturgeschichte, Toralezandrioische
477.
X6yoç 28 f. 447. 448. 466. 477, 2 fin.
Lucullus 363.
Makrokoll 245,27. 251. 283 f.
manuale lectorium 77.
MJluse 365.
Mavortius Lollianus 366^ 2.
Mediciner als SchrifUteller 500.
fAéyàlKf fAfyaç, /uiiCioy im Buchtitel
454. 493 f.
Membrane (vgl. âiff&içM) 57 ff. 432.
503 f.
membranula 66.
fiÎQoç fitfikiov (Tgl. pars) 158 f. 317.
464. 466 ff. 504.
fiixQcc im Tiiel 492.
Mischrollen, s. SammelbQcher.
mittere 1 1 1 f.
Mônchc als Schreiber 109.
Monobiblos 43. 287.
Monobibla 296 ff. 302 f. 336 ff. 406.
410. 414. 422 f. 424, 1. 440, 2 u. 3.
fÀoyôyQnrfoç 349.
Musae aU Titel 39.
Muschel 75. 235.
Neleus 437, 2. 458.
Nicomachi 123. 125.
Nilwasser 231 f.
Notcnschrift 71. 86. 356, I.
rô^tt am Buchscbluss 489, 1.
nova cbarta, novus libellus 69.
Octateucbos 117.
6/Lifrak6ç 16. 18,3. 25. 64,2. 92.
Opistbographa 92. 251. 321. 349, 2.
496. 506.
opus 33.
pagina 159. 229. 255.
Paliropsest, ancb auf Charta 57. 58. 63.
Palmbl&tter 50. 51,3.
Pammacbius 15. 369.
Pamphilos 106. 108. 116. 281.
Papierfabriken im DelU 228. 500.
Papyri, Masse erbaltener 255 ff.
TittTïtfçoç 13,2. 224.
Papyrus als Brennmaterial 97.
Papyrusseile 225 ff.
Papyrusstaude 223 ff.
Parrhasios, Skizzen des 53.
pars libri (rgl. ^néçoç u. Tripertita) 18.
158. 321.
Pentaden 35.
Pentateuchos 107. 117.
pergamena 52.
Pergameniscbe Bibliothek 53. 490.
Pergamum 54. 479. 48i. 492. 503.
512
— Sacb- und Personenregister. —
TTéQiyça'foç 02.
Peraer, Buchwesen der 49.
pctia 210.
qtdvHv, ediren 398, 1.
(fa^yôXfjç, ffatlôytjç paenula 65. 69.
209 2.
phUyri 98. 100. 121. 230. 506.
Phônizier, Buchwesen der 49.
(fvkloy 193.
Ttiyaxidiov fiixçoy 479, 1.
Tnvttxioy, n^ycexiç 92. 433, 3.
Piaiàtratos 434. 477, 2. 497, 2.
plagula 228. 232. 255.
plicare 19.
plambum, fiôh^oç 68. 92.
Polius Valerianus bibliopola 358.
Tïokvfiifikoç 44.
Poljkrates 434.
nolwnixoç {^xdoaiç, fiifikoç) 444.
Pompilius Andronicus 355, 1.
Pomponius Secuadas 344. 361.
Poséidon 124. 190. 281. 359.
poscere librum 362.
Prachtcodices 108.
ngay/Ltania 29. 33.
Privatabscbriften 111. 281 ff. 346,3.
359. 435.
Proculus 346.
Tiqoyqaifai 141. 142. 144. 465. 472.
Tiqotxd^fOHç 144.
ProSmien 141 ff. 411, 1. 419. 420.
464 ff. 472 ff.
i/'tjffa/ii6ç 92,
Ptolemaeos Philad. 50. 51. 458. 479.
485 ff.
Publikation, allmâblicbe, grôsserer
Werke 118.
pugillares membranei 85 f.
pumex, pumicare 365.
Purpurpergament 108.
nv^ nv^ioy, nv^iç 92. 433, 3.
Banzen mit Bûchera 503.
Rechnungen auf Papyrus 20. 433.
otifxtt 188,2.
Keskripte ^libri'* 21.
revolvere 18.
Rhodos 491.
Rolle, Herstellung der 237.
Rollenbûndel 33. 240. 503.
RoUenlànge 130 f. 439,1. 501.
Rom 357 f. 360. 362. 431. 481.
Roman 295 f.
rotulus 27.
!«accu8, /uceQc'Tiioy 33, 2. 92.
Sais 249.
SammelbQcher, Miscbrollen 48. 401 f.
427. 448 ff 488 ff.
aariffiç 53. 433.
Saturnaliengescbenke 71 ff. 407.
Saturnier als Prosa geschrieben 462.
scapus 238 ff.
schida, schedula, c/idâçêoy 229.
sciàsura 230.
Schreiber 207 ff.
Scbreibmaterialien 92.
Scbrifb 46, enge und weite 274.
Schriflcolumne u. Seite 215. 219. 255.
258.
Scbube aus Papyrus 226.
Scipioneninscbrift, erste 462.
scrinia 66.
Secundus bibliop. 358.
Seitenzahlung 159.
aêXiç 159.
Senatssekret&re 97.
Silbcnzâblung 161. 214.
aiUv^oç 66. 324. 434, 2.
dindon 65, 2.
GiàfÀtt, GajfAnnoy 36 ff. 114.
Sosii 358. 359.
Statilius Maximus 123.
station arii 125.
Sticbometrie 162ff. 440 ff. 504 f.
OTo/«Ç*ff^a# T^ç aç/noyiaç 151.
Subscriptionen der Textesrecensionen
123 f.
Subscriptionen mit Namen des Buch-
schreibers 281. 506.
Gvyyfjct^ufÀa 29. 33. 503.
avfifiiyHç ^i^Xoi 486 ff.
Gvvâyèiv 459. 497, 2.
Gvyray/Lia 20. 35.
aôyia^iç 35. 354, 1.
avyTttaaêty 36.
tabula 98, 2.
Tachygraphie 71. 86. 356, 1.
taenea 235. 246.
tamâ, tamaâ ^ Rolle'' 13.
Téx*'V 452, 2.
Testamente 158.
TéTçd^ifikoç 44.
TêTçakoyia 447, 3. 450, 1 .
Têvxoç 26. 89 ff. 116. 504.
texere, textura 228. 233. 426.
Tbalassius 507.
theca libraria 75. 92.
— AutorenTerceichnias. —
513
Theodosias 123. 369.
Theonas 113, 1.
Tiberios 368.
dlia 98.
tineae 246,42. 365.
TitelbUd 86.
tituU 157.
iitalus 66.
witi^fia 25. 324. 332. 454. 494.
-rofiÔQioy 25. 65. 94.
tomi 383, 1.
tomoeharUe 27.
TOfAoç 25 ff. 92. 309. 319. 449. 496.
tomulus 27. 240.
'Torqaatus Gennadias 125.
Traumerz&hluogen 277.
rgaoyia 447, 3. 477, 2 fin.
TripertiU 463.
Tryphon bibliop. 84. 348. 358.
umbilicas (vg!. o/uqxdoç) 33. 59, 3.
68. 83. 103. 150. 151. 155. 290.
Versand der Baoher 352. 362. 434 f.
yersus longus 214.
Victorianus 125.
▼olumen 14 ff. 62. 98. 480 f.
▼olumina in codicibus 97. 372.
▼olvere 18.
Vomiren, Vergleich Tom 121.
Vorlesen kirchlicher Schriften 113.
Wachstofel 50. 433,3.
Wiederauflagen 35, 1. 105. 285. 352.
353 f. 356. 366. 439.
Zablenscbrifi, griecbiscbe 163, 2. 187.
188. 194. 203.
Zabo 235.
Zauberpapyri 278.
ZeilengrGsse auf Inacbriften 221.
n. Autorenyerzeichniss.
AciUus 463.
Aelian 322. 384.
Aeliufl Stilo 356.
Aeschines 284,3. 325.
Aetna 295. 297.
Agatbarcbides 383, 1.
Alezander Apbrodûiensis 456,3. 459,3.
Alexis 446.
AUddamas 440, 2.
Alkipbron 326. 378.
Ambrosias 308. 378.
Ambrosios Alexaodrinas 171.
Ammianus Marc. 311 ff. 315. 322. 329.
Ammonios, vita AristoU 43.
Ampbilochios 166.
Anacharsis 168.
Andronikos 459.
Anakreon 89 f.
Anaoreontea 302.
Anazagoras 434.
Anaximenea 477, 2.
Birt, BuehweMii.
AntimacboB ▼. Kolopbon 450 f.
Antimaebos t. Heliopolia 166.
Anthologie, lateiniscbe 40. 173. 386 ff.
408,2.
Anthologie, Palatinisehe 89. 304. 305.
306. 388 f. 407, 2.
Antisthenes 449 f. 488. 494.
Antonias, de ratione dieendi 24.
Apicias 385.
Apollodor 311 ff. 322. 329.
Apollonios BhodioB 144. 291, 2. 293.
482 f. 495.
Appian 136.
Apoleius 125. 138. 296. 408,2.
ApuleiuB, De nota aspir. 30.
Aquilias Begalus 351.
Arat 291,2. 297.
Arator 104. 301.
Arion 166.
Aristeas 168. 440, 2.
Ariaten&t 325.
38
514
— Aatorenrerzeiehniss. —
Aristides 317.
Ariâtipp 448.
Aristopbanes com. 12, 3.
Aristophanes Bye. 447. 477, 2.
Aristoteles 156. 169. 184,3. 218. 320.
358.359.360.375.435. 436, 1. 437,2.
440, 2. 442. 443. 452 ff. 467, 1.
472 ff. 489, 1. 490. 494. 497, 1.
Arrian 310 ff. 329. 345.
Arius 369.
Arktinos 164.
Artemidoros Onirocrit. 142.
Artemidoros gramm. 394, 3.
Artemon v. Kasandria 362.
AscoDius 159. 176.
Athanasios 44.
Athenaeos 148. 311 ff. 328. 332. 484.
Augustinus 147. 312. 330. 378.
Ausonius 101 ff. 156. 163. 302. 303.
304. 307. 373. 408, 2.
Avianus 303.
ATienus 301. 302. 306.
ATitas 301.
Basilides 171.
Beda 104.
Bias 167.
Bion 394, 1. 395. 399,4. 400. 401,1.
Boetius 359.
Boetbos Ton Sidon 155.
Caelius Aarelianus 311 ff. 332.
Caeaar 17. 310ff. 322. 329. 337. 339 f.
Calpumius 297. 394, 1. 428.
Cal vus 83. 410. 411,2.
Cato 463. 481,3.
Catull 67 f. 297. 344. 401 ff.
CeUus 139.
Certamon Ilomcri et Ilesiodi 164.
Chaircphon 168. 337. 440,2.
Charisiu8 30. 313 f. 328. 334.
Scbriften nsçl /ly^é/wç 369.
Chilon 167.
Choerilos 446.
Chrysippos 30. 35. 36. 83. 212. 258.
279.
Cicero 21. 63. 85. 123. 124. 134. 139.
143. 146. 148. 172. 175 ff. 180.
184,3. 199 f. 212. 220. 282 ff. 307.
308. 310 ff. 318. 321. 326. 330.
336. 337. 345. 346. 348 ff. 3.58.
363 f. 366. 374,4, 376. 407. 449, 1.
472 ff.
Q. Cicero 337. 344,
Cincius Alimentai 463.
Cinoa 345. 410.
Ciris 297. 410.
Gaudian 301. 302. 303. 373. 376,
408, 2.
Claudius Quadrigarias 360.
Colamella 295. 343. 375.
Commentar z. Job 316.
Commodian 302.
Copa 298.
Corippus 302.
Cornélius Kepos 31. 40. 313. 315.
Cornificias rhetor 149. 311 ff. 322. 323.
328.
Cornificius poeta 410.
Culex 297. 410.
Curtius Rufiis 311 ff. 374.
Cyprian 504.
Cyrill 117.
Damastes 477, 2.
Danaides 164.
Dares Phrygius 301.
Demetrios Pbalereus 169. 479.
Demokrit 434, 4. 450. 494.
Demopbilos 471.
Demostbenes 170. 181. 183. 194 f.
285. 308. 311. 325. 362. 376.
Dinias 35.
Dio Cassius 34. 311 ff. 315. 328.
Diodor35. 135. 143. 144. 311 ff. 317.
332. 343. 374. 470.
Diogenes Laertius 151. 320.
Diogenian 363.
Diomedes 311 ff. 331. 334.
Dionva v. Halicarnass 149. 199. 337.
374, 4.
Dionysio3, periegeâi^ 297. 506.
Dioâkorides 312 ff. 332.
Dirae, Lydia 297. 298.
Domitian 83.
DracoQtius 301. 303. 306.
Kgidius 302.
Ëlegia in Maecenatem 297. 298.
Empedokles 165.
Ennius 45. 214. 293. 356. 462. 481.
Ënnodius 378.
Epapbroditos 361. 445.
Epboros 171. 462. 469 ff. 490.
Epicedion Drusi 297.
Epicharm 446. 496 f.
Ëpigonoi 165.
Epiktet 344.
— Autoreavcrzeichnlâs. —
515
Epikur 212. 312. 437,2.
EpimeDides 167. 168.
Eratosthenes v. Kyrene 482, 1.
Ëratosthenes scholasticus 391. 399.400.
Erinna 165.
Eudem 458, 1.
Eudoxos, Techne 127. 130. 16U 279.
Euklides 310 ff. 328. 333.
Eamolpos 167.
Euphorion 291.
Euripides 120. 192.
Eusebios 44. 106. 145 f. 171. 196.
311 ff.
Eustath. comm. Pind. 165.
Euthalius 183.
Eutrop 383,3.
Eutychides 420.
Evangelien 117.
Fabius Pictor 463.
Fannias, Annales 383, 1.
Festus 140. 323.
Firmicus Maternus 366.
Frontin 133.
Fronto 124. 345.
Oaius 219,5.
Galen 214. 346. 503.
Gellius 31.
Oeorgios Pisides 305.
Oermanicus 297.
OesU ApoUonii Tyr. 303.
Olaukon 448.
Gnathaina 168. 338. 440,2.
Gracchi 366.
GrattiuB 295.
Gregor der Grosse 117.
Gregor Ton Nazianz 171. 193. 196 f.
Gregorianus, codex 41. 104.
Harpokration 336.
Hekataeos 477,2.
HeUanikos 446,4.
Hephaestion 383, 1.
Herennius Philon 362.
Herennius Senecio 368.
HerUlos 169.
Hermogenes rhetor 312 ff. 328.
Hermogenes v. Smyrna 500, 1.
Hermogenes v. Tarses 360. 368.
Hermogenian 383, 1.
HermogenianoB, codex 41. 104.
Herodian 170. 312.
Uerodot 12,3. 194. 383, 1. 441. 446.
466. 466, 2. 477, 2.
Hesiod 440,3. 446. 494.
Hesychios r. Milet 27.
Hieronymus 15,4. 31. 106 ff. 109 ff.
142. 151 f. 180. 3I0ff. 318 f. 328.
331. 336. 369. 378. 480. 481, 1.
Hippokrates 44. 202. 441. 460f. 477,2.
479. 489, 1. 494. 503.
Hirtius 339. 340. 357.
Ilomer 71. 85. 128. 164. 279. 439.
440, 3. 441. 443. 444ff. 468. 468, 1.
477, 2. 489. 497, 2.
Uomerus Latinus 297. 382.
Horaz 59. 292. 294. 295. 297. 298.
339. 398, 1. 410,4. 424, 1. 427.
Uosidius Geta 303.
Hyperides 279. 307.
Javolenus 383, 1.
*lXtàç fÀMQÛ 494.
Interpretamenta Montepessulana 16. 91.
Johannes, Briefe 170. 180.
Josepbos 203.
Isidoros Y. Pergamum 176.
Isidor ▼. Sevilla 288.
Isokrates 194. 325. 434. 435, 1. 464.
477, 2.
Jadenpapyrus 258. 279.
Julian, EpUtol. 325.
Julius Africanus 44.
Julius Pollux 16. 91.
Junius Rusticus 368.
ias Aelianum, Flavianum, Papirlanum
463.
Justin 382 f.
Justinian 153. 172 f. 200 f. 218 f. 335.
388.
Juvenal 293. 294. 376 f.
JuTencns 138. 305.
Kallimachos 163 f. 289. 291. 297. 361.
393. 400,1. 400,3. 410. 411,2.
482 ff.
Karneiskos 312.
Kastor 182.
Klemens Alexandrinus 148. 151. 374.
Kleobulos 167.
Kolutbos 303.
Krantor 169.
Krinagoras 89.
Kriton 448.
Ktesias 383, 1.
Labienus 507.
Lachares ron Athen 182.
33*
516
— AntorenTerzeichnifs. —
LaeUntius 383, 1.
Leonidas 407, 2.
Libanius 507.
Liyias 36. 86. 101. 125. 137. 310 ff.
315. 331. 358. 374.
Liyius Andronicus 444. 462.
Lobon, nfQt nottjidty 166* ^
*LonginOB niçi v^vç 33, 2.
LoDgos 296. 302.
Lacan 81. 138. 292. 293.
Lncilius 236, 1. 345.
Lucrez 134. 142. 143. 292. 293. 495, 3.
Luetatius Catulas 405, 1.
Lukian 106,4. 295. 297. 337. 338 f.
Luzorius 118. 303. 348. 387. 408,2.
Lygdamus 66. 426. 428. 486, 1.
Lyko 437, 2.
Lykophron 297. 495.
Lykos 170. 337.
Macrobius 147.
Manetho 293. 294.
Manilius 148. 292.
MariaDos 166. 291,2. 400. 401,1.
Harcellus de med. 505.
Marias Victor 301.
MarUal 44. (Buch XIV) 71—87. 125.
142. 160. 164. 209, 2. 291. 296.
297. 354 f. 358. 425. 427.
Martianas Capella 103. 121. 150.
Maximus philos. 303.
Melesermos 326, 1.
Menander 84.
Methodios 171.
Moretum 297.
Moschos 390, 1. 394, 1. 399, 2. 400, 1.
401,1.
Masaeos .S03.
Naevias 462. 481.
Naso 304.
NemesiaDus 302. 394, 1. 428.
Keratius Priscus 93.
Nigidius Figulus 356.
Nikander 291,2. 297.
Niketas 302.
Nonias 381 f.
Nonnos 302.
Numenius 344.
Nux elegia 297.
Oedipodia 164.
Oppian 143. 193. 293. 295.
Optatian 111. 302.
Orestes trag. 303.
Oribasios 504. 506.
Orientius 301.
Origenes 28. 83. 107, 5. 109. 147.
166. 171. 180. 311 ff. 332. 374,4*
Orosias 15. 147. 310 ff. 329.
Orpheos 302. 306. 446.
OTid 138. 189. 292. 294. 295. 297.
347. 378 ff. 382, 5. 424, 1. 428. 505.
*OTid HaUeuUca 298 f.
PalaephatOB 167.
Palladas 103.
Pamphila 383, 1.
Pamphilos 140.
Panaetios 146.
PanegyricuB in Messalam 297. 426.
Panegyricus in Pisonem 297.
Panyasis 165. 441.
Papirius Justus 104.
Paralipomena 318. 336.
Paulinus 172. 302. 303.
Panlinus Petroc. 301.
Paulus, II ad Timoth. 65. 88.
Pausanias 139. 309. 311 ff. 316. 332.
Periander 167.
Persius 60. 297. 346. 361.
Petron 410,2.
Pbaedrus 385. 418.
Phalaris, Epist. 325.
Phanokles 380.
Phavorinus 117.
Pherekydes 446,4.
Philes 304.
Philippoa Opuntios 477. 477,2. 490,
Pbilippos Thessalon. 389.
Pbilodem 186 ff. 311 ff.
Philolaos 434, 4. 451.
Philoxenos 434.
Pbocas 303.
Pbotios 26.
Pbrynichos 324.
Pindar 165. 361. 440,3. 495.
Pindarus Thebanus; s. Homerus Latinns.
Pittakos 167.
Plato 12, 3. 285. 337. 434, 4. 435.
437, 2. 440, 2. 442. 443. 447. 473 ff.
476 f. 489, 1. 493. 505 f.
Plautus 374,4. 496.
Plinius hist. nat. 133. 143 f. 145. 227ff.
310 ff. 316. 322. 330. 333. 341. 343.
348. 349,2. 355,1. 361.
Plinius epist. 314 f. 325. 326. 345. 360.
Pliniusy medicina 323.
— Autorenverzeichniss. —
517
Flotin 114. 345. 459.
PluUrch 36. 151,1. 203. 312. 317. 343.
361. 376. 431, 1.
Folybios 12, 3. 136. 141. 142. 144.
146. 312 ff. 315. 332. 341. 438.
Polykrates 435, 1. 477, 2.
FoRiponiin Mêla 322.
Porphyrios 146 f. 151. 314. 322. 329.
369. 459.
Postumius Albinus 463.
Priapea 297. 344 f. 427.
Priflcian (ara) 335.
PrÎBciaD, periegesis 303.
Proba Faltonia 302.
Probus, Epigramm des 40.
Proklos 315. 320.
Properz 84. 280. 292. 412. 413 ff.
Prosper 303.
Protagoras 367. 450, 1.
Pnidentias 94, 1. 102. 301. 303. 305 f.
373.
Psalmeo 180.
Psellus 305.
Pseudo-Phokylidea 440, 3.
Ptolemaeos 44.
Quintilian 139. 149. 310 ff. 328. 331.
348. 358.
Quintus Smyrnaeus 302.
Remua Favinua 303.
Reposianua 303.
Rhetorischer Papyrus 278.
Rufinua 110.
Ruaticus Elpidius 303.
Rutiliaa Lupua 384.
Rutilius Namantianua 103. 301-
Sabinua, epiatulae heroum 407.
Salluat 80. 336.
Sappho 213.
Scaevola, de inre cirili 24.
SeduHua 301.
Jfxovvâov fiioç 279.
Seneca rhetor 95,5. 155. 308. 374.
376. 507.
Seneca philoa. et trag. 325. 337. 343.
344. 373. 375. 376. 496.
Septaaginta 479 ff.
Serapion 357.
Serenua Sammoniua 302. 361.
Serriua 31. 114.
Sextua Empiricus 148.
Sibylliniscbe BQeber 51. 368. 505.
Sidoniua Apollinaria 108. 306. 878.
408, 2.
Siliua Italiens 138. 292. 361.
Simmiaa 449.
Simon 449.
Simoa oipaqtvaia 434.
Sinniaa Capito 326.
Selon 167.
Sopater Alezandr. 383, 1.
Sophoklea 198. 495.
Spenaippoa 168. 434,4. 442.
Sutiua 293. 296. 402. 412.
Stephanoa t. Bycans 140. 169. 324.
Stobaeoa 316.
Strabo 139. 145. 310 ff. 331.
Strato philos. 169. 437, 2.
Strato poeta 305. 306.
Sueton 44, 2. 288 f. 308. 374, 4. 380.
481,4.
Suidaa 27.
Sulpicia 426, 1. 427.
Sulpicina Severua 219. 352.
Symmachua 310 ff. 325. 326.
Symphoaius 303. 387.
Synesius 305. 325. 348.
Tabula Paschalia 219.
Tacitus 137 f. 310 ff. 315. 329. 337.
352. 374. 423.
Telephos y. Fergamnm 362.
Terentianna Maunia 381.
Terenz 496.
Tertullian 311 ff. 315. 330. 337. 338.
356.
Teatament, Altes 479 ff.
Thalea 167.
Thamyras 167.
Thebaia 165.
Theodektea 169.
Tbeodoaianua, codex 104. 219,5.
Theognia 165. 441. 495. 505.
Theokrit 225, 2. 389—401. 404. 507.
Tbeophraat 146. 169. 225, 1. 383, 1.
437, 2. 442. 455 ff. 489.
Theopomp 33, 2. 162. 205. 374. 383,1.
442. 461. 477, 2.
ThraayU 447, 3. 450, 1.
Tbukydidea 198 f. 285. 362. 441.444.
447. 477, 2. 504.
Tibull 81. 292. 426 ff.
Ticidaa 411,2.
Timaeoa 462.
Timon Pbliaaiua 169.
TimotheoB 165 f. 441.
518
— Âatorenyerzeicbnus. —
Tisias 82.
Trebatius 82.
Trjphiodor 303.
Tyrannio 358. 459.
Tzetzes 291. 302. 304.
Ulpian 97.
Yalerius Flaccua 292.
Varro 50 f. 133 f. 141. 149. 201. 240,7.
310 ff. 329. 343. 353. 356. 374.
383, 1. 493.
Yelleina 313. 320 f. 374,4.
Yenantius Fort. 301.
Yergil 45. 86. 134. 138. 142. 143.
144 f. 173 f. 292. 294. 295. 297.
347. 350. 366. 394, 1. 3i»5. 397.
404.
Schol. Bemeosis zu Yergil's Oeorg.
406, 3.
Yerrias Flaocas 140.
Yictorinus 303.
VitruY 322.
Vopiscus 30. 352.
Waltbarias 304.
Xenokrates 442. 443.
Xenopbon 440, 2. 441. 443, 1. 448.
464 ff. 477,2. 489,1.
Zenobios ParGm. 383, 1.
Zenon 212.
Zopyrion u. Pampbilos 140.
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Expédition. 1.S82. geb. ca. 1 M. T.o Pf.
(lOibel. KmanuH. riassiscbes Li<Mli'rbu<*.li. Grieclu*n und lî*".!.:*
in d«MitsrlM»r Xaebbildunji:. l)ntt«» selir vernieluii* Aut^a^••. (i«'b. »• M
(■riiniii. Herman. (i«H»tlie. Vorlesimijen , gebalr^îu au der Ifi-v. -
sitîit zii Herliu. 2. Autlage. (4e}i. H M.
Hertz. Martin. l\ari Jiacbmann. Kino nio^rpapiii»»^ ls;,i. -. ;
:> M. <îo pf.
— ï><*.lirift*4t<'lliT und Pu))iikuni in Rniu. Kin Vortr.i^
\vis>. Vt'reiii zu l>»»rlin ani 22. Januar iN'i.'i. gt*h. SO l*i'.
Kireliboir. A. I>i«' lionu'risob*' Odyss«»e. Zwt»it*». iiint;«';irl. > •
Autl.Mii*' vnM «i>if lii»ni«'risoli«' (>ilys<Mt» mid ibn» Kntstehir.iL:'*
«Pi«' < ''•inposjtinii d«'r c KIvsm'c". (ît'li. 12 M.
(Mdenber;j:. H. lîuddha. Sein LefxMi, sj'iui» Lebn», soin»» Im*;.. j,,.!
l^^.^l. (irli. 10 M.
Sebniidt. Leopold. hie Kthik d«*r ait «mi * î r io. r lio n. l'î:»:i.!
Iss2. ( ;.•!.. 7 M.
(IM. IL, S.îldussl.and, t?r-«-lnMnt lss2.)